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Full text of "Jahrbuch des Provinzial-Museums zu Hannover umfassend die Zeit .."

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Jahrbuch 



des 



ProoinziaMttuseums zu Hannover 



umfassend 



die Zeii 1. April 1901-1904. 



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Hannover. 

Druck von Wilb. Riemsch neide r. 

1904. \85"A'^^ 



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Jahrbuch 



des 



ProvinziaMttuseums zu Hannover 



umfassend 



die Zeit 1. April 1901-1904. 

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OCT 2 6 1993 

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Hannover. 

Druck von W i 1 h. R i e m s c h n e i d e r. 
1904. 



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Inhalts - Üb ersieht. 



Seite 

Einleitung ] 

Vermehrung der Sammlungen I. Historische Abteilung 4 

II. Kunst- Abteilung 8 

HI. Naturhistorische Abteilung 9 

Der Urnenfriedhof bei Jastorf von Gr. Schwantes 13 

Patene aus der Kirche in Bültum von H. Runde 26 

Bastard von Birkhuhn und Fasan von Dr. A. Fritze . 26 




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Saal 1, 2, 3 
Prähistorie. 

Saal 3a, 4, 5 
Ethnographie. 

Saal 24 
Münzen. 



Erdgesehoss. 




Saal 25, 27 
Gipse. 

Saal 26 

Original- 

sculpturen. 

Saal 28, 29, 30, 33 

Histor. 

Altertümer. 

Saal 34—36 
Verwaltung. 

Saal 37 a— 39 

Natur h ist. 
Sammlungen. 



Hauptgesehoss. 




Saal 41—48 und 

Cabinet XXI— XXV 

Bilder moderner 

Meister. 

Saal 40 

und Cabinet I — XX 

Bilder alter 

Meister. 

Saal 49—57 
Naturhistor. 
Sammlungen. 



Obergeschoss. 



D. 



las Provinzial- Museum zu Hannover ist hervorgegangen aus dem „Museum für Kunst 
und Wissenschaft", dessen monumentaler Bau von C. W. Hase in den Jahren 1853 — 1856 an der 
Sophienstraße hieselbst errichtet wurde. Das alte Museum für Kunst und Wissenschaft, der 
gleichnamigen Aktien -Gesellschaft gehörig, war im wesentlichen als Vereinshaus gedacht, welches 
allen wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen in Hannover einen gemeinsamen Mittel- 
punkt geben sollte. In ihm fanden drei Vereine mit ihren Sammlungen Unterkunft, der histo- 
rische Verein für Niedersachsen, die naturhistorische Gesellschaft und der Verein für die öffentliche 
Kunstsammlung, außerdem der hannoversche Kunstverein mit seinen jährlichen Ausstellungen, 
sowie der Künstler- Verein, der Architekten- und Ingenieur- Verein und die Sing -Akademie. Es 
lag in der Natur der Sache, daß die drei erstgenannten Vereine auf die Dauer nicht die Mittel 
aufbringen konnten, die Sammlungen ersprießlich weiter zu entwickeln und es mußte Ende der 
sechziger Jahre ernstlich in Erwägung gezogen werden, ob ein weiteres Sammeln dieser drei Ver- 
eine wegen unzureichender Mittel nicht eingestellt werden müsse. Das Fortbestehen der Samm- 
lungen wurde dadurch ermöglicht, daß man sich mit Hinzutritt der Provinzialverwaltung von 
Hannover ls70 entschloß, die Sammlungen der drei Vereine zu einem Provinzial -Museum zu ver- 
einigen, und die Provinzial -Verwaltung regelmäßige Zahlungen übernahm, welche die Kosten der 
Verwaltung deckten und darüber hinaus Mittel zu Anschaffungen zur Verfügung stellte. Durch 
dieses Vorgehen wurde die Vermehrung der Sammlungen so gefördert, daß in den nächsten 
15 Jahren mehrere Erweiterungsbauten zur Unterbringung derselben nötig wurden. Der Umstand, 
daß das Aktienunternehmen, das Museum für Kunst und Wissenschaft, welches die Vereine mit 
ihrem Vereinsleben umfaßte, und das neugegründete Provinzial -Museum, welches mit den von der 
Provinz gewährten Mitteln die Sammlungen verwaltete, in einem Hause untergebracht war, ließ 
bald erkennen, daß ein solches Nebeneinander von zwei Verwaltungen mit nicht immer zusammen- 
fallenden Interessen, auf die Dauer nicht durchführbar sei. Deshalb entschloß sich 1880 die 
Provinzial- Verwaltung, unter Auflösung der Aktiengesellschaft, das „Museum für Kunst und 
Wissenschaft", d. h. das Grundstück mit Gebäuden und den gesamten Aktienschulden in ihr 
Eigentum zu übernehmen. Damit war man dem Ziele, ein einheitliches Museum zu erhalten, 
sichtbar nahe gerückt. Diesem Bestreben, das Museum einheitlich zu gestalten, wurde dann 1890 
dadurch weiterer Ausdruck gegeben, daß man einen Direktor an die Spitze desselben stellte. Die 
Vereine mit ihrem Vereinsleben blieben nach wie vor im Hause, jedoch nicht als Eigentümer, 
sondern als Mieter der Provinzial- Verwaltung. Nachdem nun in den Jahren 1894—1895 die 
Provinz durch Verträge mit der Königlich Preußischen Staatsregierung und Sr. Königlichen Hoheit 
dem Herzoge v. Cumberland noch die Verwaltung des Weifen -Museums und der Fideikommiß- 
Sammlungen des Gesamthauses Braunschweig und Lüneburg übernommen hatte, konnte man sich 
der Überzeugung nicht verschließen, daß das alte Haus an der Sophienstraße zu klein geworden 
sei, daß man zu einem Neubau schreiten müsse. Das alte Haus und Grundstück ging gegen 
einen Kaufpreis von 725 000 Mk. und Hergabe eines Grundstückes für einen Neubau in den 
Besitz der Stadt Hannover über und wird nach wie vor unter der Bezeichnung „Künstlerhaus" 
vorzugsweise den Interessen der genannten Vereine dienen. Aus dem Wettbewerb für den Neubau 
eines Provinzial -Museums ging der Baurat und Professor an der Technischen Hochschule in 
Hannover, Hubert Stier, als Sieger hervor, und wurde das neue Gebäude, umgrenzt von der 
Rudolf v. Bennigsenstraße, der Langensalzastraße und der Planckstraße, mit einem Kostenaufwande 
von rund 2 000 000 Mk., ohne die Kosten der inneren Einrichtung, in den Jahren von 1897 bis 
1901 erbaut. Im Sommer des Jahres 1901 wurden die Sammlungen in das neue Gebäude über- 
führt und dasselbe am 14. Februar 1902 dem Besuche geöffnet. 



Die Sammlungen des Provinzial- Museums sind in drei Verwaltungs- Gruppen geteilt: 

1. Die historische Abteilung; umfaßt die bis 1870 vom historischen Verein zu- 
sammengebrachten Gegenstände, dasjenige, welches aus Provinzialmitteln erworben 
wurde, sowie das Weifen-Museum und Teile der Fideikommiß -Galerie des Gesamt- 
hauses Braunschweig und Lüneburg. Die Sammlungen bestehen aus kirchlichen 
und profanen Gegenständen vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts» 
einer etwa 14000 Stück umfassenden Sammlung von Münzen und Medaillen 
weifischer Fürsten und Städte unter weifischer Herrschaft, sowie der hoch- 
bedeutenden Sammlung vor- und frühgeschichtlicher Altertümer, und der Samm- 
lung ethnographischer Gegenstände. 

2. Die naturhistorische Abteilung umfaßt die naturhistorischen Sammlungen, 
welche bis 1870, vor der Gründung des Provinzial- Museums, von der natur- 
historischen Gesellschaft zusammengebracht sind, sowie diejenigen Gegenstände, 
welche aus provinzialen Mitteln erworben wurden und den Teil der Sammlungen, 
welcher zum Fideikommiß -Eigentum des Gesamthauses Braunschweig und Lüne- 
burg gehört. 

3. Die Kunst- Abteilung umfaßt Bilder, Skulpturen und Gipsabgüsse, welche vom 
Verein für die öffentliche Kunstsammlung gesammelt sind, sowie diejenigen, 
welche aus provinzialen Mitteln erworben wurden und denjenigen Bestand an 
Gegenständen der Skulptur und der Malerei, welcher dem Fideikommißbesitze des 
Gesamthauses Braunschweig und Lüneburg angehört. 

Seitdem 1890 durch Anstellung eines Direktors berufsmäßige Museumstätigkeit eingerichtet 
wurde, mußte mit der Weiterentwickelung der Sammlungen auch eine Erweiterung des Personal- 
bestandes Hand in Hand gehen. 

Außer dem Direktor waren 1890 berufsmäßig tätig: ein Kustos, ein Präparator und ein 
Kastellan als Oberaufseher, ein Portier, drei Aufseher und zwei Hülfsaufseher. 

Im Jahre 11)01 wurde Dr. Fritze als Direktorial-Assistent für die naturhistorischen Samm- 
lungen und der schon langjährig am Provinzial -Museum tätige H. Runde als Direktorial-Assistent 
für die historischen und Kunst-Sammlungen angestellt. Ebenso wurde 1901 für den in den Ruhe- 
stand getretenen Präparator Braunstein, der Präparator Schwerdtfeger als Provinzial -Beamter 
angestellt. Auch wurde dem Kustos Köhler die Eigenschaft eines Provinzial - Beamten verliehen. 
Durch die Anstellung berufsmäßiger Museumsbeamten wurde der ganze Betrieb entsprechend 
intensiver gestaltet, sodaß jetzt am 1. April 1904 der Personenbestand besteht aus: 1 Direktor, 
2 Direktorial-Assistenten als Oberbeamte, 1 Restaurator, 1 Präparator, 1 Kastellan, 1 Hausmeister 
als Unterbeamte I. Klasse, sowie einem Rohrmeister und 13 Aufsehern als Unterbeamte IL Klasse. 

Zur Sicherung der Sammlungen gegen Diebstahl und Feuergefahr ist nach Schluß der 
Dienstzeit bis zum Beginn derselben am anderen Tage ein Wachtdienst eingeführt. 

Die Auswahl der Aufseher wird so vorgenommen, daß unter ihnen genügend gelernte 
Handwerker vorhanden sind, welche die gewöhnlichen Schlosser-, Tischler-, Maler-, Stukkateur-, 
Vergolder- und Buchdrucker-Arbeiten ausführen können, wofür eigene Werkstätten eingerichtet sind. 

Der Teil der historischen Sammlungen, welcher bislang Eigentum des historischen Vereins 
für Niedersachsen war, ist von der Provinz käuflich erworben, und hat der Verein auf alle ihm 
an der Museums- Verwaltung zustehenden Rechte verzichtet. 

An den naturhistorischen Sammlungen haben in dankenswerter Weise mitgearbeitet, die 
Herren Apotheker Medizinalrat Brandes, Andree und Schaper, sowie der Oberlehrer Herr Dr. Ude. 
Herr Brandes ordnete die botanische , Herr Andree die mineralogische und Herr Schaper die 
Conchylien-Sammlung, und Herr Dr. Ude hat an der paläontologischen Sammlung gearbeitet. 

Durch den Umstand, daß das Museumsgebäude erheblich kleiner ausgeführt wurde, als 
ursprünglich geplant war, ist bereits ein wesentlicher Platzmangel bemerkbar. Die für die ethno- 
graphischen Sammlungen bestimmten Räume sind bereits so besetzt, daß neue Erwerbungen nicht 
mehr untergebracht werden können. Auch in einzelnen naturhistorischen Räumen macht sich der 
Raummangel empfindlich bemerkbar. 

Die Sammlungen des Provinzial -Museums sind auf einer Höhe angelangt, daß von einer 
Erwerbung minderwertiger Gegenstände abgesehen werden kann. Die Direktion ist bemüht, solche 
Gegenstände, welche für das Provinzial -Museum keine notwendige Ergänzungen bedeuten, den 



kleineren Museen in der Provinz zuzuwenden. Daher kommt es denn, daß die Erwerbungen auf 
Kunst- und kulturhistorischem Gebiete an Anzahl keine große Zahl aufweisen, weil nur noch her- 
vorragende Stücke erworben werden. Auch auf das Sammeln kunstgewerblicher Gegenstände, sowie 
solcher Stücke, welche ihrer Natur nach in die Lokalmuseen vaterländischer Altertümer gehören, 
hat das Provinzial- Museum schon seit Jahren verzichtet, da hierfür in der Stadt Hannover be- 
sondere städtische Museen vorhanden sind. Da es Aufgabe des Provinzial -Museums sein muß, 
als Zentralstelle der Provinz, Kenntnis zu erhalten von allen heimischen Gegenständen, welche in 
öffentliche Sammlungen der Provinz gelangen, damit eine notwendige Übersicht über das gesamte 
in der Provinz vorhandene Material möglich bleibt, so sind Maßnahmen in die Wege geleitet, 
welche diese für die Wissenschaft unerläßliche Gesamtübersicht ermöglichen können. 

Um die Sammlungen des Museums mehr nutzbar zu machen, als es durch einfaches 
Offenhalten geschieht, sind versuchsweise Führungen veranstaltet. Diese Versuche haben zu dem 
Ergebnis geführt, daß mit Nutzen nur eine beschränkte Anzahl, etwa 25 Personen, geführt werden 
können und davon abgesehen werden muß, Führungen durch das ganze Museum zu veranstalten. 
Eine solche Beschränkung der Teilnehmerzahl läßt sich naturgemäß nicht in der öffentlichen 
Besuchszeit von 10 — 3 Uhr bewirken. Es ist daher in Aussicht genommen, bei Führungen mit 
einer Teilnehmerzahl von 25 Personen jedesmal nur eine Sammlung eingehend zu besprechen. 
Als passende Zeit wird die Zeit nach 3 Uhr angesehen werden müssen. Es werden zweckmäßig 
Teilnehmerkarten beim Portier auszugeben sein. Die Probeführungen haben sich des allerleb- 
haftesten Zuspruches zu erfreuen gehabt, und es darf angenommen werden, daß solche systematisch 
durchgeführte Besprechungen der Schätze unseres Museums das Interesse für die idealen Ziele, 
welche den Bestrebungen der Museen gesteckt sind, in die weitesten Kreise tragen werden. 

Durch fürstliche Besuche wurden das Museum in diesem Zeiträume mehrfach ausgezeichnet. 
S. Majestät der Kaiser Wilhelm II. besichtigte die Sammlungen am 20. April 1902 und am 
20. Dezember 1903. Die Königin Mutter von Italien, Königin Margherita, besuchte das Museum 
am 28. September 1903. 



Hannover 1904. 



Der Direktor. 

Dr. Reimers. 



L Historische Abteilung. 



Die Vermehrung der historischen Sammlungen des Provinzial-Museums ist in den letzten 
Jahren wegen der Neuaufstellungs- und Katalogisierungsarbeiten beim Übergange in das neue 
Museumsgebäude keine so große gewesen, wie in den früheren Jahren, und ist aus diesem Grunde 
nur das allernotwendigste, was vor Verfall oder Verschleppung gerettet werden mußte, erworben 
worden. Erst in neuerer Zeit beginnt das Museum für den systematischen Ausbau der Samm- 
lungen größere Erwerbungen zu machen. So ist zunächst für die Vor- und frühgeschicht- 
liche Sammlung mit selbständigen systematischen Ausgrabungen begonnen worden, welche das 
in der Sammlung befindliche reiche Fundmaterial in jeder Hinsicht ergänzen und erweitern werden. 
Es sind zu diesem Zwecke mit verschiedenen Grundbesitzern der Provinz Verhandlungen ange- 
knüpft, um die auf ihrem Grunde belegenen Gräberfelder, welche in steter Gefahr sind vom 
Pfluge vernichtet oder von Unberufenen zerstört zu werden, für die Wissenschaft auszubeuten. 
Bereits im Jahre 1901 ist der Anfang gemacht worden mit der Ausgrabung eines eisenzeitlichen 
Urnenfeldes bei Heitbrack und Jastorf im Kreise Uelzen, welches reiche Funde geliefert hat (vgl. 
S. 13 den Aufsatz von Schwantes „Der Urnenfriedhof von Jastorf"). Ferner wurde seit 11)03 ein 
römisches Urnenfeld bei Nienbüttel in derselben Gegend aufgedeckt, welches ebenfalls reiche 
Funde ergab, und sind die Untersuchungen an dieser Stelle noch nicht abgeschlossen. Immerhin 
bemüht sich das Museum zunächst nur die in Gefahr der Vernichtung befindlichen Gräber zu 
untersuchen und alles nicht unmittelbar Gefährdete für zukünftige sachverständige Untersuchungen 
zurückzustellen, was um so notwendiger erscheinen muß, als durch die fortgesetzten unberufenen 
Grabungen der Bestand an wirklich intakten Denkmälern der Vorzeit in unserer Provinz sich sehr 
verringert hat. An einzelnen Bodenfunden hat in den letzten Jahren nur sehr wenig erworben 
werden können, wohl hauptsächlich deshalb, weil durch die fortwährenden Neugründungen kleiner 
und kleinster Museen in der Provinz die zufällig gefundenen Bodenaltertümer meist in diese 
gelangen und so der Wissenschaft, welche der übersichtlichen Aufstellung und Gruppierung des 
vorhandenen Materials nicht entraten kann, sehr wenig nützen. Von wichtigeren Einzelfunden 
konnte nur ein tadellos erhaltener römischer Bronzeeimer aus Liebenau erworben werden, Typus 
der Hemmoorer Gefäße, aber ohne Verzierung, mit glatter Wandung. 

Die Erwerbungen für die kulturgeschichtlichen Sammlungen der historischen 
Zeit haben sich wie in früheren Jahren lediglich auf kirchliche Altertümer der Provinz beschränkt, 
da auf den Erwerb von Profanaltertümern rein kunstgewerblichen Charakters in Rücksicht auf 
die in der Stadt Hannover befindlichen städtischen Museen, deren Sammelgebiet vorzugsweise 
das Kunstgewerbe bildet, verzichtet wird. Auch für diese Sammlung wurden in erster Linie 
Gegenstände erworben, welche vor Verfall zu schützen waren oder deren Konservierung an ihrem 
früheren Aufbewahrungsort, meist Kirchen, nicht genügend gesichert erschien. 

Eine der wertvollsten Erwerbungen für diese Sammlung bildet eine romanische silberne 
Patene, welche aus der Kirche in Bültum bei Hildesheim angekauft wurde (siehe Beschreibung 
und Abbildung S. 26, Taf. VI). Da die Patene in der Kirche noch im Gebrauch war und dem 
Kultus nicht entzogen werden durfte, so ist vom Provinzial- Museum außer dem Kaufpreis auch 
noch eine genaue Nachbildung in Silber der Kirche überwiesen worden. 

Von den sonstigen Erwerbungen an kirchlichen Altertümern sind zu nennen zwei hervor- 
ragend schöne Holzfiguren des IG. Jahrhunderts, Christus und Maria aus der Kirche in Beim bei 



Osnabrück, sowie besonders ein dem 15. Jahrhundert entstammender Sakramentsschrein 
mit Malereien aus der Kirche in Undeloh im Lüneburgischen. Das letztere Stück hat besonders 
deshalb für das Museum einen hohen Wert, weil es augenscheinlich von derselben Meisterhand 
herrührt, wie ein schon seit Jahren im Museum befindlicher ganz ähnlicher Schrein aus der dem 
Orte Undeloh benachbarten Kirche zu Bispingen. 

Die der historischen Abteilung angegliederte Ethnographische Sammlung hat in 
der letzten Periode besonders umfangreiche Erwerbungen zu verzeichnen. Bei dem Ausbau dieser 
Sammlung sind in erster Linie die Gesichtspunkte maßgebend gewesen, welche darauf hinzielten, die 
Kultur der Länder der deutschen Schutzgebiete möglichst abschließend vor Augen zu führen, 
während die übrigen Länder naturgemäß insoweit volle Berücksichtigung erfuhren, als zur Ausfüllung 
von Lücken einer anschaulichen Übersichtssammlung nötig war. Es sind daher schon seit einer 
Reihe von Jahren mit den Gouverneuren und Konsuln der deutschen Kolonialgebiete erfolgreiche 
Verbindungen angeknüpft, um durch sie den Sammlungen weiteres Material zuzuführen. Besonders 
groß ist die Schenkfreudigkeit für diese Sammlung gewesen und sind gerade die bedeutendsten 
Erwerbungen der Uneigennützigkeit von Geschenkgebern zu verdanken. Unter ihnen sei in erster 
Linie Herr Geh. Medizinalrat Dr. Robert Koch in Berlin und Herr Gouverneur R. v. Bennigsen 
in Herbertshöhe genannt, welche gemeinsam eine hervorragende Sammlung Südsee- und Neu- 
Guinea-Sachen schenkten. Ebenso sind wir dem Kaiserlichen Gouvernementssekretär Herrn Cohrs 
in Dar-es-Salaam, Herrn Kaufmann Hasenbalg in Iquitos und Herrn Stabsarzt Dr. Dempwolff in 
Hannover zu Danke verpflichtet, deren Sammeleifer dem Museum hervorragende Stücke zugeführt 
hat, wie dasselbe schon vorher dem Plantagendirektor Stalmann in Sumatra die hervorragende 
Battaksammlung, dem verstorbenen Herrn Bruno Mencke aus Hannover eine ausgezeichnete Südsee- 
Sammlung, dem Herrn Kapitän Berndt und der Frau Generalleutnant v. Bothmer aus Hannover 
schöne Sammlungen ostafrikanischer Gegenstände zu verdanken hatte. 

1. Vor- und frühgeschichtliche Sammlung. 

A. Geschenke. 

Einbaum, gefunden in der Weser bei Minden, überwiesen von der Kgl. Weserstrombau- 
Direktion in Hannover. 

Desgl. gefunden in der Aller bei Verden, überwiesen desgl. 

Bronzesichel, gefunden bei Lüchow, geschenkt von Herrn v. Allwörden in Hamburg. 

Steinbeil, gefunden bei Stocksee in Holstein, geschenkt von Herrn Hofbesitzer Kruse 
in Stocksee. 

Feuerstein- Artefakte, gefunden bei Aschen, Kreis Diepholz, geschenkt von Herrn 
Landrat v. Wangenheim in Diepholz. 

Dolchklinge von Bronze, zusammen gefunden mit einer 23 cm langen gereifelten 
Bronzenadel in einem Hügelgrabe bei Benefeld, Kreis Fallingbostel. ferner ein 

Hirschhorn - Artefakt, gefunden im Kies der Leine bei Grasdorf, Geschenke des Herrn 
Ingenieur Adolf Hoffmann in Hannover. 

Steinbeil, gefunden bei Mönchehof, Kreis Neustadt a. R., geschenkt von Herrn Ökonom 
Hansen daselbst. 

Benntierstange mit Brandspuren, gefunden auf Memmert-Sand bei Juist, geschenkt von 
Herrn Oberleutnant a. D. Schlotfeldt in Hannover. 

Schleuderstein, gefunden bei Uten, Kreis Burgdorf, geschenkt von Herrn Rendant 
Ihssen in Hannover. 

B. Ankäufe. 

Römischer Bronze -Eimer mit einfachem Henkel, ohne Verzierungen, Typus der Hem- 
moorer Gefäße, gefunden bei Liebenau, Kreis Nienburg. 

Funde aus Hügelgräbern bei Westersode, Kreis Neuhaus a. 0. Urnen und Beigaben. 

Bronze-Axt, gefunden bei Schwärme, Kreis Hoya. 

Bronze-Armringe, Bronzebuckeln und verschiedene kleine Beschlagteile, gefunden bei 
Bergen a. D., Kreis Lüchow. 

Dolchklinge und Bandaxt von Bronze, gefunden in einer Kiesgrube bei Bokeloh, 
Kreis Neustadt a. R. 

Bronzedolch, gefunden bei Eystrup, Kreis Hoya. 



6 

Ergebnisse einer vom Provinzial-Museum unternommenen systematischen Ausgrabung bei 
Heitbrack und Jastorf, Kreis Uelzen, bestehend in umfangreichen eisenzeitlichen Funden, Urnen 
nebst Beigaben etc., ca. 300 Nummern. (Vgl. S. 13 den Aufsatz von Schwantes „Der Urnen- 
friedhof bei Jastorf".) 

Ferner Ergebnisse einer vom Provinzial-Museum unternommenen Ausgrabung auf dem 
römischen Gräberfelde bei Nienbüttel bei Uelzen, bestehend zum größten Teil in eisernen Schild- 
buckeln, Lanzenspitzen, Schwertern, Resten von Bronzegefäßen, einem Bronzesieb, Bronzesporn, 
sowie Teilen eines Trinkhornbeschlages, zusammen ca. 150 Nummern. 

2. Geschichtliche Sammlung. 

Ankäufe. 

Zwei Holzfiguren, Christus und Maria, Anf. 16. Jahrh., aus der Kirche in Beim. 

Kleiner Crucifixus von Holz, 15. Jahrh., aus dem ehemaligen v. Sodeschen Kloster 
zu Hannover. 

Sakramentsschrein, 15. Jahrh., aus der Kapelle in Undeloh. 

Taufengel von Holz, 18. Jahrh., aus der Kirche in Appenrode. 

Pateue von Silber, romanisch mit eingravierten figürlichen Darstellungen, aus der Kirche 
in Bültum (vgl. Abbildung Taf. VI). 

3. Ethnographische Sammlung. 

A. Geschenke. 

Von dem Kaiser]. Gouvernementssekretär Herrn Cohrs in Dar-es-Salaam wurden folgende 
Gegenstände aus Deutsch-Ostafrika geschenkt: 

Holzschemel zum Zusammenklappen mit Vorrichtung zum Reiben von Früchten. 
Musikinstrument und Kriegshorn. 

Mehrere aus Holz geschnitzte Häuptlingsstäbe mit Metallbeschlägen, verschiedene 
Schwerter, Dolche und Streitäxte von Eisen. 

Eiserne Lanzen mit Holzstielen, Bogen, Pfeile und ein Schild aus Nilpferdhaut. 
Aus den Dubletten der .wissenschaftlichen Sendungen aus den deutschen Schutzgebieten 
wurden folgende Gegenstände überwiesen: 
aus Deutsch-Ostafrika: 

Fingerring von Hörn und Ohrspirale der Djagga, 
Eiserne Fussschelleu mit Ledergurt der Wagogo, 
Saugrohr der Wassiba mit Bast umsponnen, 
Armring der Wanyakusa von Messing, 
Schnupftabaksdose und Pfeife der Wanyamwesi, 
Kopfschmuck der Wangoni aus Federn, 
Bogen aus Ufipa, 

Speere mit eiserner Spitze aus Urundi und Wanyaturu, 
Perlengürtel der Frauen aus Wanyaturu, 
Tasche aus Bast aus Ruanda, 
Baumwollenes Tuch aus Mpimbwe; 
aus Togo: 

Armring der Bassari aus kleinen Muscheln gefertigt, 
Armring aus Bast geflochten, Nordwest-Lama, 
Steinäxte aus Pangala, Torogode und Aledyo Kadara; 
aus Kamerun: 

Amulett, gestickte Tasche und Signalpfeife der Bule, 
Rassel, Tasche und Korb aus Bast geflochten, Ngolo; 
aus den Südsee-Besitzungen: 

Bambusspeere aus Neu-Irland, 
Eisernes Beil aus Xeu-Britannien. 
Von Herrn Kaufmann Hasenbalg in Iquitos wurde eine Sammlung ethnographischer Gegen- 
stände vom oberen Ukayali (Peru) geschenkt und zwar: 



Arm- und Halsschmuck aus Früchten, Leinenes Gewand mit bemalten Verzierungen 
und Wurfpfeile von Holz der Campas. 

Kopf binden mit Federn und Früchten verziert, Wurfspeere und Bogen der Chuchurras. 

Keule aus einem Klumpen Naturgummi gefertigt, hölzerne Speere und Pfeile der Cachibos. 

Aus Leinen gewebte Taschen mit aufgemalten Verzierungen, Kopf- und Halsschmuck 
aus Federn und Früchten, Bogen und Pfeile der Cocomas. 

Verschiedene Männer- und Frauenschurze aus Bast geflochten, Schmuck und 
Waffen der Pevas. 

Von dem Kaiserlichen Gouverneur Herrn v. Bennigsen in Herbertshöhe und Herrn Geh. 
Medizinalrat Robert Koch in Berlin wurde dem Museum eine umfangreiche Sammlung ethno- 
graphischer Gegenstände aus den deutschen Südsee-Besitzungen überwiesen und zwar: 

Arm- und Beinringe aus Muscheln, sowie ein Schurz aus Binsengeflecht mit Muscheln 
verziert aus Neu-Guinea (Kaiser Wilhelmland). 

Stein- und Muschelbeile vom Kronprinzengebirge (Neu-Guinea). 

4 Stück Fetische aus einer künstlichen, gipsartigen Masse geformt und roh bemalt, 
Musik- und Zauberinstrumente, Stein- und Muscheläxte vom Bismarck- Archipel, von der 
Charles-Hardy-Insel, Ponape (Carolinen), Buka und Guadalcanar (Salomo-Inseln). 

Ein Ölbehälter, Lampe von den Palau-Inseln. 

Ein beilartiges aus Muschel gefertigtes Instrument aus St. Matthias (Bismarck-Archipel), 
sowie eine Negerflöte, Fußschemel und ein Musikinstrument aus Deutsch-Ostafrika. 
Ferner gingen folgende Geschenke ein : 

Eine chinesische Opiumpfeife von Herrn H. Baldenius in Hannover. 

Modell eines Canoes mit Ausleger aus Colombo, sowie Bauchzeug und TJlmenbast- 
gewebe der Aino auf Jezo (Japan) von Herrn Dr. Fritze in Hannover. 

Kopfschemel und Teile eines Ochsengeschirrs aus Java von Herrn Kaufmann Albert 
Meine in Hannover. 

Zwei Zebu-Speere von Herrn Apotheker Seelhorst in Hannover. 

Schwert in Lederscheide mit Gurt aus Tierhaut, erbeutet in einem Gefechte mit den 
Eingeborenen in Kamerun, von Herrn Apotheker Krüger in Hannover. 

Tabakspfeife aus Java von Herrn Inspektor Hartmann in Hannover. 

Kopfbedeckung aus Bast aus Britisch Birma von Herrn Lehrer Garbe in Hannover. 

Schnitzerei aus einer Teewurzel aus China von Fräulein M. Oesterley in Hannover. 

Tibetanischer Sattel und Sattelzeug aus Lhassa von Herrn Licentiat Hackmann in 
Hoheneggelsen. 

Sammlung von Waffen von der Matty-Insel (Deutsch-Neu-Guinea) von Herrn Stabsarzt 
Dr. Dempwolff in Hannover. 

Ovaler Schild aus Nilpferdhaut, Tanzschuhe, Musikinstrument und Lanzen der 
Massai (Deutsch-Ostafrika) von Herrn Kapitän Berndt in Hannover. 

Endlich eine reichhaltige Sammlung von Waffen, Häuptlingsstäben, Masken, Musik- 
instrumenten aus Neu-Guinea von Herrn Kapitän Ahlborn in Elsfleth. 

B. Ankäufe. 

Ein im Chinafeldzuge 1900 erbeutetes Boxerschwert, sowie 2 kleine Bronze -Götzen- 
bilder aus China. 

Ferner aus der Sammlung des Kaiserl. Gouverneurs Leutwein in Deutsch-Südwestafrika: 
Gebrauchs- und Schmuckgegenstände der Herero. 

Vom Vaterländischen Museum in Celle im Austausch erworben : 
Eine Sammlung Lanzen und Pfeile mit Obsidianspitzen aus der Südsee. 



IL Kunst h Abteilung. 



1. Gemälde - Sammlung. 

A. Geschenke. 

Anton v. Werner „Kaiser Wilhelm der Große auf dem Sterbebette", Geschenk des Herrn 

Landesbauinspektor Funk in Lüneburg. 
Erich Brunkal „Siehe ich bin bei Euch alle Tage", Geschenk eines Ungenannten aus Berlin. 
Hornemann „Mädchen mit Schmetterling", Vermächtnis der Frau Senior Bödeker in Hannover. 

B. Ankäufe. 
A. Erdtelt „Die zwei Waisen". 

Franz v. Lenbach „Bildnis des Finanzministers Miquel". 
Carl Vinnen „Im Park". 
Von dem Verein für die öffentliche Kunstssammlung wurden erworben und im Provinzial- 
Museum aufgestellt: 

Segantini „Steirischer Hahn". 

Franz v. Defresrser „Studienkopf - . 

Ernst Oppler „Lesendes Mädchen". 

C. Saltzmann „Manövermorgen". 

Gotthard Kühl „Interieur". 

Jos. v. Brandt „Rekognoszierung". 

Fr. v. Lenbach „Bismarck". 

Reue Reinicke „Monte Carlo". 

H. Zügel „Kühe im Wasser". 

Walter Firle „Die Heilige Nacht". 

C. Kröner „Fliehende Hirsche". 

Claus Meyer „Am Fenster". 

0. Modersohn „Moorlandschaft". 

C. Dielitz „Die alte Arve". 

Gustav Koken „Landschaft". 

Fritz Brauer „Niedersächsische Diele". 

Ernst Jordan „Bildnis Conr. Wilh. Hase's". 

2. Sammlung der Gipsabgüsse. 

A. Geschenke. 
Hugo Rheinhold „Kampf", Gipsmodell. Geschenk der Erben des Künstlers. 

B. Ankäufe. 
Zwei Figuren vom Dome in Raniberg, „Der alte und der neue Bund", 13. Jahrh. 
Drei Figuren vom Münster in Strafsburg;, „Kluge Jungfrau, Törichte Jungfrau und 
Tugend", 13. Jahrh. 

Ferner „Sklave" und „Racchus" von Michel Angelo. 

Zwei „Masken sterbender Krieger" von Schlüter. 

Von antiken Skulpturen „Sterbender Gallier" und Metope vom Parthenon. 

Von altägyptischen Skulpturen Osiris und Amenophis III. 

H. Runde, 

Direktorial - Assistent. 



III. Naturhistorische Abteilung. 




Die Vermehrung der Sammlungen der naturwissenschaftlichen Abteilung durch Schenkungen 
und Ankauf war eine so große, daß von einer Einzel -Aufzählung der zugegangenen Gegenstände 
in diesem Jahresberichte Abstand genommen werden mußte. In nachfolgendem sind deshalb auch 
nur diejenigen Neuerwerbungen der einen wie der anderen Art besonders namhaft gemacht, die 
durch Zahl oder Beschaffenheit als hervorragend oder als von allgemeinerem Interesse zu be- 
zeichnen sind. 

Vorausgeschickt sei, daß der Begriff „Nummer" sich nur bei den Wirbeltieren mit der 
Stückzahl deckt, im übrigen sind größere Schenkungen oder Ankäufe, so z. B. die von Herrn 
0. Rheinhold geschenkte Sammlung österreichischer Käfer oder die von Herrn Salfeld geschenkte 
pharmacognostische Sammlung, unter einer Nummer vereinigt. 

Zur Vergrößerung der Sammlungen haben durch Zuwendung von Geschenken beigetragen: 
Arends, Dr. med., E., Arzt, Juist. Elstermann, L., Provinzial - Forstaufseher, 

Asse, Gewerkschaft, Braunschweig. Brambostel bei Brockhöfe. 

Bartels, H, Kiesgrubenbesitzer, Hameln. Engelhardt, G. E., Kaufmann, Mexiko. 

Basedow, H.,stud. phil.,KentTown, S.-Australien. Engelhardt, R., Schauspieler, Hannover. 



Bauermeister, H., Möbelfabrikant, Hannover. 
Behrend, J., Kaufmann, Hannover. 
Berndt, Kapitän, Hannover. 
Bennigsen, R. v., Gouverneur a. D., Peine. 
Benzinger, Dr. med., W., Arzt, Hannover. 
Blanchart. Branddirektor, Erfurt. 
Blasius, Dr. med., R., Professor, Braunschweig. 
Böhmer, A., Privatmann, Hannover 
Brandes, W., Medizinalrat, Hannover. 
Cohrs, G., Gouvernements-Sekr., Dar-es-Salaam. 
Dahl, A., Rechnungsrat, Hannover. 
Desgraz, A., Ingenieur, Hannover. 
Dempwolff, G., Geheimer Baurat, Hannover. 
Dempwolff, Dr. med., Stabsarzt, z. Z. Südwest- 
Afrika. 
Dolezalek, Geheimrat, Hannover. 
Domeier, H., Forstbeflissener, Einbeck. 



Erdmann, E., Drogenhandlung, Hannover. 
Flörke, E., Konsul a. I)., Hannover. 
Freye, 0., stud., Hannover. 
Fricke, W., General-Direktor, Hannover. 
Fritze, Dr. phil., A., Direktorial-Assist, Hannover. 
Garbrecht, Gymnasiast, Hannover. 
Gefken, T., Kapitän, Bremerhaven. 
Gehrich, 0., Apotheker, Waldhausen. 
Graefenhain, Dr. phil., Oberlehrer, Hannover. 
Grote, A. R., Professor, Hildesheim. 
Hagenbeck, C., Tierhandlung, Hamburg. 
Hinsch, F., Kapitän, Bremerhaven. 
Hoffmann, L., Kaufmann, Soerabaja. 
Hoffmann, A., Ingenieur, Hannover. 
Hoyermann, Guts- und Fabrikbesitzer, Lohne- 

Burgwedel. 
Jacobi, Bürgermeister, Sarstedt. 

2 



10 



Janet, Ch., Dr. phil., Ingenieur, Beauvais. 

Isermann, Bodenwerder. 

Körting, B., stud. arch., Hannover. 

Krause, Dr. phil.. Professor, Hannover. 

Kreye, H., Naturalienhandlung, Hannover. 

Keysser, Dr. phil., Wietze. 

Lang, Feldmesser, Kassel. 

Leege, 0., Lehrer, Juist. 

Lemmermann, L., Bankier, Hannover. 

Linsingen, C. v., stud. jur., Bennigsen. 

Lippig, F., Betriebsführer, Banteln. 

Löns, H., Schriftsteller, Hannover. 

Marwede, L., Kaufmann, Hannover. 

Mercklin, G., Bankier, Hannover. 

Meyer, Provinzial-Förster, Lintzel, Kreis Uelzen. 

Meyer, A., Frau Pastor, Hannover. 

Mull, G., Lehrer, Eime bei Banteln. 

Museum, Tromsö, Norwegen. 

Kgl. Naturalien-Kabinet, Stuttgart. 

Naturwissenschaftlicher Verein, Bremen. 

Nehring, A., Dr. Professor, Berlin. 

Neff, G., Brauereidirektor, Heidenheim a. d. Brenz. 

Niemeyer, Geheimrat, Lauenstein. 

Osmer, A. J., Gärtner, Hannover. 

Peets, W., Lehrer, Hannover. 

Peinemann, B., Fabrikant, Hannover. 

Heimer, K., Kaufmann, Hannover. 

Keinecke, A., Konsul, Oruro, Bolivia. 



Rheinhold, 0., Fabrikant, Hannover. 

Salfeld, E., Apotheker, Hannover. 

Schatz, H., Gastwirt, Badenstedt. 

Scherer, C, Kaufmann, Hannover. 

Schlotfeldt, E.. Oberleutnant a. D., Hannover. 

Schmidt, J., Kaufmann. Hannover. 

Schmidt, P., Ingenieur, Hannover. 

Schnell, Oberst a. D. , Korrektions- Anstalts- 
Direktor, Wunstorf. 

Schulze, Th., Buchhändler, Hannover. 

Schwerdtfeger, C, Präparator, Hannover. 

Schwerdtfeger, F., Präparator, Sievershausen i. S. 

Senckenbergisches Institut, Frankfurt a. M. 

Spiegelberg, E., Bankier, Hannover. 

Stahrenberg, A., Eisenbahnbetriebssekretär a. D., 
Hannover. 

Stelling, G., Fabrikant, Hannover. 

Stolberg, 0., Kaufmann, Hannover. 

Strunk, F., Badehalter, Hannover. 

Tatter, G., Provinzial-Garteninspektor, Lohne. 

Thofehrn, H., Ingenieur, Hannover. 

Ude, H., Oberlehrer, Hannover. 

Wehl, 0., Dr. med., Arzt, Hannover. 

Westrum, Dr. med., Arzt, Springe. 

Wippern, Fabrik-Direktor, Glücksbrunn. 

Wulfes, O, Jagdaufseher, Langenhagen. 

Zimmermann, V., Kaufmann, Batavia. 

Zoologischer Garten, Hannover. 



1. Zoologische Sammlungen. 

Eine sehr beträchtliche Vermehrung, nahezu an 250 Nummern, weist die Säugetier- 
Sammlung auf; freilich steht dieser Vermehrung auch ein ziemlich bedeutender Abgang gegen- 
über, indem eine größere Anzahl minderwertiger Exemplare aus der Sammlung entfernt werden 
mußte, die dann durch neue, bessere Stücke ersetzt wurden. Wenn gleichwohl von den neu 
zugegangenen größeren Säugetieren erst verhältnismäßig wenige zur Aufstellung gelangten , so ist 
der Grund darin zu suchen, daß der Museums-Präparator bei weitem nicht imstande ist, die Arbeit 
zu bewältigen : hatte er doch oft monatelang nur mit dem Abbalgen und Präparieren der Eingänge 
zu tun, so daß an Aufstellungs- Arbeiten gar nicht zu denken war. Immerhin wurden auch so 
79 Exemplare von Säugetieren aufgestellt, teils als Ersatz für abgängige Stücke, teils Arten 
angehörend, die vorher in der Sammlung nicht vertreten waren. An größeren Tieren befinden 
sich darunter Jaguar, Moschusochse, Steinbock, Mähnenschaf, Axishirsch und Wildpferd. 

Besonderer Wert wurde auf die Erneuerung und Vervollständigung der einheimischen 
Säugetierfauna gelegt, und mit Hilfe zahlreicher Spenden, namentlich aus Jägerkreisen, sowie 
einiger Ankäufe ist es denn auch gelungen, die meisten unserer Säugetiere in tadellos präparierten 
Stücken ausstellen zu können. Auch die Biologie ist nach Möglichkeit berücksichtigt worden. 
Besonders zu erwähnen sind die Musteliden , deren sämtliche Arten zu einer biologischen Gruppe 
vereinigt sind. Die Vorderseite der 4 Quadratmeter großen Gruppe zeigt einen Dachsbau mit 
seinen Bewohnern, die Rückseite einen Teich mit Fischotter, Nörz und Iltis. Rechts und links, 
sowie auf dem die Mitte bildenden Hügel haben Stein- und Edelmarder, sowie großes und kleines 
Wiesel ihren Platz gefunden. (Abbildung Seite 9.) 

Als besonders hervorragende Schenkungen sind zu erwähnen ein stattlicher sibirischer 
Steinbock (Gapra lydekkeri Rotsch.), sowie ein Fohlen von Equus przewalskii Polj. von Herrn 
Carl Hagenbeck in Hamburg, ferner ein Hinterhaupt vom Potwal (Catodon macrocephalus Lac.) 
von Herrn Kapitän Hin seh in Bremerhaven. Das Stück im Gewicht von über 200 kg wurde 
gefunden von der Mannschaft des Dampfers „Tanglin" auf den Kerguelen-Inseln. Zu erwähnen sind 
endlich eine Sammlung von Fellen der wichtigsten Pelztiere von Herrn Kaufmann Scherer in 



11 

Hannover, sowie eine Anzahl Schädel und Gehörne afrikanischer Antilopen, ein Geschenk des 
Herrn Gouvernements-Sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. 

Unter den Ankäufen sind in erster Linie zu nennen eine große Zahl (47) ausländischer 
Säugetiere aus dem Bestände des hiesigen Zoologischen Gartens. Die Geweihsammlung wurde 
vermehrt um 21 Geweihe resp. Gehörne, darunter Prachtstücke vom Maralhirsch, Elch, Polos 
Wildschaf, Kaukasus- Steinbock und vom wilden Renntier. Ferner sind zu erwähnen ein Vielfraß 
aus Sibirien, drei Schädel vom Hirscheber aus Celebes, ein Eisfuchs im Winterkleid aus Spitz- 
bergen und zwei Eisfüchse im Sommerkleid aus Norwegen. 

Auch in der Vogelsanimlung wurden bedeutende Veränderungen, Erneuerungen und 
Ergänzungen vorgenommen. Es wurde damit begonnen , die Vögel von den weißen Holzkreuzen, 
auf denen sie befestigt waren, zu entfernen, sie auf Naturäste zu setzen und die geschriebenen 
Etiketten durch gedruckte zu ersetzen. Bis zum 1. April 1904 waren diese Änderungen bei rund 
1150 Vögeln durchgeführt, während die Umsetzung einer etwa doppelt so großen Anzahl noch der 
Zukunft vorbehalten bleibt. Weiter wurde begonnen mit dem Sammeln von Nestern, sowie mit 
der Erwerbung der verschiedenen Altersstadien der einheimischen Vögel. 

Namentlich an der Vogel- Abteilung ist das durch Schenkungen erwiesene Interesse des 
Publikums ein überaus lebhaftes gewesen. Bei einer Gesamtzunahme von 430 Nummern stehen 
357 geschenkten nur 73 gekaufte gegenüber. 

Als eine ganz besondere Seltenheit ist der an anderer Stelle (vergl. Seite 26) näher 
beschriebene Bastard von Fasan und Birkhuhn zu erwähnen , ein Geschenk des Herrn Ober- 
leutnant a. D. Schlot feldt in Hannover, dem das Museum auch 1 Weibchen der in der Provinz 
Hannover seltenen Kolbenente (Fuligula rufina Pall.) verdankt. Unter den anderen Schenkern 
sind besonders zu nennen Herr Stabsarzt Dr. Dempwolff, z. Zt. in Südwestafrika, der unsere 
Sammlung um eine Anzahl Vögel aus Deutsch -Neuguinea, darunter Paradiesvögel in mehreren 
Arten, bereicherte, ferner Herr Lehrer Leege in Juist, dem wir neben zahlreichen See- und 
Strandvögeln, sowie schönen Gelegen, auch einige in der Provinz Hannover nur selten beobachtete 
und in der Sammlung bisher noch nicht vertretene Arten verdanken, wie Anthus richardi Vieill. 
und Motacilla lugubris Temm., letztere im Winterkleide. 

Unter den Ankäufen sind zu erwähnen 1 schönes Männchen von Astrarchia stephaniae 
und 1 Paar Trichoparadisea guilielmi, sowie eine prachtvolle aus Süd -Norwegen stammende 
hahnenfedrige Henne von Tetrao tetrix. 

Eine verhältnismäßig gerringe Vermehrung weisen die Reptilien mit 23 und die Fische 
mit 29 Nummern auf. Die Erneuerung namentlich der gesamten einheimischen Reptilien-, 
Amphibien- und Fischfauna ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunft. 

Von Tunikateil, die bis jetzt noch gar nicht vertreten waren, besitzt die Sammlung 
nunmehr durch Ankauf 26 Arten. 

Die Molluskeiisammlung des Museums ist eine sehr reichhaltige. Ihr Hauptbestand, 
die Sammlung des verstorbenen Divisionspfarrers Knoche, wurde im Jahre 1890 für den Preis 
von 12 000 M> erworben, war aber bisher dem Publikum nicht zugänglich. Die Sammlung wurde 
systematisch geordnet und neu etikettiert. Da die räumlichen Verhältnisse eine Ausstellung der 
Gesamtsammlung nicht erlauben, so wurden einzelne Familien ausgestellt, mit denen von Zeit 
zu Zeit gewechselt wird. Der Zuwachs durch Schenkungen betrug 22 Nummern. 

Die Molluskoiden wurden durch Ankauf um 16 Arten vermehrt. 

Sehr bedeutende Veränderungen weist die Arthropoden-, insbesondere die Insekten- 
Sammlung auf. Von der Insektenfauna der Provinz Hannover sind die Schmetterlinge und Käfer 
neu geordnet und ausgestellt. Von einer Ausstellung der übrigen Ordnungen dagegen mußte 
vorderhand abgesehen werden, da für sie ein ausreichender Platz nicht vorhanden ist. wenn nicht 
auf die Ausstellung von Exoten, von Beispielen für Mimikry, Schutzfärbung usw. völlig verzichtet 
werden soll. 

Einen großen Zuwachs erhielt die Sammlung exotischer Insekten sowohl durch Schenkungen, 
als durch Ankäufe. Unter ersteren ist besonders die Schenkung des Herrn Dr. Fritze, Hannover, 
hervorzuheben, bestehend in ungefähr 25 000 meist aus Yezo, Zentral-Japan und von den Liu- 
Kiu-Inseln stammenden und vom Schenker daselbst gesammelten Insekten. Nur ein kleiner Teil 
der Sammlung ist bestimmt, und es ist als sicher anzunehmen, daß sich bei der Bearbeitung des 
umfangreichen Materials namentlich für die Kenntnis der japanischen Tierwelt in zoogeographischer 
Beziehung vieles Neue und Interessante ergeben wird. 



12 

Des weiteren ist eine Sammlung österreichischer Käfer, ein Geschenk des Herrn 0. Rhein- 
hold, Hannover, hervorzuheben. Abgesehen von diesen zwei Kollektiv- Schenkungen beträgt die 
Zahl der Einzel-Schenkungen 1413 Nummern. 

Unter den Ankäufen sind hervorzuheben 39 Biologien und 24 Fraßstücke einheimischer 
Insekten, 14 Bauten von Hymenopteren und Termiten und eine größere Anzahl exotischer Hyme- 
nopteren, Hemipteren und Orthopteren als Grundstock einer im Entstehen begriffenen Sammlung 
dieser Insekten-Ordnungen. 

Die Crustaeeeii-Sammlung wurde durch Schenkung vermehrt um 7, die Arachnideen 
um 12 Nummern. 

Die Würmer erhielten einen Zuwachs von 5, die Echinodermen von 33 und die 
Coelenteraten von 67 Arten, meist durch Ankauf. 

2. Geologische Sammlung. 

Die paläontologische Sammlung zeigt im wesentlichen dasselbe Bild, wie im alten 
Museum, nur ist die Aufstellung in den neuen Schaupulten eine übersichtlichere; die Zugänglich- 
machung der Strukmannschen Sammlung mußte vorerst noch aufgeschoben werden. 

Unter den Schenkungen für die paläontologische Sammlung (18 Nummern) steht am ersten 
Platze diejenige des Herrn Bankier E. Spiegelberg, Hannover, bestehend in 20 Bildern, 
restaurierte, ausgestorbene Wirbeltiere darstellend. Es sind Kopien der rühmlichst bekannten 
Bilder des amerikanischen Künstlers Knight, deren Originale sich im Newyorker naturwissen- 
schaftlichen Museum befinden. Weiter ist zu nennen eine schöne Sammlung von Petrefakten aus 
den oligocänen Schneckensanden von Steinheim in Württemberg, ein Geschenk des Herrn G. Neff 
in Heidenheim a. d. Brenz. — Angekauft wurden ein Oberarm von Elephas primigenius, gefunden 
bei Hagen a. d. Weser, und eine Tibia von Aepyornis hildebrandti von Madagaskar. 

3. Botanische Sammlung. 

Da die alten Obstmodelle nicht mehr den modernen Anforderungen entsprachen, wurden 
sie durch neue ersetzt. Es wurden nur solche Sorten ausgewählt, die in der Provinz Hannover 
angebaut werden bezw. seitens der Königl. Landwirtschafts-Gesellschaft zur Anpflanzung empfohlen 
sind. Eine große Bereicherung erhielt die Sammlung durch die Schenkung des Herrn Apothekers 
Salfeld, Hannover, bestehend in einer großen pharmacognostischen Sammlung, in der namentlich 
offizinelle Binden, Harze usw. überaus reichhaltig vertreten sind. Im ganzen wurde die Sammlung 
vermehrt um 1!) Nummern. 

4. Mineralogische Sammlung. 

In der mineralogischen Sammlung, die einen Zuwachs von 140 Nummern zeigt, wurden 
vorhandene Lücken nach Möglichkeit durch Ankauf ausgefüllt ; unter den Geschenken ist besonders 
zu erwähnen eine von der Phosphatfabrik Hoy ermann geschenkte Sammlung von außer- 
europäischen Phosphaten , von denen nur sehr wenige in unserer Sammlung vertreten waren. 
Außerdem wurde vom Königl. Museum in Berlin eine größere Anzahl seltener Mineralien 
dem Provinzial-Museum überwiesen. 

5. Bibliothek. 

Die Bibliothek hatte einen Zuwachs von 115 Nummern zu verzeichnen, abgesehen von 
neuen Lieferungen einiger im Erscheinen begriffener größerer Werke, wie „Das Tierreich", Engler 
und Prantl, „Die natürlichen Pflanzenfamilien'' usw. Eine sehr dankenswerte Schenkung ging 
uns zu von Seiten des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen in Gestalt der 
sämtlichen Abhandlungen dieses Vereins, sowie in einer großen Anzahl Broschüren ornithologischen 
Inhalts von Herrn Prof. Dr. R. Blas ins in Braunschweig. 



■&• 



Dr. Adolf Fritze, 

Direktorial-Assis teilt. 



13 



Der Urnenfriedhof bei Jastorf im Kreise Uelzen 

von G. Schwante s. 
Hierzu Tafel I— V. 

Der Urnenfriedhof bei Jastorf an der Ilmenau liegt auf einem Heidefelde, das rings von 
Wasser, Wiesen und Bruchland umgeben ist (Fig. 101). In der Vorzeit war dieser Fleck Landes 
jedenfalls schwer zugänglich, und gerade das mag die prähistorischen Bewohner unserer Gegend 
zur Ansiedelung auf dem Felde veranlaßt haben. Zeichen der Besiedelung erblicken wir in 
zerstreuten Tonscherben, Hochäckern und dem Grabfelde. 

Topfscherben befinden sich besonders im südöstlichen Teile in großer Menge überall im 
Sande zerstreut. Meist sind es Bruchstücke großer, dickwandiger Küchen- und Vorratsgefäße 
von grober Tonmasse mit starker Beimischung von Gesteinsschamotten. Aber auch glänzend 
schwarze Scherben feinerer Gefäße werden ab und zu angetroffen. Einzelne mit Tiefstichorna- 
menten verzierte Stücke beweisen die Anwesenheit neolithischer Ansiedler. Die große Masse der 
Scherben scheint aber jünger zu sein. Ob sie aus der Zeit der in der Nähe befindlichen Urnen- 
gräber stammt, ist nicht unwahrscheinlich. 

Anderweitige Zeugen uralter Anwesenheit des Menschen an dem Orte sind die Hochäcker, 
von denen das Terrain überall bedeckt ist. Nordwestlich vom Wege streichen die Beete der 
Straße parallel; südwestlich von letzterer verlaufen sie dagegen von Nordosten nach Südwesten. 
Die Länge der Beete beträgt in der erstgenannten Gruppe etwa 150 m, in der letzteren sind die 
am besten erhaltenen Beete bis 90 m lang. Die Höhe wechselt bei ein und demselben Beete oft 
recht auffällig. Stellenweise entzieht es sich dem Auge fast gänzlich, während es an anderen 
Punkten bis zu l \ 2 m, höchstens bis 2 / 3 m ansteigt. Die Breite schwankt zwischen S und 13 m. 

Hochäcker sind in unserer Gegend eine sehr gewöhnliche Erscheinung. Auf der Heide 
oder im Forste bedecken sie oft weite Strecken. Häufig liegen Hügelgräber und alte Wohnplätze 
in der Nähe. Daß diese Ackeranlagen uralt sind, hat bereits v. Estorff erkannt. Niemals aber 
konnte das hohe Alter dieser Hochäcker so überzeugend nachgewiesen werden als bei der Auf- 
deckung der Jastorfer Urnengräber. 

Dieselben lagen teils auf einer flachen Sandhöhe am Flußufer, größtenteils aber auf den 
angrenzenden Hochackerbeeten nordwestlich vom Wege. Wie man an anderen Orten (z. B. bei 
Heitbrack) die Urnen der ersten Eisenzeit in die hochragenden Hügel aus der Bronzezeit gesetzt 
hatte, hatte man sie auf unserem Felde in die Beete eines Ackerfeldes gebettet, das also not- 
wendigerweise älter oder ebenso alt sein muß als die Gräber. Die Urnen standen hin und wieder 
ganz in der Aufschüttung der Beete. Häufiger stand die Urne mit dem unteren Teile im Urboden 
und ragte in den Aufwurf des Beetes hinein, oder sie stand gänzlich im gewachsenen Erdreich. 
Nur einmal wurde in der Senkung zwischen zwei Beeten eine Urne entdeckt. (Vergl. Fig. 5.) 

Die einzelnen Gräber lagen planlos durcheinander. An mehreren Stellen schlössen sie 
sich zu Gruppen zusammen, in denen die einzelnen Gräber oftmals sehr nahe bei einander lagen. 
Vielleicht bezeichnen diese Gruppen Begräbnisstellen einzelner Familien oder Sippen. 

Die Gebeine der Toten wurden sorgfältig aus der Asche des Scheiterhaufens aufgelesen. 
Selten gelangte ein Stückchen Holzkohle mit in die Urne, häufiger aber, wohl aus Versehen, weiß- 
gebrannte Feuersteinstückchen. Die Beigaben legte man auf die Knochen. 

Die Urnen standen teils frei im Erdboden (Fig. 6), teils waren sie durch Steine gestützt, 
umgeben und bedeckt (Fig. 7, 8). Häufig lag außer dem platten Decksteine noch eine Tonschale 
über der Urnenmündung. In vielen Fällen waren außen an die Urnenwand einige Knochen- 
stückchen geschüttet, obgleich die Urne selbst von den in ihr enthaltenen Knochen durchaus nicht 
gefüllt war (Fig. 10). Mehrmals stand die Urne neben oder in einem beträchtlichen Haufen von 
Knochen, sodaß die innerhalb und außerhalb des Gefäßes befindlichen Knochenreste zwei Indi- 
viduen angehören mußten. In diesem Falle hatte der außenliegende Knochenhaufe meistens seine 
eigenen Beigaben. (Fig. 1, 9.) 

In sehr vielen Gräbern fand sich nur der Knochenhaufe, kein schützendes Gefäß 
(Fig. 11 — 13). Die Knochen waren ebensowenig durch Kohle u. dergl. verunreinigt als diejenigen, 
welche die Urnen füllten. Ab und zu war außer einem Stein eine Tonschale auf den Haufen 
gelegt (Fig. 13). Einmal war das „Knochenlager" mit den Resten eines Holzgefäßes umgeben. 
Es ist höchst wahrscheinlich, daß bei allen diesen Gräbern der Leichenbrand ursprünglich in 



14 

einem Gefäß beigesetzt war, das aus vergänglichem Material bestand. Die „Brandgruben" Born- 
holms sind bekanntlich anders entstanden und enthalten die Knochen mit den sonstigen Ver- 
brennungsrückständen des Totenfeuers. Wir bezeichnen unsere Gräber ohne Urne zum Unter- 
schiede von den Brandgruben besser als „Knochenlager"'. (Der Ausdruck ist entnommen aus 
Müller — Reimers, Die vor- und frühgeschichtlichen Altertümer der Provinz Hannover.) 

In zahlreichen Gräbern fand sich über der Urne oder dem Knochenlager eine mehr oder 
weniger ausgedehnte Pflasterung aus einer oder mehreren Schichten mittelgroßer Feldsteine 
(Fig. 1 — 4). Oft befanden sich unter dem Pflaster mehrere Urnen resp. Knochenlager, bis zu 9 
unter derselben Steinschicht (Fig. 16). Unter dem Pflaster Fig. 1 standen z. B. 2 Urnen. Neben 
Urne a lag ein bedeutender Knochenhaufen mit einer Eisennadel darauf. Bei Fig. 2 erblicken wir 
eine Urne, bei Fig. 3 zwei Knochenlager, bei Fig. 4 eine Urne nebst zwei übereinander liegenden 
Knochenlagern unter der Steinschicht. Die Gräber mit Pflasterung lagen mehr im Südosten des 
Friedhofes. Im Nordwesten wurden nur Gräber ohne Pflaster aufgedeckt; in dem Räume dazwischen 
kamen beide Typen nebeneinander vor. Das deutet auf Unterschiede im Alter. 

In den Urnen lagen außer den Metallsachen ab und zu kleine fassen- oder becherförmige 
Beigefäße auf den Knochen. (Fig. 28, 30). Auch bei den Knochenurnen resp. Knochenlagern 
standen oftmals größere Töpfe, die völlig leer waren. Diese Beigefäße dienten wohl zur Aufnahme 
von Speise, die dem Toten mit ins Grab gegeben wurde. (Fig. 14: Knochenlager und Beigefäß a. 
Fig. 15: Unter Pflasterung Knochenurne a und zwei Beigefäße b und e.) 

Von zahlreichen Urnen mit zwei Henkeln war der eine vor der Bestattung abgeschlagen. 
Besonders häufig waren die feineren Töpfe davon betroffen, weniger die gröberen mit großen 
Henkeln. Von einem Gefäß mit vier Henkeln waren zwei entfernt. Dreimal wurden Gefäße mit 
ganz oder teilweise ausgeschlagenem Boden angetroffen. Auch an diesen Gefäßen war von zwei 
Henkeln der eine entfernt. 

Im Sande bei den Urnen , in der bedeckenden Steinpflasterung oder in den Urnen selbst 
lagen sehr häufig Feuersteinspäne und Steinkerne. Die Späne sind also an Ort und Stelle erzeugt 
worden. Einige der Späne sind den neolithischen Feuersteinmessern sehr ähnlich , aber stets 
ohne Spuren des Gebrauches (Scharten an den scharfen Rändern). Die meisten sind farblose 
Scherben. 

Insgesamt wurden vom Verf. 184 Urnen und Knochenlager gefunden, und zwar 

67 Urnen mit Beigaben, 
63 „ ohne „ 
30 Knochenlager mit Beigaben, 
24 „ ohne „ 

Die Gesamtzahl der Gräber mag etwa doppelt so groß gewesen sein. Man kann sie auf 
400 schätzen. 

Die Tongefäfse. 

Unter dem erhaltenen Gefäßmaterial lassen sich gut geformte Zier- und Prunkgefäße von 
roherer Tonware unterscheiden, die auch auf Friedhöfen späterer Perioden die besseren keramischen 
Erzeugnisse begleitet. Der Ton ist in der Regel mit feingestoßenem Granit vermengt. Bei 
roheren Gefäßen ist das Gesteinspulver grobkörniger als bei feineren Töpfen. Alle Gefäße sind 
aus freier Hand gearbeitet. Die Henkel sind sämtlich in entsprechende Durchlöcherungen der 
Gefäßwand eingelassen, sog. Zapfenhenkel (vergl. J. Mestorf, Urnenfriedhöfe in Schleswig-Holst., S. 100). 

Zu den gröberen Gefäßen gehören die drei Urnen Fig. 17 — 19. Fig. 18 besitzt einen 
kleinen, undurchlochten Scheinhenkel. 

Die Mehrzahl der Urnen ist durch einen hohen Hals charakterisiert. Nur selten ist 
derselbe oben glatt abgeschnitten (Fig. 21), viel häufiger dagegen mit einem nach außen gewendeten 
Mündungsrande versehen (Fig. 20, 23, 24, 25, 26, 31, 33). 

Bei vielen Gefäßen ist die ganze Außenseite geglättet und häufig durch Rauchfeuer 
glänzend schwarz gemacht. Bei anderen ist der Bauch durch Abreiben mit Sand rauh gemacht 
oder mit Stricheln bedeckt (Fig. 20). Rand und Hals sind stets glatt, in der Regel auch der 
Fuß. Sehr oft ziehen sich vom Fuße bis zum Halse glatte Streifen (Fig. 20), die häufig noch von 
einem horizontal um den Bauch laufenden Streifen geschnitten werden. 

Die hochhalsige Urne mit nach außen gewendetem Mündungsrande ist für die ost- 
hannoverschen Urnenfelder vom Jastorfer Typus außerordentlich charakteristisch. Durch starke 
Verlängerung des Halses entstanden vasenförmige Gefäße wie Fig. 33, ja sogar echte Flaschen, 




15 

wie sie Franks u. Kemble in „Horae ferales" Taf. XXXII, Fig. 10, abbilden (von Molzen bei Uelzen). 
Andererseits entstand durch Verkürzung des Halses die weitbauchige, halslose Urne mit kräftiger 
Randleiste (der Rand dieses Gefäßes ist facettiert, Fig. 27). Gefäße dieser Art waren auf dem 
Jastorfer Felde selten, dominieren aber in der Tenezeit und verdrängen in dieser Periode die 
hochhalsigen Urnen, wie es scheint, gänzlich. 

Die Fig. 29, 32, 36, 37, 38, 39 stellen Gefäße dar, die zur Bedeckung der Urnen dienten. 
Die Schale Fig. 36 ist prachtvoll glänzend-schwarz und sehr geschmackvoll geformt. 
Die Form Fig. 29 war weitaus am häufigsten. 

Die Gefäße Fig. 28 u. 30 wurden als Beigefäße in Urnen gefunden. 

Verzierungen waren selten, abgesehen von der oben erwähnten Verzierung durch glatte 
Streifen auf rauhem Grunde. Hin und wieder waren vom Haisansatze oder vom Henkel aus- 
gehend einige Linien eingeritzt (Fig. 26), oder es fand sich ein Ornament aus flach eingedrückten 
Rillen, die in Tupfen endigen (Fig. 31, 40). Nur mit Tupfen verziert sind der kleine Becher 
(Fig. 28) und die Urne (Fig. 34). (Vergl. J. Mestorf a. a. 0. S. 103.) 

Die Schulterzone einer hochschultrigen Urne ist durch schräg 
laufende Doppellinien in Felder geteilt. (Siehe nebenstehende Figur.) 
Auf jedes zweite Feld ist eine Figur eingeritzt. Die eigentümliche 
Zeichnung erinnert an die von Hörnes abgebildeten Menschenfiguren. 
(Hörnes, Urgeschichte d. Kunst, Taf. XXIII.) 

Die Urne Fig. 35 ist nach einigen Scherben gezeichnet. Um 
den Hals läuft ein Tonreifen. Kerbenartige Einschnitte verleihen dem 
Reifen das Aussehen einer Schnur. Solche Urnen mit Halsreifen wurden 
noch auf zwei anderen Urnenfeldern vom Typus des Jastorfer Fried- 
hofes gefunden; einmal zeigt der Reifen dieselben Einschnitte. 

Metallsachen. 

1. Nadeln (s. Fig. 41 — 52, 54 — 59, 61). Unter den Metallbeigaben waren einfache 
Gewandnadeln die häufigsten Fundstücke. Sie sind teils aus Bronze, teils aus Eisen gearbeitet, 
teils gerade, teils mit Ausbiegung am Halse (Kropfnadeln). Fig. 44 ist am Halse durchlocht, wohl 
zum Befestigen von Schmuck. Fig. 50 trägt am Kopfe eine bronzene Niete, Fig. 51 einen kleinen 
Eisenring (von einer Kettennadel? Vergl. J. Mestorf a. a. 0. Taf. HI, Fig. 15. Aarböger for 
nordisk Oldkyndighed 1894, Madsen u. Neergaard, Jydske Gravpladser fra den förromerske Jernalder, 
Fig. 27). Fig. 52 Eisen mit bronzenem Kopf, ist der sogen, holsteinischen Nadel sehr ähnlich. 
(J. Mestorf, a. a. 0. S. 94.) Fig. 54 besitzt einen großen, hohlen Bronzekopf, der aus zwei Kugel- 
schalen zusammengesetzt ist. Im Innern findet sich eine Eisenplatte. Fig. 55 zeigt eine solche 
Nadel, von der die Bronzeteile entfernt sind. Die Nadel, Fig. 56 u. 57, ist durch eine Bronze- 
blechscheibe am Kopfe ausgezeichnet, während Fig. 58 u. 59 eine große Eisenscheibe trägt, die 
durch Breithämmern des Stieles entstanden ist. Ein merkwürdiges Exemplar stellt Fig. 61 dar 
(Eisen). Der Ring diente gleich der Durchbohrung bei Fig. 44 wohl zum Einhängen kleiner 
Schmuckgegenstände. Fig. 53 stellt die einzige Nähnadel aus dem Funde dar. 

2. Fibeln. An Fibeln sind nur die beiden Fig. 62 u. 64 gefunden worden. 

Der Bügel von Fig. 62 ist aus drei dünnen Eisenblechstreifen zusammengenietet (Fig. 62c). 
Die Nieten befestigten gleichzeitig eine große Bronzeblechscheibe am Bügel. Das hintere Ende 
der oberen Niete ist zu einer Öse umgebogen. In diese ist die Nadel gehängt. Der Nadelhalter, 
ein kurzer, zungenförmiger Eisenstreifen, wird von der unteren Niete festgehalten. Die Blech- 
scheibe ist vom Feuer zerstört, der Bügel verbogen. Gefunden wurde diese Fibel mit einer eisernen 
Kropfnadel (ähnlich Fig. 45) und dem Tonbecher, Fig. 28, in einem Knochenlager (Fig. 13. Vergl. 
Grab 58.) Zwei gleichartige Fibeln, deren Bügel aber aus einem Stück besteht, wurden vom 
Verf. in einem gleichaltrigen Urnenfriedhof bei Heitbrack gefunden. Auch dieser Fundplatz ergab 
sonst keine Fibeln. 

Fig. 64 ist der vorigen Spange verwandt. Die beiden Enden des Bügels sind mit je drei 
kleineren Bronzescheiben verziert gewesen, aber abgeschmolzen. In der Mitte saß eine größere 
Scheibe. Fig. 64 a zeigt ein durch Feuer verunstaltetes Bruchstück derselben. Der Bügel bildet 
unter dem Kopfschilde eine nach hinten vorspringende Falte. In derselben ist mittelst eines 
Stiftes die Nadel drehbar eingelenkt. Der Nadelhalter ist dem der vorigen Fibel gleich und ebenso 
durch eine Niete befestigt. (Eine gleiche Fibel mit besser erhaltenen Bronzescheiben ist abgebildet 
im 40. Bericht des Schlesw.-Holst. Museums vaterl. Altertümer 1894, S. 10.) 



16 

Gefunden mit dem Draht eines Ohrrings und 3 blauen Glasperlen in einer Urne (ähnlich 
Fig. 22). Dieselbe stand mit 8 anderen Urnen unter einer Pflasterung (Grab 4). (S. Fig. 16 d.). 

3. Knöpfe. Von metallenen Knöpfen ist nur das Stück Fig. 92 (Eisen) gefunden. 

4. Schmuckringe (Fig. 85—87, 90, 91, 94—96). Fig. 91 zeigt einen Armring von 
Eisen. Der Draht ist an den hakenförmig umgebogenen Enden durch Kerben verziert. Gefunden 
in einer Kinderurne. 

Fig. 90 zeigt die Bruchstücke eines Armringes von Bronze. Das eine Endstück (Fig. 90a) 
ist durchlocht. Das andere Ende war jedenfalls hakenförmig wie bei F'ig. 91. 

Die kleinen bronzenen Ringe Fig. 85 — 87 sind wohl als Fingerringe anzusehen. 

Ohrringe wurden sehr häufig, bis 10 in einer Urne, gefunden und bezeichnen die Frauen- 
gräber. Es sind immer sog. „Schildohrringe", das Schild ist bei den meisten unverziert und nicht 
durchlocht (Fig. 94), aber auch Exemplare mit verziertem und durchlöchertem Schild sowie 
unverzierte mit durchlochtem Schilde kommen vor (Fig. 95, 96). Durch eine Durchlochung von 
Fig. 96 d ist ein kleiner Eisenring gezogen. Auf den Draht sind oftmals 1 — 2 Glasperlen gezogen. 
Die schöne blaue Färbung derselben rührt von Kobalt her. Farblose Perlen waren sehr selten. 

5. Pinzetten von Eisen wurden in zwei Gräbern gefunden. (S. Fig. 83.) 

6. Bronzene Zierbuckelchen (Fig. 98). Diese kleinen buckeiförmigen Blechstücke 
dienten wahrscheinlich zum Verzieren von Lederriemen. Sie fanden sich nur in zwei Gräbern, 
die auch Ohrringe enthielten, also Frauengräber waren. 

Welche Bestimmung der zungenförmige Bronzeblechstreifen (Fig. 97) besaß, ist bis jetzt 
unerklärt. 

7. Metallteile vom Gürtel (Fig. 63, 65—81, 89, 93). Der Gürtel wurde von Männern 
und Frauen getragen. Die Gürtelhaken aus Frauengräbern sind durchschnittlich kleiner als die 
Stücke aus Männergräbern. Die Haken (Fig. 70, 71, 72, 66 u. 73) wurden am zungenförmig 
umgebogenen Ende in einem Schlitz des Gürtels befestigt (Fig. 63 u. 67) und mittels eines 
Ringes an das Leder festgenäht. Eine zweite Form besitzt am breiten Ende eine Kopfplatte mit 
Nieten (Fig. 67 — 69). Diese Haken sind in der Regel größer als die übrigen und stammen 
größtenteils aus Männergräbern. Zu dem vorzüglich erhaltenen Haken Fig. 65 gehört der gleich- 
falls verzierte Ring Fig. 88. Bei Fig. 69 ist die Kopfplatte an dem Haken festgenietet, während 
die beiden Teile bei allen übrigen Haken aus einem Stück gearbeitet sind. Die Kopfplatte von 
Fig. 74 ist an der Vorderseite mit einem Bronzeblech belegt, das durch zwei eiserne Nieten mit 
bronzenen Kappen festgehalten wird. 

Die Eisenringe (Fig. 93, 88, 89, 76, 80, 81) dienten teils zum Einhaken des Gürtelhakens, 
teils waren sie Tragringe für Geräte und Waffen. Die Ringe Fig. 80 und 81 besitzen eine Zwinge 
mit genietetem Ende. Zum Anhängen von Gegenständen diente jedenfalls auch der Ring mit 
Haftplatte Fig. 75. Kleine Eisenringe mit zwei genieteten Zwingen (Fig. 82) scheinen zur Be- 
festigung schmaler Tragriemen am Gürtel benutzt worden zu sein. An den Ring Fig. 79 sind zwei 
längliche, auf der Vorderseite durch Querrillen verzierte Eisenbleche angehängt. Sie dienten wohl 
nur zur Verzierung und erinnern an Klapperbleche. Die eiserne Zwinge (Fig. 78) trägt einen 
bronzenen Drahtring. Alle Gürtelbesatzstücke mit Ausnahme des Bronzeplättchens und der 
bronzenen Nietenköpfe des Hakens Fig. 74 und des Drahtringes von Fig. 78 sind aus Eisen 
gearbeitet. Bronzene Gürtelhaken wurden nicht gefunden. 

Besonders reich an Gürtelbesatzstücken waren folgende Gräber: 
Grab 7 (Urne): 

1 großer Gürtelhaken, 20 cm lang (Fig. 77). 

2 Eisenringe mit Zwinge (Fig. 80, 81). 

1 kleiner Eisenring mit Zwinge und zwei eingehängten Eisenblechen (Fig. 79). 

1 bronzener Drahtring mit eiserner Zwinge (Fig. 78). 

2 Eisenringe mit je zwei Zwingen (Fig. 82). 

1 eiserne Kropfnadel mit bronzenem Kopf (Fig. 50). 
Grab 38 (Urne): 

1 Gürtelhaken (Fig. 36). 

1 größerer Eisenring mit Zwinge (ähnlich Fig. 80). 

1 kleiner Eisenring mit zwei eingehängten Eisenblechen (wie Fig. 79). 

3 kleine Eisenringe mit je zwei Zwingen (wie Fig. 82). 
1 eiserne Kropfnadel (wie Fig. 42). 



17 

Waffen sind in keinem Grabe gefunden. Die kleine eiserne Lanzenspitze (Fig. 60) lag 
in der Nähe einer Steinpflasterung im Sande. 

Urnenharz (Fig. 99, 100). Bei den metallenen Beigaben in den Urnen lagen häufig 
kleine Stückchen Urnenharz. Das Harz ist also ebenfalls als Beigabe zu betrachten. Es brennt 
mit heller Flamme. Auf einem Bleche erhitzt, verbreitet es einen Geruch ähnlich dem des 
brennenden Birkenharzes. Der ätherische Auszug hinterläßt beim Verdunsten gelbbraunes Harz. 

Die zeitliehe Stellung des Jastorfer Urnenfriedhofes. 

Der Urnenfriedhof von Jastorf ist deswegen besonders interessant, weil er auch für das 
östliche Hannover eine Periode der Eisenzeit nachweist, die bislang hauptsächlich in Schleswig- 
Holstein und Jütland deutlich hervorgetreten ist. Durch die Untersuchungen von J. Mestorf in 
Schleswig-Holstein und von Madsen und Neergaard in Jütland wissen wir, daß in diesen Gebieten 
Begräbnisplätze vorkommen, die bereits dem Eisenalter angehören, aber noch keine Teneformen 
führen. (J. Mestorf, Urnenfriedhöfe in Schleswig -Holstein. S. 96, ad S. 19. Madsen und Neer- 
gaard, Jydske Gravpladser fra den förromerske Jernalder in Aarböger for nordisk Oldkyndighed 
1894, S. 165—212.) 

Während die Gräber der bezeichneten Periode in Hannover und Schleswig-Holstein große 
Friedhöfe mit Urnengräbern ohne Hügel bilden, herrschen in Jütland die Flachhügelgräber (dän. 
Tuegraver) vor. Der Urnenfriedhof von Tinsdahl bei Altona, auf welchem Flachhügelgräber neben 
Flachgräbern gefunden wurden, nimmt eine vermittelnde Stellung zwischen den jütländischen und 
den norddeutschen Grabplätzen ein. (40. Bericht des Museums vaterländ. Altertümer in Kiel 
1S94, S. 8—14.) 

Die durch die Funde aus dem Jastorfer Friedhofe bezeichnete Kulturstufe ist nicht als 
Übergangszeit von der Bronzezeit zum Eisenalter anzusehen, sondern sie ist die erste voll 
entwickelte Eisenzeitperiode mit bestimmt charakterisierter Keramik und eigenartigen Metall- 
beigaben. Jene Übergangszeit ist im Gebiete der Ilmenau durch die Funde von dem Flachhügel- 
gräberfelde auf dem Brommberge bei Wessenstedt vertreten, die der um die prähistorische Lokal- 
forschung in unserer Gegend sehr verdiente Herr H. Meyer -Haarstorf auf das sorgfältigste unter- 
sucht hat. (H. Meyer, Hügelgräber auf dem Brommberge bei Wessenstedt, in Nachrichten über 
deutsche Altertumsfunde 1897, S. 17 — 32.) Hier fanden sich in Urnen von Bronzealterform 
Schwanenhalsnadeln (nach Tischlers Definition) und andere Beigaben von Bronze und Eisen, die 
entschieden älter sind als die Jastorfer Funde. 

Welchen Kultureinflüssen verdankt nun der Norden die früheste Eisenzeit und inwieweit 
war er bei ihrer Entwicklung selbsttätig? Auf Einfluß von Süden scheinen die Gürtelhaken 
hinzuweisen. Diese sind gewissen Gürtelhaken aus dem Funde von Hallstatt ähnlich, aber ganz 
verschieden von den La Tene-Haken. (J. Mestorf, a. a. 0. S. 96.) Auch zu anderen Fundsachen 
dieser Zeit, z. B. den Ösenringen und den Ohrringen, findet man im Süden ältere Gegenstücke, 
die den nordischen Metallarbeitern als Vorbilder gedient haben können. Andere Gegenstände 
sind durch Weiterbildung älterer nordischer Typen entstanden. So ist die Kropfnadel vielleicht 
aus der älteren Schwanenhalsnadel durch Streckung des schräge nach oben gewendeten Kopfendes 
entstanden. Auch die eigenartigen Fibeln des Jastorfer und verwandter Schleswig -Holsteiner 
und nordischer Funde sind augenscheinlich selbständige Schöpfungen nordischer Metallarbeiter. 
„Nombreuses sont nos antiquites de la periode preromaine, qui n'ont pas meme d'analogues vers 
le Sud et qui, en dehors de la Scandinavie, se trouvent tout au plus dans l'Allemagne septen- 
trionale ; c'est le cas pour divers colliers , pour les grandes fibules de bronze , pour les epingles 
dites holsteinoises, etc." (C. Neergaard, Systematisation des trouvailles danoises de l'äge de fer. 
Memoires de la Soc. Roy. des Antiqu. du Nord 1892, S. 186.) Wenn auch manche der in Betracht 
kommenden Formen von fremden Formen abstammen, so zeigen doch auch diese Gegenstände ein 
durchaus nordisches Gepräge. „Das Fremde tritt hier in nordischer Umbildung auf und kann 
daher in diesem Sinne ganz gut als nordisch bezeichnet werden." (S. Müller, Nordische Altertums- 
kunde II, S. 39.) 

In das Gebiet dieser altertümlichen nordischen Eisenalterkultur dringen nun nach und 
nach, besonders wohl auf dem Eibwege, die Formen aus dem La Tene -Kulturkreise. Besonders 
früh erscheinen die Fibeln. Die ältesten Tene-Fibeln sind in Hannover nach dem Früh -La Tene- 
Schema gebildet. Neben den La Tene -Geräten werden aber die alten nordischen Gerätformen 
beibehalten und weiterentwickelt. Die Geräthaken z. B. werden größer und endigen unten häufig 

3 



18 

in einen Knopf. Je jünger die Gräber sind, desto mehr macht sich in ihnen der Einfluß des 
La Tene -Gebietes geltend. In der Nähe von Bevensen untersuchte Verfasser einen größeren 
Friedhof der letzten Tenezeit. Daselbst wurden viele Tene -Fibeln später und spätester Form 
gefunden, ebenfalls ringförmige Tene -Gürtelhaken mit Knopf und bronzene Nadeln mit Tene- 
ornament (Dreieck mit eingezogenen Seiten). In einer Urne lag neben zwei Spät -La Tene -Fibeln 
eine Kropfnadel wie Fig. 52, aber ganz von Bronze, eine letzte Erinnerung an die ältere 
Eisenalterperiode. 



Verzeichnis der Abbildungen. 



Fig. 1. A. Steinpflasterung, darunter bei a und b Urnen. 

B. Die Urnen nach dem Wegräumen der Steine. 

C. Durchschnitte durch die Pflasterung mit den Urnen. Seitlich von Urne a liegt ein 
Haufen Knochen, darauf eine Eisennadel. Grab 65. 

„ 2. Steinpflasterung mit Urne, darunter Durchschnitt. Grab 34. 

„ 3. Steinpfiasterung und Durchschnitt von Grab 72. Von den drei Knochenlagern unter der 

Pflasterung konnten nur zwei (a und b) gezeichnet werden. 
„ 4. A. Pflasterung (nach Photographie). 

B. Durchschnitt. Zwei Knochenlager (a und b) übereinander gelagert, daneben Urne c, 
ebenfalls mit Knochen gefüllt. Grab 132. 
„ 5. Durchschnitt durch zwei Hochackerbeete mit Gräbern. 
„ 6. Urnengrab. Die Urne ist mit einer Schale bedeckt, steht ohne Steinschutz frei in der 

Erde. Grab 151. 
„ 7. Urnengrab. Die Urne ist mit einem platten Steine bedeckt und wird von drei kleinen 

Geschiebesteinen gestützt. Grab 43. 
„ 8. Urnengrab. Die Urne ist vollständig von Steinen umgeben und außerdem mit einer 

Schale verschlossen. In der Urne Knochen, Eisennadel und kleines Beigefäß. Grab 59. 
„ 9. Urnengrab. Urne ohne Steinschutz, frei in der Erde, steht auf einem Knochenlager, 

über diesem ein Gürtelhaken. Grab 130. 
„ 10. Urnengrab. An die Außenseite der Urne sind Knochenreste geschüttet. Grab 27. 
„ 11. Knochenlager ohne Steinumfutterung unter einem platten Stein. Grab 26. 
„ 12. Knochenlager, von Steinen umgeben, ruht auf einer Scheibe. Grab 3. 
„ 13. Knochenlager unter Pflasterung, mit einer Schale bedeckt, mit Metallbeigaben und kleinem 

Beigefäß. Grab 58. 
„ 14. Pflasterung, darunter leeres Beigefäß a und Knochenlager b. Grab 30. 
„ 15. Pflasterung mit Knochenurne a und zwei leeren Beigefäßen b und c. Grab 14. 
,, 16. Pflasterung mit einem Knochenlager a und Urnen (b — d). Grab 4. 

Tongefäfse. 

Fig. 17. Urne mit großen Henkeln, roh gearbeitet. 

„ 18. Urne völlig windschief, Hals oben gerade abschneidend, mit undurchlochtem Henkelansatz. 

„ 19. Urne mit abgesetzem Halse. 

„ 20. Urne mit hohem Hals und nach außen gewendeter Randleiste, Bauch und Schulter 

gestrichelt, Fuß und Hals glatt, glatte Vertikalstreifen. 

„ 21. Urne mit abgesetztem, oben gerade abschneidendem Halse. 

„ 22. Urne. Hals nicht scharf abgesetzt, etwas nach außen gebogen. 

„ 23. Urne mit hohem Hals und nach außen gewendetem Mündungsrand, ohne Henkel. 

„ 24. Desgl. mit großem Henkel. 

„ 25. Desgl. mit zwei Henkeln. Einer ist vor der Bestattung abgeschlagen. 

„ 26. Desgl. mit Verzierung unter dem Henkelansatz. 

„ 27. Urne ohne Hals, mit kräftiger, facettierter Randleiste. 

„ 28. Kleines Beigefäß: Becher mit Tupfenornament. 



19 

Fig. 29. Schale, als Deckel auf einer Urne. 

„ 30. Tasse mit einem Henkel (ßeigefäß). 

„ 31. Hochhalsige Urne mit Ornament auf der Schulter. 

„ 32. Einhenkliges Gefäß, als Deckel auf einer Urne. 

„ 33. Hochhalsiges Beigefäß, stand bei einer Urne. 

„ 34. Hochhalsige Urne mit Tupfenornament. 

„ 35. Urne mit schnurähnlichen Halsreifen. 

„ 36. Schale, lag als Deckel auf einer Urne. 

„ 37 — 39. Bruchstücke von Schalen. 

„ 40. Verzierte Scherbe (Furche mit Tupfen). 

Metallgerät etc. 

Gerade eiserne Nadel mit kegelförmigem Kopfe. 
Eiserne Kropfnadel. 
Bronzene Kropfnadel (Rollennadel). 
Desgl. mit kreuzförmigem Kopf und Durchlochung. 
Einfache eiserne Kropfnadel. 

Eiserne Kropfnadel mit ringförmig gebogenem Kopf. Letzterer durch Einkerbungen 
verziert. 

Bronzene Kropfnadel mit geriefeltem Kopf. 
Gerade eiserne Nadel, nagelförmig. 
Bruchstücke einer bronzenen Nadel. 
Eiserne Kropfnadel mit bronzenem Knopf am Kopfe. 

Gerade eiserne Nadel mit ringförmig gebogenem Kopfe, in dem ein kleiner Eisenring hängt. 
Von einer sog. Kettennadel (?). 
Eiserne Kropfnadel mit bronzenem Kopf. 
Eiserne Nähnadel. 

Lange, gerade eiserne Nadel mit hohlem Bronzekopf, der aus zwei halbkugeligen Hälften 
zusammengefügt ist. Zur Stütze der Kugel dient eine im Innern befindliche Eisenscheibe. 
Eine Nadel wie Fig. 54, von der die Bronzeteile entfernt sind. 
57. Eiserne Kropfnadel. Am Kopfe ist eine dünne Bronzescheibe befestigt. 
59. Eiserne Kropfnadel mit plattenförmigem Kopfe. 
Eiserne Lanzenspitze, bei einer Pflasterung in freier Erde gefunden. 
Lange Eisennadel mit Ring. 

Fibula. Auf dem bandförmigen Bügel von Eisen ist eine große, dünne Bronzescheibe 
befestigt. 

Gürtelhaken mit Ring am breiten Ende. 

Große eiserne Fibula. Der Bügel war ursprünglich mit 7 Bronzeplatten besetzt. 
In der Mitte Rest einer großen Zierplatte. 

Gürtelhaken mit Kopfplatte mit Nieten, verziert mit Rillen und Einkerbungen. 
Scheibenförmiger Gürtelhaken. 
Gürtelhaken mit Nieten am breiten Knde (?). 
Gürtelhaken mit durchlochtem breiten Ende. 
Gürtelhaken mit angenieteter Kopfplatte. 
72. Gürtelhaken. 

Gürtelhaken, am breiten Ende durchlocht. 

Gürtelhaken mit Kopfplatte und darauf genieteter Bronzeplatte. 
Geschlossener geschweißter eiserner Ring mit Haftplatte. 
Geschlossener Gürtelring, vierkantig. 

Großer Gürtelhaken. Die Seitenarme am Kopfe sind umgebogen. 
Bronzener Drahtring mit kurzer, breiter Zwinge mit 2 Nieten. 

Kleiner, vierkantiger, offener Eisenring mit kurzer, breiter Zwinge mit einem Niet und 
zwei eingehängten schmalen Eisenblechen (Klapperbleche?). 
SO. Geschlossener Gürtelring von kreisrundem Querschnitt, mit langer, schmaler, genieteter 
Zwinge. 

81. Offener Gürtelring von viereckigem Querschnitt mit kurzer, breiter Zwinge mit einem Niet. 

82. Kleiner vierkantiger Eisenring, mit zwei kurzen breiten Zwingen mit je einem Niet. 



Fig. 


41 


11 


42 


11 


43 


33 


44, 


33 


45, 


33 


46, 


33 


47. 


)) 


48. 


» 


49. 


13 


50. 


11 


51. 


31 


52. 


•1 


53, 


33 


54. 


11 


55. 


13 


56- 


13 


58- 


33 


60. 


13 


61. 


11 


62. 


33 


63. 


11 


64. 


31 


65. 


11 


66. 


13 


67. 


31 


68. 


31 


69. 


31 


70- 


33 


73. 


11 


74. 


13 


75. 


33 


76. 


31 


77. 


13 


78. 


33 


79. 



20 

Fig. 83. Bruchstück einer Pincette von Eisen. 

„ 84. Kleines hakenförmiges Gerät von Bronze. 

„ 85—87. Bronzene Drahtringe. 

,, 88. Geschlossener Gürtelring mit Punkten verziert (zu 65). 

„ 89. Offener Gürtelring, vierkantig. 

„ 90. Bronzener Armring, zerbrochen. Das eine Ende 90a ist durchlocht, das andere war 

■ wahrscheinlich hakenförmig gebogen. 

,, 91. Eiserner Armring mit hakenförmig gebogenen Enden. 

,, 92. Eiserner Knopf. 

„ 93. Geschlossener, stark ausgeschliffener Gürtelring. 

„ 94. Schildförmiger Ohrring von Bronze mit blauer Glasperle. 

„ 95. Desgl. mit durchlochtem und verziertem Schilde. 

„ 96. Desgl. 96 d mit kleinem Eisenring. 

„ 97. Gerät von Bronze mit aufgerolltem Ende. 

„ 98. Bronzener Zierbuckel. 

„ 99 — 100. ürnenharz. 



Verzeichnis der Gräber. 



Grab 1. Urne. Ohne Beigaben. 

„ 2. Knochenlager, von Steinen umgeben. Ohne Beigaben. 

„ 3. Knochenlager, umgeben von Quarzitsteinen mit starken Schlagspuren (den Schlagsteinen 

aus neolithischen Ansiedelungen sehr ähnlich). Beigaben: Eisennadel, 15 1 2 cm lang 

(Fig. 48). 
„ 4. Ein Knochenlager unter großer Pflasterung und 9 Urnen. 

1) Knochenlager. Ohne Beigaben. 

2) Urne 3. Beigaben: Eisennadel (Fig. 58, 59), 2 Ohrringe ohne Perlen (Fig. 94). 

3) Urne 4. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 71), Eisenring (Fig. 87), Eisennadel 
(Fig. 45), zusammengeschmolzene Ohrringe und blaue Glasperlen. 

4) Urne 5. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 71), Urnenharz. 

5) Urne 6. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 68), Eisennadel. 

6) Urne 7. Beigaben: Gürtelhaken, 7 cm lang (Fig. 71), Eisennadel, 12 cm lang 
(Fig. 45). 

7) Urne 8. Beigabe: ca. 1 Dutzend Klümpchen zusammengeschmolzener Bronze 
(von einer Zierplatte?). 

8) Urne 9. Viele Knochen. Beigaben: Eisenfibel (Fig. 64), ein Stück zer- 
schmolzenes Bronzeblech (Fig. Ii4 a), Draht von einem Ohrring, 3 blaue 
Glasperlen. 

„ 5. 3 Urnen unter Pflasterung: 

1) Urne a. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 71), Eisennadel (Fig. 41), zahlreiche 
Beste von Ohrringen und blauen Glasperlen. 

2) Urne b. Beigabe: Gürtelhaken, s l j 2 cm lang (Fig. 71). 

3) Urne e. Beigaben: Eisennadel (Fig. 41), (i Ohrringe (Fig. 95), 3 mit blauen 
Glasperlen. Außerhalb der Urne in freier Erde: kleiner eiserner Gürtelring 
und 2 Ohrringe mit einer blauen und einer weißen Perle. 

„ 6. Eine Urne unter Pflasterung, sehr tief (ca. 3 / 4 m). Beigaben: Eisennadel mit hohlem 
Bronzekopf (Fig. 54 , aber kleiner) , Bruchstücke eines bronzenen Schmuckringes 
(Fig. 90), 1 Ohrring mit blauer Perle (Fig. 94), 3 Bronzebuckelchen (Fig. 98). 

„ 7. Glänzend schwarze Urne sehr tief unter einem großen, vierkantigen Geschiebestein. 
Beigaben: Gürtelhaken, 20 cm lang längster Gürtelhaken, (Fig. 77), 2 Eisenringe mit 
Zwinge (Fig. 80 u. 81), kleiner Eisenring mit Zwinge und zwei eingehängten Eisenblech- 
stücken (Fig. 79), kleiner bronzener Drahtring mit Zwinge (Fig. 78), 2 kleine Eisen- 
ringe mit je zwei Zwingen (Fig. S2), Eisennadel mit bronzenem Kopf (Fig. 52). 



21 

Grab 8. Glänzend schwarze Urne unter Pflasterung. Beigaben: Gürtelhaken, 13 1 / 2 cm lang 
(Fig. 65), Eisenring (Fig. 76), Bronzenadel (Fig. 44). 
9. Knochenlager unter Pflasterung. Ohne Beigaben. 

10. Knochenlager. Beigaben: Eisennadel mit Bronzescheibe (Fig. 56), Eisennadel mit hohlem 
Bronzekopf, Iß 1 /, cm lang (Fig. 54), 8 zerschmolzene Ohrringe und Glasperlen (Fig. 94). 

11. Urne unter Pflasterung. Beigaben: Eisenring (Fig. 76), Bronzenadel (Fig. 47). 

12. Urne unter Pflasterung. Beigaben: tassenförmiges Beigefäß (Fig. 30), eiserner Gürtel- 
ring (Fig. 76), Eisennadel (Fig. 45). 

13. Urne unter Pflasterung. Ohne Beigaben. 
1-1. Urne unter Pflasterung, ohne Beigaben, sowie 2 leere Beigefäße (Fig. 15 u. 33). 

15. 2 Urnen und 1 Knochenlager unter Pflasterung. 

1) Urne 1. Ohne Beigaben. 

2) Urne 2. Beigaben: blaue Glasperle, 1 Stückchen Urnenharz. 

3) Knochenlager. Beigabe: 1 Ohrring (Fig. !I4). 

16. Knochenlager unter zwei platten Steinen, von Steinen umgeben. Ohne Beigaben. 

17. Urne unter Pflasterung. Ohne Beigaben. 

18. Urne unter Pflasterung, Deckschale dazu (Fig. 3(i). Ohne Beigaben. 

19. Urne unter Pflasterung. Beigaben: Gürtelhaken, 15 cm lang (Fig. 65), Eisenring (Fig. 88), 
Eisenring (Fig. 89), Eisennadel (Fig. 45), Urnenharz. 

20. Knochenlager, von Steinen umfuttert, unter zwei großen Decksteinen. Ohne Beigaben. 

21. Knochenlager. Beigabe: Eisennadel (Fig. 55). 

22. Glänzend schwarzes Gefäß ohne Knochen unter Pflasterung, dessen Boden ausgeschlagen 
war. 1 m entfernt davon unter Deckstein eine Urne. Ohne Beigaben. 

23. 3 Urnen dicht beisammen unter Pflasterung. 

1) Urne 1. Beigabe: Eisennadel mit Ohr (Fig. 53). 

2) Urne 2. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 72), Eisenring (Fig. 76), Eisennadel (Fig. 41). 

3) Urne 3. Beigabe: Eisenring mit Zwinge (Fig. 80). 
Der Boden von Urne 2 war ausgeschlagen, ebenso ein Henkel. 

24. Knochenlager. Beigaben: Bruchstücke einer Eisennadel, Reste von 7 — 8 Ohrringen 
(Fig. 94), ohne Perlen. 

25. Knochenlager 1 unter Deckstein. Beigabe: Gürtelhaken (Bruchstück). Dicht daneben 
Knochenlager 2. Ohne Beigaben. 

26. Knochenlager unter plattem Stein, nicht von Steinen umfuttert. Ohne Beigaben. 

27. Urne unter Pflasterung. An d. Urne waren von außen Knochen geschüttet (Fig. 10). 
Ohne Beigaben. 

28. Eine Urne unter plattem Steine , Knochen mit Holzkohlen vermischt. Beigaben : 
6 Bruchstücke eines bronzenen Drahtringes (Fig. 91). 

29. Urne, unbedeckt und ohne Steinumfutterung. Wenig Knochen. Beigabe: Eisennadel 
(Fig. 43). Kindergrab. 

30. Knochenlager unter Pflasterung. Daneben schwarzes Beigefäß von der Größe einer 
Knochenurne (Fig. 14). Beigaben des Knochenlagers: Gürtelhaken (Fig. 67), 10 Ohr- 
ringe ohne Perlen (Fig. 94). 

31. Urne unter Pflasterung. Wenig Knochen. Kindergrab. Ohne Beigaben. 

32. Urne unter Pflasterung, mit Steinen umfuttert. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

33. Urne unter Pflasterung. Ohne Beigaben. 

34. Urne unter Pflasterung (Frz. 2). Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 71), Eisenring (Fig. 76), 
1 Ohrring mit blauer Perle (Fig. 94), 1 kleiner Bronzeblechstreifen, an dem einen 
Ende zugespitzt, am anderen aufgerollt (Fig. 97). 

35. Knochenlager unter Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

36. Knochenlager unter Pflasterung. Ohne Beigaben. 

37. Knochenlager unter Pflasterung. Beigaben : 3 Ohrringe (Fig. 94). 1 Glasperle (weiß 
oder blau mit weißer Verwitterungskruste ?). 

38. Urne, völlig frei im Erdboden. Ein großer Stein lag daneben. Von zwei Henkeln 
der Urne einer abgeschlagen. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 68), geschlossener Eisenring 
mit Zwinge (Fig. 81), Eisenring mit Zwinge und zwei eingehängten schmalen Eisen- 
blechen (Fig. 79), 3 Eisenringe mit je zwei Zwingen (Fig. 82), Eisennadel (Fig. 45). 

39 — 41. 3 Pflasterungen mit je einer Urne. Ohne Beigaben. 



22 

Grab 42. Urne unter Pflasterung, daneben Knochenlager. 

1) Urne. Ohne Beigabe, von Steinen umfuttert. Unter den Umfutterungssteinen 
ein Stückchen rotgebrannten Tones (vom Wandbewurf einer Hütte V). 

2) Knochenlager. Ohne Beigaben. 

„ 43 (Fig 7). Große Urne unter Deckstein. Viel Knochen. Beigabe: Eisennadel (Fig. 45). 

„ 44. Knochenlager am Rande einer Pflasterung. 

„ 45. Knochenlager unter plattem Stein. Ohne Beigaben. 

„ 46. Urne unter Pflasterung. Ohne Beigaben. 

„ 47. 1 Urne. Bei derselben in freier Erde Gürtelhaken (Fig. 70). 

„ 48. Urne unter Pflasterung. Viel Knochen. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 68), Eisenring 

mit Zwinge (Fig. 80), Bronzenadel (Fig. 43). 
„ 49. Urne unter Deckstein. Beigaben: Sehr kleiner Gürtelhaken (Fig. 73), Eisennadel mit 

hohlem Bronzekopf (Fig. 54). 
„ 50. Urne. Ohne Beigaben. In der Nähe frei in der Erde Bruchstück einer Eisennadel 

(Fig. 46). 
„ 51. Urne unter Pflasterung. Beigabe: Gürtelhaken. 

„ 52. Urne unter Pflasterung. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 74), Eisenring (Fig. 80), Eisen- 
nadel (Fig. 45). 
„ 53. Knochenlager unter Pflasterung, von Steinen umgeben. Beigaben : Eisennadel (Fig. 45), 

Stücke eines Ringes von Bronze (Fig. 90), 6 kleine bronzene Buckelchen (Fig. 98). 
„ 54. Urne unter Pflasterung. Beigabe: Bronzenadel (Kropfnadel). 
„ 55. Urne frei in der Erde. Viel Knochen. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 71), Eisennadel 

(Fig. 61). 
„ 56. Knochenlager unter Pflasterung. Beigaben : Eisennadel mit hohlem Bronzekopf (Fig. 54), 

6 Ohrringe (zerbrochen), einer mit blauer Perle (Fig. 94). 
„ 57. Urne. Beigabe: Eiserner Gürtelring. 
„ 58. Große Pflasterung, mehrere Steinschichten stark. In derselben 1 Urne und 2 Knochenlager. 

1) Urne 1. Beigaben: Eisennadel mit hohlem Bronzekopf (Fig. 54), kleiner 
Gürtelhaken (Fig. 73), Eisenring (Fig. 76), kleiner bronzener Drahtring 
(Fig. 85). 

2) Knochenlager a. Wenig Knochen. Kindergrab. 

3) Knochenlager b (Fig. 13). Viel Knochen. Beigaben: Fibula (Fig. 62), Eisen- 
nadel (Bruchstück. Kroplnadel), verzierter kleiner Tonbecher (Fig. 28). 

„ 59. Große Urne unter Deckstein, von Steinen umgeben. Beigaben: Eisennadel (Fig. 42), 

becherförmiges Beigefäß (zerstört). 
„ 60. 1 Urne unter plattem Stein. Beigaben: Eisenring (Schmuckring, Fig. 91), Urnenharz 

(Fig. 100). 
„ 61. Knochenlager unter Pflasterung. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 66), Eisennadel (gerade), 

3 blaue Glasperlen, zusammengeschmolzene Ohrringe und Glasperlen (Fig. 94). 
„ 62. 2 Urnen und 1 Knochenlager dicht bei einander. 
„ 63. Knochenlager unter plattem Stein. Beigaben: Stücke von Ohrringen. 
„ 64. Mit drei Steinen bedeckte Urne mit zwei Henkeln, der eine abgeschlagen. Wenig 

Knochen. Beigabe: Gürtelhaken (Fig. 65). 
„ 65 (Fig. 1). 2 Urnen unter Pflasterung. Neben der einen ein Knochenlager. 

1) Urne 1. Viel Knochen. Beigabe: Gürtelhaken (Fig. 71). 

2) Knochenlager bei Urne 1. Viel Knochen. Beigaben: Eisennadel mit Bronze- 
kopf, 1 eiserner Knopf (Fig. 92). 

3) Urne 2. Eisennadel mit hohlem Bronzekopf (Fig. 54). 

66. Knochenlager unter Deckstein, nicht mit Steinen umfuttert. Ohne Beigaben. 

67. Knochenlager unter Pflasterung. Beigabe: Kleiner Gürtelhaken (Fig. 73). 

68. Urne ohne Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

69. Urne unter plattem Stein. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

70. Urne unter Pflasterung. Beigaben: Sehr kleiner Gürtelhaken (Fig. 73), 10 bronzene 
Ohrringe (Fig. 96 a — d. d mit kleinem Eisenring), 3 blaue Glasperlen. 

71. Pflasterung von 70 cm Länge und Breite, ohne Urne oder Knochenlager. 



23 

Grab 72. 3 Knochenlager unter Pflasterung. 

1) Knochenlager a. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 70), Bruchstück einer Eisennadel. 

2) Knochenlager b. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

3) Knochenlager c. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

Zwischen den Steinen der Pflasterung lagen mehrere Feuersteinsplitter. 

„ 73. Urne unter Pflasterung. Viel Knochen. Beigabe: Eisennadel mit kleinem Bronzekopf 
(Fig. 41). 

„ 74. Urne und größeres Beigefäß unter Pflaster, in dem die zu der Knochenurne gehörigen 
Beigaben lagen : Bruchstück einer Eisennadel (Fig. 45), ein Stückchen Urnenharz (Fig. 99). 

„ 75. Zweihenklige Urne unter plattem Stein. Ein Henkel abgeschlagen. Viel Knochen. 
Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 77), eiserne Riemenplatte mit Ring (Fig. 75), 1 Eisen- 
ring (Fig. 76). 

„ 76. Zweihenklige Urne unter Pflasterung. Ein Henkel abgeschlagen, Boden der Urne 
herausgeschlagen. Viel Knochen. Beigaben: Gürtelhaken (am breiten Ende eine schmale 
Eisenplatte festgenietet oder angerostet), Eisenring (Fig. 93), 2 Bruchstücke einer 
bronzenen Nadel (Fig. 49). 

„ 77. Urne, mit mehreren kleinen Steinen bedeckt. Von zwei Henkeln der eine abgeschlagen. 
Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

„ 78. Sehr kleine Urne neben Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

„ 79. Kleine Urne unter plattem Stein. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

„ 80. Knochenlager unter Deckstein. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 73), Eisennadel (Fig. 48), 
2 kleine Ringe von Bronzedraht (Fig. 86, 87). 

„ 81. Urne unter Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Außen waren an die 
Wand der Urne einige Knochenreste geschüttet. 

„ 82. Ein Haufe Scherben von einem schwarzen Gefäß unter Pflasterung, darunter auch ein 
abgeschlagener Henkel. Am entgegengesetzten Ende der Pflasterung unter dieser eine 
Urne, neben der ein größeres, leeres Beigefäß stand. Wenig Knochen. Ohne Bei- 
gaben. Kindergrab. 

„ 83. Von konzentrischen Steinkreisen Knochenlager unter Pflasterung. Beigabe: Gürtel- 
haken (Fig. 71.) 

„ 84. Unter Pflasterung Knochenlager. Wenig Knochen. Auf den Knochen ein Feuerstein 
mit Schlagspuren. 

„ 85, Urne unter Pflasterung. Viel Knochen. Beigabe: Eisennadel. 

„ 86. Urne unter einigen kleinen Steinen. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

„ 87. Knochenlager unter plattem Stein. Ohne Beigaben. 

„ 88. Pflasterung, 80 cm lang, 55 cm breit. Ohne Urne oder Knochenlager. 

„ 89. Urne unter Pflasterung. Beide Henkel derselben waren abgeschlagen. Wenig Knochen. 
Ohne Beigaben. 

„ 90. Urne unter Pflasterung, der Hals war abgeschlagen. Ohne Beigaben. 

„ 91. 2 Knochenurnen unter Pflasterung. 

1) Urne a. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

2) Urne b. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 
„ 92. Pflasterung. Darunter nur etliche Scherben. 

„ 93. Urne ohne Pflasterung. Wenig Knochen. Beigabe: 2 bronzene Ohrringe (Fig. 94). 

„ 94. Knochenlager unter Pflasterung. Viel Knochen. Beigaben: Hakenförmiges Bronze- 
gerät (Fig. 84), Reste einer bronzenen Kette und eines bronzenen Schmuckringes. 

„ 95. 3 größere Steine, darunter einige Scherben und Holzkohlen. Reste einer zerstörten 
Pflasterung? 

„ 96. Urne unter Pflasterung, daneben größeres, leeres Beigefäß. Zwischen Pflasterung und 
Urnenmündung ein Knochenlager. 

1) Urne. Viel Knochen. Beigaben: Lange Eisennadel mit Ohr (Fig. 53), 1 Ohrring. 
Zwischen den Knochen Knollen von- stark kohlehaltiger Erde. 

2) Knochenlager. Beigabe: Gürtelhaken. 

„ 97. 2 Urnen neben Pflasterung. Neben Urne 1 Knochenlager. 

1) Urne 1. Zweihenklig, ein Henkel abgeschlagen. Mit Knochen. Ohne Beigaben. 

2) Knochenlager I. Beigaben: Eiserne Kropfnadel (Fig. 45), eiserner Gürtelring, 
Gürtelhaken. 



24 

3) Urne 2. Zweihenklig, ein Henkel abgeschlagen. Gefäßboden ausgeschlagen. 
Außen an die Urnenwand waren einige Knochenstückchen geschüttet. Mit 
Knochen. Beigabe: Eiserne Kropfnadel (Fig. 45). 
Grab 98. Knochenlager und Urne unter Pflasterung. 

1) Knochenlager. Viel Knochen. Beigaben: Eiserne Kropfnadel, Urnenharz. 

2) Urne, zweihenklig (Fig. 25), ein Henkel abgeschlagen. An die Außenseite 
der Urne waren Knochen geschüttet. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

Zwischen den Steinen der Pflasterung ein kleiner Feuerstein mit Schlagspuren und 
in der Erde über der Pflasterung eine eiserne Pinzette (Fig. 83). 
„ 99. Große Pflasterung. Darunter 2 Knochenlager, seitlich von der Pflasterung Urne. 

1) Knochenlager a. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

2) Knochenlager b. Beigabe: Ohrring. 

3) Urne. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

In der Nähe der Urne lag frei in der Erde ein abgeschlagener Gefäßhenkel. 
„ 100. Pflasterung. Ohne Urne oder Knochenlager. Zerstörtes Grab? 
„ 101. Knochenlager und Urne unter Pflasterung. 

1) Knochenlager. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

2) Urne. Ohne Beigaben. 

„ 102. Zerstörte Urne ohne Pflasterung. Auf der Schulter der Urne eigenartige Zeichnung 
(siehe Text und Blustration auf Seite 15). Mit Knochen. Beigabe: Bruchstück einer 
Bronzenadel. 

Urne ohne Steine, frei in der Erde. Die Urne war in zerstörtem Zustande beigesetzt. 
Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

Urne, von Steinen umgeben. Der obere Teil des Gefäßes war schon vor der Bei- 
setzung nicht mehr vorhanden; abgeschlagen? Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 
Urne, von Steinen umgeben, bedeckt von einer Scherbe. Über dieser eine Schicht 
weißen Sandes von 2 cm Dicke. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 
Urne ohne Steinschutz frei in der Erde, verziert. Mit Knochen. Ohne Beigaben. 
Urne unter Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 
Urne unter plattem Stein. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 
Urne, durch einige Steine gestützt. Mit Knochen. Ohne Beigaben. 
2 kleine Urnen dicht nebeneinander. Ohne Pflasterung. Beide Urnen enthielten 
wenige, zarte Knochen. Ohne Beigaben. Urne 1 stand auf einem rundlichen Stein 
mit Schlagspuren am Rande. (Vergl. Grab 3.) 

Urne unter plattem Stein. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. Neben 
dem Deckstein zwei Feuersteinsplitter. 
2 l rnen und 1 Knochenlager unter Pflasterung. 

1) Urne 1. Ohne Beigaben. 

2) Urne 2. Viel Knochen. Beigaben: Tassenförmiges Beigefäß, eiserne Kropf- 
nadel. In der Nähe der Urne Feuersteinsplitter. 

3) Knochenlager. Ohne Beigaben. 
Die Beigaben von Urne 2 sind in der Jastorfer Schule. 

113. Knochenlager, ohne Steine völlig frei in der Erde. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

114. Knochenlager unter plattem Stein. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

115. Urne frei in der Erde. Mit Knochen. Beigaben: Gürtelhaken, Gürtelring mit Zwinge. 
Von den beiden Henkeln der Urne einer abgeschlagen. 

116. Urne. Wenig Knochen. Beigaben: Kleines Beigefäß. 1 Ohrring. 

117. Urne frei in der Erde. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

118. Urne ohne Pflasterung. Viel Knochen. Beigaben: Eisennadel mit (zerstörtem) Bronze- 
kopf, Schmelzstück von Bronze. 

119. Urne ohne Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

120. Urne, mit Steinen umfuttert. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

121. Urne unter Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. In der Nähe in freier 
Erde ein Haufe Holzkohlen. 

122. 2 Urnen, 2 Knochenlager. 

1) Urne 1. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

2) Knochenlager 1. Viel Knochen. Beigabe: Bronzenadel. 



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25 

3) Knochenlager 2. Wenig Knochen. Auf den Knochen ein Feuersteinsplitter, 
einem Messer ähnlich. 

4) Urne 2. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 
Grab 123. 2 Urnen und 1 Knochenlager unter Pflasterung. 

1) Urnen ohne Beigaben. 

2) Knochenlager. Mit Knochen. Beigabe: Stücke einer eisernen Nadel. 
„ 124. Urne unter Pflasterung. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

„ 125. Unter drei Steinen von einer Deckschale bedecktes Knochenlager. Der Knochenhaufe 
war seitlich von drei Steinen gestützt und von einer Schicht schwarzer Erde um- 
geben, die Holzreste enthielt — Holzgetäß — . Ohne Beigaben. 

„ 126. Unter zwei Steinen ein Haufe Knochen und Scherben, alles durcheinander gemengt. 
Ohne Beigaben. 

„ 127. Urne ohne Pflasterung. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

„ 128. Urne, von Steinen umgeben, dabei 2 Knochenlager. 

1) Urne. Viel Knochen. Beigabe: Eiserne Kropfnadel (Fig. 45). 

2) Knochenlager a. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

3) Knochenlager b. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

„ 129. Große Urne unter plattem Stein. Um den Hals läuft ein Tonreif (Fig. 35). Viel 
Knochen. Beigaben: Lange Eisennadel, 1 kleine, durchlochte runde Bronzescheibe, 
ein hakenförmiges Gerät von Bronze. 

„ 130. Knochenlager, von Steinen umgeben. Beigaben: Gürtelhaken, Eisennadel mit großem, 
hohlem Bronzekopf (Fig. 54). 

„ 131. Urne unter Pflasterung. Hals der Urne abgeschlagen. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. 

„ 132. Urne und 2 übereinander liegende Knochenlager unter Pflasterung (Fig. 4). 

1) Urne. Viel Knochen. Beigaben: Eisennadel (Fig. 48), 1 Ohrring (Fig. 94). 

2) Knochenlager a. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

3) Knochenlager b. Viel Knochen. Beigaben : Gürtelhaken (Fig. 73), Eisennadel. 
„ 133. Knochenlager unter Pflasterung. Mit Knochen. Beigaben: Eisennadel, Reste von 

4 Ohrringen (Fig. 94). 
„ 134. Urne. Unter dem Halsansatz dreimal ein Ornament von je drei Tupfen (Fig. 34). 

Viel Knochen. Beigaben : Eisennadel, 4 Ohrringe (2 mit Glasperlen). 
„ 135. Urne, frei im Erdboden. Mit Knochen. Beigaben: Kleines Beigefäß, Gürtelhaken (Fig. 71). 
„ 136. Urne ohne Pflasterung. War auf und neben einen Haufen Knochen gesetzt (Fig. 9). 

1) Urne. Viel Knochen. Beigaben: Ohrringe und blaue Glasperlen (4 — 5 einzelne 
Ohrringe, 8 Perlen). Außerdem sind mehrere Ohrringe und Perlen zu einem 
Klumpen zusammengeschmolzen (Fig. 94). 

2) Knochenhaufe. Beigabe: Gürtelhaken (Fig. 71). 

137. Urne ohne Pflasterung. Ein Henkel abgeschlagen. Ohne Beigaben. 

138. Urne, vollständig frei im Erdboden. Viel Knochen. Beigaben: Eiserne Nadel ohne 
Ausbiegung (Kopf s. Fig. 46), Bruchstück einer schmalen eisernen Pinzette (Fig. 83). 

139. Urne unter plattem Stein. 

140. Mittelgroßes, weitbauchiges Gefäß. Enthielt nur Sand. 

141. Mittelgroßes Gefäß auf einem Knochenlager. Das Gefäß enthielt nur Sand (Beigefäß). 
Knochenlager. Viel Knochen. Beigabe: Eisennadel mit Bronzekopf (Fig. 50). 

142. Urne frei in der Erde. Beigabe: Gerade Eisennadel. 

143. Urne frei in der Erde. Viel Knochen. Beigaben: Gürtelhaken (Fig. 69), Eisenring 
mit Zwinge (Fig. 81), Eisennadel (Fig. 52, doch ohne Bronzekopf). 

144. Urne, von Steinen umgeben. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 

145. Knochenlager frei in der Erde. Beigabe: Eiserne Kropfnadel. 

146. Urne, von Steinen umgeben. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

147. Urne frei in der Erde. Mit Knochen. Beigabe: Eisennadel (Fig. 51). 

148. Urne frei in der Erde. Viel Knochen. Beigaben : Eisennadel (Fig. 48), Reste mehrerer 
Ohrringe (Fig. 94) mit blauen Glasperlen. 

149. Urne frei in der Erde. Von vier Henkeln zwei abgeschlagen. Wenig Knochen. 
Beigabe: Stück von einem Gürtelhaken (Fig. 65). 

150. Urne frei in der Erde. Viel Knochen. Ohne Beigaben. 

4 



26 

Grab 151. Urne frei in der Erde. Mit Knochen. Ohne Beigaben. 

„ 152. Urne frei in der Erde. Mit Knochen. Beigabe: Eisennadel (Fig. 42). 
„ 153. Urne frei in der Erde. Wenig Knochen. Ohne Beigaben. Kindergrab. 
„ 154. Urne, von Steinen umgeben. Ohne Beigaben. Zwischen den Steinen ein Feuer- 
steinspan. 

In der Nähe von Gräbern im Erdboden eine mittelalterliche Pfeilspitze (Fig. 60), 2 Bruch- 
stücke von großen gedrehten Bronzeringen („Wendelringe") ; auf dem Deckstein einer Urne eine 
Silbermünze der Stadt Rostock. 



Patene aus der Kirche in Bültum 

von H. Runde, Hannover. 
Hierzu Tafel VI. 

Seit dem 12. Jahrhundert wurden an Stelle des geweihten Brodes beim Abendmahle die 
Oblaten in Scheibenform eingeführt, und zu gleicher Zeit kamen zur Darreichung derselben 
besondere tellerförmige flache Schüsseln, Patenen, in Gebrauch, welche stets mit dem dazugehörigen 
Kelche aus gleichem Materiale gefertigt, als Deckel auf die Cuppa des Kelches paßten und so 
auch zur Bedeckung und Schutz des konsekrierten Weines dienten. Die Patenen sind in der 
romanischen Stilperiode häufig mit Gravierungen oder Email geschmückt, während sie in gotischer 
Zeit meist einfach und schmucklos nur mit dem Weihekreuz am Rande vorkommen. Die Dar- 
stellungen betreffen in der Regel die Leidensgeschichte Jesu und sind häufig beide Seiten verziert. 

Die vom Provinzial-Museum erworbene Patene aus der Kirche in Bültum enthält auf 
beiden Seiten reiche figürliche und ornamentale Darstellungen , welche , zum Teil mit Vergoldung 
versehen, mit scharfen Linien eingraviert sind. Die etwas vertiefte Vorderseite zeigt in der 
Mitte eine thronende Maria mit dem Kinde in der Mandorla, umgeben von einem Vierpaß, in 
dessen 4 Feldern die 4 Evangelistensymbole angebracht sind. In den 4 Zwickeln befindet sich 
romanisches Blattwerk. Die in der Mitte der vertieften Vorderseite entsprechend erhabene Rück- 
seite enthält eine Kreuzigungsgruppe mit dem am Fußende Christi knieenden Donator. Um den 
Rand sieht man in Halbkreisen die Brustbilder der 12 Apostel. Auf der Vorderseite am oberen 
Rande ist ein kleines Weihekreuz (Signaculum) angebracht, das Zeichen der Stelle, wo die Patene 
von dem Priester angefaßt wurde. Die Art der Gravierung, sowie die der figürlichen Darstellung 
lassen auf das 13. Jahrhundert als Herstellungszeit schließen; was jedoch die auf der Rückseite 
angebrachte Jahreszahl 1636, die augenscheinlich später hinzugefügt wurde, zu bedeuten hat, geht 
aus der Inschrift „Bulten anno 1636" nicht hervor, auch sind schriftliche Nachrichten über die 
Patene nicht bekannt. Vielleicht ist das Stück zur Zeit des 30jährigen Krieges als Kriegsbeute 
in das Land gekommen und der Kirche zu Bültum gestiftet worden. 



Bastard von Birkhuhn und Fasan 

von Dr. Adolf F ritze. Hannover. 
Hierzu Tafel VH. 

Im November 1903 erhielt das Provinzial-Museum zu Hannover ein überaus interessantes 
und wertvolles Geschenk von Herrn Oberleutnant a. D. E. Seh lotfei dt in Gestalt eines Bastards 
von Tetrao tetrix L. und Phasianus colchicus L. Das Tier, ein Männchen, war am 3. November 
im Revier Niedernstöcken bei Neustadt a./R. erlegt worden. 

Daß solche Bastarde vorkommen, ist bereits seit längerer Zeit bekannt; Dresser erwähnt 
in seiner „History of the birds of Europe", daß man Bastarde des Fasans mit dem Haushuhn 
dem Guineahuhn, , dem Birkhuhn und dem Truthuhn kenne. Eine genauere Angabe über einen 
Bastard von Fasan und Birkhuhn bringt aber meines Wissens nur A. B. Meyer-Dresden in 
seinem Werk „Unser Auer-, Birk- und Rackelwild'', das mir leider nicht zugänglich ist. Der von 
Meyer ewähnte Bastard, ebenfalls ein Hahn, wurde von Graf Harrach bei Zelu unweit Tabro in 
Böhmen geschossen. 



27 

Bei der großen Seltenheit dieser Blendlinge und bei der geringen Kenntnis, die wir von 
ihnen besitzen, dürfte eine möglichst genaue Beschreibung des im Provinzial-Museum zu Hannover 
befindlichen Exemplars von Interesse sein. 

Gesamtlänge von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende . . . . 66 cm, 

Länge des Schwanzes 20,5 „ 

Länge des Flügels vom Bug bis zur Spitze der längsten Schwinge 26,5 „ 

Länge des Schnabels vom Mundwinkel bis zur Spitze 3,5 „ 

Breite des Schnabels an den Mundwinkeln 1,9 „ 

Länge des Laufs S,8„ 

Länge der Mittelzehe 6,5 „ 

Das Tier hat also die Größe eines starken Fasanhahnes , dem es auch in seinem ganzen 
Habitus ähnelt. 

Der Oberschnabel ist bräunlich -schwarz, die Färbung des Unterschnabels geht gegen die 
Basis hin allmählich in ein helles Braungelb über; die Nasengruben sind spärlich graubraun 
befiedert. Das Auge mit brauner Iris wird umgeben von einem nackten, warzigen, ovalen, gegen 
den Schnabel hin offenen, roten Streif. Oberkopf und Ohrgegend sind schwarz, ersterer mit 
dunkel rotbraunen Flecken, Augengegend, Wangen und Kinn blaß bräunlich -gelb mit dunkleren 
Strichen und Flecken; an der Schnabelwurzel und am Kinn finden sich schwarze Längsstreifen. 
Der Oberhals und die Unterseite sind schwarz, jene mit violett- kupferigem, diese mit bläulichem 
Metallglanz; an den Seiten des Halses, sowie auf der Mittellinie der Unterseite finden sich einzelne 
gelbliche, mit braunen Querbinden versehene Federn. Die Federn an Bauch und Weichen zeigen 
einen schmalen braunen Rand, der gegen die Unterschwanzdecken hin allmählich breiter wird; 
diese selbst sind rötlich schwarz, einige Federn an beiden Seiten grau. Rücken, Oberschwanz- 
decken und Schwanz sind auf grünlich -braunem Grunde schwärzlich gefleckt, gewellt und quer- 
gestreift, etwa wie der Randteil der Steuerfedern einer Fasanhenne, nur ist der Grundton mehr 
grünlich. Der Schwanz ist gerade, ohne eine Spur von Lyra -Bildung und spitzt sich allmählich 
zu. Nur die zwei mittleren Steuerfedern zeigen auf der ganzen Fahne gleichmäßig die beschriebene 
Farbe, bei den übrigen sind Spitze und Innenfahne dunkler, die Unterseite zum größten Teil 
schwarz. Die Farbe der Flügel gleicht im allgemeinen der des Rückens; die Handschwingen sind 
auf schwärzlichem Grunde gelblich -braun gestrichelt und gewellt, ihr Schaft ist bräunlich, bei 
manchen Flügeldeckfedern ist der Schaft und dessen nächste Umgebung gelbbraun , an die Zeich- 
nung der Fasanhenne erinnernd. Die Unterseite der Flügel ist grau , in der Gegend des Arm- 
randes allmählich in reines Weiß übergehend. Der untere Teil des Schenkels ist mit bräunlichen, 
schwarz gebänderten Federn bedeckt, ebenso die vordere obere Hälfte des Laufs, dieser ist im 
übrigen Teil nackt, graubraun; an der Rückseite befindet sich, wie bei der Fasanhenne, an Stelle 
des männlichen Sporns eine etwas stärker gewölbte , größere Schuppe. Die Zehen besitzen an 
den Rändern keine Hornfransen. 

Wie aus vorstehender Beschreibung hervorgeht und wie die Abbildung zeigt, besitzt der 
Bastardhahn, dessen primäre Geschlechtsorgane normal männlichen Typus zeigten, bei dem Ge- 
samthabitus eines Fasans eine merkwürdige Mischung von Fasan- und Birkhuhn-Charakteren; man 
kann sagen, er steht ziemlich genau auf der Mitte zwischen beiden Vogelarten. Es fragt sich nun, 
welche von beiden den Vater, welche die Mutter geliefert hat. 

Da weder die Begattung, noch die Brutpflege beobachtet ist, so ist man natürlich auf 
Hypothesen angewiesen. Die sonstigen, mehr oder weniger regelmäßig beobachteten Bastardierungen 
des Birkwildes geben hier keinen Anhalt, denn während nachgewiesenermaßen beim Rackelwild 
der Birkhahn der Vater ist, ist es beim „Rypeorre", dem Bastard zwischen Tetrao tetrix und 
Lagopus albus, der Moorschneehahn. 

Mir scheint nun, daß man aus der Färbung und Beschaffenheit des Gefieders und sonstiger 
Merkmale bei unserm Vogel einen Schluß auf die Artzugehörigkeit der Eltern ziehen kann. Sieht 
man von der hellen Färbung von Kopfseiten und Kehle als einem Rest des Jugendkleides ab, der 
bei längerer Lebensdauer des Tieres in kurzer Zeit durch schwarze Federn ersetzt worden wäre, 
so zeigt das Birkhuhngefieder männliches, das Fasangefieder weibliches Gepräge, mit Ausnahme 
der lebhaft gefärbten Unterschwanzdecken und der Ausdehnung des nackten roten Streifens um 
das Auge, die an den Fasanhahn erinnern. Diese Verteilung der sekundären Geschlechtscharaktere 
läßt meiner Ansicht nach nur die Erklärung zu, daß der Vater ein Birkhahn, die Mutter eine 
Fasanhenne gewesen ist, von der das Junge nicht nur die Art-, sondern auch die individuellen 
sekundären Geschlechtscharaktere geerbt hat. Immerhin wunderlich genug ! 



28 

Die Verhältnisse, unter denen der Bastard erlegt wurde, sprechen ebenfalls für diese Annahme. 
Oberleutnant a. D. Schlotfeldt, in dessen Revier und in dessen Gegenwart der Vogel geschossen 
wurde, äußert sich in einem Artikel des „Hannoverschen Couriers" vom 22. 11. 1903 (Nr. 24 702) 
über die mutmaßliche Entstehung des Bastards wie folgt: 

„Die Annahme, daß es sich um eine Kreuzung von Fasanenhahn und Birkhenne handeln 
könne, erscheint aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen. Die Birkhenne ist sehr scheu, und 
Birkhahn und Fasanenhahn sehen denn doch gar zu verschieden aus, um eine solche Eheirrung 
für möglich zu halten. Die Fasanenhenne ist dagegen meist sehr vertraut, oft geradezu dämlich, 
sucht auch selbst, wie schon beobachtet ist, die Balzplätze der Birkhähne auf. Die Farbe kommt 
der einer Birkhenne wenigstens in etwas nah; warum sollte da ein schmucker, liebebedürftiger, 
junger Birkhahn, dem es an ebenbürtiger Damenbekanntschaft fehlt, nicht auch einmal mit einer 
hübschen Fasanenhenne zum Standesamt gehen, namentlich wenn es sich um eine arme Verirrte 
handelt, denn im Revier Niedernstöcken ist noch niemals ein Fasan vorgekommen, und der nächste 

Fasanenstand etwa fünfzehn Kilometer entfernt Mir ist die Vaterschaft des Birkhahns 

in diesem Falle ganz unzweifelhaft. Im Mai d. J. balzten dort an derselben Stelle zwei junge 
Hähne, ohne Hennen. Sie waren von einem Platzhahn abgekämpft, der die drei überhaupt vor- 
handenen Hennen für sich in Beschlag genommen hatte und sie mit Argusaugen hütete 

Ein paar hundert Schritt davon balzten, jeder für sich, zwei junge Hähne, Jährlinge, wie der 
bräunliche Anflug über dem Schwarz durch das Glas deutlich erkennen ließ. Sie waren unermüd- 
lich in ihrem Liebesgesang Und doch war alles Liebesmühen umsonst; der Alte ließ seine 

drei Frauen, die doch für alle hinreichten, nicht los, und wenn die jungen Herren sich etwa 
heranzumachen versucht hätten, wäre es ihnen übel bekommen. Auch diese beiden balzten außer 
Schußweite von jeder Deckung und kamen heil in die Schonzeit. Einer davon fand dann 
schließlich in der durch irgend einen Zufall dorthin verschlagenen Fasanenhenne doch noch eine 
Gattin und ist der Vater des Wundertieres, das ist meine feste Überzeugung!" — 

Soweit Schlotfeldt; ich glaube kaum, daß gegen seine Schlußfolgerung viel einzuwenden 
ist. Seine am Schluß des Artikels ausgesprochene Vermutung, daß im Revier Niedernstöcken oder 
der Umgebung sich noch Geschwister des Bastardhahns finden würden, hat sich bis jetzt 
nicht bestätigt. 

Hannover, August 1904. 



Tafel I. 

Der Urnenfriedhof bei Jastorf. 







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Tafel II. 

Der Urnenfriedhof bei Jastorf. 









Tafel III. 

Der Urnenfriedhof bei Jastorf. 







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Tafel IV. 

Der Urnen fr iedhof bei Jastorf. 



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Tafel V. 

Der Urnen fr iedhof bei Jastorf. 





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Tafel VI. 

Patene aus Bültum. 





Tafel VII. 

Tetrao tetriei X eolehieus. 






Jahrbuch 



des 



Prov>inzial*mu$eum$ zu ßannover 



umfassend 



die 2eit 1. April 1904—1905. 



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Hannover. 

Druck von "Wilh. Rieinschneider. 

1905 - ?orAÜ. 






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Jahrbuch 



des 



ProvinziaMttuseums zu Hannover 



umfassend 



die Zeit 1. April 1904—1905. 



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Hannover. 

Druck von Willi. Riemschn eider. 
1905. 



Inhalts-Übersicht. 



Seite- 
Einleitung .... . 1 

Vermehrung der Sammlungen. I. Historische Abteilung . 2 

II. Kunst-Abteilung 3 

III. Naturhistorische Abteilung 4 

Die Instandsetzung alter Altarbilder von Dr. J. Reimers 14 

Bilderpflege im Provinzial-Museum von Dr. J. Reimers 17 

Abnorm gefärbte einheimische Säugetiere und Vögel in der Sammlung des Provinzial - Museums zu Hannover 

von Dr. A. Fritze 20 

Beiträge zur Landesfauna von H. Löns 24 



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Saal 1, 2, 3 
Prähistorie. 

Saal 3a, 4, 5 
Ethnographie 

Saal 24 
Münzen. 



Erdgesehoss. 




Saal 25, 27 
Gipse. 

Saal 26 

< »riginal- 

skulpturen. 

Saal 28, 29, 30, 33 

Histor. 

Altertümer. 

Saal 34—36 
Verwaltung. 

Saal 37 a — 39 
Naturhist. 

Sammlungen. 



Hauptgesehoss. 




Saal 41 — 48 und 

Cabinet XXI -XXV 

Bilder moderner 

Meister 

Saal 40 

und Cabinet I— XX 

Bilder alter 

Meister. 

Saal 49 — 57 
Xaturhistor. 
Sammlungen. 



Obergeschoss. 



D, 



' ie Arbeiten im Provinzial- Museum wurden im verflossenen Geschäftsjahre im wesent- 
lichen beeinflußt in den kunst- und naturhistorischen Sammlungen durch eine eingreifende Um- 
stellung, wodurch die herzoglichen Sammlungen eine größere Geschlossenheit erlangten, und durch die 
noch fehlende Katalogisierung und Neuaufstellung der naturhistorischen Sammlungen der Fideikommiß- 
Galerie. So wurde der Saal 28 im Hauptgeschosse, bis dahin für die Münzen bestimmt, jetzt für 
die Sammlungen des Weifen-Museums verwendet, welche bis dahin in Saal 40 des Obergeschosses 
untergebracht waren. In Saal 40 sind dafür die im Kuppelsaale ausgestellten Gemälde und 
Skulpturen der Fideikommiß-Galerie untergebracht, und die Münzen werden im Saal 24 des Erd- 
geschosses im Laufe des Winters 1906 aufgestellt werden. Die bis dahin noch nicht für sich 
aufgestellten naturhistorischen Sammlungen der Fideikommiß-Galerie sind in einem von Raum 50 
des Obergeschosses abgetrennten Saale aufgestellt, neu bestimmt und neu katalogisiert. Die zur 
Fideikommiß-Galerie gehörenden Gipse nach antiken Kunstwerken haben in Saal 2 des Erdgeschosses 
Aufstellung gefunden. - ■ Die Katalogisierung der Sammlungen ist gut fortgeschritten, und sind 
wir bei der Bearbeitung der botanischen Sammlung Herrn Medizinalrat Brandes und bei der 
Bearbeitung der mineralogischen Sammlung Herrn Rentner Andree hieselbst für ihre Mitarbeit zu 
Danke verpflichtet. Die Herausgabe der Führer ist abhängig von der Aufstellung und Bearbeitung 
der Sammlungen und schreitet mit diesen fort. Der Führer durch die Bilder und Skulpturen der 
Fideikommiß-Galerie ist beendet und konnte derselbe bereits zur Ausgabe gelangen. 

In den Personalbestand hat der Tod eine schmerzliche Lücke gerissen. Der Kustos Köhler 
ist einer Lungenentzündung erlegen und bereitete der Tod dem verdienstvollen Wirken dieses 
eifrigen Beamten ein plötzliches Ende. Die uns noch immer fehlende Kraft eines Restaurators 
ist seit dem 1. März in dem hierfür angenommenen Maler Schiele gewonnen und sind wir mit der 
Errichtung dieser Stelle einen grossen Schritt vorwärts gekommen. Auch in der naturhistorischen 
Abteilung lassen sich die immer mehr sich häufenden Aufgaben für einen Präparator nicht an- 
nähernd bewältigen. Wir danken es der Provinzialverwaltung , daß durch die Einstellung des 
Hilfspräparators Strunk, welcher seine Lehrzeit bei unserem Präparator Schwerdtfeger beendet 
hatte, der größten Not abgeholfen ist. 

Um die Lücken in der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung systematisch auszufüllen 
und unbestimmtes Material durch ein genaues zu ersetzen, wurden, wie im Vorjahre, Grabungen 
ausgeführt, welche gute Resultate geliefert haben. Ebenso werden die Beziehungen zu unseren 
deutschen Kolonien gepflegt, wodurch unsere Sammlungen bedeutsamen Zuwachs erhalten. Für 
die naturhistorischen Sammlungen wird ebenfalls ein reger Verkehr mit Interessenten unterhalten, 
welcher unseren Sammlungen zu gute kommt. Von besonderer Wichtigkeit für die Vermehrung 
unserer naturhistorischen Sammlungen ist der Umstand, daß Herr Dr. Fritze mit der Flotte der 
Nordseefischerei eine Fangreise mitmachen und nicht nur reiche Schätze einheimsen, sondern auch 
durch die Kapitäne dieser Schiffe Verbindungen anknüpfen konnte, welche für unsere Sammlungen 
von großer Bedeutung sind. 

Der Besuch der Sammlungen ist ein überaus reger und an Sonn- und Festtagen derart, 
daß die Räume kaum noch passierbar sind. 

Von fürstlichen Personen besuchten am 31. August 11104 Ihre Königliche Hoheit, die Kron- 
prinzessin von England und am 28. September 1904 Ihre Hoheit, die Fürstin von Schaumburg- 
Lippe mit zwei Prinzen unser Museum. 



Hannover 1905. 



Der Direktor. 

Dr. Reimers. 



Vermehrung der Sammlungen. 



I Historische Abteilung. 



Die Sammlungen der historischen Abteilung haben im abgelaufenen Jahre folgende Zugänge 
zu verzeichnen : 

1. Vor- und frühgeschichtliche Sammlung. 

A. Geschenke. 

Eine Anzahl Artelakte aus Feuerstein und Schiefer, gefunden in einer Kiesgrube bei 
Lehrte, Kreis Burgdorf, (ieschenk des Herrn Geh. Archivrat (irotefend in Schwerin. 

Steillliammer von Granit mit unvollendeter Durchbohrung, gefunden bei Engehausen, 
Kreis Fallingbostel. Geschenk des Schriftstellers Herrn Löns in Hannover. 

Römisehe Broiizeschale mit flachem, konisch geformtem Fuß, am (Jefäßrande mit zwei 
zierlich gearbeiteten Henkeln versehen, welche in je zwei Seepferdköpfe auslaufend an den Gefäß- 
rand gelötet sind. Von den Henkeln ist leider nur einer erhalten. Das mit bräunlicher Patina 
behaftete Gefäß wurde in einer sumpfigen Niederung unweit Freden, Kreis Alfeld, gefunden und 
von der Spiegelglas-Aktiengesellschaft in Freden unserem Museum geschenkt. Der gedrehte Hoden 
und Rand, ebenso der Stil der Henkelfiguren verweisen das Gefäß in die frühe Kaiserzeit. Der 
Typus des Henkels geht auf altgriechische Kunst zurück. (Vgl. Ahbildung Tafel IV.) 

B. Ankäufe. 

Steinkeil von Granit, gefunden beim Ausschachten eines Bauplatzes am Volgersweg 
in Hannover. 

Durchbohrter Steinhammer von Granit, gefunden in einer Sandgrube bei Misburg, 
Landkreis Hannover. 

Ergebnisse einer auf Kosten des Provinzial- Museums veranstalteten Ausgrabung eines 
römischen Urnenfeldes bei Barendorf, Kreis Dannenberg, bestehend in mehreren in Bruchstücken 
erhaltenen Tongefäßen, teilweise mit Mäander-Verzierung, sowie einer Reihe dazugehöriger Bei- 
gaben von Eisen, meist Wallen. Messer, Lanzenspitzen und Schildbuckel, im ganzen ca. 30 Nummern. 

Ferner Ergebnisse der bereits im Jahre 1903 begonnenen Ausgrabung eines Gräberfeldes 
bei Nienbüttel, Kreis Uelzen, bestehend in einer Reihe Tongefäße, drei Bronzegefäßen, einer 
großen Anzahl Schwerter, Lanzenspitzen und Schildbuckeln von Eisen, zum Teil der römischen, 
zum Teil der La Tene- Periode angehörend, im ganzen etwa HM! Nummern. 



2. Geschichtliche Sammlung. 

A. Geschenke. 
Sandstein-Reliefs mit biblischen Darstellungen „Die Auferstehung und die Grablegung", 
Teile eines Epitaphiums aus der Kirche in Irmenseul, Kreis Alfeld. 16. Jahrh. Geschenk des 
Herrn Grafen Görtz-Wrisberg in Wrisbergholzen. 

B. Ankäufe. 

Bronzekessel mit drei hohen Füßen (sog. Grapen), gefunden auf dem Felde beim Ackern 
in Kuhlenkamp. Kreis Hoya. 16. Jahrh. 

Crneifixns von Holz, Ende 14. Jahrh., von besonderer Schönheit, sowie zwei Holzfiguren, 
Maria und Johannes aus jüngerer Zeit, angeblich aus einer Kirche im Osnabrückschen stammend. 



Zwei weibliehe Holzbüsten mit Bemalung, aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. 

Maria mit dem Kinde, Holzschnitzwerk mit Spuren der alten Bemalung. 13. Jahrh. 

Pietä, Holzschnitzwerk des 15. Jahrhunderts, gute, großzügige Arbeit. 

Kirehenglocke von Bronze, aus der Kirche in Oldenstadt. Kreis Uelzen. 13. Jahrh. 
Die ganze Glocke ist mit einem Xetzornament überzogen. 

Kirchenglocke aus der Kirche in Wersabe, Kreis Geestemünde, mit der Inschrift: 
„Ave Maria Gratia Plena D(ominus) T(ecum)" in gotischer Majuskel. 14. Jahrhundert. 

Sanduhr, bestehend aus drei Gläsern in Messingfassung, aus der Kirche in Nortmoor, 
Kreis Leer. 18. Jahrhundert. 



3. Ethnographische Sammlung. 

A. Geschenke. 
Von dem Kaiseil. Gouvernementssekretär Herrn Cohrs in Dar-es-Salaam erhielt das Museum 
eine reichhaltige Sammlung ethnographischer Gegenstände aus Deutsch-Ostafrika, bestehend in: 
Hausgerät, Schöpflöffeln aus Holz, Holzheehern mit eingeschnittenen Verzierungen, Ton- 
gefäfsen, Kürbisflascheu, einem besonders schönen Elfeubeinarmband usw.; ferner: 
mehrere Lärm- und Musikinstrumente und große verzierte Häuptlingsstäbe nebst Waffen ; 
ferner: zwei aus Holz geschnitzte Figuren (Fetische) und ein eisernes Schwert in Holz- 
scheide vom unteren Congo. 

Von Herrn Kaufmann Hans Hasenbalg in Iquitos (Peru) wurden dem Museum geschenkt: 
eine Anzahl Tongefäfse mit Bemalung vom oberen Amazonenstrom und Rio Napo, und 
eine größere Sammlung von Waffen und Hausgerät der Huitotos vom Ukayali (Peru). 

Ferner erhielt das Museum: 
von Herrn Dr. Lüddecke in Hannover eine Kürbisflasche aus Jamaica; 
„ „ Goldarbeiter Croon in Hannover eine gestickte chinesische Jacke; 
„ „ Heinrich Fiermann in Hannover eine persische Miniaturmalerei auf Elfenbein; 
„ „ Körte in Durban (Natal) Hausgerät und Schmuckgegenstände aus Deutsch- 
Neuguinea. 

B. Ankäufe. 

Eine Anzahl kleiner Holzschnitzereien aus China, Darstellungen aus dem chinesischen 
Kulturleben. 



II. Kunst -Abteilung. 



Die Gemälde -Sammlung hat folgende Zugänge zu verzeichnen: 

Geschenke. 

E. Daelen „Größenwahn", Geschenk des Herrn William Breymann in Hamburg. 
Erich Brunkal „Christuskopf". Geschenk des Künstlers. 

Von dem Verein für die öffentliche Kunstsammlung wurden erworben und im Museum 
aufgestellt: 

Rudolf Hermanns „Im Spätherbst". 
Friedrich August v. Kaulbach „Musik". 
Gustav Schönleber „Nacht im Dorfe". 
Carl Bantzer „Hessischer Bauer". 

H. Runde, 

Direktorial - Assistent. 
1* 



III Naturhistorische Abteilung. 



Hierzu Tafel V— VI. 

Die Samminngen der naturhistorischen Abteilung des Provinzial -Museums bieten ein seit 
dem Abschluss des letzten Jahresberichts in manchen Teilen verändertes Bild. Der Saal 5(1 a, in 
dem sich die zur Fideikommiß-Galerie des Gesamthauses Braunschweig und Lüneburg gehörigen 
natnrhistorischen Sammlungen befinden, wurde - - allerdings auf Kosten des Saales 50, der die 
Reptilien, Amphibien und Fische enthalt. - - um etwa 24 qm vergrößert. Hierdurch wurde es 
auf der einen Seite möglich, diejenigen zur Fideikommiß-Galerie gehörigen Sammlungen, die bisher 
teils in den verschiedenen Depots untergebracht, teils mit den übrigen Sammlungen vermischt 
waren, gesondert zur Aufstellung zu bringen. Neben einer Anzahl von Einzelgegenständen sind 
dies besonders die vormals Wildeboersche und Nannesche Sammlung amerikanischer Säugetiere 
und Vögel, die Roscottsche Sammlung südostasiatischer Vögel, die vormals Ahrbecksche Käfer- 
sammlung, die vormals Strauchsche Mineraliensammlung u. a. m. . so daß jetzt sämtliche zur 
Fideikommiß-Galerie gehörigen Sammlungen, Bücher eingeschlossen, in einem abgeschlossenen 
Räume vereinigt sind. Da die neu zur Aufstellung gelangten Sammlungen bisher nicht katalo- 
gisiert waren, so wurde diesem Mangel jetzt abgeholfen und dabei das ganze Verzeichnis revidiert 
und neu überarbeitet. 

Auf der andern Seite wurde der Raum für die Reptilien, Amphibien und Fische bedeutend 
verschmälert, und mußte eine Neu -Ordnung und -Aufstellung dieser Sammlungen vorgenommen 
werden. Diesem Imstande ist es unter anderm zuzuschreiben, daß diese Sammlung im Gegensatz 
zu der der Säugetiere und Vögel nur eine sehr geringe Vermehrung, sowohl durch Geschenke, wie 
durch Ankäufe aufzuweisen hat. 

Eine andere Änderung des Gesamtbildes ist hervorgerufen durch die grosse Zahl der Neu- 
erwerbungen bezw. der neu ausgestellten, teilweise sehr viel Platz in Anspruch nehmenden Objekte. 
Dies gilt besonders von der Abteilung der Säugetiere, in der 40 ausgestopfte Exemplare, 51 Skelette. 
Skeletteile und < rehörne neu zur Aufstellung gelangten. Den Säugetieren schliessen sich die Vögel 
an mit 141 neu ausgestellten Exemplaren, während 158 ältere Stücke von den störenden weissen 
Holzkreuzen entfernt und auf Naturäste gesetzt wurden. Bei diesen wie bei einem Teil der übrigen 
natnrhistorischen Sammlungen machte der Ersatz der geschriebenen Etiketten durch gedruckte 
mehr oder weniger bedeutende Fortschritte. Eine besondere Erwähnung verdient die Kolibri- 
sammlung. Einer der ersten deutschen Spezialisten. Herr Oberlehrer Dr. Dernedde, Hannover, 
hatte die große Liebenswürdigkeit, die durch Ankäufe vermehrte Sammlung durchzuarbeiten und 
neu zu bestimmen, wobei es sich herausstellte, dass eine große Anzahl alter Namen auf unrich- 
tiger Bestimmung beruhte. 

In der Insektensammlung wurde die Neuaufstellung der einheimischen Käfer beendet; 
einen wesentlichen Zuwachs erhielt diese Abteilung durch die umfangreiche Sammlung deutsch- 
ostafrikanischer, von Herrn Gouvernementssekretär Cohrs geschenkter Käfer, Heuschrecken, 
Skorpione usw. Die Veränderungen in den übrigen Abteilungen sind weniger in die Augen 
fallender Natur. 

Noch eines bedeutenden Zuwachses ist hier zu gedenken, der freilich erst sichtbar werden 
wird, wenn das sehr umfangreiche Material genügend gesichtet, bestimmt und in geeigneter Weise 
für die Aufstellung und die Einordnung in die vorhandenen Bestände hergerichtet sein wird. — Es 
war als ein Übelstand empfunden worden, daß die Bewohner unserer Meere, speziell der Nordsee 
und der angrenzenden Meeresteile, nur in so geringer Anzahl und so lückenhatt vertreten waren. 
Um diesem Mangel abzuhelfen, setzte sich die Museums-Direktion mit der Bremerhavener Rheder- 
firma J. Wieting in Verbindung, deren zahlreiche Fischdampfer die Nordsee und den atlantischen 
Ozean bis Island befahren. Die genannte Firma bewies denn auch das weitgehendste Entgegen- 
kommen, nur zeigten sich Schwierigkeiten bei der Frage der Auswahl der zu sammelnden Objekte 
und der sachgemäßen Präparation. Da diese nicht wohl anders zu beheben waren, so schiffte sich 
Direktorial-Assistent Dr. Fritze am 27. Mai 1904 in Geestemünde auf dem Fischdampfer „Blexen" 
ein, der vom 28. Mai bis zum 4. Juni im Skagerrack kreuzte. Das bei dieser Gelegenheit 
gesammelte und präparierte reichhaltige Material besteht im wesentlichen aus Fischen, Mollusken, 
Crustaceen, Echinodermen und Coelenteraten, während die übrigen in Betracht kommenden Kreise 



weniger zahlreich vertreten sind. Andere dringendere und nicht aufschiebbare Arbeiten ver- 
hinderten bisher die genaue Bearbeitung und Zugänglichmachung der gesammelten Objekte, doch 
wird diese Bearbeitung in nächster Zeit in Angriff genommen werden.*) (Ergänzt wurde dieses 
Material dann später durch Sendungen der Herren Kapitän Mein eis und 1. Maschinist Duck er 
vom „Blexen".) 

Natürlich ist die Anzahl der Neuerwerbungen eine bedeutend höhere, als die der Neu- 
aufstellungen. Diese, sei es durch Schenkung, sei es durch Ankauf neu erworbenen, noch nicht 
aufgestellten Objekte sind teilweise vorläufig zurückgestellt worden aus Mangel an Zeit zu sach- 
gemäßer Präparation, da der Museumspräparator, nur durch einen Lehrling (der seit dem 1. April d. J. 
als Hülfspräparator eingestellt ist,) unterstützt, unmöglich das ganze eingegangene Material bewäl- 
tigen konnte. Ihre Aufarbeitung bleibt der nächsten Zukunft vorbehalten. Ein anderer Teil wird 
der von der Schausammlung getrennten wissenschaftlichen Sammlung des Museums einverleibt, 
hierhin gehören namentlich die als Belegstücke überaus wertvollen Doubletten einheimischer Tiere; 
ein dritter Teil endlich, z. B. sehr viele Insekten, verträgt die Ausstellung wegen des schnellen 
Verbleichens der Farben überhaupt nicht. 

Die Bearbeitung der paläontologischen Sammlung weist für dieses Jahr keine bedeutenden 
Fortschritte auf. Vom Ankauf neuer Objekte wurde gänzlich abgesehen, da erst die Durch- 
arbeitung der reichhaltigen Struckmannschen Sammlung, die z. Zt. in einem Arbeitszimmer des 
Erdgeschosses untergebracht ist , die Lücken zeigen muß . die in erster Linie auszufüllen sind. 
Dagegen wurde eine Anzahl der wichtigsten Bestimm- und Nachschlagwerke, sowie die haupt- 
sächlichste Literatur über die Geologie der Provinz Hannover angeschafft. (Vergl. Bibliothek.) 

In der botanischen Sammlung wurde die Aufstellung der Obstmodelle beendet; die Neu- 
anschaffungen beschränkten sich ebenfalls auf die Literatur. 

Die mineralogische Sammlung wurde, wie alljährlich, durch Ankauf um eine Anzahl bisher 
noch fehlender oder ungenügend vertretener Mineralien bereichert. 

Von namhaften Gelehrten besichtigten die Abteilung die Herren Geheimrat Prof. 
Dr. W. Blasius aus Braunschweig und Dr. R. H. Traquair vom Royal Scottish Museum in 
Edinburgh; beide Herren sprachen sich sehr anerkennend über das in den letzten Jahren 
Geleistete aus. Ferner ist zu erwähnen der Besuch zweier Herren vom Vorstand der Natur- 
forschenden Gesellschaft in Emden, welche die bedeutenderen Museen Nordwest -Deutschlands 
besuchten, um die verschiedenen Einrichtungen kennen zu lernen. Die Herren äußerten später, 
daß manche unserer neuen Einrichtungen , besonders was die innere Ausstattung der Schränke 
betreffe, ihnen am besten gefallen hätten und für sie beim weiteren Ausbau des Emdener Museums 
vorbildlich sein würden. 

Direktorial -Assistent Dr. Fritze besichtigte im Laufe des Jahres die naturhistorischen 
Museen von Magdeburg und Göttingen, von denen das erstere zur Zeit in einer völligen Umgestaltung- 
begriffen ist, das letztere sich besonders durch seine Reichhaltigkeit auszeichnet. 



Für die Sammlungen der naturhistorischen Abteilung sind folgende Zugänge zu verzeichnen : 
(Die bereits zur Aufstellung gelangten Objekte sind mit einem * bezeichnet ) 

1. Zoologische Sammlungen. 
Säugetiere. 

A. Geschenke. 
1 schwarzes Kaninchen (Lepus cuniculus L. ab. nigra) von Peine; Geber: Herr Hauptmann 
Frhr. v. Bibra in Hannover. — 

*1 afrikanische Wildkatze (Felis caligata Temm.l. 
*1 Rüsselratte (Petrodomus tetradactylus Ptrs.), 
*1 junges Nilpferd (Hippopotamus amphibius L.), 
*1 Schädel vom Löwen (Felis leo L.), 

1 Skelett vom Serval (Felis serval Schreb. ), 
*1 Gehörn der Giraffen-Gazelle (Lithocranius walleriBrooke). sämtlich aus Deutsch -Ostafrika, 



*) Ein Teil der Resultate ist im nachstehenden Verzeichnis der Neu-Erwerbungen unter „Ankäufe" angeführt. 



i 1 ) 2 arabische Gazellen (Gazella arabica Licht.) aus Arabien; Geber: Herr Gouvernements- 
sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

11 Oberschädel von Rehböcken (Capreolus capreolus L.), Knopfspießern und Kümmerern, 

1 kleines Wiesel (Ictis nivalis L.), sämtlich aus der Provinz Hannover; Geber: Herr Wild- 
händler Ernst in Hannover. — 

*1 Schädel der Brandmaus (Mus agrarius Pall.) aus der Umgebung von Hannover; Geber: 
Herr Dr. Fritze in Hannover. — 

1 zweifarbige Fledermaus (Yesperugo discolor Keys. u. Blas.) aus Mönchehof bei Wunstorf; 
Geher' Herr Hansen. Klostergut Mönchehof bei Wunstorf. — 

1 Ohrenfledermaus (Plecotus auritus L. ) aus Stendern bei Hoya; Geber: Herr Hofbesitzer 
Lohmeyer in Stendern bei Hoya. — 

4 Waldspitzmäuse (Sorex vulgaris L. ), 
*( 5 ) 7 Waldmäuse (Mus silvaticus L.i. 

1 Waldwühlmaus (Hypudaeus glareolus Wagn.), 

2 (ieweihe vom Rehbock (Capreolus capreolus L.), sämtlich aus der näheren Umgebung 
von Hannover; 

1 Schädel vom Hasen (Lepus europaeus Pall.) mit anormalen Schneidezähnen aus Stadt- 
lohn in Westfalen; Geber: Herr Schriftsteller H. Löns in Hannover. — 

*1 Fersenbein eines braunen Bären (Ursus arctos L.) aus der Einhornhöhle im Harz: 
Geber: Herr H. Löns in Hannover. — 

*1 ausgestopfter junger Tümmler (Phocaena communis Less.) und das montierte Skelett 
eines ausgewachsenen Tieres derselben Art aus der Ostsee; Geber: Herr Mühlenbesitzer Maltz- 
feldt in Sarstedt. — 

*1 Schädel vom Polarfuchs (Canislagopus L.) aus Norwegen; Geber: Das Museum in Tromsö. — 

2 zersägte Geweihstangen vom Reh (Capreolus capreolus L. ) aus der Umgegend von Han- 
nover; Geber: Herr Oberleutnant a. D. Schlotfeldt in Hannover. — 

1 Wasserspitzmaus (Crossopus fodiens Wagn.) von Egestorf a. Deister; Geber: Herr 
( Hirrstleutnant a. D. Schneider in Egestorf a. Deister. — 

5 Hausratten (Mus rattus L.). 

1 Wanderratte (Mus decumanus Pall.), 

1 Waldwühlmaus (Hypudaeus glareolus Wagn.), sämtlich aus Lütenthien bei Schnega; 
Geber: Herr Landwirt A. Schulz in Lütenthien. — 

1 Oberschädel vom L'feud (Equus caballus) von unbestimmtem Fundort. 

*1 Oberschädel von Tursiops tursio (Fabr.) vom Strand der Insel Neuwerk bei Helgoland; 
Geber: Herr Weinhändler 0. Schultz in Hannover. — 

*1 kleines Wiesel (Ictis nivalis L.) aus Körtingsdorf; 

*1 brombeerförmiges Geweih (Schmalspießer) vom Reh (Capreolus capreolus L.) von Sievers- 
hausen i. S. ; Geber: Herr Präparator Schwerdtfeger in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

*2 Mohrenpaviane (Cynopithecus niger Desm.) von Celebes. 
*1 Uistiti (Hapale jacchus) aus Brasilien. 

1 Löwin (felis leo L.) aus Afrika. 
*1 Puma (Felis concolor L.) aus Südamerika. 
1 Schädel vom Luchs (Lynchus lynx L.) aus Haparanda. 
*1 Gepard (Cynailurus guttatus Herrm.) aus Afrika. 
*] Dingo (Canis dingo Blumenb.) aus Australien. 
1 Hermelin (Putorius ermineus Owen) im Winterkleid von Tromsö. 
*1 Klappmütze (Cystophora cristata Nilss.) aus dem nördlichen Eismeer. 
1 Biber (Castor filier L.) aus der Elbe. 
1 Nest der Zwergmaus (Mus minutus Pall.) von Isernhagen. 
*10 Brandmäuse (Mus agrarius Pall.) aus Berlin. 

■_' Nordische Wühlratten (Arvicola rattieeps Keys. u. Blas.) aus den Finnmarken. 
1 Afrikanisches Stachelschwein (Hystrix africae-australis Ptrs.) aus Deutsch-Ostafrika. 
1 Schneehase (Lepus timidus L.) im Herbstkleid von Tromsö. 



*2 


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*2 


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*2 


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*1 


Gehörn 


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Gehörne 


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Gehörn 


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Gehörne 


*2 


ii 


*2 





*2 Gehörne von Bubalis Iichtensteini Ptrs., 

Bubalis leucoprymnus Mtsch., 

Bubalis cokei (itbr., 

Bubalis spec. 

Cervicapra bohor Rüpp., 

Cervicapra arundinum Bodd., 

Strepsiceros imberbis Blyth., 

Strepsiceros strepsiceros Fall., 

Gazella sömmeringi Cretzschm., 

Gazella granti Brooke, 

Connochaetes taurinus Burch., 

Hippotragus niger Harris, 

Cobus elipsiprymnus Ogilb., 

Damaliscus jimela Mtsch.; sämtlich aus Ostafrika. 
3 Saiga-Antilopen (Colus tartaricus Forst.) aus der Kirgisensteppe am Aral-See. 
1 eintägiges Kitz vom Edelhirsch (Cervus elaphus L.) aus Deutschland. 
1 Spießhirsch (Coassus spec.) aus Brasilien. 

*2 Hörner vom afrikanischen Nashorn (Rhinoceros bicornis L.) aus Deutsch-Ostafrika. 
*1 Schädel vom Borkentier (Rhytina gigas Zimm.) von den Behrings-Inseln. (Tafel V.) 



Uögel. 

A. Geschenke. 

1 Ohreule (Asiootus L.) von Borkum; Geber: Herr Hotelbesitzer W. Bakker jun. inBorkum. 

2* Grünspechte (Picus viridis L.), 

*2 Grauspechte (Picus viridicanus M. u. W.), 

*1 Eisvogel (Alcedo ispida L.), 

*] Kuckuck (Cuculus canorus L.), 

*1 Waldkauz (Syrnium aluco L.), 

*1 Steinkauz (Glaucidium noctua Retz.), 

*1 Schleiereule (Strix Hanimea L.), 

*1 Waldohreule (Asio otus L.), 

*1 Sumpfohreule (Asio accipitrinus Pall.j. 

*1 Wanderfalk (Falco peregrinus Tunst.j, 

*2 Baumfalken (Falco subbuteo L.), 

*1 Wespenbussard (Pernis apivorus L.). 

*] Gabelweihe (Milvus milvus L.), 

*1 Mäusebussard (Buteo buteo L.), 

*1 Rauhfußbussard (Archibuteo lagopus Brunn.), 

*1 Hühnerhabicht (Astur palumbarius L.), 

*2 Sperber (Astur nisus L.), 

*2 Wiesenweihen (Circus pygargus L.), 

*1 Ringeltaube (CoUimba palumbus L.), 

*2 Birkhühner (Tetrao tetrix L.), 

*1 Wachtel (Coturnix coturnix L.j, 

*2 Rebhühner (Perdix perdix L.), 

*1 Fischreiher (Ardea cinerea L.), 

*1 grünfüßiges Rohrhuhn (Gallinula chloropus L.), 

*1 Wachtelkönig (Crex crex L.), 

*1 Kiebitz (Vanellus vanellus L.). 

*1 grünfüßiger Wasserläufer iTotanus glottis L. i. 

*1 großer Brachvogel (Numenius arcuatus L.), 

*2 Waldschnepfen (Scolopax rusticula L.). 

*1 Saatgans (Anser segetum Gm.), 

*2 Stockenten (Anas boschas L.), 

*2 Pfeifenten (Anas penelope L.), 



*3 Knäkenten (Anas qnerquedula L.), 

*3 Krickenten (Anas crecca L.), 
j Spießenten (Dafila acuta L.i, 

*1 Löffelente (Spatula clypeata L.), 

*1 Reiherente (Fuligula fuligula L.). 
2 Schellenten (Fuligula clangula L.), 

*3 Tafelenten (Fuligula ferina L.), 
:; Gänsesäger (Mergus merganser L.), 

*1 Mittlerer Säger (Mergus serrator L.), 

*2 Zwergsäger (Mergus albellus L.), 

*2 Stummelmöwen (Rissa tridactyla L.), 

*2 Haubentaucher (Colymbus cristatus L.), sämtlich aus der nächsten Fmgebung der Stadt 
Hannover; lieber: die Erben des f Kaufmanns C. Behne in Hannover. — 

1 Feldtaube (Columba livia L.) von Bennemühlen; lieber: Herr Rechtsanwalt Dr. Bletzacher 
in Hannover. — 

*1 Flußuferläufer (Totanus hypoleucus L.) aus der Stadt Hannover; Geber: Frl. Börge- 
mann in Hannover. — 

*1 isabellfarbene Stockente (Anas boschas L. ab.) von Dannenbüttel ; 

*1 Zwergsäger (Mergus albellus L.) von Gifhorn; lieber: Herr Rechtsanwalt Russe 
in Hannover. — 

*1 Cinnyris gutturalis L., 
1 Mandelkrähe (Coracias garrula L.j, 

*1 Zwergkormoran (Phalacrocorax africanus Gm.), sämtlich aus Deutsch-Ostafrika; lieber: 
Herr Gouvernementssekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

*1 Eiderente (Somateria mollissima Leach). 

*4 Stummelmöwen (Rissa tridactyla L.), 

*1 Rürgermeistermöwe (Larus glaucus L.j im Jugendkleid, sämtlich von Island; Geber: 
Herr Maschinist Diicker in Bremerhaven. — 

1 Nachtschwalbe (Caprimulgus europaeus L.) aus Hildesheim; Geber: Herr Kaufmann 
Grote in Hannover. - 

*1 Rallenreiher (Ardeola ralloides Scop.) von Leinförde; lieber: Herr Lehrer Harling in 
Lemförde. (Tafel VI. Fig. L.) - 

1 Zwergsteißfuß (Podiceps minor Lath.) von Wunstorf; lieber: Herr Steuerinspektor a. D. 
Harling in Hannover. — 

1 Balitölpel (SulabassanaL.) aus der Nordsee ; Geber: Herr Kapitän Hinsch in Bremerhaven. — 

2 Estrelda amandava L., 

*1 Enthomotera melanoptera Hehl).. 

1 Strix spec, 
1 Nest des Zwergfinken (Amadina spec), sämtlich aus Java; Geber: Herr Kaufmann 
Hoffmann in Soerabaja. — 

1 Goldregenpfeifer (Charadrius pluvialis L.J von Sarstedt; Geber: Herr Bürgermeister 
Jacobi in Sarstedt. — 

*1 teilweiser Albino der Schwarzdrossel (Merula merula L.) vom Teutoburger Wald; 
lieber: Herr Bendant Knehans in Borgholzhausen. — 

1 schwarzkehliger Wiesenschmätzer (Pratincola rubicola L.), 

1 Steinschmätzer (Saxicola oenanthe L.), 

*1 Ringdrossel (Merula torquata L.), 

J Singdrosseln (Turdus musicus L.), 

*2 Kernbeißer (Coccothraustes coecothraustes L.), 

1 weiße Bachstelze (Motacilla alba L.), 

1 teilweiser Albino vom Staar (Sturnus vulgaris L.), 

1 Rabenkrähe (Corvus corone L.) mit abnormem Schnabel, 

1 Sanderling (Calidris arenaria L ), 

2 Alpenstrandläufer (Tringa alpina L.), 

1 Lachmöwe (Larus ridibundus L.) im Hochzeitskleid, 

1 Silbermöwe (Larus argentatus L.), 

1 Nordseetaucher (Eudytes septentrionalis HL), sämtlich von Juist; 



*3 Dunenjunge des Austernfischers (Haematopus ostralegus L.), 

*6 Dunenjunge der Flußseeschwalbe (Sterna hirundo L.), sämtlich vom Memmert bei Juist; 
Geber: Herr Lehrer Leege in Juist. — 

1 Buchfink (Fringilla coelebs L), 

*] Nest der Schwanzmeise (Acredula caudata L.) aus Stendern bei Hoya; lieber: Herr 
Hofbesitzer Lohmeyev in Stendern. — 

1 junger Reiher (Ardea cinerea L.) von Plumhoff bei Bennemühlen ; Geber: Herr Kauf- 
mann Messerschmidt in Hannover. — 

*1 Grünspecht (Picus viridis L.), 

*1 Nest der Waldohreule (Asio otus L.) mit 3 Jungen von Bennemühlen; Geber: Herr 
Ingenieur P. Schmidt in Hannover. — 

1 Saatkrähe (Corvus frugilegus L.) aus der Umgebung der Stadt Hannover; Geber: Herr 
Gymnasiast C. Schulz in Hannover. — 

*1 Rohrdommel (Botaurus stellaris L.) von Celle; Geber: Herr Oberlehrer a. D. Steinvorth 
in Hannover. — 

1 Eisvogel (Alcedo ispida L.). 

1 Halsbandregenpfeifer (Charadrius hiaticula L. ) aus Hattorf a. H; Geber: Herr Ingenieur 
Stelling in Hannover. — 

*(') 2 Schottenhühner (Lagopus scoticus Gray) aus Dumfriesshire (Schottland); Geber: 
Herr Museumsdirektor Dr. Traquair in Edinburgh. — 

1 Nesthöhle des Schwarzspechts (Dryocopus martius L.) in einem Föhrenstamm von Celle; 
Geber: Herr Holzhändler Vaupel in Linden. — 

*1 Albino des Edelfasans (Phasianus colchicus L.) von Uelzen; Geber: Herr Fabrikant 
A. Winter in Hannover. 

B. Ankäufe. 
*1 Bastard von Nebelkrähe und Rabenkrähe ( Corvus cornix X corone) von Deuben bei Leipzig. 

1 Nest der Elster (Pica pica L.) mit 3 Jungen aus der Umgebung von Hannover. 
*1 Eriocnemis cupreoventris (Fräs ) aus Venezuela. 
*1 Eriocnemis luciani (Bourc.) aus Ecuador. 
*1 Helianthea conradi (Bourc.) aus Venezuela. 
*1 Helianthea eos J. Cd. aus Venezuela. 
*2 Heliangelus spencei (Bourc.) aus Venezuela. 
*1 Heliangelus mavors J. Gd. aus Venezuela. 
*2 Cyanolesbia cyanura caudata Beil. aus Venezuela. 
*2 Oxypogon lindeni (Parz.) aus Venezuela. 
*1 Sericotes chlorolaemus J. Gd. von Grenada. 
*1 Sericotes holosericeus (L.) von Martinique. 
*1 Lampornis gramineus (Gm ) von Trinidad. 
*2 Eulampis jugularis (L.) von Martinique. 
*2 Chlorostilbon stenura (Cab. & Heine) aus Venezuela. 
*1 Metallura tyrianthina (Lodd.) aus Venezuela. 
*2 Saucerottea warscewiczi braccata (Heine) aus Venezuela. 
*1 Adelomyia melanogenys aeneosticta (E. Sim. ) aus Venezuela. 
*1 Nest von Eupetomena macroura (Gm.) aus Bahia. 
*1 Nest mit Gelege von Bellona cristata (L. ) von Grenada. 

1 Nest mit 2 Nestjungen von Saucerottea warscewiczi braccata (Heine) aus Venezuela. 

1 Chrysotis spec. aus Südamerika. 

*2 Schneehühner (Lagopus mutus Leach.) im Winterkleid aus Norwegen. 

*2 Schneehühner (Lagopus mutus Leach.) im Herbstkleid aus Norwegen. 

2 Moorhühner (Lagopus albus Leach.) im Frühlings- und Spätherbstkleid aus Norwegen- 
*2 Gangegarhühner (Gallus varius Shaw.) aus Java. 

1 Ortalida spec. aus Brasilien. 
*1 Zwergtrappe (Otis tetrax L.) aus Sievershausen im Solling. 
*1 Schlangenstorch (Dicholophus burmeisteri Hartl.) aus Südamerika. 
*1 Jungfernkranich (Grus virgo L.) aus Südeuropa. 

4 Prachteiderenten (Somateria spectabilis Leach.) aus Norwegen. 

2 



10 

*1 Nandu (Rhea americana Lath.) aus Südamerika. 

1 Gelege der Elster (Pica pica L.) aus Isernhagen. 

1 Nest der Haubenlerche (Galerida cristata L.) mit Gelege von Seelze. 

1 Nest der Goldammer (Emberiza citrinella L.) mit Gelege von Seelze. 

1 Nest der Uferschwalbe (Clivicola riparia L.) mit Gelege von Lemmer. 

Reptilien. 

A. Geschenke. 

*1 Schädel der Suppenschildkröte (Chelone viridis Schneid.), 
1 Chamäleon (C'hamaeleo spec.) aus Deutsch - Ostafrika ; Geber: Herr (louvernements- 
sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

1 Klapper der Klapperschlange (Crotalus durissus Daud.) aus Nordamerika; Geber: Herr 
Weinhändler 0. Schultz in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

1 Hechtkaiman (Alligator lucius Cuv. ) aus Nordamerika. 

Amphibien. 

A. Geschenke. 

vacat. 

B. Ankäufe. 

1 Metamorphose der (Jeburtshelferkröte (Alytes obstetricans Wagl.) aus Bonn. 

fische. 

A. Geschenke. 

4 Embryonen vom Dornhai (Acanthias spec.) aus dem Skagerrack; Geber: Herr Maschinist 
Dücker in Bremerhaven. — 

4 Steinpicker (Agonus cataphractus Bl. Sehn.). 

2 Seeskorpione (Cottus scorpius L.), 

1 Buttertisch (Centronotus gunellus Bl. Sehn.), 

1 Seenadel (Syngnathus acus L.). sämtlich aus dem Wattenmeer bei Juist; lieber: Herr 
Dr. Fritze in Hannover. — 

1 Dornhai (Acanthias vulgaris Risso), 

2 kleine Lengfische (Molva vulgaris Flem.), 
_' Knurrhähne (Trigla hirundo Bl.), 

1 kleiner Nagelroche (Raja clavata L.). 
1 kleiner Glattroche (Raja batis L.), 
1 Seehase (Cyclopterus lumpus L.), 
1 Schlangennadel (Nerophis ophidion Kröyer), 
1 Steinpicker (Agonus cataphractus Bl. Sehn.). 
1 Petersfisch (Zeus faber F.). 

1 Schädel vom Schellfisch (Gadus aeglefinns L.), sämtlich aus der Nordsee bei Helgoland: 
(leber: Herr Weinhändler 0. Schultz in Hannover. — 

B. Ankäufe. 
Hier sind die von Direktorial -Assistent Dr. Fritze gelegentlich seiner Reise mit dem 
„Blexen" (vergl. Seite 4) im Skagerrack gesammelten Exemplare zu erwähnen. Neben mehreren 
noch nicht bestimmten sind folgende Arten unter der Ausbeute vertreten: 

Kabeljau (Gadus inorrhua L.), Seezunge (Solea vulgaris Quensel), 

Schellfisch (Gadus aeglefinus L.), Seekatze (Chimaera monstrosa L.), 

Köhler ((iadus carbonarius L.), Hundshai (Galeus canis Bonap.), 

Leng (Molva vulgaris Flem.), Nagelroche (Raja clavata L.), 

Scholle (Pleuronectes platessa L.), Schleimaal (Myxine glutinosa L.l. 

Kliesche (Pleuronectes limanda L.), 



11 
ttleicbtiere. 

A. Geschenke. 

1 Kolonie von Ostrea crista galli L. an einer Mangrovenwurzel aus Deutsch -Ostafrika; 
Geber: Herr Gouvernements-Sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

2 Rossia spec. aus dem Wattenmeere bei Juist; Geber: Herr Dr. Fritze in Hannover. — 
1 Messerscheide (Solen vagina L.) aus der Nordsee bei Helgoland; Oeber: Herr Wein- 
händler 0. Schultz in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

1 Moschuspolyp (Eledone cirrosa Lam.K 

1 Anzahl Spindelschnecken (Neptunea antiqua L.J. zum Teil mit aufgehefteten Eier- 
trauben, sämtlich aus dem Skagerrack. 

Insekten. 

A. Geschenke. 

*1 Sammlung von etwa 800 Insekten, hauptsächlich Käfern, 

*1 Serie Nester von Belonogaster juncans Oliv, in verschiedenen Stadien des Autbaus, 
*2 Xester von Oecophylla smaragdina Fabr. var. longinoda Latr. , sämtlich aus Deutsch- 
Ostafrika; Geber: Herr ( iouvernements-Sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

Mehrere Käfer aus Mexiko; Geber: Herr Kaufmann Frank in Huistla (Mexiko). — 
1 Nest der mittleren Wespe (Vespa media de Geer) aus Pyrmont; Geber: Herr W. Möbius 
in Hannover. — 

1 Tatarische Heuschrecke (Acridium aegyptium L.), lebend in der hiesigen Markthalle 
gefangen; Geber: Redaktion des ,,Hannoverschen Tageblatts" in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

1 Nest von Chartergus chartarius Oliv, aus Brasilien. 

Spinnentiere. 

A. Geschenke. 

Eine größere Anzahl Skorpione und Spinnen aus Deutsch-Ostafrika; Geber: Gouvernements- 
Sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

B. Ankäufe. 

Eine Anzahl Pycnogoniden aus dem Skagerrack. 

Krebstiere. 

A. Geschenke. 
Eine Anzahl Cymothoiden aus dem Skagerrack ; Geber : Herr Maschinist Dücker in 
Bremerhaven. 

Mehrere Arten Portunus, sowie Carcinus maenas Leach mit Sacculina carcini Thomps. aus 
dem Wattenmeer von Juist; Oeber: Herr Dr. Fritze in Hannover. — 
*1 großer Taschenkrebs (Cancer pagurus L.i, 
1 Lithodes maja Leach, 
1 Hyas aranea Leach, 

1 Galatea spec, sämtlich aus der Nordsee bei Helgoland; Oeber: Herr Weinhändler 
0. Schultz in Hannover. — 

B. Ankäufe. 
Eine grosse Anzahl Krebse aus dem Skagerrack, darunter Nephrops norwegicus L., 
Lithodes maja Leach, Geryon tridens Kr. u. a. m. 

Würmer. 

A. Geschenke. 
Eine größere Anzahl Oligo.chaeten aus dem Skagerrack; Geber: Herr Maschinist Dücker 
in Bremerhaven. — 



12 

B. Ankäufe. 
Eine Anzahl Würmer aus dem Skagerrack , darunter Aphrodite aculeata L. , Pontobdella 
muricata L. u. a. m. 

Stachelhäuter. 

A. Geschenke. 
2 Seesterne und 6 Seeigel aus der Nordsee bei Helgoland; (reber: Herr Weinhändler 
< >. Schultz in Hannover. — 

B. Ankäufe. 
Eine größere Anzahl Holothurien, Seeigel. Schlangen- und Seesterne aus dem Skagerrack. 

Pflanzentiere. 

A. Geschenke. 
2 Cyanea lamarekii Per. & Less. aus der Nordsee bei Juist; Geber: Herr Dr. Fritze in 
Hannover. — 

B. Ankäufe. 
Alcyonium digitatum L. und eine Anzahl Actinien aus dem Skagerrack. 

2. Botanische Sammlung-. 

A. Geschenke. 
Verschiedene Sämereien und Getreideproben aus Deutsch-Ostafrika; Geber: Gouvernements- 
Sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

1 Frucht von Entada spec. aus Jamaika; Geber: Herr Dr. Lüddecke in Hannover. — 
1 Frucht von Gunnera scabra R. & P. , im Maschpark gewachsen ; Geber : Herr Ober- 
lehrer a. D. Steinvorth in Hannover. — 

B. Ankäufe, 
vacat. 

3. Paläontologische Sammlung. 

A. Geschenke. 

5 „moderne Versteinerungen" (Konglomerate rezenter Muscheln in Ton und Schlick) von 
Juist; Geber: Herr Lehrer Leege in Juist. — 
7 Zähne von Lamna spec. aus Algier, 
1 Stück versteinertes Holz von Jamaika; Geber: Herr Dr. Lüddecke in Hannover. — 

1 versteinerter Seeigel : ( ieber : Herr W. Mahn in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

vacat. 

4. Mineralogische Sammlung. 

A. Geschenke. 
Eine größere Anzahl Gesteinsproben aus Deutsch-Ostafrika; Geber: Herr Gouvernements- 
Sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

2 Phosphateinlagerungen aus Tunis; Geber: Herr Dr. Liiddecke in Hannover. ■ — 

T Stück Ozokerit bezw. aus ihm hergestelltes Wachs aus Boryslaw (Österreich): Geber: 
Herr Ingenieur Pink in Hannover. — 

B. Ankäufe. 
"Binnit mit Skleroklas aus dem Binnental. Mokkastein aus Ostindien. 

Dufresnoysit mit Binnit aus dem Binnental. *Hiddenit aus Hiddenite (N.-Carolina). 

*Hyalophan aus dem Binnental. "Türkis aus Los Cerillos (Newmexiko). 



13 

Mordanit aus dem Binnental. *Grossular aus Vaskö (Ungarn). 

*Steinsalz aus Staßfurt, *Anomit aus Katan (Insel Alnö), 

*Turmalin mit Rutil aus dem Binnental. *Andesin aus Deva (Ungarn). 

*Skleroklas mit Hyalophan aus dem Binnental. *Kieselsinter vom Geysir (Island). 

*Rhodonit aus Harstigen (Schweden). * 4 Mondsteine (1 geschliffen) von Ceylon. 

*Realgar aus dem Binnental. * 10 Andesin-Krystalle aus Japan. 

*Ged. Blei aus Langbauschyttan (Schweden). *Lüneburgit aus Lüneburg. 
*Thulit mit Diopsid aus dem Zillertal. 

5. Bibliothek. 

A. Geschenke. 

Mitteilungen aus dem Römer -Museum in Hildesheim, Nr. 20; Geber: Herr Museums- 
direktor Prof. Dr. Andreae in Hildesheim. — 

Fritze, Die Fauna der Liu-Kiu-Insel Okinawa, 

Lönneberg, On two specimens of „Riporre" with known parentage; Geber: Herr Dr. Fritze 
in Hannover. — 

11 Broschüren naturwissenschaftlichen Inhalts, 

Eine Sepiazeichnung des sog. „Griesen Pagen"; Geber: Herr Schriftsteller Löns in 
Hannover. — 

Mö Henk am p,- Beitrag zur Lukaniden- Fauna; Geber: Herr Kaufmann Möllenkamp in 
Dortmund. — 

Frh. v. Droste-Hülshoff , Vogelwelt der Nordsee-Insel Borkum; Geber: Herr Ober- 
leutnant a. D. Schlotfeldt in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

Blasius. Naturgeschichte der Säugetiere Deutschlands und der angrenzenden Länder 
von Mitteleuropa. 1. Band. Säugetiere. 

Scudder, Nomenciator zoologicus. 

Trouessart. Catalogus Mammalium tarn viventium quam fossilium mit den bis zum 
1. April 1905 erschienenen Supplementsbänden. 

Das Tierreich. Lieferung 20. 

Zoologischer Anzeiger. Jahrgang 1904. 

Beushausen, Beiträge zur Kenntnis des Oberharzer Spiriferensandsteins. (Mit Atlas.) 

Denckmann, Über die geognostischen Verhältnisse der Umgegend von Dornten. (Mit Atlas.) 

Griepenkerl, Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogtum 
Braunschweig. 

Potonie, Lehrbuch der Pflanzenpaläontologie. 

— , Die Silur- und Culm- Flora des Harzes. 

Quenstedt, Handbuch der Petrefaktenkunde. (Mit Atlas.) 

Steinmann und Dö der] ein, Elemente der Paläontologie. 

Struckmann, 16 Publikationen, die Geologie und Paläontologie der Provinz Han- 
nover betreffend. 

Z i 1 1 e 1 , Grundzüge der Paläontologie. 

— . Handbuch der Paläontologie. 

Asche rson und Graebner, Synopsis der Mitteleuropäischen Flora. (Lieferung 31 — 36.) 

Eng ler, Pflanzenreich. (Heft 19 u. 20.) 

Engler und Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien. (Lieferung 220 — 222.) 

Rabenhorst, Kryptogamenflora. (Lieferung 92 — 94.) 

Hintze, Handbuch der Mineralogie. (Lieferung 8.) 



-■ 



Dr. Adolf Fritze, 

Direktorial -Assistent. 



14 



Die Instandsetzung alter Altarbilder. 



Hierzu Tafel I— III. 



Wer durch unsere Museen wandert, der wird oft (ielegenheit haben, die Kunst der 
Restauratoren zu bewundern, welche mit grossem Aufwand von Mühe und Geschick ein zerstörtes 
Kunstwerk so restauriert haben , daß man das Stück für ein tadellos erhaltenes Werk alter Zeit 
zu halten geneigt ist. Dieses Bestreben, die eigene Geschicklichkeit zu zeigen, das behandelte 
Stück in den Rahmen einer feinen Raumausstattung einzustimmen, den Anblick des Unschönen 
um jeden Preis zu verdecken, kurz, ein Denkmal kosmetisch zu behandeln, um es dem Auge 
wohlgefälliger zu machen, hat manches wertvolle Stück um seine urkundliche Bedeutung gebracht. 
Vom Standpunkte der Denkmalpflege wird man ein solches Verfahren nicht billigen können. 
Nur der Zustand, in dem uns das Denkmal überliefert ist, und seien die erhaltenen Reste der 
Malerei auch noch so gering, kann auf urkundlichen Wert Anspruch machen. Wie es 
keinem der hervorragendsten Architekten gelungen ist, in einem Stile der Vergangenheit Neues 
zu schaffen, wie seine Werke immer den Stempel seines Zeitempfindens aufgeprägt erhalten, so 
kann auch der geschickteste Restaurator keine wesentlichen, nicht mehr vorhandenen Teile eines 
alten Bildes ergänzen, ohne daß sein Empfinden in den Neuschöpfungen sichtbar würde. Und je 
vollendeter die Annäherung an das Original erreicht wird, um so schlimmer, irreführender ist eine 
solche Arbeit für die nachprüfenden Augen einer späteren Zeit. An dem Schutze der heimischen 
Denkmäler mitzuwirken, sind neben der geordneten staatlichen Denkmalpflege die Museen berufen, 
welche die Kunsterzeugnisse des engeren Vaterlandes in sich aufzunehmen haben. Sind sie die 
Stätten, an denen alles das Aufnahme findet, welches an seinem ursprünglichen Orte, in den 
Kirchen usw. aus irgend einem Grunde nicht erhalten werden kann . dann haben sie auch die 
Pflicht, dem Denkmal seinen urkundlichen Wert und der kunstgeschichtlichen Forschung ein 
unverfälschtes Material zu erhalten. Niemand hat das Hecht, auch ein Museum nicht, eine der 
Nachwelt überlieferte kunstgeschichtliche Urkunde, als welches ein Kunstwerk der Vergangenheit 
aufzufassen ist, durch kosmetische Behandlung seines urkundlichen Wertes zu berauben. 

Aber, wird man fragen, soll man denn das alte Werk in dem verwahrlosten, zerstörten 
Zustande belassen und nicht die bessernde Hand anlegen dürfen? Nicht alle Menschen haben 
Freude an zerstörten Sachen, ja dem Kirchenbesucher wird die Andacht gestört, wenn er die 
Gestalten der heiligen Geschichte in so roher Verstümmelung sieht. Die wenigsten Museums- 
besucher sind so historisch gebildet, daß sie durch die Schäden an den Kunstwerken im Genüsse 
derselben nicht gestört würden. Was den historischen Sinn befriedigt, befriedigt nicht immer das Auge. 

Die große Mehrzahl will sich erfreuen an den Werken der Kunst, will sich nicht nur be- 
lehren, sondern die Freude, am Schauen genießen; das Einwirken des Kunstwerkes auf den Beschauer 
und der meist unbewußte Gewinn, den der Museumsbesucher in ethischer Beziehung mit nach 
Hause bringt, der geht verloren, oder wird erst nicht gewonnen, wenn der nicht immer leicht 
erkennbare geistige Gehalt eines alten Kunstwerkes in Lumpen gehüllt dargeboten wird. Dazu 
kommen die zahlreichen Flügelaltäre und andere Bildwerke in den Kirchen, welche im Laufe der 
Jahrhunderte durch mangelhafte Pflege, oder durch die Brutalität der Menschen in Verfall geraten 
sind, für deren Erhaltung in den Kirchen eingetreten werden muß. An den meisten Stücken, 
welche vor Einrichtung der staatlichen Denkmalpflege in den Provinzen restauriert waren, hatten 
ungeeignete Kräfte ihr Nichtkönnen bewiesen. Neue Bemalung und neue Vergoldung wetteiferten 
in schillernder Tracht zu zeigen, daß so nicht weiter gearbeitet werden dürfe. Aber meist nur 
dann waren die Kirchenvorstände zu bewegen das Stück in der Kirche zu belassen, oder auch 
selbst Geld beizusteuern, wenn ihnen in Aussicht gestellt wurde, daß das Werk wieder in altem 
Glänze erstehen sollte. Es mußte deshalb ein Weg gefunden werden, den historischen Sinn und 



15 

das Auge zu befriedigen und den urkundlichen Wert zu erhalten. Erst nach jahrelangen Ver- 
suchen ist es gelungen , einen Stamm von Künstlern in der Provinz heranzubilden , welche 
geeignet und gewillt sind, im Sinne der Denkmalpflege und im steten Einvernehmen mit dem 
Provinzial- Konservator solche Arbeiten auszuführen. Aber erst nachdem an unserem Museum 
ein Restaurator angestellt ist, wodurch mir eine stetige, tägliche und stündliche persönliche Ein- 
wirkung auf die Arbeiten ermöglicht ist. konnte es gelingen, zu einem befriedigenden Resultate 
zu gelangen. 

Als oberster Grundsatz in unserem Museum gilt es. nirgends Ergänzungen vorzunehmen 
wo nicht direkte Vorbilder vorhanden sind. Das kann nur bei den Tönungen der Gewänder, des 
Hintergrundes bei rein ornamentalen Erscheinungen, niemals aber bei Gesichtern und fehlenden 
Gliedmaßen der Fall sein. Letztere werden daher in unserem Museum, sowie auch bei den Kunst- 
werken, auf deren Instandsetzung der Provinzial-Konservator Einfluß hat, nie ergänzt. 

Bei den Instandsetzungsarbeiten an Bildwerken, die meist in Tempera auf Kreidegrund 
gemalt sind, werden erst die ausgefallenen Stücke des Grundes ausgekittet, um dem Ganzen wieder 
einen festen Halt zu geben, alsdann wird dasselbe sorgfältig gereinigt, darauf eingetönt, ohne 
etwas wesentliches zu ergänzen. Dabei ist zu unterscheiden, ob der Grund farbig behandelt oder 
Goldgrund ist. Bei dem Goslarer Antependium (Abbildung Taf. I), dem 14. Jahrhundert angehörig, 
welches Eigentum der Stadt Goslar ist und im Kaiserhause aufbewahrt wird, ist der Grund ver- 
goldet und wo er nicht zerstört war, in wunderbar schöner Erscheinung erhalten. Figur 1 zeigt 
den Zustand nach der Auskittung. Ergänzt ist nur da (Figur 2), wo über die vorzunehmende Er- 
gänzung kein Zweifel sein konnte, wie z. B. die rechte untere Ecke des rechten Kreuzquerarmes, 
die Fehlstellen im Goldgrunde und ähnlicher Stellen im Gewände, welche nach dem Vorhandenen 
mit Sicherheit ergänzt werden konnten. Unten ist nichts, an den Seiten nur die ornamentale 
Umrahmung ergänzt. Eine solche Ergänzung wäre Phantasiewerk des Künstlers und eine Fälschung 
der Urkunde geworden. Da der Hauptton des Bildes, der Goldgrund dominiert, so wurden in 
diesem Falle die großen weißen Kreideflächen nicht farbig, sondern als Goldgrund behandelt, jedoch 
in der Weise, daß verschiedene Lasuren darüber gelegt sind, die ihn an den Stellen, an denen er 
mit Farbenfläche zusammentritt, zu diesen in ein harmonisches Verhältnis bringen, und ihn in eben- 
solcher Weise, wo er mit altem Goldgrund zusammen kommt, harmonisch mit demselben Grunde 
einstimmen, aber auch ebenso scharf von demselben trennen. Es ist an diesem Werke demnach 
nichts ergänzt, welches nicht mit Sicherheit zu ergänzen war, es sind die Fehlstellen so eingetönt 
durch verschiedenartiges Lasieren des neuen Goldgrundes, daß derselbe das Werk für das Auge 
als ein harmonisches Farbenganze erscheinen, aber ebenso genau den alten Bestand sicher erkennen 
läßt. Da die Aufbewahrung im Kaiserhause in Goslar mehr als eine museale und weniger für 
kirchliche Zwecke bestimmt anzusehen ist. so konnte dem historischen Bedürfnisse voll Rechnung- 
getragen werden. Aber auch wenn das Stück wieder für eine Kirche bestimmt wäre (es stammt 
aus dem 1S27 abgebrochenen alten Dome in Goslar), so würde diese Behandlung auch völlig dem 
kirchlichen Bedürfnisse genügen, da alle verletzend wirkende Zerstörung in der harmonischen 
Gesamterscheinung untergeht. (Figur '2.) 

Ist diese Behandlungsweise mit Goldgrund verhältnismäßig einfach zu nennen, so ist die- 
selbe doch weit schwieriger in den Fällen, in denen alles farbig, ohne nennenswerten Goldgrund 
gehalten ist und große Teile von Körpern, Gewändern und farbigem Grunde zerstört sind. Ein 
besonders schwieriges Werk dieser Art -ist ein Flügelaltar, welcher vor Jahren seines sehr schad- 
haften Zustandes wegen aus der Kapelle in Haverbeck bei Hameln ins Provinzial -Museum 
gelangte. (Tafel II, Fig. 1 u. '_'.) Gold ist hier nur sparsam an Gewändern und an dem Mittelfriese 
verwendet, welcher auf den Seitenflügeln die obere Darstellung von der unteren trennt. Alles 
übrige ist farbig, die Luft und der Hintergrund sind blaugrün, das Holz des Kreuzes ist dunkel- 
braun, die Gewänder sind meist rot und grün, zum Teil weiß. Die Instandsetzung (Figur 2) 
erfolgte nun in folgender Weise: Zuerst wurden die Fehlstellen des Grundes ausgekittet. Zerstörte 
Gesichtsteile oder Hände und Füße sind nirgends ergänzt. Die Goldfriese in der Mitte, sowie die 
Schachbrettmuster des Fußbodens auf den Rückseiten sind nach den vollständig gut erhaltenen 
Teilen ergänzt. Die Farbeneinstimmung ist nun so erfolgt: Die Fehlstelle in dem (rueifixus- 
körper des Mittelhildes ist in einem ähnlichen, aber doch verschiedenen Tone wie der Fleischton 
ohne Modellierung bemalt, dieser bräunliche Ton verläuft oben dunkler nach dem dunklen Holz 
des Kreuzes und unten verläuft er allmählich bläulich nach dem blauen Schurz Christi. Durchweg 
ist auf allen Fehlstellen zuerst ein sandgrauer Ton aufgelegt, welcher dann mit der Farbe lasiert 
wurde, mit der er in Harmonie zu treten hatte. Er tritt mit einem Rot bezw. Grün an die 



16 

Gewänder, welcher ähnlich, aber doch verschieden im Tone dieser Gewänder ist, und verläuft in 
einem blau-grünlichen Tone gegen Luft und Hintergrund. Besonders wirksam erscheint das Ver- 
fahren auf der linken Seite des Mittelbildes und auf dem linken Seitenflügel. Das Ganze zeigt 
durch diese Behandlung eine solche Harmonie der Farbengebung, daß dem Auge die Fehlstellen 
kaum bemerkbar sind. Und doch sind alte und neue Farben scharf getrennt erkennbar und ist 
kein wesentlicher Teil ergänzt. Auch dieses Stück, in unserer Museumswerkstatt instand gesetzt, 
würde auch in einer Kirche vollkommen seinem Zwecke entsprechen. Und das dem so ist, und 
daß auch Gemeinden mit solchen Instandsetzungen einverstanden sein können und einverstanden 
sind, zeigt das dritte Beispiel: die Instandsetzung des Flügelaltares der Kirche in Xikolausberg 
bei Göttingen. (Tafel III.) Gelegentlich ihrer Sommertagung sah die Provinzial-Kommission für 
die Denkmalpflege in der Provinz Hannover in der Kirche in Nikolausberg bei Göttingen den 
Flügelaltar und fand unter auf Leinwand gemalter minderwertiger Malerei des 18. Jahrhunderts 
eine Temperamalerei des 15. Jahrhunderts in arger Zerstörung vor. Auf Antrag stellte die König- 
liche Klosterkammer die Mittel für die Instandsetzung des Altars in entgegenkommendster Weise 
bereit und wurde auf meinen Vorschlag der Maler Olliers hieselbst mit der Ausführung 
unter meiner Aufsicht betraut. Die Malerei des Mittelstückes war bis auf einige Pünktchen 
vollständig verschwunden. Auch die Darstellungen auf den Seitenflügeln waren arg zerstört, wie 
Figur 1 zeigt. Der Grund ist Gold. Die Einzeldarstellungen waren durch Rahmen getrennt. Diese 
Rahmen waren entfernt, nur der äußere Rahmen war noch vorhanden. Aus den Ansätzen jedoch des 
inneren Rahmenwerkes an den äußeren Rahmen ließ sich das innere Rähmchen mit Sicherheit er- 
gänzen. Unter der späteren Übermalung ließ sich die alte Bemalung der Kahmen, ein leuchtendes 
Rot mit Goldblättern feststellen. Auch hier ist an der ursprünglichen Malerei der Figuren nichts 
ergänzt als einzelne Aussprünge an den Gewändern, und auch hier sind die Fehlstellen so ein- 
getönt, daß dieselben mit der alten Malerei harmonisch zusammenklingen. Die Fehlstellen sind 
mit einem sandfarbenen Tone unterlegt und dann mit den benachbarten Farben der Malerei ein- 
gestimmt. Auch dieses hat eine gute Gesamtwirkung ergeben, wenn auch bei Goldgrund, wie bei 
dem Goslarer Antependium, die Wirkung eine noch bessere wird, wenn die Fehlstellen ebenfalls 
mit Gold unterlegt und dann darüber mit Farben eingetönt werden. Bei den beiden vorher- 
gehenden Bildwerken, welche von dem Restaurator unseres Museums, Schiele, in Stand gesetzt 
sind, handelte es sich um Stücke für eine museale Aufstellung, während der Altar in Nikolausberg 
wieder in der Kirche daselbst aufgestellt ist und nun auch der Gemeinde genügen sollte. Und 
das ist denn auch vollkommen gelungen. Bei allen drei Stücken ist es in ausgezeichneter Weise 
erreicht, den urkundlichen Zustand zu erhalten und doch das Ganze dem Auge wohlgefällig 
zu gestalten. 

Dr. Reimers. 



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Bilderpflege im Provinzial-Museum. 



Die Bilderpflege gehört für jede Museumsverwaltung zu denjenigen Obliegenheiten, welche 
unausgesetzte Beobachtung erfordern und die meiste Sorge verursachen. Und trotz aller Sorgfalt 
ist es bis jetzt nicht gelungen, dem stetig voranschreitenden Verfall der Bilder moderner Meister, 
d. h. der Werke, welche zu Ende des 18. und im 19. Jahrhundert entstanden sind, aufzuhalten. 
Wir lesen wohl Alarmrufe in den Zeitungen und dringende Mahnworte „es müsse etwas geschehen", 
niemand ist bis jetzt in der Lage gewesen etwas anzugeben, welches tatsächlich den Verfall der 
Bilder aufhalten kann. Die landläufige Auffassung ist in der Regel diejenige, daß die ausdörrende 
Wirkung der Zentralheizungen in den Museen die Zerstörung der Bilder bewirke, und fordert 
ungestüm in den Zeitungen, daß dieser verderblichen Wirkung des Heizens durch Aufstellung von 
Wasserbehältern in den Sälen begegnet werden müsse. Wenn das so einfach wäre, würde wohl 
jede Museumsleitung ein so nahe liegendes Mittel angewendet haben. Aber wer sich die Galerien 
moderner Bilder in Berlin, Paris, Wien, London usw. ansieht, der wird bemerken, daß in allen 
Galerien der Verfall der Bilder von Jahr zu Jahr fortschreitet. Und alle diese Galerien und Ver- 
waltungen opfern ihre Bilder, weil sie nicht gewissenhaft genug sind, das einfache Mittel der Auf- 
stellung von Wasserkübeln anzuwenden? Die vorgenannten Galerien werden von ersten Kräften 
verwaltet, an jeder Galerie sind eine Anzahl Maler als Restauratoren beschäftigt, welche Hervor- 
ragendes auf diesem Gebiete leisten, allen diesen Galerien stehen Mittel zur Verfügung, in aus- 
giebigster Weise die Vorkehrungen und Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind. Bei den 
Königlichen Museen in Berlin in der Nationalgalerie sind neben vielen anderen Bildern zwei Haupt- 
werke Menzels, das „Flötenkonzert" und die „Tafelrunde", mit fast fingerbreiten Rissen durchzogen, 
Bilder, welche der Pflege eines Hauser unterstehen, und diese Bilder gehen zugrunde, weil keine 
Wasserkübel aufgestellt sind? Wir werden doch wohl nach einem anderen Grunde suchen und 
etwas weiter ausholen müssen über das Wesen und die Ursache des Verfalles der Bilder moderner 
Meister. Zunächst kann die auffallende Tatsache in allen Galerien, auch in unserer, festgestellt 
werden, daß von den Bildern, welche aus demselben Jahre stammen, ein Teil sich tadellos gehalten 
hat, während der andere Teil auffallend viel Sprungbildungen zeigt, Bilder, welche in ein und 
demselben Saale hängen, denselben Wärme- und Feuchtigkeitsgraden ausgesetzt sind. Das allein 
sollte uns den Gedanken nahe legen, daß die Ursache der Zerstörung nicht in äußerer Einwirkung, 
sondern in dem Bilde selbst zu suchen ist. Die Bilder moderner Meister sind durchweg auf Lein- 
wand gemalt und mit Firnis gegen Einwirkung der Luft abgeschlossen. Die einzige Angriffsfläche 
bleibt die Rückseite der Leinwand, deren Malgrund durch den darin enthaltenen Leim hygroskopisch 
ist. Es könnte also hier ein Prozeß stattfinden, nicht durch Trockenheit, wohl aber durch zu 
große Feuchtigkeit bedingt, welcher die Farbe zum Reißen bringt. Dann aber müßte natürlich 
der Malgrund und sämtliche Farbenschichten gerissen sein, und das ist durchweg nicht der Fall. 
Sämtliche Risse und Sprünge befinden sich in der oberen Farbenschicht. Auch könnte man auf 
den Gedanken kommen, daß durch ein übermäßiges straffes Anspannen der Leinwand auf dem 
Keilrahmen Risse entstehen können. Das ist aber auch nicht der Fall, da kein Bild in unserer 
Galerie jemals in solch unvernünftiger Weise gespannt ist. Daß durch diese Spannung ein Zer- 
reißen der Farbenschicht möglich wäre, daß die Zeit, die Zerstörerin alles Vorhandenen, also auch 
der Bilder ist. zeigt uns schon das Titelbild der 1725 erschienenen Histoire de la peinture ancienne, 
aber die zerstörenden Kräfte, welche der Zeit zu Gebote stehen, sind verschieden. Holztafeln 
werden je nach der Holzart früher oder später morsch und wurmstichig, Leinwand wird nach 
Jahrhunderten morsch und brüchig und kann durch Zerfall des Malgrundes zu Blasenbildung führen. 
Ebenso sind Nachdunkeln und Vergilben Einwirkungen der Zeit, welche eine chemische Veränderung 
der öligen Bindemittel hervorgerufen hat, und kann hier oft durch das Pettenkofersche Regenerations- 
verfahren Hülfe gebracht werden. Außerordentlich Belehrendes über Ölfarben und Pigmente ist hier 
von Pettenkofer in seinem Werke „Über Ölfarbe" gegeben, der überzeugend dartut. daß diejenigen 
Farben am besten halten, welche das wenigste Öl enthalten, wie z. B. Bleiweiß, während das stark 
ölhaltige Terra di Siena am wenigsten haltbar ist. Ebenso verändern sich die Öle mehr und 

3 



18 

leichter, als der Farbstoff, und Pettenkofer ist der Meinung, daß Farben, welche mit Copaivbalsam 
und Firnis vermischt werden, heller bleiben, als reine Ölfarben, für welche Meinung eine große Anzahl 
alter Bilder den Beweis liefern können. Weitere Schäden an den Bildern sind das Blindwerden 
des Firnisses. Es ist das zurückzuführen auf das Eindringen von Luft in zahllose feine Risse des 
alten Firnisses. Der Vorgang ist etwa so, wie wenn man durchsichtiges (das zerschlägt und in 
dem Mörser zu Staub zerreibt und zu einer weißen undurchsichtigen Masse verwandelt, d. h. der 
Luft die Möglichkeit gibt, zwischen die Glasteilchen zu gelangen. Schmilzt man nun das Glas, 
wodurch die Luft hinausgetrieben wird, so ist das Glas auch wieder durchsichtig. Auf diesem 
Grundgedanken ist das Pettenkofersche Regenerationsverfahren aufgebaut. Bilder, deren Firnis 
blind geworden ist, werden durch dieses Verfahren wieder klar. d. h. die Bildfläche wird eine 
Zeitlang leinen Alkoholdünsten ausgesetzt, welche den Firnis erweichen, die feinen Risse schließen 
und die Luft aus denselben vertreiben, und dann mit Copaivbalsam abgerieben. Das alles sind 
Schäden an Bildern, welche der Galerieverwaltung wenig Sorge machen und leicht gehoben werden 
können. Die schwerste Sorge bereitet die Sprungbildung, der wir vorläufig machtlos gegenüber- 
stehen, die „Craquelures' 1 . wie sie von den Franzosen genannt werden. 

Wenn wir im Auge behalten, daß der Feuchtigkeitsgehalt der atmosphärischen Luft ein 
überaus schwankender ist, dessen (ileichmäßigkeit in den Räumen noch weniger erzielt werden 
kann, als gleichmäßige Wärmegrade, wenn wir ferner im Auge behalten, daß Holz und etwas auch 
Leinwand, sowie der Leim im Malgrunde hygroskopisch sind, d. h. daß sie Gewicht und Form 
beim Ab- und Zunehmen der Luftfeuchtigkeit verändern, so werden wir zugeben müssen, daß 
dadurch auch, wenn auch noch so geringe Bewegungen der Unterlagen hervorgerufen werden, auf 
denen die Farbenschichten sich befinden. Wenn wir nun aber weiter im Auge behalten, daß solche 
Zerrungen hei alten Bildern ein Craquelieren der Bilder nicht hervorrufen, weil bei denen also die 
Farbenunterlage zur Ruhe gekommen ist, wenn wir weiter im Auge behalten, daß bei modernen 
gleichaltrigen Bildern die einen eine Sprungbildung zeigen und andere nicht, wenn wir ferner 
erwägen, daß die Craquelure sich nur in der oberen Farbenschicht zeigt und nicht durch den 
ganzen Farbenauftrag geht, so müssen wir unbedingt zu der Anschauung kommen, daß Gründe 
dafür vorwiegend in der Maltechnik und nicht in äußeren Umständen, Wärme und Kälte, Feuchtig- 
keit und Trockenheit, zu suchen sind. Dabei ist natürlich anzunehmen, daß nicht in außergewöhn- 
licher Weise äußerliche Einwirkungen, wie einseitiges Erhitzen durch strahlende Wärme oder 
direkte Befeuchtung eine außergewöhnliche Bewegung hervorgerufen haben. Die kleinen Dehnungen 
und Pressungen, welche die gewöhnlichen Schwankungen in Feuchtigkeit und Temperatur hervor- 
rufen, können sorgfältig hergestellte Bilder unbedingt vertragen. Bilder auf Holz gemalt unter- 
liegen naturgemäß viel mehr der Sprungbildung . weil Holz in hohem Maße hygroskopisch ist. 
Wie bei einem Baume, dessen Jahresringe nach ganz bestimmten (iesetzen die Baumrinde sprengen, 
so tritt nach denselben Gesetzen die Spannung und Zerrung der Holztafel in der Farbenschicht 
zutage. Und das ist eben der wesentliche Unterschied zwischen der Sprungbildung der alten auf 
Holztafeln gemalten Bilder und den auf Leinwand gemalten Bildern moderner Meister. Die 
Sprungbildung in der Holztafel gibt eine Craquelierung, welche durch die ganze Farbenschicht und 
den Malgrund geht, während die Craquelure auf Leinwandbildern nur in der oberen Farbenschicht 
sich zeigt, ein sicherer Beweis, daß die geringen Dehnungen und Pressungen, welche durch 
Schwankungen im Feuchtigkeitsgehalt der Luft und in den Wärmegraden in der Leinewand ent- 
stehen, die sich doch zuerst den unteren Farbenschichten mitteilen müßten, sich denselben nicht 
mitteilen, sondern daß die Sprungbildung in der Beschaffenheit der Farbe der oberen Farben- 
schichten und der Malweise begründet ist. Und das ist in der Tat der Fall. 

Im ausgehenden 18. Jahrhundert predigten die Klassizisten den Haß gegen die akademische 
Schulung, frei ohne Schulzwang sollte der erhabene Künstlergenius sich entwickeln, und mit dem 
Uberbordwerfen aller Schulweisheit, ging auch die an den Akademien bewahrte Tradition einer 
gesunden dauerhaften Maltechnik verloren. 

Unsolide Technik und Unkenntnis der chemischen Eigenschaften der Farben: das sind die 
Ursachen der Sprungbildung, und Bilder, unter diesen Bedingungen entstanden, sind unrettbar 
verloren, ganz gleich, ob der Raum mehr oder minder feucht oder mehr oder minder warm ge- 
halten wird, vorausgesetzt, daß, wie schon vorher gesagt ist, keine außergewöhnliche Einwirkung 
von strahlender Wärme oder tropfbarer Feuchtigkeit stattfindet. Bei Bildern von solider Technik, 
bei denen die untersten Farbenschichten ganz trocken waren, bevor neue Schichten aufgesetzt 
wurden, bei denen Farbstoffe und Bindemittel sorgfältig bereitet und ausgesucht sind, ist ein 
Springen der oberen Schichten nicht eher nachzuweisen, als bis das ganze Bild so alt und spröde 



19 

geworden ist, daß die (Vaquelierung von Grund aus durch Malgrund und Farbenauftrag auch die 
oberen Schichten in Mitleidenschaft gezogen hat. Wie notwendig ein sorgfältiges Abwägen der 
Zusammenstellung der Farben, nicht allein nach ihren Farbenwerten, sondern nach ihren chemischen 
Eigenschaften ist, das beweist am deutlichsten das Ultramarin und damit verwandte Pigmente. 
Die Ultramarinkrankheit der Bilder kennen wir bereits bei flandrischen Meistern wie Jan Brueghel I 
und anderen, das sogenannte Auswachsen des Ultramarins, d. h. sein späteres Dominieren vor 
weniger beständigen Farben, mit denen er ursprünglich gemischt war. Und grüne Erde und ver- 
schiedene andere Farben mit starkem Gehalt an Tonerde bedingen nach Pettenkofer dieselben 
(.'beistände wie das Ultramarin. Die Hauptursache der Sprungbildung in den oberen Farben- 
schichten ist bedingt durch das Aufeinandersetzen von Farben mit verschiedener Trocknungs- 
fähigkeit, durch das Aufsetzen einer neuen Farbenschicht, bevor die untere gehörig getrocknet ist, 
sowie das Versetzen der Farben mit Sikkativen, um ein rasches Trocknen zu erzielen. So werden 
denn Farben von großer und geringerer Beständigkeit, Farben mit großem oder geringerem < )1- 
gehalt, naß übereinander gesetzt; durch rasches Schrumpfen der oberen Schichten, welche mit 
Sikkativ durchsetzt sind, zeigt -sich bald in diesen eine Sprungbildung, welche nicht in die Tiefe 
geht, weil die obere Schicht auf der unteren gleitet, ohne eine Verbindung mit derselben ein- 
gegangen zu sein. 

Und ein solches Schrumpfen und Rutschen, in der natürlichsten Weise durch die vorher 
angeführten Gründe erklärt, läßt sich in allen Galerien moderner Meister, und auch in unserer 
(ialerie bei allen modernen Bildern mit Sprungbildung nachweisen, und es liegt auf der Hand, 
daß hiergegen kein Aufstellen von Wasserkübeln irgend etwas nützen kann. In unserem Museum 
werden Temperatur und Feuchtigkeitsgehalt der Luft sorgfältig durch Thermometer und Hygro- 
meter beobachtet. Die Maximalwärme in den Räumen ist im Winter, also bei künstlicher Heizung, 
12° R. Daß eine solche Temperatur ohne weiteres die Luft nicht ausdörren und den Bildern 
schädlich werden kann, liegt auf der Hand. Die atmosphärische Luft ist im Winter in der Regel 
viel trockner, als im Sommer, und die Luft in den Museen ist naturgemäß zur Zeit der künst- 
lichen Erwärmung, also im Winter, am wenigsten feucht, aber nicht durch die Einwirkung der 
Zentralheizung, sondern durch den mangelnden Feuchtigkeitsgehalt in der Luft überhaupt. Im 
Sommer haben wir in den heißen Monaten oft 22 und mehr Grad Reaumur und gerade in solch 
heißer Zeit einen Feuchtigkeitsgehalt, der oft 20—30" über das erwünschte Xormalmaß 
hinausgeht. Wir haben in unserem Museum demgemäß bei großer Wärme nicht nur keinen Mangel, 
sondern einen Überfluß an Luftfeuchtigkeit in den Räumen, wogegen wir uns nur durch Schließen 
der Fenster schützen können, während bei mangelnder Feuchtigkeit, die viel seltener eintritt, 
durch Öffnen der Fenster von dem nahen Maschpark genügend Feuchtigkeit eingeführt werden 
kann. Zu hohe oder zu niedrige Feuchtigkeitsgrade können jedoch erst dann verderblich wirken, 
wenn sie von längerer Dauer sind. Und das ist in unserem Museum nicht der Fall. Der höchste 
Feuchtigkeitsgrad, der über das wünschenswerte Normalmaß hinausgeht, währt höchstens zwei Tage, 
und würde in keiner Weise auf die Bilder einwirken, selbst wenn ein solches Minder oder Mehr 
an Feuchtigkeit die Sprungbildung an unseren Bildern bedingen würde. Eine zu große Feuchtig- 
keit kann aber vielen anderen Dingen in unserem Museum verderblich werden, z. B. den oxydierten 
Eisensachen der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung, und die durch sie bedingte Pilz- 
bildung vielen naturhistorischen Gegenständen. Aber einmal ist die Zeitdauer eines anormalen 
Feuchtigkeitszustandes eine zu kurze, und dann schließen unsere neuen Museumsschränke so dicht, 
daß in den Schränken 20 ° Feuchtigkeit weniger enthalten sind , als in der den Schrank 
umgebenden Luft. Zuviel Feuchtigkeit ist von größerem Schaden, als ein zu geringes Maß. 
Die Hauptsache für alle solche Gegenstände, welche durch den Wechsel von feuchter und trockener 
Luft und die dadurch hervorgerufenen Zerrungen leiden, ist, daß die möglichste Stetigkeit im Feuchtig- 
keitsgehalt innerhalb der zulässigen Grenzen, welche 40 ° umfassen können, erreicht wird. Und 
daß wir tatsächlich ein überaus günstiges Feuchtigkeitsverhältnis in unserem Museum haben, das 
beweisen nicht nur die Hygrometer, das beweisen vor allem sämtliche Bilder, welche mit Dammar- 
Lack gefirnißt sind. Solche Bilder laufen blau an, wenn die Feuchtigkeit eine zu große ist. Im 
alten Hause an der Sophienstraße und besonders in dem Flügel an der Prinzenstraße zeigten diese 
Bilder im Herbst und Frühjahr wochenlang einen solch intensiven blauen Überzug, daß die Bilder 
nicht zu erkennen waren, während dieselben Bilder in unserem neuen Gebäude keinen blauen Schein 
mehr zeigen, ein' Zeichen, daß hier ein gelegentliches Übermaß an Feuchtigkeit nicht von solcher 
Dauer ist, daß ein blau Anlaufen der Bilder entstehen könnte. 

Dr. Reimers. 

3* 



20 



Abnorm gefärbte einheimische Säugetiere und Vögel in der 
Sammlung des Provinzial- Museums zu Hannover. 



In nachstehendem gebe ich einen kleinen Beitrag zur Kenntnis unserer einheimischen 
Wirbeltierfauna in (Gestalt einer kurzen Beschreibung der in unserer Sammlung vorhandenen mehr 
oder weniger abnorm gefärbten Säugetiere und Vögel. Schlüsse irgendwelcher allgemeiner Art zu 
ziehen, verbietet sich bei dem geringen Umfang des Materials und der leider vorhandenen 
Ungenauigkeit der Angaben über Fundort und Datum von selbst. Der bei weitem größte Teil der 
besprochenen Stücke entstammt eben einer Zeit, in der man sich begnügte, irgend ein natur- 
wissenschaftliches Objekt zu erlangen, und auf das WoV und Wann? wenig oder gar keinen Wert 
legte. Die immer wiederkehrende Fundortsangabe „Hannover" bezieht sich auf das ehemalige 
Königreich , die heutige Provinz Hannover, Der faunistischen Lokalforschung bleibt in unserer 
engeren Heimat mit ihrem so abwechslungsreichen Gelände, Berg und Ebene, Wald und Feld, 
Heide und Moor, Binnensee und Meeresstrand -- noch ein schönes Feld zu beackern; wird erst 
einmal die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf die gänzlich unzulängliche Kenntnis unserer heimi- 
schen Tierwelt gelenkt, wird das Interesse für sie erweckt, so werden wir sicher noch wertvolle 
Aufschlüsse über die Biologie und die geographische Verbreitung der Lokalrassen unserer Säuge- 
tiere und Vögel erhalten. 

1. Säugetiere. 

Fuchs (Canis vulpes L.). 
1. Altes, sehr stark beschädigtes Exemplar von weißer Grundfarbe, doch finden sich überall 
zwischen den weißen auch einzelne braune oder schwärzliche Grannenhaare; die Wollhaare sind 
grau mit weißer Spitze. Die Außenseite der Ohren, die Oberseite der Füße schwärzlich, die Hute 
auf der Oberseite bräunlich überflogen, auf der Unterseite graubräunlich. Fundort unbestimmt 
( „Europa" !). 

Eichhorn (Sciurus vulgaris L.). 

1. d. Oberseite schwarzbraun, gelbgrau meliert, Ohren und Schwanz schwarz. Unterseite 
reinweiß, an den Rändern rotbraun; Vorderfüße und Innenseite der Hinterfüße rotbraun. 
Müden a. d. Aller, 26. 10. 1901. 

2. er*. Ohren und Endhälfte des Schwanzes braunrot, übrige Oberseite rotbraun mit dunklem 
Bückenstreif, Seiten graubraun, gelb meliert, Unterseite rein weiß. Lohne bei Isernhagen, 3. 11. 1901. 

3. 9. Wie 2., nur ganze Rute braunrot und die Färbung der Seiten heller und auch auf 
den Hals ausgedehnt. Lintzel bei Brockhöfe, 2. 1. 1902. 

Bei der großen Variabilität des Eichhorns kann man diese Stücke eigentlich kaum als 
„abnorm gefärbt" bezeichnen, doch seien sie der Vollständigkeit halber mit aufgeführt. 

Hausratte (Mus rattus L.). 
1. und 2. Vollkommene Albinos mit roten Augen, wohl jedenfalls, wie die weiße Haus- 
maus, gezüchtet. Hannover. 

Wanderratte (Mus decumanus Pall.). 
1. Junges Exemplar; Kopf, Hals, Schultergegend, Vorderbeine, unterbrochener Rückenstreif 
und Schwanz rotbraun, der übrige Körper weiß, Augen schwarz. Hannover. 

Hausmaus (Mus musculus L.). 

1. Vollständiger Albino. 

2. Graubraun, auf dem Hinterrücken eine breite . sich nach den Seiten verschmälernde 
weiße Querbinde. Augen schwarz. Hannover. 



21 

Hase (Lepus europaeus Pall.). 

1. Außer an Kinn, Bauch, Unterseite des Schwanzes und einem verwaschenen Streifen in 
der Augengegend, die weiß sind, einfarbig gelbrot; Augen rot. Das Stück soll aus dem sog. 
Hasenwinkel bei Fallersleben stammen, wo diese albinotische Form häufiger vorkommen soll. 

2. Vorderkopf, Stirn, Hals, Brust, Vorderfüße und Hinterzehen weiß, übrige Färbung normal. 

3. Grannenhaare der Oberseite schwarz mit hellgrauer Spitze, so daß das Tier schwarz- 
grau aussieht. Kinn und Unterseite weiß. 

2. und 3. sind Geschenke des ehemaligen Ivönigl. Hannoverschen Ober -Jagd -Departements, 
stammen also, obgleich Fundortsangaben fehlen, sicher aus der Provinz Hannover. 

Wildes Kaninchen (Lepus cuniculus L.). 

1. 9. Vollständiger Albino. Müden a. d. Aller, 26. 10. 1901. 

2. Oberseite gelbrot, im Nacken heller. Kinn, Bauch und Unterseite des Schwanzes weiß, 
Augen braun. Fundort unbekannt. 

3. 9. Ganz schwarzes Exemplar mit einem kleinen weißen Fleck an der Kehle und einem 
eben solchen an der linken Bauchseite. Groß-Giesen, 9. 11. 1901. 

4. 9. Ganz schwarz mit wenigen weißen Haaren an Schulter und Mittelrücken. Han- 
nover, 27. 2. 1901. 

5. 9. Vollkommen schwarz. Burgdorf, 2. 11. 1901. 

6. cf. Vollkommen schwarz. Peine, 3. 11. 1904. 

Reh (Capreolus caprea Gray). 

1. cf. Schwärzlich. Spiegel dunkelbraun. Fundort: Haste. 

2. 9. Schwärzlich, ein länglicher Fleck auf der Stirn weiß, Spiegel gelbbraun. Lüneburg. 

3. 9. Grundfarbe braungrau; ein länglicher Flecken auf der Stirn, der Hinterrücken, die 
Flanken zum größten Teil, die Vorderseite der Hinterläufe bis zum Sprunggelenk und die nackten 
Fußspitzen weiß, alle Schalen mit Ausnahme der rechten des rechten Vorderfußes hornfarben; 
diese schwärzlich. Lüneburg. 

2. Vögel. 

Schwarzamsel (Turdus merula L.). 

1. cf. Regellos schwarz und weiß gefleckt, doch überwiegt die schwarze Färbung. Schnabel 
weiß, Lauf und Zehen graubraun, Klauen weißlich. Hannover. 

2. cf. Scheitel und Stirn dicht weiß gesprenkelt, ein großer, weißer Fleck im Genick, 
einzelne mittlere Flügeldeckfedern und Federn an den Halsseiten weiß. Borgholzhausen, 14. 10. 1904. 

Misteldrossel (Turdus viscivorus L.). 

1. cf. Rein weißer Albino mit roten Augen. Hannover. 

2. Oberseite hell lehmgelb, Unterseite weiß, Brust und Bauch mit lehmgelben Tupfen. 
Göhrde. 

Rotdrossel (Turdus iliacus L.). 

1. cf. Dunkle Befiederung der Oberseite stark mit weißgrauen und weißen Federn unter- 
mischt, Unterseite weiß, spärlich braun gefleckt, rostroter Fleck an den Brustseiten sehr viel kleiner, 
als bei normalen Stücken. Bederkesa 1867. 

2. 9. Sehr blasses Exemplar. Hannover. 

Singdrossel (Turdus musicus L.). 

1. cf. Ähnlich abgeändert wie T. iliacus 1., nur das Weiß der Oberseite noch verstärkt, 
so daß man von einer weißlichen Grundfarbe sprechen könnte; Oberkopf rein weiß. Göhrde. 

2. Auf dem letzten Drittel des Schwanzes eine weißgraue Querbinde ; übrige Färbung 
normal. Bordenau. 

Gartengrasmücke (Sylvia hortensis Gm.). 
1. Schmutzig weißes Exemplar mit dunklen Augen. Hannover. 

Wasserschmätzer (Cinclus aquaticus Bechst.). 
1. 9. Einzelne weiße Federn auf dem Rücken und jederseits am Handrand; Brust und 
Bauch stark weiß gefleckt, auch einzelne Unterschwanzdeckfedern mehr oder weniger weiß. Sievers- 
hausen im Solling. 



22 

Feldlerche (Alauda arvensis L.). 

1. Vollkommener Albino mit roten Augen. Hannover. 

2. 9. Verwaschen lehmgelb, Schwingen gelbgrau mit leuchtend weißen Kielen. Springe. 

Weiße (Bachstelze Motacilla alba L.). 
1. cf. Reinweiß, nur die Schwingen und die mi:tleren Steuerfedern z. T. graubraun. Hannover. 

Goldammer (Emberiza citrinella L). 
1. 9. Genau wie bei Turdus musicus 2. das letzte Drittel des Schwanzes mit weißgrauer 
Querbinde. Sievershausen i. S. 

Gimpel (Pyrrhula europaea L.). 
1. cf. Der ganze Vogel schwarz mit prachtvollem blauem Schimmer, nur wenig Federn 
an den- Halsseiten, Brust und Bauch dunkelrot gesäumt. Hannover. 

Haussperling Passer domesticus L.). 

1. cf. Ganz weiß. Augen dunkel. Hannover. 

2. 9. Oberseite hell lehmgelb, Unterseite weißlich. Hannover. 

3. cf. Überseite verwaschen gelbgrau, Federn der Flügel mit Ausnahme der Handschwingen 
mit braunem Außensaum. Unterseite gelblich weiß. Göttingen. 

4. cf. Grundfarbe schmutzig weißgrau, Kopf, Hals, Rücken und Ränder der Armschwingen 
hell braunrot. Hannover. 

5. cf. Sehr blasses Exemplar. 

Staar (Sturnus vulgaris L.). 

1. Schöner, reinweißer Albino. Augen dunkel. Hannover. 

2. Schmutzig weiß, Brust gelblich überflogen, Schwingen und Decken dunkler gesäumt. 
Peine 1860. 

3. Grundfarbe schmutzig weiß, Handschwingen, mit Ausnahme der ersten, Armschwingen 
und Decken mehr oder weniger dunkel gesäumt; einzelne Federn am Vorderrücken bräunlich mit 
Metallglanz und weißlichen Spitzen, beide Seiten der Brust graubraun mit weißen Tupfen, Unter- 
schwanzdecken graubraun mit weißen Spitzen. Elze. 

4. Oberseite graubraun , die einzelnen Federn mit hellen Spitzen , Schwingen und Steuer- 
federn licht bräunlich grau, erstere teilweise weißlich gewölkt, Unterseite mausgrau, Brust- und 
Bauchfedern mit hellen Spitzen, Unterschwanzdecken hellbraun gesäumt. Juist, 19. 3. 1905. 

Rauchschwalbe (Hirundo rustica L.). 

1. Reinweißer Albino; Schwingen und Steuerfedern silbrig glänzend. Hannover. 

2. Kopf, Hals und Rücken bräunlich grau, Schwingen und Steuerfedern grau, letztere 
zeigen auf der Innenfahne die weißen Flecken. Kehle gelblich. Hannover. 

3. cf. Kopf, Hals und Bücken grau, Schwingen und Steuerfedern grauweiß, dieee mit 
weißen Flecken an der Innenfahne. Unterseite gelblich angeflogen , Kehle dunkler, Unterschwanz- 
decken heller licht rotbraun. Hannover. 

Großer Buntspecht (Dendrocopus major L.). 

1. cf. Weiß, die schwarze Färbung ist durch eine hell braungraue ersetzt. Oberkopt 
karminrot, Unterschwanzdecken hellrot, Schnabel und Füße gelblich, Augen rot. Hannover. — 

Turteltaube (Turtur turtur L.). 
1. Reinweißer Abino, Augen braun. Hannover. 

Rebhuhn (Perdix perdix L.). 

1. 9. Stirn und Augenstreif weißlich, Kehle sehr hell rötlich braun, weiß gesäumt; Brust 
mit weißer Querbinde; die ersten 4 bezw. 5 Handschwingen und die Federn des Handrandes weiß. 
Die rotbraunen Querbinden an der Schulter sehr reduziert; Grundfarbe der Brust und des Bauches 
sehr viel heller, als bei normal gefärbten Stücken. Hannover. 

2. cf. Grundfarbe gelblich grau, auf der Unterseite weißlich. Die roten Querbinden an 
Brust und Bauchseiten sehr hell und an den Rändern verwaschen, brauner Bauchfleck fehlt ganz- 
Hannover. 



23 _ 

Gemeiner Fasan (Phasianus colchicus L). 
1. cf. Kopf, mit Ausnahme der nackten Stellen, und Hals weiß, mit wenigen dunklen Flecken, 
das übrige Gefieder auf der Seite stark, auf der Unterseite schwächer mit vollständig oder nur am 
Endteil weißen Federn untermischt; „Hosen" weiß und die zwei mittleren Steuerfedern im basalen 
Teil weiß. Iris blaugrau. Uelzen, 2. 12. 1904. — 

Große Bekassine (Gallinago major Gm.). 
1. d". Sehr blasses Stück von lehmgelber Grundfarbe. Iris rot. Hannover. 

Stockente (Anas boschas L.). 
1. 9. Oberseite vorwiegend gelbbraun, mit grau gemischt. Kopf schwärzlich punktiert 
und gestrichelt; Vorderbrust und Schultern mit strichförmigen schwarzen Zickzacklinien. Flügel 
grau, der beiderseitig weiß gesäumte Spiegel matt schwarzgrau, ohne Metallglanz. Obere Schwanz- 
decken gelbbraun. Steuerfedern mit verwaschenen braunen Rändern. Dannenbüttel bei Isen- 
büttel, 1. 12. 1904. 

Dr. Fritze. 



24 



Beiträge zur Landesfauna. 



Von Her m a n n L ö n s. 



1. Die Veränderung der hannoverschen Avifauna. 

Die Provinz Hannover ist seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, ganz besonders aber 
in den letzten zwei Jahrzehnten, bedeutenden Umänderungen ihrer Oberfläche ausgesetzt gewesen, 
die große Rückschläge auf ihre Tierwelt ausgeübt haben. 

Schon allein die Ausdehnung des Eisenbahn- und Landstraßennetzes war von erheblicher 
Einwirkung; denn während Eisenbahnen und Landstraßen einmal durch das Aufschließen ab- 
gelegener Gegenden gewisse Tiere, die die Nähe des Menschen scheuen, zu vertreiben imstande 
sind, wie zum Beispiel seil Anlage der Bahn von Hannover nach Soltau im Westen dieser Strecke 
kein Kotwild mehr steht, dienen sie wieder anderen Tieren als l'ässe und Straßen, wie der Hauben- 
lerche und der Grauammer. Sie ermöglichen aber auch den städtischen Jägern die Pacht ent- 
legener Jagden, und hieraus entspringt einmal die Ausrottung gewisser Arten, wie der Raubvögel 
und der großen Sumpfvögel, anderseits die Vermehrung anderer Arten, wie des Rehes, des Fasanes 
und des Feldhuhnes. 

Von noch größerem Einflüsse ist aber die Umformung des land- und forstwirtschaftliehen 
Betriebes gewesen. Die Verkuppelungen räumten mit dem Gemeindeeigentum und seinen vielen 
Feldgehölzen, Büschen. Einzelbäumen, Schluchten, Böschungen und Halden auf und vertrieben 
manche Tierart völlig. 

Die weitere Ausdehnung des Ackerbaues brachte es dann mit sich, daß die Büsche und 
Einzelbäume immer mein' verschwanden und daß an die Stelle der lebenden Hecken Drahtzäune 
traten, wodurch manche Tierarten seltener wurden. Auch viele Altwässer, Teiche, Tümpel und 
Sümpfe mußten der stärkeren Bodenausnutzung weichen. 

Die Uferbegradigungen, die die Ufer trocken legten und die Schilf- und Weidendickichte 
zerstörten, raubten wieder vielen Tieren die Daseinsbedingungen, nicht minder der Schlepp- 
schiffahrtsbetrieb, dessen Wellenschlag die Ufer zu sehr beunruhigte, Fischlaich zerstörend und 
Brutenten vertreibend; die Verbesserung der sauren Wiesen verjagte manche Tierart, anderen 
raubten die Bebauung und Aufforstung der Minne die Lebensmöglichkeit. 

Die lange Zeit vorherrschende Neigung der Forstwirtschaft, den Nadelwald auf Kosten 
des Laubwaldes zu pflegen , beschnitt vielen Arten die Lebensbedingungen ; andere verminderten 
sich, weil das zum Buhnenbau nötige Unterholz verschwand. Der Kahlschlagsbetrieb änderte von 
heute auf morgen das Bild des Waldes völlig. Die Eiche ging zurück und an ihre Stelle trat die 
raschwüchsigere Fichte. Die Wälder wurden einförmiger, lichter, trockener, und die Bestände 
hatten ein kürzeres Leben. 

Die Folgen machen sieh bei allen Tiergruppen, von den höchsten bis zu den niedrigsten, 
geltend, am meisten lallen sie aber bei den Vögeln, als den am leichtesten zu beobachtenden, weil 
am wenigsten versteckt lebenden höheren Tieren, auf, und darum ist diese Klasse für den Nach- 
weis von faunistischen Veränderungen die dankbarste, weil sich jede größere Schwankung ihres 
Artbestandes am schnellsten berechnen läßt. 

Außer den angegebenen Einflüssen machen sich für die Vogelwelt noch einige andere 
geltend Von sehr grußer Wichtigkeit ist die Tätigkeit der Vogelschutzvereine gewesen, deren 
zähes Arbeiten es fertig brachte, daß heute selbst auf dem Lande schon fast jeder (iiebel und 
jeder Garten einen oder mehrere Nistkästen trägt. Ihrem Wirken ist es auch zuzuschreiben, daß 
das Nesterberauben und Eiersammeln der allgemeinen Verachtung anheimgefallen ist. Ihre unab- 
lässige Wirksamkeit hat es auch dahin gebracht, daß der Drosselfang und das Kiebitzeiersammeln 
mehr und mehr zurückgeht, und daß gewisse schöne und nützliche oder wenig schädliche Vögel, 
wie die Spechte, Fasvögel und Wasseramseln geschont werden, während die Verfügungen der 



25 

Regierung und die allgemeine Aufklärung nützlichen Vögeln, wie den Eulen, Bussarden und dem 
Turmfalken zu gute gekommen sind. 

Nicht ohne Einfluß geblieben ist ferner die starke Ausdehnung des Rübenbaues, das Auf- 
hören der Waldhutung, die Aufgabe der Heidschnuckenzucht, der Ersatz der ländlichen Fachwerk- 
bauten mit ihren Strohdächern durch Ziegelbauten, die mächtige Ausdehnung des Telegraphen- und 
Telephonnetzes, die Beunruhigung der Straßenböschungen durch Radfahrer und Kraftwagen, der 
zunehmende Steinbruchsbetrieb, die Aufschließung von urwüchsigen Heide- und Moorgegenden durch 
die Bohrindustrie; einige dieser Kultureinflüsse nehmen vielen Arten die Daseinsmöglichkeit und 
Illingen sie wieder anderen. 

Wie sehr sich die Vogelwelt selbst in einem Oebiete, das auffallenden Bodenveränderungen 
nicht ausgesetzt war, umformen kann, beweist das vortreffliche, vor einiger Zeit erschienene Buch 
des Juister Lehrers und Forschers Otto Leege „Die Vögel der friesischen Inseln". Seitdem Ferdinand 
von Droste-Hülshoff 1869 sein Werk „Die Vogelwelt der Nordseeinsel Borkum" herausgab, in dem 
die übrigen friesischen Inseln auch berücksichtigt wurden, hat sich der Bestand vieler Arten dort 
völlig verschoben; es erübrigt sich deshalb hier, diese Veränderungen mit aufzuführen, und nur 
die wichtigeren Umänderungen der hannoverschen Binnenlandsavifauna sollen besprochen werden. 

Brutgäste, die, wie der Schlangenadler, der schwarzstirnige und der rotköptige Würger, 
die Sperbergrasmücke, die Kingamsel, die Steindrossel, die Nebelkrähe, der Rauhfuß- und der 
Sperlingskauz, der Nachtreiher und der Kormoran nur ausnahmsweise, wenn auch, wie die beiden 
letzteren Arten, in größeren Siedlungen bei uns brüteten, können nicht in Betracht kommen, da 
ihr vereinzeltes Auftreten gleichgültig für das faunistische Bild ist; auch die sehr versteckt lebenden 
and schwer zu beobachtenden Arten eignen sich nicht als Beispiele; nur bekannte, oft auftretende 
oder durch Größe, Farbe und Eigenartigkeit ausgezeichnete Formen sollen in ihrem Verhalten 
betrachtet werden. 

An erster Stelle lenken die Arten die Aufmerksamkeit auf sich, die bei uns ausgestorben 
sind. Von dem Seeadler, Haliaetus albicilla L., den Kohlrausch und Steinvorth noch l.siil in 
ihren „Beiträgen zur Naturkunde des Fürstentums Lüneburg" als bei Celle und in der Göhrde 
horstend aufführen, soll ganz abgesehen werden, da diese Angabe sich auf Mitteilungen eines ver- 
storbenen Forstmannes stützt und nirgends durch einen Museumsbelag oder eine weitere Literatur- 
angabe unterstützt ist. Dagegen ist der Schreiadler, Aquila pomarina Brehm, ein harmloser 
Lnrch- und Mäusefresser, teils den durch die Forstwirtschaft verursachten Veränderungen gewichen, 
teils durch Abschuß oder Ausheben der Gelege bei uns ausgerottet. Kohlrausch und Steinvorth 
bezeichnen ihn 1861 als nicht seltenen Brutvogel für die Heide; der verstorbene Postdirektor Pralle, 
ein ausgezeichneter Ornithologe, nennt ihn 1878 noch als Brutvogel für die Heide; der Königl. 
Hegemeister W. Bieling in Dalle teilt handschriftlich mit, daß er vor 30 Jahren im Tiefenbruche 
bei Fuhrberg und in den Urwaldresten am Süll im Lüß gehorstet habe, seit der Zerstörung der 
alten Fichtenbestände durch die Nonne aber verschwunden sei; die Angabe von H. Kreye in seiner 
1891 erschienenen Abhandlung „Die Vögel Hannovers und seiner Umgebung", er brüte im Wietzen- 
und Krelingerbruche. ist wohl so aufzufassen, daß er früher dort gebrütet habe. Heute können 
wir annehmen, daß der Schreiadler bei uns nur noch auf dem Zuge vorkommt, obgleich es nicht 
ausgeschlossen ist, daß er noch horstet, da er in Lebensweise und Benehmen sich von dem Mäuse- 
bussard wenig unterscheidet. 

Bestimmt verschwunden ist aber der Uhu, Bubo bubo L. bei uns wie in ganz Nordwest- 
deutschland. Die letzten Nachrichten über sein Vorkommen bei uns sind folgende : Nach H. Kreye's 
mündlicher Mitteilung soll er noch 1876 am Kahnstein gehorstet haben. Der Königl. Hege- 
meister a. I). K. Schwarze zu Salzdetfurth schreibt: „Am 12. September 1865 war ich zum Be- 
suche bei meinem Schwager, dem damaligen (iehegereuter Gramme, der damals in Andreasberg 
am Harz war, und dort habe ich des Abends den Buf des Uhus gehört." Der Königl. Hege- 
meister a. D. Otto Lüttich zu Lauterberg teilt mit: „In den 80er Jahren habe ich in Oderbrück 
einen Uhu am Bruchberge an der Steilenwand einige Jahre gehört, dann war derselbe nicht mehr 
zu hören; es mag ja mit dem Jahre 1886 stimmen, ich habe es jedoch nie gehört, daß der I Im 
erlegt worden sei; er muß entweder eingegangen oder weggezogen sein." Der früher in Hannover, 
jetzt in Sofia lebende Ornithologe Dr. Paul Leverkühn teilte in der „Ornithologischen Monats- 
schrift" nämlich mit, daß seit 1886 der Uhu vom Oberharze verschwunden sei. 

Gänzlich ausgestorben ist ferner in der Provinz das Haselhuhn, Tetrao bonasia L. ; es 
ist aber nicht, wie der Uhu, ausgerottet, sondern wahrscheinlich den veränderten Kulturbedingungen 
gewichen, da ihm die Aufforstung seiner Wohnstätten am Harze mit Nadelholz und das damit 

4 



26 

verbundene Verschwinden des Unterholzes nicht zusagte. Schon 1795 bezeichnet es Naumann als 
nicht häufig für den Harz; Leunis nennt es 1860 schon selten und um 1870 verschwand es. Es 
wäre wünschenswert, wenn dieses schöne Wild wieder bei uns eingebürgert würde. 

Ein wirtschaftlich belangloser, aber farbenprächtiger Vogel, die Mandelkrähe, Coracias 
garrulus L.. ist als Brutvogel wohl für Hannover, wie für ganz Nordwestdeutschland zu streichen. 
Vereinzelte Stücke werden hier und da wohl noch beobachtet, doch handelt es sich dann um 
durchziehende Stücke; brütend ist sie aber seit langer Zeit nicht mehr nachgewiesen. Dabei wurde 
sie noch 1801 als nicht selten für das Lüneburgische von Kohlrausch und Steinvorth bezeichnet, 
und bei Wiekenberg im Wietzenbruche war sie, wie der König!. Hegemeister W, Bieling mitteilt, 
1865 noch sehr häufig; aber schon 1885 brüteten nur noch ein bis zwei Paare dort. An ihrem 
Verschwinden sind in erster Reihe die Eier- und Bälgesammler schuld, auch unvernünftige Jäger; 
beigetragen haben wird aber auch das Verschwinden der alten Eichen, die ihr Brutstätten gaben. 

Das ist auch zum Teil die Ursache gewesen, daß der Rotspecht, Dendrocopus medius L., 
bei uns seltener wurde, und die Hohltaube, Colurnba oenas L., denen die Buchen- und Nadel- 
wälder weniger Bruthöhlen bieten. Auch das Abnehmen des Wiedehopfes, Upupa epops L., ist 
teilweise auf das Verschwinden der alten Eichen und der Kopiweiden zurückzuführen, obgleich 
die Hauptursache das Aufhören der Waldhutung und der Schnuckenzucht gewesen sein wird, was 
vielleicht auch für die gern Mistkäfer fressende Mandelkrähe zutrifft; jetzt muß der Wiedehopf, 
der früher häufig war, als selten bezeichnet werden, während Kotspecht und Hohltaube nur da 
noch mehrfach vorkommen, wo, wie im Sauparke, viele alte Eichen sind. In ähnlichen Beständen 
findet man auch den Kleinspecht, Dendrocopus minor L., noch, ein Vögelchen, das eigentlich 
nirgends häufig ist, aber, seitdem die alten Eichen und Weiden bei uns verschwanden, nur noch 
ganz selten brütend gefunden wird. 

Wenn große Räuber, wie der Wanderfalke, Falco peregrinus Tunst., und der Kolkrabe, 
Corvus corax L., bei uns selten geworden sind, so liegt die Erklärung dafür nahe; der Wander- 
falke wie auch der Hühnerhabicht, Astur palumbarius L., werden zu eifrig verfolgt, und nicht 
minder der Kolkrabe, obgleich die Ansichten über den Schaden des Kolkraben und des Wander- 
falken sehr auseinandergehen. Beide sind schon recht selten geworden; vom Wanderfalken mögen 
kaum mehr sechs Horstpaare in der Provinz sein. Auch der Hühnerhabicht, einst ein häufiger 
Vogel, wird ziemlich selten; auch hat er seine Gewohnheiten insofern geändert, als er, der fort- 
währenden Nachstellungen müde, nicht mehr in Vor- und Feldhölzern, sondern fast nur noch in 
der Mitte abgelegener großer Wälder horstet. 

Im Verschwinden begriffen zu sein scheint auch der Gabelweih, Milvus milvus L. : in 
zwölf Jahren habe ich nur wenige horstende Paare entdecken können, und nur vom Wendlande 
erhielt ich Nachricht, daß er dort noch nicht so selten sei. Im Tiergarten bei Kirchrode blieb 
er seit 11)02 aus, im Deisler ist er verschwunden, ebenso im Bockmer Holze, seit 1 '. ) 3 bei Calberlah, 
seit längeren Jahren bei E'uhrberg, seit 1805 fehlt er bei Unterlaß. 1860 nennt ihn Leunis noch 
einen sehr gemeinen Brutvogel, Kohlrausch und Steinvorth bezeichnen ihn 1861 als ziemlich häufig 
und Kreye nennt ihn sogar 1S02 noch ziemlich häufig. Heute ist er einer unserer seltensten 
Raubvögel. 

Seltener geworden ist ferner der Steinkauz, Athene noctua Retz. ; ihm fehlen die Kopf- 
weiden, hohlen Feldeichen und vor allem die Fachwerkbauten. Sehr vermindert hat sich die Anzahl 
der Wachteln, Coturnix coturnix L. ; die Ursache daran liegt in dem Massenfang an den fiestaden 
des Mittelmeeres, vielleicht auch in der Zunahme des Rübenbaues. Sehr zurückgegangen ist die 
Hausschwalbe, Delichon urbica L., besonders in den letzten Jahren, sodaß zu befürchten ist, 
daß sie über kurz oder lang bei uns ganz verschwinden wird. In den Städten nimmt auch die 
an die Ställe gebundene Rauchschwalbe, Hirundo rustica L., sehr ab. Der Massenfang im Süden 
allein kann nicht die Ursache der Verminderung der Hausschwalbe sein, weil auch die Rauch- 
schwalbe davon betroffen sein müßte; es scheint, als wenn der Mauersegler die an der Außenseite 
der Häuser brütende Schwalbenart vertreibt, während die Rauchschwalbe unter dem frechen Ein- 
dringling nicht zu leiden hat. Wo der Mauersegler nicht vorkommt, wie in den Dörfern zwischen 
der Aller und der Fuhse, tritt die Hausschwalbe gleich häufiger auf. 

Die zunehmende Austrocknung des Landes brachte es mit sich, daß viele Sumpf- und 
Wasservögel seltener wurden. So ist die Anzahl unserer hauptsächlichsten Binnenlandsente, der 
Stockente, Anas boschas L., seit einigen Jahrzehnten sehr zurückgegangen ; die Hauptschuld daran 
tragen Entwässerungen, Moorurbarmachungen und Uferbegradigungen, sodann die jagdliche Unsitte, 



von den Schoofen die alte Ente fortzuschießen, anstatt sie schonen, und nicht in letzter Reihe die 
mit unserer modernen Jagdgesetzgebung nicht mehr vereinbare Einrichtung der Entenfänge. 

Sehr zu beklagen ist es, daß einer unserer nützlichsten und schönsten Vögel, der Kiebitz, 
Vanellus vanellus L., immer seltener wird. Zum Teil liegt das an der Auftrocknung des Geländes, 
ebenso sehr aber auch an dem Fortnehmen der Gelege zu Speisezwecken, einer zu den heutigen 
Anschauungen durchaus nicht mehr passenden Barbarei, der hoffentlich recht bald von Gesetzes 
wegen der Garaus gemacht wird. Die Kiebitze, die im Herbst und Frühjahr auf den Äckern 
einfallen, nähren sich zum größten Teile von der schädlichen Ackerschnecke, Agriolimax agrestis L., 
und es ist darum sehr geboten, sie zu schonen. 

Die Verminderung im Bestände der Waldschnepfe, Scolopax rusticola L., liegt schon 
längere Zeit zurück und ist zum größeren Teil wohl dem Massenfang am Mittelmeere, zum kleineren 
der Ausübung der Frühjahrsjagd zuzuschreiben; die Bekassine, Gallinago gallinago L., verschwindet 
vor der Moorverbesserung immer mehr. Im Seckbruch und auf der Breiten Wiese, den ungeheuren 
ehemaligen Grünlandsmooren zwischen Hannover, Misburg, Änderten, Ahlten und Lehrte wimmelte 
es früher von Bekassinen; heute sind sie dort schon ziemlich selten. 

An dem Verschwinden einiger großer Sumpfvögel ist die nicht zu entschuldigende jagd- 
liche Unsitte schuld, jeden großen, vom Gesetze nicht ausdrücklich geschützten Vogel herunter- 
zuschießen. Wenn P'ischereibesitzer dem Schwarzstorch, (Jiconia nigra L., nachstellen, so ist das 
noch zu verstehen, obgleich der schöne Vogel ein eifriger Vertilger der Kreuzotter ist; geradezu 
als Sünde muß es aber betrachtet werden, wenn auf die bei uns brütenden Kraniche, Grus grus L., 
geschossen wird, denn ein Schaden des Vogels ist nicht nachzuweisen. Allem Anscheine nach 
wird er in wenigen Jahren bei uns als Brutvogel verschwunden sein. Wo ihm die neuen Land- 
straßen und Bahnlinien, die Moorentwässerungen und Aufforstungen noch weite, ruhige Flächen 
ließen, da verdrängt ihn jetzt die Bohrindustrie. Wo er früher brütete, so im Westenholzer 
Moore, bei Dannenbüttel, bei Nienburg, bei Wolthausen, im Warmbüchener Moore, bei Lüchow, 
Heuslingen, Groß-Eilstorf, Bederkesa, Klein-Burgwedel, Bennemühlen, Berkhof, Calberlah, Eystrup, 
Celle, Bremervörde, Gif hörn, Oerrel ist er verschwunden; meist hieß es auf meine Erkundigung, 
das Brutpaar oder einer der Gatten sei in der Nachbarjagd geschossen. Mehr als drei Brutpaare 
für die Provinz waren nicht festzustellen. Auch der Schwarzstorch wird sich nicht lange mehr 
bei uns halten können. Einzelne Paare brüten noch bei uns, aber wenn auch manche Forstmänner 
und einzelne Jäger ihn schonen, andere vermögen es nicht. Wird doch sogar der Storch, Ciconia 
ciconia L., bedeutend seltener, obgleich ihn ein alter Urglaube schützt. Er ist ein zu bequemes 
Zielobjekt für die moderne kleinkalibrige Büchse, und so wird er selbst dort, wo er nur in einem 
Brutpaare vorhanden ist, der Jagd also wenig Schaden bringen kann, leider oft geschossen. Stellen- 
weise, so in Wathlingen, verminderten sich die Störche nach der Entfernung der Strohdächer, 
auch haben englische Händler einmal fast sämtliche jungen Störche aufgekauft; immerhin brüten 
in diesem Dorfe, wie auch in Groß-Heuslingen, noch ein Dutzend Paare. 

Zu verstehen, obgleich vom naturwissenschaftlichen Standpunkte immerhin zu beklagen ist 
es, daß man die Fischreiher, Ardea cinerea L., in ihrer Anzahl immer mehr beschränkt. Früher 
bestanden in der Provinz eine Unmenge, oft mehrere hundert Paare fassende Siedlungen, aber 
seitdem Forstmeister von dem Borne ihnen den Krieg erklärte, sind manche Siedlungen ganz auf- 
gegeben, andere auf 10 — 30 Paare zurückgegangen. Soviel mir bekannt ist, bestehen noch folgende: 
Ahlden mit 30, Heiligenberg bei Hoya mit ebenso viel Paaren; Winsen a. L.; Neuenhaus bei Bent- 
heim; Wathlingen mit 40 Paaren; Bremervörde; Ohlendorf bei Goslar mit 40 Paaren; Hepstedt 
im Wümmegebiete mit 80 — 100 Paaren; Salzbergen; Bederkesa; Blekede; Karrenzien; Ahlen bei 
Hadeln mit ungefähr 50 Paaren; Lemförde; Westerwanna. 

Von der Rohrdommel, Botaurus stellaris L., läßt sich wegen ihrer versteckten Lebens- 
weise schlecht sagen, ob sie bei uns brütet, ebenso von der Zwergdommel, Ardetta minuta L. ; 
man hört fast nur, daß sie in der Zugzeit geschossen werden. Im Wümmegebiet ist die Rohr- 
dommel nach H. Precht's Beobachtungen seit Aufstellung der Entwässerungsmaschine verschwunden. 
Wahrscheinlich brütet sie und ihre kleine Verwandte noch am Dümmer und in den Aller-, Fuhse-, 
Elb- und Wesermarschen an bruchigen Stellen. 

Während so eine Anzahl Arten mehr oder weniger abnehmen, verschwinden oder schon 
verschwunden sind, zeigen andere die Neigung, sich zu vermehren, oder haben sich schon bedeutend 
vermehrt. In den meisten Fällen handelt es sich aber nicht um zoologisch interessante Formen, 
sondern es sind fast immer häufige Vögel, wenn auch einige von ihnen durch Gesang, Farbe, 
munteres Wesen und Vertilgung von Ungeziefer und Unkrautsämereien wertvoll sind. 

4* 



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Die interessanteste Gestalt unter ihnen ist der Schwarzspecht, Dryocopus martius L., 
der sich seit 20 Jahren so bedeutend vermehrt hat, daß er heute wohl keinem größeren Nadel- 
holzbestande mehr fehlt, während er früher in der Heide und im Harze selten, im Sollinge ganz 
unbekannt war. Reine Vermehrung ist einmal wohl der stärkeren Zunahme der Nadelholzbestände 
zuzuschreiben, zweitens den gesetzlichen Verfügungen, die allen Spechten Schutz gewähren. Bei 
dem hohen dekorativen Werte des Vogels ist seine Vermehrung freudig zu begrüßen. 

Mit weniger Freude ist festzustellen, daß sich der Mauersegler, Apus apus L. . so 
ungeheuer vermehrt , denn er verdrängte anscheinend die Hausschwalbe , wird auch durch sein 
Geschrei äußerst lästig. Auch die Vermehrung der Rabenkrähe, Corvus corone L.. die sich seit 
zwanzig Jahren ganz autfallend bemerkbar macht, ist nicht freudig zu begrüßen; für die Land- 
wirtschaft halten sich Nutzen und Schaden des Vogels die Wage, jagdlich ist er unbedingt schäd- 
lich, und auch sonst als Nesterplünderer kein harmloses Mitglied der Avifauna. In demselben 
Zeiträume haben sich auch der Eichelhäher, Garrulus glandarius L. und die Elster, Pica pica L., 
stark vermehrt, beide zwar dekorative Vögel, aber auch schlimme Nestplünderer. Es ist anzu- 
nehmen, daß die Verminderung des Wanderfalken und des Habichts die Hauptursachen ihrer Ver- 
mehrung sind. Wenn die Siedlungen der Saatkrähe, ('orvus frugilegus L., nicht fast überall, und 
mit Recht, vernichtet würden, so würde auch diese Rabenart sich bedenklich vermehren. Zu ver- 
mindern scheint sich von unseren kleineren Rabenarten nur die Dohle, Colacus monedula L.. und 
zwar anscheinend deshalb, weil die moderne Kirchen- Architektur ihr weniger Schlupflöcher bietet. 

Vermehrt hat sich der Mäusebussard, Buteo buteo L. , seitdem sich die Jäger, was 
wissenschaftlich längst teststand, von seiner jagdlichen Unschädlichkeit überzeugten, die kürzlich 
noch Begierungsrat Dr. G. Rurig durch umfangreiche Magen- und Gewölluntersuchungen nachwies; 
auch der allerliebste, nur Mäuse und Kerfe verzehrende Turmfalk, Cerchneis tinnuncula L. . der 
auf der Liste der gesetzlich geschützten Vögel steht, nimmt zu, obgleich er noch häufig genug 
vor der Krähenhütte als Sperber oder Merlin geschossen oder im Pfahleisen, der allerverwerflichsten 
Fangmethode, gefangen wird. 

Ganz eigenartig steht es mit dem Fischadler, Pandion haliactus L.; er zeigt sich seit 
einigen Jahren viel öfter bei uns, als früher, und nicht nur in der Zugzeit; ein Horst ist aber 
heute ebensowenig nachzuweisen, wie früher; nirgendswo in der Literatur findet sich eine Angabe 
darüber. Es scheint also, daß alle Fischadler, auch die, die zur Horstzeit bei uns vorkommen, 
junge, noch nicht geschlechtsreife Stücke sind. Auch für Oldenburg, Westfalen und Holland ist 
er horstend nicht nachgewiesen. 

Hie Abnahme der Wanderfalken und Habichte wird es verursacht haben, daß die Ringel- 
taube, Columba palumbus L. , sich so auffallend bei uns vermehrt, doch mag die stärkere 
Bebauung und die Zunahme der Xadelholzbestände ihrem Anwachsen günstig sein. In einigen 
Städten, so in Oldenburg, Dresden und Wien, ist sie schon völlig Park- und Gartenvogel geworden, 
auch in Ostfriesland, und diese Neigung wird sie auch bei uns zeigen, sobald die Wälder ihrer 
Vermehrung nicht genügen. 

Einige Vögel, deren Dasein durch das Verschwinden der alten Obstbäume, Eichen, Eilen 
und Weiden bedroht war, und die an Zahl eine Zeit lang sehr zurückgingen, vermehrten sich 
wieder, seitdem bei den Ortschaften durch Nistkästen ihnen Brutgelegenheiten geboten wurden, so 
der Gartenrotschwanz, Erithacus phoenicurus L., und der Trauerfliegenschnäpper, Muscicapa 
atricapilla L. : sie sind stellenweise schon Stadtvögel geworden. Am auffallendsten zeigt sich das 
bei dem Staare, Sturnus vulgaris L. , der sich so ungeheuer vermehrt hat, daß schon Bedenken 
dagegen laut wurden, weil ihm nachgewiesen worden ist. daß er aus Spielerei oder Futterneid die 
Eier und Xestjungen anderer Vögel aus dem Neste warf. 

Dasselbe wirft man auch der Amsel, Turdus inerula L. , vor. die seit mehreren Jahr- 
zehnten sich so gewaltig vermehrt hat. daß ihr die Wälder nicht mehr genügten und sie sich erst 
den Parks, dann völlig der Stadt anpaßte. Auch die Singdrossel, Turdus musicus L. . zeigt 
immer mehr die Neigung, den unterholzarmen Wald zu verlassen und sich auf Kirchhöfen, Parks 
und Gärten anzusiedeln, wie auch die Nachtigall, Erithacus luscinia L. , die stellenweise, so im 
Bebertale bei Barbis, vor der Verkuppelung verschwand, sich mehr bei den Städten ansiedelt, wo 
sie Schutz und Pflege findet. 

Zwei Buschvögel, die Dorngrasmücke, Silvia silvia L. , und der Sumpfrohrsänger, 
Acrocephalus palustris Bchst., haben sich aus Mangel an Dorn- und Weidengebüsch dem Bauland 
völlig angepaßt, und auch dem Heuschreckensänger, Locustella naevia Bodd., scheint die 
moderne Feldwirtschaft zuzusagen, denn er wird von Jahr zu Jahr mehr beobachtet. 



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Ganz bedeuteud vermehrt hat sich ein Vogel, der ursprünglich Bewohner der Klippen- 
gebiete des Mittelmeeres war und erst im Anfange des vorigen Jahrhunderts bei uns über Südwest- 
europa einwanderte, der Hausrotschwanz, Erithacus titys L. : seitdem in der Heide die Stroh- 
dächer verschwinden, zeigt er sich auch dort häufiger, und in einigen Gegenden Ostfrieslands 
wandert er jetzt erst ein. 

Die Thatsache, daß unser Land immer mehr zur Getreidesteppe wird, begünstigt wieder 
die Vermehrung der Grauammer, Emberiza calandra L. , und der Haubenlerche, Galerida 
cristata L. ; beide wandern an den Landstraßen entlang. Die Grauammer, die anfangs nur Lehm- 
boden bei uns bewohnte, rückt jetzt allmählich auch auf das Sandland vor. 

Eigentümlich ist das Verhalten der Gebirgsbachstelze , Motacilla boarula L.; bisher 
wohnte sie bei uns nur im Harze, im Süntel, im Solling und deren Vorlanden ; seit mehreren Jahren 
ist sie aber auch in der Ebene beobachtet, so von Dr. Paul Wigand an der Böhme bei Walsrode, 
von mir am Wehr der Mühle bei Wolthausen an der Örtze und bei der Schleuse und dem Über- 
fall der Aller in Celle; seitdem der Graben vor dem Zoologischen Garten zu Hannover durch ein 
Stauwehr einen winzigen Wasserfall bekam, bürgerte sich auch dort ein Paar ein; ein zweites 
brütet in diesem Jahre in der Nähe des Kirchröderturmes bei Hannover, seitdem dort ein Graben 
ein stärkeres Gefälle erhielt. Wahrscheinlich wird dieser hübsche Vogel sich auch noch weiter in 
der Ebene verbreiten. 

Als ganz neuer Bestandteil unserer Avitauna ist ein reizender kleiner Fink, der Girlitz, 
Serinus hortulanus Koch, hinzugekommen, der ursprünglich in Nordafrika und Kleinasien lebte. 
Seit 50 Jahren erschien er in Deutschland, doch sind stellenweise, so von Prof. Dr. R. Blasius 
1883 bei Braunschweig und Riddagshausen , künstliche Einbürgerungsversuche mit ihm gemacht, 
so daß sich nicht sagen läßt, ob er ohne menschliches Zutun hannoverscher Bürger geworden ist. 
1896 bemerkte ihn Dr. H. Angener zuerst bei Göttingen, wo er jetzt vielfach brütet. Im Jahre 
1903 stellten an demselben Tage Lehrer Heinemann und Dr. Paul Wigand ihn im Berggarten vor 
Herrenhausen fest, wo er sich seitdem stark vermehrt hat. Auch in den Städten des nördlichen 
Harzes soll er jetzt häufig sein. Wahrscheinlich wird er sich bald überall bei uns ansiedeln, wo 
er viele Obstbäume findet. 

Von den Vogelarten , die sich unter der unmittelbaren Pflege und Hege des Menschen 
vermehrt haben, ist das Urhuhn, Tetrao urogalLus L., zu nennen; sowohl im Harz wie im Solling 
war es am Aussterben, hat sich jetzt aber stark vermehrt. Das Birkhuhn, T. tetrix L., zeigt ein 
sehr unbeständiges Verhalten ; an vielen Stellen der Heide hat es in den letzten Jahren sehr 
abgenommen, während es sich anderswo, so bei Geestemünde, angesiedelt hat. Auch im Kreise 
Diepholz nimmt es zu, ebenso im Oberharze und im oberen Wümmetale, dagegen nimmt es im 
Kreise Wittlage ab. und im Solling ist es seit 30 Jahren vor den Aufforstungen verschwunden. 
Das Feldhuhn, Perdix perdix L., vermehrt sich überall sehr, schlechte Jahre abgerechnet. 

Stark ausgebreitet und stellenweise sehr vermehrt hat sich ein bei uns eingeführter Vogel, 
der Fasan, Phasianus colchicus L. : in allen Regierungsbezirken kommt er jetzt in freier Wildbahn 
vor, selbst in den entlegenen Postmooren hat er sich verbreitet und sogar auf der Insel Juist 
ist er Standwild geworden. Leunis kannte ihn in den 1860 er Jahren nur aus zahmen Fasanerien. 
In einigen Gegenden, so bei Diepholz, kommt er nicht hoch, weil er nicht genug geschont wird und 
weil ihm vielleicht auch die Bodenverhältnisse nicht zusagen. Auch im Harze kommt er nicht fort. 

Alle anderen Versuche, fremde Flugwildarten bei uns einzubürgern, haben sich bisher als 
unlohnend erwiesen. Das Moorschneehuhn, Lagopus lagopus L., das bei Triangel und Langenhagen- 
Kaltenweide ausgesetzt war, hat sich nicht gehalten; einzig im Wietingsmoore und im Sulinger 
Moore scheint es bleiben zu wollen. Im Brockengebiete wäre ein Versuch vielleicht auch lohnend. 
Mit dem wilden Puter, Meleagris gallopavo L., ist nur einmal und zwar bei Wartjenstedt im Kreise 
Marienburg bei uns ein Einbürgerungsversuch gemacht, der unlohnend ausfiel. Die virginische 
Schopfwachtel. Ortyx virginianus Gould, die bei Fuhrberg und Neubruchhausen ausgesetzt war, 
verschwand. Ob die neuerdings gemachten Versuche, das westeuropäische Rothuhn, Caccabis rufa 
Temm. und das argentinische Steißhuhn. Tinamus major Gray, einzuführen, gelingen werden, ist 
sehr fraglich. 

Vielleicht wandert aber in der Zwergtrappe, Otis tetrax L., ein sehr schätzenswertes Wild, 
ein, denn dieser Südosteuropäer hat sich schon freiwillig in Schlesien, Thüringen, Mecklenburg, 
Pommern und Brandenburg eingebürgert und mehrfach hierher verflogen; schont man ihn, so wird 
er sich auch wohl bald hier seßhaft machen. Auch der Großtrappe, 0. tarda L., sollte man nicht 



30 

so sehr nachstellen, wenn sie im Winter bei uns als Gast weilt, denn auch sie scheint bei uns 
bleiben zu wollen. 

So zeigt es sich, daß, je mehr die Provinz sich aus einer Sumpf-, Moor-, Heide- und 
Waldlandschaft zu einem Kultursteppengebiete umformt, sie desto mehr auch in ihrer Avifauna 
diesen Charakter aufweist'. Die Heidelerche, Lullula arborea L., tritt vor der Feldlerche, Alauda 
arvensis L., zurück. Der Wiesenpieper, Anthus pratensis L., macht der Kuhstelze, Budytes flavus L., 
Platz. Hausbrüter, wie die Sperlinge, vermehren sich auf Kosten nützlicherer Arten. 

Einige sein- anpassungsfähige Vögel, wie der Buchfink. Fringilla coelebs L. und die Gold- 
ammer, Emberiza citrinella L., werden von der neuen Ordnung der Dinge garnicht betroffen, 
andere, wie der Raubwürger und der Dorndreher, Lanius exeubitor L. und L. collurio L., gehen 
wieder zurück. I >i e Sumpf- und Wasservogel verschwinden bis auf diese oder jene sich an den 
Menschen gewöhnende Art, von den Höhlenbrütern nehmen die ab, die dem Menschen ausweichen, 
kurz und gut, im großen und ganzen wird die Avifauna der Provinz ärmer an schönen, originellen 
und interessanten Formen, während die Stückzahl unschöner, banaler und langweiliger Arten zunimmt- 

Faßt man vom zoo-geographischen Standpunkte die Beobachtungen der letzten zwei Jahr- 
zehnte zusammen, so kann mau sagen: der nordwestdeutsche Zug in dem Hilde der hannoverschen 
Avifauna macht immer mehr einem südöstlichen Gepräge Platz. 



2. Hannovers Amphibien und Reptilien. 

In der zoologischen Literatur finden sich nicht sehr viele Angaben über die Kriechtiere und 
Lurche der Provinz Hannover. In Betracht kommen eigentlich nur folgende Werke und Abhandlungen: 
Blum, •!.. Die Kreuzotter und ihre Verbreitung in Deutschland. Abhandl. 

Senckenberg. Naturf.-Ges. Frankfurt 1888. 
Dürigen, Bruno, Deutschlands Amphibien und Reptilien. Magdeburg 1897. 

Itzenrodt, .1.. Die Molche des Niederelbegebietes. Verh. Ver. naturw. Unterh. 

Hamburg 1896. 
Kohlrausch, F., und Steinvorth, IL. Beiträge zur Fauna des Fürstentums Lüneburg. Lüneburg 1861. 
Landois, IL. Westfalens Tierleben. Paderborn 1883. 

Lenins, ,1., Synopsis. Hannover 1860. 

Löns, IL, Bitte, die Wirbeltiere Hannovers betreffend. Jahresb. Naturhist. 

Gesellsch. Hannover 1899—1904. 
Mölbuanii. ( I.. Zusammenstellung der Säugetiere. Vögel, Reptilien, Amphibien und 

Fische, welche bis jetzt im Artlande und den angrenzenden Gebieten 

beobachtet wurden, .lahresb. naturw. Ver. Osnabrück 1893. 

Schneider. < >., Die Tierwelt der Nordseeinsel Borkum unter Berücksichtigung 

der von den übrigen Ost friesischen Inseln bekannten Arten. 
Abhandl. naturw. Ver. Bremen 1898. 
Schulze, E., und Borcherding, Fr., Fauna Saxonica. Jena 1893. 

Wolterstorff, W., Die Reptilien und Amphibien der nord westdeutschen Berglande. 

Magdeburg 1893. 
Mit den Werken von Dürigen und Wolterstorff kommt man aus, da sie alle früheren An- 
gaben enthalten; einige neuen Funde finden sich dann noch in meiner vorläufigen, nur als Frage- 
bogen gedachten Arbeit. Wenn auch einige Teile der Provinz, so besonders die nach Münster. 
Hamburg und Bremen hinliegenden, und das Gebirge, wo Wolterstorff und auf seine Veranlassung 
noch mehrere Herren planmäßig sammelten, gut erforscht sind, so finden sich doch noch so große 
Lücken in der Provinz, daß man nicht sagen kann, ihre Reptilien- und Amphibienfauna sei ge- 
nügend bekannt. 

Für die Reptilien trifft das einigermaßen zu: die wenigen Arten, die bei uns leben, sind 
[eicht zu kennen, eine Art, wie die Kreuzotter, fand wegen ihrer Gefährlichkeit allgemeine Beachtung, 
andere dienten der Terrarienliebhaberi als Gegenstand des Sammeins: aber da im Eichsfelde, im 
Wendlande, im Hümmlinge, auch an vielen Stellen der Heule noch nicht, wenigstens nicht plan- 
mäßig und wissenschaftlich gesammelt wurde, auch auf Ünterformen und Abänderungen wenig oder 
garnicht geachtet wurde, so ist. wenn auch keine neue Art, so vielleicht doch noch eine inter- 
essante Abart zu ei wai len. 



31 

Folgende Aufzählung unserer Reptilien hat deshalb nur einen vorläufigen "Wert: 
Die Sumpfschildkröte, Emys europaea Schneider. 

Es ist so gut wie sicher, daß dieses Tier in der Provinz Hannover nicht in freiem Zustande 
lebt; wenn v. Wacquant-Geozelles und Möllmann mitteilen, daß 1890 in den Koppelgräben bei 
Quakenbrück Sumpfschildkröten beobachtet winden, so handelt es sich wohl, wie bei allen ähn- 
lichen Einzelfunden, um ausgesetzte oder entlaufene Stücke. Auch bei Hannover sind einzelne 
Stücke im Freien beobachtet. Und wenn Helms im Hannoverschen Magazin von 1705 ihr Vor- 
kommen erwähnt, so ist dem entgegenzuhalten, daß ein so scharfer Beobachter und Kenner, wie 
der verstorbene Hildesheimer Professor Dr. Johannes Lennis, von ihrem Vorkommen im Hannover- 
schen kein Wort sagt. In den Mitteilungen des Vereins für Naturkunde für Vegesack heißt es 
zwar auf Seite 7, Jahrg. 1903: „Von Herrn H. Tietjen wurde eine an der Aue gefangene Sumpf- 
schildkröte vorgelegt, die wahrscheinlich der Gefangenschaft entronnen ist. Nach einer Mitteilung 
des verstorbenen, früher in Axstedt im Kreise Geestemünde ansässigen ( )berfürsters Schulze soll 
diese Schildkröte in der Billerbeke beobachtet worden sein;" aber wie mir auf meine Bitte der 
Vegesacker Zoologe S. A. Poppe schrieb, stützte sich diese Angabe lediglich auf die Mitteilung 
eines Waldarbeiters. Oberlehrer Prof. Dr. Krause- Hannover teilte mir mit, ihm sei gesagt, sie 
solle in einem Moorteich bei Kodewald gesehen sein, auch für Goslar wurde sie gemeldet, nach 
Anfrage teilte aber Oberförster a. D. Emil Stolze-Goslar mit, daß es sich um ausgesetzte Stücke 
handele. Dieses Tier hat seine Heimat im Süden und Osten und überschreitet, wenn es in Nord- 
deutschland überhaupt noch lebt, die Elbe nicht. 

Die Smaragdeidechse, Lacerta viridis Laur. 

Auch dieses südliche Reptil fehlt bei uns. Wenn vereinzelte Stücke bei Harburg gefunden 
sind, so handelt es sich bestimmt um ausgesetzte oder entlaufene Stücke; vielfach mögen auch 
besonders prächtig gefärbte Männchen der folgenden Art mit ihr verwechselt sein. 

I. Die Zauneidechse, Lacerta agilis Wolf. 

Diese schöne Eidechse ist über die ganze Provinz verbreitet, ist aber nur stellenweise 
anzutreffen und bei weitem nie so häufig, wie die folgende Art. Vielfach mag daran der Sammel- 
eifer von Terrarienliebhaber die Schuld tragen, doch wird der Hauptgrund das ozeanische Klima 
unseres Landes sein, da die Zauneidechse ein trockenes, kontinentales Klima liebt. Bei der Stadt 
Hannover war sie früher, z. B. an den Rändern der Eilenriede, häufig, ist jetzt aber fast oder 
ganz ausgerottet, sie wird auch schon in der weiteren Umgebung, so bei Misburg und am Deister, 
seltener. Dr. Klugkist fand sie bei Bevensen und bei Wollah b. Vegesack. In der Gegend von 
Quakenbrück ist sie nach Möllmann nicht häufig, ebenso, wie Dr. H. Angener mitteilt, bei Göttingen 
seltener als die Waldeidechse, im Harz bewohnt sie nur die Vorberge, überläßt aber, wie Dr. 
Elster und Geitel an Dürigen berichteten, den eigentlichen Harz der Waldeidechse. Am Kahnstein 
oberhalb Ahrenfeld und Deilmissen vermißte ich sie ganz, während Apotheker Erich Kruse sie bei 
Bodenwerder fand. Fehlen wird sie wohl nirgends, große Moorgebiete ausgenommen. Ob die 
Ansicht eines guten Hannoverschen Reptilienkenners, des Sekretärs an der Landschaftlichen Brand- 
kasse Hubert Bauermeister zutrifft, daß die Waldeidechse die Zauneidechse verdränge, läßt sich 
nicht bestimmt beweisen, doch hat sie viel Wahrscheinliches für sich. Auf den Nordseeinseln 
fehlte sie ursprünglich. Lehrer Otto Leege setzte um 1895 einige hundert böhmische und schlesische 
Zauneidechsen auf Juist aus, denen die sonnigen Dünenabhänge so zusagten, daß sie sich zu 
Tausenden vermehrten; den übrigen Inseln fehlt sie. 

var. erythronota. 

Diese ausgezeichnete Art, deren Rücken schön zimmtrot ist, und die ich von Westpreußen 
genau kenne, fand ich noch nirgendswo in der Provinz, und wenn, wie Dr. 0. Elster an Dürigen 
mitteilt, sie am Harze häufig sein soll, so kann sich das wohl nur auf Elster's Wohnsitz Blanken- 
burg und dessen Umgebung beziehen; für die Provinz ist sie also vorläufig nicht aufzuführen. 

2. Die Waldeidechse, L. vivipara Jacquin. 
Diese Art ist, seitdem sie 0. Leege auch auf Juist einführte, von wo sie auf die übrigen 
Inseln verschleppt wurde, über die ganze Provinz verbreitet und fehlt nur auf kleinen Stellen, so 
auf bebautem Lande. Sie kommt auf Heide- und Moorboden, in Busch- und Waldland, im 
hügeligen Gelände und auf Felsboden vor, und ist stellenweise geradezu gemein. Im Oberharze 
geht sie bis zur Brockenkuppe. In der Farbe ändert sie sehr ab und ist auf Moorboden meist 
dunkler, als auf Sand und Fels. 



32 

3. Die Blindschleiche, Anguis fragilis L. 
Diese Schleiche isl mil Ausnahme der Inseln über die ganze Provinz verbreitet und kommt 
in Wald und Husch auf allen Bodenarten vor: im Harze fehlt sie nur auf den höchsten Plateaus, 
wie Elster bei Dürigen angibt, doch fand Hegemeister 0. Lüttich sie noch bei Oderbrück. 0. Leege 

Sei :te sie auf Juisl aus. sah alier nichts von ihr wieder. 

4. Die Ringelnatter, Tropidonolus natrix L. 
abgesehen von den Inseln ww^ dem Oberharze ist diese Natter über die ganze Provinz 
verbreitet, doch nirgendswo eigentlich häufig; bei zwölfjährigem Aufenthalte in Hannover fand ich 
sie höchstens dreimal. Früher mag sie häufiger gewesen sein, doch die Sammelwut der Städter 
und die Unkenntnis der Landleute, die jede Schlange töten, die sie sehen, mau; ihre Vermehrung 
eingeschränkt haben, besonders weil sie. als reines Tagtier, viel leichter gefunden wird, als die 
mehr des Nachts jagende Otter, leh fand sie einmal bei Cananohe lebend, Bauermeister früher 
ol't in der Wietze bei Misburg, wo man ihr kaum mehr begegnet, Borcherding wies sie von vielen 
Meilen der Umgebung Osnabrücks nach. Leunis fand sie hei Hildesheim nie in der Nähe der 
Stadt, wohl aber bei Elze an der Leine, Ringelheim, am Deister, hei Hannover seihst. Möllmann 
fand sie im Artlande auf dem Hahnenmoore und hei Börste! ziemlich häufig, für den Yorharz 

geben Zimmermann und W. Saxesen-Clausthal sie au. Elster fand sie nur am Nord- und Südrande 
des Harzes, nie am Oberharze seihst. Kohlrausch und Steinvorth melden sie aus Celle, Uelzen, 
Lüneburg, hei Hameln am Fuße der Uelzenburg soll sie. wie Henneberg au Dürigen schrieb, häufig 
sein, Bleyer-Heyden Bng sie in der Lüneburger Heide, hei Neubruchhausen beobachte sie Ober- 
jäger Schröder-Marburg, Eisenbahnsekretär Schultz-Hannover hei Harburg, am Dümmer ist sie nach 
Lehrer \. Harling ziemlich selten. Lehrer rimme-Neu-Warmbüchen begegnet ihr hei Warmbüchen nur 
einmal, während Borcherding sie Dürigen als häufig für das Unterwesergebiet bezeichnet und folgende 
t irte für sie angibt : Bederkesa, Ringstedt, Stinstedt, < Ippeler Zollbaum, Osterholz-Scharmbeck, Breden- 
berg, Weyher Berg, Lesumstotel, Eggestedt, Brundorf, Heilshorn, Erwe, Stotel, und vom Artland noch 
Audorf. Kl.-Bockern, Bippen, Schwagsdorf Ueffeln und Giersfeld nennt. Es ist nicht aus- 
geschlossen, daß sie auch im Harze höher geht, als man annimmt, denn 0. Lüttich sah auf seinen 
Dienstlandwiesen heim Oderhause einmal eine größere Natter, doch kann es sieh hier auch um 

die glatte Natter handeln. /wischen der Aller und der l'uhse soll sie nicht selten sein. Der 
Versuch 0. Leeges, sie auf .luist einzubürgern, mißlang. 

Die Aeskulapnatter, Coluber Aesculapii Host. 
Diese südeuropäische, nach Deutschland zuersl wahrscheinlich von den Römern gebrachte 
und später von 1 iebhabern eingeführte große Natter ist von Giebel für den Harz angegeben; diese 
Vngabe ging in Brehms ["ierleben und in Schreibers Herpetologia europaea über und wurde von 
Heß in seiner „Speziellen Zoologie", von G. Jäger, Winckler und anderen übernommen; wie 
Bleyer-Heyden aber in seiner „Schlangenfauna Deutschlands" bemerkt, war die Giebelsche Mit- 
teilung irrig. 

5. Die glatte Natter, Coronella austriaca, Laur, 
Diese hübsche Natter ist den meisten Laien unbekannt; sie wird entweder mit der Ringel- 
natter oder der Kreuzotter verwechselt. In der Lüneburger Heide, wo sie häufig ist. nennt man 
sie ..Snake". wahrend man die Kreuzotter ..Adder" nennt. Da sie. faßt man sie an, heftig zubeißt, 
so nieint das Volk, ihr Biß verursache den Tod, und man kennt von ihr und der Otter folgenden 
Reimspruch: ..Adder giff Bladdern, Snaken witt Laken.' Über unser Gebiet ist sie weit ver- 
breitet, sie fehlt eigentlich nur den Inseln und dem Oberharze. Bei Hameln fand YV. Henneberg 
sie. am Eckberge hei Bodenwerder Erich Kruse. Wolterstorff bei Ballenhausen bei Göttingen, 
erhelden, leunis am Knebel und Finkenberge bei Hildesheim, feiner ist sie für Uelzen, Lüne- 
burg, Harburg und Hoya festgestellt. Möllmann erwähnt sie für das Artland nicht. S. A. Poppe 
erhielt sie von Blumenthal, Celle, Wittlage, Leege fand sie bei Bentheim, Schröder hei Neu- 
bruchhausen, ich fand sie bei Misburg, Warmbüchen bei Hannover. Queloh bei Eschede, Schneeren 
bei Neustadt. Wolthausen bei Teile, vermißte sie aber am Kahnstein. Die Annahme mancher 
forscher, sie lebe nicht in denselben Gegenden, die die Kreuzotter beherbergen, trifft hei uns 
nicht u: sie lebt sowohl bei Hildesheim als auch in den Moorgegenden mit der Otter zusammen. 
In ihrer Verbreitung zeigt sie einige auffallende Lücken, deren Ursachen zu erforschen sich 
lohnen würde. 



33 

6. Die Kreuzotter, Pelias berus., L. 

In unserer Provinz beherbergen alle Regierungsbezirke sie, obgleich sie auf weiten Strecken, 
wie in Getreide- und Marschgegenden, auf Lehm, Mergel und Kalk fehlt oder nur an den Rändern 
hinüberreicht. Sie ist als unsere häufigste Schlange zu bezeichnen; den Inseln und dem Brocken- 
gebiete fehlt sie; sonst ist sie im Harze weit verbreitet, fehlt natürlich den Gegenden mit 
schwerem und Kalkboden, deren Charakterbaum die Buche ist, wie bei Grund, Barbis-Scharzfeld, 
Lauterberg. Festgestellt ist sie dort für folgende Gegenden: Clausthal, Altenau, Goslar. Graubof, 
Liebenburg, Vienenburg, Weddingen ; dem Deister, Solling und Süntel bis Hameln fehlt sie. Sie 
wird zwar auch für Münden, Göttingen, Barfelde. Haus Escherde bei Gronau angegeben, ferner für 
Wendhausen, Heersum, Lechstedt, Ringelheim, Lamspringe, Grasdorf bei Hildesheim, Nettlingen 
im Kreise Marienburg und Derneburg, manche dieser Angaben dürften aber nachzuprüfen sein. 
Für das hannoversche Flachland gibt Dürigen Folgendes nach Blum, Westhoff, Borcherding, 
Wolterstorff und anderen Forschern an: „Aus der Altmark zieht sich der Verbreitungskreis der 
Otter lückenlos in das Flachland Hannovers hinüber, sodaß wir ihn einerseits von Salzwedel den 
ganzen Strich auf dem westlichen Ufer der Elbe hinab über Lüchow -Gartow, Dannenberg, den 
Lüneburger Distrikt, Winsen, Harburg, das Alte Land und die Gebiete an der Oste (Buxtehude, 
Zeven, Bremervörde) bis nahe der Mündung der letzteren und bis über Gifhorn, Celle und Falling- 
bostel im Gelände rechts der Aller bis zu ihrer Einmündung in die Weser (Verden) und dem 
Unterlaufe des Stromes entlang bis ins Land Wursten (Bremisches Gebiet, Br. Lehe und östlich 
die Umgebung von Bederkesa, Beverstedt, Ringstedt, Stubben) verfolgen können. Aber ebenso 
kommt sie im Gebiet der Wümme (Ottersberg, Rotenburg), an der mittleren Leine bei Hannover 
(Xienburger Moor) und in der Nienburger Gegend, und gleicherweise im Emsland und in Ost- 
friesland : bei Papenburg, Leer. Aurich, Wittmund, Esens vor. Man sieht, die Kreuzotter ist zer- 
streut fast über die ganze Provinz anzutreffen, aber im Flachlande vorzugsweise auf mit Wald 
bestandenem Moorboden, weniger auf bewaldetem Sandboden, garnicht in der eigentlichen Marsch, 
wie sie denn bei Emden fehlt. Mit der fortschreitenden Umwandlung der Moore in Ackerland 
nimmt die Zahl der Ottern auch hier ab. Immerhin zeigt sie sich an einzelnen Plätzen noch recht 
vielfach, so auch laut Borcherding in der engeren und weiteren Umgebung von Bremen: im Opter 
Moor, am Weper Berg, Evertsberg, bei Blümenthai (Kr. Bergholz), Süssum, bei Vegesack in der 
Mullhorst, Lönhorst, Blumenhorst und am Gliedberg, in Wollah. Stotel, Erve, Garrelstedt etc.. in 
Seedorfs Holz bei Meienburg, bei Lenstedt und Hagen, im Fredeholz, häufig im Hahnenmoor bei 
Menslage und im Börstel, bei Ueffeln." Ich selber fand sie außer auf den bekannten Fundorten 
in den Mooren nördlich von Misburg bei Westenholz, Müden a. d. Ortze, Wolthausen, bei den 
Steinhäusern bei Osterholz. bei Hermannsburg; ich vermißte sie bei Hülsen am linken Allerufer, 
bei Marklendorf und Schwarmstedt, ferner am Heinser und Ahrenfelder Hange des Kahnsteins, 
in den Giesener Bergen, bei Gr.- und Kl. -Forste, bei Wunstorf, Neustadt, Kl.-Heidorn, Einbeck, 
Scharzfeld, Barbis, Pöhlde, Grund, Lauterberg. Zoll : sie fehlt ferner der Osnabrücker Gegend, auch 
bei Lemförde, während sie mir für Wittlage gemeldet wird. 

Aus meinen früher in Westpreußen und jetzt hier gemachten Beobachtungen bin ich zu 
dem Schlüsse gekommen, daß das Vorkommen der Kreuzotter in einem gewissen Zusammenhange 
mit dem der Moorbeere, Vaccinium uliginosum L., steht; wo diese Pflanze in größeren Mengen 
vorkommt oder, durch Aufforstung und Wiesenmachung verdrängt, vorgekommen ist, darf man 
die Kreuzotter erwarten. Noch eine zweite Moorpflanze, der Porst oder Gagel. Myrica gale L., 
steht mit der Otter in einem gewissen Zusammenhange; wo er vorherrscht, darf man sie nach 
meiner Erfahrung erwarten. So fehlt die Moorbeere in den großen Mooren bei Kl.-Heidorn, und 
dort fehlt auch die Otter; so fehlt der Porst bei Hülsen-Rethem am linken Allerufer, und mit ihr 
die Otter, während sie auf der anderen Seite der Aller, im Gr.-Eilstorfer Moore, nach der Aussage 
von Lehrer W. Peets vorkommt. Auch zwischen der Aller und der Fuhse. bei Altencelle, Bockels- 
kamp, Gr.- und Kl.-Eicklingen, Ottenhaus fehlt sie, ferner jenseits der Fuhse bei Wathlingen, und 
auch an allen diesen Stellen fehlt der Porst und die Moorbeere. Auch bei Marklendorf-Schwarm- 
stedt fehlt mit den beiden Sträuchern die Otter. 

Das Vorkommen der Otter hat nun unmittelbar mit den beiden Pflanzen nichts zu tun, 
aber nach meiner Meinung liegen insofern für alle drei dieselben geologischen Bedingungen vor, 
als Vaccinium uliginosum L. wie Myrica gale L. die Düne, den feinen Sand, fliehen, und 
ausschließlich auf Grand, grobem, mit viel Geröll vermischtem Sand, oder auf dessen dünnem 
Moorüberzuge, wachsen. Wo, wie bei Misburg, eine sehr hohe Moorschicht den Untergrund 
bedeckt, dort kommt zwar die Moorbeere, aber nicht der Porst vor, dort sucht die Otter 



34 

aber auch mehr die Stellen, wo die Moordecke niedriger ist, wo der höher liegende Sand 
der Moorheere erlaubt, Fuß zu fassen. Zu berücksichtigen ist dabei, daß das Moorbeer- und 
Porstmoor der Otter bedeutend mehr Nahrung bietet, als das tierarme Moosmoor. Inwieweit diese 
meine Annahme zutrifft, und ob sie für die Berggegenden, die die Otter bewohnt, überhaupt zu- 
trifft, können nur umfangreiche Untersuchungen ergehen: ich bemerke aber noch, daß der Hildes- 
heimer Wald, der die Otter beherbergt, Moorpartien mit Vaccinium uliginosum L. besitzt, und 
daß Berglehnen in Tirol, die mir als Heimstätten der Otter bezeichnet wurden, die alpine Zwerg- 
form der Moorbeere in Menge aufwiesen. Auch die Moore vor dem Klotzowwalde bei Deutsch- 
Krone in Westpreußen waren reich an der Moorbeere. 

Dort, wie auch hier, verschmäht die Bevölkerung die der Heidelbeere, V. Myrtillus L., im 
Geschmack kaum nachstehende und sehr bekömmliche Frucht der Moorbeere und behauptet, sie 
sei giftig, wie in der Lüneburger Heide, oder ihr Genuß erzeuge Trunkenheit. Es ist nicht un- 
möglich, daß diesem Aberglauben, wie manchem anderen, eine praktische Bedeutung unterliegt; 
man wußte, daß Gegenden mit Moorbeerbedeckung Kreuzottern beherbergen und suchte dadurch, 
daß man der Beere Giftigkeit nachsagte, zu verhindern, daß die Kinder dort Beeren suchen gingen ; 
im Laufe der Zeit ging die Kenntnis dieses Vorganges verloren und die Moorbeerfrucht galt 
schlechthin für giftig. 

Ist nun also die Artenzahl der bei uns vorkommenden Reptilien genau bekannt, so trifft 
das auch für die Amphibien zu, doch finden sich bei dieser Gruppe, was die geographische Ver- 
breitung innerhalb des Gebietes sowie die Unterformen und Rassen, Häufigkeit und Seltenheit und 
den Zusammenhang mit der Bodenbeschaffenheit anbetrifft, noch bedeutendere Lücken. Planmäßig 
ist nur dort gesucht und beobachtet, wo die rührigen Forscher aus Münster. Bremen, Vegesack 
und Hamburg, wie Landois, Westhoff, Borcherding, Poppe und Brüggemann arbeiteten, ferner dort, 
wo Wolterstorffund seine Sammelfreunde, wie Kruse, Krefft, Henneberg suchten, also der Harz und sein 
Vorgelände und das Weser- und Leine-Bergland; doch auch hier dürften noch interessante Ent- 
deckungen zu machen sein, wie einige neuere Funde beweisen, die wieder zu interessanten Schlüssen 
führen werden, ferner müßten einige der älteren Angaben, die sich durch die neuere Literatur 
ziehen, nachgeprüft werden. 

So kann auch folgendes Verzeichnis der Amphibien der Provinz nur als ein Versuch 
aufgefaßt werden: 

I. Der Wasserfrosch, Rana esculenta, L. 

Mit Ausnahme der Inseln und des Oberharzes ist diese Art in vielen Abänderungen über 
das ganze Gebiet verbreitet, fehlt nur dort, wo kein stehendes Wasser ist, und im Innern der 
Hochmoore, deren zu Wiesen umgewandelte Ränder er aber bewohnt; in den Myrica-gale-Mooren 
ist er gemein. In den Erdfällen bei Barbis, auch bei Goslar und Orund fand man ihn noch. Bei 
Ahrenfeld am Kahnstein vermißte ich ihn. Auf Juist setzte Leege ihn ohne Erfolg aus. 

Forma ridibunda Pallas, der Seefrosch. Ausgeprägte Stücke dieser Form fand ich an den 
einst wasserreichen großen, jetzt durch Entwässerung auf einige Gräben und Lachen eingetrockneten 
großen Mergelgruben am Hemminger Holze bei Hannover, eine Viertelstunde von der Leine entfernt. 
Stücke, die sich dieser Form mehr oder weniger näherten, fand ich in der riesigen Mergelgrube 
auf dem Nackenberge bei Hannover. Während hier aber selbst die größten Stücke noch viel 
Grün auf der Oberseite und Andeutungen von Gelb auf den Keulen zeigten, waren die vom Hem- 
minger Holze fast einfarbig dunkelbraunschwarz mit grüner Rückenlinie. 

Forma Lessonae. Typische Stücke fand ich in einem kleinen, geschützt in einer Waldecke 
liegenden Moorwiesentümpel an der Landstraße hinter Alt-Warmbüchen bei Hannover. 

Die von W. Wolterstorff in seiner in den Schriften der Xaturforschenden Gesellschaft in 
Danzig, Band 1903/4, enthaltenen wichtigen Arbeit: „Beiträge zur Fauna der Tucheier Heide" auf 
Seite 186 als Vermutung geäußerten Ansicht, Standortsbedingungen kämen bei den Varietäten des 
Wasserfrosches in Frage, möchte ich beipflichten. 

An den Rändern großer Wasserbecken und Flüsse sind die Frösche nicht so leicht von 
ihren Feinden zu fassen, und so werden sie älter, auch mögen sie dort reichlichere Nahrung 
finden. Schließlich spielt es auch eine sehr große Rolle, ob ein Tier sich auf einem weiteren 
Räume bewegen kann, und ob Sonne und Wind es viel oder wenig erreichen. Frösche aus kleinen 
Wiesentümpeln sind meist kleiner und kürzer gebaut, als die aus größeren Gewässern; ihre Haut 
ist weicher und glatter, als die der in freierem, dem Winde und der Sonne mehr ausgesetzten 



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Gelände, worauf auch der Wellenschlag Einfluß haben mag, denn um sich dagegen zu wehren, 
wird die Haut härter und warziger werden. Bei einem so sehr zu Formveränderungen und Farben- 
wechsel neigenden Tier, wie es der Wasserfrosch ist, hält es schwer, gute Unterformen festzu- 
stellen. Selbst das Verhältnis der Schenkel zu einander kann nicht ausschlaggebend sein, denn 
es ist klar, daß in einem größeren Wasser der ganze Bau der Tiere gestreckter wird, weil die 
Möglichkeit gegeben ist, mehr zu schwimmen und weitere Sprünge zu machen. 

Das Gegestück zu dem Seefrosch ist die forma Lessonae, für die ich den Namen Tümpel- 
frosch vorschlagen möchte, eine verweichlichte, glatthäutige, des Schwimmens und Springens ent- 
wöhnte Form, bei der deswegen die Unterschenkel verkümmern. Diese Form scheint mir aber 
nicht weniger scharf zur forma typica zu stehen, als ridibunda, obgleich es an Übergängen zu ihr 
auch nicht mangelt. Ich fand auch, daß der Tümpelfrosch weniger intelligent aussieht und es 
auch ist, als die typische Form und der Seefrosch. 

Die forma ridibunda ist bisher noch durch Fr. Borcherding für den Dümmer und das 
große Meer bei Emden, durch Tümler für die Emsmündung bei Emden, durch Leege für die 
hinter den Deichen Ostfrieslands liegenden Kolke festgestellt; wahrscheinlich wird sie sich an 
allen großen Wassern der Provinz, z. B. am Seeburger See, an den Altwässern der Aller, 
Weser und Elbe, auch wohl der Leine, an den Fischteichen der Heide usw. finden lassen, immer 
mit Übergängen zu der Stammform. In den Giesener Teichen zwischen Hannover und Hildesheim 
sah ich riesige, bis auf die schmale grüne Rückenlinie ganz braune Stücke, die ich in meiner 
„Bitte" als Seefrosch angab, nun aber nur für alte Stücke halte. 

Die forma Lessonae ist weiter noch nicht festgestellt, wird aber vielfach verbreitet sein. 

2. Der Grasfrosch, R. muta, Laur. 

Der Grasfrosch ist, nachdem er auf den Inseln eingeführt ist, über die ganze Provinz 
verbreitet, da er bis zur Brockenspitze hinaufgeht, wo W. Henneberg 1892 erwachsene Stücke 
fing. Dürre Nadelwälder meidet er natürlich , ebenso das Innere der Hochmoore. Auf Borkum 
ist er gemein, jetzt auch, nachdem die ersten Versuche mißglückten, auf Juist und Norderney. 

3. Der Moorfrosch, R. arvalis, Nilss. 

Diese kleine, der vorigen ähnliche Art ist bis jetzt für folgende Stellen festgestellt: vom 
Vorder Moor bei Osnabrück durch H. Landois; von Hammersbeck und Schönebeck im Kreise 
Blumenthal durch Fr. Borcherding; für Bergedorf im Kreise Osterholz durch Schmeltz; vom Art- 
lande durch Möllmann; vom Wietingsmoore bei Sulingen durch Förster Th. Bietz; ich fand ihn im 
Sommer J1905 am Muswillen See im Forstorte Cananohe bei Kaltenweide unweit Hannover, an 
den Försterteichen vor der Eilenriede bei Hannover, bei Wolthausen und auf dem hinter dem 
Wietzenholze bei Misburg liegenden Wiesenmoore. Meine Stücke bestimmte Dr. W. Wolterstorff. 
Nach meinen Erfahrungen kommt er nur auf Sandboden vor und meidet Kalk, Mergel, Lehm und 
deren Wiesen sowie den Wald. 

4. Die Erdkröte, Bufo vulgaris, Laur. 

Sie ist über das ganze Gebiet verbreitet, geht bis zum Brocken und lebt auch auf 
Spiekerooge, Borkum, Norderney und Juist; auf den Inseln ist sie aber künstlich ausgesetzt. 

5. Die Wechselkröte, B. viridis, Laur. 

Die Wechselkröte gehört unserem Gebiete eigentlich nicht an, sie fehlt auch in Oldenburg 
und Westfalen; in letzterem kommt sie nur an der westlichen rheinischen Grenze vor. Die Lage 
der Gegenden Hannovers, für die sie festgestellt ist, lassen vermuten, daß sie aus den Nachbar- 
gebieten eingewandert ist. Kohlrausch und Steinvorth geben sie für Moore und feuchte Heiden 
des Lünebnrgischen als häufig an ; da sie aber die dort sicher häufige Kreuzkröte mit einem 
Fragezeichen versehen, so erscheint eine Verwechslung vorzuliegen. Dem steht allerdings entgegen, 
daß Brüggemann sie für Bremen und Fr. Borcherding für Lönhorst, Eggestedt und Schönebeck 
feststellte, und daß im Lüneburger Museum drei bei Lüneburg bestimmt gefangene Stücke stehen, 
die mir vorlagen. Dr. H. Angener fand sie bei Nikolausberg bei Göttingen und sandte ein 
lebendes erwachsenes Belagstück , teilte feiner mit, daß sie auch im botanischen Garten zu 
Göttingen vorkomme, dort aber wohl ausgesetzt sei. Der sonst so genaue Leunis gibt sie für 
die Stadt Hannover selbst an, doch ist sie hier weder von mir noch meines Wissens jemals von 
einem anderen gefunden. Zu übersehen und zu überhören ist sie wegen ihrer auffallenden 
Färbung und ihrer leicht kenntlichen Stimme kaum. 



36 

6. Die Kreuzkröte, B. calamila, Laur. 

Sie ist über die ganze Provinz verbreitet und fehlt wohl nur dem Oberharze. Als Fundorte 
sind bekannt: Goslar, Grund, Osterode; Leine- und Weserbergland; Artland; Dümmer; Göttingen; 
Lüneburg; Hannover: Misburg; Lehe; Eggestedt; Schönebeck; sie kommt ferner massenhaft auf 
allen Inseln vor, deren einziger autochthone Lurch sie zu sein scheint. Zur Laichzeit bevölkert 
sie um Hannover alle Kiesgruben. 

7. Der Laubfrosch, Hyla arborea, L. 

Er hat eine weite Verbreitung, geht sogar hoch in den Harz hinauf, wo er von Barbis, 
Goslar, Clausthal und Grund festgestellt ist, fehlt natürlich den Inseln ganz. Gegenden, die nur 
schnelle Bäche und kein stehendes Wasser haben, sowie die Hochmoore und weitausgedehnte 
Sandwüsten ohne Lehminseln meidet er, und es scheint, als wenn er schweren Boden braucht. 
Er ist ferner noch bekannt von: Hannover, Misburg, Warmbüchen, dem Deister, Hameln, Lüne- 
burg, Göttingen, vom Artlande, Hude, Nienburg. Bei Celle und in dem Gebiete zwischen Aller 
und Fuhse ist er äußerst selten; es ist anzunehmen, daß die vereinzelten Stücke durch Über- 
schwemmungen dorthin gelangen. 

8. Die Knoblauchskröte, Pelobates fuscus, L. 
Dieser sehr versteckt lebende, fast nur nachts über die Erde kommende Lurch ist in der 
Ebene wahrscheinlich in fruchtbaren, bebauten Gegenden überall, ist nur meist übersehen. Ich 
fand ihn bei Hannover mehrfach; er ist festgestellt von Osterholz, Süstcdt. Hammersbeck, Eggestedt. 

9. Die Bergunke, Bombinator pachypus, Bonap. 

Dieses echte Gebirgstier ist im hannoverschen Berglande weit verbreitet. Dem Deister 
und seinen Verbergen scheint sie zu fehlen, kür das Osnabrücker Land ist sie bei Hellern und 
Hörne festgestellt, ferner für Hameln, und zwar dort für den Höllenstein, Ohsen, den Klüt, den 
Finkenborn, außerdem für Münden, Göttingen, für das Bremker Tal im Eichsfelde, Lewenhagen, 
Goslar, Hildesheim und Bodenwerder. Wahrscheinlich ist sie noch an vielen anderen Orten der 
Berge zu finden. 

10. Die Feuerkröte, B. bombinus L. 

Wie die Wechselkröte, gehört auch sie wohl der Provinz nicht an; sie fehlt auch in 
Oldenburg und Westfalen. Sie ist ein ausgesprochenes Tier der Ebene und in dem Nordostdeutschen 
weit verbreitet. Alle Fundorte für die Provinz liegen an der Grenze des Gebietes; wenn aber 
Claudius sie für Harburg, Steinvorth und Kohlrausch sie für Lüneburg angeben, so bedürfen nach 
meiner Meinung diese Angaben der Nachprüfung; dagegen ist Borcherdings Angabe für Lilienthal 
nicht anzuzweifeln. Ich selbst kenne den Ruf der Unke aus Ostdeutschland genau, vernahm ihn 
aber in zwölf Jahren nirgendswo in Hannover. Auf Juist setzte Leege sie ohne Erfolg aus. 

II. Die Geburtshelferkröte, Alytes obstetricans, Laur. 

Die Verbreitung dieses westeuropäischen Lurches in unserem Gebiete ist wohl noch nicht 
genügend erforscht; festgestellt ist er für Hameln, Lauenstein, Alfeld, Münden, Göttingen, Lauter- 
berg, Grund, und da Kruse ihn nach mündlicher Mitteilung auch bei Salzhemmendorf fand, wird 
er in den Bergen des hannoverschen Saaletales noch weiter verbreitet sein. Sein für das Ham- 
burgische von Spengel und Fischer gemeldete Vorkommen läßt vermuten, daß er dort ausgesetzt 
oder durch die Elbe eingeschleppt ist. 

12. Der Feuersalamander, Salamandra maculosa, Laur. 

Der Salamander ist an ein feuchtes Gelände mit quelligen, raschen Wasseradern gebunden; 
da er diese Bedingungen im Gebirge am ersten findet, ist er dort am verbreitetsten. Aus dem 
hannoverschen Berglande ist er bekannt vom Harze, in dem er aber die Laubholzgrenze nicht zu 
überschreiten scheint, ferner von Hameln, dem Kahnstein, Ith, Deister und Osnabrück. Bei 
Göttingen soll er vorkommen, doch fand ihn Dr. H. Angener nicht. Bei Hildesheim fand ihn Dr. 
Klugkist. In dem dürren, wasserarmen Bebertale bei Barbis vermißte ich ihn; jenseits der Oder, 
bei Zoll, Scharzfeld und Lauterberg ist er häufig. Über sein Vorkommen in der Ebene liegen 
folgende Angaben vor: für Lüneburg durch Kohlrausch und Steinvorth; bei Bremervörde durch 
Lehrer Höppner; bei Harburg; für Stade durch Seminarlehrer Alpers; aus den Stemmer Bergen 
meldet ihn mir Lehrer A. Harling; alle andern Funde in der Ebene werden sich auf entlaufene, 
ausgesetzte oder durch Überschwemmungen eingeschleppte Stücke zurückführen lassen. 



37 

13. Der Kammolch, Triton cristatus, Laur. 
In der Ebene und im Hügelland ist er weit verbreitet, scheint aber schweren Boden zu 
lieben ; in Sand- und Moorgegenden fand ich ihn nie ; auch das Marschland soll er meiden. Im Harze 
meidet er die Höhen, findet sich aber in den Vorbergen. Den Inseln fehlt er. wie alle Molche. 

14. Der Bergmolch, Tr. alpestris, Laur. 

Dieser Molch ist ganz entschieden an schweren Boden gebunden, dort aber, sowohl in den 
Bergen wie in der Ebene sehr verbreitet, wenn er auch in der Ebene nicht überall lebt. Aus der 
Ebene liegen folgende Fundorte vor: Ahltener Wald bei Misburg, Eschede und Lohe bei Celle, 
wo Dr. Klugkist ihn fand, Isenhagen, Hankensbüttel und Unterlaß. Wahrscheinlich ist er an 
passenden Orten in der Ebene noch weiter verbreitet. 

15. Der Streifenmolch, Tr. taeniatus, Schneid. 
Dieses ist die häufigste und verbreitetste Art. Er fehlt, Hochmoore, den Oberharz und 
die Inseln ausgenommen, nirgendswo im Gebiete. 

16. Der Fadenmolch, Tr. palmatus, Schneid. 

Dieser Berglurch ist, einige vereinzelte Funde abgesehen, nur aus dem Gebirge bekannt. 
Im Harze ist er sehr verbreitet und geht bis Clausthal, ist ferner bekannt von Münden, Göttingen, 
Hameln, Osnabrück, Salzhemmendorf und Ahrenfeld im Saaletaie zwischen dem Kahnstein und 
dem ( Isterwald. Lauenstein: in der Ebene ist er auf der Wesergeest bei Vegesack am rechten 
Weserufer von Borcherding an einer beschränkten Stelle und in der Haake bei Harburg gefunden; 
diese mit dem übrigen Verbreitungsgebiete in keinem Zusammenhange stehenden Fundorte sind 
wohl auf Einschleppung durch die Flüsse zurückzuführen. 



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Tafel I. 

Antependium in Goslar 




Figur 1 . Vor der Instandsetzung. 




Figur '.!. Nach der Instandsetzung. 



Tutel II. 

Flügelaltar aus Haverbeck. 




Figur 1. \ or der Instandsetzung. 




P'iffur 2. Nach der Instandsetzung. 



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Tafel IT 





Römische Sehale, 

gefunden bei Freden a. d. Leine. 
(Vgl. S. 2.) 




Tafel VI. 

Seltene Vöerel aus der Provinz Hannover. 




Figur 2 





Figur 1. 




Figur 3. 




Figur 4. 



Fi°\ 1. Rallenreiher (Ardeola ralloides Seop.) <f, von Lemtörde. Kreis Diepholz. 

Fig. 2. Trauerstelze (Motacilla lugubris Temm.) cf. von .In ist. 

Fig. 3. Zwergmöwe (Laras minutus PalL), von Juist. 

Fig. 4. Sporeiipieper (Anthus richardi Vicili.) 9, von Juist. 



Jahrbuch 



des 



PrcwnziaMHu$eum$ zu Hannover 



umfassend 



die Zeit 1. April 1905—1906. 



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Hannover. 

Druck von Willi. Riemsehneider. 
1906. 



ISTUäG 



Jahrbuch 



des 



Provinziaimuscums zu Hannover 



umfassend 



die Zeit 1. April 1905—1906. 



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Hannover. 

Druck von Wilh. Riemschneider. 
1906. 



Inhalts - Übersicht. 



Seite 

Das Provinzial - Museum von 1856 — 1906 von Dr. J. Reimers I 

Einleitung 1 

Vermehrung der Sammlungen. I. Historische Abteilung 3 

DI. Kunst- Abteilung 5 

III. Naturhistorische Abteilung 6 

Das Abendmahl von Eduard von Gebhardt 17 

Kreuzigungsgruppe aus Gestorf am Deister von Dr. J. Reimers 18 

Instandsetzung eines Antipendiums aus der Klosterkirche in Wennigsen am Deister von Dr. J. Reimers . . 18 

Die Münzensammlung von Dr. J. Reimers 19 

Vorgeschichtliche Goldfunde im Provinzial-Museum zu Hannover von Dr. P. Reinecke in Mainz 21 

Beiträge zur Landesfauna von H. Löns 26 

Saiga tatarica aus der Kirgisen-Steppe von Dr. A. Fritze 42 

Beiträge zur Biologie und Faunistik von Branchip'us grubei Dyb. und Apus productus Bosc. von Dr. A. Fritze 43 

Katalog der Säugetier-Sammlung des Provinzial-Museums zu Hannover von Dr. A. Fritze 47 




Abbildung 1. 




Abbildung 2. 



Das Provinzial- Museum von 1856- -1906. 



Fünfzig Jahre sind verflossen, seitdem das in den Jahren 1853 bis 1S56 an der Sophien- 
strasse von Conrad Wilhelm Hase erbaute Museum für Kunst und Wissenschaft am 23. Februar 
1856 eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben wurde, der Bestimmung, allen wissenschaft- 
lichen und künstlerischen Bestrebungen in der Stadt Hannover einen gemeinsamen Mittelpunkt zu 
geben (Abbildung 1). Es ist ein langer, mühsamer Weg gewesen, und viel Arbeit und Sorge hat 
es gekostet, diesen ersten Anfang an der Sophienstrasse , das Vereinsmuseum für Kunst und 
Wissenschaft, zu dem stolzen Baue des Provinzial -Museums an der Rudolf v. Bennigsenstrasse 
auszugestalten. In dem Staatshaushalte Hannovers waren zu jener Zeit, ausser den für Schul- 
zwecke aufzuwendenden Summen für Kunst und Wissenschaft, wie sie hier in Frage standen. 
1800 Taler, und ausserdem 300 Taler für das Germanische Museum in Nürnberg vorhanden; und 
die vielfachen Bemühungen, die Staatsregierung zu bewegen, ein solches Museum zu errichten 
oder auch nur eine nennenswerte Beihilfe für ein solches zu bewilligen, mussten als völlig aus- 
sichtslos aufgegeben werden. Und doch war die Notwendigkeit, ein Museum zu errichten, eine 
dringende und nicht mehr abzuweisende geworden. Die Sammlungen der wissenschaftlichen Ver- 
eine, der seit 1797 bestehenden Naturwissenschaftlichen Gesellschaft und des seit 1835 bestehenden 
Historischen Vereins für Niedersachsen, sowie diejenigen des 1848 gegründeten Vereins für die 
öffentliche Kunstsammlung, waren an verschiedenen Orten der Stadt in unzulänglichen Räumen 
untergebracht, ein Zustand, der nicht weiter so bestehen konnte. Es blieb den beteiligten Ver- 
einen nichts anderes übrig, als sich selbst zu helfen, da andere Hilfe nicht in Aussicht stand. 
Und es muss den Vereinen als ein dauerndes Verdienst angerechnet werden, dass sie mit Unter- 
stützung des Wohlwollens und der Munifizenz des Königs es zustande brachten, ein Grundstück 
zu erwerben und die Mittel zu einem Neubau zusammen zu bringen. Der König bewilligte jährlich 
1000 Taler aus der Privatschatulle und die Stadt Hannover spendete jährlich 100 Taler. In dem 
•ursprünglichen Gebäude waren untergebracht im Erdgeschoss der Künstlerverein, der Architekten- 
und Ingenieur -Verein und die neue Singakademie. Das erste Geschoss war für den Verein für 
die öffentliche Kunstsammlung und die jährlichen Ausstellungen des Hannoverschen Kunst-Vereins 
bestimmt, im zweiten Geschosse wurden die naturhistorischen Sammlungen untergebracht. An der 
Spitze der Verwaltung stand ein Komitee. War nun auch das erste grosse Ziel erreicht, so 
machte sich doch bald der Mangel an Mitteln zur Weiterentwickelung der Sammlungen in 
drückendster Weise bemerkbar, besonders da die Ständeversammlung sich nach wie vor ablehnend 
verhielt, auch dann noch, als ihr in einer Denkschrift nachgewiesen wurde, wieviel mehr in den 
übrigen deutschen Staaten, als in Hannover, für Kunst und Wissenschaft aufgewendet werde. 
Und als die Vereine sich in ihrer Not an den König wandten, gab letzterer am 11. März 1866 
das Versprechen, dass in Zukunft mehr für Kunst und Wissenschaft geschehen solle. Die Ereig- 
nisse von 1866 brachten die Weiterentwickelung noch mehr ins Stocken. 

Nachdem nun 1867 die Vereine sich an das preussische General- Gouvernement, De- 
partement des Kultus, sowie an den Oberpräsidenten um Hilfe gewandt und sich überzeugt hatten, 
dass auch jetzt staatliche Geldmittel zur freien Verfügung der Vereine nicht zu erhoffen waren, 



da entstand der Plan, die Sammlungen der Vereine zu einem Provinzial-Museum zu vereinigen, 
welchem Plane die Staatsregierung wohlwollend gegenüberstand, und welcher dann L870 ver- 
wirklicht wurde. Nach langem Ringen und Kämpfen, unmittelbar vor ihrer Auflösung stehend, 
war es den Vereinen gelungen, eine dauernde Zuwendung aus öffentlichen Mitteln, aus dem Pro- 
vinzialfonds, zu erhalten. Damit war das Museum, wenn auch zunächst auf bescheidene, aber 
doch sichere Grundlage gestellt, und den Vereinen war dadurch, dass ihnen die Sorge um die 
Mittel zur Verwaltung der Sammlungen abgenommen war, eine freiere Entfaltung ermöglicht. Das 
Komitee des Museums für Kunst und Wissenschaft bestand nach wie vor; ihm beigeordnet war 
ein Mitglied des Landesdirektoriums, daneben bestand ein Verwaltungsausschuss, welcher unter 
Aufsicht des Landesdirektoriums das neu errichtete Provinzial-Museum verwaltete. Zwei Ver- 
waltungen in einem Hause mit vielfach ineinandergreifenden Rechten und Befugnissen konnten 
auf die Dauer nicht bestehen. Und so gelangte das Museum an die dritte bedeutungsvolle Ent- 
wickelungsperiode : das Museumsgebäunde und -Grundstück mit den Aktienschulden ging 1886 in 
den Besitz der Provinz über und das Komitee des Museums für Kunst und Wissenschaft wurde 
aufgelöst. Die Sammlungen blieben Eigentum der drei Vereine und die übrigen Vereine blieben 
als Mieter im Hause. Im Laufe der Jahre hatten sich durch die regelmässigen Zuschüsse der 
Provinz die Sammlungen so vermehrt, das mehrmals ein Erweiterungsbau nötig wurde. Die 
Sammlungen dominierten nun im Hause, bis sie schliesslich sich so ausgewachsen hatten, dass die 
Anstellung eines Bernfs-Museumsbeamten geboten erschien. 

1890 wurde der jetzige Direktor Dr. Reimers an die Spitze des Museums berufen und 
damit die Periode planmässiger Museumsarbeit eingeleitet. Die historischen und Kunstsammlungen 
wurden nun von diesem, die naturhistorischen Sammlungen nach wie vor von der naturhistorischen 
Gesellschaft bearbeitet. Durch die Munifizenz Sr. Königlichen Hoheit des Herzogs von Cumberland 
wurde dann 1894 das Museum bedeutend erweitert, indem der Herzog die Sammlungen der Fiüei- 
kommiss-Galerie des Gesamthauses Braunschweig und Lüneburg, sowie die Sammlungen des Welfen- 
Mnseums in die Verwaltung des Provinzial-Museums gab und einen namhaften jährlichen Zuschuss 
zu den Verwaltungskosten gewährte. Diese ausserordentliche Vermehrung der Sammlungen legte 
nun den Gedanken nahe, dass die Mitarbeit der Vereine nicht mehr ausreichend sei und mehr 
Berufsbeamte herangezogen werden müssten. Für die Kunst- und historischen Sammlungen war 
schon bald nach Anstellung des Direktors der Direktorial-Assistent Kunde berufen, weil nach Neu- 
ordnung der Dinge eine Mitarbeit des Historischen Vereins nicht mehr notwendig war. Nach wie 
vor aber widmete die Naturhistorische Gesellschaft ihre Zeit und Arbeitskraft den naturhistorischen 
Sammlungen, weil ein naturwissenschaftlich gebildeter Berufsbeamter noch nicht angestellt werden 
konnte. Mit dem Wachsen der Sammlungen wurde das alte Haus, trotz mehrfacher Anbauten, zu 
klein. Es ging 1901 durch Kauf in den Besitz der Stadt Hannover über, und die Provinz erbaute, 
an der Rudolf v. Bennigsenstrasso nach den Plänen von Hubert Stier das neue Provinzial-Museum 
mit einem Kostenaufwande von nahezu 2 1 ' 1 Millionen Mark. (Abbildung 2.) Ebenso wurden die 
Mittel für Anschaffungen von der l'rovmzial-Verwaltung so erheblich erhöht, dass das Museum in 
der Lage war, auf nur wirklich wertvolle Sachen sein Augenmerk richten zu können. Nun Hess 
sich auch die Anstellung eines Berufsbeamten zur Bearbeitung der naturhistorischen Sammlungen 
nicht mehr umgehen, und es wurde als Direktorial-Assistent Dr. phil. Fritze berufen. Schon im 
Jahre 1903 hatte der Historische Verein für Niedersachsen seine Sammlungen und seine Rechte 
an der Verwaltung des Provinzial-Museums der Provinz überlassen, und nun am Ende des fünfzig- 
jährigen Bestehens des Museums hat auch die Naturhistorische Gesellschaft auf ihre Sammlungen 
und auf ihre Rechte an der Museumsverwaltung zugunsten der Provinz verzichtet. Beiden Vereinen 
ist für diesen Verzicht eine entsprechende Geldentschädigung geworden, durch welche sie in den 
Stand gesetzt sind, ihre wissenschaftliche Vereinstätigkeit intensiver zu gestalten. 

Damit ist das Provinzial-Museum einen grossen Schritt vorwärts gekommen, durch den nun 
eine einheitliche Verwaltung ermöglicht ist. Und so sehen wir die Entwickelung unseres Museums 



in 

aus kleinen Anfängen mit kaum zu besiegenden Schwierigkeiten kämpfen, von der Arbeitskraft 
und dem Opfermut der Vereine getragen, bis die Last auf stärkere Schultern gelegt werden konnte, 
emporwachsen zu dem mächtigen Baue an der Rudolf v. Bennigsenstrasse. Und so sei am Ende 
dieses halben Jahrhunderts den Vereinen, welche das Museum gegründet, und allen denen, welche 
in den schweren Jahren fördernd geholfen haben, und nicht minder der Provinzial-Verwaltung, 
welche erst das freie Emporwachsen ermöglichte, wärmster Dank dargebracht. Wir erhoffen von 
der Zukunft, dass treues Zusammenarbeiten des Provinzial-Museums mit den Vereinen auf dem- 
selben idealen Gebiete, auch ohne das äusserliche Band gemeinsamer Verwaltung immer mehr 
fruchtreich sich gestalten möge. Ein langer mühevoller Weg ist zurückgelegt von den Anfängen 
bis auf den heutigen Tag. Die Zeit ist eine andere geworden. Was man in jenen Zeiten kaum 
zu hoffen wagte, die Herrlichkeit des Deutschen Reiches ist erstanden und hat auf alles, auch auf 
Kunst und Wissenschaft befruchtend gewirkt. Was damals vergeblich von den öffentlichen Gewalten 
erbeten wurde, mehr zu tun für Kunst und Wissenschaft, das ist gewährt, in der Erkenntnis, dass 
nicht allein die gesicherte Existenz das Wohl der Menschen bedingt, sondern dass auch Mittel 
vorhanden sein müssen, um geistiges Gut zu erringen, damit in fruchtbarer Wechselwirkung von 
materieller Wohlfahrt und geistiger Errungenschaft die Ziele dem Auge sichtbarer werden, zu denen 
Bildung des Herzens und wahre Gesittung die Wege bereiten. Still und geräuschlos ist das 
Wirken und Walten in diesen Tempeln der Kunst und Wissenschaft. Als solcher hat das Provinzial- 
Museum in unserer Heimat mit in erster Reihe gestanden und hat fruchtbare Bildungselemente 
vermittelt im Dienste zur Erziehung des Menschengeschlechtes. 

Reimers. 



iJie Entwicklung unseres Museums hat im vergangenen Geschäftsjahre besonders dadurch 
eine wesentliche Förderung erfahren, dass ein Abkommen mit der naturhistorischen Gesellschaft 
dahin getroffen werden konnte, nach welchem die der Gesellschaft gehörenden Sammlungen in 
das Eigentum der Provinz übergegangen sind und die naturhistorische Gesellschaft auf alle ihr 
bis dahin zustehenden Rechte an der Verwaltung des Museums gegen eine angemessene Entschä- 
digung verzichtet. Nachdem schon im Jahre 1903 ein gleiches Abkommen mit dem historischen 
Verein für Niedersachsen getroffen wurde, ist nun das Provinzial-Museum aus dem Rahmen eines 
Vereins-Museums herausgetreten und hat damit die Selbständigkeit erlangt, welche für eine gesunde 
Weiterentwicklung notwendig ist. Es darf mit Zuversicht angenommen werden, dass die guten 
Beziehungen der Museumsverwaltung zur naturhistorischen Gesellschaft in Zukunft nicht nur keine 
Minderung erfahren, sondern bessere und erspriesslichere werden als zuvor. 

Um den verstorbenen Hofmaler Friedrich Kaulbach zu ehren, wurde in der Bildergalerie 
ein Kaulbachsaal eingerichtet. Se. Königliche Hoheit der Herzog v. Cumberland hat hierfür das 
bis dahin in Herrenhausen aufgestellte grosse Bild der Hannoverschen Königsfamilie Georgs V. über- 
wiesen. Hie Stadt Hannover bereicherte den Saal durch das grosse Bild „Julia Capulettis Hochzeits- 
morgen" und verschiedene andere ihr gehörende Werke des Meisters. Frau Friedrich Kaulbach 
überliess für den Saal mehrere Porträts und Skizzen. Alles das im Verein mit den im Provinzial- 
Museum schon vorhandenen Werken gibt ein gutes Bild von dem Schaffen des hervorragenden 
Künstlers. 

Die Arbeiten an den Sammlungen sind nach Massgabe der vorhandenen Arbeitskräfte auch 
in diesem Geschäftsjahre rege gefördert worden. Grosse noch nicht katalogisierte und zum Teil 
ungenügend bestimmte Bestände erfordern einen grossen Aufwand an Zeit, Arbeiten, welche jedoch 
notwendig sind, um eine sichere Grundlage für zutreffende Führer zu gewinnen. Damit ist not- 
wendig eine Sichtung des Materials verbunden, um minderwertiges Material, welches sich zur 
Aufstellung nicht eignet und im Führer nicht aufgenommen werden kann, auszuscheiden und der 
Depotsammlung zu überweisen. Hiermit engverbunden muss die Lösung der Raumfrage erscheinen. 
Bedeutsame Bestände aller Sammlungen haben nicht zur Aufstellung gelangen können, da es an Raum 
gebricht. Der immer fühlbarer werdende Raummangel und die damit verbundene Magazinierung 
wertvoller Ausstellungsstücke beeinträchtigt nicht nur die Fertigstellung zutreffender Führer, sondern 
erschwert auch den Ausbau der Sammlungen, da nicht nur die Ausstellungsräume, sondern auch 
die Depots unter diesem Raummangel leiden. Die Erwerbungen, welche sonst in zahlreichen Gegen- 
ständen zu bestehen pflegen, wie diejenigen für die ethnographische, prähistorische und natur- 
historische Sammlung haben allein dieserhalb eine wesentliche Einschränkung erfahren müssen. 
Wie in den Vorjahren haben systematische Grabungen stattgefunden, welche den Bestand der vor- 
und frühgeschichtlichen Sammlungen wesentlich ergänzt haben. Diese Grabungen können jedoch 
nur in geringem Umfange ausgeführt werden, weil die reichen Ergebnisse sonst nicht unterzubringen 
sind. Die Art der Aufstellung aller Sammlungen kann nicht in der Weise durchgeführt werden, 
wie sie für die Nutzbarmachung der Sammlungen erforderlich ist. Wertvolle Stücke der kunst- 
geschichtlichen Sammlungen, wie grosse Altarbilder haben eine durchaus unzureichende Beleuchtung; 
der weitere Ausbau der biologischen Gruppen der naturhistorischen Sammlung ist nicht mehr 
möglich, weil kein genügender Raum vorhanden ist und die überaus wertvolle vor- und frühgeschicht- 
liche Sammlung hat von vorne herein Bäume mit durchaus unzulänglicher Beleuchtung erhalten 
müssen. Die Frage nach weiterer Raumbeschaffung ist brennend geworden und kann deren Lösung 
ohne ernste Schädigung des Museums nicht mehr zurückgestellt werden und wird eine befriedigende 
Lösung nur dadurch gefunden werden können, dass für die naturhistorischen Sammlungen ein 
eigenes Haus erbaut wird und nur die kunsthistorischen Sammlungen im jetzigen Hause belassen 
werden. Wie in den Vorjahren, so hat auch in diesem Geschäftsjahre Herr Medizinalrat Brandes 
die botanische und Herr Rentner Andree die mineralogische Sammlung bearbeitet, wofür den Herren 
wärmster Dank gebührt. In den Werkstätten unseres Museums hat regster Betrieb geherrscht. 

1 



Die sachgemässe Instandsetzung von Bildern, Altartafeln und Skulpturen, die Herrichtung 
von biologischen Gruppen, Präparierung und Ausstopfen von Tieren haben einen kaum noch zu 
bewältigenden Umfang angenommen. 

Der Bilderpflege wird nach wie vor die grösste Aufmerksamkeit gewidmet. Anlässlich des 
Berichtes über das Reissen der Bilder im Jahrbuch 1904—05 wurden vom Provinzial-Ausschuss 
weitere Gutachten über das Reissen der Bilder eingefordert vom Direktor der Königlichen Gemälde- 
Galerie, Herrn Geheimen Regierungsrat Eisenmann in Gassei und dem Restaurator an den König!. 
Museen in Berlin, Herrn Professor Hauser. Beide Herren stellten sich auf den Boden der Aus- 
führung des Aufsatzes im Jahrbuch 1905. dass man Temperatur und Feuchtigkeits-Grad für das 
Reissen der Bilder nicht, sondern nur die schlechte Maltechnik verantwortlich machen könne. — 
Tägliche Beobachtungen der Hygrometer haben bislang immer noch einen Überschuss an Feuchtigkeit 
in den Räumen unseres Museums, auch in den Wintermonaten beim Betrieb der Zentralheizung 
ergeben. 

Um auch die Beziehungen unseres Museums nach Aussen zu pflegen, hat der Direktor 
Dr. Reimers und Herr Direktorial-Assistent Hunde an den Verhandlungen des Denkmaltages in 
Bamberg und Herr Direktorial-Assistent Dr. Fritze an der Tagung deutscher Naturforscher und 
Arzte in Meran teilgenommen. Seit dem Erscheinen des Jahrbuches ist der Schriften-Austausch 
mit den wissenschaftlichen Instituten des In- und Auslandes in stetem Zunehmen begriffen. 

Das Ausstellungswesen hat in der Neuzeit einen derartigen Umfang angenommen, dass es 
allmählich zu einer Plage für die einzelnen Museen geworden ist, deren Kunstgegenstände in den 
letzten Jahren sich mehr auf auswärtigen Ausstellungen, als in den Museen befanden. Unsere 
Galerie hat sich auch an der Beschickung der Jahrhundert-Ausstellung und der retrospektiven 
Ausstellung der grossen Kunstausstellung in Berlin beteiligt, wird aber in Zukunft solche Aus- 
stellungen nicht mehr beschicken. Denn nicht nur muss es als ein schwerwiegender Übelstand 
empfunden werden, dass jahraus jahrein ein Teil der besten Bilder nicht in der Galerie, sondern 
auswärts sich befindet, sondern auch der häufige Bahntransport wirkt so schädigend auf die 
Bilder, dass von weiteren Verschickungen abgesehen werden muss. 

Die alten Bestimmungen über den Besuch wie Benutzung der Sammlungen ist der Revision 
dringend bedürftig. Insbesondere hat sich ein arger Missbrauch allmählich herausgestellt beim 
Kopieren der Bilder. Die Erlaubnis zum Kopieren wird solchen Personen erteilt, welche ein 
genügendes Können nachweisen können, jedoch enthält die Kopierordnung die ausdrückliche 
Bestimmung, dass Bilder nur zu Studienzwecken kopiert werden dürfen. Nichtsdestoweniger waren 
um die Weihnachtszeit in verschiedenen Kunstläden der Stadt Bilder zum Verkauf ausgestellt, 
welche nach Originalen in unserem Museum kopiert worden waren. Es wird deshalb auch die 
Kopierordnung einer strengeren Fassung bedürfen. 

Wie in den Vorjahren haben auch in diesem Geschäftsjahre an Sonntag-Vormittagen, vor 
dem Beginne der öffentlichen Besuchszeit. Führungen durch die Sammlungen stattgefunden. Diese 
Führungen können nur nutzbringend sein, wenn die Anzahl der Teilnehmer eine beschränkte ist 
und die Erläuterungen dem Verständnis der Teilnehmer angepasst werden. Die nach diesen 
Gesichtspunkten ausgeführten Führungen werden auch im neuen Geschäftsjahre eine weitere Nutz- 
barmachung der Sammlungen gewährleisten. Der Resuch der Sammlungen hat wesentlich gegen 
das Vorjahr zugenommen. 

An der von der Deutschen anthropologischen Gesellschaft unternommenen Herstellung 
prähistorischer Typenkarten hat sich das Provinzial- Museum auch im veiflossenen Jahre als 
Mitarbeiter beteiligt. Es wurden zu diesem Zwecke die kleineren Museen und PrGatsammlungen 
der Provinz Hannover durchgesehen und das daselbst vorhandene Fundmaterial der Deutschen 
anthropologischen Gesellschaft zur weiteren Bearbeitung für das begonnene Kartenwerk eingesandt. 
Die Karten, welche durch Eintragung der Fundorte bestimmter typischer Gegenstände in vorzüg- 
licher Weise das Verbreitungsgebiet derselben in Mitteleuropa angeben, werden für eine zuverlässige 
und objektive Bearbeitung der Vorgeschichte in Zukunft von grossem Nutzen sein. Bisher wurde 
das Verbreitungsgebiet der radförmigen, Ruder- und Scheibennadeln, der Flach-, Rand-, Absatz- und 
Lappenäxte, sowie einer Anzahl typischer Gewandnadeln bearbeitet. Eine den Karten beigegebene 
Legende giebt über die einzelnen Fundgegenstände nähere Auskunft. 

Alle übrigen Geschehnisse sind unter den einzelnen Abteilungen aufgeführt. 

Hannover, im Juni 1906. _ _. . n 

Der Direktor. 

Dr. Reimers. 



Vermehrung der Sammlungen. 



Die Sammlungen des Provinzial- Museums haben im verflossenen Jahre folgende 

Zugänge zu verzeichnen: 



I. Historisehe Abteilung. 



1. Vor- und frühgeschichtliche Sammlung. 

A. Geschenke. 

Durchbohrter Steinhammer von grauem Granit, sehr sorgfältig geschliffen, gefunden beim 
Ackern bei Degersen, Landkreis Linden. 

Lanzenspitze von hellgrauem Feuerstein, gefunden bei Starkshorn, Landkreis Celle. 

Desgl. von gelblichem Feuerstein, gefunden bei Wiedensahl. Kreis Stolzenau. 

Beil von rotbraunem geflecktem Feuerstein, gefunden bei Carmitz, Kreis Lüchow. 
(Geschenke des Herrn Schriftsteller Löns in Hannover.) 

Steinkern (Nucleus) von Feuerstein mit einer breiten Schliffläche, gefunden bei Isenbüttel, 
Kreis Gifhorn, Geschenk des Herrn Ingenieur A. Hoffmann in Hannover. 

Durchbohrter Steinhammer von grauem (iranit, roh behauen, mit Schleifspuren, gefunden 
in einer Kiesgrube bei Schlüsselburg (Prov. Westfalen). Geschenk des Herrn Fabrikdirektor Dr. Kraus- 
haar in Hannover. 

Bruchstücke von 2 eisenzeitlichen Tongefässen, gefunden beim Sandabfahren am Schützen- 
hause in Winsen a. L. Geschenk des Herrn Bürgermeister v. Somnitz daselbst. 

B. Ankäufe. 

Becherförmiges neolithiseh.es Tongefäss von hellgrauem, teilweise durch Brand geschwärzten 
Ton mit schnurförmigen Tiefstichverzierungen, gefunden bei Winsen a. L. 

Eine Randaxt, eine Lappenaxt, sowie 2 Absatzäxte aus Bronze, gefunden in der 
Gegend von Göttingen, sowie eine Randaxt, gefunden bei Verden. 

.Mehrere Bronzenadeln, ge unden bei Schüttorf, Kreis Beritheim. 

Ferner Ergebnisse der bereits in den Vorjahren begonnenen Ausgrabung eines Urnenfeldes 
der jüngeren Eisenzeit bei Nienbüttel, Kreis Uelzen, Urnen und Beigaben im ganzen 40 Nummern. 

Im Austausch erhielt das Museum vom Friesischen Museum in Leeuwarden eine interessante 
Kollektion Hügelfunde aus sogenannten Terpen in Holland, bestehend in Tongefässen, Netzbeschwerern 
aus Ton, Schlittschuhen. Kämmen, Spinnwirteln, Nadeln von Knochen. Hirschhornartetikten, sowie 
einem löffelartigen Gerät aus Ton. 

2. Geschichtliche Sammlung. 

Ankäufe. 
Crucifixns von Holz mit Bemalung angeblich aus einer oldenburgischen Kirche, Anfang 

18. Jahrhundert. 

Vier weibliche Figuren von Holz, aus der Gegend von Gütersloh in Westfalen stammend, 

19. Jahrhundert. 

Maria mit dem Kinde, Holzfigur. 15. Jahrhundert. 

l* 



CrucifixUS, Maria und Johannes, Holzfiguren mit Bemalung aus der Kirche in Gestorf, 
Kreis Springe. 15. Jahrhundert. (Vgl. Tafel II). 

Holzfignr. Frühgotisch. 

Reisealtar (Triptychon) von Holz mit reicher Schnitzerei in Hochrelief. In der Mitte 
die Kreuzigung, darunter der Tod der Maria, auf den Seitenflügeln links die Verkündigung sowie 
der Besuch der heiligen Elisabeth, rechts die Geburt und Darstellung im Tempel, um 1500. 



3. Ethnographische Sammlung - . 

Geschenke. 

Von dem Kaiserl. Gouvernementssekretär Herrn Cohrs in Dar-es-Salaam erhielt das Museum 
wiederum eine wertvolle Kollektion ethnographischer Gegenstände aus Deutsch-Ostafrika und den 
angrenzenden Gebieten und zwar: 2 hölzerne Schilde mit farbiger Bemalung der Aussenseite 
und 2 kugelförmige Armringe von Holz mit Messingbeschlägen. Fha. 

Sichelförmiges Messer von Eisen mit Holzstiel ( Bananenmesser), sowie ein Dolchmesser 
mit Holzgriff in Lederscheide, ferner ein aus Holz geschnitzter Köcher mit reicher Bemalung und 
24 dazugehörige Pfeile mit Eisenspitzen. Urnndi. 

Ferner ein kleines flaschenförmiges Gefäss von Holz mit Messingverzierung. Behälter für 
Schnupftabak. Kyassa. 

Zwei roh geschnitzte Holzfiguren (Fetische) vom unteren Congo, sowie ein ausser- 
ordentlich schwerer Armring von Elfenbein, angeblich aus dem Besitze eines Sultans aus der 
Gegend zwischen Tabora und Muansa stammend. Unjamwesi. 

Von Herrn Grafen Bernhard v. Crayenberg in Hannover wurden dem Museum geschenkt 
eine Anzahl grosser, mit schwarzbrauner Bemalung versehener, aus Tapa gefertigter Fussteppiche. 

Samoa-Inselu. 

Von Herrn Schriftsteller Löns in Hannover eine Kirgisenpeitsehe (Kantschu). 

Von Herrn L. Hoffmann in Soerabaya zwei aus Holz geschnitzte Figuren mit beweglichen 
Gliedern, zum Puppenspiel benutzt. Java. 

Von Herrn Kapitän Hinsch in Bremerhaven verschiedene aus Bast gefertigte Kleidungs- 
stücke. Fidschi-Inseln. 

Von Herrn Kaufmann Rautenberg in Hannover ein eiserner reich verzierter Dolch, sowie 
ein aus Bast geflochtener Hut aus Lagos (Sklavenküste). 

Von Frau Dr. Hintze in Oelheim eine chinesische Silherfiligranarheit einen Miniatur- 
tempel mit figürlicher Staffage darstellend. 

Von Herrn v. Werlhof in Hannover ein Steighügel aus Chile, endlich von Herrn (Jeneral- 
arzt Dr. Wilckens in Hannover eine umfangreiche Sammlung von Waffen und Ausrüstungs- 
gegenständen aus der Südsee. 

4. Münzsammlung. 

Ankauf. 
Münzenfund von Sarstedt. 547:> Stück Silbermünzen des 14. und 15. Jahrhunderts, 
nebst zwei Silberbarren mit Hannoverschen und Hildesheimer Stempeln, gefunden im Juli 1!)05 in 
einem zertrümmerten Tongefässe auf dem Grundstück des Mühlenbesitzers Malzfeldt in Sarstedt. 



5. Handbibliothek der historischen und Kunstabteilung. 

Die Handbibliothek wurde durch eine grössere Zahl Neuanschaffungen bereichert. 

Im Schriften-Austausch mit wissenschaftlichen Instituten gingen folgende Drucksachen ein : 

Altena. Museum. „Mitteilungen aus dem Altonaer Museum. Jahrg. 1IM)4 Heft 1." 

Danzig. Westpreussisches Provinzial-Museum. XXVI. Amtlicher Bericht des Westpr. Prov. -Museums für das 

Jahr 1905. 
Dresden. Kgl. Gemälde-Galerie. Katalog der Galerie. 6. Aufl. 1905. 

Bericht über die Verwaltung und Vermehrung der Königl. Sammlungen für Kunst und Wissenschaft 

währen, 1 der Jahre 1902 und 1903. 
landen. Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer. Jahrbuch. 15. Band Heft 2. 1905. 



Flensburg. Kunstgewerbe -Museum. „Verwaltungs - Bericht des Kunstgewerbe -Museums der Stadt Flensburg 

1901—1905." 
— „Die Vin-lande" Flensburg 1905. 

Hamburg. Museum für Kunst und Gewerbe. „Bericht des Museums für das Jahr 19U8." 
Hannover. Histor. Verein für Niedersachsen. „Atlas vorge chichtlicher Befestigungen in Niedersachsen Heft 8. 1905." 

Handels- und Industrie-Museum. „Verzeichnis der im Museum vorhandenen Ausstellungsgegenstände 

1906." 
Kiel. Museum vaterländischer Altertümer. „43. Bericht 1904." 

„Mitteilungen des Anthropologischen Vereins in Schleswig-Holstein 17. Heft 1905". 
Leiden. Ryks Ethnographisch Museum. „Jahresbericht 19U4/5." 

Mainz. Römisch-Germanisches Central-Museum. „Jahresbericht 1903/4." 

New-York. The Metropolitan Museum of Art. „Catalogue of European Arms and Armor. 1905." 
Nürnberg. Bayrisches Gewerbe-Museum. „Bericht für «las Jahr 19U4." 

Plymoutli. Municipal-Museum. „Sixth annuel report of the Plymouth Municipal-Müseum and Art Gallery 1905." 
Stockholm. Konigl. Vitterhets, Historie och Antikvitets Akademien. „Manadsblad 1894 — 1902. — Almgreen, Kung 

Björns Hög. — Fornvännen, Meddelanden. Heft I. 1906." 
Troppau. Kaiser Franz Josef-Museum. Jahresbericht für die Jahre 1 i»' »4 und 1905. 
Washington. Smithsonian Institution. „Annuel Report of the U. S. National-Museum 1904." 



II. Kunstabteilung. 



Die Gemälde-Galerie hat im verflossenen Jahre folgende Zugänge zu verzeichnen : 

A. Geschenke. 
Friedrich Kaulbach. Grosse Oelskizze: „Die Krönung Karls des Grossen", ausgeführt 
im Maximilianeuni in München. Geschenk der Witwe des Künstlers an das Provinzial-Museum. 

B. Ankäufe. 
Eduard v. Gebhardt. „Das heilige Abendmahl" (vgl. Tafel I). 

Das arg zerstörte Bild von Franz Sturtzkopf „Saal im Bückeburger Schlosse" wurde 
vom Künstler durch ein anderes Bild „ Diele eines Lüneburger Patrizierhauses" ersetzt. 

Vom Verein für die öffentl. Kunstsammlung wurde erworben und im Museum aufgestellt: 
E. de Dieudonue „Marokkanischer Tanz." 

Der Kaulbachsaal. 

In dem zum ehrenden Gedächtnis des hannoverschen Künstlers Prof. Friedrich Kaulbach 
(geb. S. Juli 1822 zu Arolsen, f 5. September 1903 zu Hannover) eingerichteten Kaulbach-Saal 
wurde eine Reihe hervorragender Werke des Künstlers zur Ausstellung gebracht und zwar: 

1. Das grosse Familienbild, bis dahin in der Portrait- Galerie zu Herrenhausen, „Die 
hannoversche Königsfamilie Georgs V" gemalt im Jahre 1858. Eigentum Sr. Kgl. Hoheit 
des Herzogs von Cumberland. 

2. „Julia Capulettis Hochzeitsmorgen" Kolossalgemälde, sowie 17 Studien und Skizzen zu 
obigem Gemälde, ferner ein Selbstportrait des Künstlers. Eigentum der Stadt Hannover. 

3. „Die Gattin des Künstlers mit Kindern" und 2 Bilder „Kinder des Künstlers" sowie 
„Bildnis der Gräfin Eis." Eigentum der Frau Friedrich Kaulbach. 

4. „Bildnis des Bildhauers Gasser." Eigentum des Vereins für die öffentl. Kunstsammlung. 

5. „Bildnis der Bildhauerin Ney." Eigentum des Provinzial-Museums. 

H. Runde 

Direktorial - Assistent. 



III. Naturhistorische Abteilung. 

Das Ihm weitem wichtigste Ereignis des verflossenen Jahres für die Naturhistorische Abteilung 
war das an anderer Stelle bereits erwähnte Abkommen mit der Naturhistorischen Gesellschaft 
durch welches diese auf ihre Eigentums- und alle sonstigen Hechte an den im Provinzial- Museum 
befindlichen Sammlungen verzichtete. 

Die Vermehrung der. Sammlungen zeigte im Vergleich mit dem Vorjahre ein erfreuliches 
Bild, soweit bei dem herrschenden Raummangel davon die Rede sein kann. 

Da eine Vermehrung der Arbeitskräfte in diesem Jahre leider nicht stattfinden konnte, so 
weicht auch die Zahl der neu aufgestellten Gegenstände von der des Vorjahres nicht wesentlich 
ab. In der Abteilung der Säugetiere, von der ein neuer Katalog angefeitigt wurde, tiui Auszug 
mitgeteilt Seite 17 dieses Jahrbuchs), gelangten 38 ausgestopfte Exemplare, darunter eine Anzahl 
grosserer Stücke, Z. B. die Seite 42 beschriebene, auf Tafel VII. abgebildete Saiga-Druppe, ferner 
36 Skelette, Skeletteile und Gehörne neu zur Aufstellung. Von Vögeln wurden 104 Stück neu 
aufgestellt, darunter mehrere biologische Druppen; auf Naturäste umgesetzt wurden 42 Exemplare. 
Die Umordnung der Reptilien, Amphibien und fische musste noch hinausgeschoben werden; dagegen 
wurde die gründliche l'mordming und Neuaufstellung der Sammlung einheimischer Mollusken begonnen 
und grösstenteils durchgeführt. In der Insektensammlung machte die Ordnung der systematischen, 
dem Publikum nicht zugänglichen Sammlung gute Fortschritte. Der Zustand der paläontologischen 
Sammlung ist nie' t wesentlich geändert, ihr werden die durch die Verzichtleistung der Natur- 
historischen Gesellschaft geschaffenen neuen Verhältnisse voraussichtlich zu allererst zugute kommen. 
Mit dem weiteren Ausbau der mineralogischen Sammlung wurde in der bisher üblichen Weise 
fortgefahren. — 

Die sehr starke Vermehrung der Bibliothek, 203 Nummern, ist besonders einem zufälligen 
günstigen Umstand zuzuschreiben. Herr Schriftsteller II. Löns, hier, ist seit längerer Zeit mit der 
Abfassung einer grösseren \rbeit über die Wirbeltiere der Provinz Hannover beschäftigt und 
hat alle die ihm aus diesem Anlass zugehenden Bücher, Broschüren usw. in dankenswertester 
Weise der Museums -Bibliothek übergeben. — 

In der ersten Hallte des Juni unternahm Präparator Schwerdtfeger im Auftrage des 
Museums eine zweiwöchentliche Reise nach Borkum zum Studium der Lebensbedingungen der See- 
vögel auf den ostfriesischen Inseln. Die bei dieser Gelegenheii erworbenen Erfahrungen werden 
den Sammlungen erst dann voll und ganz zugute kommen, wenn es nach Beseitigung des sich 
immer drückender bemerkbar machenden Platzmangels möglich sein wird, in einer grossen, eine 
Düne mit vorliegendem Strande darstellenden Gruppe dem Publikum ein umfassendes Bild vom 
Tierleben an unseren Küsten zu geben. — 

Von auswärtigen Museen besichtigte Direktorial-Assistent Dr. Fritze gelegentlich einer Heise 
zur Teilnahme an der Versammlung deutscher Naturforscher und Arzte in Meran das Tiroler Landes- 
Museum Ferdinandeum in Innsbruck und die Naturwissenschaftlichen Sammlungen des Staates 
in München. — 

für die Sammlungen der naturhistorischen Abteilung sind folgende Zugänge zu 
verzeichnen : 

i Die bereits zur Aufstellung gelangten Objekte sind mit einem * bezeichnet). 

1. Zoologische Sammlungen. 

Säugetiere. 

A. Geschenke. 
1 gelbgraues Kaninchen (Lepus cuniculus I.. ab. flavo-grisea) von Harpstedt; lieber: Herr 
Oberförster Aschott' in Harpstedt. — 

t Zwergfledermaus (Vesperugo pipistrellus Schreb.) von Gross-Oldendorf, 

1 Gemeine Fledermaus (Vespertilio mnrinus Schreb.) aus der Raubhöhle am Kahnstein. 

1 Hausspitzmaus Crocidura russulus Herrn.) von Ahrenfeld, 

1 Waldmaus (Mus silvaticus L.) von Ahrenfeld: lieber: Herr Deiner Dock in Ahrenfeld. - 

2 Rotschwanz-Eichhörnchen iNerus palliatus Ptrs.) von Dar-es-Salaam, 



1 (iehörn der Elen-Antilope (Oreas canna Desm. 5) aus Deutsch-Ostafrika ; < lelier : 
Herr Gouvernements-Sekretär Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

*1 Schädel einer Ricke (Capreolus caprea Cray $) mit Rosenstöcken von Alfeld; Geber: 
Herr Wildhändler Ernst in Hannover. — 

1 junger Fuchs (Vulpes alopex L.) von Bennemühlen ; (jeher: Herr Fabrikdirektor Fricke 
in Hannover. — 

1 Reh (Capreolus caprea Gray) mit 5 Beinen von Stockum; lieber: Herr Dr. Funke 
in Hoya. — 

*1 Hermelin (Putorius [Ictis] ermineus L.) im Übergangskleid vom Deister; Geber: Herr 
Tischlermeister Hasenjäger in P>redenbeck a. D. — 

*2 Hirschgeweihe (Elaphus [Rusa] spec.) aus Asien, 

*2 Hirschgeweihe (Elaphus [Rusa] spec.) aus Borneo, 

1 Schädel vom Renntier (Rangifer tarandus L.) aus Tromsö, 

1 Geweih vom Renntier (Rangifer tarandus L.) aus Skandinavien: Geber: Herr Kapitän 
a. D. Hinsch in Bremerhaven. — 

*2 Frassstücke der Scheermaus (Microtus [Arvicola) terresti'is L.) aus der Stadtgärtnerei 
in Hannover; Geber: Herr Obergehilfe .Tatho in Hannover. — 

1 schwärzliche Wanderratte (Mus [EpimysJ decumanus Pall. ab. nigrescens) aus Langeloh 
bei Tostedt; Geber: Herr Oberförster Kamlah in Langeloh. — 

*1 Hausratte (Mus [Epimys] rattus L.) aus Celle, 

1 /wergmaus (Mus [Micromys| minutus Pall.) aus Wolthausen bei Celle; Geber: Herr 
Dr. med. Klugkist in Celle. — 

1 Wildkatze von Waake (Göttinger Wahl); (ieber: Herr Privatier Köthe in Göttingen. — 

1 Zwergfledermaus (Yesperugo pipistrellus Schreb.) von Stendern bei Hoya; Geber: Herr 
Hofbesitzer Lohmeyer in Stendern. — 

1 Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros Bechst.) von Gross -Oldendorf, 

1 Gemeine Fledermaus (Vespertilio murinus Schreb.) aus der Haubhöhle am Kahnstein, 

1 Schädel vom Wiesel 'Putorius | Ictis | nivalis L.) aus Bussardgewöll vom Giesener Berg, 

1 Schädel der Scheermaus (Microtus | Arvicola] terrestris L.) aus Waldkauzgewöll aus der 
Eilenriede, 

1 Waldwühlmaus (Evotomys glareolus Schreb.) von Heinsen bei Hannover, 

3 Feldmäuse (Microtus | Microtus] arvalis Pall.) aus der Umgegend von Hannover, 

*4 Gehörne vom Rehbock (Capreolus caprea Gray (?) aus der Provinz Hannover; (ieber: 
Herr Schriftsteller H. Löns in Hannover. — 

12 Mopsfledermäuse (Synotus barbastellus Schreb.), 

2 Gemeine Fledermäuse (Vespertilio murinus Schreb.), 

1 Zwergfiedermaus (Yesperugo pipistrellus Schreb.), sämtlich aus der Einhornhöhle bei 
Scharzfeld; Geber: Herr R. Löns in Scharzfeld. — 

1 Fell mit Schädel vom Strandwolf (Hyaena brunnea Thunb.), 

* 1 Gehörn vom Klippspringer (Cephalophus natalensis A. Smith.), 

* 1 Oberschädel von Cephalophus spec, 

*1 Gehörn vom vierhornigen Schaf (Ovis aries L. monstr.), sämtlich aus Deutsch -Süd- 
westafrika, 

*] Gehörn vom Blaubock (Neotragus spec.) aus der Kapkolonie; < ieber: Herr Kaufmann 
Rautenberg in Keetmanshoop. — 

1 Schädel vom Moschustier (Moschus moschiferus L.) aus Nepal; Geber: Herr Tierhändler 
Ruhe in Alfeld. - 

*1 Haselmaus (Muscardinus avellanarius L.) aus Sievershausen i. Solling; Geber: Herr 
Präparator F. Schwerdtfeger in Sievershausen. - 

* 1 Albino der Hausratte (Mus [Epimys] rattus L. alb.), gezüchtet; Geber: Herr Droguist 

Stoltz in Hannover. — 

*f> Gartenschläfer (Eliomys quercinus L.) von Elbingerode: Geber: Herr Oberförster a. 1». 
Stolze in (ioslar. — 

1 Haselmaus (Muscardinus avellanarius L.), 

4 Hausratten (Mus [Epimys] rattus L.). 

1 Albino der Hausratte (Mus [Epimys] rattus L. alb.), sämtlich von Dahlenrode bei Fried- 
land a. d. Leine; (ieber: Herr Lehrer Strüh in Dahlenrode. — 



3 Scheermäuse (Microtus |Arvicola| terrestris L ). 

1 Waldwühlmaus I Evotomys glareolus Schreb.), sämtlich aus der Stadtgärtnerei in Hannover; 
Geber: Herr Stadtgartendirektor Trip in Hannover. — 

I Brandmaus (Mus [Micromys] agrarius Pall.) aus Moringen i. Solling; Geber: Herr Tier- 
arzi \ ogel in Northeim. 

•J Brandmäuse (Mus [Micromys] agrarius Pall.)) 

l Scheermaus (Microtus [Arvicola] terrestris L.), sämtlich aus Eldagsen; Geber: Eerr 
Oberstleutnant a. D. Wedemeyer in Eldagsen. — 

B. Ankäufe. 

1 Malayenbär (Ursus [Helarctos] malayanus Raffl.) aus Südost-Asien. — 
1 Schädel vom Seeotter Enhydra lutris L.) von der Ostküste von Sibirien. — 
l Afrikanische Zibethkatze (Viverra civetta Schreb.) aus Ostafrika. — 
I Goldpunktierte Manguste (Herpestes auropunctatus Hodgs.) aus Indien. — 
*1 Mungo (Herpestes griseus Og.) aus Indien. — 

*1 Langschwanzkatze (Felis |()ncoüles| macrura Wied.) aus Südamerika. - 
l Wildkatze (felis [Felis] catus L.) von Altenau a. Harz. — 

1 Skelett der Hauskatze (Felis [Felis] domestica Briss.) aus Hannover. — 
1 Walross I [Yichechus rosmarus L.) aus Spitzbergen. — 

1 Eichhorn (Sciurus spec.) aus Celebes. — 

1 Zweifarbiges Eichhörnchen (Sciurus [Eosciurus] bicolor Sparrm.) aus Indien. - 

2 Murmeltiere i ixctomys marmotta L.) aus Graubündten. — 

1 Skelett vom Murmeltier (Arctomys marmotta L.) aus der Schweiz. — 
1 vom Biber benagter Eichstamm vom Eibufer in der Gegend von Magdeburg. — 
1 Skelett der Hausmaus Mus [Mus] musculus L.) aus Hannover. — 
l Wasserschwein (Hydrochoerus capybara Erxl.) aus Brasilien. — 

1 Viscacha (Viscacia maxima Blainv.) aus Argentinien. — 
1 Schneehase (Lepus timidus L.) im Sommerkleid vom St. Gotthard. — 

*2 Geweihe vom Molukken-Mähnenhirsch [Cervus [Rusa] hippelaphus moluccensis Quoj 
& Gaim) aus Celebes. — 

1 Axishirschkuh (Cervus j bris] axis Erxl. -, i aus Ostindien. — 
1 Oberschädel vom Damhirsch (Cervus [Dama] dama L. ') aus Schaumburg -Lippe. — 
l Upensteinbock (Capra [Ibex] ibes I.. ') aus dem Aosta-Tal. — 

_' Oberschädel und 3 Gehörne vom Heidschnucken - Schaf (Ovis aries braehyura) von 
llelur bei Soltau. — 

1 Fuchskusu (Trichosurus vulpecula Kerr.) aus Australien. — 

Vögel. 

A. Geschenke. 

'1 Ringeltaube (Columba palumbus L.), 
1 Hohltaube (Columba oenas 1... beide von Gladenbach bei Marburg i. H.; Geber: Berr 
Dr. Benzinger in Hannover. — 

1 Kdelfasan (Phasianus colchicus 1 ' von Hachenhausen (Braunschweig); Geber: Herr 
Kaufmann Hiermann in Hannover. 

1 Ei vom Goldregenpfeifer (Charadrius pluvialis L.) aus dem Wietingsmoor ; Geber: Herr 
Förster Bietz in Varrel. — 

1 Weindrossel (Turdus iliacus L.), 

•_' freistehende Nester vom Feldsperling (Passer tnontanus 1... beides von Alirenfeld bei 
Gross-Oldendorf; Geber: Herr 1. ehrer Bock in Ahrenfeld. - • 

1 Nest der Schwarzdrossel (Merula merula L.) mit Gelege aus Hannover: lieber: Herr 
Privatier Brandes in Hannover. — 

l Sperber (Accipiter nisus L.) von Dannenbüttel bei [senbüttel, 

1 Wasserralle R&llus aquaticus L.) von Gifhorn; lieber: Herr Hechtsanwalt Busse in 
Hannover. — 

1 Reiher (Ardetta sturmi Wagl. aus Dar-es-Salaam ; lieber: Herr Gouvernementssekretär 
Cohrs in Dar-es-Salaam. — 



!) 

*1 Ringfasan (Phasianus torquatus Gmel. d") aus Gross-Lafferde ; Geber: Herr Bank- 
direktor Davisson in Hannover. — 

2 junge Stare (Sturnus vulgaris L.). 

1 .Mauersegler (Micropus apus L.) sämtlich aus Hannover: Geber: Herr Ingenieur Desgraz 
in Hannover. — 

*( 1 )2 Basstölpel (Sula bassana Briss.), 

* 1 Eismöwe (Larus glaucus L.), 

1 Silbermöve (Larus argentatus Brunn.), 
*2 Mantelmöwen (Larus marinus Li, 
4 Dreizehenmöwen (Rissa tridactyla L.), 

*1 Eissturmvogel (Fulmarus glacialis Steph.!, sämtlich von der grossen Fischerbank in der 
Nordsee; Geber: Herr Maschinist Dücker in Bremerhaven. — 
1 Kukuk (Cuculus canorus L.), 
1 Wiesenweihe (Circus pygargus L.), 

* 1 Punktiertes Rohrhuhn (Ortygometra porzana L.), sämtlich von Ehlershausen bei Celle; 
Geber: Herr Chemiker Dr. Ebeling in Hannover. — 

* 1 Dunenjunges vom Kotschenkel (Totanus totanus L.) vom Memmert bei Juist; 
Geber: Herr Direktorial-Assistent Dr. Fritze in Hannover. — 

*1 Lachmöwe (Larus ridibundus L.I im Jugendkleid von Luthe bei Wunstori'; Geber: Herr 
Steuerinspektor a. D. Harling in Hannover. — 

1 Drosselrohrsänger (Acrocephalus turdoides L.), 

*2 Dunenjunge vom Gemeinen Wasserhuhn (Fulica atra L.), 

1 Nest vom Gemeinen Wasserhuhn (Fulica atra L.) mit Gelege, 

*1 Schwarze Seeschwalbe Hydrochelidon fissipes Gray), 

1 Nest der schwarzen Seeschwalbe (Hydrochelidon fissipes GrayJ mit Ei, 

*( 1 )3 Gelege vom Haubentaucher (Colymbus cristatus L), sämtlich vom Dümmer; Geber: 
Herr Lehrer Harling in Lemförde. — 

1 Grosser Buntspecht (Dendrocopus major L.), 

*] Mittlerer Buntspecht (Dendrocopus medius Koch), beide von Bredenbeck a. Deister; 
Geber: Herr Tischlermeister Hasenjäger in Bredenbeck. — 

1 Elster (Pica pica L.) von Bremerhaven, 

1 Flotenvogel (Gymnorhina tibicen Gray), 

1 Grünbürzeliger Plattschweil'sittich (I'latycercus eximius Shawi, 

1 Kakadu (Plictolophus spec), sämtlich aus Australien, 

1 Steisshuhn (Tinamus major Gm.) aus Brasilien, 

1 Grosser Brachvogel (Numenius arcuatus L.) von Donnern bei Geestemünde, 

1 Eiderente (Somateria mollissima L. aus Spitzbergen, 

1 Basstölpel (Sula bassana Briss. aus der Nordsee, 

1 Eissturmvogel (Fulmarus glacialis L.) aus Spitzbergen; Geber: Herr Kapitän a. D. Hinsch 
in Bremerhaven. — 

1 Uhu (Bubo spec.) aus Kiautschau; Geber: Herr Leutnant z. S. Kettler in Hannover. — 

*1 Kleiner Steissfuss (Colymbus fluviatilis Tunst.) von Neustadt a. Rbge. ; Geber: Herr 
Jagdaufseher Klingemann in Neustadt a. Rbge. — 

1 Bastard von Nebel- und Rabenkrähe (Corvus cornix L. X corone L.) von Uten bei 
Hannover; Geber: Herr Präparator Knisse in Hannover. — 

1 Gemeines Wasserhuhn (Fulica atra Li. 
1 Haubentaucher (Colymbus cristatus L.), beide vom Seeburger See bei Göttingen; Geber: 
Herr Privatier Köthe in Göttingen. — 

1 Schwarzkehliger Wiesenschmätzer (Pratincola rubicola L.), 

1 Steinschmätzer (Saxicola oenanthe L.), 
i'i'i Schwarzdrosseln (Merula merula Li. 

* 1 Schildamsel (Merula torquata L.), 

1 Fitislaubsänger (Phylloscopus trochilus L.), 

3 Gelbköpfige Goldhähnchen (Regulus regulus L.j. 
1 Kohlmeise (Parus major L.), 

4 Alpenlerchen (Otocorys alpestris L.). 
1 Wiesenpieper (Anthus pratensis L.), 

■i 



10 

*1 Schwarze Bachstelze (Motacilla lugubris Temm.i. 

4 Schneeammern (Plectrophenax nivalis L.), 

* ( 3 ) 6 Zeisige (Chrysömitris spinus L.), 

5 Berghänflinge (Acanthis flavirostris L.), 
1 Buchfink (Fringilla coelebs L.), 

4 Stare (Sturnus vulgaris L.), 
*( 1 )2 Dohlen (Lycus monedula L.), 

* 2 Grosse einspiegelige Raubwürger (Lanius excubitor borealis Vieill). 
*1 Wiedehopf (Upupa epops L.), 

*1 Ringeltaube (Columba palumbus L.), 

*( 3 )4 Kiebitzregenpfeiter (L'haradrius squatarola L.), 

1 Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula L.), 

*( 2 )3 Austernfischer (Haematopus ostralegus L.). darunter 2 im zweiten Jugendkleid, 

*1 Schmalsclmäbliger Wassertreter (Phalaropus Iobatus L.) im Winterkleid, 

8 Alpenstrandläufer (Tringa alpina L.), 

*( s )6 Schanz' Alpenstrandläufer (Tringa alpina schinzi Brehm.), 

*3 Seestrandläufer (Tringa maritima Brunn.), 

(I 5 Isländische Strandläufer (Tringa canutus L.), 
*1 Rote Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica L.), 

* 1 Ringelgans (Branta bernicla L.), 
1 Sturmmöwe (Larus canus L.), 

*1 Mantelmöwe (Larus marinus L.), 

1 Haubentaucher (Colymbus cristatus L.), 

*1 Tordalk (Alca torda L.), sämtlich von Juist. 

*8 junge Flussseeschwalben (Sterna hirundo L.) vom Memmert bei Juist; Geber: Herr Lehrer 
Leege in Juist. — 

*1 Nest mit 5 Jungen vom Wasserstar (Cinclus aquaticus Bechst.) von Dassel i. Solling; 
Geber: Herr Libau in Dassel. — 

4 Fischreiher (Ardea cinerea L.) von Wathlingen bei Celle; Geber: Herr Schriftsteller 
Löns in Hannover. — 

2 Basstölpel (Sula bassana Briss.), 

1 Silbermöwe (Larus argentatus Brunn.), sämtlich aus der Nordsee; Geber: Herr Kapitän 
Meiners in Geestemünde. — 

*1 Grünschenkel (Totanus glottis L.) von Garbsen bei Seelze; Geber: Herr Sanitätsrat 
Schmalfuss in Hannover. — 

1 Mäusebussard (Buteo buteo L.). 

1 Wiesenweihe (Circus pygargus L.), 

*2 Birkhähne (Tetrao tetrix L.) in verschiedenen Kleidern, sämtlich von Winsen a. d. Aller; 
Geber: Herr Kaufmann Schrader in Hannover. — 

*2 Wasserstare (Cinclus aquaticus Bechst.) von Dassel i. Solling; Geber: Herr Präparator 
Schwerdtfeger in Hannover. — 

1 Eichelhäher (Garrulus glandarius L.) von Otternhagen bei Neustadt a. Rbge. ; Geber: 
Herr Badehalter Strunk in Hannover. — 

1 Gelege der Waldohreule (Asio otus L.) von Klein-Warmbüchen bei Hannover; Geber: 
Herr Hilfspräparator Strunk in Hannover. — 

*1 Goldtaucher (Eudyptes chrysocoma Vieill.) aus dem südlichen Stillen Ocean; Geber: 
Herr Aufseher Vespermann in Hannover. — 

*1 Kranich (Grus grus L.) von Altencelle bei Celle; Geber: Herr Gemeinde -Vorsteher 
Vieht in Altencelle. — 

3 Eier vom Teichhuhn (Gallinula chloropus L.) von der Rasenmühle bei Göttingen; Geber: 
Herr Obertelegraphen -Assistent Voges in Hannover. — 

* 1 Grosser einspiegeliger Raubwürger (Lanius excubitor borealis Vieill.) von Beinhorn bei 
Burgdorf; Geber: Herr Präparator Wiegand in Hannover. — 

1 Sperber (Accipiter nisus L.) vom Rtener Holz bei Lehrte; Geber: Herr Dr. Wilcke in 
Hannover. — 



11 

B. Ankäufe. 

1 Gelege vom Wiesenpieper (Anthus pratensis L.) von Borkum. — 

* 1 Wiedehopf (Upupa epops L.) von Borkum. — 

1 gelbe Abänderung vom Wellensittich (Melopsittacus undulatus Shaw. ab. flava) aus 
Australien. — 

* 1 Fischadler (Pandion haliaetus L.) von Westenholz bei Riethagen. — 
*1 Mongolischer Fasan (Phasianus mongolicus Brandt, ö") vom Altai. — 

1 Bastard von Königsfasan und Sömmerings Fasan (Phasianus reevesi Gray soemmeringi 
Temm.), gezüchtet. — 

*1 Bronceputer (Meleagris gallopavo L.) aus Nordamerika. — 

* 1 Dunenjunges von Sclaters Hokko (Crax sclateri Gray.) aus Brasilien. — 

* 1 Schaku-Huhn (Penelope spec.) aus Brasilien. — 

*1 Hammerhuhn (Megacephalon maleo Temm.) aus Celebes. — 

3 Eier vom Hammerhuhn (Megacephalon maleo Temm.) aus Celebes. — 

*1 Amerikanischer Silberreiher (Ardea candidissima Gmel.) aus Süd-Amerika. — 

* 1 Schwarzer Storch (Ciconia nigra L.) im Jugendkleid von Juist. — 

* 1 Löffelreiher (Platalea leucorodia L.) von Juist. — 

* 1 Dunenjunges vom Spiessflughuhn (Pterocles alchata L.) aus Spanien. — 

*1 Grünrückiges Pupurhuhn (Porphyrio smaragdonotus Temm.) aus Afrika. — 

1 Gelege vom Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus L.) von Borkum. — 
*2 Dunenjunge vom Rotschenkel (Totanus calidris L.) von Borkum. — 

2 Eier vom Rotschenkel (Totanus calidris L.) von Borkum. 

* 1 Regenbrachvogel (Numenius phaeopus L.) von Juist. — 

* 1 Brachvogel (Numenius hudsonicus Lath.) von Callao (Peru). — 

* 1 Streifengans (Anser indicus Steph.) von Indien. — 

1 Ei der Brandgans (Tadorna tadorna L.) von Borkum. — 

*1 Befgente (Fuligula marila L. [nearctica StejnJ ) vom Norden der Pacific - Küste Nord- 
amerikas. — 

*2 Mittlere Säger (Mergus serrator L.) vom Norden der Pacific-Küste Nordamerikas. — 

*1 Basstölpel (Sula bassana Briss.) von Juist. — 

*5 junge Silbermöwen (Larus argentatus Brunn.) in verschiedenen Stadien der Entwicklung 
von Borkum. — 

3 Eier der Silbermöwe (Larus argentatus Brunn.) von Borkum. — 

1 pigmentloses Gelege der Silbermöwe (Larus argentatus Brunn.) von Borkum. — 

* 1 Schwarzfüssiger Albatros (Diomedea nigripes Aud.) aus dem Stillen Ocean. — 

*1 Gehörnter Lappentaucher (Colymbus auritus L.) vom Norden der Pacific-Küste Nord- 
amerikas. — 

*2 Hölboells Lappentaucher (Colymbus hölboelli Reinh.) vom Norden der Pacific-Küste 
Nordamerikas. 

*2 Aechmophorus occidentalis Lawr. vom Norden der Pacific-Küste Nordamerikas. — 

*2 Brachyrhamphus marmoratus Gm. vom Norden der Pacific-Küste Nordamerikas. — 



Reptilien. 

A. Geschenke. 

1 Rückenschild von Chelone spec. aus Dar-es-Salaam : Geber: Herr Gouvernements-Sekretär 
Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

1 Warneidechse (Varanus spec.) aus Java; Geber: Herr Kaufmann Hoffmann in Soerabaja. — 

*1 Kreuzotter (Pelias berus Merr.) von Misburg, 

* 1 abgestreifte Haut der Kreuzotter (Pelias berus Merr.) aus dem Ahltener Moor, 

*1 Glatte Natter (Coronella laevis Laur.) aus Misburg; Geber: Herr Schriftsteller Löns 
in Hannover. — 

1 Rücken- und Bauchschild einer Schildkröte (Testudo spec.) aus Deutsch-Südwest-Afrika, 

1 Chelone spec. aus Monrovia (Liberia ) ; Geber : Herr Kaufmann Rautenberg in Keet- 
manshoop. — 

2" 



12 

B. Ankäufe. 

1 Nilkrokodil (Crocodilus vulgaris luv.) aus Afrika. — 
1 Gitterschlange (Python reticulatus Gray) aus Indien. — 

Amphibien. 

A. Geschenke. 

1 Wechselkröte (Bufo viridis Laur.), 

2 Geburtshelferkröten (Alytes obstetricans Laur.), sämtlich aus der Umgegend von Göttingen; 
Geber: Herr Dr. Angener in Göttingen. — 

1 Wasserfrosch (Kana esculenta L.), 

1 Gemeine Erdkröte (Bufo vulgaris Laur.), 

*1 Feuersalamander (Salamandra maculosa Laur.), sämtlich von Lemförde; Geber: Herr 
Lehrer Harling in Lemförde. — 

2 Kreuzkröten (Bufo calamita Laur.) von Juist; Geber: Herr Lehrer Leege in Juist. — 

9 Wasserfrösche (Rana esculenta L.), 

3 Braune Grasfrösche (Rana temporaria Ant.), 

4 Moorfrösche (Rana arvalis Nilss.), 

2 Gemeine Erdkröten (Bufo vulgaris Laur.), 
4 Kreuzkroten (Bufo calamita Laur.). 

4 Knoblauchskröten (Pelobates fuscus Laur. i. 

2 Gelbbauchige Unken (Bombinator pachypus Bon.), 

3 Kammmolche (Triton cristatus Laur. i. 

5 Bergmolche (Triton alpestris Laur.). 

2 Streifenmolche (Triton taeniatus Schneid.). 

10 Leistenmolche (Triton palmatus Schneid.), sämtlich aus der näheren und weiteren 
Umgebung von Hannover, 

*2 Moorfrösche (Rana arvalis Nilss.) tf, Q, vom Vorderen Moor bei Osnabrück; Geber: 
Herr Schriftsteller Löns in Hannover. — 

1 Springfrosch (Rana agilis Thomas. ) aus Süddeutschland; Geber: Herr Gustos Dr. Wolterstorff 
in Magdeburg. — 

B. Ankäufe, 
vacat. 

Fische. 

A. Geschenke. 

Eine Anzahl Fische aus dem Skagerrack; Gelier: Herr Maschinist Dücker in Bremer- 
haven. — 

Eine Anzahl Fische aus der Nordsee; Geber: Herr Direktorial -Assistent Dr. Fritze in 
Hannover. — 

1 Kugelfisch (Tetrodon hispidus Lacep.) aus Neu -Guinea; Geber: Herr Kapitän a. D. 
Hinsch in Bremerhaven. — 

*1 Lamprete (Petromyzon marinus L.) aus der Aller bei Celle; Geber: Herr Dr. Klugkist 
in Celle. — 

1 Stör (Accipenser sturio L.) von Juist; Geher: Herr Lehrer Leege in Juist. — 

B. Ankäufe, 
vacat. 

Weichtiere. 

A. Geschenke. 
8 Xerophila striata Müll, von Esperde bei Hameln; Geber: Herr Dr. Menzel in Berlin. — 

B. Ankäufe, 
vacat. 



13 

Insekten. 

A. Geschenke. 

1 subfossiler Eichenbock (Cerambyx cerdo L.) aus einem in einer Kiesgrube bei Hemmingen 
gefundenen Eichenstamm; Geber: Herr Baron von Alten -Hemmingen in Hannover. — 

*1 Wabe der Honigbiene (Apis mellifica L.) an einem Kiefernzweig von Eschede; Geber: 
Herr Medizinalrat Brandes in Hannover. — 

* 3 Nester von Baumameisen, 

Verschiedene Insekten, sämtlich aus Dar-es-Salaam ; lieber: Herr Gouvernements-Sekretär 
Cohrs in Dar-es-Salaam. — 

2 Prachtkäfer (Chrysochroa spec.) aus Java; Geber: Herr Kaufmann Hoffmann in 
Soerabaja. — 

Eine Anzahl Holzläuse (Bertkauia prisca Kolbe) vom Kahnstein bei Ahrenfeld; Geber: Herr 
Schriftsteller Löns in Hannover. — 

1 Nest der Mittleren Wespe (Vespa media de Geer.) von Pyrmont; Geber: Herr Möbius 
in Hannover. — 

Eine grössere Anzahl Insekten aus Deutsch-Südwestafrika, 

Einige Insekten aus Monrovia (Liberia); Geber: Herr Kaufmann Rautenberg in Keet- 
manshoop. — 

B. Ankäufe. 
1 Termitenbau von Celebes. — 

Spinnentiere. 

A. Geschenke. 

1 Spinne mit Nest aus Dar-es-Salaam ; Geber : Herr Gouvernements-Sekretär Cohrs in 
Dar-es-Salaam. — 

1 Sammlung von Skorpionen und Walzenspinnen aus Deutsch-Südwestafrika; Geber: Herr 
Kaufmann Rautenberg in Keetmanshoop. 

B. Ankäufe, 
vacat. 

Krebstiere. 

A. Geschenke. 

Eine grössere Anzahl Crustaceen aus der Nordsee und dem Skagerrack; Geber: Herr 
Maschinist Dücker in Bremerhaven. — 

Verschiedene Crustaceen aus der Nordsee, 

6 Schwertschwänzige Kiefenfüsse (Apus productus Bosc). 

34 Fischförmige Kiemenfüsse (Branchipus grubei Dyb.), sämtlich aus der Umgegend von 
Hannover; Geber: Herr Direktorial- Assistent Dr. Fritze in Hannover. — 

lti Schwertschwänzige Kiefenfüsse (Apus productus Bosc.) aus der Umgegend von 
Hannover; Geber: Herr Schriftsteller Löns in Hannover. — 

Eine grössere Anzahl Cymothoiden und eine Balanus-Gruppe aus Deutsch-Südwestafrika; 
Geber : Herr Kaufmann Rautenberg in Keetmannshoop. — 

B. Ankäufe, 
vacat. 

Stachelhäuter. 

A. Geschenke. 
Eine Anzahl Seesterne aus der Nordsee und dem Skagerrack; Geber: Herr Maschinist 

Dücker in Bremerhaven. — 

1 Seestern von Neu-Guinea; Geber: Herr Kapitän a. D. Hinsch in Bremerhaven. — 
Mehrere Seesterne und Schlangensterne aus Lüderitzbucht ; Geber: Herr Kaufmann 

Rautenberg in Keetmanshoop. — 



14 

B. Ankäufe, 
vacat. 

Pflanzeutiere. 

A. Geschenke. 

1 Pilzkoralle (Fungia patella Lam.) von Colombo; Geber: Herr Kapitän a. D. Hinsch in 
Bremerhaven. — 

*2 Pilzkorallen (Fungia patella Lam.) aus dem Indischen Ocean; Geber: Frau Melda 
in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

vacat. 

2. Botanische Sammlung. 

A. Geschenke. 
Blütenstand, Blätter und Zweige des Japanischen Lackbaums (Rhus vernicifera D. C.) aus 
Japan, 

2 Früchte der Syrischen Seidenpflanze (Asclepias syriacus L.) aus Nordamerika, 

4 Aststücke von Berberis aquifolium Pursh. aus Nordamerika: Geber: Herr Apotheker 
Capelle in Springe. — 

3 Wurzelbildungen aus Brasilien: Geber: Herr Kapitän a. D. Hinsch in Bremerhaven. — 
Eine Sammlung einheimischer Moos- und Pilzarten; Geber: Herr Eisenbahn-Sekretär 

Keese in Hannover. — 

B. Ankäufe. 
22 Modelle einheimischer Pilze. — 

3. Paläontologische Sammlung. 

A. Geschenke. 
3 Versteinerungen aus diluvialem Geschiebe aus dem Wietingsmoor ; Geber : Herr Förster 
Bietz in Varrel. — 

* 1 Oberarmknochen vom Mammuth. (Elephas primigenius Bluinenb.) aus einer Mergelgrube 
bei Wunstorf: Geber: Herr Fabrikdirektor Brosang in Wunstorf. 

* 1 Trilobit (Trinucleus ornatus Bar.) aus Trubskä (Böhmen); Geber: Herr Direktorial- 
Assistent Dr. Fritze in Hannover. — 

2 Fischskelette aus dem Kieselguhrlager von Oberohe bei Unterlüss: Geber: Herr 
W. Niemeyer in Hannover. — 

2 subfossile Schädelstücke mit unteren Stangenteilen vom Edelhirsch (Cervus elaphus L.) 
aus einer Kiesgrube bei Wunstorf: Geber: Herr Oberst Schnell in Wunstorf. — 

Mehrere Ammoniten von Alfeld; Geber: Herr C. Schulz in Hannover. — 

1 fossiler Schwamm aus diluvialem Geschiebe von Bischofshole ; Geber: Herr Sedlmayer 
in Hannover. — 

B. Ankäufe. 
*( 16 )70 Acanthoceras milletianus d'Orb. aus einer Tongrube bei Algermissen. — 

3 Belemnites spec. aus einer Tongruhe bei Mellendorf. — 

4. Mineralogische Sammlung. 

A. Geschenke. 

2 Würfel von Eisenkies mit Brauneisensteinrinde aus Deutsch - Südwestafrika ; Geber: 
Herr Major a. D. Götz von Olenhusen in Hannover. — 

* 1 grosser Holzopal aus Australien ; Geber : Herr Kapitän a. D. Hinsch in Bremerhaven. 
1 Geode von Alt-Warmbüchen ; lieber: Herr Schriftsteller Löns in Hannover. 



15 

B. Ankäufe. 
Speckstein nach Quarz aus Wunsiedel (Raiern). — 
Speckstein (angeschliffen) aus Göpfersgrün (Fichtelgebirge). — 
Steatit aus Val Cuevo (Lombardei). — 
Meerschaum aus Hrubschitz (Mähren). — 
Meerschaum aus Kleinasien. — 
Kaolin aus der Grotta d'Oggi (Elba). — 
Kaolin aus St. Just (Cornwall). — 

Bergseife aus Menzenberg bei Honnef (Rheinpreussen). — 
Pyrophyllit aus Mariposa Cty. (Californien). — 
Pholerit aus Kohlendorf bei Neurode (Schlesien). — 
Gilbertit aus St. Just (Cornwall). — 

Xakrit auf Fluorit aus Kunnerstein bei Augustusburg (Sachsen). — 
Eisensteinmark aus Planitz (Sachsen). — 
Glaukonit aus Poonah (Indien). — 
Seladonit aus Kaden (Böhmen). — 
Schwefel aus Roryslaw (Galizien). 

Serpentin, in Monticellit umgewandelt, aus Pesmeda (Tirol). — 
Hydrargyllit aus Langesund (Norwegen). — 
Cimolit aus Bilin (Böhmen). — 
Perlsinter aus Jannowitz (Schlesien). — 
Ivieselschiefer aus Hüttenrode (Harz). — 
Kieselschiefer, angeschliffen, aus Hüttenrode (Harz). — 
Dipyr aus Pouzak (Pyrenäen). — 

Titaneisen aus Oelberg, Siebengebirge (Rheinpreussen). — 
Stilpnosiderit aus Hashausen (Nassau). — 
Iserin von der Iserwiese (Böhmen). — 
Carborund, künstlich hergestellt. — 
Sterlingit aus Sterling, Massachusets (U. St. A.). — 
Oellacherit mit Rhaetigit aus Kemnat, Pfitschtal (Tirol). — 
Margarodit aus Prevali (Kärnten). — 
Sericit aus Berbisdorf (Schlesien). — 
Muskovit aus Helsingfors (Finland). — 
Muskovit aus Bamle (Norwegen). — 

Lepidomelan mit Eläolith-Syenit aus Litschfield, Maine (LT. St. A.) — 
Manganophyll aus Langban i Schweden). — 

Paragonitschiefer mit Cyanit und Staurolith vom Mte. Campione, Tessin (Schweiz). — 
Pyknophyllit aus Aspang (Nieder-Österreich). — 
Vermiculit aus Lenn Middletown, Delaware (U. St. A.) — 
Margarit aus Chester, Massachusets iL. St. A.) — 
Annonit aus Greenwood, Furmace, N. J. (U. St. A.) — 
Gem. Chlorit aus Mandelholz (Harz). — 
Rhodochrom mit Chromeisenstein aus Bisersk (Lral). — 
Masonit aus Xatric, Rhode Island (L. St. A.). — 
Ottrelith aus Ottre (Belgien). — 
Chloritoid aus Zermatt (Schweiz). — 
Striegovit aus Striegau, Fuchsberg (Schlesien). — 
Aphrosiderit aus Königsberg bei Hohensolms (Hessen). — 
Grengesit aus Freina (Tirol). — 
Metachlorit aus Buchenberg (Harz). — 
Chamosit aus Joachimstal (Böhmen). — 
Delessit aus Fischbach a. d. Nahe (Rheinpreussen). — 
Epichlorit aus dem Radau tal (Harz). — 
3 Serpentinstücke, angeschliffen, aus Zoeblitz (Sachsen). — 
Röttisit aus Röttis (Sachs. Voigtland). — 
Pikrosmin mit Asbest aus Prägraten (Tirol). — 
Schweizerit aus Dognacska (Banat). — 



* Bergkork vom Saukopf (Tirol). — 

* Bergleder vom Greiner (Tirol). — 

* Walkerde aus Rochlitz (Sachsen). — 

* Gipskristall aus einer Tongrube bei Meilendorf. — 

5. Bibliothek. 

A. Geschenke. 

Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen. Bd. XVIII, l. Heft; 
Geber : Naturwissenschaftlicher Verein zu Bremen. — 

5 Broschüren verschiedenen Inhalts: Geber: Herr Direktorial- Assistent Dr. Fritze in 
Hannover. — 

5 Arbeiten über die Anatomie der Ameisen: Geber: Herr Lic. es Sc. Janet in Beauvais 
(Oise.) — 

131 Bücher. Broschüren und sonstige Publikationen, zumeist die Zoologie und Botanik 
Nordwestdeutschlands betreffend: Geber: Herr Schriftsteller Löns in Hannover. — 

Abhandlungen und Berichte des Museums für Natur- und Heimatskunde zu Magdeburg. 
Bd. I. Heft 1 ; Geber : Museum für Natur- und Heimatskunde zu Magdeburg. — 

Wagner, Wanderungen am Meeresstrande: Geber: Herr Landesbaurat Magunna in 
Hannover. — 

9 Publikationen ornithologischen Inhalts ; Geber : Herr v. Tschusi zu Schmidhoffen in Hallein — 

Ude, Terricole Oligochaeten von den Inseln der Südsee und von verschiedenen anderen 
Gebieten der Erde: Geber: Herr Oberlehrer Dr. Ude in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

Trouessart, Catalogus mammalium tarn viventium quam fossilium. Quinquennale supple- 
mentum. Bd. IV. — 

Borggreve, die Vogelfauna von Nordwestdeutschland. — 

Leege, die Vögel der friesischen Inseln. — 

Naumann, Naturgeschichte der Vögei Mitteleuropas. 12 Bände. — 

Schulze und Borcherding, Fauna saxonica. Amphibia et Reptilia. — 

Wolterstorff. die Reptilien und Amphibien der nordwestdeutschen Berglande. — 

Schmiedeknecht, die Wirbeltiere Europas. — 

Wiepken und Greve, Systematisches Verzeichnis der Wirbeltiere im Herzogtum Oldenburg. — 

Redtenbacher, Monographie der Konocephaliden. — 

Redtenbacher, Monographische Übersicht der Mecopodiden. — 

Brunner von Wattenwyl, Monographie der Stenopelmatiden und Gryllacriden. — 

Brunner von Wattenwyl, Monographie der Proscopiden. — 

Bolivar, Monografia de los Pirgomorfinos. — 

Wytsman, Genera insectorum, Lieferung 1 — 35. — 

Das Tierreich. Lieferung 22 und 23. — 

Blasius, Die faunistische Litteratur Braunschweigs und der Nachbargebiete. — 

Waterhouse und Sharp, Index zoologicus. — 

v. Neumayer. Anleitung zu wissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen. Lieferung 1 — 10. 

Ornithologische Monatsberichte, XIII. Jahrgang. — 

Zoologischer Anzeiger. Bd. XXIX. — 

Bibliographia zoologica, Bd. XL — 

Ascherson und Graebner, Synopsis der mitteleuropäischen Flora, Lieferung 37 — 41. — 

Engler, Das Pflanzenreich, Heft 21 — 24. — 

Engler und Prantl. Die natürlichen Pflanzenfamilien, Lieferung 223. — 

Rabenhorst, Kryptogamenflora, Lieferung 95 — 98; Bd. VI. Lieferung 1. — 

Hintze. Handbuch der Mineralogie. Lieferung 21. — 

Dr. Fritze, 

Direktorial - Assistent. 



17 



Das Abendmahl 

von Eduard v. Gebhardt. 
Hierzu Tafel I. 

Die Aufgabe der Museen, in den Werken der Meister den Weg zu zeigen, den die Ent- 
wicklung der Kunst gegangen ist, kann befriedigend nur gelöst werden, wenn die Werke solcher 
Meister zur Anschauung gelangen, welche die Bildungselemente ihrer Zeit in sich vereinen, welche 
aus reichem Seelenleben ihrer Mitwelt etwas zu sagen haben, welche der Kunst ihrer Zeit den 
Stempel ihres Geistes aufgedrückt haben und in deren Werken das Gestaltung erhalten hat, was 
Grosses und Hohes im Leben einer Nation vorhanden ist. Denn wie es keinen internationalen 
Patriotismus geben kann, so ist wohl eine internationale Kunsttechnik, nicht aber eine internationale 
Kunst denkbar. Das tritt besonders zu Tage auf dem Gebiete religiöser Malerei. Nach der gemein- 
samen naiven Auffassung des Mittelalters verlangt das bewusste Denken des protestantischen 
Nordens eine andere Darstellungsart als diejenige des katholischen Südens. Mit deutscher Gemüts- 
tiefe sucht Dürer dem ersteren gerecht zu werden, während Raffael auf klassischem Boden für 
Jahrhunderte die Linien der Schönheit zeichnet, unter dessen Einfluss ein Abendmahl des Lionardo 
entstehen konnte, welcher nachwirkt bis in die Schöpfungen eines Pfannschrnid, welcher im 
19. Jahrhundert in Berlin seine Kunst in den Dienst protestantischen Empfindens gestellt hatte. 
Erhebung und schöne Form, das waren die Anforderungen, denen man auf religiösem Gebiete 
gerecht zu werden suchte. Aber diese Bestrebungen bewegten sich immer noch in den alten 
Bahnen und auch' der Versuch der Franzosen, dadurch etwas Neues zu geben, dass sie die 
biblischen Gestalten in orientalische Gewänder kleideten, musste von dem nationalen Empfinden 
als ein unwürdiger Mummenschanz abgelehnt werden. Den neuen Weg fand erst Eduard v. Gebhardt, 
der massgebende Bahnbrecher auf dem Gebiete des religiösen Bildes. Wenn es auch Jahre dauerte, 
bis man sich an seine ganz neue Art gewöhnte und das Befremden über die, wie man sagte, 
Profanierung der heiligen Geschichte entschwand, so hatte man doch von Anfang seines Auftretens 
an die Empfindung hier einem ungewöhnlichen Talente gegenüber zu stehen, einem Künstler, der 
in seinen Werken seinen Mitmenschen etwas zu sagen und zu geben hatte. Bis zu seiner rück- 
haltlosen Anerkennung hat er einen langen Weg unbeirrt zurück gelegt. Eine auf der Basis 
positiven Glaubens errungene und gefestigte, klare Weltanschauung, gab seinem Schaffen Richtung 
und Ziel und ermöglichte es ihm, auch in abweichender Form aus reichem innerem Leben den Weg 
zum Herzen der Mitlebenden zu finden. Und sein lebendiges Gefühl ein Deutscher zu sein, wenn 
auch in Esthland geboren, wandelten seine Gestalten zu Deutschen, die mithalfen ihm die Herzen 
der Deutschen zu gewinnen. 

Den Grund zu seiner klaren Sicherheit im Erkennen und Erfassen der Natur hatte sein 
Vater in St. Johannis in Esthland dadurch gelegt, dass er ihn unablässig auf die kleinsten und 
unscheinbarsten Vorgänge in der Natur aufmerksam machte. Sein Entwicklungsgang geht vom 
Vaterhause in St. Johannis, über Reval mit der Gymnasialzeit, über Petersburg, wo er der Kunst 
oblag, nach Deutschland, als die Niederlage Russlands im Krimkriege seinem Verbleiben in Peters- 
burg durch Aufhören des Unterrichtes ein Ende machte. Von Düsseldorf wandte er sich dann 
nach Karlsruhe und von dort wieder nach Düsseldorf, wo er in Wilhelm Sohn nicht nur den 
trefflichen Lehrer, sondern auch den fördernden Freund gefunden hatte, der seine Eigenart ver- 
stand. Unbekümmert um das Urteil der Menschen ging er mit Bewusstsein seinen Weg, mit 
Bewusstsein verliess er die nebelhaften Wege des Nazarenertumes, er wollte wirkliche Menschen 
malen. Und weil er davon durchdrungen war, dass echte Kunst nur auf nationalem Boden 
erwächst, deshalb malte er keine Orientalen, seine Menschen sollten Deutsche sein, deutsche 
Gestalten, auch die Jünger Jesu. Sein erstes grosses Meisterwerk, der Einzug Christi in 
Jerusalem, 1863, fand wegen dieses Realismus grossen Widerspruch und wurde erst gewürdigt, 
als 1870 sein Abendmahl die weiteste Anerkennung fand und für die Nationalgalerie in Berlin 
erworben wurde. Eine ausserordentliche körperliche Rüstigkeit und geistige Kraft ermöglichten 

3 



18 

es ihm, zahlreiche Werke zu schaffen. Von den religiösen Bildern seien erwähnt 1873 „Die 
Kreuzigung" in der Kunsthalle in Hamburg. 1881 „Die Himmelfahrt' - in der Nationalgalerie 
in Berlin und „Christus auf dem Meere" für die Kirche in Ziegenhals. 1884 eine „Kreuzigung" 
für die Kirche in Narva, 1883 „Die Pflege des heiligen Leichnams" in Dresden und eine 
grosse Zahl anderer Bilder, durch welche der Meister nun in die erste Reihe der grossen 
deutschen Künstler trat. Von 1884 — 1891 malte er die Fresken im Kloster Loccum, dann 
r der zwölfjährige Christus im Tempel". „Christus und der reiche Jüngling", „Christus in 
Bethanien" u. a. Ein hervorragendes Bild. Christus mit seinen Jüngern bei Sturm auf dem 
Meere, wurde 1892 gemalt und im letzt verflossenen Jahre wurde das unserem Museum 
erworbene Abendmahl, sowie die Austreibung aus dem Tempel fertig gestellt. Nur ein grosser 
Künstler darf es wagen, wiederholt ein Abendmahl zu malen, und nur einem grossen Könner wie 
Gebhardt kann es gelingen dabei sich nicht zu wiederholen. Immer wieder schafft er Neues aus 
dem reichen Schatz seines Innern und immer wieder weiss er uns Neues zu sagen, auch über 
denselben Gegei-stand. Eine Gestalt nur ist bei ihm in gewisser Weise typisch, das ist Christus, 
das ist diejenige Gestalt, die für den religiös empfindenden Menschen immer derselbe bleiben muss, 
und er bleibt, wenn auch verschieden im Äussern, im Grundzuge derselbe auf jedem Bilde, während 
alle anderen wechseln. Er schuf einen Christustypus, der an geistiger Vertiefung die Darstellungen 
Christi der grossen Italiener überragt. Wer aus eigener Anschauung die zahlreichen Werke des 
Meisters kennt, der wird in jedem neuen Bilde desselben einen Fortschritt sehen, nicht nur etwas 
anderes, sondern auch etwas über das Vorhergehende hinausgewachsenes erkennen können. Und 
so stehen wir bewundernd auch vor diesem neusten Abendmahle Gebhardts als einer seiner reifsten 
Schöpfungen, vor dem persönlicher Geschmack keinen Ausdruck gewinnt und dankbar, dass dem 
Siebenzigjährigen noch die geistige und körperliche Kraft inne wohnt, solche Werke zu schaffen. 

Reimers. 



Kreuzigungs-Gruppe aus Gestorf am Deister. 

Hierzu Tafel IL 

Auf dem Boden der Kirche in Gestorf lagerten seit dem Neubau der Kirche im 18. Jahr- 
hundert holzgeschnitzte Figuren, deren Zusammenstellung die auf Tat. II abgebildete Kreuzigungs- 
Gruppe ergab. Bis auf Kleinigkeiten waren die Figuren gut erhalten und in den Farben bemalt, 
welche sie jetzt zeigen. Eine genaue Untersuchung zeigte, dass sie dreimal übermalt waren und 
dass die Farbentöne, wenn auch im grossen und ganzen dieselben blieben, doch in der Abtönung 
sämtlich verschieden waren. Die zweite Farbenschicht zeigte Vergoldung an den Gewandsäumen, 
die unterste Schicht war ohne Vergoldung, und noch so gut erhalten, dass nur Ausbesserungen 
ausgesprungener Stellen nötig waren. Die jetzige Farbengebung zeigt genau die Tönung der 
untersten, also der ersten Farhenschicht. Die Figuren aus schwerem Eichenholz gearbeitet, zeigen 
das grosszügige Können eines Meisters aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, einer Zeit, in welcher 
zahlreiche Werke dieser Art in unserer Provinz entstanden sind. Arbeiten, welche wohl auf eine 
gemeinsame Werkstatt schliessen lassen, jedoch nicht genügend Anhaltepunkte bieten, einen Meister 
namhaft machen zu können. 

Reimers. 



Instandsetzung eines Antependiums aus der Kloster- 
kirche in Wennigsen am Deister. 



Hierzu Tafel HI und IV. 



Auf dem Damenchor des Klosters Wennigsen wurde ein gemaltes Antependium unter dem 
vorderen Behang des jetzigen Barokaltares aufgefunden. Dasselbe war arg zerstört, wie die Abbildung 
Taf. HI Fig. 1 zeigt, aber doch nicht so, dass eine befriedigende Instandsetzung ausgeschlossen 



19 

erscheinen musste- Die Königliche. Klosterkammer, deren Verwaltung das Damenkloster Wennigsen 
untersteht, bekundete hier wieder ihr warmes Interesse für die Denkmalpflege dadurch, dass sie die 
Mittel für die Instandsetzung bereitstellte. Das Werk wurde dann in der Werkstatt des Provinzial- 
Museums nach Angaben und steter Aufsicht des Museums-Direktors Dr. Reimers in Stand gesetzt. 
Das Antependium ist eine hervorragende Arbeit des 13. Jahrhunderts und stellt den Tod der Maria 
dar, deren entseelter Leib unten zu Füssen Christi, welcher die Seele der Entschlafenen in Kindes- 
gestalt trägt, gebettet liegt. Das Erhaltene zeigt eine wunderbare Leuchtkraft der Farben und 
der alten Vergoldung. Da das Werk in der Kirche wieder aufgestellt werden soll, so galt es 
hier die urkundliche Treue zu bewahren und doch die zerstörten Stellen nach Möglichkeit dem 
Auge zu entziehen. Wie die Abbildung zeigt, ist von den Köpfen der Apostel nur einer zerstört. 
Von den Brustfiguren des Randes sind nur sieben erhalten und sind die zerstörten Köpfe daher 
auch nicht ergänzt. Ergänzt ist nur dasjenige, für welches ausreichendes Vorbild vorhanden war. 
So konnte der Goldgrund, die Gewänder, der Nimbus in der Mandorla und das Ornament auf dem 
Rande ergänzt werden. Der fehlende Apostelkopf in der zweiten Reihe rechts ist als Goldgrund 
so eingestimmt, dass die Fehlstelle kaum bemerkt wird. Dasselbe ist geschehen mit den Brust- 
figuren des Randes. Wo hier in dem Rund gar keine Malerei mehr vorhanden war, ist das ganze Rund 
als Goldgrund aber so behandelt, dass auf der Mitte eine dunklere Tönung erscheint, die an ein 
verblasstes Brustbild erinnert, ohne ein solches zu sein. Die Hand Christi, welche ich in einem 
anderen Falle nicht ergänzen lassen würde, konnte hier doch wiederhergestellt werden, weil die 
Konturen der Finger sämtlich mit einem Stifte in den noch weichen Bolusgrund eingeritzt und so 
die Umrisse der Hand und der einzelnen Finger deutlich erkennbar waren. 

Reimers. 



Die Münzensammlung. 



Hierzu Tafel V. 

Im Jahre 1886 wurde von der Provinzial -Verwaltung die Münzensammlung des Graten 
Karl zu In- und Knyphausen angekauft. Die Sammlung umfasst die Münzen des ehemaligen 
Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig, umfasst die Münzen und Medaillen der 
Regenten. Prinzen und Prinzessinnen des Weifischen Hauses, die geistlichen und weltlichen Herren, 
die Städte und Stifter, sowie alle Medaillen von Personen, die entweder in weifischen Landen 
geboren oder dort eine hervorragende Stellung eingenommen haben. So umgrenzt Graf Knyphausen 
sein Sammelgebiet im Vorwort zu seinem 1872 im Druck erschienenen Kataloge seines Münz- 
und Medaillen-Kabinets. Der gedruckte Katalog umfasst 10 115 Nummern. Durch spätere Ankäufe, 
sowie Hinzufügen des bereits im Provinzial -Museum befindlichen Bestandes zählt die Sammlung 
jetzt rund 12 000 Stück. Die Bearbeitung der Sammlung erforderte zunächst das Einordnen der 
vorerwähnten später erworbenen Münzen, sowie Umlegung der ganzen Sammlung aus den bisher 
verwandten Papierschächtelchen in ein Kartonsystem, d. h. in Papptafeln mit runden Offnungen 
zur Aufnahme der Münzen. Das sind zeitraubende Arbeiten gewesen, besonders deshalb, weil bei 
dem Mangel an Arbeitskräften diese Arbeiten nur zwischendurch gefördert werden konnten. Sehr 
viel schwieriger ist die Frage zu lösen, in welchem Umfange kann man eine Münzensammlung 
für die Museumsbesucher zugänglich machen. Bei dem grossen Publikum kommt die Schaulust 
in Frage, der fachgelehrte Numismatiker und der Historiker will die Münze in die Hand nehmen 
und mit der Lupe studieren können. Der Sammler betrachtet sie wieder mit anderem Interesse, 
der Händler will wissen, welche Stücke noch fehlen. Für wen soll nun die Ausstellung gemacht 
werden. Für rein wissenschaftliche Zwecke ist eine Ausstellung von Münzen ohne Bedeutung. Dafür 
muss Gelegenheit gegeben werden, das Material sehen zu können, welches dem jeweiligen Zwecke 
dient. Hierfür genügt die Aufbewahrung in den Münzenschränken. Für die anderen Besucher, 
welche sich über die Entwicklung des Münzenwesens innerhalb des Sammelgebietes belehren wollen, 
genügt die Ausstellung eines Teiles der Sammlung, die Ausstellung der sogenannten Nominalen, 
d. h. von jeder Münzenart ein Stück, ohne die Varianten und verschiedenen Jahrgänge vorzuführen. 
Dies Prinzip gelangt bei der Aufstellung in unserem Museum zur Durchführung. Die den Münzen- 
sammlungen in London und Paris ebenbürtige Sammlung der Königlichen Museen in Berlin 

3* 



20 

umfasst 270 000 Stück, von welchen 1 / 30 , also 9000 Stück ausgestellt sind, während die Aus- 
stellung sämtlicher Nominalen unserer Sammlung etwa 1 / 3 umfassen wird. Die bisherige Aufstellung, 
wie sie auch in Berlin im neuen Kaiser Friedrich-Museum, mit Ausnahme einiger Medaillen, bei- 
behalten ist, d. h. die Münzen in schrägen Pultschränken flach auszulegen, hat den Nachteil, dass 
nur eine Seite jedesmal sichtbar wird, während es notwendig erscheint, beide Seiten zur Anschauung 
zu bringen, wenn man nicht von jeder Münze zwei Stücke, Avers und Revers, auslegen will, das 
würde dann den doppelten Platz erfordern. Eine kleine Anzahl von Medaillen sind in Berlin in 
aufrechtstehenden Tafeln fest eingelegt, sodass beide Seiten gesehen werden können. Für jede 
Medaille ist die Öffnung in Form der Münze aus der aufrechtstehenden Tafel ausgeschnitten. Für 
wenige Stücke ist das durchführbar, aber das System ist für eine grössere Ausstellung nicht 
beweglich genug. Ich habe deshalb ein System ersonnen, welches diesen Mangel vermeidet. 
Hiernach wird die Münze von einer Metallklammer am unteren Rande gefasst und diese Klammern 
mit unten breitem Fusse stehen in einem Schuh, welcher als Borteinlage in die schmalen Glas- 
schränke eingeschoben wird. Das Glasschränkchen ist in der Mitte um seine Axe drehbar und 
ermöglicht dem Beschauer nicht nur, ohne um den Schrank herum gehen zu müssen, die Rück- 
seite der Münze zu betrachten, sondern auch jede gewünschte Beleuchtung durch Drehen des 
Schränkchens zu erhalten. Dieses System hat einmal den Vorteil, dass für die Münzen nicht 
besondere Öffnungen in einer Tafel zu schaffen sind, sondern sie stehen frei in der Luft und 
können mit leichter Mühe ausgewechselt weiden, wenn durch eine Ergänzung eine Verschiebung 
stattfinden muss, da die Klammern lose in dem Schuh stehen. Auch ein solcher Schuh mit einer 
Reihe Münzen ist mit Leichtigkeit auszuwechseln. Dieses System hat ferner den Vorzug, dass 
erheblich an Raum gespart wird. Dadurch, dass der Beschauer nicht gezwungen ist, wenn er die 
die Rückseite der Münze sehen will, auf die andere Seite des Schautisches zu treten, konnte diese 
Rückseite für eine zweite Reihe solcher Drehscbränkchen ausgenutzt werden. Es stehen somit auf 
einer Tischplatte vorne acht und auf der Rückseite ebenfalls acht Drehschränkchen, im Ganzen 
auf 4 Tischen 64 Stück. Die Aufstellung nach Nominalen ist nun so durchgeführt, dass an der 
Vorderseite der Avers an der Rückseite der Revers sich befindet und ist diese Anordnung auch 
dann festgehalten, wenn der Revers eine interessantere Prägung hat. Aber auch bei dieser Auf- 
stellung, bei der beide Seiten sichtbar sind, hat es sich nicht immer vermeiden lassen zwei Münzen 
von einer Wertung aufzustellen. Bei den älteren Münzen hat man nicht darauf Acht gegeben, 
wie bei den modernen Münzen, dass das Oben und Unten des Averses auch das Oben und Unten 
des Reverses ist. Es kommt bei einem Taler vor, dass, wenn das Wappen des Averses richtig 
steht, dann der wilde Mann des Reverses nicht aufrecht steht, sondern in horizontaler Lage erscheint. 
In einem solchen Falle ist dann noch ein zweites Stück ausgestellt, an dem der Revers richtig steht 
und der Avers in schiefer Stellung erscheint. — Die Aufstellung einer solchen Münzensammlung 
ist eine überaus mühevolle und zeitraubende und wird die Eröffnung des Münzensaales, in dem 
ausserdem noch die Münzenstempel Aufstellung finden werden, vor Ende des Jahres nicht zu 
erwarten sein. 

Reimers. 



21 



Vorgesehiehtliehe Goldfunde im Provinzial -Museum 

zu Hannover. 

Von Dr. P. Reinecke in Mainz. 

Hierzu Tafel VI. 

In seiner Abteilung vor- und frühgeschichtlicher Altertümer besitzt das Provinzial-Museum 
in Hannover aus Eyendorf, Kr. Winsen a. d. Luhe, einen bisher unpublizierten Goldring 
(Inv. No. 7538). (Fig. 1.) Das nicht geschlossene, massive goldene Armband (von ziemlich heller Gold- 
farbe) besteht aus einem schlichten, unverzierten runden Stabe, der sich gegen die Enden zu leicht 
verjüngt, um hier mit einer stollenartigen Verdickung abzuschliessen. Es ist verhältnismässig 
schwer, sein Gewicht beträgt 116,5 g. Bei seinem geringen Durchmesser (im Lichten 5 — 6 cm) 
konnte es nur an einem nicht sonderlich kräftigen Handgelenk getragen werden. Über die Fund- 
umstände des Ringes 1 ) wissen wir nur soviel, dass er im Jahre LS53 einem der westlich von 
Eyendorf gelegenen Steindenkmäler (Steinkammergräber) entnommen wurde, und zwar dem am 
Wege nach Lübberstedt gelegenen zerstörten Grabmal, von dem ein Deckstein mit zwei Trägern, 
sowie fünf andere Steinblöcke erhalten waren; unter dem Deckstein fand man das i ioldarmband, 
dem nämlichen Grabe entstammt noch ein Tonwirtel, ungewiss, in welchem Zusammenhange mit 
dem Ring. 

Da es sich bei diesem schlichten Armband nicht um irgend einen auffallenden, aus 
bestimmten Stufen der Vorzeit geläufigen Typus handelt, lässt sich die Datierung des Stückes 
nicht ohne Weiteres geben. Aus der glaubwürdigen Fundnotiz geht nur hervor, dass der Ring 
einem jüngersteinzeitlichen megalithischen Grabbau entnommen wurde, zu dessen ursprünglicher 
Beisetzung er natürlich nicht gehört; vielmehr kann hier nur eine nachträgliche metallzeitliche 
Bestattung in Frage kommen. Dieser Umstand deutet meines Erachtens immerhin schon auf 
verhältnismässig frühe Zeiten hin. Bestärkt wird dieser Eindruck noch dadurch, dass man in 
jüngeren Stufen der vorrömischen Metallzeit diesen Ringtypus vergeblich sucht; zweifellos gehört 
er der Bronzezeit an, ja offenbar ihrem Anfange, oder wenigstens ihrer älteren Hälfte, aus der 
aus Nordwestdeutschland bisher nur wenig Gräbermaterialien bekannt geworden sind. Aber ich 
glaube, diese Annahme noch durch einige Parallelen stützen zu können. 

Ich finde in unserer Ringform grosse Verwandtschaft mit den allerdings reich verzierten 
Goldarmbändern von Leubingen und Merseburg (Prov. Sachsen) aus der frühen Bronzezeit, der 
ersten der auch in Norddeutschland vertretenen vier Stufen des reinen Bronzealters. Hier bietet 
sich für die Eyendorfer Armspange am ehesten Anknüpfung. Es ist dieser Ringtypus aber keines- 
wegs auf Norddeutschland beschränkt. In der Westhälfte Frankreichs kehren recht ähnliche 
Goldarmbänder wieder, das Museum in St. Germain-en-Laye besitzt in Original wie Kopie einige 
Materialien hierfür. Ein schlichtes, mit dem Eyendorfer Exemplar auffallend übereinstimmendes 
Stück stammt von Besne (Dep. Loire-Inf.), recht ähnlich ist auch ein Ring von Caudoz (Gironde). 
In einem frühbronzezeitlichen Goldschatze von St. Babel bei Issoire ( Puy-de-Döme) liegen Ringe 
des nämlichen Typs, aber verziert wie die Stücke von Leubingen und Merseburg, das gleiche 
Alter haben die entsprechenden, verzierten Exemplare von Kerviltre (Finistere) und aus dem 
Museum in Rennes. 

Mit grosser Wahrscheinlichkeit können wir also den Armring von Eyendorf in die frühe 
Bronzezeit verweisen. Nach unserer Ansicht gehört er zu einem frühbronzezeitlichen Edelmetall- 
Typ, der in Europa eine gewisse Verbreitung erlangt hat, so wie sie für die nämliche Stufe auch 
noch so manche andere Form bekundet. 

Aus Hannover besitzen wir für die ältere Hälfte der Bronzezeit übrigens noch einen 
grösseren Goldfund in dem bekannten Goldschatz von Lorup (Kr. Hümmling) des Museums zu 

') Müller - Reimers, Vor- und frühgesch. Altertümer der Prov. Hannover, 1893, S. 161, No. a, S. 154; 
Katalog der Präh. Ausstellung Berlin, 1880, S. 176, No. 347 (verdruckt Egendorf statt Eyendorf). 



22 

Osnabrück. 1 ) Die Armringe dieses Goldfundes weichen von dem Typ der Eyendorfer Spange 
etwas ab. Interessant sind unter den Golddrahtgewinden des Loruper Schatzes die mit Spiral- 
scheibe, eine in Bronze in dieser Stufe noch kaum belegte Form. Der Fund führte zudem noch 
eine Bernsteinperle. 

* 

Gleichfalls bisher unpubliziert ist aus dem Besitz des Provinzial - Museums in Hannover 
eine nur in einigen Bruchstücken erhaltene Brillenfibel aus Bronze mit Goldblechverkleidung (Fig. 2), 
deren Fundort das Museumsinventar mit Gansau, Kr. Uelzen, angiebt. 2 ) 

Es handelt sich bei diesen Fragmenten um eine norddeutsch - skandinavische Brillenfibel 
(mit zwei ovalen Schalen und diese verbindendem kräftigem Bügel), von der sich leider nur die eine 
Schale und ein Stück des Bügels erhalten hat. Die dünn gegossene Bronzeschale ist auf der 
(convexen) Aussenseite mit feinem Goldblech verkleidet, das um den Rand geschlagen ist. Die 
Goldfolie zeigt getriebene (herausgetriebene) Verzierung, Stricklinien (durch eingeschlagene schräge 
Striche gekerbt) und konzentrische Kreise. In der Mitte der Schale sind Kreise und Stricklinien bereits 
wieder verflacht, die Bronzeunterlage ist hier ausgebrochen, zudem ist das Goldblech rissig geworden, 
offenbar neuzeitliche Beschädigung der Fibel. Die bei der Schale im Ornament ja durch die ge- 
schlängelte Stricklinie angedeutete Ansatzstelle des Fibelbügels lässt nicht erkennen, wie der Bügel 
eigentlich ansetzte; die Bronzeschale ist hier glatt abgeschnitten, das Goldblech kräftig um den 
Rand geschlagen. An dem Bügelfragment zeigt sich jedoch eine dicke rinnenförmige Ansatzstelle, 
was die Vermutung nahelegt, dass es sich hier um eine rohe, durch einfaches Umgiessen von 
Metall bewerkstelligte Reparatur handelt, wie solche des öfteren an gleichalterigen Bronzen zu 
beobachten sind. Der Bügel war mit einem dünnen schmalen, mit feinem Grat versehenen Gold- 
streifen umwickelt, die spiralförmige Wickelung hat sich jetzt gelockert. 

Die Fibel gehört einem geläufigen Typus aus Norddeutschland und Skandinavien an. Sie 
ist charakteristisch für Montelius' V. Stufe der nordischen Bronzezeit, die wir (aus hier nicht 
weiter zu berührenden Gründen) nicht recht scharf von seiner rV. Stufe trennen zu dürfen glauben. 
Der Gruppenkomplex IV und V entspricht grossenteils der frühen Hallstattzeit Süddeutschlands, 
der ältesten Villanovazeit Italiens, der spätmykenischen Stufe Griechenlands (1200-1000 v. Chr.), 
reicht aber noch etwas abwärts. 

Interesse bietet unsere Fibel von Gansau wegen ihrer Goldblechverkleidung. Sie gehört 
damit zu einer Klasse kunstgewerblicher Arbeiten der nordwestdeutsch -skandinavischen Gruppe 
der Bronzezeit, für die sich unser Gesichtskreis immer mehr erweitert. 

Die Technik der Goldplattierung reicht nördlich der Alpen bereits in ältere Zeiten zurück. 
So besitzt das Museum in Wiesbaden aus der Umgebung von Worms aus einem Grabfund Nadeln 
der zweiten Stufe der Bronzezeit und zwei schwach gewölbte Bronzescheiben, die mit getriebenem 
Goldblech (mit konzentrischen Kreisen u. s. w.) überzogen sind. Weiter erinnern wir an die ge- 
presste Goldfolie aus einem Grabhügel bei Glüsing unweit Tellingstedt (Ditmarschen) , bei der 
allerdings eine Bronzeunterlage fehlte, und an den goldblechverzierten Sonnendiskus des Wagens 
von Trundholm auf Seeland, beides Funde aus der dritten Stufe des reinen Bronzealters 
(= Montelius: II). Eine Anzahl Schwerter aus Dänemark gleichen Alters mit der unmittelbar 
folgenden Schlussstufe der reinen Bronzezeit (= Montelius: III) zeigt an den Griffen derartige 
Goldaufiage, das schöne Werk von Madsen (Bronceal deren) bietet hier eine Reihe von Abbildungen. 
Auch von den britischen Inseln fehlt es an analogen Arbeiten der Bronzezeit nicht, ich verweise, 
um nur ein Beispiel zu nennen , auf den sogenannten Pferdebrustschmuck (Gold auf Bronze) aus 
dem Tumulus Bryn-yr Ellyllon bei Mold in Flintshire (Britisches Museum). 

Mit dem Beginne der Hallstattzeit, in der Gruppe IV und V bei Montelius, finden wir 
im nordwestdeutsch - skandinavischen Kreise diese Technik noch reichlicher in Anwendung. Die 
Materialien aus Schweden und Dänemark für Montel^s 1 IV. Gruppe hat unlängst 0. Almgren 
gelegentlich seiner Besprechung der schönen Funde aus „König Björns Hügel" bei Näga unweit 
Upsala zusammengestellt. 3 ) Bronzeschwerter (Goldplattierung auf den Seiten der umlappten Griff- 
zungen etc., wie auf den Nietköpfen) , ferner Brillenfibeln, Stangenknöpfe, flache Knöpfe, Messer- 



') Mitt. Ver. f. Gesch. u. Landesk., Osnabrück, XVII. 1892, S. 41(1-18, Taf. TV. 

2 ) Nu. T. r )l!!l des Inventars. Aus der Sammlung v. Estorff. — Bei Müller-Reimers nicht erwähnt. Ob die 
Fibel identisch ist mit der Spange von Schinna, Katalog der Ausstellung Berlin 1880, S. 176, No. 345, ist zweifelhaft. 
Das hier verzeichnete Objekt ist wohl das nämliche wie die bei Müller-Reimers, S. 27, oben, erwähnte runde ver- 
goldete Schmuckplatte mit Verzierung aus den Reihengräbern von Schinna. 

3 ) Arkeol. Monografier, utgifua af kung. Vitt. Hist. och Antiqu. Akademien, I, Stockholm, 1905. 



griffe u. a. wären hier zu nennen. Bei den Fibeln ist genau wie bei unserem Exemplar von 
Gansau der Bügel mit schmalem drahtartigem Goldstreifen umwickelt. Auch in Norddeutschland 
kehren solche Arbeiten wieder, vornehmlich in der Formengruppe V. Ein anscheinend ver- 
schollener Fund von Calbe a. Saale (der ehemaligen Sammlung Wiggers-Magdeburg) mit Bronzen, 
die man nach Montelius und Splieth ohne weiteres dem Formenkreise IV einreihen muss, führt 
eine Bronzenadel mit Scheibenkopf, deren Schaft mit Goldblech verkleidet ist. Für die Gruppe V 
kommen dazu unsere Fibelbruchstücke von Gansau, aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg weiter 
Bronzenadeln, Armbänder u. a. mit solcher Plattierung, selbst Eisen zeigt solche Verkleidung, 
wie eine Nadel von Dergenthin in der Westpriegnitz , oder aus einem anderen Gebiet die 
Eisenaxt aus einem Grabe (der zeitlich nahestehenden zweiten Hallstattstufe) von Kazmierz in 
Posen lehren. l ) Um das Vorkommen dieser Technik in jüngeren vorrömischen Zeiten nördlich der 
Alpen nicht ganz mit Stillschweigen zu übergehen, erinnere ich hier noch kurz an den schönen 
Späthhallstattdolch mit vorzüglich goldplattiertem Griff und Scheide, der aus dem Leichenfelde 
von Hallstatt in Oberösterreich stammt. 

Die Technik, wie wir sie von den genannten vorgeschichtlichen Denkmälern kennen, eine 
primitive Goldplattierung, setzt nicht notgedrungen eine sehr hohe Fertigkeit in der Behandlung der 
Metalle voraus. Bereits in der frühen Bronzezeit hatte selbst nördlich der Alpen die Metall- 
industrie eine gewisse technische Vollendung erlangt, man leistete im Metallguss wie im Treiben 
und Punzen ganz Ansehnliches, deshalb braucht dies einfache Verfahren der Goldblechverkleidung 
bei uns also nicht notwendigerweise von aussen hereingetragen zu sein. Trotzdem, glaube ich, 
hat diese Technik nicht ohne fremde Anregung nördlich der Alpen Anwendung gefunden. Es 
lässt sich das für die jüngere Hälfte des reinen Bronzealters und den Beginn der Hallstattzeit 
durch auffallende Parallelen erhärten. 

Wir erwähnten oben aus dem nordwestdeutsch - skandinavischen Kreise des Bronzealters 
das Vorkommen typischer Schwerter der Gruppen II— V (nach Montelius' Klassifikation) mit solchem 
Goldblechbelag. Wenn nun im ägäischen Kulturkreise im zweiten vorchristlichen Jahrtausend uns 
analoge Arbeiten, Bronzeschwerter mykenischen Typs mit goldplattierten Nägeln, Griffseiten 
und Griffverschalungen aus Goldblech entgegentreten, so ist das doch wohl nicht blos ein Zufall. 
Wir kennen im Agäicum, im mykenischen Kreise, Schwerter und Dolche dieser Art aus der Stufe 
der Schachtgräber von Mykenae (c. 1700 v. Chr.; nach Evans' kretischer Terminologie: Middle 
Minoan III und Late Minoan I), und zwar aus den Gräbern innerhalb der Akropolis beim Löwentor 
in Mykenae selbst, weiter aus der sogenannten Palaststil-Zeit, der Stufe des Vafio- Grabes (ca. 
1500 v. Chr.; Late Minoan H; Zeit Thutmes III) aus den Nekropolen von Knossos und Phaestos 
auf Kreta wie vom griechischen Festlande (Vafio, Mykenae). endlich vielleicht auch noch aus der 
eigentlichen jüngermykenischen Zeit (1400. 1300 v. Chr. — Jalysos- Gräber; Amarnazeit, 
Ramses IL). Alle diese Stücke bekunden nur wieder die hohe technische wie auch künstlerische 
Vollendung der Metallindustrie der minoischen Kultur auf Kreta und in dem von diesem Zentrum 
abhängigen ägäischen Kulturkreise. So wie von diesen ägäischen Gebieten in einer uns noch un- 
fassbaren Art der Übertragung eine entwickelte Spiralornamentik in den hohen Norden gelangte 
und hier auf Erzeugnissen jüngerbronzezeitlichen Kunstgewerbes der nordwestdeutsch-skandinavischen 
Gruppe eine reiche Entfaltung der Spiraldekoration auslöste (die freilich nur allzubald 
wieder verfiel), so können die goldverzierten Schwerter des Nordens in letzter Linie auch nur auf 
eine fremde Anregung, eben jenes südlichen Kulturkreises, zurückgehen. Die prachtvollen Schwerter 
der kretisch -mykenischen Kunstindustrie legen eine solche Annahme doch recht nahe; zudem 
handelt es sich ja auch um zeitliches Zusammentreffen. Im kretisch-mykenischen Kreise beginnen 
derartige Waffen eher als im Norden; im Norden, wo sie mit dem schönen Schwert von Näga in 
Upland u. a. ja noch bis in die Anfänge der Hallstattzeit reichen (nach südlicher Terminologie 
spätmykenische Zeit, Zeit der Gräber mit Larnakes auf Kreta, der Nekropolen von Enkomi etc. auf 
Kypros) , lassen sich solche Waffen noch wieder etwas später als im Süden nachweisen. Die 
beiden, mehrere Stufen umfassenden Fundreihen fallen also zeitlich teilweise zusammen, nur beginnt 
die mykenische früher, um, soweit uns bekannt, auch früher aufzuhören. Da es sich hier jedoch nur um 



Zeitschr. f. Ethnologie, XXII., 1890, Verh. S. 366; Altertümer unserer heidn. Vorzeit IV, 49, 8. — 
Zeitse.hr. f. Ethn. 1905, S. 384—85, sind die Techniken der Plattierung und Tauschierung nicht scharf genug 
getrennt. — Tauschierung haben wir, von sehr viel früheren Vorläufern abgesehen, nördlich der Alpen bereits von 
der frühen Hallstattzeit ab , z. B. Eisen auf Bronze bei Ronzanoschwertern , des öfteren Gold z. B. auf einer 
Bronzeschwertklinge (Typ: Montelius IV) von Leistenförde bei Boizenburg in Mecklenburg. 



24 

Kulturübertragung, nicht Import, handelt, so sind diese geringen Zeitdifferenzen gegenstandslos, 
aber sie zeigen, glaube ich, mit voller Schärfe, wo wir den Ausgangspunkt dieser Dekoration 

auf den Schwertern wie wohl auch bei den anderen Typen zu suchen haben. 

* * 

* 

Bisher nur aus ungenügender Abbildung bekannt sind zwei Goldschalen vom Ausgange 
der Bronzezeit (Fig. 3 und 4), die das Provinzial - Museum in Hannover im Jahre 1872 erworben 
hat (Inv. No. 7527, 28). Von den beiden Stücken legen wir hier eine photographische Aufnahme 
vor, die sowohl das Profil wie die Verzierung klar wiedergibt. 

Die beiden Goldschalen haben in der Grösse wie im Gewicht und Ornament geringe 
Differenzen. Die eine, mit geringerem Mündungsdurchmesser (9,5 — 9,6 cm), erreicht eine Höhe 
von 6,5 cm, das Gewicht beträgt 54,5 g; die zweite, am Boden etwas beschädigte, hat 9,8 — 10,0 cm 
Mündungsdurchmesser, aber eine Höhe von kaum 6 cm, bei einem Gewicht von nur 51 g. Die 
Farbe des Goldes ist ungleich; am Halse zeigt sich die bekannte rötliche Goldpatina, am Boden 
spielt bei beiden Exemplaren die Farbe erheblich ins Gelbe über. Die Schalen sind in einem Stück 
getrieben; das Goldblech hat am Rande die Stärke von ungefähr einem halben Millimeter. Sie 
sind nicht genau drehrund gearbeitet, wie auch aus den angegebenen Zahlen für den Durchmesser 
ersichtlich ist. Die herausgetriebenen Verzierungen bestehen aus konzentrischen Kreisen, Reifen 
und Buckelreihen. Löcher, die auf einen besonders angenieteten Henkel hinweisen würden, fehlen. 
Nach dem amtlichen Fundprotokoll l ) wurden die beiden Goldschalen zu Beginn des Jahres 
1872 hart an der Strasse Dornum-Sandhorst bei Terheide, Landgemeinde Westerholt (Kr. Wittmund, 
Rgbz. Aurich) an einer kurz vorher eingeebneten, einst mit einer Sanddüne bedeckten Stelle in 
geringer Tiefe zusammen mit den Scherben eines Tongefässes gefunden. Dass das Tongefäss 
ausser den Goldbechern noch etwa calcinierte Knochen, Leichenbrand, enthalten hätte, wird nicht 
angegeben. Das im Verein mit dem Umstände, dass an der Fundstelle sich einst eine Sanddüne 
erhob, macht es zur Gewissheit, dass es sich hier um einen Versteckfund, ein Depot, nicht um 
ein Grab, handelt. 

Zeitlich gehören die Goldschalen von Terheide in die älterhallstättischen Gruppen IV und V 
nach Montelius' Terminologie. In grösserer Zahl kennen wir solche getriebenen Goldgefässchen 
aus dem Bereich der nordwestdeutsch -skandinavischen Bronzekultur (aus Schweden, Dänemark, 
Schleswig -Holstein, Hannover) 2 ). Sie beginnen hier in der vierten, letzten Stufe der reinen 
Bronzezeit (= Montelius: IH), wie z. B. ein Grabfund von Gönnebeck in Holstein 3 ) lehrt, um dann 
in dem älterhallstättischen Gruppenkomplex IV und V (Montelius) überaus reich vertreten zu 
sein. Abbildungen bieten zur Genüge die bekannten Sammelwerke von Worsaae. Madsen, 
Soph. Müller, Montelius, Mestorf und Splieth (wie der III. Band der ,, Altertümer unserer heid- 
nischen Vorzeit"). Eine ganze Reihe charakteristischer Formen ist hier vertreten, zum Teil mit 
typischen Hallstattprofilen. Einige dänische Becher haben einen grossen, besonders angesetzten 
Henkel, der in einen Pferdekopf ausgeht; Goldschalen aus Schleswig verraten durch Löcher der 
Wandung und ausgesparte Stellen im Ornament wenigstens das einstige Vorhandensein ähn- 
licher Henkel. 

Es ist noch eine offene Frage , ob oder wieweit diese Goldschalen im Norden entstanden 
sind, Erzeugnisse der nordwestdeutsch-skandinavischen Bronzekultur vorstellen. 4 ) Manches spricht 
für nordische Fabrikation, manches dagegen. Ersichtlich ist, dass sie grossenteils in Form wie 
Ornament stark durch älterhallstättische Erscheinungen südlicher Herkunft beeinfiusst sind, so gut 
wie die Bronze-Hängebecken der Gruppen IV 7 und V. Es könnte das für die nordische Fabrikation 
des grössten Teiles der Goldgefässe ins Feld geführt werden. Die Hängebecken sind aber 
gegossen, nicht getrieben, und ahmen sogar teilweise die getriebenen Ornamente der fremden 
Vorlage im Guss nach; hier verrät sich also scheinbar eine Unfähigkeit des Nordens, Metalle zu 
treiben. Dagegen sind die Goldschalen ja durchweg getrieben, was für südliche Herkunft sprechen 



') Abgedruckt in der 34. Nachricht über den historischen Verein für Niedersaehsen, Hannover, 1872, 
S. 23—26. — Müller-Reimers, S. 303: Katalog der Ausstellung Berlin, 1880, S. 176, No. 348. 

*) Aus Hannover stammt noch eine dritte Goldschale (grösser, gröber gearbeitet), das 1840 am 
Spölberg bei Gölenkamp, Kr. Lingen, Rgbz. Osnabrück, gefundene Gefäss (Altertümer uns. heidn. Vorzeit 
III, XI, 1, 3). 

3 ) Mestorf, Vorgeseh. Altertümer aus Schleswig-Holstein, 356 (247 etc.). 

4 ) Auch die Ausführungen Olshausens (Zeitschr. f. Ethn. XXII, 1890, Verh. S. 290 f.) haben hier keine 
Klarheit gebracht. 



25 

würde. Nun kennen wir aber auch aus anderen Gebieten nördlich der Alpenlinie solche Gefässe 
lind verwandte Arbeiten in Gold. Das Museum für Völkerkunde in Berlin besitzt von Werder 
a. Havel ein hauchiges Goldgefäss etwas anderer, im Norden nicht belegter Form, 1 ) das zeitlich mit 
den übrigen wohl zusammengeht. Ferner haben wir aus einem frühhallstättischen Depotfunde 
von Unterglauheim südwestlich Donauwörth (Schwaben) 2 ) zwei Goldbecher in Eiform, die nordischen 
Stücken sehr ähnlich sind, obschon so schlanke Exemplare wie diese beiden meines Wissens 
nirgends mehr vorkommen, aber in Süddeutschland in der gleichalterigen und etwas jüngeren 
Keramik in nahe verwandten Bildungen wiederkehren. :1 ) Weiter müssen wir an den von uns als 
Kultsymbol angesprochenen „goldenen Hut" von Schifferstadt in der Rheinpfalz und sein französisches 
Gegenstück 4 ) erinnern, die analoge Arbeiten vorstellen, wenngleich ihr Alter (sie dürften noch der 
reinen Bronzezeit angehören) nicht präzis anzugeben ist; auch die oben erwähnten sicher älter- 
bronzezeitlichen Goldbleche (auf Bronzeunterlage) mit getriebenen konzentrischen Kreisen aus einem 
Grabe bei Worms dürfen wir hier nicht übergehen. Aus diesen Funden lernen wir aber nur. dass 
getriebene Goldarbeiten in der Zone nördlich der Alpen bereits wesentlich früher erscheinen als im 
Norden, und dazu in einem sehr viel grösseren Verbreitungsgebiet. Aber über die scheinbar eigenen 
Formen des nordwestdeutsch-skandinavischen Kreises bringen uns diese Funde keinen Aufschluss. 
Trotzdem ist die Folgerung, dass bei dem Fehlen ausgezeichneter „nordischer" Stücke anderwärts 
nunmehr die einheimische Fabrikation aller im Norden gefundenen Goldgefässe gesichert sei, 
meines Erachtens nicht erlaubt. Denn wir wissen ja noch zu wenig von solchen Goldvasen der 
frühen Hallstattzeit aus dem Gebiet östlich der mittleren Elbe und aus Süddeutschland, dürfen 
also die Möglichkeit von dem Vorhandensein scheinbar „nordischer" Stücke hierselbst nicht von 
der Hand weisen. 

Vorläufig sind wir da ausser Stande zu entscheiden, ob die vorgeschichtlichen Goldgefässe 
aus Nordwestdeutschland und Skandinavien auf einheimische oder fremde, südliche Kunstindustrie 
zurückgehen. Südliche Elemente in Form wie Ornament sind in diesen Goldvasen ja latent, das 
liegt klar zu Tage, weiter beschränken sich diese Edelmetallgefässe nicht auf den Norden, sondern 
fehlen auch nicht in der Zone nordwärts der Alpen, wo sie ja keinesfalls typisches nordisches 
Fabrikat vorstellen können, wie wir sahen. Vielleicht werden wir eines Tages zu der schon von 
Montelius vorgeschlagenen Lösung des Rätsels kommen, dass nämlich die Mehrzahl der nordischen 
Goldbecher südlicher Herkunft ist. den Werkstätten entstammt, die auch das getriebene Bronze- 
geschirr der älteren Hallstattzeit herstellten, der Norden daneben aber auch in fast gleichwertiger 
Technik diese Importwaren in gewissem Umfange nachahmte und mit eigenen Zutaten versah. 



») Erwähnt Zeitschr. f. Bthn., XXII, Verh. S. 298. 299. 

2 ) I. Jahresber. d. Hist. Vereins im Oberdonaukreise, Augsburg, 1836, S. 12—14, Taf. VI 62—65 ; Altertümer 
uns. heidn. Vorzeit, IV, Taf. 19. 

3 ) Wesentlich anders (und älter) ist das Goldgefäss von Rillaton in Cornwall (Evans, Bronzeimplements, 
S. 408). Die irischen Goldgefässe bleiben hier besser ausser Betrachtung. — Goldschalen aus Ungarn (Goldfund 
Fokoru; Schalen aus dem Komitat Bihar) haben anderen Charakter. Endlich sei noch hier aus dem spät- 
hallstättischen Grabfund von Apremont in Frankreich eine schlichte weite Goldschale, wieder anderer Art, erwähnt, 

4 ) Altertümer uns. heidn. Vorzeit, I, X, 4. 1. 2. 



26 



Beiträge zur Landesfauna. 

Von Hermann Löns. Hannover. 

3. Hannovers Sängetiere. 

Die höchste Klasse der Tierwelt, die der Säugetiere, ist bei uns noch wenig genug 
erforscht, und das, was erforscht ist, zusammenzufassen, hat bisher noch niemand für nötig 
gehalten. An den Grenzen des Gebietes, wo die Forscher von Braunschweig, Münster, Oldenburg, 
Hamburg und Bremen planmässig arbeiteten und ihre Ergebnisse in Zeitschriften oder Sammel- 
werken niederlegten, ist unser Gebiet ziemlich gut, wenigstens was die Arten anbetrifft, durchforscht ; 
die übrigen Teile sind bisher aber noch sehr wenig abgesucht und über einige Fledermäuse und 
eine Wühlmaus wissen wir heute noch kaum mehr, als J. H. Blasius in seiner 1857 erschienenen 
„Naturgeschichte der Säugetiere Deutschlands" uns überlieferte. 

In dem Literaturverzeichnisse führe ich, bis auf einige zum Teil recht unzuverlässige oder 
faunistisch wertlose Mitteilungen und Aufsätze der Jagdpresse, die von mir zum grössten Teil 
durchgearbeitete Literatur an; die von mir gelesenen Werke oder Aufsätze bezeichne ich am 
Schluss mit *; die Angaben: Pr. M., N. G. und St. B. bedeuten, dass das Werk, die Zeitschrift 
oder die Arbeit sich in den Bibliotheken des Hannoverschen Provinzial- Museums, der Natur- 
historischen Gesellschaft zu Hannover oder in der Hannoverschen Stadtbibhothek befindet. Hin- 
weise auf mir unbekannt gebliebene Werke oder Schriften nehme ich dankbar an, auch sind 
Sonderabzüge von den die Tierwelt der Provinz behandelnden Arbeiten , mit Quellenangabe und 
Datumsbezeichnung versehene Artikel aus Zeitungen und Zeitschriften, die auf die Tierwelt der 
Provinz Bezug nehmen, sehr erwünscht für die faunistische Bibliothek des Provinzial-Museums, 
wo sie nach Klassen geordnet in Mappen eingereiht werden; solche Ausschnitte, die oft sehr 
wichtig für die Forschung sind, sind manchmal sehr schwer, oft sogar garnicht aufzutreiben oder 
entgehen der faunistischen Bibliographie überhaupt. 

Die Geschichte der Wirbeltierfaunistik Hannovers ist leider kurz genug darzustellen. 
1789 veröffentlichte M er rem sein Verzeichnis der rotblütigen Tiere Göttingens; Pfarrer '-oeze 
zu Quedlinburg gab 1794 seine „Europäische Fauna" heraus, die allerlei Angaben über das Gebiet 
zusammenfasst ; 1822 erschien Spangenbergs „Versuch einer Fauna Goettingensis", eine zwar 
kritiklose, aber immerhin recht brauchbare Arbeit kompilatorischer Art; 1834 machte Saxesen. 
in Zimmermanns Buch „Das Harzgebirge" seine Mitteilungen, und dann wurde durch Heinekens 
1837 erschienene Arbeit über die Bremische Fauna auch Nord-Hannover etwas berücksichtigt; alle 
diese Arbeiten sind aber zusammen nicht von der Wichtigkeit, wie das 1857 herausgekommene 
Säugetierwerk von J. H. Blasius, in dem vorzüglich der Harz Berücksichtigung fand; aus der 
Hildesheimer Gegend und vom Harz brachte 1860 die „Synopsis" von Leunis manche gute 
Angabe, und 1861 gaben Kohlrausch und Steinvorth ihre „Beiträge" heraus, die zwar manche 
wertvolle, aber auch, wie ich von dem kürzlich verstorbenen Oberlehrer H. Steinvorth bestätigt 
erhielt, allerlei Angaben enthält, für die die Verfasser keine Bürgschaft übernehmen konnten; ich 
habe im Provinzial-Museum ein mit kritischen Bemerkungen nach den Angaben Steinvorths ver- 
sehenes Stück dieses Schriftchens niedergelegt. Im Jahre 1876 erschien das „Systematische Ver- 
zeichnis der Wirbeltiere Oldenburgs" von Wiepken und Greve, das vielfache Angaben über 
das Oldenburg benachbarte hannoversche Unterwesergebiet enthält, sodann 1880 das ostfrisische 
Säugetierverzeichnis von Focken, 1882 die frühere Arbeiten genau berücksichtigende Säugetier- 
fauna der nordwestdeutschen Tiefebene von Poppe, und in dem von H. Landois, Fr. Westhoff 
und E. Rade 1883 herausgegebenen Werke „Westfalens Tierleben" fanden die Gegenden von 
Osnabrück und Hameln vielfach Berücksichtigung. Von 1890 bis 1891 erschienen dann die 
zusammenfassenden Arbeiten von Schulze, zu derselben Zeit Borcherdings ebenfalls zusammen- 
fassende Schriften, und 1893 Hess Moll mann seine musterhafte Fauna des Artlandes erscheinen. 
Schneiders Fauna von Borkum kam 1898 heraus, die Fauna Hamburgs 1901. Nachdem die 
naturhistorische Abteilung des Provinzial-Museums in Dr. A. Fritze einen Fachmann als Leiter 



27 

erhielt, ging, soweit das bei der Unmenge von dringlichen Arbeiten möglich war, von dort unter 
Mithülfe des jungen „Vereins zur Erforschung der Tierwelt des Hannoverlandes" eine planmässige 
Erforschung der Säugetierfauna vor sich, und seit dem Januar 1904 begann ich an diesem Werke 
mitzuhelfen. 

Mit der „Bitte", einer als Frageheft zusammengestellten Wirbeltierfauna, gewann ich über 
dreihundert Mitarbeiter, von denen nicht wenige volle Lokalfaunen einsandten und zum Teil ihre 
Angaben auch durch Belege bewiesen, die teils im Hannoverschen Provinzial- Museum, teils im 
Kgl. Zoologischen Museum zu Berlin niedergelegt wurden. Durch volkstümlich gehaltene Aufsätze 
in der Jagd- und Tagespresse war bald ein allgemeines Interesse an der Erforschung unserer 
heimischen Wirbeltierwelt angefacht, und die eingeschlagene Methode führte unmittelbar und 
mittelbar zu so guten Ergebnissen, dass bisher schwer zu erlangende Säuger, wie Schläfer, Mäuse, 
Spitzmäuse, Fledermäuse, in ziemlicher Menge dem Provinzial-Museum zugingen. Wenn nun auch 
hier und da, besonders bei den schwer zu erlangenden Fledermäusen, noch manche Art im Museum 
fehlt, im Grossen und Ganzen sind die heimischen Säugetiere dort gut vertreten. 

Nach wie vor aber ist es sehr erwünscht, wenn von Schlafmäusen, Mäusen, Wühlmäusen, 
Spitzmäusen und Fledermäusen möglichst viel aus der Provinz stammendes, mit genauen Ort- und 
Zeitangaben versehenes Material dem Provinzial-Museum zugeht, denn es sollen im Museum nicht 
nur Belegstücke niedergelegt werden, sondern es soll auch möglichst jede Tierart in einer an- 
schaulichen Gruppe dem Publikum vor Augen geiührt werden; ausserdem ist es notwendig, dass 
von Hannover aus, wie von den übrigen Teilen des Königreiches, recht viel Vergleichsmaterial an 
das Kgl. Zoologische Museum zu Berlin abgegeben werde , damit den Spezialforschern dieser 
Anstalt das schwierige Werk der Formenbegrenzung ermöglicht werde, eine Arbeit, die nur von 
einer so grosssen, mit sehr viel Vergleichsmaterial und der gesamten Literatur arbeitenden 
Zentralstelle geleistet werden kann, deren Ergebnisse aber wieder der Provinzialforschung zu 
Gute kommen. 

In dem Artenverzeichnisse führe ich alle in voller Freiheit lebenden Arten mit laufenden 
Nummern, das Gatterwild und die im übrigen Deutschland vorkommenden, für Hannover noch 
nicht festgestellten Arten ohne Nummer und die zu geschichtlicher Zeit ausgestorbenen Arten mit 
einem Kreuze an. In der Systematik und Nomenklatur folge ich dem kürzlich erschienenen Werke 
von Otto Schmiedeknecht: „Die Wirbeltiere Europa's mit Berücksichtigung der Faunen von 
Vorderasien und Nordafrika." Bei selteneren oder schwierigen Arten füge ich an, ob und wo 
Belegstücke vorhanden sind; gebe ich keine nähere Bezeichnung an, so ist das hannoversche 
Provinzial-Museum gemeint. 



Die Literatur. 



1. Altum, B. Forstzoologie. 2. Aufl. Berlin, J. Springer, 1880.* 

2. Anonym. Eine weisse Ricke bei Altmerdingen von Rentier Behrens erlegt. Der Waidmann, 1898, 

Nr. 17.* 

3. — Das Schwarzwild in Preussen. Nitzsche's Illustrierte Jagdzeitung, 12. Jahrgg., 1885, 

Nr. 11, S. 114.* 

4. — Wildabschuss in Preussen. Ebenda, 14. Jahrgg., 1886, Nr. 6, S. 65.* 

5. — Schwarze Rehe in Hannover. Ebenda, 1875, S. 215.* 

6. Auhagen. Verzeichnis des im Rechnungsjahre 1862 — 63 iD den Kgl. Harzforsten abgeschossenen 

Wildes. Verhandlungen d. Harzer Forstvereins für 1863, S. 78. 

7. Bechstein, J. M. Gemeinnützige Naturgeschichte aller drei Reiche Leipzig, 1789.* N. G. 

8. Beckmann, L., Die letzte Luchsjagd am Harze. Der Waidmann, 1890, S. 293.* 

9. Berthold, A. A., Königliches akademisches Museum. Nachrichten der G. A. Universität und 

der Königl. Gesellsch. d. Wiss. zu Göttingen, 1850, Nr. 10.* St. B. 

10. Blasius, J. H., Über einige neue Fledermäuse. Isis, 1839, S. 667. 

11. — Desgleichen. Berichte d. naturw. Ver. d. Harzes, 1841 — 42, S. 16. 

12. — Beschreibung zweier neuer deutscher Fledermausarten. Archiv für Naturgeschichte, 1853, 

S. 36. 

13. — Naturgeschichte der Säugetiere Deutschlands. Braunschweig, F. Vieweg & Sohn, 1857.* 

Pr. M., N. G. 

14. — Über Vesperugo Nilssonii vom Harze. Der zoologische Garten, 1880.* N. G. 

15. — Über das Vorkommen von Vesperugo nilssonii am Oberharze. Archiv für Naturgeschichte 1839. 

4* 



28 

16. Blasius, W., Hauskatze und Wildkatze. Aus Wald und Haide, 1878, S. 8. 

17. — Der Biber, Castor über Linne. Wien und Leipzig, M. Perles, 1886. 

18. — Die faunistische Literatur Braunschweigs und der Nachbargebiete mit Einschluss des 

ganzen Harzes. Jahresb. d. Ver. f. Naturw. zu Braunschweig, 1891.* Pr. M., N. G. 

19. Berdrow, H., Der Brocken. In: Die Flora des Brockens, von Franz Bley, Berlin, Gebr. Bornträger, 

1896.* Pr. M. 

20. Blumenbach, J. F.. Handbuch der Naturgeschichte. Göttingen, 1813.* N. G. 

21. Bonn. Über den Biber bei Lüneburg. Hannov. Beiträge, 1759. 

22. Borcherding, Fr., Über das Vorkommen der Hausratte, Mus rattus, im nordwestlichen Deutsch- 

land. Der zoologische Garten, 1889, S. 29 ff.* N. G. 

23. — Die Tierwelt der nord westdeutschen Tierebene. In : Die freie Hansestadt Bremen und 

ihre Umgebungen, Festgabe zur Versammlung d. Gesellschaft d. Deutsch. Naturf. u. Ärzte 
in Bremen, 1890, S. 220 ff * 

24. Das Tierleben auf Flussinseln und am Ufer der Flüsse und Seen. In: Die Tier- und 
Pflanzenwelt des Süsswassers von 0. Zacharias, Leipzig, J. J. Weber, 1891, S. 333 ff.* 

25. Brandt, K., Das schwarze Rehwild. Kassel, Fr. Scheel, 1889.* 

26. Das Gehörn und die Entstehung monströser Formen. Berlin, Paul Parey. 1901.* 

27. — Das schwarze Rehwild. Das Waidwerk in Wort und Bild, Nr. 8 u. 9, Beilage d. Deutsch. 

Jäger-Zeitung, Nr. 34, Bd. 44, 26. Jan. 1905. Sonderabdruck Neudamm, J. Neumann, 1905.* 

28. Brinkmann, A., Die Tierwelt. In: Festschrift zur 50jährigen Jubelfeier des Provinzial-Land- 

wirtschafts-Vereins zu Bremervörde, Regierungsbezirk Stade. Stade, A. Plockwitz, 1885, 
S. 176—204.* 

29. Brüning, J. Fr., Winterquartier der Brandmaus. Jahrb. d. Ver. f. Naturk. a. d Unterweser, 

1898, S. 12.* Pr. M. 

30. Burckhardt, H., Wald, Moor und Wild im Emslande. Aus dem Walde, 1875, S. 1 ff.* St. B. 

31. — Rothirsche ohne Geweih. Ebenda, 1876, S. 318 ff.* St. B. 

32. Claudius, W., Flüchtige Blicke, in die Natur des Südrandes des Herzogtums Lauenburg. Jahresb.. 

d. naturw. Ver. Lüneburg, 1866, S. 62 ff.* N. G. 

33. Colonius, Wildkatzen. Deutsche Jägerzeitung. Nr. 37, Bd. 46, 4. Febr. 1906.* 

34. Conrad, E.. Hannoversche Jagdchronik aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Der Waidmann, 

19. Bd., 1898, Nr. 44.* 

35. von Cappeln, Wanderbuch für den Solling. 3. Aufl., Holzminden, C. C. Müller, 1901.* Pr. M. 

36. Focken, Th., Ostfrieslands Säugetiere. Jahresb. u. Schrift, d. naturf. Ges. Emden, 1880, S. 44.* N. G. 

37. — Desgleichen. Ostfriesisches Monatsblatt, 1881, S. 183. 

38. Fritze, A., Abnorm gefärbte Säugetiere und Vögel in der Sammlung des Prov.-Mus. z. Hannover. 

2. Jahrbuch d. Prov.-Mus. z. Hannover für 1904 — 5, S. 20 — 23.* Pr. M. 

39. GerlofT, E., Das Schwarzwild im Harz. Der Waidmann, 30. Bd., Nr. 19.* 

40. Goeze, J. A. E., Europäische Fauna. Leipzig, 1794.* N. G. 

41. Grote, Die beiden letzten Wölfe im Hannoverschen. Hannov. Sonntagsblatt, 25. Febr. 1906.* Pr. M. 

42. Hachmann, Die im südlichen Land Wursten vorkommenden Mäusearten. Jahrb. d. Verb. f. Naturk. 

a. d. Unterweser, 1899, S. 83 ff. 

43. Häpke, L.. Die volkstümlichen Tiernamen im nordwestlichen Deutschland. Abh. d. Naturw. Ver. 

Bremen, 1870, S. 275-319.* N. G. 

44. Halle. Verein für Erdkunde. Die landeskundliche Literatur für Nordthüringen, den Harz und den 

provinzialsächsischen wie anhaltinischen Teil an der norddeutschen Tiefebene. 
Halle a. S., 18S4 

45. Hamburg. Die Fauna der Umgebung Hamburgs. Sonderabdruck aus: Hamburg in naturwissenschaft- 

licher und medizinischer Beziehung, Festschrift zum 5. internat. Zool.-Kongress, 
Hambnrg 1901.* 

46. Hannover. Die Zugangsverzeichnisse des Provinzial-Museums, von 1901 ab geführt.* 

47. — Verzeichnis der im Provinzial-Museum vorhandenen Säugetiere. Hannover 1897.* Pr. M. 

48. — Katalog des Schulmuseums der Kgl. Haupt- und Residenzstadt Hannover. Hannover 1903.* 

Pr. M. 

49. — Die Zugangsverzeichnisse des Zoologischen Gartens.* 

50. Hartmann, R., Die Tierwelt der friesischen Inseln. 0. Ule's u. C. Müller's „Die Natur", 1855, 

Nr. 2, 4, 8, 10, 16, 18, 28.* St. B. 

51. Hausmann, J. F. L., Über den gegenwärtigen Zustand und die Wichtigkeit des hannoverschen 

Harzes. Göttingen 1832. 

52. Dekker, Die Tierwelt in: Die Nordseeinsel Borkum von W. Haynel. Emden, W.Haynel, 1905.* Pr. M. 

53. Heineken, Die freie Hansestadt Bremen und ihr Gebiet in topographischer, medizinischer und 

naturhistorischer Hinsicht. Bremen, 1836 u. 1837.* 

54. Heinemann, Bär, Wolf und Luchs in Anhalt. Nitzsche's Illustr. Jagdzeitung, 11. Jahrgg., 1884, 

Nr. 14, S. 137 — 139.* 

55. — Aus alten Papieren. Ebenda, Nr 15, S. 147. ^Wolfsjagden). * 

56. Heise, 0., Geschichtliches aus dem Amte Lemförde. Archiv d. hist. Ver. f. Niedersachsen, 1849, 

S. 102. (Wolfsjagden.)* St. B. 



2i.) 

57. Helms, F., Der Mink. Hannov. Magazin, 1836, Stück 104.* St. B. 

58. — Vom Nutzen der wilden Tiere. Ebenda, 1844, Stück 15, 16, 17.* St. B. 

59. — Der Fischotter. Ebenda, 1845. Stück 97 u. 98.* St. B. 

60. — Die Ratte. Ebenda, 1847, Stück 99 — 103.* St. B. 

61. Hess, W., Beiträge zu einer Fauna der Insel Spiekerooge. Abh. d. naturw. Ver. Bremen, 1881, 

S. 133 ff. (Mus musculus L., Arvicola arvalis Pall.)* Pr. M. 

62. Hinkel, J., Führer durch St. Andreasberg. Altenburg, C Jakobsen (Paul Hoffmann), 1889.* Pr. M. 

63. Jacobs, E., Bären am Brocken um 1656. Zeitschr. d. Harzvereins für Geschichte, 1871, S. 140.* 

64. Jäger, G., Deutschlands Tierwelt nach ihren Standorten eingeteilt. Stuttgart, A. Kröner, 1874.* 

65. Jürgens, 0., Redecker's Hannoversche Chronik. Hannov. Geschichtsblätter, 1905, S. 118. (Fauna 

von Hannover im 18. Jahrhundert.)* Pr. M. 

66. Jugler, A., Die Eilenriede in alter Zeit. Hannover, Klindworth, 1884. (Wolfsjagden.)* St. B. 

67. Kohlrausch, F., und Steinworth, H.. Beiträge zur Fauna des Fürstentums Lüneburg. Lüneburg, 

1861.* Pr. M. 

68. — Beobachtungen aus dem Tierreiche. Jahresh. d. naturw. Ver. Lüneburg, 1865, S. 63 ff. * N. G. 

69. — Zoologische Mitteilungen. Ebenda, 1893, S. 106.* N. G. 

70. K'riechler, Fr., Stammt das schwarze Rehwild aus Spanien? Forstliche Blätter, 1890, S. 283.* 

71. Landois, H., Westhoff, F., und Rade, E., Westfalens Tierleben in Wort und Bild. Paderborn, 

F. Schöningh, 1883.* Pr. M. 

72. Langkavel, B., Die Verbreitung der Luchse. Sonderabdruck aus: Zool. Jahrbücher.* 

73. — Wildkatzen im Königreich Preussen. Der zoologische Garten, 1899, S. 162 ff. * N. G. 

74. — Der Nörz des nördlichen Deutschlands. Ebenda, 1898, S. 83* N. G. 

75. Leunis, J., Synopsis der Naturgeschichte des Tierreiches. Hannover, Hahn, 1860.* Pr. M. 

76. Löns, H., Bitte, die Wirbeltiere Hannovers betreffend. Jahresb. d. naturhist. Ges. Hannover, 1899 bis 

1904, S. 247 ff.* Pr. M. 

77. — Zu Redecker's naturgeschichtlichen Angaben. Hannov. Geschichtsblätter, 1905, S. 176 ff. * 

Pr. M. 

78. — Meidet das schwarze Reh die Berge? Deutsche Jäger-Zeitung, Bd. 46, 1905, Nr. 26 bis 

27.* Pr. M. 

.79. — Die Verbreitung des schwarzen Rehes. Ebenda, Nr. 40.* Pr. M. 

80. — Die Säugetiere der Eilenriede. Hannov Tageblatt, Unterhaltungsblatt, 11. Juni 1905. * Pr. M. 

81. — Bär, Luchs und Wolf in Hannover. Ebenda, 29 März 1905.* Pr. M. 

82. — Die Postmoore Hannovers. Ebenda, 5. April 1905.* Pr. M. 

83. — Die Fauna der Stadt Hannover. Ebenda, 24. Juli 1904.* Pr. M. 

84. — Der Hamster in der Provinz Hannover. Ebenda, 12. Sept. 1905.* Pr. M. 

85. — Das Wildkaninchen in Hannover. Ebenda, 20. Sept. 1905.* Pr. M. 

86. — Unsere Ratten und Mäuse. Ebenda, 13. Dez. 1905.* Pr. M. 

87. — Schwarze Eichhörnchen. St. Hubertus, 12. Jan. 1906.* Pr. M. 

88. — Lebt der Nörz bei uns? Deutsche Jäger-Zeitung, 2. April 1905.* Pr. M. 

89. — Hannoversche Geweihausstellung. Hannov. Tageblatt, 16. März 1906.* Pr. M. 

90. — Die zweite hannoversche Geweihausstellung. Deutsche Jägerzeitung, Bd. 47, Nr. 1 ; 1. April 

1906.* Pr. M. 

91. — desgleichen. Hannov. Land- u. Forstwirtsch. Zeitung. Bd. 59, Nr. 12; 23. März 1906. * Pr. M. 

92. — Rätselhaftes vom Reh. Deutsche Jägerzeitung, Bd. 45, Nr. 31; 16. Juli 1905* Pr. M. 

93. — Die Verbreitung des schwarzen Rehes. Ebenda, Bd. 47, Nr. 2; 5. April 1906.* Pr. M. 

94. Löns, R. Die zweite hannov. Geweihausstellung, Sankt Hubertus, Bd. 24. Nr. 12; 23. März 

1906.* Pr. M. 

95. Mehlis, E., Hypudaeus herrynius nov. sp. Amtlicher Bericht über die Versammlung d. deutsch. 

Naturf. u. Ärzte f. 1830 (Ist H. glareolus Schreb.)* 

96. Meier, A., Die Heiden Norddeutsehlands. Aus dem Walde, 1874, S. 1 ff.* St. B. 

97. Merrem, BL, Verzeichnis der rotblütigen Tiere in den Gegenden von Göttingen und Duisburg. 

Schrift. Ges. naturf. Freunde Berlin, 1789, S. 187—196.* N. G. 
98 Metzger, A., Die Tierwelt in: Das Nordseebad Norderney von C. Berenberg, Norden, Herrn. 

Braams, 1887.* Pr. M. 
99. Meyer, Joh., Die Provinz Hannover in Geschichts-, Kultur- und Landschaftsbildern. Hannover, 

Carl Meyer, 1888.* St. B. 

100. M(eyer), Die „wirklich" letzten Wölfe. Hannov. Sonntagsblatt, 11. März 1906.* Pr. M. 

101. Möllmann, G ., Zusammenstellung der Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, welche 

bis jetzt im Artlande und den angrenzenden Gebieten beobachtet wurden. Jahresb. 
naturw. Ver. Osnabrück, 1893. * Pr. M. 

102. Müller, A. u. K., Tiere der Heimat. Kassel, Theodor Fischer, 1882 u. 1883.* 

103. Müller, H., Reinecke auf Rotwildfährte im Oberharz. Sankt Hubertus, Bd. 24, Nr. 12; 

23. März 1906.* Pr. M. 

104. Müller, Rieh, Jagdliche Miscellen. Nitzsche's Illustr. Jagdzeitung, 1889—90, S. 548. (Der 

letzte Luchs im Harz).* 

105. Niemeyer, W., Bemerkungen über die Wildkatze. Der zool. Garten, 1867, S. 101 ff.* N. G. 



30 

106. Nehring, A., Die Seehundsarten der deutschen Küsten. Mitteil. d. Sektion f. Küsten- u. Hochsee- 

fischerei, 1887, Nr. 2, 3, 4. Sonderabdruck Berlin, 1887.* 

107. Die Robbenarten der deutschen Küsten. Deutsche Jäger-Zeitung, 1886, S. 313 — 316, 
S. 337 — 342* 

108. — Die Verbreitung des Hamsters (Cricetus vulgaris) in Deutschland. Archiv f. Naturg., 

1894, S. 15-- 32. Mit Karte.* 

109. Nillsson, Sv., Skandinavsk Fauna. Kopenhagen, 1871 — 21. (Vesperugo nillssonii K. u. Bl. 

vom Oberharze). * 
110 Noll, F. C, Der letzte Luchs im Harz. Der zool. Garten, 1890, S. 223.* 

111. von Notzrenk (Abbes, 0.), Allerlei aus der Ranzzeit des Otters. Die Jagd, 2. Jahrgg., Nr. 14 u. 15, 

8. u. 15. April 1906.* Pr. M. 

112. von Olenhusen, G., Hirsche mit monströsem Oeweih. Aus dem Walde, 1869, S. 210.* St. B. 

113. Pallas, Novae Spezies Glirum. 1778. 

114. Plettke, Fr., Über das Vorkommen wilder Kaninchen in der norstwestdeutschen Tiefebene. Jahrb. 

d. Ver. f. Naturk. a. d. ünterweser, 1903—4, S. 59 ff.* Pr. M. 

115. Poppe, S. A., Zur Säugetierfauna des nordwestliehen Deutschland. Abh. d. naturw. Ver. Bremen, 

1882, S. 301* Pr. M. 

116. — Nachtrag. Der zool. Garten, 1889, S. 192.* N. G. 

117. _ Desgleichen. Abhandl. d. naturw. Ver. Bremen, 1889, S. 566.* Pr. M. 
Hg. — Beiträge zur Fauna der Insel Spiekeroog. Ebenda, 1891, S. 59 ff.* Pr. M. 

119. — Zur Mäuseenquete des Vereins für Naturkunde an der Unterweser. Jahrb. d. Ver. f. Naturk. 

a. d. Unterweser, 1899, S. 1 ff. Sonderabdruck u. d. Titel: Über die Mäuseplage im 
Gebiete zwischen Ems und Elbe. Bremerhaven, v. Vangerow (Georg Schipper), 1899. * 

120. — Die Spitzmäuse von Nordwestdeutschland. Mitteil. d. Ver. f. Naturk. Vegesack, 1903, 

S. 8.* Pr. M. 

121. Praetorius, J., BIocke.s-Berges-Verrichtung, 1668. (Bär, Wolf, Fuchs, Sau, Hirsch, Reh, Hase).* 

122. Quaet-faslem, Über den Einfiuss der Aufforstung im Lüneburgischen auf die hohe Jagd und 

den Wildschaden. Monatsschr. d. Allg. Deutsch. Jagdschutz-Ver., 1901, S. 136 ff.* 

123. Redecker, Historische Collectanca von der Kgl. und Churfürstlichen Haupt- und Residenzstadt 

Hannover. Am 8. Juli 1723 begonnene handschriftliche Chronik in der Hannov. Staats- 
bibliothek. * 

124. Rüling, J. Ph., Verzeichnis aller wilden Tiere auf dem Harze. In: Anleitung, den Harz und 

andere Bergwerke mit Nutzen zu bereisen, von Ch. W. Gatterer. Göttingen 1786.* 

125. Saxesen, Die Tierwelt in: Das Harzgebirge von Ch. Zimmermann. Darmstadt 1834.* 

126. Schaff, E., Ein verschollener niedersächsischer Vierfüssler. Niedersachsen, 1899, S. 260. 

(Foetorius putreola L.).* St. B. 

127. — Eine verschollene Wildart Deutschlands. Deutsche Jäger-Zeitung, 1898, Nr. 1. (Derselbe).* 

128. — Ein verschollenes Säugetier Deutschlands. Jahresh. d. naturw. Ver. Lüneburg, 1896 — 98, 

S. 62. (Derselbe).* N. G. 

129. — Verwilderte Katzen. Hannov Allg. Zeitung, Unterhaltungsblatt, 3. Mai 1903. (Die bei 

Linderte erlegte Katze war eine Hauskatze).* St. B. 

130. Scherz, C. F., Die Nordseeinsel Juist und ihr Seebad Norden, Diedr Soltau, 1905 * Pr. M. 

131. — u. Sundermann, Fr., Die Nordseeinsel Norderney. Emden, W. Haynel, 1882* Pr. M. 

132. Schinz, H., Europäische Fauna. Stuttgart 1840. (Hypudaeus glareolus Schreb. vom Harz).* N. G. 

133. Nimrod (Schlotfeld). Der letzte Luchs im Harzgebirge. Hannov. Courier, 26. Febr. 1905.* 

134. Schneider, <>.. Die Tierwelt der Nordseeinsel Borkum unter Berücksichtigung der von den 

übrigen ostfriesischen Inseln bekannten Arten. Abhandl. d. Naturw. Ver. Bremen, 1898, 
S. 1 ff. * Pr. M. 

135. — Die Tierwelt der Insel Borkum mit besonderer Berücksichtigung auf Tiergeographisch 

wichtige Beobachtungen. Die Natur, 1897, S. 305.* 

136. Schulze, E., Sorex alpinus am Brocken. Zeitschr. f. ges. Naturw., 1887, S. 187.* Pr. M. 

137. — Fauna Hercynicae Mammalia. Schrift, d. naturw. Ver. d. Harzes, 1890.* Pr. M. 

138. — Verzeichnis der Säugetiere von Sachsen, Anhalt, Braunschweig, Hannover und Thüringen. 

Zeitschr. f. d. ges. Naturw., 1890, S. 97 ff. * Pr. M 

139. — Fauna saxo-thuringica. Schrift, d. naturw Ver. d Harzes, 1891, S. 30 ff.* Pr. M. 

140. Schuster, Ed., Kunst und Künstler in den Fürstentümern Calenberg und Lüneburg in der Zeit 

von 1836 bis 1772. Hannover, Hahn, 1905.* Pr. M. 

141. Schuster, C, Die Wölfe im Hannoverschen. Hannov. Sonntagsblatt, 4. Febr. 1901.* Pr. M. 

142. von Schwake, Der letzte Luchs im Harze. Der Waidmann, 1890, S. 277.* 

143. Sickmann, F., Ueber zwei im Vereinsgebiete seltene Nager. Jahresb. d. Naturw. Ver. Osnabrück, 

1880—82, S. 99. (Myoxus glis L und Mus agrarius Pall.)* N. G. 

144. Spangenberg, E., Versuch einer Fauna Goettingensis als Materialien zu einer Fauna Hannovera. 

Neues Vaterland. Archiv, 1822, S. 276—302.* St. B. 

145. Steinvorth, H., Siehe: Kohlrausch. 

146. — Hausratte und Spitzmaus. Jahresh. d. naturw. Ver. Lüneburg, 1868 — 69, S. 134. (Mus 

rattus war damals in Lüneburg häufig.)* N. G. 

147. — Hausratte und Wanderratte in Lüneburg. Ebenda, 1872—73, S. 203.* N. G. 

148. — Beitrag zur Geschichte des Rattenkönigs. Ebenda, 1883—84, S. 122.* N. G. 



31 

149. Steinvorth, H., Der Rattenkönig. Ebenda, 1888—89, S. 122.* N. G. 

150. — Die Wald- und Parkflora der Eilenriede. Hannover, Göhmann, 1899. (Wiedergabe von 

Redeckers Angaben.)* Pr. M. 

151. Stricker, W., Zur naturgeschichtlichen Statistik der in Niedersachsen ausgerotteten Säugetiere. 

Der zool. Garten, 1868, S. 63.* N. G. 

152. Taube, Joh., Beiträge zur Naturkunde des Herzogtums Lüneburg. Celle, 1766 u. 1769. (Wichtige 

Angaben über die Biber an der Elbe.)* St. B., N. G. 

153. von Train, Waidmanns Praktica. 6. Aufl., Leipzig, 1893.* 

154. Ude, W., Der letzte Luchs im Harz. Der Waidmann, 1890, S. 208.* 

155. — Die Jagd auf den letzten Luchs im Harz. Neue Jagdzeitung, 1892, S. 515-517.* 

156. von Veitheim, W., Die letzte Luchsjagd am Harze. Wildungens Feierabend, 1818, S. 146.* 

157. W., Herzog Georg Wilhelms Verordnung wegen Vertilgung der Wölfe. Hannov. Magazin, 1802, 

S. 222.* St. B. 

158. Wagner, H., Wanderungen am Meeresstrande Glogau, Karl Flemming. * Pr. M. 

159. Waldfreund, Seltenes und aussergewöhnliches Wild. Nitzsche's Illustr. Jagdzeitung, 15. Jahrgg., 

1888, Nr. 25, S. 282. (Zwei Wildkatzen vom Harze.)* 

160. Wiepken, C. F. und Greve, E. Systematisches Verzeichnis der Wirbeltiere im Herzogtume 

Oldenburg. Oldenburg, Schulze, 1876. * Pr. M. 

161. Zeppenfeldt, Beiträge zur Geschichte der Jägerei, insbesondere der Wolfsjagden im Hildesheimischen. 

Hildesh. Mittewochenblatt, 1818, Nr. 1 u. 2, Gerstenberg's Beitr. z. Hildesh. Gesch., 
1829—30, S. 156.* 



Arten Verzeichnis. 
Fledermäuse. 

(Auf den Inseln kommen Fledermäuse nur als Irrgäste vor.) 

Die grosse Hufeisennase. Rhinolophus ferrum equinum (Schreb). Diese mehr südliche, bisher 
nur bis zum südlichen Harzrande festgestellte Art wird von G. Jäger, Lit. 56, fälschlich für den Harz 
angegeben; H. Kreye meint sie aus der Stadt Hannover erhalten zu haben, doch fehlt das Belegstück. 

1. Die kleine Hufeisennase. Rhinolophus hipposideros (Bechst.). Aller Wahrscheinlich- 
keit ist diese Art weit verbreitet bei uns, aber bisher erst von wenigen Orten festgestellt ; A. A. Berthold 
erwähnt sie für das Göttinger Museum 1850 mit der Bezeichnung „Hannover" : wie er in seinen 1855 
erschienenen Mitteilungen über die Vögel des Museums angibt, bezieht sich diese Angabe meist auf die 
Umgegend von Göttingen ; sie wurde ferner noch durch J. H. Blasius für den Oberharz, durch Präparator 
H. Kreye für die Stadt Hannover, Seminarlehrer Alpers für Benthe, Lehrer Sander für Gross-Oldendorf, 
Dr. Paul Wigand für Bodenwerder, Direktor Grashoff für Schloss Lage bei Bentheim, Focken für Ost- 
friesland festgestellt. Belegstücke sind im Provinzial-Museum. Aus den Nachbargebieten ist sie für 
Westfalen, Lippe und Braunschweig festgestellt, für Bremen ist sie fraglich. 

2. Die langöhrige Fledermaus. Plecotus auritus (L.). Das Grossohr ist für Hannover, 
Hildesheim, Lüneburg, Osnabrück, das Artland, den Harz, in dem es bis zur Baumwuchsgrenze geht, 
Hoya, Verden, Lüchow, Bentheim, Göttingen usw. festgestellt. Belege sind in Menge vorhanden. In 
den Nachbargebieten kommt sie überall vor. 

3. Die breitöhrige Fledermaus. Synotus barbastellus (Schreb.). Sie ist von J. H. Blasius 
für den Harz bis zu den höchsten bewohnten Punkten und durch Focken für Ostfriesland festgestellt, 
wird aber nirgendswo fehlen. Rudolf Löns fand sie in Menge in der Einhornhöhle. Belege sind vor- 
handen. In der Nachbarschaft ist sie überall festgestellt. 

4. Die frühfliegende Fledermaus. Vesperugo nociula (Schreb.). Diese Art wird nirgendwo 
in älteren Wäldern und Parks fehlen ; sie wurde festgestellt für den Harz, Hannover, das Artland und 
Blumenthal. Beleg vorhanden. In der Nachbarschaft ist sie überall verbreitet. 

5. Die rauharmige Fledermaus. Vesperugo leisleri (Kühl). Leunis gibt sie für Claus- 
thal an, Altum für den Harz; wahrscheinlich ist sie in alten Wäldern viel verbreitet. Ein Beleg fehlt. 
In der Nachbarschaft ist sie nur in Westfalen festgestellt. 

6. Die rauhhäutige Fledermaus. Vesperugo abramus (Temm). Leunis gibt sie für den 
Harz an; ein Beleg fehlt. In der Nachbarschaft stellte man sie für Westfalen und Braunschweig fest. 

7. Die Zwergfledermaus. Vesperugo pipistrellns (Schreb.). Diese unsere kleinste Art 
kommt überall bei uns und in den Nachbargebieten vor; Belege sind viel vorhanden. 

8. Die spätfliegende Fledermaus. Vesperugo serotinus (Schreb.). Diese Art, die im 
Harz bis 2 000 Fuss hoch geht, also im Oberharze fehlt, ist sonst noch für Hannover, Geestemünde, 
Syke, Ostfriesland und das Artland ausgemacht; sie wird nirgendswo fehlen. Ein Belegstück fehlt. In 
der Nachbarschaft ist sie überall. 



32 

9. Die nordische Fledermaus. Vesperugo Nilssonii (K. u. BL). Diese Art, die im 
Herbste vom Norden im Oberharze erscheint und uns im Frühling wieder verlässt, ist nur für den 
Oberharz durch J. H. Blasius festgestellt; Hannover hat keinen Beleg, wohl aber das Museum zu 
Braunschweig. Jede kleine Fledermaus aus dem Oberharz ist wert, dass man sie dem Provinzial- 
Museum einsende. Den Nachbargebieten. Braunschweig ausgenommen, fehlt sie, ist überhaupt in Deutsch- 
land nur für den Oberharz und Ostpreussen festgestellt. 

10. Die zweifarbige Fledermaus. Vesperugo discolor (Natt.). J. H. Blasius erhielt sie 
aus dem Harz, Leunis gibt sie für Clausthal an; im Harz geht sie nach Blasius bis zur Höhe von 
3 500 Fuss. Das Provinzial-Museum besitzt ein am 27. Sept 1904 auf dem Klostergut Mönchehof hei 
Wunstorf erbeutetes Stück. Wahrscheinlich ist sie in den Waldgebieten weit verbreitet. Für die 
Nachbargebiete ist sie ausser Braunschweig nicht festgestellt. 

Die gewimperte Fledermaus. Vespertüio cüiatus Hins. Diese südliche Art ist einmal 
bei Köln gefunden. 

11. Die gefransete Fledermaus. Vespertüio Nattereri Kühl. Berthold gibt sie mit 
der Bezeichnung ..Hannover" als im Göttinger Museum befindlich an ; wahrscheinlich stammte das Stück 
aus Göttingen- Umgebung; Leunis führt sie für den Harz an. Für Bremen ist sie als fraglich angegeben, 
sonst aus den Nachbarländern nicht bekannt. 

12. Die gemeine Fledermaus. Vespertüio murimts Schrei. Sie wurde für den Oberharz, 
Scharzfeld, Hannover, Alfeld, Hildeslieim, Göttingen. Bentheim, Nienburg, das Artland, Ostfriesland und 
den Kahnstein festgestellt und wird überall vorkommen. Belege liegen vor. Die Naehbargebiete 
besitzen sie alle. 

13. Die grossöhrige Fledermaus. Vespertüio Beclisteiuii Leisl. Leunis gibt sie für 
den Harz an, Kreye erhielt ein von mir gesehenes Stück aus Hannover, das im Provinzial-Museum 
steht ; ein jüngeres Stück, das Dr. Schaff aus dem Zoologischen Garten zu Hannover erhielt, steht in 
der Sammlung der tierärztlichen Hochschule zu Hannover Sie wird überall, wenn auch nicht häufig, 
bei uns vorkommen und ist für Braunschweig, Westfalen und Schleswig-Holstein festgestellt. 

14. Die Bartfledermaus. Vespertüio mystacinus Leisl. A. A. Berthold gibt sie 1850 als 
aus Göttingens Umgegend stammend für das Göttinger Museum an. J. H. Blasius stellte sie für den 
Oberharz fest, Leunis gibt sie für Lerbach im Harze an. Das Schulmuseum besitzt ein Stück aus der 
Stadt Hannover, ich fing ein Stück bei Ahrenfeld am Kahnsteine, erhielt je ein Stück aus Gadenstedt 
bei Peine und Altenau im Oberharze und dreizehn auf einmal gefangene Stücke aus Wendenborstel bei 
Nienburg. Aus der Nachbarschaft ist sie für Westfalen und Braunschweig bekannt. 

15. Die Wasserfledermaus. Vespertüio Daubentonii Leisl. Im Harz geht sie nach 
Blasius bis 2000 Fuss, ist von Focken für Osfriesland, von Möllmann für das Artland, von Dr. Klugkist 
für Celle, von mir für Hannover festgestellt. A. A. Berthold gibt sie 1850 als von Göttingen stammend 
für das Göttinger Museum an. Sie wird überall bei uns verbreitet sein. Die Naehbargebiete besitzen 
sie alle. 

16. Die Teichfledermaus. Vespertüio dasycneme Boß. Lehrer Fr. Plettke wies sie für 
Geestemünde nach, das hannoversche Schulmuseum erhielt sie aus Hannover, ich erhielt sie aus Ahlem 
bei Hannover ; das Stück ist im Museum. Sie wird in der Ebene an grösseren Waldwässern nirgends 
fehlen. Für Braunschweig, Westfalen und Oldenburg ist sie bekannt. 

Insektenfresser. 

(Alle Arten dieser Ordnung- fehlen den Inseln bis auf den Igel, der dort künstlich eingeführt ist.) 

17. Der Igel. Erinaceus europaeus L. Der Igel ist bei uns, wie in den Nachbargebieten, 
das Hochmoor, den dürren Sand und reine Nadelholzgebiete ausgenommen, überall vorhanden, doch in 
den Überschwemmungsgebieten selten. Infolge der Verkuppelungen hat er stark abgenommen, da ihm 
die Hecken fehlen. Den tiefen Wald meidet er Für den Oberharz ist er für den Sonnenberg und 
Oderbrück durch Kgl. Hegemeister a. D. Lüttich-Lauterberg festgestellt, Lehrer Ehlers sah bei Altenau 
in zehn Jahren nur ein Stück, nach Pastor Dr. Rössig fehlt er bei Clausthal und Zellerfeld ganz. 
Um 1830 wurde er auf Borkum und später auch auf Juist, Norderney und Spiekeroog, wo er überall 
anfangs fehlte, ausgesetzt und vermehrte sich dort überall stark. Die Nachbargebiete besitzen ihn 
sämtlich. 

18. Der gemeine Maulwurf. Talpa europaea L. Er kommt auf dem ganzen Festlande 
vor, soweit ihm der Boden zusagt, und folgt dem Wiesenbau bis nach Clausthal, Oderbrück, St. Andreas- 
berg und Altenau. Grosse Sandwüsten, den geschlossenen Wald und das Hochmoor meidet er. Graue, 
gelbliche und weissliche Stücke sind nicht sehr selten und in den Museen viel vorhanden. Die Nach- 
barschaft besitzt ihn auf dem Festlande überall. 

19. Die Wasserspitzmaus. Crossopus fodicus. (Pall.) Sie ist über das ganze Festland 
von der Küste bis zur Brockenkuppe, wie J. H. Blasius angibt, an Gewässern verbreitet ; Hochmoore, 
den dürren Sand und tiefe Wälder meidet sie. Gescheckte Stücke kommen ab und zu vor. Belege 
sind vorhanden. Die Nachbarschaft besitzt sie überall. 

20. Die Waldspitzmaus. Sorex vulgaris L. Wie in der Nachbarschaft, so ist diese, der 
folgenden bis auf anatomische und plastische Merkmale sehr ähnliche, nur - kleinere Art bei uns auf 
dem ganzen Festlande verbreitet ; sie geht bis zur Brockenkuppe. Belege sind vorhanden. 



33 

Die Alpenspitzmaus. Sorex alpinus. Schinz. Eine von Dr. Erwin Schulze am 
Brocken gefangene Spitzmaus bestimmte der französische Forscher F. de Lataste als Alpenspitzmaus. 
Da er das Stück nicht zurücksandte, ist eine Nachprüfung der Bestimmung bis jetzt nicht möglich 
gewesen. Geheimer Hofrat Prof. Dr. W. Blasius - Braunschweig hat sich laut brieflicher Mitteilung 
jahrelang die grösste Mühe gegeben, die. Alpenspitzmaus vom Brocken zu erhalten, doch gelang es ihm 
nicht. Da also ein Belegstück fehlt , kann diese alpine Art nicht für die Provinz als sicher auf- 
geführt werden. 

Die Zwergspitzmaus. Sorex pygmaeus Fall. Da die Bestimmung der Spitzmäuse 
nach den plastischen Merkmalen sehr schwer ist, so ist es sehr fraglich, ob die von den Faunisten 
angegebenen Zwergspitzmäuse wirklich zu dieser Art und nicht vielleicht zu der Waldspitzmaus 
gehörten, zumal Belege nicht vorliegen. Ihr Vorkommen bei uns ist aber wahrscheinlich, obgleich sie 
aus der Nachbarschaft nur für Braunschweig durch J. H. Blasius mit Sicherheit nachgewiesen ist. Es 
liegen folgende Angaben über ihr Vorkommen vor: Leunis : Hildesheim; Kohlrausch und Steinvorth : 
Lüneburg; Möllmann : Menslage; Poppe: Rotenburg. Gruppenbühren, Emden; Focken : Ostfriesland; 
Dr. Wiechers: Gronau; Pastor Bank: Ringelheini : Pastor Dr. Rössig: Hildesheim und Clausthal; 
Lehrer Brandmauer: Alfeld. 

21. Die Feldspitzmaus. Crocidura leucodon H. Zimm. Da die beiden weisszähnigen 
Spitzmäuse sehr schwer zu unterscheiden sind, bleibt es fraglich, für welche Art die Angaben der 
Faunisten zutreffen, um so mehr, als in fast allen Schriften nur eine weisszähnige Art aufgeführt 
wird. Das von mir gesammelte Material wird erst später im Kgl. Zool. Museum zu Berlin geprüft. 
Für Braunschweig ist diese Art durch J. H Blasius festgestellt, für Westfalen durch Altum. Für 
Hannover wird sie angegeben von Poppe für Syke und Gödesdorf, von Direktor Grashoff für Emiichheim 
bei Bentheim ; Regierungsrat Dr. G. Rörig-Dahlem bestimmte einen aus Eulengewöllen von Gross- 
Giessen stammenden Schädel als hierhin gehörig, Kohlrausch und Steinvorth geben sie für Lüneburg 
als nicht selten an; das Schulmuseum in Hannover hat sie aus der Stadt, Lehrer Brandmüller fand 
sie bei Alfeld mehrfach: letztere beiden Angaben sind unsicher. 

22. Die Hausspitzmaus. Crocidura aranea Schreb. Diese Keller, Ställe und Mistbeete 
liebende Art führt Merrem schon 1789 für Göttiugen an und Berthold gibt 1850 an, dass sie im 
Göttinger Museum und zwar in reichlicher Anzahl vorhanden sei : da er aber die vorige Art nicht 
erwähnt, so bleibt die richtige Bestimmung fraglich; Focken stellt sie für Emden, Poppe für Leinförde 
und Flinten, Dr. Paul Wigand für Bodenwerder, Lehrer Bock für Ahrenfeld, Karl lirinckmann-Nienburg 
für Geismar bei Göttingen, Lehrer Ehlers für Altenau fest. Sie ist aus der Nachbarschaft für 
Braunschweig. Westfalen und Mecklenburg nachgewiesen. 

Raubtiere. 

(Von dieser Ordnung kommt keine Art auf den Inseln vor). 

23. Die Wildkatze. Felis catus L. Sie ist früher anscheinend weit verbreitet bei uns 
gewesen, jetzt aber als Standwild auf den Harz, vorzüglich auf den Vorharz zwischen Pöhlde, Scharzfeld, 
Lauterberg, Herzberg, Sachsa, Ilfeld, Elbingerode, Liebenburg, Goslar, beschränkt, wechselt hin und 
wieder in den Oberharz, aber häufiger nach der Mündener und Göttinger und sogar bis in die 
Hildesheimer Gegend. Früher war sie Standwild im Solling, Hildesheimer Wald, Süntel, bei Göttingen, 
im Deister, Saupark und Osterwald; auch in der Ebene kam sie in den 1870er Jahren noch vor, so 
fing 1874 Stadtförster a. D. Degener-Steinhude eine in der Oberförsterei Medingen, Oberförster a. D. 
E. Stolze-Goslar teilt mit, dass 1877 bei Wathlingen bei Celle zwei Stück erbeutet wurden. Die 
Belegstücke sind nicht mehr vorhanden. Ob die sonstigen Angaben über das Vorkommen der Wildkatze 
in dem ebenen Hannover auf Richtigkeit beruhen, ist zweifelhaft, da dafür keine Belege vorhanden 
sind. Aus dem Gebirge liegen genügend Belege vor. Von den Nachbargebieten besitzt Westfalen und 
Braunschweig sie noch. Bastarde mit Hauskatzen sind bei uns nicht sicher nachgewiesen. 

Der Luchs. Lynx L. f Die Nachrichten über den Luchs sind sehr spärlich. 
Amtsrat Dr. C. Struckmann fand nur wenige Reste in der Einhornhöhle. Nach den churhannöverschen 
Jagdregistern wurde 1658 ein Stück bei Celle erlegt. In der Göhrde wurde der letzte Luchs 1677 
geschlossen ; sein in Ölfarben ausgeführtes Bild hängt im Jagdschlosse. Um 1670 kam er im 
Wernigeröder Harz noch öfter vor, 1791 war er nach Goeze schon sehr selten und es handelt sich 
seiner Meinung nach um zugewechselte Stücke. Ein Stück soll im Harze 1809 geschlossen sein. Die 
letzten beiden nordwestdeutschen Luchse wurden 1817 bei Wernigerode und 1818 bei Lautenthal erlegt. 
1830 wurde im Harz noch ein Luchs erfolglos bejagt. Hannover besitzt keinen Beleg, wohl aber 
Braunschweig und Wernigerode. In Ostdeutschland erscheint der Luchs nur noch als sehr seltener Irrgast. 

Der Wolf. Canis Lupus L. f Nachrichten über das Vorkommen des Wolfes liegen 
in Menge vor. Die vorletzten Harzwölfe wurden 1753, der letzte Wolf im Harz 1797 geschossen. 
Im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts traten Wölfe garnicht so selten im ebenen Hannover auf; 
1824 wurde bei Ehra, 1839 bei Schoenevoerde, 1840 bei Walsrode, 1842 bei Nienburg, 1843 bei 
Rethem, 1851 im Wietzenbruche bei Fuhrberg, 1852 in der Goehrde je ein Wolf geschossen; letzterer 
steht gestopft im Jagdschloss, der Schoenevoerder und der Wietzenbrucher Wolf sind im Provinzial- 
Museum, der Ehraer ist im Besitz des Grafen Schulenburg- Wolfsburg. Noch viel später verirrten sich 
einzelne Stücke zu uns; ein 1870 bei Erpensen bei Wittingen geschossenes Stück besitzt Tierarzt 
Oelkers-Wittingen ; in denselben Winter wurde bei Kakau bei Schnega noch einer geschossen. Der 



34 

letzte nordwestdeutsche Wolf, ein sehr starker, silbergrauer Rüde, riss 1872 in der Raubkammer viel 
Schafe und wurde in demselben Jahre vom Förster Grünewald im Bocklinger Holze bei Wardböhmen, 
Kreis Celle, erlegt. Sein Balg wurde zu einem Fussteppich verarbeitet, anstatt dem Museum zugewiesen 
zu werden. In Nordost- und Südwestdeutschland erscheint der Wolf als nicht sehr seltener Irrgast. 

24. Der Fuchs. Vulpes (L.). Der Fuchs, der. wie überall, auch bei uns stark in der 
Farbe und Zeichnung abändert, kommt überall auf dem Festlande bei uns vor, wo die Kultur es ihm 
gestattet. Im Harze geht er bis zur Brockenkuppe. Ein in der Provinz erlegtes fast weisses Stück 
erhielt vor langer Zeit das Museum in halbverfaultem Zustande; ein ausgezeichneter Brandfuchs aus 
Wathlingen steht im Museum. Der fast ganz weisse Fuchs des Museums stammt nach Aussage des 
verstorbenen Präparators a. D. Braunstein nicht aus dem Gebiet; der Erlegungsort ist unbekannt. 

25. Der Dachs. Meles meles (L.). Der Dachs ist im ganzen Waldgebiete der Ebene und 
des Hügel- und Vorberglandes verbreitet, nimmt auch in Moor und Marsch mit kleineren Gehölzen 
vorlieb. Im Harze geht er kaum über das Gebiet der Rotbuche hinaus und zeigt sich im Oberharze 
äusserst selten. In reinen Nadelwaldgegenden ist er selten, auch in Üstfriesland, bei Tostedt, im Art- 
lande und bei Diepholz. Die Nachbarländer besitzen ihn alle. 

26. Der Baummarder. Marias abietum (L.). Er ist, das Hochmoor und den dürren 
Kiefernwald ausgenommen, überall in alten Wäldern zu finden : im Oberharze geht er bis zur Brocken- 
kuppe. In der Nachbarschaft Hannovers kommt er überall vor. 

27. Der Steinmarder. Märtet fagorum (L.). Er ist ebenfalls über das ganze Festland 
in und bei Ortschaften verbreitet und in waldarmen Gegenden häufiger, als die vorige Art. In einigen 
Gegenden, so bei Lemförde und Wittlage, ist er sehr selten ; im Harze geht er bis Clausthal. Die 
Nachbargebiete besitzen ihn sämtlich. 

28. Der Iltis. Foetorius putorius (L.). Auch er ist über das ganze Festland verbreitet, 
geht in Ostfriesland bis an den Strand und im Harze bis Clausthal. In den Nachbargebieten ist er 
überall vertreten. 

29. Das Hermelin. Mustela erminea (L.). Es ist ebenfalls über das ganze Gebiet vom 
Strande der Nordsee bis Clausthal und Altenau verbreitet, sowohl auf Ur- wie auf Bauland. Die Nach- 
bargebiete haben es ebenfalls alle. 

30. Das Wiesel. Mustella nivalis (L.). Im Gegensatze zu der vorigen Art kommt es nur 
um Ortschaften und Gehöfte ständig vor und ist überall, Ostfriesland und die Gegend von Meppen 
ausgenommen, seltener als das Grosswiesel. Es geht im Oberharze bis in die Beigstädte. Die Nachbar- 
länder haben es alle. Präparator Kreye erhielt einmal aus Emden im Winter ein weisses, schwarz- 
äugiges Stück, über dessen Verbleib er sich nicht weiter erinnert. 

31. Der Nörz. Vison lutreola (L.). Die Elbe bildet in Deutschland anscheinend die West- 
grenze für den Nörz, die er nur sehr selten überschreitet. An Nachrichten über sein Vorkommen 
mangelt es nicht, doch sind die meisten unzuverlässig oder ermangeln der Belege. Nach Bechstein soll 
er bei Göttingen an der Leine vorgekommen sein, eine Angabe, die Goeze und Blumenbach nachschreiben, 
für die aber kein Beleg vorliegt. Die Jagdverzeichnisse der Grafen Schulenburg- Wolfsburg geben ihn 
ständig an, doch fehlt auch in dieser Gegend, dem Drömling, ein Beleg. J. H. Rlasius gibt an, dass 
im Winter 1852 in der Grafschaft Stolberg ein Stück gefangen sei, enthält sich aber jeder weiteren 
Angabe. Kohlrausch und Steinvorth schreiben: „Alljährlich werden einige Felle aus der Eibgegend den 
Kürschnern gebracht", doch enthält das Lüneburger Museum kein Stück und Steinvorth konnte sich 
eines bestimmten Falles nicht erinnern. Mehrere neuere Angaben über das Vorkommen erwiesen sich 
als falsch. Subfossil fand er sich auch nicht. Kürschner Bock in Celle, der seit langen Jahren Felle 
aller Art aus dem Lüneburgischen kaufte, erhielt ein einziges Mal, 1866, einen Balg aus Lüneburg, 
nach seiner Beschreibung „einen rötlichbraunen mittelgrossen Balg mit flachem Haare" ; die Pelzwaaren- 
handlung von Louis Weber in Hannover erhielt in fünfundvierzig Jahren keinen Nörz aus Hannover, 
desgleichen erhielt Pelzwaarenhändler Karl Scheerer in Hannover nie ein Stück in sein seit 1857 be- 
stehendes Geschäft. Eine in der „Isis* enthaltene Angabe über sein Vorkommen bei Emden konnte 
ich nicht einsehen. Ausser der Angabe des Kürschners Bock sind nur folgende Angaben aus der neueren 
Zeit zuverlässig: Archidiakonus F. Helms zu Lüchow, ein ausgezeichneter Beobachter, veröffentlichte 
im Hannoverschen Magazin, 1836, Stück 104, eine genaue Beschreibung nach einem bei Lüchow ge- 
fangenen weiblichen Stücke und gibt an, dass das Tier im Wendlande nicht selten sei, desgleichen im 
Bremenschen und Verdenschen. Im Provinzial-Museum steht ein sehr verblasstes, aus dem Lüneburgischen 
stammendes Stück, das der Hausvogt Herzog in Hannover dem Museum schenkte und zwar, wie mir 
der verstorbene Museumspräparator Karl Braunstein angab, im Fleisch. Unter den Berichten über die 
Zugänge des Museums im Jahresberichte der naturhistorischen Gesellschaft, 1859, S. 3, heisst es über 
dieses Stück: „Von Herrn Hausvogt Herzog hieselbst ein jetzt sehr seltenes einheimisches Pelztier, der 
Nörz (Mustela lutreola) aus dem Lüneburgischen". S. A. Poppe gibt in den Abhandlungen des natur- 
wissenschaftlichen Vereins 'zu Bremen, 1889, S. 566, an, dass ein männliches Stück im Bremer Block- 
lande erlegt und dem Bremer Museum von dem verstorbenen Vereinsmitgliede Pelzhändler J. F. Jahns, 
und wie ich auf schriftliche Anfrage von Poppe erfuhr, im Fleisch geschenkt sei. Es liegen somit aus 
dem neunzehnten Jahrhundert vier gut verbürgte, in zwei Fällen durch Belege unterstützte Angaben 
vor. Für Oldenburg, Westfalen, Braunschweig, das Rheinland und die beiden Lippe ist er nicht fest- 
gestellt, dagegen für Lübeck, beide Mecklenburg, Holstein und Brandenburg. 



35 

32. Der Fischotter. Lutra lutra (L.). Er ist über das ganze Festland verbreitet, schon 
im Gebiet der Stadt Hannover mehrfach beobachtet und gefangen und geht den Forellen bis an den 
Oderbrücker Teich und die Clausthaler Teichn im Oberharze nach. Er fehlt nirgendswo, wo fischreiche 
Gewässer sind. In den Nachbarländern steht es mit ihm genau so. 

Der Bär. Ursus arctos L. f Die Nachrichten sind so spärlich, wie beim Luchs. Reste 
fand Dr. Struckmann in der Einhornhöhle und im Dümmer, die einzigen Museumsbelege für den Bären 
bei uns. 1104 wird der Bär für den Solling erwänt ; 1656 kam er noch am Brocken vor, 1705 wurde 
dort der letzte erlegt. Eine Meldung, dass in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts ein Bär im Lüss 
bei Weyhausen geschossen sei, ist deswegen anzuzweifeln, weil von den Chronisten das Wildschwein 
auch oft „Bar" oder „Bär" genannt wurde. Im übrigen Deutschland ist der Bär ebenfalls seit längerer 
Zeit verschwunden. 

Robben. 

Der mondfleckige Seehund. Phoca groenlandica Fabr. Diese hochnordische Robbe geht 
bis an die skandinavische Küste und kann sich vielleicht bis nach Hannover verirren ; J. H. Blasius 
erhielt den Schädel eines jungen Stückes von Norderney, gibt aber nicht an, ob das Stück dort erlegt 
oder ob der Schädel von Walfängern mitgebracht sei. 

33. Der gemeine Seehund. Phoca vitulina L. Er ist häufig an unserer Küste und geht 
bis in die Flussmündungen. 

34. Der geringelte Seehund. Phoca anellata Nüss. Desgleichen, aber nicht so häufig. 
Die bärtige Robbe. Erignathus barbatus (F.). Diese nordische Art, die schon im Kanal 

erlegt ist, kann vielleicht auch zu uns verschlagen werden. 

35. Der graue Seehund. Halichoerus grypus F. Er kommt ständig aber einzeln an 
unserer Küste vor. 

Nagetiere. 

36. Das Eichhörnchen. Sciurus vulgaris L. Es bewohnt das Waldgebiet des ganzen 
Festlandes bis zur Brockenkuppe und hat sich seit der Abnahme der Wanderfalken und des Hühner- 
habichtes beträchtlich vermehrt. In der Färbung und Behaarung ändert es sehr, von hellbraunrot bis 
tiefschwarz ab ; dunkelbraune und schwarze Stücke wurden überall einzeln beobachtet, zeigten sich im 
allgemeinen in Fichtengegenden häufiger als in Laubholzwäldern. In der Winterfärbung ändert es 
ebenfalls sehr ab ; viele Stücke färben sich kaum ein wenig grau an den Seiten, andere sind fast ganz 
grau, sodass schwarze Stücke dann einen bläulichen Ton zeigen. Ein vollkommener Blendling wurde 
bei Alfeld geschossen. In den Nachbarländern ist es überall verbreitet. 

Der Ziesel. Spermophilus citillus (L.). Er kommt in Deutschland nur in Schlesien vor. 

37. Die Haselmaus. Muscardinus avellanarius L. Dieses sehr versteckt lebende nächtliche 
Tierchen ist nur aus dem Laubholzgebiete des Berglandes bekannt, wurde aber überall nur selten 
gefunden. Es ist für Göttingen schon durch Bechstein festgestellt; Berthold führt es 1850 für das 
Göttinger Museum als aus Hannover, also wohl aus der Göttinger Umgegend stammend, an; Lehrer Strüh 
fand es bei Dahlenrode bei Friedland, Karl Brinkmann im Geismarer Walde bei Göttingen, Pastor Dr. 
Rössig bei Hildesheim, Dr. Wiechers bei Gronau, Landwirtschaftsschuldirektor Grashoff in Uelsen und 
Lage bei Bentheim, aus Sievershausen im Solling besitzen es das Schul - Museum der Stadt Hannover 
und das Provinzial - Museum, das auch ein Moringer Stück aufweist, bei Goslar fing es Kgl. Hegemeister 
W. Bieling früher öfter in Dohnen, J. W. Blasius erhielt es mehrfach aus dem Harze, in dem es bis 
zur Höhe von 2000 Fuss vorkommt ; Präparandenlehrer Marioth erhielt es vom Hörzen, einem Berge der 
Siebenberge bei Alfeld; in Oldenburg fehlt es, ist in Schleswig-Holstein einmal gefangen, sonst für 
Braunschweig, Westfalen und Brandenburg bekannt. 

38. Der Siebenschläfer. Mijoxus glis (L.). Er ist ebenfalls nur für das Laubholzgebiet 
des Berglandes festgestellt, aber von mehr Orten, wie die Haselmaus, nämlich schon durch Bechstein 
für Göttingen, wo er auch heute noch garnicht so sehr selten ist; aus Moringen erhielt ihn das Schul- 
museum, das Provinzial-Museum aus dem Bebertale bei Barbis durch Gastwirt Kühnemund, Rudolf Löns 
fing ihn mehrfach bei Scharzfeld, Leunis stellte ihn für Söder und Uppen bei Hildesheim, Kgl. Forst- 
meister a. D. Wallmann für den Osterwald, für Wellingholzhausen bei Osnabrück Sieckmann, für 
Geismar bei Göttingen Karl Brinckmann und für den Wohldenberg bei Derneburg Pastor Bank und für 
den Deister Präparator Knisse fest. Von den Nachbarländern besitzen ihn Braunschweig und Westfalen, 
für Brandenburg sind nur zwei Funde bekannt, in Schleswig-Holstein und Oldenburg fehlt er. 

39. Der Gartenschläfer. Eliomys quercinus (L.) Dieser Schläfer ist mit Sicherheit nur 
aus dem südöstlichen Berglande bekannt, in dem er aber nicht, wie seine beiden Verwandten, nur an 
das Laubholzgebiet gebunden ist, denn er kommt auch im reinen Fichtenbestande vor. Berthold gibt 
ihn für das Göttinger Museum als aus Hannover, also wohl aus der näheren oder weiteren Umgegend 
von Göttingen stammend an; J. H. Blasius schreibt, dass er noch in der Tannenregion häutig sei. 
Pastor Dr. Rössig stellte ihn für das Mönchstal bei Zellerfeid fest, Oberförster a. D. Stolze erbeutete 
ihn oft am Zillierbache zwischen Dreiannenhohne und Elbingerode und sandte dem Provinzial-Museum 
eine Anzahl, Rudolf Löns fing ihn mehrfach bei Scharzfeld, Fleischer gibt ihn für den Solling an, von 
wo Museumspräparator Karl Schwerdtfeger ihn aber nicht kennt, doch wird er dort sicher nicht fehlen. 



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Im Provinzial- Museum steht von früher her ein Stück mit der Bezeichnung: „Hannover, Eilenriede, " 
doch ist die Richtigkeit dieser Angabe sehr zu bezweifeln, da kein weiterer Fall bekannt wurde. Von 
den Nachbarländern besitzen ihn Westfalen und Braunschweig. 

Der Baumschläfer. Eliomys dryas (Schreb.). Diese südosteuropäische Art ist für Deutsch- 
land nur aus Oberschlesien bekannt. 

40. Der Hamster. Cricetus cricetus (L.) Die Verbreitung des Hamsters ist heute noch 
fast dieselbe bei uns, wie Nehring sie 1894 angab, doch zeigt er entschieden, wie Generalsekretär 
Zürn angibt, die Neigung, sich nach Süden und Südwesten auszudehnen. Der natürliche Verlauf 
seiner Vermehrung wird durch die planmässige Verfolgung, die er überall, wo er in Menge auftritt, 
erfährt, verschoben. Sand, Moor, zusammenhängender Wald und Gebirge zerreis°en sein Verbreitungs- 
gebiet, sodass es in zwei Teile zerfällt, in einen nördlichen und einen südlichen. Der Nordbezirk 
wird durch eine Linie begränzt, die von Peine über Lehrte. Hannover, Wunstorf, vor dem Deister her 
nach Eldagsen mit einer Schlinge nach Coppenbrügge und zurück über Hemmendorf bis Lübbrechtsen 
über Banteln, Brüggen, um die Siebenberge herum nach Grafeide und von da vor dem Hildesheimer 
Walde entlang und um diesen herum zu beiden Seiten der Innerste bis nach Goslar verläuft, um von 
da wieder bei Peine einzumünden, erstreckt sich also nur auf das Gebiet zwischen der mittleren Leine 
und der Aller. Der viel kleinere Südbezirk umfasst die Gegend von Duderstadt. Nach Spangenberg, 
der 1822 schrieb, hat er sich sehr selten bei Northeim, Katlenburg und Obernjesa gezeigt, soll auch, 
wie Domänenpächter Barkhausen mitteilte, sich einzeln zwischen 1876 und 1888 jenseits der Aller bei 
Wittingen gezeigt haben, auch einmal bei Gifhorn gefangen sein. Gelbe Stücke, wie sie in Sachsen 
vorkamen, fanden sich hier noch nicht; ein aus Hannover stammendes schwarzes Stück führt Berthold 
1850 als im Göttinger Museum befindlich an. In Oldenburg, Westfalen, Schleswig-Holstein, Lippe, 
Schaumburg-Lippe, fehlt er bis auf versprengte Stücke, die sich bei Altenhagen in Schaumburg-Lippe 
fanden; in Mecklenburg und im westlichen Brandenburg kommt er hier und da vor. in Braunschweig 
ist er sehr verbreitet. 

41. Die Wanderratte. Mus decumanw Pall. Sie ist anscheinend aus Süddeutschland bei 
uns erschienen, denn um 1780 soll sie nach Goeze im Harze aufgetaucht sein. In Mittel- und Nord- 
hannover erschien sie erst viel später, so um 1830 bei Neustadt a. Rbg. und in Lüneburg. Sie bewohnt 
das ganze Festland von der Küste bis hoch in den Oberharz hinein, wo sie noch, wenn auch einzeln, 
bei Oderbrück vorkam, wie Kgl. Hegemeister a. D. Lüttich meldet. Auf Borkum lebt sie seit 1892, 
ist nach Lehrer 0. Leege auch auf Norderney häufig; auf Juist und den anderen Inseln schleppten 
Schiffe sie oft ein, doch hielt sie sich nicht. Gescheckte Stücke waren um 1870 im alten Lande 
häufig, aus Langeloh bei Tostedt erhielt das Provinzialmuseum durch Kgl. Oberförster H. Kamiah ein 
fast schwarzes Stück. Die Farbe wechselt sonst zwischen Graugelb und Fuchsiggrau. Die Nachbar- 
gebiete besitzen sie sämtlich. 

42. Die Hausratte. .l/«s rattus L. Sie ist seit dem Auftreten der Wanderratte fast überall 
bei uns sehr selten geworden oder ganz verschwunden, wird aber in Orten mit vielen alten hohen 
Fachwerkbauten noch mehr vorkommen, als man allgemein annimmt. 1789 wird sie von Merrem noch 
für Göttingen genannt, von wo das Universitäts-Museum zu Göttingen sie noch 1899 erhielt; Altum 
erhielt sie 1872 aus Wollenfelde bei Göttingen; 1847 nennt Archidiakonus Helms sie für Lüchow schon 
„beinahe selten"; in Lüneburg herrschte sie 1868 noch vor und lebt heute dort noch; in Ostfriesland 
war sie schon 1882 im Verschwinden und zeigte sich nach Focken nur noch in weit vom Wasser 
gelegenen Dörfern, hat sich aber in Emden noch gehalten und ist dort garnicht so selten; nach Lehrer 
C. Gehrs war sie vor dreissig Jahren noch in der Klickmühle in Hannover vorhanden, doch konnte 
ich von hier kein Stück erhalten, obgleich ich annehme, dass sie in der Altstadt noch vorkommt. Wie 
Kgl. Eisenbahnsekretär Keese angibt, sollen Ende der 1860 er Jahre bei einem Hausabbruche in Hildesheiin 
sehr viele erschlagen sein, doch konnte sowohl Leunis wie Andreae keine erhalten. In Celle war sie 
lange nicht bemerkt, tauchte aber um 1902 wieder auf und hat sich seitdem dort wieder stark ver- 
mehrt und zwar nach Annahme von Dr. Klugkist, weil infolge der Kanallegung die Wanderratte seltener 
wurde; auch in der Umgegend Celles, so beim Schaperkruge, zeigte sie sich. Sie kommt nach Rektor 
Willig noch in Verden, nach Hans Müller-Brauel in Zeven, nach Oberförster a. D. Stolze in Goslar, 
nach cand. phil A. H. Bock in Fallersieben und Umgegend, nach Landwirt L. Lohmeyer bei Stendern 
bei Hoya, nach Landwirt Th. Brinkmann in Isenbüttel bei Gifhorn und nach Seminarist Müller bei 
Gödensstorff bei Lüneburg vor. Das Provinzial-Museum besitzt sie aus Celle, aus Dahlenrode bei Fried- 
land, wo sie nach Lehrer Stroh nicht selten ist, und aus Lütenthien bei Schnega, wo sie nach Landwirt 
Adolf Schulz bedeutend häufiger, als die Wanderratte ist. Es sei noch erwähnt, dass Steinvorth einen 
in Lüneburg gefundenen Rattenkönig für echt hielt. Für Oldenburg ist sie nicht festgestellt, lebt in 
Bremen noch viel, ebenso in Vegesack und Lübeck, kommt in Westfalen an einigen Orten noch vor 
und an mehreren Orten des sächsischen Eichsfeldes. 

Die ägyptische Ratte. Mus alexandrinus Geoffr. Diese von vielen Forschern für die im 
Freien lebende Stammform der Hausratte gehaltene Form ist, wie S. A. Poppe in der Naturwiss. 
Wochenschrift 1893, Nr. 46, mitteilt, für Vegesack festgestellt, von wo sie unser Museum besitzt. Sie 
ist dort völlig eingebürgert, Lehrer Breyhahn fand sie neuerdings auch in Bremen. Möglichenfalls 
breitet sie sich auch auf Hannover aus. 

43. Die Hausmaus. Mus Musculus L. Sie ist bei uns, wie in den Nachbargebieten, 
überall verbreitet, wo Wohnhäuser sind, auch auf Borkum, Juist und Spiekeroog häufig. In der Farbe 
ändert sie von schiefergrau bis gelblichgrau ab; eine auffallend braunrot gefärbte Form fand sich im 



37 

Sommer 1095 in ungefähr sechs Stücken im Vogelhause des Zoologischen Gartens zu Hannover, die 
Prof. Dr. H. Maschie für Mus Musculus flavescens Fischer anspricht. Blendlinge und Schecken sind 
nicht selten ; einen Schwärzung erhielt H. Kreye einmal und ich aus Bennemühlen. 

44. Die Brandmaus. Mus agrarius Pull. Die Verbreitung dieser Maus zeigt sowohl im 
allgemeinen wie im besonderen auffallende Lücken, deren Ursachen noch nicht klar sind. Sie ist vom 
Rhein bis nach Westsibirien hin festgestellt und von Holstein bis nach Oberitalien, fehlt aber in West- 
falen und Oldenburg vollkommen, während sie in Brandenburg und Braunschweig vorkommt. Wegen 
ihrer auffallenden Färbung ist sie den Landleuten so gut bekannt, dass sie überall mit einem eigenen 
Namen belegt wird; so heisst sie im Calenbergischen Erbsenmaus, in der Hilsmulde Zimmtmaus, im 
Saaletale Sattelmaus, bei Hildesheim Hüpper, bei Dahlenrode im südlichsten Hannover Springer, im Lande 
Wursten Bohnenmaus, sonst auch, wie die Waldmaus, Springmaus. Weil sie überall, wo sie vorkommt, 
gut bekannt ist, war es nicht schwer, ihre Verbreitung festzustellen, und aus den Nachforschungen 
scheint sich zu ergeben, dass sie Sand und Moor völlig flieht und sich nur auf felsigem oder schwerem 
Boden findet , Aus Ostfriesland, vom Oberharze und von den Inseln ist sie nicht bekannt, ebenso fehlt 
sie bei Wittlage, Meppen, Lingen und im Wümmegebiete, desgleichen in der Grafschaft Bentheim, soweit 
dort Sandboden ist, während sie nach Angabe des Landwirtschaftsschuldirektors Grashoff bei Gildehaus, 
wo Sandstein und Tonmergel ansteht, vorkommt. Im Artlande, der Gegend von Bersenbrück-Quaken- 
brück, fand Apotheker Möllmann sie nur einmal und zwar bei Menslage. Nach Mitteilung von Dr. 
Paul Wigand soll sie auch bei Walsrode vorkommen, doch liegen dort solche geologische Bedingungen 
vor, dass ihr Vorkommen sich dort erklären lässt, denn aus anderen Teilen der Lüneburger Heide ist 
sie noch nicht bekannt. Im Berg- und Hügelland und in den ebenen Gegenden mit schwerem Boden 
ist sie weit verbreitet : bei Hannover fing Obergehülfe Jatho sie einzeln in der Stadtgärtnerei, nach 
H. Kreye ist sie auch in der Eilenriede gefangen, doch erbeutete ich sie dort trotz umfangreicher 
Fallenstellerei nicht ; da sie aber bei Bemerode schon viel vorkommt, wird sie auf der nach dem Krons- 
berg zu liegenden Seite nicht fehlen. In der Leinemarsch bei Kloster Marienwerder bei Hannover ist 
sie gemein, ferner überall verbreitet im Calenbergischen, Hildesheimischen, bei Peine, im Saaletale, bei 
Hameln, Moringen, Bodenwerder, in der Hilsmulde, ferner bei der Sutthauser ulmühle bei Osnabrück, 
wo Sickmann sie fand ; in der Wesermarsch bei Hoya soll sie nach Landwirt L. Lohmeyer sich nur 
einzeln zeigen, wogegen sie nach Poppe im Lande Wursten häufig und schädlich ist; derselbe Forscher 
erhielt sie auch aus Schönebeck und Blumenthal bei Bremen und aus der Gegend von Vegesack. In 
trockenen Sommern vermehrt sie sich stark und wird dann besonders im Grünfutter schädlich. In der 
Färbung ist sie sehr beständig, doch kommen ab und zu Schwärzlinge vor. 

45. Die Waldmaus. Mus sylvaticus L. Sie ist über das ganze Festland verbreitet, wo 
sie in Wald, Gebüsch, Anlagen, Kirchhöfen und Gärten vorkommt, und nach J. H. Blasius steigt sie 
bis zur Brockenkuppe empor. Von den Inseln ist sie nur für Borkum bekannt. Als Forstschädling 
kann sie nur insofern in Betracht kommen, als sie Waldsämereien verzehrt, doch nützt sie sehr durch 
das Vertilgen von forstschädlichen Kerbtieren. Dass sie, wie die Rötel- und die Feldmaus, Bäume 
ringelt, ist ihr nicht nachzuweisen. In der Färbung weicht sie nicht viel von der Norm ab. Im 
Februar 1905 fing ich in der Eilenriede bei Hannover ein Stück, das auf der hinteren Rückenhälfte 
einen schwach angedeuteten dunkelen Streifen zeigte, sich aber in allen plastischen Merkmalen als ganz 
zu dieser Art gehörig erwies. Das Stück befindet sich im Provinzial-Museum. In den Nachbarländern 
ist sie überall verbreitet. 

46. Die Zwergmaus. Mus minutus Fall. Bisher ist diese Maus nur aus der Ebene und 
aus dem Hügellande bekannt, ist aber anscheinend über das ganze Gebiet, den öden Sand und den 
Oberharz vielleicht ausgenommen, verbreitet. Focken führt sie für Ostfriesland, Poppe für Syke, Schöne- 
beck, Hammersbeck, Lobbendorf, Bederkesa, Geestemünde und für das Land Wursten an, Möllmann für 
das Artland; sie ist ferner für Borkum und Juist bekannt; Pastor Dr. Rössig fing sie bei Ringelheim, 
Dr. Wiechers bei Gronau, Oberstleutnant Wedemeyer bei Eldagsen. Ich fing sie bei Ahrenfeld am 
Kahnstein und weit von allen Feldern im Ruhhorn bei Wolthausen in einem Kiefernstangenort. Bei 
Lüneburg fand Steinvorth nur das Nest, das aber unverkennbar ist und von mir um Hannover oft 
gefunden wurde. Wenn sie sich stark vermehrt, soll sie in Diemen und Scheunen wohl einigen Schaden 
anrichten, ist aber im Allgemeinen nicht häutig und macht den geringen Schaden durch Verzehren von 
allerlei Insekten wohl wieder gut. In den Nachbarländern ist sie verbreitet mit Ausnahme von Olden- 
burg, wo sie nur einmal gefunden wurde, doch mag sie dort vielfach übersehen sein. 

47. Die Waldwühlmaus. Hypudaeus glareolus (Schreb.). Im Grossen und Ganzen ist 
diese Maus ein Tier des Laubwaldes, doch genügt ihr schon ein ziemlich starker Buschunterwuchs im 
Nadelwalde. Sie lebt überall in Wäldern, grösseren Gärten, Hecken usw. Den Inseln fehlt sie; im 
Harze geht sie bis in die letzten Ausläufer des Fichtenbestandes. Mit Ausnahme Oldenburgs, für das 
Wiepken und Greve sie nicht anführen, ist sie aus allen Nachbarländern bekannt. In trockenen Jahren 
hat sie besonders im Berg- und Hügellande mit der Feldmaus zusammen schon beträchtlichen Forst- 
schaden angerichtet. 

48. Die Wasserratte. Paludicola amphibius (L.). Sie kommt im ganzen festländischen 
Gebiete und auf allen Bodenarten vor, flieht nur das Innere der Hochmoore und kahler Sandwüsten. 
Im Harze geht sie so hoch, wie der Wiesenbau, und ist noch von Oderbrück und Clausthal bekannt. 
Von den Inseln bewohnt sie Borkum und Norderney ; auf Juist wurde sie mehrfach eingeschleppt, hielt 
sich aber nicht. In der Farbe ändert sie von graubraun und grau bis tiefschwarzgrau ab, und zwar 
finden sich so verschieden gefärbte Stücke nebeneinander. Der Schaden, den sie an Wurzelfrüchten, 
Obstbäumen usw. anrichten, ist sehr bedeutend. In den Nachbarländern ist sie überall verbreitet. 



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Die nordische Wühlratte. Palvdicola ratticeps Keys. -Blas. Diese nord- und nordost- 
europäische Art ist nur für Ostpreussen aus Raubvogel gewöllen nachgewiesen, doch fand J. H. Blasius 
Reste von ihr auch in quartären Schichten der Baumannshöhle. 

49. Die Feldmaus. Armcda arvalis (PaU). Sie ist über das ganze Gebiet von der Küste 
bis zu den höchstgelegenen Wiesen des Harzes verbreitet und kommt sowohl auf Feld- und Wiesenland, 
wie auch in lichten Wäldern vor, auch beherbergen die meisten Inseln sie. In den Nachbargebieten 
ist sie ebenfalls überall zu finden. In trockenen Jahren nimmt sie ungeheuer zu und kann dann sehr 
grossen Feld- und Forstschaden anrichten. Gescheckte und weisse Stücke sind nicht selten; das Pro- 
vinzial-Museum besitzt von beiden Abnormitäten Belege — Die von J. H. Blasius für Braunschweig 
angegebene braune Feldmaus, Arvicola campe'stris Blas., wird von neueren Forschern nicht mehr 
anerkannt und zu der gemeinen Feldmaus gezogen. 

50. Die Erdmaus. Arvicola agrestis L. Diese für Braunschweig, Brandenburg und West- 
falen festgestellte Art ist für Hannover nur aus Gewöllen nachgewiesen. Aus von mir bei Ahrenfeld 
1905 gesammelten Gewöllen bestimmte Regierungsrat Dr. G. Rörig drei Schädel als zu dieser Art 
gehörig, und je zwei Schädel aus 1905 von mir im Ruhhorn bei Wolthausen bei Celle und bei Gross- 
Giesen bei Hildesheini aufgenommenen Gewöllen; die Belege sind im Provinzial-Museum niedergelegt. 

Die kurzöhrige Erdmaus. Microtus subterraneus (Seli/s.). Diese westeuropäische, von 
J. H. Blasius für das Rheinland, Westfalen. Braunschweig, Baiern und das sächsische Voigtland nach- 
gewiesene Maus, könnte möglichenfalls auch in Hannover zu finden sein. 

Der Biber. Castor fiber (L.). j In Deutschland kommt der Biber nur noch an der mittleren 
Elbe vor. In Hannover war er einst sehr verbreitet, wie so manche von ihm ableitbare Orts- und 
Flussnamen beweisen, so das Dorf Beber bei Springe, der Bach Beber bei Barbis, Beverbeck bei Uelzen, 
Bevermühle bei Gifhorn, Bevern bei Bremervörde, Beverstedt bei Geestemünde, Beversundem bei Lingen. 
Reste von ihm fanden sich im Leinekiese bei Ricklingen bei Hannover, im Kalktufflager bei Alfeld, in 
Torfmooren bei Bruchhausen, Lübbow und Vilsen, im Grundschlamme des Dümmer, in der Einhornhöhle 
bei Scharzfeld, im Mergel bei Honerdingen usw. Om 1200 lebte der Biber noch im Göttinger Stadt- 
graben, um 1500 an der Unterweser ; um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts war er schon recht 
selten bei uns, denn Taube schreibt 1769: „Aufwärts der Elbe, bei Schnakenburg und Lenzen, werden 
zu Zeiten, wiewohl selten. Bieber (Castor Fiber L. S. N. sp. I.) gefangen. Sie sind wohl ehedem, bei 
hohem Wasser, zu Dannenberg, ja so gar bei Haarburg aus der Elbe gefischet worden. Man suchet 
diese fleissigen Tiere je mehr und mehr auszurotten, weil sie denen Deichen und Stackwerken ungemeinen 
Schaden verursachen sollen." Der letzte hannoversche Biber wurde 1819 bei Dömitz an der Elbe 
geschossen. Ein Balg eines hannoverschen Bibers ist nicht mehr vorhanden, während im Herzoglichen 
Museum zu Braunschweig noch ein Stück steht, das am Ende des achtzehnten Jahrhunderts in der 
Schunter bei Braunschweig gefunden wurde. Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts lebte der 
Biber noch an der Lippe in Westfalen. 

51. Der Hase. Le/ms timidus L. Er ist über das ganze Festland verbreitet und durch 
künstliche Einbringung auch auf den Inseln vorhanden und auf allen häutig, am meisten auf Langeoog, 
wo im Durchschnitt alljährlich 700 Stück zur Strecke kommen. Im Harze geht er bis unter den 
Brocken, ist aber im Oberharze selten und sucht bei starkem Schneefall tiefere Lagen auf. In aus- 
gedehnten Mooren und Heiden ohne Feldbau ist er ebenfalls nicht häutig, meidet auch die Über- 
schwemmungsgebiete meist. In der Grösse und Farbe ändert er sehr stark ab, doch innerhalb der für 
die mitteleuropäische Form, Lepus campicola Schimp., festgestellten Kennzeichen. In Moor- und Heide- 
gegenden lebende Stücke sind oft dunkler gefärbt, auch schwächer als die. Feldhasen, die wieder meist 
schwächer sind, als die Hasen der in fruchtbarem Lande liegenden Wälder. Regelwidrige Färbungen 
sind nicht selten. Im Provinzial-Museum stehen von früher her ein gelbroter Hase mit roten Augen, 
ein weissbunter und ein hellgrauer, alle ohne Fundort- und Zeitangabe, aber wohl alle aus der Provinz 
stammend. Das gelbrote Stück soll nach Angabe von Lehrer C. Gehrs aus dem Hasenwinkel bei 
Fallersieben stammen, wo eine Zeit lang solche Stücke nicht selten gewesen sein sollen. Auf dem 
Fortgut Rüstje bei Stade wurde im Dezember 1905 nach Zeitungsmeldungen ein schneeweisses Stück 
geschossen und wie W. Bruns in der „Deutschen Jäger-Zeitung" vom 28. Januar 1906 mitteilt, wurden 
in der Schonoorther Feldmark bei Norden zwei vollkommene Blendlinge geschossen. Ein gelbweisser 
Hase mit schwarzen Sehern wurde 1899 von Kaufmann W. Thies in Bockeiskamp bei Celle erlegt, ein 
ebensolches Stück von 1900 besitzt Gastwirt Martens in Döhren bei Stolzenau sowie einen tiefschwarz- 
braunen, der 1899 ebenda geschossen wurde. Sehr tief schwarzbraun gefärbte Stücke erlegte auch 
Lehrer W. Peets bei Wietzen bei Nienburg. Eigene Hasengärten, wie einer am Ende des siebzehnten 
Jahrhunderts unter Herzog Ernst August bei Schneeren bestand, gibt es in der Provinz nicht. Mit 
der Zunahme des Feldbaues nimmt auch der Hase bei uns zu. Es ist nachzuweisen, dass durch die 
Einbringung fremder Hasen zur Blutauffrischung Seuchen bei uns auftraten. In den Nachbargebieten 
ist der Hase ebenso verbreitet, wie bei uns. 

Der Schneehase. Lepus variabilis Pall. Diese das nördliche Europa und die Alpen, auch 
das östliche Ostpreussen bewohnende Art ist im westfälischen Sauerlande ohne Erfolg ausgesetzt ; in 
Hannover sind Einbürgerungsversuche noch nicht gemacht worden. 

52. Das Kaninchen. Lepus cuniculus L. Wann das Kaninchen zuerst bei uns eingeführt 
wurde, lässt sich nicht genau fesstellen. 1679 befand sich an der Stelle des jetzigen Bahnhofes 
Leinhausen bei Hannover ein Kaninchenberg, in dem man Kaninchen züchtete. Damals hatten sich 
die Kaninchen von dort aus schon so vermehrt, dass die herzogliche Kammer an die Herrenhäuser 



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Bauern Wildschaden zahlen musste. Bei Celle befanden sich im siebzehnten Jahrhundert zwei herzog- 
liche Kaninchenberge; der eine lag bei Klein-Hehlen, der andere im Neustädter Holze. Unter König 
Georg I. bestanden beide noch, wurden dann aber aufgegeben. Wie Fr. Plettke in seiner Arbeit mit- 
teilt, wurde um 1800 bei Lilienthal bei Bremen eine Lapiniere angelegt; ein Hügel bei Flinten bei 
Ülzen heisst heute noch der Kaninchenberg, sodass anzunehmen ist, dass auch dort eine Lapiniere lag. 
Auf den Nordseeinseln war das Kaninchen schon früh eingebürgert, der Zeitpunkt ist aber unbekannt. 
Nach der Arbeit von G. Focken war es auf Juist vor 1875 so häufig, dass alljährlich über 1000 Stück 
erlegt wurden. Da es viel Deichschaden verursachte, rottete man es von 1869 auf den Inseln plan- 
mässig aus, sodass nach zwanzig Jahre kein Stück mehr lebte, ausser auf Norderney, wo sich eine 
kleine Siedlung bis heute hielt. Nach Mitteilung von Prof. Wenker-Meppen sind während der 
Anwesenheit des Fürsten Johann Wilhelm im März 1585 acht von Münster bezogene Kaninchen bei 
Meppen ausgesetzt. In West-Hannover hat sich von jener Zeit ab das Kaninchen erhalten, dagegen 
scheint es, dass es bis nach der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in Osthannover keine Kaninchen 
mehr gegeben habe. Der churfürstliche Kammerschreiber Redecker erwähnt in seinen „Historischen 
Collectanea" dieses Tier aus der Umgebung Hannovers nicht, sodass man annehmen muss, dass man es 
bei Hannover ausgerottet hatte. Dasselbe scheint bei Celle der Fall gewesen zu sein, denn Kohlrausch 
und Steinvorth teilen 1861 in ihrer Arbeit mit, dass es sich seit einigen Jahren bei Celle zeige. 
Kgl. Forstmeister a. D. Gerding-Celle teilt mir mit, dass ihm der damalige Gehegereuter 0. Kahle- 
Dalle gesagt habe, dass einige Jahre vor 1869 von einem Eisenbahnbeamten Kaninchen bei Celle aus- 
gesetzt seien. Ferner schreibt mir der Kgl. Hegemeister W. Bieling-Üalle, dass um 1840 bei Anlage 
der Zeichentelegraphenlinie Berlin-Köln ein Stationsbeamter bei Schiaden im Kreise Goslar Kaninchen 
ausgesetzt habe; 1857 hatten sich die Tiere schon sehr vermehrt, wanderten schon bis Liebenburg 
und waren 1859 bei Derneburg und Astenbeck. Johannes Leunis schreibt 1860, dass es bei Izum und 
Söder im Kreise Marienburg verwilderte Kaninchen gäbe. Von da ab mehren sich die Nachrichten 
über das Auftreten dieses Nagers, aber da viele Jagdinhaber heimlich Kaninchen aussetzten, lässt seine 
Ausbreitung keine weiteren Schlüsse zu. Bei Hannover sind mehrfach Kaninchen ausgesetzt, so 1890 
in der Eilenriede. In der Provinz Hannover giebt es zwei grosse völlig getrennte Verbreitungsgebiete, 
einen West- und einen Ostbezirk. Im Westbezirke ist es von Wittlage über Ankum, Iburg, Osnabrück, 
Aschen, Bentheim, Lingen, Meppen, den Hümmling, Aschendorf bis Weener und Emden verbreitet und 
stellenweise gemein. Der Ostbezirk wird ungefähr von einer über Goslar, Hameln. Seelze, Celle, 
Ülzen, Dannenberg, Lüchow, Salzwedel, Isernhagen, Gifhorn auf Goslar zurücklaufenden Linie einge- 
schlossen. Vereinzelt findet es sich noch, immer infolge von Aussetzung, an der Ruine Scharzfeld, 
am Westernsteine bei Barbis und bei Ilfeld. Dem mittleren Hannover zu beiden Seiten der Weser, die 
zwei Punkte Lehe und Geestemünde an der Unterweser ausgenommen, den Inseln mit Ausnahme von 
Norderney, dem nordöstlichen Hannover, dem Solling und dem Harze fehlt es. Marsch, Moor und aus- 
gedehnten Wald und felderloses Sandland meidet es. In vielen Gegenden Hannovers, so bei der Stadt 
Hannover, bei Peine, Burgdorf, Celle, Ülzen, Lüchow und Dannenberg tritt es sehr schädlich auf. Von 
den Nachbargebieten besitzen es die Niederlande, Braunschweig, Westfalen und die Mark. In Oldenburg 
kommt es nur bei Wildeshausen vor, Lippe und Schaumburg-Lippe fehlt es. Schwarze Kaninchen 
kommen einzeln wohl überall vor ; Belege liegen vor aus Peine, Seelze, Wartjenstedt, Ütze, Müden an 
der Aller und Bentheim. Einen vollkommenen Blendling besitzt das Provinzialmuseum aus Müden. 

Sehweine. 

(Fehlen den Inseln.) 

53. Das Wildschwein. Sus scrofa L. Das Schwarzwild wird in seiner Verbreitung durch 
die planmässigen Nachstellungen behindert, dagegen durch die Aufforstungen begünstigt. In manchen 
Gegenden, wo es früher häufig war, so im Kreise Hameln, im Deister, Süntel, Solling, ist es fast ganz 
oder völlig ausgerottet, an anderen Orten, so bei Meppen, im Artlande, bei Osnabrück, Harburg, Bassum 
nimmt es neuerdings zu. In grösseren Mengen kommt es als Standwild im Harze vor, ferner im Lüss 
bei Unterlüss, bei Gartow bei Lüchow und bei Sittensen ; von dort aus streift es oft sehr weit. Ein- 
gegattert findet es sich mit 1000 Stück in der Göhrde, mit ebensoviel im Sauparke bei Springe und 
in kleiner Anzahl in dem Wildpark der Reitschule in der Wietze bei Misburg und im von Klenke'schen 
Parke bei Hämelschenburg. Von den Nachbargebieten besitzen es in freier Wildbahn Westfalen, Olden- 
burg, Brandenburg und Mecklenburg ; in Lippe wird es als Gatterwild gehalten. Weissbunte Stücke 
zeigten sich um 1890 herum sehr viel im Lüneburgischen in freier Wildbahn ; ein solcher Frischling 
aus Dalle steht im Museum der Forstakademie zu Eberswalde. 

Hirsehe. 

i Sie fehlen den Inseln.) 

Das Elen. Alces alces (L.J. Es kommt in Deutschland nur in Ostpreussen vor und ist bei 
uns in vorgeschichtlicher Zeit ausgerottet. 

54. Der Edelhirsch. Cervus elaphus L. Als Standwild kommt der Rothirsch im Harze 
bis zur Brockenkuppe, im Solling, im Osterwalde, Hild, Wohldenberg, im Bentheimer Walde und bei 
Gartow im Wendlande in freier Wildbahn vor und streift von diesen Standorten weit hin, so dass er 
sogar bis in den Ahltener Wald vor Hannover gelangt. Wie subfossile Funde bei Meppen und am 
Dümmer ergeben, war er dort früher häufig, fehlt jetzt aber gänzlich, für den Hümmling wird er schon 



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1497 nicht mehr genannt. Bei Rotenburg war er 1820 noch häufig, ist jetzt aber verschwunden. Seit 
dem Bau der Bahn Hannover-Buchholz verschwand er westlich der Aller. Durch den Bau der Klein- 
bahnen geht er in freier Wildbahn immer mehr zurück. Eingegattert findet er sich mit 800 Stück in 
der Göhrde. Im Saupark standen vor ungefähr fünfundzwanzig Jahren 150 Stück, die man wegen 
Schälschadens bis 1905 abschoss. Nach der Stärke und der Geweihbildung ändert der Rothirsch 
ziemlich stark bei uns ab, ohne dass die Abänderungen zur Aufstellung von Nebenformen berechtigten, 
doch unterscheiden sich die Geweihe der Hirsche aus dem Harze, dem Lüss, dem Wietzenbruche, dem 
Wendlande und dem Bentheimer Walde ganz bedeutend. Da seit der Erbauung der Bahnen die Hirsche 
zur Brunft nicht mehr weit wechseln können, so werden sich wahrscheinlich mit der Zeit die Standort- 
formen schärfer ausbilden. In freier Wildbahn besitzen von den Nachbargebieten Westfalen, Mecklen- 
burg und Brandenburg Rotwild; hinter Gattern findet es sich in Lippe und Schaumburg-Lippe. 

Der Wapiti. Cervus canadensis Schrei/. Kreuzungen von Rotwild und Wapiti setzte der 
verstorbene Schiffsrheder Loesener in seiner eingegatterten Jagd Rixförde bei Fuhrberg aus; da die 
Brunft mit der des dort gehegten Rotwildes nicht zusammenfiel, wurden die Wapitibastarde abge- 
schossen. — Ebenda wurden auch zwölf Stück sibirisches Rotwild, dessen Artzugehörigkeit ich 
aber nicht erfahren konnte, ausgesetzt, die sich gut hielten. Ein Stück der Sibirier entsprang beim 
Aussetzen. Nach Loeseners Tode wurden alle abgeschossen. 

Der Altaihirsch. t'cmis maral Ogilby. Im Sauparke bei Springe wurden, nachdem 
das Rotwild wegen des Schälschadens abgeschossen werden musste, nach Angabe des Kgl. Forstmeisters 
Zimmer 1899 zwei Wildkälber und ein Hirschkalb ausgesetzt, die sich gut hielten und bis jetzt auf 
vierzehn Stück vermehrten. 

Der Sikkahirsch. Cervus sikka Tem. In der 1400 Morgen umfassenden eingegatterten 
Jagd des Schiffsrheders Loesener Rixförde bei Fuhrberg wurden neun Tiere und ein Hirsch ausgesetzt; 
sie hielten sich gut. vermehrten sich alier nicht, da der Hirsch unfruchtbar war. Nach Loeseners Tode 
schoss man alle ab. 

55. Der Damhirsch. Cervus dama L. Damwild findet sich nur an einer Stelle bei uns in 
freier Wildbahn, nämlich in den Revieren des Fürsten zu Inn- und Knyphausen in Lütelsburg in 
Ostfriesland; es war dort ursprünglich eingegattert, entsprang aber. Der Bestand beläuft sich auf 
200 Stück. Eingegattert findet sich Damwild bei uns im Sauparke bei Springe mit 200, im Tiergarten 
bei Hannover mit 100 Stück, und in geringer Anzahl im von Colshornschen Parke zu Wiedenhausen 
bei Riethagen, in Gräflich Galenschen Parke im Artlande, im Gräflich Oeynhausenschen Parke zu 
Doetzingen und im Gräflich Bernstorfschen Parke zu Gartow. Nach Guthe wurde er 1867 noch im 
Linsburger Walde und auf dem Schattenberge bei Hämelschenburg hinter Gattern gehalten. Die Geweihe 
der Lütetsburger Hirsche sind viel mehr zu Endenbildung und Auflösung der Schaufeln geneigt, auch 
massiger und brauner, als die unserer hinter Gattern lebenden Schaufler. 

56. Das Reh. Capreolus capreolus (L.). Das Reh hat sich durch die Hege sehr stark bei 
uns vermehrt und breitet sich immer mehr aus, sodass selbst in Gegenden, wo es noch vor einigen 
Jahrzehnten ganz fehlte, starke Rehwildstände vorkommen. Mit Ausnahme der Inseln ist es über das 
ganze Gebiet verbreitet ; im Harze geht es bis unter den Brocken. Das Gewicht der hannoverschen 
llclic ist nicht sehr stark ; Stücke, die aufgebrochen vierzig Pfund wiegen, sind verhältnismässig selten. 
Auch die Gehörnbildung lässt zu wünschen übrig und kommt im allgemeinen der der ostelbischen 
Böcke nicht gleich. Die Form der Gehörne ändert sehr; feste Regeln dafür lassen sich für das Reh 
aber noch weniger aufstellen, als für das Rotwild; Hannover eigentümlich sind die bei Nienburg mehrfach 
vorgekommenen Tulpengehörne.. Seit einigen Jahren äsen sich die hannoverschen Rehe auch ab und zu an 
Kartoffelkraut und Kartoffelknollen, was das deutsche Rotwild nach J. W. Blasius ungefähr seit 1820 
angefangen hat. Gehörnte Ricken finden sich hier ebenso oft, wie in anderen Gegenden, doch bestehen 
die Gehörne meist in überwallten Knöpfen. Eingegattert findet sich das Reh in der Göhrde mit 200, 
im Sauparke mit ungefähr zwölf Stücken. In der Farbe ändert das hannoversehe Reh, wie überall, 
sehr ab und schwankt im Sommerhaar zwischen lichtgelbrot, rot, rotbraun und braunrot an denselben 
Standorten, sodass man von einer besonderen Farbenrasse nicht sprechen kann. Als besondere Rasse 
ist nur das schwarze Reh aufzufassen, das sich aber mit den roten Rehen stets paart. Die Farbe 
des schwarzen Rehes ändert zwischen etwas hellerem und dunklerem Schwarzbraun, das bis in tiefes 
Schwarz übergeht. Bei den echten schwarzen Rehen fehlen nach Karl Brandt, der diese Rasse mehrfach 
monographisch behandelte, die weissen Abzeichen am Geäse ; der Spiegel der Böcke ist im Winter grau, 
im Sommer gelb, bei den Ricken im Winter schmutziggelb; weisse Spiegel kommen nach Brandt sehr 
selten vor. Die Gehörne unterscheiden sich von denen der roten Rehe nicht. Die Kitze sind grau- 
schwarz bis tiefschwarz ; die Jugendfleckung tritt meist wenig, oft garnicht hervor. Rote oder schwarze 
Ricken setzen manchmal schwarze oder ein schwarzes und ein rotes Kitz. Zwischen dem roten und 
dem schwarzen Reh gibt es Zwischenformen, deren Rücken und Hals im Winter schwarz ist, diese 
Stücke haben oft einen bläulichen Schimmer: im Sommer werden sie tiefbraunrot. Im Gegensatze zu 
den rein schwarzen Rehen besitzen sie die weissen Abzeichen am Geäse. Die Überlieferung, dass Land- 
graf Wilhelm von Schaumburg -Lippe um 1763 die schwarzen Rehe aus Spanien einführte, ist nach 
Kriechler und Brandt falsch. Erwähnt wird das schwarze Reh zuerst am Ende des sechszehnten Jahr- 
hunderts in einem Briefwechsel zwischen Herzog Heinrich Julius von Braunschweig und Landgraf 
Wilhelm IV. von Hessen - Kassel ; darnach standen damals schwarze Stücke bei Verden und Osnabrück. 
1797 teilt Pastor Paulus jun. von Möllenbeck in Wildungens Taschenbuch mit, dass schwarze Rehe im 



41 

Ottenser Forst im Kreise Rinteln ständen. 1771 stand dort nur noch ein schwarzer Bock. 1793 teilt, 
Goeze mit, dass in der Lucie bei Dannenberg schwarze Rehe ständen. Die Hauptstände für schwarze 
Rehe sind jetzt der Schaumburger Wald und die Oberförsterei Haste -Ottensen, deren Bestand Brandt 
auf 1000 Stück schätzt. Von hier aus hat sieh die schwarze Rasse über das ganze ebene Hannover 
bis tief nach Westfalen, Oldenburg und Brandenburg verbreitet. Dem Harze und dem Sollinge, fehlt 
es, und kommt in den übrigen Bergen nur vereinzelt vor. Weissbunte Rehe kamen nach Kohlrausch 
und Steinvorth um 1860 im Amte Neuhaus vor; zwei solche Stücke ohne Ortsangabe stehen im Provinzial- 
Museum. Schmutzigweisse Rehe sah Oberförster a. D. Emil Stolze- Goslar um 1870 bei Stade mehrfach. 
Eine weisse Ricke wurde um 1900 bei Krätze bei Alverdingsen und 1885 wurde in Borkensdorf bei 
Gifhoin eine Ricke, von dunkelmausegrauer Farbe geschossen. In den Nachbargebieten ist das Reh 
überall verbreitet. 



Schafe. 

Das Mähnenschaf. Ovis tragelaphus Cuv. Im Frühling 1883 Hess der verstorbene Fürst 
Woldemar zu Lippe zwei Stücke bei Lopshorn aussetzen, und als diese eingingen, in einem Steinbruche 
am Teutoburger Walde noch acht, die, sich aber auch nicht hielten; alle weiteren Versuche, diesen 
Afrikaner im Osning einzubürgern, misslangen. Nach einer mir nicht zugänglich gewordenen Mit- 
teilung in 0. V. Riesenthals „Aus Wald und Halde", 1878, S. 2 und 22, ist 1878 ein Mähnenschaf 
bei Greene in Hannover erlegt. Woher das Stück stammte, konnte ich nicht erfahren. 



Wale. 

OJber Wale fehlt mir jede eigene Kenntnis, sodass ich nur die in der Literatur zu findenden spärlichen Angaben 

geben kann.) 

Der Butzkopf. Orca gladiator (Bonnat.J. Dieser nordische Wal hat sich sommertags einige 
Mal an die deutschen, englischen und französischen Küsten verirrt und könnte möglichenfalls auch bis 
Hannover verschlagen werden. 

57. Der Tümmler. Phocaena phocaena (L.). Er kommt ständig an unserer Küste vor; 
nach Kohl'rausch und Steinvorth wurde ein Stück 1861 in der Elbe bei Winsen an der Luhe gefangen. 
Nach Th. Focken kommt er in die Ems öfter bis Weener und Leer, nach Sanitätsrat Dr. C. Lohmeyer 
in Emden oft in den Dollart. 

Der Grindwal. Gldbicephalus globiceps (Traill.) Diese nordische Art kann sich vielleicht, 
auch zu uns verirren. 

58. Der Delphin. Delphinus delphis L. Er kommt an unserer Küste ständig vor. 

59. Der Nasarnak. Tursiops tursio (F.). Nach Kohlrausch und Steinvorth wurde ein 
altes Stück im Sommer 1852 bei Winsen an der Luhe in der Elbe erlegt; Haut und Knochengerüst 
überwies der König dem Provinzial- Museum. 

Der weissschnäbelige Delphin. Tursiops albirostris Gray. Auch er kommt vielleicht bis 
an unsere Küsten. 

Der langschnäbelige Delphin. Delphinorhynchus rostratus (Cuv.). Desgleichen. 

60. Der Narwal. Monodon monoceros L. 1763 strandete nach Anderson und Klein ein 
Narwal in der Elbe. Die nähere Angabe war mir nicht zugänglich. 

Der Entenwal. Hyperoodon rostratus (Pont.). Dieser Wal, der 1846 bei Haarlem in Holland, 
1801 in der Kieler Bucht und 1807 an der holsteinischen Küste strandete, kann auch vielleicht nach 
Hannover verschlagen werden. 

Ziphius cavirostris. Cuv. Diese nördliche Art kann sich möglichenfalls auch zu uns verirren. 

Diplodon europaeus. Gero. Desgleichen. 

Mesoplodon micropterus. Cuv. Desgleichen. 

61. Der Pottwal. Physeter macrocephalus L. Dieser Wal verinte sich auch einmal zu 
uns, da er 1720 in der Elbe auflief. 1738 strandete er auch in der Eider. 

62. Der Finnwal. Physalus antiquorum (Fischer). Im Herbste 1870 strandete ein Männchen 
bei Juist. An der oldenburgischen Küste lief ein Stück in den 1830er Jahren auf. 

63. Der Zwergwal. Balaenoptera rostrata (F.). Das 1669 in der Lesum bei Vegesack 
gefangene, im Skelett im Bremer Museum stehende Stück kann der hannoverschen Fauna zugerechnet 
werden, da es auf seiner Reise unser Gebiet berührte. 

Cuvierius Sibbaldi. (Gray.) Er kann sich vielleicht zu uns verirren. 

64. Der Buckelwal. Megaptera /»»//« iL.) 1824 strandete ein Stück an der Eibmündung 
bei Vogel sand. 



42 



Ergebnisse. 

Meine Zusammenfassung der bis jetzt bekannt gewordenen Tatsachen über das Vorkommen und 
die Verbreitung der Säugetiere der Provinz Hannover erbringt folgende Ergebnisse: in Hannover sind 
64 freilebende Säugetiere mit Sicherheit beobachtet; künstlich eingebürgert sind davon zwei, das 
Kaninchen und der Damhirsch; vier Arten, Luchs, Wolf, Bär und Biber sind zu geschichtlicher Zeit 
ausgestorben; eine Art, der Nörz, gehört unserem Gebiete wohl nur noch als Irrgast an; sicherer kommt 
noch die Zwergspitzmaus und die ägyptische Hatte, vielleicht auch die kurzöhrige Erdmaus bei uns 
vor, während das Vorkommen der Alpenspitzmaus als fraglich zu betrachten ist. Nur als Gatterwild 
kommt der Altaihirsch vor. Als dem Quintär, also der vom Menschen bewohnten und umgestalteten 
Bodenschicht angehörig zu betrachten sind mit einiger Sicherheit elf Arten: Kleine Hufeisennase, lang- 
öhrige Fledermaus, Mopstledermaus, gemeine Fledermaus, die beiden weisszähnigen Spitzmäuse, Stein- 
marder, Wiesel, Wanderratte, Hausratte und Hausmaus, weniger sicher ist das für folgende Arten zu 
sagen: Mops-, rauhhäutige-, Zwerg- und spätfliegende Fledermaus, Igel. Maulwurf, Brandmaus, Feldmaus. 
Von den Walen leben nur der Tümmler und der Delphin ständig bei uns; die übrigen sind Irrgäste. 
Folgende Tafel mag die Ergebnisse deutlicher darstellen : 



Es leben 



in Hannover in Deutschland P^s fehlen Hannover 



Fledermäuse 


16 


18 


Grosse Hufeisennase 
Gewimperte Fledermaus 


Insektenfresser 


6 


7 


Zwergspitzmaus 


Raubtiere 


10 


10 




Robben 


3 


3 




Nagetiere 


17 


24 


Ziesel 

Baumschläfer 

Ägyptische Ratte 

Nordische Wühlratte 

Kurzöhrige Erdmaus 

Biber 

Schneehase 


Schweine 


1 


1 




Hirsche 


3 


4 


Elen 


Wale 


8 


10 


Butzkopf 
Entenwal 



Zusammen 



64 



Saiga tatarica aus der Kirgisen -Steppe. 

Hierzu Tafel VII. 

Im Jahre 1904 erwarb das Provinzial- Museum von der Xaturalienha.ndlung von J. F. G. 
Umlauf! in Hamburg 3 Felle der Saiga-Antilope (Saiga tatarica [L.]), davon eines (der Bock) 
mit Schädel und lieinknoehen. Nach Mitteilung des Verkäufers stammen alle 3 Stücke, der Bock, 
eine ältere und eine jungen' Gais, aus der Kirgisen -Steppe am Ära] -See. Da Behaarung und 
Färbung in verschiedenen Punkten nicht ganz mit den mir zugänglichen Beschreibungen der 
Saiga-Antilope übereinstimmen, so sei hier eine kurze Beschreibung gegeben, im übrigen verweise 
ich auf die Abbildung Tafel VII. 

Der Bock besitzt, von der Nasenspitze über den Bücken bis zur Schwanzspitze gemessen, 
eine Länge von 1,35 m , davon kommen 0,16 m auf den Schwanz. Die Schulterhöhe beträgt 
0,74 m. Die Hörner haben, der Krümmung nach gemessen, eine Länge von 0,26 m, der Spitzen- 
abstand beträgt 0,11 in. Die grössere der beiden Gaisen besitzt eine Länge von 1,29 bei einer 
Schulterhöhe von 0,64 m. 



43 

Die Grundfarbe aller drei Stücke ist schmutzigweiss , auf dem Rücken gelblichbraun an- 
geflogen; ein dunklerer Rückenstreif ist nur andeutungsweise vorhanden, dagegen befindet sich in 
der Kreuzgegend ein lang gezogener graubrauner Fleck. Den Bock ziert ein bis 8,5 cm langer 
hellgraubrauner Backenbart von abstehenden Haaren, auch die Halsseiten zeigen einen bis zur 
Schultergegend verlaufenden Längsstreifen von gleicher Färbung; ein grauer Querstreifen 
zieht sich von den Augen zwischen Öhren und Hörnern über den Hinterkopf. Auch bei den 
Gaisen sind die betreffenden Partieen des Kopfes und des Halses dunkler, doch bei der kleineren 
— der liegenden auf Tafel VII — in ausgesprochenerem Grade, als bei der grösseren. Die 
Unterarme sind auf der Vorderseite bräunlich, die Hinter- und Vorderfüsse über den Hufen 
bräunlich gelb. Die blassgelben, durchscheinenden Hörner zeigen über der Wurzel 12 geschlossene 
und gegen die Spitze hin 3 — 4 nur noch an der Vorderseite ausgeprägte Ringe; die glatten 
Spitzen sind an der Innenseite rotbraun. 

Dr. Fritze. 



Beiträge zur Biologie und Faunistik von Branehipus 
grubei Dyb. und Apus produetus Böse. 

In der Zeitschrift „Kosmos, Handweiser für Naturfreunde", bringt E. Wolf-Frankfurt a M. 
einen populär gehaltenen Aufsatz über die Branchiopoden - Gattungen Apus und Branehipus und 
weist auf die bedauerliche Tatsache hin, dass beide Gattungen, wenigstens in Deutschland, auf 
dem Aussterbe-Etat stehen. : ) Beide Gattungen sind in den letzten Jahren auch von mir in der 
Umgegend von Hannover beobachtet worden, und da ich glaube, dass meine Beobachtungen 
vielleicht nicht ganz ohne Interesse sind , so mögen sie hier um so eher niedergelegt sein , als 
Niemand dafür bürgen kann , dass sie nicht plötzlich durch Zuschüttung der Fundplätze einen 
gewaltsamen Abschluss finden. — Die am längsten und eingehendsten beobachtete von beiden 
Arten ist Branehipus grubei Dyb., und sie möge daher auch den Anfang machen. 

1. Branehipus arrubei Dyb. 

I. 

An die von Gross -Buchholz nach Misburg führende Chaussee stösst etwa l 1 ^ km vor 
letztgenanntem Ort, das Altwarmbüchener Moor nach Süden begrenzend und nach Osten in den 
Ahlter Wald übergehend, ein kleineres Waldgebiet, das gewöhnlich „Misburger Holz u genannt wird, 
auf den Karten aber den Namen „Witzenholz" führt, und zur Kgl. Forst Hannover gehört. Es 
wird kreuz und quer von schnurgraden Forstwegen durchzogen, die die einzelnen Jagen von ein- 
ander trennen, und die meist entweder auf einer oder auf '1 Seiten von Gräben begrenzt sind. 
Im Herbst, Winter und Frühling sind diese voll Wasser, im Sommer der grossen Mehrzahl nach 
trocken. Der Boden ist moorig, und viele Bäume zeigen infolge dessen stelzenförmige Wurzel- 
bildungen, wie sie Conwentz in seinem Aufsatz über bemerkenswerte Fichtenbestände beschreibt 
und abbildet.'-) Der Baumschlag ist gemischt: Eichen Buchen, Hainbuchen, Eilen, Kiefern und 
Fichten wiegen vor. — 

Am 1. Mai 1904 kam ich beim Durchstreifen des Witzenholzes zufällig auf den Forstweg, 
der die Jagen 7s und 76 trennt, (der zweite von Hannover her), und machte meine mich be- 
gleitende Tochter aufmerksam auf die massenhaften Stechmücken -Larven, die den zur rechten 
Seite den Weg begrenzenden Graben bevölkerten. Bei dieser Gelegenheit beugte ich mich tief 
über die Wasserfläche und entdeckte nun zu meinem Erstaunen ein etwa 2 cm langes, das Wasser 
langsam durchziehendes Tier, das ich noch niemals vorher lebend gesehen hatte: es war 
Branehipus grubei. — 



') Dr. Eugen Wolf, Frankfurt a M. Streifzüge durch das Reich unserer Süsswasserkrebse. 1. Seltene 
Gäste. Kosmos. Bd. III, Heft 4, pag. 99. 

2 ) Prof. Dr. Conwentz, Danzig. Bemerkenswerte Fichtenbestände, vornehmlich im nordwestlichen 
Deutschland. (Aus der Natur. I. Jahrgang (1905), Heft 17, pag. 3, Abb. 1.) 

6* 



44 

Ich teile dies so ausführlich mit, weil es so recht zeigt, von welchen Zufälligkeiten eine 
derartige Entdeckung abhängt, denn, wie ich gleich vorausschicken will, nur an dieser Stelle des 
Grabens in einer Länge von 25 m, bei ungefähr 500 m Gesamtlänge des Grabens, findet sich 
Branchipus. Hei diesem sowie bei jedem späteren Besuch der Fundstelle ist derselbe Graben in 
seiner Verlängerung von mir abgefischt worden: niemals ist auch nur ein Branchipus gefunden, 
obwohl der Graben während des grössten Teiles des Jahres eine zusammenhängende Wasserfläche 
bildet, und sowohl die den Graben begrenzende Vegetation, wie die ihn belebende Tierwelt auf 
weite Strecken genau die gleichen sind. Diese ist, von den Gulex-Larven abgesehen, überaus 
arm. Vereinzelte Frösche, - - ob Grasfrosch oder Moorfrosch vermag ich nicht zu sagen. — ein 
Triton taeniatus. zwei Käfer der Gattung Ilybius, einige Phryganeiden-Larven und wenige Turbel- 
larien: das ist ausser Branchipus und C'uliciden-Larven bezw. -Puppen Alles, was ich an 16 ver- 
schiedenen Fangtagen in 3 Jahren gesehen resp. gefangen habe. Einige wenige Copepoden, Cypriden 
und Daphnien vervollständigen die karge Liste. 

Wie ist das so ausserordentlich lokalisierte Vorkommen des Branchipus grubei an dieser 
Stelle zu erklären? Folgendes scheint mir das Wahrscheinlichste: Wenige Eier sind aus grösserer 
Entfernung, - - die mehrfache Absuchung der übrigen Gräben und Tümpel des Witzenholzes nach 
Branchipus hatte ein negatives Resultat, — durch Wasservögel hierher verschleppt worden zu 
einer Jahreszeit, als der Graben bereits teilweise ausgetrocknet war, so dass die sich entwickelnden 
Branchipus der dazwischen liegenden trockenen Stellen wegen nicht in die übrigen Teile des 
Grabens gelangen konnten. Als dann die nasse Jahreszeit einsetzte, waren die Tiere längst tot. 
die Eier dagegen lagen im Schlamm des Bodens, blieben, da der Graben keine Strömung hat, hier 
ungestört liegen und entwickelten sich erst, als durch die im Frühling eintretende höhere 
Temperatur der Graben wiederum durch Austrocknung in eine Reihe unter einander getrennter 
Tümpel aufgelöst war, ein Vorgang, der sich dann Jahr für Jahr in derselben Weise 
wiederholt hat. — 

Als ich am 1. Mai l!t()4 diesen Fundplatz entdeckte, war ich. — und nicht weniger später 
Alle, denen ich die Tiere zeigte, -- überrascht und entzückt von der hohen Schönheit der Art. 
Namentlich die cfcf waren leuchtend rot, als wären sie aus rotem Glase gegossen ; die V 9 waren 
gelblich mit grünschillernden Längslinien. 

Ich konservierte einige Exemplare beider Geschlechter als Belegstücke für die Sammlung 
des Provinzial- Museums in Alkohol, die grosse Mehrzahl hielt ich kürzere oder längere Zeit 
lebend im Aquarium in der Absicht, den den Boden bedeckenden Schlamm mit den wohl zweifellos 
darin enthaltenen Eiern im nächsten Jahr wiederum ,, anzusetzen" und die Entwickelung zu beob- 
achten. Durch die Unvorsichtigkeit eines Dienstmädchens wurde später das Aquarium zerbrochen, 
und der darin enthaltene trockene. Schlamm einfach weggeworfen. Wie ich gleich vorausschicken 
möchte, erging es mir im nächsten Jahr ganz ähnlich, der Unterschied lag nur in dem Beweg- 
grund : diesmal war es der Sinn für Reinlichkeit. Während meiner Abwesenheit von Hannover 
wurde der „Schmutz" aus den Aquarien entfernt und diese mir spiegelblank geputzt auf den 
Tisch gestellt. 

In der Ausbeute vom 1. V. waren die cfcf in der Überzahl, ein zweiter Fischzug am 
2. V. ergab beide Geschlechter in ungefähr gleicher Zahl. Am 7. V. waren die 9 9 zahlreich, die 
cfcf dagegen sehr spärlich, doch ist das wohl ein Zufall gewesen, da am '.). V. beide Geschlechter 
wieder in ziemlich grosser Zahl vorhanden waren. Am 24. V. war der Tümpel ausgetrocknet. 
Als ich am 18. IX. den Platz wieder aufsuchte, enthielt der Graben noch kein Wasser, war aber 
fast in seiner ganzen Länge, auch am Fund platz, von Schlamm gereinigt und 
nicht un b e d e u t e n d v e r t i e f t. — 

Im Jahre 1905 war ich zum ersten Mal am 22. I. am Fundplatz und fand den ganzen 
• iiaben dick zugefroren. Am 13. III. fand ich den Graben noch wasserreich, den Fundplatz aber 
bereits durch trockne Partieen von dem übrigen Graben getrennt und bevölkert von zahlreichen 
Branchipus in allen verschiedenen Grössen, darunter 1 . das mir in Färbung und l.nisse denen 
des Vorjahres zu gleichen schien. Einige cfcf besassen etwa die (irösse und annähernd die 
Färbung des 9, während im Vorjahre sich die cfcf sowohl durch bedeutendere Grösse, als, wie oben 
mitgeteilt, durch ihre prächtige Färbung von den 9 9 unterschieden. Ich schob den abweichenden 
Befund dieses Jahres auf die frühe Jahreszeit. Am 26. III. war keinerlei Änderung zu bemerken. 
Die Temperatur der nun folgenden Wochen war vielfach sehr niedrig, sank auch des Nachts 
mehrfach auf 7°R. Ich war deshalb keineswegs erstaunt, als ich am 13. IV. noch immer 



45 

Branchipus in verschiedenen Grössen, die Farben zwar anscheinend etwas lebhafter, dagegen noch 
kein d" fand, das denen von 1904 an Färbung und Grösse auch nur annähernd gleich gekommen wäre. 

Am 3. V. besuchte ich den Platz wieder, fand zahlreiche Branchipus beiderlei Geschlechts. 
darunter ein Paar in copula; die grössten cfcf zeigten bei nur wenig intensiverer Färbung die 
gleiche Grösse, wie sie die grössten öV am 13. IV. besessen hatten. Am 9. V., dem nächsten 
Fangtage, bestand die Ausbeute aus 32 tfd" und 48 9 9 und wiederum habe ich „etwas mehr 
hervortretendes Rot der cft/" notiert, doch bin ich nicht sicher, ob es sich hier nicht um subjektive 
Täuschung handelt; lebendes Vergleichsmaterial hatte ich nicht mehr und die konservierten Stücke 
zeigen alle die gleiche blass rötlich-gelbe Färbung. Der letzte Fangtag des Jahres 1905, der 17. V., 
ergab 32 dd und 42 9 9, erstere zeigten keine Veränderung, während die 9 9 an Grösse vielleicht 
noch etwas zugenommen hatten. 

Im laufenden Jahre (1906) besuchte ich den Fangplatz zuerst am 7. III.. einem herrlichem 
Frühlingstage, dem Nachfolger zweier ebenfalls aussergewöhnlich schöner und warmer Tage. Von 
Branchipus war nichts zu sehen, gleichzeitig fiel mir auf, dass der ganze Graben viel weniger 
Culex-Larven enthielt, als in den Vorjahren. Nach einer Periode starker Niederschläge, teilweise 
Schnee und Hagel, fand ich am 18. III. den Fangplatz stark überschwemmt, keinen Branchipus 
und sehr wenige .Mückenlarven. Am 21. IV. noch immer viel Wasser, das mooriger aussah, als 
in den Vorjahren, auch schlecht roch; überhaupt war der ganze Graben in einer Weise von 
Schmutz, Schlamm und Algen erfüllt, wie ich sie in den vergangenen Jahren nicht wahrgenommen 
habe; jedenfalls eine Folge der ausgefallenen Peinigung im Spätsommer. Wiederum kein 
Branchipus und nur sehr wenige Culex-Larven. Nachdem auch der 8. V. kein anderes Resultat 
ergeben hatte, während an einem anderen Fundplatz um dieselbe Zeit Branchipus auf der Höhe 
seiner Entwickelung war, (vergl. weiter unten) lässt sich für 1906 das vollständige Fehlen des 
Branchipus gruhei an diesem Fundplatz konstatieren. — — 

An vorstehenden Beobachtungen scheint mir Folgendes besonders bemerkenswert: 

ll Die schon erwähnte auffällige räumliche Beschränktheit des Fundplatzes, für die eine 
Erklärung bereits versucht wurde. 

2) Die Häufigkeit des Branchipus im Jahre 1905 trotz der vorangegangenen Graben- 
reinigung und Entfernung des Schlammes, und sein völliges Fehlen 1906. Für Ersteres finde ich 
nur folgende Erklärung: Der Fundplatz wird durch einen erhöhten Wegübergang, der aber auch 
gelegentlich unter Wasser steht, in 2 Teile geteilt. Diesen Übergang mit seinen rechts und links 
abfallenden Rändern hat man bei den Reinigungs- Arbeiten unberührt gelassen. Die hierhin ab- 
gelegten Eier werden die Mehrzahl der Larven ergeben haben, die nun in dem freien Wasser des 
gereinigten < Habens sehr günstige Bedingungen für ihre Weiterentwickelung fanden. Der ver- 
sumpfte und verschlammte Zustand des Grabens in diesem Jahre bot ihnen diese nicht, dass 
etwa durch mich der Fundplatz leer gefischt wäre, ist ausgeschlossen, dass die Eier durch die 
schlechte Beschaffenheit des Wassers getötet sein sollten, erscheint mir bei der Widerstandsfähig- 
keit der Branchipus-Eier gegen äussere Einflüsse wenig wahrscheinlich, so bleibt nur die Deutung 
übrig, dass entweder die Eier ausgeschlüpft sind, und die Nauplius-Larven dann in Folge des 
schlechten Wassers rasch abstarben, oder die Eier liegen noch vollständig lebenskräftig im 
Schlamm und warten zu ihrer weiteren Entwickelung auf das Eintreten günstigerer Bedingungen. 
Hierüber werden die Beobachtungen der nächsten Jahre wohl Aufschluss geben, denn selbst- 
verständlich beabsichtige ich, diese fortzusetzen, oder, wenn ich durch nicht vorher zu sehende 
I'mstände daran gehindert werden sollte, Andere hierzu zu veranlassen. Dass es sich um ein 
Ausbleiben der Art ohne erkennbare äussere Einwirkung, — also um eine Art Ruhestadium, — 
handeln sollte, glaube ich nicht; dagegen spricht zu deutlich das gleichzeitige auf ein Minimum 
beschränkte Vorkommen der Stechmücken-Larven. 

3) Die namentlich beim männlichen Geschlecht so überaus auffällige Verschiedenheit in 
Grösse und Färbung, zu der sich noch eine Formverschiedenheit gesellt: die Köpfe der c f von 
1904 sind bedeutend dicker, wie die derjenigen von 1905. Bei der der Gattung Branchipus so 
nahestehenden Gattung Artemia hat sich bekanntlich gezeigt, dass sich die eine vermeintliche Art 
(A. milhausenii) durch Verminderung des Salzgehaltes des Wassers in die andere (A. salina) über- 
führen lässt. Sollte ein ähnliches (möglicher Weise periodisch wiederkehrendes) Verhalten bei 
Branchipus völlig ausgeschlossen sein? Leider verbietet mir der Mangel an Vergleichsmaterial 
und Literatur, zur Zeit darüber ein Urteil zu fällen; die Möglichkeit halte ich jedenfalls für 
vorhanden; vielleicht heben die Beobachtungen, auf Grund dieser Mitteilungen von Anderen an 
anderen Grten angestellt, alle Zweifel. 



46 

IT. 

Am 28. IV. 1905 teilte mir Herr Schriftsteller Löns von hier mit, dass in einem Grenz- 
graben der Eilenriede am Döhrener Turm Apus productus sich finde. Eine am 29. IV. vor- 
genommene Untersuchung des Grabens ergab neben Apus productus (siehe unten) zahlreiche 
Branchipus grubei in beiden Geschlechtern. Die cfcf waren grösser, wie die des gleichen Jahres 
aus dem Witzenholz, zeigten aber dieselben unscheinbaren Farben. Die Färbung des Körpers war 
bräunlichgelb, Kopf und Beine zeigten blaugrünen Ton, das Lappenpaar am Ende des Hinterleibes 
war rötlich. Bei den ¥ 9 war der Vorderkörper bläulich, die Bruttasche dunkel grünlichbraun, die 
nächsten Abdominalsegmente zeigten weissliche. die sich daran schliessenden rötliche Färbung, die 
Schwanzlappen waren hellblau. Diese Färbung war bei beiden Geschlechtern sehr constant. Ausser 
Apus und Branchipus fanden sich zahlreiche Copepoden, Cypriden und Daphnien, auch 2 Ilybius. 
Am 1. V. hatte das Wasser schon bedeutend abgenommen, der Graben war in viele kleine Tümpel 
aufgelöst, die fast sämtlich Branchipus enthielten. Am 6. V. war das Wasser noch weiter zurück- 
gegangen, im Fang etwa 70 Branchipus beider Geschlechter in annähernd gleicher Zahl. — 

Im Jahre l!)0(i besuchte ich diesen Fundplatz zuerst am 1. V. Der Graben enthielt noch 
ziemlich viel Wasser, doch war der an die Hildesheimer Chaussee stossende Teil schon durch 
trockene Abschnitte in einzelne Tümpel zerfallen. Jeder Tümpel enthielt einige Branchipus. Im 
wasserreichsten Teil in der Umgebung der in die Eilenriede führenden Brücke sah man ver- 
einzelte Branchipus, meist 9 9; im flacheren Teil östlich von der Brücke waren namentlich <fd" 
geradezu massenhaft vorhanden. Ein Paar wurde in copula beobachtet. Am 5. V. waren die Ver- 
hältnisse ziemlich unverändert, nur hatte die Zahl der Daphnien u. s. w. noch bedeutend zugenommen. 

Am 23. V. enthielt der Graben noch ziemlich viel Wasser, die kleinen Crustaceen waren 
massig zahlreich, von Branchipus nichts mehr zu sehen. — 

2. Apus productus Bosc. ') 

Gegenüber dem Döhrner Turm zieht sich die Eilenriede in Gestalt eines schmalen, nördlich 
von einem Graben begrenzten Waldstreifens bis an die Hildesheimer Chaussee heran. Hier fand 
sich am 29. IV. 1905 Apus productus in grosser Zahl. Die allgemeinen Verhältnisse sind bereits 
in Vorstehendem geschildert worden, so kann ich mich hier auf einige Zahlenangaben und im 
Aquarium gemachte Beobachtungen beschränken. 

29. IV. 05. Apus productus zahlreich. 
1. V. 05. 
6. V. 05. 35 Apus productus. 

1. V. 06. Im Endteile des Grabens wenige Apus gesehen. 
5. V. 06. Ebenso, östlich der Brücke 1 Exemplar gefangen. 
23. V. <><;. Kein Stück mehr gesehen. 

Mehrfach beobachtete ich, dass 2 Apus mit der Unterseite aneinander gedrückt aufrecht 
im Aquarium schwammen. In der Mitte hatten sie dann jedesmal einen Branchipus oder eine 
l'liivganeiden-Larve, die sie gemeinsam auffrassen. Am 3. V. frass ein auf dem Boden des 
Aquariums sitzender Apus einen Branchipus, dessen Kopf und die sich lebhaft bewegenden vorderen 
Beinpaare unter dem Rückenschild des Apus hervorragten. Auch wurden vielfach tote, angefressene 
Apus im Aquarium gefunden, ob aber die Tiere von ihren Genossen getötet oder erst nach ein- 
getretenem Tode angefressen waren, vermag ich nicht zu entscheiden. Ein Zuchtversuch misslang; 
der zweifellos zahlreiche Apus-Eier enthaltende Schlamm vom Boden des Aquariums teilte das oben 
mitgeteilte Schicksal des die Branchipus-Eier enthaltenden Schlammes. 

Dr. Fritze. 



') Apus cancrifonnis S.hütt. wurde 1Ö95 in der Vahrenwalder Heidi' gefunden. (Belegstück in der 
Sammlung des Provinzial-Museums.) 



47 



Katalog der Säugetier -Sammlung des Provinzial- Museums 

zu Hannover. 



• «J^Vj 



Vorwort. 



Im Jahre 1897 erschien auf Veranlassung des Professors an der hiesigen Tierärztlichen 
Hochschule Dr. Kayser, des derzeitigen Verwalters der Säugetiersammlung im Provinzial-Museum, 
ein vom damaligen cand. med. vet. Dahlgrün zusammengestelltes ,. Verzeichnis der im Provinzial- 
Museum zu Hannover vorhandenen Säugetiere". War auch dieses Verzeichnis nicht in allen 
Punkten zutreffend , so konnte es doch als ein verhältnismässig richtiges Bild der Säugetier- 
sammlung gelten, und behielt, da in den nächsten Jahren der Zuwachs durch Geschenke und 
Ankäufe ein verschwindend kleiner war, diese Gültigkeit bis zum Jahre 1901, dem Zeitpunkt der 
Übersiedelung der Sammlungen in das neue Provinzial-Museum. Von da ab trat eine gründliche 
Änderung ein: durch Geschenke und Ankäufe vermehrte sich die Zahl der ausgestellten Gegen- 
stände derartig, dass von den am 1. April d. J. in der Säugetiersammlung des Provinzial-Museums 
aufgestellten Objekten nahezu die Hälfte, 324 von 706, Neuerwerbungen seit dem Jahre 1901 
darstellen. 

Aber auch noch in anderer Weise änderte sich das Aussehen der Sammlung. Viele alte 
und schlechte Exemplare, die ihr wahrlich nicht zur Zierde gereichten, konnten in die Depots 
überführt und durch neue, gute, ersetzt werden; an Stelle von oft bis zur Unkenntlichkeit ent- 
stellten Stücken traten lebenswahre Gruppen, Einzelnes harrt auch noch der Auferstehung in 
verändertem und verbessertem Zustande. Eine weitere Änderung bestand darin, dass die Säuge- 
tiere der Fideicommiss- Galerie des Gesamthauses Braunschweig und Lüneburg aus der Sammlung 
herausgenommen und mit den übrigen hierher gehörigen naturhistorischen Gegenständen in einem 
besonderen Saale aufgestellt wurden. 

Alle diese Verhältnisse machten die Anfertigung eines neuen Kataloges dringend 
wünschenswert, und der jetzige Zeitpunkt erschien zu einer solchen ganz besonders geeignet, da 
auch in der inneren Organisation mit dem April dieses Jahres eine durchgreifende Änderung 
stattgefunden hatte. Bisher gehörte nur ein wenn auch grosser Teil der naturwissenschaftlichen 
Sammlungen der Provinz, der Rest war Eigentum der hiesigen Naturhistorischen Gesellschaft, die 
sich auch das Recht der wissenschaftlichen Bearbeitung der Sammlungen vorbehalten hatte. In 
der Generalversammlung der Gesellschaft vom 13. 2. 1 9 * > verzichtete diese gegen eine ent- 
sprechende Geldentschädigung auf alle Eigentums- und sonstigen Rechte, so dass nunmehr die 
Sammlungen des Provinzial-Museums ein einheitliches, untrennbares Ganzes bilden. Die zahlen- 
mässige Grösse der einzelnen Bestandteile, aus denen sich die Säugetiersammlung bisher zusammen- 
setzte, veranschaulicht folgende Tabelle: 



48 





Ganze 
Tiere 


Skelette 


Schädel 


Skelettteile, 

Gehörne, 

Zähne 

u. s. w. 


Frassstücke 
und Nester 


Zusammen 


Aus der Sammlung der 
Naturhistorischen Gesell- 
schaft 


124 




9 


4 




137 


Von 1870 bis 1. April 1901 
aus Provinzial - Mitteln 
erworben 


43 


21 


27 


1 




92 


Unbestimmt 


85 


— 


55 


11 


2 


153 



1. April 1901 bis 1. April 1906: 



Aus Provinzial -Mitteln "er- 
worben 


87 


2 


37 


50 


1 


177 


Geschenke . 


71 


1 


41 


31 


2 


146 


Eingetauscht 


— 


— 


1 


— 


— 


1 


Zusammen . . 


310 


24 


170 


97 


5 


Tue. 



Hierzu ist folgendes zu bemerken : 

1) Unter der Bezeichnung „Unbestimmt" sind zusammengefasst : a. Diejenigen Gegen- 
stände, von denen sich nicht mehr nachweisen lässt, wie und wann sie in die Sammlung gekommen 
sind; b. solche Geschenke, bei denen Zweifel herrscht, ob sie für die Naturhistorische Gesellschaft 
oder für das Provinzial-Museum bestimmt waren; c. der Einfachheit halber die sehr wenig zahl- 
reichen vor 1901 geschenkten Gegenstände, bei denen der Geber die Sammlungen der Provinz 
als Empfänger besonders namhaft gemacht hat. 

2) Nicht mit aufgenommen in diese Zusammenstellung und in das nachfolgende Säugetier- 
verzeichnis sind diejenigen Säugetiere bezw. Skelette und Skelett-Teile, die entweder in den Depots 
untergebracht sind, oder sich zur Zeit in den verschiedensten Stadien der Präparation befinden. 
Die letzteren, die ziemlich zahlreich sind, bestehen hauptsächlich aus solchen Stücken, die das 
Museum frisch im Fleisch erhielt, deren Aufstellung aber wegen der geringen Zahl der vorhandenen 
Arbeitskräfte bis auf weiteres zurückgestellt werden musste. 

In der systematischen Anordnung und der Nomenclatur des nachstehenden Säugetier- 
verzeichnisses bin ich dem „Catalogus mammalium tarn viventium quam fossiüum" von 
E. L. Trouessart (Berlin, Verlag von R. Friedländer & Sohn, 1899-1905) gefolgt, Ab- 
weichungen sind durch Fussnoten als solche kenntlich gemacht. 

Die eingeklammerten Zahlen bezeichnen die Katalognummern der einzelnen Stücke, folgt 
ihnen keine weitere Bemerkung, so handelt es sich jedesmal um ein ausgestopftes Exemplar. 
Von den vorkommenden Abkürzungen bedeuten: 
S. K.: Sommerkleid. 

\V. K. : Winterkleid. 

Ü. K.: Übergangskleid, 

juv. : Junges Tier. 

e. coli. Nat. Ges. : Aus der Sammlung der Naturhistorischen Gesellschaft. 
Gek.: Aus Provinzial -Mitteln gekauft. 

G. : Geber. 



Hannover, April 1906. 



Dr. A. Fritze. 



4!» 



Übersicht. 



1. Ordnung: Birr.ana 



50 



2. Ordnung: Primates 50 

1. Familie: Simiidae 50 

2. Familie: Cercopitheeidae . . 50 

3. Familie: Cebidae 51 

4. Familie • Hapalidae 52 

3. Ordnung: Prosimiae 52 

1. Familie: Lemuridae 52 

4. Ordnung: Chiroptera 52 

1. Familie: Pteropidae 52 

2. Familie: Rhinolophidae . . . . 52 

3. Familie: Vespertilionidae . . . 52 

Insectivora 52 

Macroscelidae .... 52 

Erinaceidae 53 

Soricidae 53 

Talpidae 53 

Carnivora 53 

Ursidae 53 

Procyonidae 53 

Mustelidae 54 

Canidae 55 

Hyaenidae 56 

Viverridae 56 

Felidae 56 

7. Ordnung: Pinnipedia 58 

1. Familie: Otariidae 58 

2. Familie: Trichecidae 58 

3. Familie: Phocidae 58 



5. 


Ordnung : 


Insecti 




1. 


Familie: 




2. 


Familie : 




3. 


Familie : 




4. 


Familie : 


6. 


Ordnung : 


Carniv 




1. 


Familie : 




2. 


Familie : 




3. 


Familie : 




4. 


Familie : 




5. 


Familie 




6. 


Familie 




7. 


Familie: 



8. Ordnung: Rodenti 

1 . Unterordnung : 

1. Familie: 

2. Familie: 

2. Unterordnung: 

3. Familie: 

4. Familie : 

5. Familie: 

6. Familie: 

3. Unterordnung : 

7. Familie: 

8. Familie: 

9. Familie : 
10 Familie: 

11. Familie: 

12. Familie : 



a 58 

Sciuromorpha. . 58 

Sciuridae 58 

Oastoridae 59 

M yomorpha . . 59 

Myoxidae 59 

Muridae 60 

Spalacidae 61 

Dipodidae 62 

Hystrichomorpha 62 

Octodontidae .... 62 

Hystricidae 62 

Coendidae .... 62 

Lagostomidae .... 62 

Dasyproctidae .... 62 

Caviidae 62 



4. Unterordnung: 
13. Familie: 



Lagomor p h a 
Leporidae . . . 



Ordnung: Ungulata 

1. Unterordnung: Hyracoidea 

1. Familie: 

2. Unterordnung: 

2. Familie : 

3. Unterordnung: 

3. Familie 

4. Familie : 

4. Unterordnung : 

5. Familie : 
Familie : 
Familie : 
Familie: 
Familie : 
Familie : 
Familie : 



6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 



Procaviidae 

Proboscidea 
Elephantidae . 
Perissodacty 
Rhinocerotidae 
Equidae .... 
Artiodactyla 
Suidae . . 
Hippopotamidae 
Camelidae 
Tragulidae 
( 'ervidae . 
(liraffidae 
Bovidae 



10. Ordnung: Sirenia 

1. Familie: Halicoridae 



11. Ordnung: Cetacea 

1. Familie : Uelphinidae 



Familie : 
Familie: 



Physeteridae 
Balaenidae 



12. Ordnung: Edentata 



1. Unterordnung: 

1. Familie: 

2. Familie: 

2. Unterordnung: 

3. Familie: 

3. Unterordnung: 

4. Familie: 



Xenarthra . 
Bradypodidae . 
Myrmecophagidae 

Loricata . . 
Dasypodidae 
N o m a r t. h r a . 
Manidae . . . 



13. Ordnung: Marsupialia 

1. Unterordnung: Diprotodonti 

1. Familie: Phalangeridae . 

2. Familie: Maeropodidae . 

2. Unterordnung: Polyp rotodont 

3. Familie: Dasyuridae . . . 

4. Familie: Didelphyidae . . 



14. Ordnung: Monotremata 

1. Familie: Echidnidae . . . 

2. Familie: Ornithorhynehidae 



Seite 
63 
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ti!> 

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71 

71 
71 
71 



50 



I. 0. Bimana. Zueinander. 

1. Homo sapiens L. Mensel). 

a. (1.) c? Skelett. Europa, Gek. 1881. 

b. (202.) W- Skelett. Europa. Gek. 1881. 

c. (201.) Schädel. Europa, e. coli. Nat. Ges. 

d. (203.) 3 Oehörknöchelchen. G. : Dr. Benzinger, Hannover, 1902. 

II. 0. Primates. Affen. 

F. Simiidae. 

2. Simia satyrus L. Orang-Utan. 

a. (4.) Skelett. Borneo. Gek. 1896. 

3. Anthropopithecus troglodytes (L.) Schimpanse. 

a. (2.) Afrika. (Iek. 1885. 

4. Hylobates lar (L.) Weisshändiger Gibbon. 

a. (3.) Asien, (iek. 1886. 

F. Cercopitheddae. 

5. Semnopithecus [Trachypithecus] maurus (Schreb.). Budeng. 

a. (5.) Java. e. coli. Nat. Ges. 

6. Cercopithecus [Rhinostictus] nictitans (L.). Weissnasige Meerkatze. 

a. (20.) 9 Westafrika. Gek. 1903. 

b. (222.) juv. Schädel. Gek. 1894. 

7. Cercopithecus [Cercopithecus] sdbaeus (L.). Grünaffe. 

a. (18.) Afrika, e. coli. Nat. Ges. 

8. Cercopithecus [Cercopithecus] callitrichus. F. Cur. Gelbbart-Meerkatze. 

a. (21.) Westafrika. Gek. 1902. 

9. Cercopithecus (Cercopithecus) pygerythrus. F. Cuv. Rotsteiss-Meerkatze. 

a. (22.) Ostafrika, (iek. 1901. 

b. (226.) Schädel. Ostafrika. Gek. 1901. 

10. Cercopithecus [Erythrocebus] patas (Schreb.). Husarenaffe. 

a. (lti.) Senegambien. Gek. 1894. 

b. (221.) Schädel. Senegambien. Gek. 1894. 

11. Cercopithecus /Mono/ mona (Schreb.). Nonnenaffe. 

a. (ID.) 9 Senegal. Gek. 1003. 

12. Cercopithecus spec. Meerkatze. 

a. (228.) Schädel. Afrika. 
1.. (229.) 

c. (230.) 

d. (231.) .. .. ') 

13. Cercocebus fuliginosus K. Geoffr. Gemeiner M angäbe. 

a. (17.) Afrika. Gek. 1895. 

14. Cercocebus collaris Gray. Halsband-Mangabe. 

a. (23.) Senegambien e. coli. Nat. Ges. 

15. Macacus [Zati] si/t/nts iL.). Hut äffe. 

a. (13.) Indien. 

') Die Schädel gehöret) mindestens 2 Arten an. 



51 

16. Macacus [ZatiJ cynomölgus (L.). Gern einer Makak. 

a. (11.) Hinterindien. Gek. 1901. 

b. (12.) Schädel. Hinterindien. Gek. 1901. 

17. Macacus [Vetulus] silenus (L.). Wand er u. 

a. (26.) Indien. G. : Zool. Garten, Hannover 1901. 

18. Macacus f Nemestrinus] nemestrinus (L.). Schweinsaffe. 

a. (7.) Sumatra. 

19. Macacus [Macacus] rhesus Andeb. Rhesusaffe. 

a. (14.) d Südasien. Gek. .1903. 

b. (15.) d Oberschädel. Südasien. Gek. 1903. 

20. Macacus [Macacus] maurus F. Cur. Mohren-Makak. 

a. (249.) Schädel. Celebes. Gek. 1903. 

21. Macacus spec. 

a. (8.) Asien. 

22. Macacus spec. 

a. (9.) Asien. 

23. Macacus spec. 

a. (10.) Indien. 

24. Macacus spec. 

a. (227.) Schädel. Asien. 

25. Cynopithecus niger (Desm.). Schopfpavian. 

a. (28.) d Celebes. Gek. 1904. 

b. (29.) 9 „ „ „ 
2(i. Papio [Papio] babuin Desm. Babuin. 

a. (32.) d Ostafrika. Gek. 1903. 

b. (224.) d Schädel. Afrika. Gek. 1885. 
c (225 ) 9 

27. Papio [Choeropithecus] sphin.r E. Geoff'r. Brauner Pavian. 

a. (27.) Afrika. Gek. 1894. 

b. (223.) Schädel. Afrika. Gek. 1894. 

28. Papio [Hamadryas] Jiamadryas (L.). Mantelpavian. 

a. (30.) d Abessinien. Gek. 1903. 

b. (31.) 9 „ 

2'.». Papio [Mormon] maimon (L.). Mandrill. 

a. (24.) d Afrika, e. coli. Nat. <ies. 

b. (25.) Skelett. Afrika. Gek. 1881. 

c. (219.) Schädel Westafrika. 

d. (220.) juv. Schädel. Afrika. 

30. Papio spec. Pavian. 

a. (204.) Gesprengter Schädel. Afrika. Gek. 1884. 

F. Cebidae. 

31. Brachyteles arachnoides (E. Geoff'r). Spinnenaffe. 

a. (43.) d Brasilien, e. coli. Nat. (ies. 
b- (44.) 9 „ „ „ „ „ 

c. (45.) juv. „ „ „ , „ 

32. Ateles ater F. Cuv. Schwarzer Klammeraffe. 

a. (41.) Südamerika. 

b. (42.) 

33. Ateles spec. Klammeraffe. 

a. (55.) Skelett. Südamerika, (iek. 1883. 

34. Lagoihrix spec. Wollaffe. 

a. (39.) Brasilien. 

b. (40.) 

35. Cebus hypoleucus Humb. Weissschulteraffe. 

a. (38.) Costarica. Gek. 1901. 



52 

36. Cebus capucinus (L.). Kapuzineraffe. 

a. (.33.) Südamerika. 

b. (34.) 

c. (37.) Brasilien. Gek. 11)04. 

d. (35). juv. Südamerika. 

e. (36.) Skelett. Südamerika, Oek. 1881. 

37. Pithecia monachus (Hiimb.). Zottelaffe. 

a. (46.) Südamerika. 

38. Chrysoihrix sciurea <L.). Totenköpfchen. 

a. (47.) Guiana. Gek. 18117. 

39. Nyctipithecw trivirgatus (Hitmb.). Mirikina. 

a. (48.) Neu-( Iranada. e. coli. Nat. Ges. 

F. Hapalidae. 

40. Hapale jacchus (L.). Saguin. 

a. (50.) Brasilien, (iek. 1901. 

b. (51.) 9 Südamerika, (iek. 1904. 

41. Hapale penicülata Kühl. 1 ) Weissstirnäffchen. 

a. (52.) Ostbrasilien. 

b. (53.) 

42. Midas [Marikina] nixuHu (L.). Röteläffchen. 

a. (49.) Ostbrasilien. Gek. 1886. 

43. Midas [Oedipomidas] oedipus (L.). P ine he. 

a. (54.) Südamerika. 

III. 0. Prosimiae. Halbaffen. 

F. Lemuridae. 

44. Letmir macaco (L.). Mohrenmaki. 

a. (56.) Madagaskar. Gek. 1894. 

b. (250.) Schädel. Madagaskar. Gek. 1894. 

IV. 0. Chiroptera. Fledermäuse. 

F. Pteropidae. 

45. Pteropus edulis E. Geoffr. Kalong. 

a. (61.) Java. e. coli. Nat. Ges. 

b. ((12.) .. „ „ 

F. Rhinolophidae. 

46. Rhinolophas hipposideros (Bechst.). Kleine Hufeisennase. 

a. (57.) Europa. Gek. 1895. 

b. (58.) „ „ „ 

F. Vespertilionidae. 

47. Plecotus [Plecotus] auritus (L.j. Ohrenfledermaus. 

a. (59.) Langenholzen bei Alfeld a L. 28. 5. 1902. Gek. 1902. 

48. Vesperugo [Vesperugo] noctula (Schrei:). Grosse Speckmaus. 

a. (60.) d" Skelett. Hannover, Marktkirche, (iek. 1881. 

V. 0. Insectivora. Insektenfresser. 
F. Maeroscelidae. 

41». Petrodromus Mradadytüs Peters. Rüsselratte. 

a. (67.) Dar-es-Salaam. G.: Gouvernementssekretär Cohrs, Dar-es-Salaam, 1904. 



') Im „Catalogus 1 ' niuht als eigene Art oder Varietät bezeichnet. 



53 

F. Erinaceidae. 

50. Erinaceus europaeus L. Gern einer Igel. 

a. (73.) Hannover, e. coli. Nat. Ges. 

b. (74.) juv. Hannover. 

c. (75.) Skelett. Hannover. Gek. 1881. 

d. (474.) Schädel. Cassel. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover 1901. 

F. Soricidae. 

51. Sorex [Sorex] araneus L. Waldspitzmaus. 

a. (GS.) Westfalen. 

b. (69.) Hannover. Gek. 1890. 

52. Crossopus fodiens (Patt). Wasser Spitzmaus. 

a. (70.) Hannover. Gek. 1890. 

b. (480.) Schädel. Egestorf a. I). G. : Oberstleutnant z. D. Schneider, Egestorf a. D. 1904. 

53. Crocidura [Crocidura] russulus Herrn. Hausspitzmaus. 

a. (72.) Hannover. 

54. Crocidura [Crocidura] russulus leucodon Herrn. F e 1 d s p i t z in a u s. 

a. (71.) Hannover. Gek. 1890. 

F. Talpidae. 

55. Talpa europaea L. Gemeiner Maulwurf. 

a. (63.) Hannover, e. coli. Nat. Ges. 

b. (64.) 

c. (65.) Albino. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 

d. (66.) ,, „ „ „ „ „ 



VI. O. Carnivora. Raubtiere. 

F. Ursidae. 

50. Ursus [ThalassarctosJ maritimus Desm. Eisbär. 

a. (183.) Nördliches Eismeer, e. coli. Nat. Ges. 

b. (166.) Skelett. Nördliches Eismeer. Gek. 1881. 

c. (167.) Schädel. „ „ „ 1884. 

57. Ursus [Ursus] arctos L. var. beringiana Middend. Yezobär. 

a. (168.) Schädel. N.-O.-Asien. e. coli. Nat. Ges. 

58. Ursus [Euarctos] americanus Pall. Baribal. 

a. (165.) Nordamerika. 

59. Tremarctos ornatus F. Cur. Brillenbär. 

a. (164.) Chile, e. coli. Nat. Ges. 

60. Melursus ursinus (Shaw.) Lippenbär. 

a. (162.) 9 juv. Südasien. Gek. 1890. 

b. (163.) $ juv. Schädel. Südasien. Gek. 1890. 

F. Procyonidae. 

61. Cercoleptes caudivolvulus (Schreb.). Wickelbär. 

a. (160.) Südamerika, e. coli. Nat. Ges. 

b. (161.) 

62. Bassariscus astuta (Licht.). Katzenfrett. 

a. (297.) Schädel. Mexiko. 

63. Nasua narica (L.). Weissrüsselbär. 

a. (155.) Surinam, e. coli. Nat. Ges. 

64. Nasua rufet, Desm. Gemeiner Nasenbär. 

a. (156.) Südamerika, e. coli. Nat. Ges. 

b. (158.) „ „ „ t, T> 

c. (157.) juv. Südamerika, e. coli. Nat. Ges. 

d. (159.) Schädel. Südamerika. G. : Zool. Garten, Hannover. 1901. 



54 



65. 



66. 



- 



69 



7" 



72 



F4. 



Procyon lotor (L.i. Waschbar. 

a. (153.) 9 Nordamerika. Gek. 1902. 

b. (150.) „ e. coli. Nat. Ges. 

151.) . , „ „ „ 

d. (152.) „ „ „ , „ 

e. (154.) - Schädel. Nordamerika. Gek. 1902. 
Procyon cancrivorus G. Cur. Krabbenwaschbär. 

; l Südamerika, e. coli. Nat. Ges. 



Mustelidae. 



Meles taxus B<*li/. Dachs. 

a. '214.) / Bennemühlen. 



G.: 



Ingenieur 



G.: Ingenieur P. 



Schmidt und Fabrik- 
Schmidt und Fabrik- 



c. 

d. 
e. 



■22. 10. 1903. 

Direktor Fricke. Hannover. 1903. 

Bennemühlen. 26. 10. 1903. 

Direktor Fricke. Hannover. 19 

L26.) juv. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 

127.) Skelett. Deutschland. Gek. 1—4. 

282. Schädel. Cassel. G.: Dir.-Assistent Dr. Fritze. Hannover. 1903. 
2S3. Schädel. Deutschland. 
. 284. 
(iiihj luscus iL.i Vielfrass. 

a. (128.) W. K. Sibirien. Gek. 1902. 

b. (281.) Schädel. Sibirien. Gek. 1902. 
Galictis [Galictis] allamandi Bell. Grosser Grison. 

a. (124.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 
Galictis [Galictis] vittata (Schreb.). Kleiner Grison. 

a. (123.) St. Katharina. 
1. Galictis [Galera] barbara (L.i Hyrare. 

a. (125.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 
Mustela martes L. Edelmarder. 

a. (205.) r" Sievershausen i. S. t>. 1. 1902. Gek. 1902. 

b. (294.) Schädel. Deutschland. 

c. 1 2!'ö.) juv. Schädel. Deutschland. 
.1/ stela melampus Temtn. Seh warzfnssmarder. 

a. (298.) Schädel. Nikko. Japan. G.: Dir.-Assistent Dr. Fritze. Hannover. 1901. 
.1/ stela foina Erxl. Steinmarder. 

a. (20S.) r" Lohne b. Isernhagen. 23. 6. 1902. G.: Prov.-i lartenbauinspektor Tatter. 
Lohne. 1902. 

b. 212 -.-vershausen i. S. 12. 10. 1902. Gek. 1901. 

c. 209. juv. Lohne b. Isernhagen. 23.6. 1902. G. : Prov.-Gartenbauinspektor Tatter. 
Lohne. 1 - 

d. 137.) Skelett. Deutschland. Gek. 1881. 

e. 28 ' Schädel. Lohne b. Isernhagen. 23. ti. 1902. G.: Prov.-( iartenbauinspektor 
Tatter. Lohne. 1902. 

f. 288 Schädel. Cassel. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze. Hannover. 1903. 
s . Schädel. Deutschland. 
h. (291.) . 
i. . - 
k. . 

Puff, riii.-- [Lutreobi] lutreola (L.). Nörz. 

a. (12 Lüneburg, e. coli. Nat. d-s. 

b. (217.) Dobrudscha. Gek. 1903. 
las [Lutreola] itatsi Temtn. Itachi. 

a. - Schädel. Kawaguchi. Kofu-Ken. Japan. 1889. G.: Dir.-Assistent Dr. Fritze. 
Hannover. 1 

b. Schädel. Kawaguchi. Kofu-Ken. Japan. 1889. G.: Dir.-Assistent Dr. Fritze. 
Hannover. 1901. 



55 

77. Putorius [Putorius] putorius (L.). Iltis. 

a. (207.) d Hannover. 13. 2. 1902. Gek. 1902. 

b. (210.) juv. Oerrel, Kreis Soltau. 14.8.1902. G.: Prov.-Förster Jacobi, Oerrel, 1902. 

C. (All.) s „ v „ nun » » » H » 

d. (286.) Schädel. Cassel. G.: Dir.-Assistent Dr. Fritze. Hannover, 1901. 

78. Putorius [Putorius] putorius furo (L.). Frettchen. 

a. (130.) Nordafrika (?). e. coli. Nat. Ges. 

b. (287.) Schädel. Deutschland. Gek. 1894. 

79. Putorius flctisj nivalis (L.). Wiesel. 

a. (218.) d Körtingsdorf b. Hannover. 18. 9. 1904. G. : Präparator Schwerdtfeger, 

Hannover, 1904. 

b. (216.) Hannover, Lehzenstrasse. 29. 12. 1903. G.: Hoptner, Hannover, 1903. 

c. (285.) Schädel. Sievershausen i. S. G. : Präparator Schwerdtfeger, Sievershausen, 1903. 

80. Putorius [IctisJ ermineus (L.). Hermelin. 

a. (213.) S. K. Sievershausen i. S. G.: Präparator Schwerdtfeger, Hannover, 1903. 

b. (135.) Ü. K. Bredenbeck a. D. G. : Tischlermeister Hasenjäger, Bredenbeck, 1905. 

c. (133.) W. K. Hattorf a. H. 2. 1. 1904. G.: Ingenieur Stelling, Hannover, 1904. 

d. (134.) W. K. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 

e. (132.) W. K. Tromsö, Norwegen. Gek. 1904. 

f. (136.) Skelett. Gek. 1888. 

g. (296.) Schädel. Cassel. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1901. 

81. Putorius [IctisJ frenatus Licht. Gezäumtes Wiesel. 

a. (131.) Central-Amerika. e. coli. Nat. Ges. 

82. Lutra lutra (L.). Fischotter. 

a. (206.) Steinhuder Meer. 13. 10. 1902. Gek. 1902. 

b. (278.) Schädel. Steinhuder Meer. 13. 10. 1902. Gek. 1902. 

c. (279.) Schädel. Mitteleuropa. 

d. (280.) 

M3. Enhydra lutris (L.). Seeotter. 

a. (277.) Schädel. Ostküste von Sibirien. Gek. 1905. 

F. Canidae. 

84. Canis [Canis] familiaris L. Haushund. 

a. (244.) Schädel. Deutschland. 

b. (245.) 

c. (246.) 

d. (251.) „ „ G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover. 1903. 

e. (243.) C. fam. caraibeus Less. Afrikanischer Haushund, e. coli. Nat. Ges. 

f. (247.) C. fam. molossus germanicus. Schädel. Deutschland. G.: Dir.-Assistent 

Dr. Fritze, Hannover, 1901. 

85. Canis [Canis] lupus L. Wolf. 

a. (237.) Schönvoerde. 1839. Gek. 1881. 

b. (238.) d Wietzenbruch bei Lüneburg. 1851. 

86. Canis [Canis] dingo Blumenb. Dingo. 

a. (239.) d Australien. Gek. 1904. 

87. Canis [Lupulus] anthus variegatus Cretzschm. Afrikanischer Schakal. 

a. (235.) Afrika. Gek. 1900. 

88. Canis [Lupulus] mesomelas Schrei. Schabracken -Schakal. 

a. (236.) Afrika. Gek. 1885. 

89. Canis [Thous] cancrivorus Desm. Maikong. 

a. (232.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (233.) , „ „ „ .. 

c. (234.) juv. Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

d. (258.) Schädel. Brasilien. 

90. VuJpes [Vulpes] alopex (L.). Gemeiner Fuchs. 

a. (172.) d Alvern bei Celle. 5..2. 1904. G. : Fabr.-Direktor Fricke, Hannover, 1904. 

b. (171.) Norddeutschland, e. coli. Nat. Ges. 



56 

c. (173.) juv. Hannover, e. coli. Nat. lies. 

d. (174.) „ „ „ „ „ „ 

e. (175.) , „ , ,, „ „ 

f- ( 17,i -) „ » „ r> » » 

8- U ' ' -J » n 15 » fl !) 

h. (170.) Schwärzliche Spielart. Norddeutschland, e. coli. Nat. Ges. 

i. (705.) Albino. Europa, 

k. (178.) Skelett. Hannover. Gek. 1881. 

1. (179.) Schädel. Cassel. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1901. 

m. (256.) „ Deutschland. 

"• (257.) „ 

o. (Im). 1 „ juv. Cassel. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1001. 

01. Vulpes [Vulpes] alopex japonicus Gray. .lapanischer Fuchs. 

a. (253.) Schädel. Japan. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1903. 
b ('»VM 

02. Vulpes [Vulpes] lagopus iL.). Eisfuchs. 

a. (240.) cf S. K. Tromsö, Norwegen. Gek. loo.'i. 

b. (241.) juv. S. K. „ „ „ 

c. (242.) 9 W. K. Spitzbergen. Gek. 1903. 

d. (254.) Schädel. Tromsö, Norwegen. G. : Museum in Tromsö. Norwegen, 1904. 

e. (255.) 0* Schädel. Tromsö, Norwegen. Gek. 1903. 
93. Fennecus chatna A. Smith. Kama. 

a. (248.) Südafrika, (iek. 1898. 

b. (259.) Schädel. Südamerika. Gek. 1898. 

F. Hjaenidae. 

04. Hyaena crocuta Erxl. (ie fleckte Hyäne. 

a. (121.) Schädel. Afrika. Gek. 1884. 
95. Hyaena brunnea Thunb. Strandwolf. 

a. (260.) Schädel. Deutsch-S.-W.-Afrika. G.: Kaufmann Rautenberg, Keetmanshop, 100." 
00. Hyaena striata Zimm. Gestreifte Hyäne. 

.a. (122.) Nor 1-Afrika (?). Gek. 1893. 

F. Yiverridae. 

07. Viverra [Vnerra] civetta Schreb. Afrikanische Zibethkatze. 

a. (146.) Afrika, e. coli. Nat. lies. 

b. (144.) 9 Afrika. G.: Zool. Garten. Hannover. 1901. 

c. (145.) Schädel. Afrika. G.: Zool. Garten, Hannover. 1001. 
98. Nandinia binotata (Reinw.). Nandinie. 

a. (147.1 Ostafrika. G.: Zool. Garten, Hannover. 1901, 

b. (148.) V Schädel. Ostafrika. (1.: Zool. Harten, Hannover, 1901. 
00. Herpestes Ichneumon iL.). Ichneumon. 

a. (139.) Nordafrika. 

b. (140.) Nordafrika, e. coli. Nat. Ges. 

c. (141.) Schädel. Nordafrika. 

100. Herpestes griseus F.. Geoffr. Mungo. 

a. (142.) V Indien, (iek. 1905. 

b. (143.) Schädel. Indien. Gek. 1905. 

101. Crossarchus fasciatus (Desm.) Zebramanguste. 

a. (138.) Afrika. 

F. Felidae. 

102. Cynailurus jubatm Erxl. Asiatischer Gepard. 

a. (105.) Asien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (271.) Schädel. Asien. 



57 

103. Cynaüurus jubatus guttatus (Herrn.). Afrikanischer Gepard. 

a. (104.) 9 Somali-Land. Gek. l l J04. 

b. (270.) 9 Schädel. Somali-Land. Gek. 1904. 

104. Felis [Uncia] leo L. Löwe. 

a. (109.) 9 Afrika. Gek. 1904. 

b. (261.) Schädel. Deutsch -Ostafrika. G.: Gouvernements - Sekretär Cohrs, Dar-es- 

Salaam. 1904. 

105. Felis [Uncia] tigris L. Königstiger. 

a. (181.) Indien. Gek. 1874. 

b. (265.) Schädel. Indien. 

106. Felis [Uncia] concolor L. Puma. 

a. (108.) 9 Südamerika, (iek. 1904. 

b. (107.) Amerika. 

c. (268.) 9 Skelett. Gek. 1881. 

d. (269.) 9 Schädel. Südamerika. Gek. 1904. 

107. Felis [Leopardus] onga L. Jaguar. 

a. (106.) d" Amerika. Gek. 1902. 

b. (264.) Schädel. Südamerika. 

108. Felis [Leopardus] pardus L. Leopard. 

a. (92.) Afrika. 

b. (91.) „ 

c. (93.) juv. Afrika. Gek. 1901. 

d. (703.) Schädel. Afrika. 

e. (94.) juv. Schädel. Afrika. Gek. 1901. 

109. Felis [Leopardus] pardus L. var. variegata Wagn. Schwarzer Panther. 

a. (263.) Schädel. Sunda-Inseln. 

110. Felis [ZibeihaüurusJ serval Schreb. Serval. 

a. (102.) 9 Afrika. Gek. 1903. 

111. Felis [Zibethailurus] pardalis L. z e 1 o t. 

a. (87.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

112. Felis [Oncoides] tigrina Er. vi. Tigerkatze. 

a. (85.) Südamerika, e. coli. Nat. Ges. 

113. Felis [Oncoides] macrura Wied. Langschwanzkatze. 

a. (86.) 9 Südamerika. Gek. 1905. 

114. Felis [Felis] catus L. Wildkatze. 

a. (96.) d Europa. 

b. (98.) 9 Harz (?). e. coli. Nat. Ges. 

c. (jy.j ¥ „„„„,, 7) 

d. (100.) d" Harz. e. coli. Nat. des. 

e. (101.) Europa. 

f. (97.) juv. Europa, e. coli. Nat. Ges. 

g. (272.) Schädel. Deutschland. 

115. Felis [Felis] caligata Bruce. Afrikanische Wildkatze. 

a. (103.) Dar-es-Salaam. G. : Gouvernements-Sekretär Cohrs, Dar-es-Salaam, 1904. 

b. (262.) Schädel. Dar-es-Salaam. G.: Gouvernements-Sekretär Cohrs, Dar-es-Salaam, 1904. 

116. Felis [Felis] domestica Briss. Hauskatze. 

a. (88.) Siam. e. coli. Nat. Ges. 

b. (89.) „ Gek. 1903. 

c. (90.) Skelett. Hannover. Gek. 1905. 

d. (270.) Schädel. Deutschland. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1901. 

e. (273.) Schädel. Deutschland. 

f. (274.) „ Siam. 
g- (275.) „ „ 

117. Felis [Caiopuma] jaguarundi Fisch. Yaguarundi. 

a. (83.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

118. Felis [Catopuma] eyra Fisch. Eyra. 

a. (84.) Südamerika. 



5s 

11!>. Felis [Lynchus] lynx L. Luchs. 

a. (95.) Schweizer Hochalpen. 

b. (267.) Schädel. Schweizer Hochalpen. 

c. (266.) „ Haparanda, Schweden, Gek. 1904. 



VII. 0. Piniiipedia. Flottenfüsser. 

F. Otariidae. 

120. Otaria jubata Forst. Mähnenrobbe. 

a. (81.) Skelett. Pacifische Küste von Südamerika. Gek. 1882. 

F. Triehecidae. 

121. Trichechus rosmarus L. "Walross 

a. (82.) Schädel. Nördliches Eismeer, e. coli. Nat. (ies. 

O. (/>■' ' • , » i) j] » » n n 

F. Phoeidae. 

122. Cystophora cristata (Erxl.). Klappmütze. 

a. (182.) d Nördliches Eismeer, Gek. 1904. 

123. Phoca vitulina L. Gemeiner Seehund. 

a. (76.) Küste von Europa. 

b. (77.) juv. Küste von Europa, e. coli. Nat. des. 

C. [ l .'. ) ., n .. n n .. .. n 

Cl. ( i s . ) „ ,. „ ,, „ .. .. „ 

e. (80.) Schädel. Küste von Europa. 

f. (599.) ,. „ 

g. (600.) juv. Schädel. Küste von Europa. 



VIII. 0. Rodentia. Nagetiere. 

I. Unterordn. Sciuromorpha. 
F. Sciuridae. 

124. Pteromys petaurista (Pall). Taguan. 

a. (313.) Ostindien, e. coli. Nat. Ges. 

125. Sciuropterus volucella (Pall). Virginisches Flughörnchen. 

a. (314.) Nordamerika. 

126. Xerus [Xerus] erythropus E. Geoffr. Erdeich hörnchen. 

a. (704.1 N.-O.-Afrika. 

1 27. Xenm [Paraxerus] palliatus Peters. Rotschwanz-Eichhörnchen. 

a. (310.) Dar-es-Salaam. (i.: Gouvernements-Sekretär Cohrs, Dar-es-Salaam, lo2. 

128. Sciurus [Eosciurus] bicolor Sparrm. Zweifarbiges Eichhörnchen. 

a. (324.) Java. 

129. Sciurus [Heterosciurus] prevostii Desm. Dreifarbiges Eichhörnchen. 

a. (305.) Sunda-Inseln. Gek. 1903. 

130. Sciurus [Sciurus] vulgaris L. Gemeines Eichhörnchen. 

a. (306.) ' Lintzel. Kreis Uelzen. 9. 11. 1901. G. : Prov.-Förster Meyer. Lintzel, 1901. 

b. (307.) ' Lohne bei Isernhagen. 3. 11. 1901. G.: Prov.-Gartenbauinspektor Tatter, 

Lohne. 1901. 

c. (308.) " Müden a. d. Aller. 26. 10.1901. G. : Kaufmann Stolberg, Hannover, 1901. 

d. (309.) ■ Lintzel. Kreis Uelzen. 3. 1.1902. G.: Prov.-Förster Meyer. Lintzel, 1901. 

131. Sciurus [Sciurus] lis Temm. Japanisches Eichhörnchen. 

a. (475.) Schädel. Kawaguchi, Kofu-Ken. Japan. G. : Dir. -Assistent Dr. Fritze. 

Hannover, 1901. 

b. (476.) Schädel. Kawaguchi, Kofu-Ken. Japan. G. : Dir. -Assistent Dr. Fritze. 

Hannover. 1901. 



59 

132. Sciurus [Sciurus] persicus Erxl. Persisches Eichhörnchen. 

a. (321.) Smyrna. 

133. Sciurus [Macroxus] niger L. Katzen-Eichhorn. 

a. (322.) Nordamerika. 

b. (323.) 

134. Sciurus [Macroxus] httdsonicus Erxl. Tschikari-Eichhorn. 

a. (320.) Labrador. 

135. Sciurus [Macroxus] aestuans L. Brasilianisches Eichhörnchen. 

a. (325.) Brasilien. 

b. (326.) 

136. Tamias striatus lysteri Richards. Hackee. 

a. (311.) Nordamerika. 

137. Tamias spec. 

a. (312.) Nordamerika. Gek. 1901. 

138. Spermophilus [Spermophilics] citillus L. (lern einer Ziesel. 

a. (316.) Süd-Russland. 

139. Spermophüus [Spermophilus] guttatus Pull, befleckter Ziesel. 

a. (318.) Ost-Europa. 

b. (317.) „ e. coli. Nat. Ges. 

c. (319.) 

140. Arctomys marmotta (L.). Alpenmurmeltier. 

a. (301.) 9 Graubündten, Schweiz. Gek. 1905. 

b. (302.) Schweiz. Gek. 1905. 

c. (478.) Schädel. Saas-Fee, Ct. Wallis, Schweiz, 1899. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, 

Hannover, 1901. 

141. Arctomys spec. 

a. (303.) ? Gek. 1894. 

b. (304.) ? Schädel. Gek. 1894. 

F. Castoridae. 

142. Castor fiber L. Europäischer Biber. 

a. (341.) Elbe. Gek. 1904. 

b. (484.) Schädel. Elbe. 

c. (342.) Von Bibern benagter Eichenstamm. Eibufer bei Magdeburg. Gek. 1905. 

d. (347.) Von Bibern benagter Pappelstamm. 

143. Castor canadensis Kühl. Amerikanischer Biber. 

a. (344.) Nordamerika, e. coli. Nat. Ges. 

b. (345.) 
c (346.) 

d. (343.) Skelett. Nordamerika. Gek. 1881. 

2. Unterordn. Myomorpha. 
F. Myoxidae. 

144. Myoxus glis (L.). Siebenschläfer. 

a. (333.) d Warteberg b. Barbis a/Harz. 11.9. 1905. G.: Künemund, Barbis, 1905. 

b. (334.) 9 n»»»""»» r> n n 
C. (335.) jllV. „ „ g » n n n n n n n 

d. (336.) „ „ „ „ n » n v n n » » 

e. (337.) „ „ „ „ Y) ii r> n i " i i 

f. (338.) „ Hannover. 

145. Myoxus nitedula intermedius Nhrg. Grauer Baum schlaf er. 

a. (332.) Tirol. Gek 1890. 

146. Muscardinus avellanarius (L.). Haselmaus. 

a. (331.) d" Sievershausen i/S. G. : Präparator Schwerdtfeger, Sievershausen, 1905. 

b. (327.) d Deutschland. G. : Zool. Garten, Hannover, P)02. 

8* 



60 



Landwirt Schulz, Lütenthien, 190E 



147. Eliomys [Eliomys] quercinus (L.). Gemeiner Gartenschläfer. 

a. (328.) 9 Rüheland a Harz. 11.8.1905. G.: Oberförster a. D. Stolze, Goslar, 1905. 

b (329 ) 2 

c. (330.) d „ „ ls.«. 1905. „ .. „ „ 

F. Muridae. 

148. 1 ''sum motu t/s obesus Cretzschm. Sandrennmaus. 

a. (350.) Ägypten. Gek. 1890. 

149. Mus [Epimys] decumanus Pall. Wanderratte. 

a. (413.) Körtingsdorf b. Hannover. 17.11.1901. G.:Fabr .-Direktor Fricke, Hannover, 1901. 

b. (414.) 

c. (415.) 

d. (41(1.) 

e. (417.) 

f. (4 ls.) 

g. (419.) juv. Teilweiser Albino. Hannover. 

150. Mus [Epimys] rattus L. Hausratte. 

a. (409.) d Lütenthien b. Schnega. 29.3.1905. G 

h- (410.) „ „ „ 

C \-*L i-.J c ,. .. ,, ,, ,. ,, ,, ,, ,, ,, 

d I41 - ' ) 2 

e. (408.) Celle, am Markt. 7. 11. 1905. G.: Dr. Klugkist. Celle, 1905. 

f. (406.) Albino, Hannover, e. coli. Xat. Ges. 
g- (407.) ., „ „ „ „ ., 

151. Mus [Epimys] rattus alexandrinus J. Geoffr. Dachratte. 

a. (403.) Abessinien. Gek. 1894. 

b. (404.) Vegesack b. Bremen. 

c. (473.) Schädel. Ahessinien. Gek. 1894. 
15i'. Mus [Epimys] spec. 

a. (405.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

153. Mus [Mus] sylvaticus L. Waldmaus. 

a. (394.) V Hannover, Eilenriede. 6.2. 1905. G.: Schriftsteller Löns, Hannover, 1 

b. (395.) „ ., 7.1'. 1905. „ 

c. (396.) d Hannover, Ohe. 4. 3. 1905. G.: Schriftsteller Löns, Hannover. 1905. 

' ' - fi 55 55 51 55 *5 •• 55 " 55 

e (398 i ' 

154. Mus /Mtts/ musculus L. Hausmaus. 

a. (381.) Hannover. 

b. (382.) 

c. (384.) Teilweiser Albino. Hannover. 

d. (383.) Albino. Hannover. 

e. (469.) Skelett. Hannover. Gek. 1905. 

f. (470.) Schädel. Hannover, 1904. 
g- (471.) 

155. Mus spec. 

a. (351.) 2 Nester. Hannover. 

156. Mus [Micromys] agrarius Pall. Brandmaus. 

a. (385.) : Berlin, Zool. Garten. 10. 1904. 

b. (386.) „ ,. „ „ .. 

c. (387.) 

d. (388.) V „ „ .. ., „ 

e. (389.) d 

f. (390.) d „ „ .. „ .. 

g. 1.391.) d 

h. (392.) .. „ „ „ „ 

i. (393.) d 

k. (472.) Schädel. 



Gek. r.io4. 



Hannover, l!io4. 



61 



157. Mus [Micromys] minutus Palt. Zwergmaus. 



159. 



160. 



n;i. 



162. 



163. 



164. 



165. 



166. 



16' 



168. 



169. 



a. 
b. 



158. Cricetomys gambianus Waterh. Hamsterratte. 



a. 

b. 
Cricetus 
a. 
b. 
c. 
d. 
e. 
f. 

g- 
h. 
Lemmus 
a. 
b. 
c. 
d. 
e. 
f. 



399.) Deutschland. Gek. 1890. 

400.) Nest. Juist, Bill, G.: Lehrer Leege, Juist, 1901. 



Lindener Berg b. Hannover. 27. 8. 1902. (iek. 1902. 



Eicklingen b. Hannover. 11. 8. 1902. Gek. 1902. 
Ricklingen b. Hannover. 18. 8. 1902. Gek. 1902. 



401.) Deutsch -Ostafrika. Gek. 1902. 

402.) Schädel. Deutsch -Ostafrika. Gek. 1902. 

cricetus (L.). Hamster. 

380.) d" 

374.) 9 

375.) juv. 

376.) „ 

377.) „ .. „ 

378. ) „ 

379.) „ 

4S3.) Schädel. Hannover 

lemmus (L.). Lemming. 



e. coli. Nat. Ges. 



367.) Tromsö, Norwegen, 1903. <iek. 1903. 

•joS- 1 » ii >i » ?) 

369.) „ „ ,. .. .. 

370 -) 

^ -* */ 17 . 71 11 11 1' 

372.) juv. Tromsö. Norwegen. 1903. Gek. 1903. 

373.) „ 



Stadtgartendirektor Trip, 



Evotomijs rutilus (Patt.). Rötliche Waldwühlmaus. 

a. (362.) Tromsö, 1903. Gek. 1903. 

b. (485.) Schädel. Tromsö, 1903. 
Evotomijs rufocanus (Sundev.). Rotgraue Waldwühlmaus. 

a. (360.) Lappland. Gek. 1890. 

b. (363.) $ Tromsö, 1903. (iek. 1903. 

c. (486.) 9 Schädel. Tromsö, 1903. Gek. 1903. 
Evotomijs glareolus (Schreb.). Gemeine Waldwühlmaus. 

a. (705.) 2 Hannover, Eilenriede. 27. 6. 1905. (1. 
Hannover, 1905. 
Micro! iis [Microtus] arvalis (Patt.). Feldmaus. 

a. (358.) Hannover. Gek. 1890. 

b. (359.) Teilweiser Albino. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 
Microtus I Mkrotus] agrestis (L-). Erdmaus. 

a. (352.) Hannover, (iek. 1890. 

b. (361.) Pommern. „ ,, 

c. (364.) 9 Tromsö, 1903. (1.: Museum zu Tromsö, 1903. 

d. (487.) Schädel. Tromsö, 1903. G. : Museum zu Tromsö, 1903. 
Microtus [Microtus] oeconomus ratticeps Keys, und Blas. Nordische Wühlratte. 

a. (365.) d" Finnmarken, Owre Pasirk. 30. 5. 1904. (iek. 1905. 

b. (3b6.) ¥ ,, ,, „ ,, „ ,, ,, „ 
Microtus [Arvicola] terrestris (L.) Scheermaus. 

a. (353.) Hannover, e. coli. Nat. Ges. 

b. (355.) ,, „ „ „ 

c. (354.) juv. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 
Microtus [Arvicola] terrestris amphibius iL.). Wasserratte. 

a. (356.) juv. Hannover. 

b. (357.) „ 

Fiber zibetliicus (L.) Bisamratte, 
a. (349.) Nordamerika. 



F. Spalacidae. 

170. Spalax microphthalmos Güldenst. Blindmaus, 
a. (348.) Südrussland. Gek. 1890. 



62 

F. Dipodidae. 

171. Dipus [Haltomys] aegyptius (Hasselq.). Wüstenspringmaus. 

a. (339.) Nordafrika. 

b. (340.) 

3. Unterordn. Hystrichomorpha. 

F. Oetodontidae. 

172. Myocastor coypus (Molina). Schweifbiber. 

a. (423.) Südamerika. Gek. 1894. 

b. (424.) Schädel. Südamerika. (lek. 1894. 

F. Hystricidae. 

173. Hystrix cristata L. Gemeines Stachelschwein. 

a. (429.) Mittelmeerländer. Gek. 1890. 

b. (430.) juv. Mittelmeerländer. (1.: Zool. Garten, Hannover, 1901. 

F. Coendidae. 

174. Coendu prehensüis (L.). Greifstachler. 

a. (425.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (426.) juv. Brasilien, e. coli. Nat. lies. 
17."). Coendu novae-hispaniae (Briss.). Baumstachler. 

a. (427.) Central-Amerika. e. coli. Nat. Ges. 

b. (428.) „ , 

F. Lagostomidae. 

176. Viscacia maxima (Blainv.). Viscacha. 

a. (421.) Argentinien, (iek. 1894. 

b. (422.) Schädel. Argentinien. Gek. 1894. 

F. Dasyproctidae. 

177. Dasyprocta aguti (L.). Aguti. 

a. (431.) 9 Brasilien, (iek. 1902. 

b. (432.) juv. Brasilien, (iek. 1902. 
c (433.) .. „ „ 

d. (434.) Schädel. Brasilien. Gek. 1902. 
17s. Coelqgenys paca (L.). Paka. 

a. (439.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (440.) Schädel. Brasilien. Gek. 1894. 

F. Caviidae. 

179. Cavia /Curie/ porcellm L. Aperea. 

a. (444.) Brasilien. Gek. 1894. 

h. (443.) „ e. coli. Nat. Ges. 

180. Curia /Citri, i/ cutleri cobaya (Marcgr.). Gemeines Meerschweinchen. 

a. (441.) Hannover. 

b. (442.) juv. Hannover. 

181. Hydrochoerus capybara Erxl. Wasserschwein. 

a. (435.) Brasilien. Gek. 1894. 

b. (437.) juv. Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

c. (438.) 9 juv. Brasilien. Gek. 190."). 

d. (436.) Schädel. Brasilien. 



63 

4. Unterordn. Lagomorpha. 

F. Leporidae. 

182. Lepus [Lepus] timidus L. Schneehase. 

a. (454.) S. K. Schweden. 

b. (456.) juv. S. K. St. Gotthard, Schweiz, Gek. 1905. 

c. (453.) Ü. K. Ostpreussen. e. coli. Nat. Ges. 

d. (455.) d" W. K. Tromsö. Gek. 1903. 

183. Lepus [Lepus] europaeus Pall. Gemeiner Hase. 

a. (467.) rf Hannover, e. coli. Nat. Ges. 

b. (468.) 9 „ ,. „ ., „ 

c. (459.) juv. „ .. ., 

d. (4(14.) juv. „ 4. 4. 1902. G.: Zool. Garten, Hannover, 1902. 

e. (457.) Embryo. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 
f- (458.) „ „ „ „ „ „ 

g. (466.) Graue Abänderung. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 
h. (463.) Gelblich rote Abänderung. ? e. coli. Nat. Ges. 
i. (462.) Teilweiser Albino. Hannover, e. coli. Nat. Ges. 
k. (465.) Schädel. Hannover. 

1. (4SI.) Schädel. Cassel. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1903. 
m. (479.) Oberschädel. Juist. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1902. 

184. Lepus [Lepus] brachyurus Temm. Japanischer Hase. 

a. (477.) Schädel. Nikko, Japan. G.: Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1901. 

185. Lepus [Tapeti] brasiliensi* (Bris*.). Brasilianischer Hase. 

a. (461.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

186. Lepus [Ori/ctolagus] cuniculus L. Kaninchen. 

a. (44*. ) V Gross-Giesen. 10. 11. 1901. G. : Fabr.-Direktor Fricke, Hannover. 1901. 

b. (452.) juv. Döhren. 27. 4. 1902. 

c. (450.) Gelbe Abänderung. Deutschland. Gek. 1900. 

d. (446.) 9 Schwarze Abänderung. Steinwedel bei Burgdorf. 2. 11. 1901. G. : Kauf- 

mann Peinemann, Hannover, 1901. 

e. (449.) 2 Schwarze Abänderung. Gross-Giesen. 10. 11. 1901. G.: Fabr.-Direktor 

Fricke, Hannover, 1901. 

f. (451.) 9 Schwarze Abänderung. Hannover. 24. 2. 1902. G. : Konsul Flörke. 

Hannover, 1902. 

g. (447.) 9 Albino. Müden ad. Aller. 26. 10. 1901. G. : Kaufmann Stolberg, 

Hannover, 1901. 
h. (445.) „Grossohriges Kaninchen'" (domesticiert). Belgien, e. coli. Nat. Ges. 
i. (4*2.) juv. Schädel. Deutschland. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover. 1903. 

IX. 0. Ungulata. Huftiere. 

I. Unterordn. Hyracoi'dea. 
F. Proeaviidae. 

187. Procavia [Procavia] capensis (Fall.). Kapischer Klippdachs. 

a. (420.) Kap der guten Hoffnung. 

2. Unterordn. Proboscidea. 

F. Elephantidae. 

188. Elephus africanus Blumenb. Afrikanischer Elefant. 

a. (184.) juv. Afrika, 

b. (488.) Schwanz. Nyanza, Speekegolf. Gek. 1902. 

c. (489.) Backzahn. Deutsch -Ostafrika. G. : Gouvernements -Sekretär Cohrs. Dar-es- 

Salaam, 1902. 

d. (493.) Stück eines Stosszahns mit eingewachsener eiserner Flintenkugel. Afrika. 

e. coli. Nat. Ges. 



64_ 

189. Elephas indicus L. Asiatischer Elefant. 

a. (492.) Schädel. Indien. Gek. 1894. 

b. (494.) Backzahn. Indien. Gek. 1903. 

3. Unterordn. Perissodactyla. 

F. Rhinocerotidae. 

190. Rhinoceros fCeratorhinus] bieornis L. Afrikanisches Nashorn. 

a. (538.) Schädel. Afrika. Gek. 1881. 

b. (540.) Hörner-Paar. Kilimandjaro. Gek. 1904. 

c. (539.) Einzelnes Hörn. Deutsch-Ostafrika. Gek. 1902. 

F. Equidae. 

191. Equus [Equus] caballm L. Pferd. 

a. (544.) Schädel. Hannover. 

192. Equus [Equus] przewalskii Pol. Przewalskis Wildpferd. 

a. (545.) 9 juv. Ostliches Central-Asien. G. : Tierhändler C. Hagenbeck, Hamburg, 1902. 

b. (546.) 9 juv. Schädel. Ostliches Central-Asien. G.: Tierhändler ('. Hagenbeck, 

Hamburg, 1902. 

193. Eqtt/t* [Hippotigris] burchetti böhmi Mtsch. Böhms Tigerpferd. 

a. (118.) 9 Kilimandjaro. Gek. 1903. 

4. Unterordn. Artiodactyla. 

F. Suidae. 

194. Dicotyles tajacu L. Nabel seh wein. 

a. (535.) d Südamerika. Gek. 1902. 

b. (536.) d Schädel. Südamerika. Gek. 1902. 

195. Dicotyles labiatus Cuv. Bisam seh wein. 

a. (537.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

196. Sus serofa L. Wildschwein. 

a. (185.) Lüneburg, e. coli. Nat. Ges. 

b. (5211.) juv. Harz. e. coli. Nat. Ges. 

c. (530.) d Schädel. Europa, e. coli. Nat. Ges. 

d. (315.) d 

e. (593.) d „ Westfalen. 

f. (5114.) ; „ Russland. 
1!I7. Sus miiiut/ts Heude (?). Zwergschwein. 

a. (596.) Schädel. ? 
19s. Babirusm babirussa (L.). Hirscheber. 

a. (532.) d Schädel. Celebes. Gek. 1903. 

b. (534.) d 

c. (533.) 9 (?) „ 

d. (595.) d „ ,. „ 1901. 

199. Phacochoerus africemus (Gmel.). Warzenschwein. 

a. (531.) Schädel. Tropisches Afrika. Gek. 1879. 

F. Hippopotamidae. 

200. Hippopotamus amphibim L. Nilpferd. 

a. (541.) 9 juv. Deutsch - Ostafrika. 1904. G. : Gouvernements -Sekretär Cohrs, 

Dar-es-Salaam, 1904. 

b. (542.) d Schädel. Afrika, e. coli. Nat. Ges. 

c. (543.) Schädel. Afrika. 

d. (600.) Unteres Eckzahnpaar. Afrika. 

F. Camelidae. 

201. Lama huanaehus (Molina). Huanako. 

a. (501.) 9 Anden von Süd -Amerika, e. coli. Nat. Ges. 



65 

F. Trasulidae. 

202. Tragulus javwnicus (Gmel.). Kantschi]. 

a. (496.) Sunda- Inseln. 

203. Tragulus meminna (Er.rl.). Indisches Zwergmoschustier. 

a. (495.) Süd -Asien. Uek. 1903. 

F. Cervidae. 

204. Cervidus muntjac (Zimin.). Muntjac. 

a. (641.) d Geweih. Sunda -Inseln. Gek. 1903. 

205. Cervus [Rusa] hippelaphus moluccensis Quoy & Gaim* Molukken- Mähnenhirsch. 

a. (622.) d Geweih. Celebes. Gek. 1905. 

b. (623.) 

206. Cervus [Rusa] porcinus (Zinun.). Schweinshirsch. 

a. (491.) juv. Ostindien. Gek. 1902. 
2()7. Cervus [Rusa] spec. 

a. (633.) d Geweih. „Asien". G. : Kapitän a. D. Hinsch, Bremerhaven, 1905. 

b. (634.) d „ „ „ „ ,- „ „ „ 
208. Cervus [Rusa] spec. 

a. (625.) d Geweih. Borneo (?). G. : Kapitän a. D. Hinsch, Bremerhaven, 1905. 

b. (626.) d Oberschädel. Borneo (V). G. : Kapitän a. D. Hinsch, Bremerhaven, 1905. 
20'.i. Cervus [Äxis] axis (Er.d.). Axis. 

a. (115.) d Ostindien. Gek. L903. 

210. Cervus [Cervus] elaphus L. Edelhirsch. 

a. (116.) d Deister bei Barsinghausen. 1. 10. 1859. e. coli. Nat. Ges. 

b. (583.) 9 Schädel. Hannover. 

c. (616.) d üeweih. Sievershausen i. Solling. Gek. 1903. 

d. (617.) d 

e. (618.) d „ ,, „ „ „ 

f. (615.) d monströses Geweih, Perrückenbildung. Harz. 18. 11. 1874. G. : Ober- 

förster-Kandidat Burckhardt, Hannover, 1875. 

211. Cervus [Cervus] maral Ogilby. Maral. 

a. (614.) d Geweih. Kaukasus. Gek. 1902. 

212. Cervus [Cervus] canadensis Er./:/. Wapiti. 

a. (606.) d Skelett. Nord-Amerika. Gek. 1882. 

213. Cervus [Dama] dama L. Damhirsch. 

a. (584.) d Oberschädel. Europa. 

b. (632.) d „ Schaumburg -Lippe. <>ek. 1905. 

214. Alces machlis Ogilby. Elch. 

a. (1S7.) d Ostpreussen. e. coli. Nat. Ges. 

b. (188.) 9 Russland, e. coli. Nat. Ges. 

c. (195.) d Geweih. Norwegen. Gek. 1903. 

215. Rangif er tarandus (L.). Ren. 

a. (189.) d Norwegen, e. coli. Nat. Ges. 

b. (619.) (Wildes Ren.) d Schädel. Spitzbergen. Gek. 1903. 

c. (620.) „ „ d juv. Schädel. Spitzbergen. Gek. 1903. 

d. (621.) (Zahmes Ren.) d Geweih. Skandinavien. G. : Kapitän a. D. Hinsch, 

Bremerhaven, 1905. 
2K>. Capreolus caprea Gray. Reh. 

a. (502.) d Schwärzliche Abänderung. Haste, e. coli. Nat. Ges. 

b. (503.) 9 „ „ Lüneburg, e. coli. Nat. Ges. 

c. (504.) 9 Teilweiser Albino. Lüneburg, e. coli. Nat. Ges. 

d. (505.) d juv. Langenholzen bei Alfeld a/d. Leine. 14. 6. 1902. Gek. 1902. 

e. (588.) 9 Schädel. Sievershausen im Solling. 12. 12. 1902. G.: Präparator 

Schwerdtfeger, Hannover, 1902. 

f. (589.) d juv. Schädel. Langenholzen bei Alfeld ad. Leine. Gek. 1902. 

g. (577.) d Gehörn. Lüneburger Heide. 

9 



h. (578.) d Gehörn. Lüneburger Heide. 

i. (579.) d „ ., „ 

k. (638.) d himbeerförmiges Gehörn. Sievershausen i. Solling. 10. 1881. G. : Prä- 
parator Schwerdtfeger, Hannover, 1904. 

1. (639.) d Gehörn im Bast. Sievershausen i. Solling. 2. 5. 1884. G. : Präparator 
Schwerdtfeger, Hannover, 1903. 

m. (640.) d Gehörn. Cassel. G. : Dir.-Assistent Dr. Fritze, Hannover, 1903. 

n. (525.) d Gehörn. Weende bei Göttingen. 7. 8. 1902. G. : Schriftsteller Löns, 
Hannover, 1905. 

o. (526.) " Gehörn. Starkshorn bei Eschede. 21. 8. 1901. G.: Schriftsteller Löns, 
Hannover, 1905. 

p. (527.) d Gehörn. Hülsen ad. Aller. 10. 7. 1900. G. : Schriftsteller Löns, 
Hannover, 1905. 

q. (528.) d Gehörn. Seelhorst b. Hannover. 21. (i. 1900. G.: Schriftsteller Löns, 
Hannover, 1905. 

r. (580.) d Gehörn. Müllinger Holz b. Hannover. 11. 7. 1904. G. : Schriftsteller 
Löns, Hannover, 1904. 

s. (581.) d abgeschliffenes Gehörn. Hannover. 11. 1904. G. : Schriftsteller Löns, 
Hannover, 1904. 

t. (637.) 9 Gehörn. Helental, Braivnschweig. G. : Präparator Schwerdtfeger, Sievers- 
hausen i. Solling, 1903. 
217. Capreolus eaprea pygargus (Pall.). Sibirisches Reh. 

a. (630.) d Gehörn. Sibirien, (iek. 1903. 

b. (Ii31.) d 

21ts. Cariacus [Cariacus] virginiamus Bodrf. Virginischer Hirsch. 

a. (635.) d Geweih. Nordamerika, e. coli. Nat. Ges. 

b. (636.) d „ „ 

219. Cariacus [CoassusJ nemorivagus (F. Cur.). Brauner Spiesshirsch. 

a. (499.) d Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (498.) V „ „ „ 

c. (497.) V juv. Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

d. (500.) Embryo. Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

F. (iiraffidae. 

220. Giraffa camelopardalis (L.). Giraffe. 

a. (604.) Skelett. Afrika. Gek. 1878. 

b. (490.) Oberschädel. Afrika. G.: Gastwirt Schatz, Badenstedt, 1902. 

c. (613.) Knochenzapfen mit Haut. Deutsch - Ostafrika. G.: Gouvernements-Sekretär 

Cohrs, Dar-es-Salaam, 1902. 

F. Bovidae. 

221. Bubalis tora Gray. Steppen kuhantilope. 

a. (607.) Oberschädel. Afrika. Gek. 1881. 

222. Bubalis cokei Gthr. Kongoni-Antilope. 

a. (65S.) Gehörn. Bukoba, Deutsch -Ostafrika. Gek. 1904. 

b. (659.) 

223. Bubalis lichtensteini Peters. Sambese-Kuhantilope. 

a. (653.) d Gehörn. Iringa, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

b. (654.) „ ,. ., „ „ 

c. (655.) ., Deutsch-Ostafrika. G. : Gouvernements -Sekretär Cohrs, Dar- 

es-Salaam, 1902. 

224. Bubalis lichtensteini leucoprymnus Mtsch. Konzi-Antilope. 

a. (656.) d Gehörn. Iringa, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

b. (657.) ,, „ „ „ „ 

225. Bubalis spec. 

a. (660.) Gehörn. Massai-Steppe. Deutsch-Ostafrika. 

b. (661.) „ „ „ 



67 

226. Damaliscus jimela (Mtsch.). Leier-Antilope. 

a. (648.) d Gehörn. Deutsch-Ostafrika. Gek. 11)04. 

b. (649.) 9 „ „ „ „ 

227. Connochoetes taurinus Burch. Streifengnu. 

a. (672.) Gehörn. Iringa, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

b. (673.) „ „ „ „ „ 

228. Cephalophus natalensis A. Smith. Klippspringer. 

a. (627.) d Gehörn. Deutsch-S.-W. -Afrika. G. : Kaufmann Rautenberg, Keetmanshoop, 1905. 

b. (611.) 9 Gehörn. „ „ „ Gek. 1901. 

229. Cephalophus harveyi Thom. (?) Harveys Ducker. 

a. (586.) ö" Schädel. Dar-es-Salaam. G.: Gouvernements-Sekretair Cohrs, Dar-es-Salaam, 1902. 

b. (587.) 9 „ „ „ „ „ „ „ 

230. Cephalophus rufilatus Gray. Rotseitenducker. 

a. (522.) Westafrika. Gek. 1903. 

231. Cephalophus coronatus Grau. Kronenducker. 

a. (523.) 9 Westafrika. Gek. 1903. 

232. Cephalophus spec. 

a. (628.) Oberschädel. Deutsch-S.-W .-Afrika. G. : Kaufmann Rautenberg, Keetmans- 
hoop, 1905. 

233. Tetraceros quadricornis Blainv. Vierhor nantilope. 

a. (517.) Schädel. Indien. 

234. Neotragus spec. 

a. (629.) Gehörn. Kap-Kolonie. G.: Kaufmann Rautenberg, Keetmanshoop, 1905. 

235. Cobus [Cobus] ellipsiprymnus (Ogilhy). Wasserbock. 

a. (650.) d Gehörn. Kisaki, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

b. (651.) d „ „ „ „ „ 

236. Cobus spec. „Letschui." 

a. (610.) d Gehörn. Deutsch-S.-W.Afrika. Gek. 1901. 

237. Cervicapra arundinum (Bodd.). Grauer Riedbock. 

a. (670.) d Gehörn. Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

238. Cervicapra bohor Rüpp. Gelber Riedbock. 

a. (671.) d Gehörn. Kisaki, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

239. Antilope cervicapra Ball. Hirse hziegen-Antilope. 

a. (513.) d Indien. Gek. 1902. 

240. Aepijceros melampus suara Mtsch. Suara-Antilope. 

a. (652.) d Gehörn. Kondoa, Deutsch-Ostafrika. G. : Gouvernements-Sekretär Cohrs, 
Dar-es-Salaam, 1902. 

241. Saiga tatarica (L.). Saiga-Antilope. 

a. (110.) d Kirgisensteppe am Aral-See. Gek. 1904. 

b. (Hl.) 9 ».'... 

c. (112.) 9 juv. Kirgisensteppe am Aral-See. Gek. 1904. 

242. Gazella arabica Licht. Arabische Gazelle. 

a. (518.) d Aden. G.: Gouvernements-Sekretär Cohrs, Dar-es-Salaam. 1904. 

243. Gazella soemmeringi Cretzschm. Sömmerings-Gazelle. 

a. (667.) d Gehörn. Nordostafrika. Gek. 1904. 

b. (668.) 9 

244. Gazella granti Brooke. Grants Gazelle. 

a. (666.) d Gehörn. Kisaki, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

245. Lithocranins watteri Brooke. Giraffen-Gazelle. 

a. (669.) d Gehörn. Ostafrika. G.: Gouvernements-Sekretär Cohrs, Dar-es-Salaam, 1904. 

246. Hippotragus niger (Harris). Rappen-Antilope. 

a. (524.) Oberschädel. Ostafrika. Gek. 1881. 

b. (646.) Gehörn. Deutsch-Ostafrika. Gek. 1004. 

c. (647.) „ ., „ „ 

247. Ori/r capensis Ogilby. Fasan. 

a. (191.) d Südafrika, e. coli. Nat. Ges. 

9* 



68 

248. Tragelaphus scriptus roualeyni Gord.-Cumm. Ostafrikanischer Buschbock. 

a. (642.) d Oberschädel. Kondoa, Deutsch - Ostafrika. G. : Gouvernements -Sekretär 
Cohrs, Dar-es-Salaam, 1902. 
24!). Strepsiceros kudu Gray. Grosser Kudu. 

a. (608.) -' Oberschädel. Nubien. Gek. 1881. 

b. (609.) d Gehörn. Afrika. Gek. 1900. 

c. (662.) d „ Tabora, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1904. 

d. (663.) d „ Deutsch-Ostafrika. 

250. Strepsiceros imberbis Blyth. Kleiner Kudu. 

a. (665.) U* Oberschädel. Deutsch -Ostafrika. G.: Gouvernements -Sekretär Cohrs, 

I)ar-es-Salaam, 1902. 

b. (664.) d Gehörn. Tabora, Deutsch-Ostafrika. Gek. 1994. 

251. Oreas canna Desm. Elen-Antilope. 

a. (643.) d Gehörn. Kondoa, Deutsch-Ostafrika. G. : Gouvernements-Sekretär Cohrs, 

Dar-es-Salaam, 1902. 

b. (944.) d Gehörn. Kondoa, Deutsch-Ostafrika. G. : Gouvernements-Sekretär Cohrs, 

Dar-es-Salaam, 1904. 

c. (645.) 9 Gehörn. Deutsch -Ostafrika. G. : Gouvernements- Sekretär Cohrs, Dar- 

es-Salaam, 1905. 

252. ßupicapra tragus Gray. Gemse. 

a. (515.) d juv. S. K. Alpen. Gek. 1903. 

b. (514.) d W. K. Kärnthen. e. coli. Nat. Ges. 

c. (117.) 9 W. K. Alpen, e. coli. Nat. Ges. 

d. (516/) Schädel. 

253. Nemorrhaedus I Kenia* I goral (Hardw.). Goral. 

a. (912.) Gehörn. Hiraalaya. 

254. Capra [IbexJ si/iir/<-n Meyer. Sibirischer Steinbock. 

a. (576.) / Gehörn. 
25:"). ('«pro [ IbexJ sibirica lydekkeri Botsch. Lydekkers Steinbock. 

a. (119.) d Altai. G. : Tieihändler Hagenbeck, Hamburg, 1902. 
259. Capra [Ibexl i'<nt<-<tsic<i Güld. Kaukasischer Steinbock. 

a. (2()U.) d Gehörn. Kaukasus. Gek. 19(12. 

257. Capra [IbexJ ibex L. Alpensteinbock. 

a. (111.) S Val d'Aosta. Gek. 199"). 

258. Ovis [Ammotragusj tragelaphus I>esm. Mähnenschaf. 

a. (120.) 9 Marokko. Gek. 1901. 

259. Ovis [Ovis] )><>lii Blyth. Katschkar. 

a. (199.) :/ Gehörn. Central- Asien. Gek. 1902. 

260. Ovis [Ovis] aries L. Schaf. 

a. (585.) ; Schädel. Deutschland. 

b. (198.) Gehörn eines vierhornigen Schafes. Deutsch-S.-W.-Afrika. G. : Kaufmann 

Rautenberg, Keetmanshoop, 1905. 

291. Ovis aries brachyura. Heidschnucke. 

a. (519.) d Lüneburg, e. coli. Nat. Ges. 

b. (520.) .. „ „ 

c. (521.) juv. „ „ „ „ 

d. (582.) ' Oberschädel. Lüneburg. 

e. (509.) d Schädel. Heber bei Soltau. Gek. 1909. 

f. (507.) d Oberschädel. Heber bei Soltau. Gek. 1905. 

g. (508.) juv. Gehörn. Heber bei Soltau. Gek. 1905. 
n. (.»u.i.) .. ,, ,, ,, „ ,, ,, 

292. Ovis [Ovis] musimon Schreb. Muflon. 

a. (512.) d juv. Sardinien. Gek. 1902. 
299. Ovibos wardi Lyd. Mochusochse. 

a. (119.) d Grönland. Gek. 1901. 

b. (197.) '. Schädel. Grönland. Gek. 1909. 



69 

264. Anoa depressicornis H. Smith. Anoa. 

a. (192.) Gehörn. Celebes. Gek. 1903. 
b- (193.) 
c (194.) 

265. Buffelm bubalns (L.J. Büffel. 

a. (574.) Oberschädel. Südeuropa. Gek. 1904. 

266. Büffeln* bxbalus kerabau Nhrg. Kar bau. 

a. (196.) Oberschädel. Sunda-Inseln. Eingetauscht 1903. 

267. Bison bonasus (L.). Wisent. 

a. (190.) Bielowitzer Wald in Lithauen. e. coli. Mat. Ges. 

268. Bison americanus (Gmel.). Amerikanischer Büffel. 

a. (605.) Skelett. Nordamerika. Gek. 1905- 

269. Bos taurus L. Rind. 

a. (575.) Oberschädel. Brasilien. 

X. 0. Sirenia. Seekühe. 

F. Halicoridae. 

270. Rhytina gigas (Zimm.). Stellersche Seekuh. 

a. (624.) Schädel. Behringinsel. Gek. 1904. 

XI. 0. Cetacea. Waltiere. 

F. Delphinidae. 

271. Tursiops tursio (Fabr.). Nasarnak. 

a. (186.) d" Elbe b. Winsen, 1852. e. coli. Nat, Ges. 

b. (510.) Oberschädel. Insel Neuwerk. G. : Kaufmann (). Schultz, Hannover, 1904. 

272. Delphinac delphis L. Gemeiner Delphin. 

a. (555.) Schädel. Nordsee, e. coli. Nat. Ges. 
D. (598.) ,, ,, ,, „ ,, ,, 

273. Pltocaena communis Cur. Tümmler. 

a. (552.) Nordsee. Gek. 1890. 

b. (554.) juv. Ostsee. G. : Mühlenbesitzer Malzfeldt, Sarstedt, 1!>04. 

c. (553.) Skelett. Ostsee. G. : Mühlenbesitzer Malzfeldt, Sarstedt, 1904. 

274. Monodon monoceros L. Narwal. 

a. (551.) Stosszahn. Nördliches Eismeer, e. coli. Nat. Ges. 

F. Physeteridae. 

275. Physeter macrocephalux L. Pottwal. 

a. (511.) Gehirnschädel. Kerguelen. G. : Kapitän a. D. Hinsch, Bremerhaven, 1903. 

F. Balaenidae. 

276. Balaena mysticetus L. Grönland-Wal. 

a. (547.) Barte. Nördliches Eismeer. 

b. (548.) „ „ 

c. (549.) 

d. (550.) 

277. Balaena spec. 

a. (601.) Bulla tympanica. 

b. (602.) 

XII. 0. Edentata. Zahnarme 

Unterordn. Xenarthra. 
F. Bradypodidae. 

27S. Bradypus tridaetylus L. Dreizehiges Faultier, 
a. (557.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 



70^ 

27!i. Bradypus torquatus Tllig. Kragenfaultier, 
a. (556.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

F. Myrinecophagidae. 

280. Myrmecophaga jubata L. Grosser Ameisenbär. 

a. (558.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

281. Tamandua tetradactyla (L.). Tamandua. 

a. (560.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (561.) Schädel. Brasilien. 

282. Tamandua longicaiida Wagn. Langschwänziger Tamandua. 

a. (559.) Guiana. 

283. Cycloturus didactylus (L.j- Zweizeiliger Ameisenbär. 

a. (562.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (563.) Nord-Brasilien. Gek. 1884. 

Unterordn. Loricata. 

F. Dasypodidae. 

284. Tattisia /Tufiisin/ Horemchuiu L. Langschwänziger Tatu. 

a. (567.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (568.) juv. Brasilien. 

c. (569.) „ 

285. Tatusia spec. 

a. (570.) Rückenpanzer. G. : Kapitän a. D. Hinsch, Bremerhaven. 1903. 

b. (571.) ,, ,, ., ,, „ » 

c. "(572.) „ ., ., „ „ „ 

286. Dasypus sexcinctus L. Sechs bindeng ürteltier. 

a. (566.) Brasilien. 

b. (565.) 

287. Priodontes giganteus (E. Geoff'r.). Riesengürteltier. 

a. (564.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

Unterordn. Nomarthra. 

F. Manidae. 

288. Munis [Phdidbtus] javaniea Desm. Javanisches Schuppentier. 

a. (573.) Java. e. coli. Nat. Ges. 



XIII. 0. Marsupialia, Beuteltiere. 

Unterordn. Diprotodontia. 
F. Phalangeridae. 

289. Phascolarctus cinereus (Goldf.). Koala. 

a. (686.) Australien. Gek. 1886. 

b. (687.) 

c. (688.) juv. Australien. Gek. 1885. 

290. Trichosurus mdpecula (Kirr.). Fuchskusu. 

a. (675.) 9 Australien. G. : Zool. Garten, Hannover, 1905 

b. (685.) Australien. 

291. Pseudochirus cooM (Desm.). Cooks Kusu. 

a. (684.) Tasmanien, e. coli. Nat. Ges. 

292. Petaurus sciureus Shaw. Beuteleichhorn. 

a. (682.) Ostaustralien, e. coli. Nat. Ges. 

293. Acrobates pygmaeus Shaw. Beutel maus. 

a. (683.) Tasmanien, e. coli. Nat. Ges. 



71 

F. Macropodidae. 

294. Macropus [Macropus] giganteus (Zimm.). Riesen känguru. 

a. (076.) Skelett. Australien. Gek. 1881. 
2115. Macropus [Ralmaturus] ualabatus Less. & (htm. Wallaby. 

a. (591.) Schädel. Australien. Gek. 1902. 

296. Macropus [Halmaturus] ruficollis Desm. Roth aisiges Wallaby. 

a. (674.) V Australien. Gek. 1903. 

b. (592.) 9 Schädel. Australien. Gek. 1903. 

c. (590.) Schädel. Gek. 1902. 

297. Macropus [Th t/loyale] billardieri Desm. Rotbauchiges Wallaby. 

a. (677.) Australien, e. coli. Nat. Ges. 

Unterordn. Polyprotodontia. 

F. Dasyuridae. 

298. Thylacynus cynocephalus (Harris). Beutelwolf. 

a. (689.) 9 Australien, e. coli. Nat. Ges. 

b. (690.) Australien, e. coli. Nat. Ges. 

c. (691.) 9 juv. Schädel. Australien. 

299. Dasyurus maculatus (Kerr.). Lang seh wänziger 15 e utelmarder. 

a. (681.) Australien. Gek. 1885. 

300. Dasyurus viverrinus Shaw. Tüpfelbe utelmarder. 

a. (678.) Australien. 

b. (679.) „ e . coli. Nat. Ges. 

c. (680.) 

F. Didelphyidae. 

301. Didelphys [Didelphys] marsupialis cancrivora Gmel. Krabbenbeutler. 

a. (693.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

302. Didelphys [Didelphys] marsupialis virginiana Kerr. Opossum. 

a. (694.) Nordamerika. 

b. (695.) Schädel. Nordamerika. Gek. 1894. 

303. Didelphys [Marmosa] lepida Thomas. Zwergbeutelratte. 

a. (696.) Brasilien. 

304. Didelphys [Peramys] americana Müll. Dreistreifige Beutelratte. 

a. (697.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 

305. Chironectes minimus (Zimm.). Seh wimmbeutle r. 

a. (692.) Brasilien, e. coli. Nat. Ges. 



XIV. 0. Monotremata. Kloakentiere. 

F. Eohidnidae. 

306. Echidna aculeata (Shaw.). Stachliger Ameisenigel. 

a. (69.S.) Australien, e. coli. Nat. Ges. 

307. Echidna aculeata setosa E. Geoffr. Langhaariger Ameisenigel. 

a. (699.) Tasmanien, e. coli. Nat. Ges. 

F. Ornithorhynehidae. 

308. Ornithorhynchus anatinus (Shaw.). Schnabeltier. 

a. (700.) Australien. 

b. (701.) „ e. coli. Nat. Ges. 

c. (702.) 

d. (706.) 9 Australien. Gek. 1895. 



Anhang. 

Felle und Fellproben wichtiger Pelztiere. 

G.: Pelzwarenhändler Scherer, Hannover, 1902. 

1. Satansaffe, West- Afrika. 

2, Waschbär, Nord- Amerika. 
.">. Goldmarder, Asien. 

4. Hermelin, W. K.. Deutschland. 

5. Hermelin, S. K., Deutschland. 

6. Mink, Nord- Amerika. 

7. Stinktier, schwarz, Nord.- Amerika. 

s. Stinktier, schwarz und weiss, Nord- Amerika. 

!). Stinktier, Süd-Amerika. 

10. Fischotter, gerupft, Deutschland. 

11. Fischotter, gerupft, Nord -Amerika. 

12. Fischotter, gerupft, Süd- Amerika. 

13. Seeotter, Kamschatka. 

14. Tanuki (..Seefuchs"), Japan. 
ir>. Polarluchs, Nord- Amerika, 
lii. Seehund, Grönland. 

17. Eichhorn, W. K., Deutschland. 

18. Eichhorn, weiss, Sibirien. 

19. Eichhorn, grau, Sibirien. 

'20. Biber, gerupft, Nord -Amerika. 

21. Bisamratte. Nord -Amerika. 

22. Schweif biber („Nutria"), gerupft, Süd -Amerika. 

23. Chinchilla, Chile. 

21. Lamm („Krimmer"), Russland. 

25. Kusu, Australien. 

2(i. Opossum, Nord -Amerika. 



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Kreuzigungs-Gruppe aus Gestorf am Deister. 

(Vergl. S. 18.) 






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Jahrbuch 



des 



ProvinziaMtiu$eum$ zu Hannover 



umfassend 



die 2eif 1. April 1906—1907. 



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Hannover. 

Druck von Wilh. Riemschneider. 
1907. 



IS5A-31 



Jahrbuch 



des 



Provinziahmuseums zu Hannover 



umfassend 



die Zeit 1. April 1906 1907. 



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Hannover. 

Druck von Willi. Riemschn eider. 

1907. 



Inhalts -Uebersicht. 



Seite 

Einleitung 1 

Vermehrung der Sammlungen. I. Historische Abteilung . . 3 

II. Kunst -Abteilung 4 

III. Naturhistorische Abteilung . 5 

Nachrichten über vor- und frühgeschichtliche Altertumsfundc von Direktorial- Assistent H. Runde. . 13 

Aufgrabung von Hügeln im Uelzener Stadtforst von Dr. J. Fastenau 3" 

Campanisches Bronzegeschirr der La Tenezeit aus dem Kreise Uelzen und der Nordhaudel Aipüleias von 

Dr. H. Willers 39 

Die Heimat der Bronzeeimer vom Hemmoorer Typus von Dr. H. Willers 64 

Der Sarstedter Fund Hildesheimer Marienpfennige von Prof. Dr. J. Menadier 77 

1. Nachtrag zum Katalog der Säugetiersammlung des Provinzial-Museums zu Hannover von Dr. A. Fritze 81 

Ueber zwei grosse Gerfalken aus der Provinz Hannover von Dr. A. Fritze 86 

Beiträge zur Landesfauna von Hermann Löns 88 

Ueber das Vorkommen von Zamites Buchianus Ettingb. im Wealden Nordwestdeutschlands von 

Dr. H. Salfeld 95 




LJer Ausbau der Sammlungen unseres Museums hat im vergangenen Geschäftsjahre 
besonders dadurch eine wesentliche Förderung erhalten, dass Se. Majestät der Kaiser ein 
grosses farbenprächtiges Bild von Singleton Copley in London kopieren liess und diese Kopie 
dem Provinzial-Museum überwies. Das Bild stellt den Brand der spanischen Flotte vor Gibraltar 
dar im Jahre 1783. Se. Majestät nahm Gelegenheit, am 16. Juni 1906 das Bild im Provinzial- 
Museum in Augenschein zu nehmen. So hocherfreulich eine solche Bereicherung der Sammlungen 
ist, so führt sie uns besonders aber den vorhandenen Raummangel vor Augen. Wir sind nicht 
mehr in der Lage, Bilder unterbringen zu können und müssen deshalb auch davon absehen, 
solche zu erwerben, ein Zustand, unter dem alle Abteilungen des Museums gleichmässig leiden. 

Für die Mitbearbeitung der naturhistorischen Sammlungen sind wir, wie in den Vor- 
jahren, Herrn Medizinalrat Brandes und Herrn Rentner Andree zu lebhaftem Danke verpflichtet. 
Herr Dr. H. Salfeld hat sich unserer geologischen Sammlung und Herr G. Schröder der Insekten 
angenommen. Auch diesen beiden Herren sei herzlichster Dank für ihre Hülfe gesagt. 

Für die historischen Sammlungen ist Herr Dr. Fastenau als wissenschaftlicher Hülfs- 
arbeiter gewonnen worden. Die Neubearbeitung der prähistorischen Sammlung wird Herr 
Dr. Hahne mit dem Beginn des neuen Geschäftsjahres übernehmen. 

In den Werkstätten hat eine überaus rege Tätigkeit daran gemahnt, dass wir auch 
dort ohne weitere Hülfskräfte nicht mehr auskommen können. Grosse Bestände, Eingänge 
der letzten Jahre können von dem Präparator an der naturhistorischen Abteilung nicht mehr 
bewältigt werden und ebenso ist in der Werkstatt zur Instandsetzung von Kunstgegenständen 
von dem Restaurator allein die Fülle der Arbeiten nicht mehr zu bewältigen. Diese Instand- 
setzungswerkstatt des Restaurators hat eine erhebliche Erweiterung erfahren. Derselbe hat 
auf Anregung des Provinzial-Konservators auf eigene Rechnung eine Werkstatt errichtet, in 
der grosse, von Wurm zerstörte Holzskulpturen gehärtet werden können. Diese Erweiterung 
der Instandsetzungswerkstatt kommt auch unserem Museum zugute. 

1 



Die Münzensammlung ist im Laufe des Winters nach dem im Jahrbuche von 1905 
veröffentlichten System aufgestellt und wird, nachdem die Etikettierung beendet ist, für den 
Besuch eröffnet werden. 

Wie in den Vorjahren, so haben auch im vergangenen Geschäftsjahre an Sonntag- 
vormittagen, vor dem Beginn der öffentlichen Besuchszeit, Führungen durch die Sammlungen 
stattgefunden. 

Ebenso wie im Vorjahre hat unser Museum an der von der Deutschen anthropologischen 
Gesellschaft unternommenen Herstellung prähistorischer Typenkarten teilgenommen, indem es 
das in den Sammlungen der Provinz Hannover befindliche einschlägige Material zusammenstellte. 

Der Besuch der Sammlungen ist immer noch in steter Zunahme begriffen. 

Alle übrigen Vorkommnisse sind unter den einzelnen Abteilungen aufgeführt. 

Hannover, im April 1907. 



Der Direktor. 

Dr. Reimers. 



Vermehrung der Sammlungen. 



I Historische Abteilung. 



1. Vor- und frühgeschichtliche Sammlung-. 

A. Geschenke. 

Durchbohrter Steinhammer von schwarzgrauem Schiefer, glatt geschliffen, gefunden in der 
Bode unweit Treseburg. Geschenk des Herrn Generalagenten Sprengeler in Hannover. 

Steinbeil von gelblicher Grauwacke, glatt geschliffen, gefunden auf dem Tränkeberg bei 
Clausthal. Geschenk des Herrn Berginspektor Werner in Andreasberg. 

Feuerstein-Artefakte und Knochenreste aus vorgeschichtlichen Fundstätten bei Steinbeck, 
Kreis Soltau. Geschenk des Herrn Br. Hans Hahne in Berlin. 

Bruchstück einer blauen Email-Perle mit eingelegten Verzierungen, gefunden beim Baggern 
in der Ems bei Weener. Geschenk de? Herrn cand. phil. Knipper in Weener. 

Eine Kollektion mittelalterlicher Tongefässe aus dem Rheinland. Geschenk des Herrn 
Bankier Bräutigam in Hannover. 

B. Artkäufe. 

Bauchiges Tongefäss und Bruchstücke einer Bronze - Pinzette gefunden bei Emern, 
Kreis Uelzen. 

Durchbohrter Steinhammer von hellgrauem Kieselsandstein sehr sorgfältig geschliffen, 
gefunden im Moore bei Langwedel, Kreis Isenhagen. 

Desgl. von schwärzlichem Tonschiefer, gefunden bei Südcampen, Kreis Fallingbostel. 

Zwei sehr schön erhaltene glattgeschliffene Steinbeile und eine Lanzenspitze von Feuer- 
stein, sowie ein durchloehter Steinhammer von grauem Granit, gefunden beim Ackern in Gross 
Heide, Kreis Dannenberg. 

Ferner eine grosse Anzahl in der Umgebung von Paltensen, Kreis Springe, gefundener 
Steinwerkzeuge, Steinbeile. Steinkeile, durchbohrte und undurchbohrte Steinhämmer, Steinmeissel 
usw., im ganzen 44 Stück, sowie etwa 100 in derselben Gegend gefundene Spinnwirtel, angekauft 
aus der Sammlung des Rektors Haferkamp in Pattensen. 

Die in den Vorjahren seitens des Provinzial- Museums begonnene Ausgrabung eines Urnen- 
feldes der jüngeren Eisenzeit bei Nienbüttel, Kreis Uelzen, lieferte auch in diesem Jahre reiche 
Ergebnisse und konnten im ganzen wiederum etwa 80 Fundgegenstände der vorgeschichtlichen 
Sammlung einverleibt werden. 

Aus einer vom Provinzial - Museum im Uelzener Stadtforst veranstalteten Grabung 
wurden 9 Gegenstände der jüngeren Bronzezeit den Sammlungen hinzugefügt (vergl. Tafel VI und VII). 

Endlich erwarb das Museum die auf dem Grundstück des Kolonisten Deddo Mansholt in 
Brinkum, Kreis Leer, zu Tage geförderten Fundgegenstände aus einem spätsächsischen Urnen- 
friedhof, bestehend in etwa 12 zum Teil erheblich beschädigten Urnen nebst Beigaben. 

2. Ethnographische Sammlung. 

Geschenke. 

Von Herrn Grafen Bernhard von Crayenberg in Hannover wurde dem Museum wiederum eine 
Reihe wertvoller Gegenstände aus der Südsee geschenkt und zwar: 

Frauenschürze, Kopfschmuck, Holzschnitzereien, sowie zwei Tafeln unter Glas mit Photo- 
graphien der Eingeborenen. Samoa-Inseln. 

Frauenkleidung, Schürze und ein aus Harz gefertigtes Relief-Porträt einer Neuseeländerin. 

Neu-Seeland. 

Eine Kollektion indischer Kupfermünzen. Bombay. 

Von Herrn Gouvernementssekretär Cohrs in Daressalaam erhielt das Museum abermals 
wertvolle ethnographische Gegenstände aus Deutsch - Ostafrika: meist Waffen, Bogen und Pfeile, 
sowie eine grosse Anzahl Gebrauchsgegenstände der Eingeborenen, zusammen etwa 120 Nummern. 

1* 



3. Handbibliothek. 

Im Schriftenaustausch mit wissenschaftlichen Instituten gingen folgende Drucksachen ein: 

Dasei. Oeffentliche Kunstsammlung. „Jahresberichte, Neue Folge 1 und 2. 1905 und 1906." 

Berlin. Generalverwaltung der Königlichen Museen. „Führer durch die Sammlung des Kunstgewerbe- 

Museums. 14. Aufl. 1907. Verzeichnis der in der Formerei der Königlichen Museen käuflichen 
Gipsabgüsse 1906." 
Braunsclrweig. Herzogliches Museum. „Katalog der Ausstellung alter Goldschmiedewerke braunschweigischen 

Ursprungs oder Besitzes 19< )•>.'" 
Bremen. Kunstverein. „Jahresbericht des Vorstandes des Kunstvereins über das Geschäftsjahr 1905/6." 

Cöln. Kunstgewerbe- Verein. „15. Jahresbericht für das Jahr 1905." 

Danzig. AVestpreussisches Provinzial-Museum. ..XXVII. Amtlicher Bericht über das Westpreussische 

Provinzial-Museum für das Jahr 1906." 
Halle. Provinzial-Museum. „Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächs.-thüriug. Länder. Bd. 1—4." 

Hamburg. Museum für Völkerkunde, „Bericht für das Jahr 1903, desgl. 1904." 

Hannover. Stadtbibliothek. ..Zweiter Nachtrag zum Katalog der Stadtbibliothek zu Hannover. 1906." 

Hildesheim. Verein zur Erhaltung der Kunstdenkmäler Hildesheims. „2. Bericht über die Tätigkeit des 

Vereins in den Jahren 1903 — 1906." 
Leiden. Ryks Ethnographisch Museum. „Jahresbericht 1905 6." 

Magdeburg. Museum für Natur- und Heimatkunde. „Verwaltungsbericht 1905/06." 

Kaiser Friedrich - Museum. „Hagelstange, Führer durch die Bücherei des Kaiser Friedrich- 
Museums. 1906." 
Mainz. Kömisch-Germanisches Central-Museum. „Jahresbericht für das Rechuungsjahr April 1905/1906." 

Nürnberg. Bayrisches Gewerbe-Museum. „Bericht für das Jahr 1905." 

Bayrische .Jubiläums-Landesausstellung. „Ausstellungszeitung 1906. Katalog der Historischen 
Ausstellung der Stadt Nürnberg 1906." 
Plymouth. Municipal-Museum. „Seventh annual report of the Municipal-Museum and Art Gallery 1906." 

Posen. Kaiser Friedrich-Museum. „2ter und 3ter Jahresbericht 1904 und 1905. Amtlicher Führer 

durch das Kaiser Friedrich-Museum 1907." 
Stockholm. Kungl. Vitterhets, Historie och Antikvitets Akademieen. „Manadsblad 1903—6. — Fornvännen 

Meddelanden 1906. Heft 2-5. — 1907 Heft 1." 
Trier. Provinzial-Museum. „Jahresbericht 1904—1905." 



IL Kunstabteilung. 

1. Gemälde - Sammlung. 

A. Geschenke und Ueberweisungen. 

Von Sr. Majestät dem Kaiser wurde überwiesen: eine Kopie nach Singleton Copley in 
London „Brand der spanischen Flotte vor Gibraltar". 

Von den Erben des Senators Wülbern in Hannover wurde geschenkt: Carl Oesterley jun. 
„Am hohen Ufer". 

B. Ankäufe. 

Vom Verein für die öffentliche Kunstsammlung wurden erworben und im Museum aufgestellt: 
Herrn. Gottl. Kriecheldorf „Stilleben". 

Joseph Israels „Fischermädchen" (Aquarell). 

2. Skulpturen - Sammlung'. 

Ankauf. 

Constantin Meunier ..An der Tränke" (Bronzewerk). 



3. Sammlung der Gipsabgüsse. 

Geschenke. 

Michelangelo ..Pietä". Gipsabgnss nach dem Bronzeguss in San Andrea delle Valle in 
Rom. Geschenk der Frau Baron Knigge in Hannover. 

Adelaide Maraini ..Kopf der Sappho". Geschenk der Erben des Rentners August Müller 
in Hannover. 

H. Runde, 

Direktorial - Assistent. 



III. Naturhistorische Abteilung. 



Die Vermehrung der Sammlungen zeigt gegen das Vorjahr wiederum eine erfreuliche 
Zunahme und zwar auf fast sämtlichen Gebieten. Dass bei dem herrschenden Raummangel 
die Uebersichtlichkeit etwas gelitten hat, auch der Aufstellung in systematischer bezw. tier- 
geographischer Reihenfolge hier und da ein wenig Gewalt angetan werden musste, ist bedauerlich, 
Hess sich aber nun einmal nicht gänzlich vermeiden. 

Wie aus dem nachfolgenden 1. Nachtrag zum Säugetier- Katalog ersichtlich, betrug 
die Vermehrung dieses Teiles der Schausammlung 100 Nummern, darunter die schöne 
Gruppe: „Wildkatzen am Eichelhäherneste." Von Vögeln kamen 91 neu zur Aufstellung, auf 
Naturäste umgesetzt wurden 36. Die notwendige Neuanfertigung eines Katalogs der Vogel- 
sammlung wurde in Angriff genommen. Mit der Erneuerung der Sammlung einheimischer 
Reptilien, Amphibien und Fische konnte begonnen werden, das Material war grossenteils in 
den Vorjahren geschenkt worden. Der Arbeit der Präparation unterzog sich in dankens- 
wertester Weise Herr G. Schröder, der seine Tätigkeit weiter in ausgedehntem Masse der 
sachgemässen Präparation der Insektenbestände widmete. Die im vorigen Jahrgang dieses Jahr- 
buches ausgesprochene Hoffnung, dass das nun beendete Amtsjahr in hervorragendem Masse 
der paläontologischen Sammlung zugute kommen würde, hat sich in jeder Hinsicht bewahrheitet. 
Neben einer ganzen Reihe von Ankäufen, darunter ein Skelett des Riesenhirsches und ein 
schöner Ichthyosaurus, stehen eine grosse Anzahl wertvoller Geschenke. Besonders hervorzuheben 
ist die von Herrn Dr. Salfeld geschenkte, durch schöne Serien aus dem Carbon, Perm, Rät und 
Wealden ausgezeichnete Sammlung seines Grossvaters, des verstorbenen Apothekers Hildebrand 
in Hannover, sowie die von dessen Eltern dem Museum überwiesene Sammlung des verstorbenen 
stud. med. v. Germershausen in Hannover. Getauscht wurde mit dem geologischen Institut der 
Universität Tübingen und der paläontologischen Sammlung des Staates in München. 

Auch die botanische und die mineralogische Sammlung sowie die Bibliothek erfuhren 
wesentliche Bereicherungen. — 

Von auswärtigen Museen besichtigte Direktorial-Assistent Dr. Fritze gelegentlich seiner 
Teilnahme an der 78. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Stuttgart das 
dortige Naturalien-Kabinet, ferner im Februar d. J. gemeinsam mit dem Museums-Präparator 
Schwerdtfeger das Naturhistorische Museum in Hamburg. — 

Für die Sammlungen der naturhistorischen Abteilung sind folgende Zugänge zu 
verzeichnen : 

(Die bereits zur Aufstellung gelangten Säugetiere usw. sind im 1. Nachtrag zum Katalog 
der Säugetiersammlung (vergl. die betreffende Seite dieses Jahrbuchs) aufgeführt und deshalb 
in nachstehendem Zugangsverzeichnis nicht erwähnt; bei den übrigen Sammlungen sind die 
schon aufgestellten Objekte mit einem * bezeichnet.) 

1. Zoologische Sammlungen. 

Säugetiere. 

A. Geschenke. 

1 Hausratte (Mus [Epimys] rattus L.) d" von Stederdorf bei Peine; Geber: Heir Lehrer 
Bödecker in Stederdorf. — 

2 schwarze Eichhörnchen (Sciurus [Sciurus] vulgaris L.) <fd" von Rübeland a. Harz; Geber: 
Herr Forstaspirant Böhme in Rübeland a. Harz. — 

1 grosser Fiederhund (Epomophorus gambianus Ogilby) von Daressalaam ; Geber: Herr 

G. Cohrs in Daressalaam. — 

1 gehörnloser Rehbock (Capreolus caprea Gray) cf von Fuhrberg (Kreis Burgdorf) ; Geber : 

Herr Wildhändler Ernst in Hannover. — 

6 Schädel vom Menschen (Homo sapiens L.) davon 3 aus Europa und 3 aus Neu-Britannien ; 

Geber : Herr Privatier v. Germershausen in Hannover. — 

1 Waldwühlmaus (Evotomys glareolus Schreb.) $ von Hannover, 

1 mit Favus tonsurans behaftete Hausmaus (Mus [Mus] musculus L.) aus Hannover, 

1 Frassstück vom Eichhörnchen (Sciurus [Sciurus] vulgaris L.) von Hannover; Geber: Herr 

Schriftsteller Löns in Hannover. — 



1 Scheermaus (Microtus [Arvicola] terrestris L.) cf von Eldingen bei Celle: Geber: Herr 
Obergärtner Paul in Eidingen. — 

1 Schädel eines jungen Kragenbären (Ursus [Ursus] thibetanus F. Cuv.) q von Tibet, 

1 junger Indischer Elephant (Elephas indicus L.) cf aus Indien; Geber: Herr Tierhändler 
Ruhe in Alfeld a. d. L. — 

1 Eichhörnchen (Sciurus [Sciurus] vulgaris L.) Q von Badenstedt; Geber: Herr Gastwirt 
Schatz in Badenstedt. — 

8 junge Haselmäuse (Muscardinus avellanarius L.) von Lütenthien bei Scbnega; Geber: Herr 
Landwirt Schulz in Lütenthien. — 

1 Scheermaus (Microtus [Arvicola] terrestris L.) $ von Hannover; Geber: Herr Oberpost- 
assistent Schulze in Hannover. — 

1 Rehgehörn (Capreolus caprea Gray) cf juv. von Stedden bei Celle ; Geber : Herr Dr. Wendt 
in Hannover. — 

1 Schädel der Giraffe (Giraffa camelopardalis L.) aus Afrika; Geber: Direktion des Zoolo- 
gischen Gartens in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

2 Schimpansen ( Anthropopithecus troglodytes L.) cfcf aus Afrika. — 

1 junger Königstiger (Felis [Uncia] tigris L.) cf von den Sunda-Inseln. — 

1 Springbock (Antidorcas euchore Forster) cf aus Südafrika. — 

2 Goral - Antilopen (Nemorrhaedus [Kenias] goral Hardw.) ■f u. juv. aus Tibet. — 
1 Rundhornschaf (Ovis cycloceros Hutton) 9 aus Indien. — 

1 Nahurschaf (Ovis vignei Blyth) cf aus Tibet. — 

2 Gezäumte Känguruh (Onychogale frenata Gould.) cf, g aus Australien. — 

1 Benetts Wallaby (Macropus [Halmaturus] ruficollis Benettii Waterh.'t -f aus Australien. 



Vögel. 

A. Geschenke. 

*4 junge Zaunkönige (Anorthura troglodytes L.); Geber: Herr Gastwirt Baum in Linden. - 

1 Nest mit Gelege vom Hausrotschwanz (Ruticilla tithys L.), 

*2 junge Eichelhäher (Garrulus glandarius L.I, 

1 Mauersegler (Micropus apus L.) cf, sämtlich von Ahrenfeld bei Grossoldendorf ; Geber: 
Herr Lehrer Bock in Ahrenfeld. — 

1 Sperber (Accipiter nisus L.) cf von Rübeland: Geber: Herr Forstaspirant Böhme in 
Rübeland. — 

1 Pyromelana nigriventris Cass., 

1 Terpsiphone perspicillata Sw.. 

1 Klaffschnabel lAnastomus lamelligerus Temm.), 

1 kleiner Steissfuss -(Colymbus fluviatilis Tunst.i, sämtlich von Daressalaam ; Geber: Herr 
G. Cohrs in Daressalaam. — 

*2 junge Hühnerhabichte (Astur palumbarius L.i y ■,. von Otternhagen; Geber: Herr Lehrer 
Dettmer in Hannover. — 

*2 grosse Raubmöwen (Stercorarius skua Brunn.) $Q, 

*1 Eissturmvogel (Fulmarus glacialis L.) cf, sämtlich von Island: Geber: Herr Maschinist 
Dücker in Bremerhaven. — 

*1 Waldkauz (Syrnium aluco L.) 5 von Altniiau a. Harz: Geber: Herr Lehrer Ehlers in 
Altenau. — 

1 Gemeines Teichhuhn (Gallinula chloropus L.) cf von Hannover; Geber: Herr Werkmeister 
Franke in Hannover. — 

1 Waldkauz 1 Syrnium aluco L.) 5 von Hannover: Geber: Herr Oberaufseher Garbe in 
Hannover. — 

1 Kohlmeise iParus major L.) 5 von Bründeln bei Clauen ; Geber: Herr Landwirt Grote 
in Bründeln. — 

1 Fischreiher 1 Ardea cinerea L. 1 f, 

1 Blesshuhn (Fulica atra L.), 

2 Eier vom Blesshuhn (Fulica atra L.i, 

1 Gemeines Teichhuhn (Gallinula chloropus L.) cf, 

1 Punktiertes Rohrhuhn (Ortygometra porzana L.), 
*1 Sumpfläufer (Limicola platyrhyncha Temm.) cf, 

*1 Dunenjunges vom Haubentaucher (Colymbus cristatus L.), sämtlich vom Dümmer bezw. 
von dessen Ufer ; Geber : Herr Lehrer Harling in Lemförde. — 

2 junge Ohreulen (Asio otus L.) von Bredenbeck a. Heister ; Geber: Herr Tischler Hasen- 
jäger in Bredenbeck. — 



*9 Nester einer Salangane (Collocalia spec.) aus Soerabaja 1 (Java); Geber: Herr Kaufmann 
Hoffmann in Soerabaja. — 

*1 abnormes Hühnerei von Schneeren bei Neustadt a. Rbg. ; Geber: Herr Lehrer Hünerberg 
in Hannover. — 

1 brauner Tölpel (Sula fusca Briss.), erlegt im Atlantischen Ozean; Geber: Herr Schiffsarzt 
Dr. Krome in Hannover. — 

1 Trauerstelze (Motacilla lugubris Temm.) cf, 

6 Leinfinken (Acanthis linaria L.) cfcfcfcfQQ, 

*1 Kornweihe (Circus cyaneus L.) 9 , 

1 Rohrdommel (Botaurus stellaris L.) cf, sämtlich von Juist ; Geber: Herr Lehrer Leege 
in Juist. — 

*1 Nebelkrähe (Corvus cornix L.) d" von Zinnowitz (Insel Usedom); Geber: Herr Förster 
Loof in Trassemoor bei Zinnowitz. — 

*( 1 )3 grosse Gimpel (Pyrrhula pyrrhula L.) cfcfcf aus Sibirien, 

*1 Cuba- Amazonenpapagei (Androglossa leucocephala L.) 9 aus Cuba, 

1 Reiher (Ardea spec.) aus Amerika; Geber: Herr Tierhändler Ruhe in Alfeld a. d. L. — 

*1 Albino des Grossen Würgers (Lanius excubitor L.) von Harenberg bei Hannover: Geber: 
Herr Direktor Dr. Schaff in Hannover. — 

*1 Schmalschnäbliger Wassertreter (Phalaropus lobatus L.) 9, 

* 1 Bogensehnäbliger Strandläufer (Tringa subarcuata Güld.) cf, 
*5 Isländische Strandläufer (Tringa canutus L.) cfcfQQQ, 

* 1 Rostrote Uferschnepfe (Limosa lapponica L ) cf, 

* 1 Schnatterente (Anas strepera L.) cf , sämtlich von Carlshagen (Insel Usedom) ; Geber : 
Herr Förster Schmidt in Carlshagen. — 

* 1 Zaunkönig (Anorthura troglodytes L.) cf von Sievershausen i. Solling, 

*1 kleiner Schreiadler (Aquila pomarina C. A. Brehm) cf von Nassenhaide bei Oranienburg; 
Geber: Herr Präparator Schwerdl feger in Hannover. 

* 1 junger Star (Sturnus vulgaris L.) von Dörpe bei Hannover, 

* 1 Eichelhäher (Garrulus glandarius L.) cf von Coppenbrügge bei Hameln, 
1 Eichelhäher (Garrulus glandarius L.) 9, 

1 Grünspecht (Picus viridis L.) $ , beide von Otternhagen bei Neustadt a. Rbg. ; Geber : 
Herr Badehalter Strunk in Hannover. — 

*1 Rebhuhn (Perdix perdix L.), blasse Abänderung, von Celle; Geber: Herr Dr. Wendt 
in Hannover. — 

1 Dunenjunges von Crax sclateri Gray, aus Südamerika ; Geber : die Direktion des 
Zoologischen Gartens in Hannover. 

2 Turmfalken (Cerchneis tinnunculus L.) 9 9 von Ricklingen ; Geber unbekannt. — 



B. Ankäufe. 

1 Alpenmauerläufer (Tichodroma muraria L.) 9 von St. Gallen. — 
1 Paradieswittwe (Vidua paradisea L.) cf aus Afrika. — 

1 Kronenatzel (Graeula coronata Gray.) cf aus Cochinchina. — 

*1 Eichelhäher (Garrulus glandarius L.) 9, Nest und 3 Junge von Wennigsen a. Deister. 

* 1 Campylopterus hemileucurus Licht, cf aus Honduras. — 

* 1 Argyrtria bartletti (J. Gould) aus dem östlichen Zentralperu. — 
*1 Argytria franciae (Bourc. & Muls.) von Bogota. — 

* 1 Saucerottea viridigaster (Bourc. & Muls.) von Bogota. — 
*2 Chlorostilbon gibsoni (Fräs.) 0*9 von Bogota. — 

* 1 Augasma bicolor (Gm.) cf von der Insel Dominica. — 

* 1 Thalurania nigrofasciata (J. Gould) cf von Bogota. — 

* 1 Heliodoxa leadbeateri parvula Berl. cf von Bogota. — 

* 1 Helianthea bonapartei Boiss. cf von Bogota. — 

* 1 Helianthea torquata Boiss. cf von Bogota. — 

* 1 Helianthea coeligena columbiana (Ell.) von Bogota. — 

* 1 Aglaeactis cupripennis parvula J. Gould von Cutervo (N. Peru). — 

* 1 Boissoneaua flavescens (Lodd.) von Bogota. — 

* l Ocreatus underwoodi (Less.) cf von Bogota. — 
*1 Metallura tyrianthina (Lodd.) 9 von Bogota. — 

* 1 Cyanolesbia cyanura (typica) (Steph.) cf med. von Bogota. — 

* 1 Psalidoprymna victoriae aequatorialis (Bouc.j 9 von Quito. 

* 1 Psalidoprymna gouldi (Lodd.) cf ad. von Bogota. — 



* 



Die Salanganen, von den Nestersuchern immer wieder an ihren Brutplätzen, den Höhlen, gestört, beginnen, 
ihre Nester an die Mauern der Häuser zu bauen. Obige Nester stammen von der Mauer im Hofe des 
Gebers in Soerabaja. 



*1 Chaetocercus heliodor (Bourc.) d von Merida (Venezuela). — 

* 1 „ „ „ 9 von Bogota. — 

*1 „ „ „ Nest mit Gelege von Merida (Venezuela). — 

*1 Bellona cristata (L.) d von der Insel Grenada (Britisch Westindien). — 

* 2 Bellona cristata exilis (Gm.) ö*$ von St. Thomas. — 

* 1 Lophornis reginae J. Gould d von Bogota — ■ 

*2 Pharomacrus antisiensis (d'Orb.) ö*9 von Merida (Venezuela). — 
1 Rhytidoceros undulatus Shaw, d aus Java. 

* 1 Gallirex porphyreolophus (Vig.) d aus Südafrika. — 

*1 Uraleule (Syrnium uralense (Pall.)) 9 von Beszterce (Ungarn 1. 
*2 Geierperlhühner (Numida vulturina Hardw.) </$ aus Ostafrika. — 

*2 Stupphühner (Gallus domesticus Briss.) ö*9 aus dem Kreise Bentheim und 2 von diesen 
erbrütete Junge. — 

1 Satyrhuhn (Tragopan satyrus Cuv.) d au« Indien. — 

* 1 Mönchskranich (Grus leucogeranus Pall.) 9 aus Zentral-Asien. — 
*1 Eiderente (Somateria mollissima L.) d juv. von Juist. — 

1 Zwergsäger (Mergus albellus L.) d von der Leine bei Schloss Eicklingen. — 
1 Phaeton rubricaudus Bodd. aus der Südsee. — 
1 Eismöwe (Larus glaucus Brunn ) ad. von Juist. — 
l Häringsmöwe (Larus fuscus L.) von Juist — 

* 1 kleine Raubmöwe (Stercorarius longicaudus Vieill.) in ausgefärbtem Kleide von Juist. 
(Vergl. Tafel VIII, Fig. 3.1 — 

*1 Gryllteiste (Cepphus grylle L.) 9 von Juist. — 

1 Papageitaucher (Fratercula arctica L.) von Juist. — 

*1 Strauss (Struthio camelus L.) d aus Afrika. — 

1 „ „ „ 9 juv. aus Afrika, — 

1 Casuar (Hippalectryo spec.) 9. 

Eine Eiersammlung, bestehend aus 89 Gelegen und 59 einzelnen Eiern einheimischer Vögel. — 

C. Eingetauscht: 

* 1 grosser Gerfalke (Falco gyrfalco islandus Brunn.) 9 juv. von Hollinde bei Hollenstedt 
(Kreis Harburg). (Vergl. Tafel VIII, Fig. 1 und 2.) — 



Reptilien. 

A. Geschenke. 

1 Chamäleon (Chamaeleon melleri (Gray)) aus Deutsch - Ostafrika ; Geber: Herr G. Cohrs in 
Daressalaam. — 

2 Weichschildkröten (Trionyx spec.) aus Mexiko; Geber: Herr Direktorial-Assistent Dr. Fritze 
in Hannover. — 

1 Schädel eines Krokodils (Crocodilus spec.) von Java; Geber: Herr Kaufmann Hoffmann 
in Soerabaja, — 

1 Rotrückige Zauneidechse (Lacerta agilis L. var. erythronotus Fitzing.) aus dem Alt-Warm- 
büchener Moore bei Hannover: Geber: Herr Schriftsteller Löns in Hannover. — 

1 junger Alligator (Alligator spec.) aus Amerika, 

1 junges Krokodil (Crocodilus spec.) vom Kongo : Geber: Herr Tierhändler Ruhe in Alfeld a. d. L. — 

B. Ankäufe. 



1 Chrysemys rubriventris (Leconte) aus Nordamerika. 
1 Varanus spec. aus Indien. — 



Amphibien. 

A. Geschenke. 

1 Feuersalamander (Salamandra maculosa Laur.) von Oyle bei Nienburg; Geber: Herr Schrift- 
steller Löns in Hannover. — 

B. Ankäufe, 
vacat. 



Fische. 

A. Geschenke. 

2 Amerikanische Sonnenfische (Centrarehidarum gen. spec.) aus der Meisse bei Hudemühlen ; 
Geber: Herr Lehrer Badenhop in Hudemühlen. — 

2 Seeskorpione (Cottus scorpius L.), 

3 Steinpicker (Aspidophorus cataphractus L.), 

4 Bandfische (Lumpenus lampretiformis Walb.), 

1 Meerstichling (Spinachia spinachia L.), 

2 Dorsche (Gadus morrhua L.), 

2 Tobiasfische (Ammodytes tobianus L.), sämtlich von Niendorf a. d. Ostsee; Geber: Herr 
Schröder in Hannover. — 

1 Bachneunauge (Petromyzon planeri Bl.) aus einem Bach in der Nähe von Goslar ; Geber : 
Herr Gerdes in Goslar. — 

B. Ankäufe. 

vacat. 

Weichtiere. 

A. Geschenke. 

12 Helix-Gehäuse vom Süntel ; Geber: Herr Lehrer Bock in Ahrenfeld. 

Eine Anzahl an der Küste des Indischen Ozeans bei Daressalaam gesammelte Conchylien, 
darunter eine eine Perle enthaltende Tridacna ; Geber: Herr G. Cohrs in Daressalaam. — 

Eine Sammlung Conchylien von verschiedenen Fundorten ; Geber : Herr Privatier v. Germers- 
hausen in Hannover. — 

Eine grosse Anzahl Heliciden-Gehäuse aus dem Komitat Kronstadt (Siebenbürgen); Geber: 
Herr Oberförster a. D. Stolze in Goslar. — 

3. Ankäufe, 
vacat. 

Insekten. 

A. Geschenke. 

Eine grosse Anzahl Insekten aus Deutsch-Ostafrika; Geber: Herr G. Cohrs in Daressalaam. — 
Eine Anzahl Insekten von der Insel Usedom ; Geber : Herr Direktorial-Assistent Dr. Fritze 
in Hannover. — 

6 Larvenhäute von Cicada septemdecim Fabr. aus Nordamerika; Geber: Frl. Hesse in Hannover. 

1 Acridium aegyptium L. von der Seelhorst bei Hannover; Geber: Herr Schriftsteller Löns 
in Hannover. 

40 Insekten aus Deutsch- Südweslafrika; Geber: Herr Kaufmann Rautenberg in Keet- 
manshoop. — 

Eine grosse Anzahl Schmetterlinge und Käfer aus Bosnien und den Karpathen ; Geber : 
Herr Oberförster a. D. Stolze in Goslar. — 

B. Ankäufe. 

* 25 künstlich erzeugte Hitzeaberrationen von Vanessa urticae L. — 

* 1 Bau von Eutermes spec. von Joinville in Brasilien. (Vergl. Tafel IX). — 

Tausendfüsser. 

A. Geschenke. 

2 Scolopendra spec. aus Texas ; Geber : Herr Schmiedegesell Vespermann in Hannover. — 

B. Ankäufe, 
vacat. 

Krebstiere. 

A. Geschenke. 

7 Glyptonotus entomon L. aus dem Danziger Tief (Ostsee); Geber: Herr Hülfsarbeiter beim 
Deutschen Seefischerei-Verein Dr. Fischer in Hannover. — 



10 

B. Ankäufe. 

1 Inselkrebs (Macrocheira Kämpfen v. Siebold) von der Küste Japans. — 



2. Botanische Sammlung. 

A. Geschenke. 

2 Kalkalgen (Lithothamnium spec.) aus dem Mittelmeer; Geber: Herr Rentier Andree in 
Hannover. — 

*2 Stammquerschnitte ostafrikanischer Hölzer; Geber: Herr G. Cohrs in Daressalaam. — 
Eine Sammlung aufgeklebter Algen; Geber: Herr Eisenbahnsekretär Keese in Hannover. — 
14 Stammquerschnitte einheimischer Nutzhölzer ; Geber : Herr Kaufmann Rehbock in Hannover. — 
1 entarteter Wipfel von Pinus silvestris L. von Crätze (Kreis Burgdorf): Geber: Herr Über- 
telegraphen-Assistent Voges in Hannover. — 

* 1 Stammquerschnitt vom Kameldornbaum (Acacia Girafae) von Windhuk ; Geber : Herr 
Feld-Intendantursekretär Werner in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

vacat. 



3. Paläontologische Sammlung. 

A. Geschenke. 

1 Stück eines versteinerten Baumstammes von Salzhemmendorf ; Geber: Herr Lehrer Bock 
in Ahrenfeld. — 

2 versteinerte Muscheln aus der Umgebung der Stadt Hannover; Geber: Schüler Geilmann 
in Hannover. — 

Eine Petrefakten-Sammlung ; Geber : Herr Privatier v. Germershausen in Hannover. — 

* iz. T.) Ei ne se hr reichhaltige , namentlich schöne Serien fossiler Pflanzen enthaltende 
Petrefakten-Sammlung; Geber: Herr Dr. Salfeld in Hannover. — 

1 versteinerte Koralle vom Lindener Berg bei Hannover; Geber: Herr Dr. Schmitz in Linden. — 
Eine Rhizocorallien-Platte von Vierenberg bei Ribbentrupp bei Schötmar ; Geber: Herr Kauf- 
mann Schwartz in Hannover. — 

B. Ankäufe. 

1 Skelett vom Riesenhirsch (Megaceros giganteus Blumenb.) aus Irland. — 

* 1 Jchthyosaurus quadriscissus Quenst. von Holzmaden. — l 

*u. T.) 70 einzelne Versteinerungen von verschiedenen Fundorten. — 

C. Eingetauscht. 

* 1 Serie fossiler Pflanzen aus Württemberg und von anderen Fundorten. — 



4. Mineralogische Sammlung. 

A. Geschenke. 

*(z. T.) 52 Mineralien, grossenteils aus dem Harz; Geber: Herr Rentier Andree in Hannover. — 

I Zinnstein von La Paz (Bolivia), Mine Araca; Geber: Herr Konsul Beer in La Paz. — 

II Mineralien von Mrogoro (Deutsch-Ostafrika); Geber: Herr G. Cohrs in Daressalaam. — 
1 grosser Granatkrystall in Glimmerschiefer von Prätoria (Südafrika); Geber: Frau Eaton 

in Lourenc;o Marques. — 

3 Boracit-Krystalle aus Kieserit aus einem Bohrloch nördlich von Wietze; Geber: Herr 

Professor Hoyer in Hannover. — 

Asche vom Vesuv-Ausbruch 1906; Geber: Schülerin Ihssen in Hannover. — 

Mehrere Stücke Kalkspat mit Bleiglanz von der Steinlade bei Esbeck ; Geber: Herr Lehrer 

Mull in Eime bei Banteln. — 

1 Eine in vollständig gleichem Lage- und Grössenverhältnis gezeichnete Restauration wurde ausgeführt vom 
Museumsrestaurator Schiele. 



11 

3 Marmor (weiss und grau) von Kubas bei Karibib ; 
Mehrere kleine Granatkrystalle (Almandin), 

Mehrere kleine Granatkrystalle (Melanit), sämtlich von Karibib; 
1 Muskovit-Granit, 

4 Quarz, 

1 Aragonit, 

2 Biotitschiefer, 

3 Kalkspat, 

1 Titaneisen mit Quaizit, 

1 Granatgeröll (Melanit), 

20 Quarzgeröll, sämtlich von Windhuk; 

2 Ziegelerz mit Kupfergrün von den Quasbergen bei Windhuk; 
8 Gyps (Marienglas) aus dem Erosgebirge bei Windhuk; 

2 Aragonitsinter aus einer heissen Quelle bei Windhuk; 

2 Fahlerz mit Rutil von Okahandja ; 
7 Rotkupfer mit Kieselkupfer, 

3 Lasurit, sämtlich aus der Ozongati-Mine bei Okahandja ; 
2 Eisenglanz aus Hereroland ; 

4 Eisenkies aus Damaraland; 
Viele kleine Stücke Titaneisen, 
Viele kleine Stücke Olivin, 

2 kleine Stücke lironcit, sämtlich von Gibeon ; 

Viele kleine Stücke Olivin, 

Viele kleine Stücke Obsidian ; sämtlich von Bersaba; 

1 Lasurit (kryst.), 

2 Malachit, 

3 Galmei mit Kupfergrün, sämtlich aus Matsches Mine im Komas-Hochland; 

1 Hornstein (Geröll) aus Walfischbai; Geber: Herr Feldintendantursekretär Werner in Hannover. 

3. Ankäufe. 

* 1 Desmin mit Analcim von St. Andreasberg a. Harz. — 

* 1 Gold von Witwaters Rand (Transvaal). — 

* 1 Topaskrystall, 

* 14 Saphire, 

*7 Spinelle, sämtlich von Kimberley (Süd-Afrika). — 

* 1 Tellurgoldsilber, 

* 1 Tellursilber, beides aus Westaustralien. — 

* 1 Wismuthocker von Sonkele, Zululand (Süd-Afrika). — 

* 1 Uwarowit von Beresowsk (Ural). — 

* 1 Annabergit, 

*1 Adamin, beide von Laurium i Griechenland). — 

* 1 Glauberit von Madrid. — 

*1 Violan von St. Marcel iPiemont). — 

* 1 Avanturin, grün, 

* 1 „ „ geschliffen, beide von Bellary (Ostindien). — 

* 1 Steinsalz, verzerrt krystallisiert, von Borax Lake (Californien). — 

* 6 Mirabilit von Aussee (Steiermark). — 

* 1 Koenetiit von Volpriehausen (Hannover). — 

* 1 Carnallit von Beienrode (Hannover). — 

* 1 Epsomit von Aussee (Steiermark). — 

* 1 Schoenit von Stassfurt (Sachsen). — 



5. Bibliothek. 

A. Geschenke. 

Bericht über das Zoologische Museum zu Berlin 1905, 

Mitteilungen aus der Zoologischen Sammlung des Museums für Naturkunde zu Berlin, 
Band I, Heft 1. bis Band III, Heft 2; Geber: Direktion des Kgl. Zoologischen Museums zu Berlin. — 

Philippi, Beiträge zur Kenntnis der Tertiärversteinerungen des nordwestlichen Deutschlands; 
Geber: Herr Apotheker Engelke in Hannover. — 

18 Bücher und Broschüren, meist die Zoologie Norddeutschlands betreffend; Geber: Herr 
Schriftsteller Löns in Hannover. — 

Abhandlungen und Berichte des Museums für Natur- und Heimatkunde zu Magdeburg, 
Band I, Heft 2 und 3; Geber: Museum für Natur- und Heimatkunde zu Magdeburg. — 



12 

Archivos do Museu Nacional do Rio de Janeiro, Vol. XII. (1903); Geber: Museu Nacional 
zu Rio de Janeiro — 

34. Jahresbericht der Zoologischen Sektion des Westfälischen Provinzial- Vereins für Wissen- 
schaft und Kunst (1905,06); Geber: Herr Dr. Reeker in Münster i. W. — 

Salfeld, Beitrag zur Kenntnis des Peltoceras toucasi d"Orb. und Peltoceras transversarium Qu. ; 
Geber : Herr Dr. Salfeld in Hannover. — 

Schieiden, Das Meer; Geber: Herr Oberleutnant a. D. Schlotfeldt in Hannover. — 

Annual Report of the Smithsonian Institution 1905 — 1906; Geber: Sraithsonian Institution 
zu Washington. — 

Zollikofer, Ueber einen interessanten Brutort des Gänsesägers in der Schweiz; Geber: Herr 
Präparator Zollikofer in St. Gallen. — 

B. Ankäufe. 

Wüstnei und Clodius, die Vögel der Grossherzogtümer Mecklenburg. — 
Reichenow, Ürnithologische Monatsberichte, XIV. Jahrg. (1906). — 
Wytsman, Genera Insektorum, Lieferung 36 — 49. — 
Seitz, Die Grossschmetterlinge der Erde, Lieferung 1 — 8. — 
Das Tierreich, Lieferung 21. — 
Zoologischer Anzeiger, Band XXX (1906). — 
Bibliographia zoologica, Band XII (1906). — 

Ascherson und Gräbner, Synopsis der mitteleuropäischen Flora, Lieferung 42 — 46. — 
Engler, Das Pflanzenreich, Heft 25—27. — 

Engler und Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien, Lieferung 224 — 228 und Ergänzungs- 
heft II, Lieferung 1 — 2. — 

Rabenhorst, Cryptogamen-Flora, Lieferung 99 — 103. — 

Bergeat, Die Erzlagerstätten. — 

Hintze, Handbuch der Mineralogie, Band I, Lieferung 10. — 

Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg. Jahrgang XXX (1876). — 

Neumayr, Anleitung zu naturwissenschaftlichen Beobachtungen auf Reisen, Lieferung 11 — 15. 

C. Im Schriftenaustausch erhalten. 

Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen, Band XVIII, Heft 2. — 

Missouri Botanical Garden, 16. — 17. Annual Report. — 

Jahrbücher des Nassauischen Vereins für Naturkunde, Jahrgang 57 (1904) bis 59 (1906). — 



Dr. Fritze, 

Direktorial -Assistent. 



Nachrichten über vor- und frühgeschichtliche Altertumsfunde 

aus der Provinz Hannover, 

welche während der Jahre 1901 — 1906 aufgedeckt und zur Kenntnis des Provinzial - Museums 

daselbst gelangt sind 
von H. Runde. 

Mit Nachstehendem soll der Anfang einer fortlaufenden Berichterstattung über Altertums- 
funde aus der Provinz Hannover gemacht werden. Die Absicht des Verfassers geht dahin, von 
den zahlreichen alljährlich in allen Teilen der Provinz gehobenen Funden, von denen Nachrichten 
nur zum Teil in die Oeffentlichkeit gelangen, die Fundnotizen zu sammeln, dieselben in einem 
fortlaufenden Verzeichnis zu registrieren und Auskunft über den Verbleib der Funde zu geben, 
damit der Wissenschaft späterer Zeit Gelegenheit gegeben werden kann, auf einzelne in früheren 
Jahren gemachte Funde zurückzukommen, was ohne eine sofortige Feststellung der Fundumstände 
später meist mit den grössten Schwierigkeiten verbunden ist. Sehr viele von an sich unbedeutend 
erscheinenden Funden können bei späteren an derselben Stelle gemachten weiteren Entdeckungen 
von Wichtigkeit sein. Es muss daher als überaus wünschenswert bezeichnet werden, dass von 
allen Funden, auch wenn sie nur unbedeutend erscheinen, Meldungen an eine dafür berufene 
Centralstelle erstattet werden. 

Seitdem in den letzten Jahren ein regerer Verkehr des Provinzial -Museums mit den 
kleineren Museen der Provinz angebahnt worden und ein besserer Nachrichtendienst, sowohl 
durch die amtlichen Fundmeldungen als auch durch die von den kleineren Museen dem Landes- 
direktorium einzureichenden Berichte über den Zuwachs ihrer Sammlungen organisiert ist, lässt 
es sich möglich machen, mit Hülfe dieser amtlichen Nachrichten eine einigermassen erschöpfende 
Uebersicht über die alljährlich in unserer Provinz gemachten Funde zu geben. 

In dem folgenden Fundverzeichnis ist hauptsächlich das in den Akten des Provinzial- 
Museums befindliche Quellenmaterial, welches durch Privatmitteilungen und wo nötig, durch 
eigene Anschauung mehrfach ergänzt wurde, zu einem chronologischen Fundregister ver- 
arbeitet worden. Dasselbe besteht zunächst in einer Einteilung der Funde nach den einzelnen 
Kulturepochen, innerhalb deren die Funde in chronologischer Reihenfolge der Auffindung auf- 
geführt sind, ferner in einer möglichst genauen Angabe des Fundortes, einer kurzen Beschreibung 
des Fundes und der Fundumstände und endlich in einem Nachweis über den Verbleib des Fundes. 
Dieser konnte meist nur dann noch festgestellt werden, wenn die gefundenen Gegenstände in 
den öffentlichen Besitz eines Museums usw. übergegangen waren, da die in Privatbesitz ver- 
bleibenden Funde so sehr dem Wechsel des Besitzers ausgesetzt sind, dass ein Verbleiben in 
Privatbesitz meist gleichbedeutend mit einem Verschlepptwerden oder Verlorengehen ist. 

Auch hat es der Verfasser absichtlich vermieden, mehrere grössere in der Provinz 
Hannover bestehende vorgeschichtliche Privatsammlungen, deren Besitzer zwar von den Lokal- 
blättern nicht genug als Vorkämpfer der Wissenschaft gefeiert werden können, namhaft zu 
machen, da gerade diese es sind, welche durch sportsmässiges Sammeln und Aussetzen von 
Prämien die allerorts grassierenden planlosen Raubgrabungen fördern und durch Zerreissen 
zusammengehöriger Funde, sowie durch Aussondern des ihnen minderwertig Erscheinenden 
kostbares wissenschaftliches Material wertlos machen. Nur wenn die Funde in solche Privat- 
sammlungen übergingen, bei denen die Garantie des Verbleibens durch eine gewisse öffentliche 
Bedeutung der Sammlung gegeben ist, sind dieselben namhaft gemacht, in anderen Fällen jedoch 
musste der Verbleib des Fundes unbestimmt gelassen werden. Ein besonderes Gewicht ist auf 
die Bekanntgabe der in die Akten des Provinzial-Museums aufgenommenen Fundnotizen gelegt 
worden. Wie in jedem Jahre eine Keihe der früher in der Provinz Hannover in ungezähltem 
Masse vorhandenen Hügelgräber, sowie der im Boden verborgenen Urnenfriedhöfe der fort- 



14 

schreitenden Bodenkultur zum Opfer fallen, so werden auch fortgesetzt die in demselben vor- 
handenen Grabstätten vom Pfluge zerstört und so der wissenschaftlichen Forschung entzogen. 
Meistens werden die dabei zu Tage tretenden Fundgegenstände aus Unkenntnis von den Findern 
verworfen, im günstigsten Falle etwaige wertvoll erscheinende Beigaben aufbewahrt, ohne dass 
sich die Finder sonderlich um die Umstände der Auffindung zu kümmern pflegten. Obgleich 
nun derartige Bodenfunde von Privatpersonen und öffentlichen Sammlungen eifrig gesammelt 
werden, wird doch in sehr vielen Fällen, wo das wissenschaftliche Interesse mangelt, nicht weiter 
nach den Fundumständen geforscht, und so ist es erklärlich, dass schliesslich wohl die Funde 
selbst in die sichere Obhut der Museen gelangen, die dazugehörigen Begleitumstände aber 
gänzlich unbekannt bleiben. Diese für die Forschung so wichtigen Begleitumstände sind nun 
nach Möglichkeit in dem nachfolgenden Fundverzeichnis, auch wenn der Verbleib des Fundes 
unbekannt blieb, gesammelt worden, sodass bei späterem Bekanntwerden weiterer Funde dieses 
Verzeichnis als Nachschlageregister benutzt werden kann. Um eine möglichste Vollständigkeit 
dieses Fundregisters zu erzielen, ist Bedacht darauf genommen, etwaige später noch zur Kenntnis 
kommende Funde in einer Fortsetzung dieser Fundberichte, nach Massgabe des Eingangs, nach- 
träglich aufzuführen, sodass nach und nach sämtliche Funde von Bedeutung, vom Jahre 1901 an-, 
darin registriert werden. Das Verzeichnis führt also zunächst nur die in den Jahren 1901 — 1906 
zur Kenntnis des Provinzial-Museums gelangten Funde auf, während die vermutlich noch zahl- 
reichen weiteren Funde, die zum Teil auch von Privatsammlern und Händlern geflissentlich der 
< »Öffentlichkeit entzogen werden, einer späteren Bekanntgabe an dieser Stelle vorbehalten bleiben. 
Funde, bei denen bereits Veröffentlichungen stattgefunden haben, sind mit dem nötigen 
Literaturnachweis versehen, bei den übrigen sind als Quelle die Akten des Pro- 
vinzial-Museums anzusehen. 

Das nun folgende Fundverzeichnis will demnach ausschliesslich als einfache Zusammen- 
stellung von Nachweisen dienen, um einer späteren wissenschaftlichen Verarbeitung der Funde 
die Grundlage zu bieten. 



15 



Inhalts -Uebersicht. 



1. Aeltere Steinzeit (Nr. 1). 

2. Jüngere Steinzeit (Nr. 2—8). 

3. Bronze- und ältere Eisenzeit (Nr. 9—17). 

4. La Tene- und frührömische Zeit (Nr. 18 — 23). 

5. Römische Zeit (Nr. 24—33). 

6. Spätrömische und sächsische Zeit (Nr. 34 — 40). 

7. Reihengräber (Nr. 41). 

8. Frühmittelalterliche Funde (Nr. 42—43). 

9. Moorleichen (Nr. 44). 

10. Pfahlroste und Bohlwege (Nr. 45—49). 

11. Einbäume (Nr. 50—55). 

12. Frühmittelalterliche Befestigungen (Nr. 56—62). 

13. Münzfunde aus dem Mittelalter und der Neuzeit (Nr. 63 — 66). 



Verzeichnis der Fundorte. 



Aseburg . . 








Nr. 59 


Hiddestorf .... 


Nr. 22 


Radbodberg . 






Nr. 15 


Aselage . . 








. 59 


Hüter 


2 


Raven .... 






» 5 


Asshausen . 








, 16 


Hitzacker . . 


, 13 


Rebenstorf 








, 31 


Bahrendorf 








, 29 


Holzerode .... 


„ 58 


Rehburg . 








, 12- 57 


Brinkum. . 








„ 36. 40 


Hünenstollen . . 


. 58 


Ricklingen 








» 18 


Burg . . . 








„ 62 


Kalkriese .... 


, 28 


Rodewald 








. 65 


Celle . . . 








„ 48. 55 


Klein Gusborn . . 


, 32 


Sarstedt . 








« 64 


Darzau . . 








, 30 


Königshof .... 


r 56 


Scharzfeld 








, 1 


Diemarden . 








, 3 


Kransburg .... 


„ 61 


Seh mal forden 






, io 


Düsselburg. 








„ 57 


Kreepen . 


» 44 


Schwaförden . 






. 14 


Dunum . . 








. 15 


Kuhlenkamp . . 


, 42 


Sievern . . . 






„ 33. 60 


Ehestorf 








■ 27 


Latferde .... 


» 51 


Soltau. . 








. 47 


Einhornhöhle 








■ 1 


Liebenau .... 


, 25 


Steinbeck 








, 6 


Emern . . 








„ 38 


Lüneburg . . . 


, 39 


Steinbrink 








, 4 


Farge . . . 








. 53 


Meckelfeld . . . 


„ 20 


üchte . . 








„ 46 


Franzburg . 








, 24 


Midlum 


, 61 


Uelzen . 








. 17 


Freden . . 








» 26 


Nienbüttel .... 


■ 19 


Verden 








, 50 


Grasdorf 








, 23 


Ochtersum .... 


„ 37 


Vietze 








„ 54 


Grone . . 






„ 8. 41 


OJdau ... 


„ 52 


Westersode . 






, 9 


Gross Schwülper 




, 49 


Osnabrück .... 


, 63 


Westerwanna 






„ 11. 35 


Grundoldendorf 




. <• 43 


Peine ... 


„ 45. 66 


Wittorf . . . 






, 21 


Heidenschanze . 




» 60 


Pipinsburg. . . . 


„ 60 




Heidenstadt 








. 60 


Quelkhorn .... 


, 34 













16 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



1. Scharzfeld 

(Kreis Osterode). 



2. Hüter 

(Kreis Iburg). 



3. Diemarden 

(Landkr. Göttingen) 



4. Steinbrink 
(Kreis Stolzenau) 



1. Aeltere Steinzeit. 

Ausgrabungen in der Einhornhöhle. In der am Südrande des 
Harzes, unweit der Eisenbahnstation Scharzfeld belegenen, s. Z. von 
verschiedenen Gelehrten, wie Hostmann, Virchow, Struckmann, zuletzt 
1891 — 93 vom Oberförster v. Alten eingehend untersuchten Einhorn- 
höhle wurden am 6. und 7. August 1903 von dem Rechtsanwalt 
Favreau erneute Ausgrabungen veranstaltet, bei welchen eine grosse 
Anzahl Knochen des Höhlenbären, Aschenreste von Holzbrand, sowie 
einige Tonscherben gefunden wurden. Diese Fundstelle liegt in der 
Nähe des Eingangs zur Höhle an der Südwestseite der sog. Kapelle 
und enthält eine von Menschenhand hergerichtete Feuerstelle, (welche 
jedoch nicht diluvialen Alters zu sein scheint). Wegen der zahl- 
reichen, im Lehmboden der Höhle aufgehäuften Knochen des diluvialen 
Höhlenbären, dessen Röhrenknochen meist zum Aussaugen des Markes 
gespalten sind, kann angenommen werden, dass die Höhle bereits 
im Diluvium vom vorgeschichtlichen Menschen aufgesucht wurde. 1 
Die Untersuchungen wurden in den folgenden Jahren in amtlichem 
Auftrage fortgesetzt und weitere Funde gemacht, welche die Be- 
siedelung der Höhle während der älteren Steinzeit wahrscheinlich 
machen. - 



2. Jüngere Steinzeit. 

Steinzeitliche Funde. Bei Anlage einer Grube auf dem Grundstücke 
des Hofbesitzers Becker in Hilter wurden in den letzten Tagen des 
Oktobers 1903 in einer Tiefe von etwa 1 m im Erdboden zahlreiche 
steinzeitliche Funde gemacht. Man stiess dort auf einen Haufen 
Tier- und Menschenknochen, untermischt mit Steingeröll und stein- 
zeitlichen Topfscherben von hellgrauem und rötlichem Ton. Bei 
weiteren Nachgrabungen wurden zwei geschliffene Steinkeile, zwei 
roh gearbeitete Pfeilspitzen von Feuerstein, sowie drei künstlich zu- 
gespitzte Knochen (Pfriemen) von etwa 10 cm Länge gefunden. Die 
Kunde, welche von Professor Knoke- Osnabrück näher untersucht 
wurden, werden von diesem in die älteste Periode der jüngeren Stein- 
zeit gesetzt. 3 

Ansiedelung aus der jüngeren Steinzeit. An einer schon früher 
als steinzeitliche Siedelungsstätte bekannten Fundstelle bei Die- 
marden wurden im Juni 1904 von dem Gutsbesitzer Schachtebeck 
Nachgrabungen veranstaltet und dabei eine grössere Zahl Feuerstein- 
späne, Bruchstücke einer Feuersteinsäge, Teile einer Handmühle und 
eines Reibsteins, sowie eine Reihe Gefässscherben zu Tage gefördert, 
welche diese Siedelungsstätte dem Ausgange der neolithischen Zeit 
und zwar der Periode der Bandkeramik zuweisen. Metallsachen sind 
nicht gefunden. Die Herstellung der Steinwerkzeuge hat am Orte 
selbst stattgefunden 4 

Feuersteinwerkstätte. Am westlichen Rande des dem Wiehengebirge 
nördlich vorgelagerten ausgedehnten Uchter Moores, etwa 2 1 ;., km 
nordöstlich der Ortschaft Steinbrink, wurde am l(i. September 1904 
eine bereits früher aufgefundene vorgeschichtliche Feuersteinwerkstätte 
seitens des Provinzial -Museums zu Hannover und des Museums für 
Völkerkunde zu Berlin näher untersucht und dabei eine grosse Anzahl 
Feuersteinartefakte, sowie eine grosse Pfeilspitze von Feuerstein 
gefunden. Zahlreiche Feuersteinsplitter lagen in flachen Sandhügeln 
an der Fundstelle zerstreut. 



Zum Teil im Pro- 
vinzial-Museum in 
Hannover, zum Teil 

in Privatbesitz. 



Museum in Osna- 
brück. 



Privatbesitz. 



Museum für 

Völkerkunde in 

Berlin. 



1 Zeitschr. f. Ethnologie 1903. S. 957. 

2 Weitere Berichte sollen in d°r Zeitschr. f. Ethnologie 1907 
erscheinen. 



3 Mitteii; d. Histor. Ver. in Osnabrück 1903. S. 238. 

4 Korrespondenzbl. für Anthropol. 1904 (35). S. 46 u. 61. 



17 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



5. Raven 

(Kreis Winsen a.d.L.). 



6. Steinbeck 

(Landkr. Harburg). 



7. Grundoldendorf 
(Kreis Stade). 



8. Grone 
i Landkr. Göttingen). 



Untersuchung eines Steinkammergrabes. Das etwa l 1 / 2 km nord- 
östlich vom Dorfe Raven im Eyendorfer Forste liegende umfangreiche 
Steingrab wurde am 14. und 15. Oktober 1904 von Prof. Meyer und 
Architekt Krüger in Lüneburg eingehend untersucht und dabei die 
Steinkammer sowie ein Teil des bisher gänzlich von der Erde be- 
deckten Steinkreises freigelegt. Ausser einigen neolithischen Urnen- 
scherben und geringen Kohlenresten sind Funde bei den Freilegungs- 
arbeiten nicht gemacht. 1 



Funde aus einem Steinkammergrabe. Auf dem Grundstücke des 
Hofbesitzers Heinrich Knupper in Steinbeck wurden im Sommer 1905 
in einem etwa 1 km nördlich der Harburger Chaussee belegenen 
Steinkammergrabe ein ausgezeichnet erhaltener 28 cm langer und 
4 cm breiter, auf beiden Seiten haarscharf abgeschliffener Dolch aus 
Feuerstein gefunden und in einer oberen Schicht desselben Grabes 
zwei bronzezeitliche mit eingravierten Strichverzierungen versehene 
ovale offene Armringe, von Bronze. 



Untersuchung von Steinkammergräbern. Die in der Feldmark 
Grundoldendorf etwa 500 m nördlich der vom Dorfe nach Harsefeld 
führenden Chaussee belegenen vier umfangreichen Steingräber wurden 
Ende Juli 1905 von Prof. Schuchhardt- Hannover einer eingehenden 
wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen. Nach Annahme Schuch- 
hardts ist die Steinsetzung, welche die Kammer umgibt, die Stütz- 
mauer eines langgestreckten Erdhügels gewesen und sind in diesem 
Hügel einfache Bestattungen gleichzeitig mit denen in der Kammer 
vorgenommen worden. Bei den Nachgrabungen wurde in der Kammer 
des einen Grabes ein geschweifter Becher von gelblichem, schlecht 
gebrannten Ton gefunden, welcher mit 7 Reihen vertikaler Strichel- 
chen verziert war. Daneben lag, ebenfalls von gelblichem Ton, ein 
halbkugelförmiger Löffel mit abgebrochenem Stiel. Beide Fund- 
gegenstände gehören der jüngeren Steinzeit an. 2 

Ansiedelung aus der jüngeren Steinzeit. Auf einer seit längerer 
Zeit bekannten steinzeitlichen Siedelungsstelle an der Springmühle 
bei Grone wurden im März 1906 eine Reihe Funde gemacht, durch 
die das Alter und die Kulturstufe dieser Ansiedelung genau charakte- 
risiert wird. Ueber die Funde, welche von Prof. Verworn in 
Göttingen untersucht wurden, liegt ein Bericht desselben vor. Ver- 
worn schreibt: 3 „Es handelt sich um eine Ansiedelung, die derselben 
Kultur angehört wie die von Diemarden. Es fand sich eine grössere 
Menge Scherben von Gelassen mit den typischen, teils flachen, teils 
erhaben aufgelegten , einfachen oder mit Stichpunkten gefüllten 
Bogen- und Winkelbändern, zum Teil mit Reihen von Stichpunkten 
um den Hals. Daneben erscheinen die typischen Begleiter dieser 
Keramik, die flachen Hacken mit schwach gewölbtem Rücken, sowie 
Feuersteinspäne und Feuersteinschaber. Auch Quarzit ist an Stelle 
des Feuersteins als Werkzeugmaterial benutzt worden, wie in Die- 
marden. Ausserdem fand der Berichterstatter ein Bruchstück eines 
Steinhammers mit begonnener Cylinderdurchbohrung, das später als 
Reibstein benutzt worden ist. Schliesslich ergänzen das Inventar 
einige Bruchstücke von Getreidemahlsteinen aus Quarzit und Stücke 
gebrannten Lehms vom Hüttenbewurf. Nach der Anzahl der Herd- 
stellen und der geringen Ausdehnung des Fundbezirks zu urteilen 
kann es sich nur um eine sehr kleine Ansiedelung von wenigen 
Hütten gehandelt haben." 



in situ. 



Museum in 
Harburg. 



Museum in Stade. 



Privatbesitz. 



1 Lüueb. Museumsbl. 1905. S. 71. 

- Zeitschr. d. Hist. Ver. f. Niedersaeksen 1905. S. 482. 



Korrespomleuzblatt für Anthropologie 37 (1906). S. 75. 



18 



Fundort 



Fu 11 d n ach richten 



Verbleib des Fundes 



9. Westersode 

( Kreis Neuhaus a. 0.)- 



10. Schmalförden 

iKreis Sulingen). 



11. Westerwanna 
(Kreis Hadeln). 



12. Rehburg 

(Kreis Stolzenau) 



13. Hitzacker 

(Kreis Dannenberg). 



3. Bronze- und ältere Eisenzeit. 

Untersuchung von Hügelgräbern. Von den auf der Heide südlich 
von Westersode, etwa auf halbem Wege zwischen diesem Orte und 
Heessel zu beiden Seiten der Landstrasse liegenden zahlreichen Grab- 
hügeln wurden im August 1901 zwei östlich von der Chaussee be- 
legene, den Hofbesitzern Ratjen und Haak in Westersode gehörende 
Hügel, seitens des Provinzial-Museums zu Hannover systematisch 
untersucht und dabei eine Reihe meist zertrümmerter Urnen und 
Beigaben der jüngeren Bronzezeit gefunden. Die Urnen fanden sich 
in kleineren Steinpackungen an verschiedenen Stellen im Innern der 
Hügel und waren sämtlich in Gruben, deren Füllung sich vom Hügel- 
aufwurf deutlich unterscheiden Hess, angelegt. An Beigaben wurden 
gefunden eine wohl erhaltene 15 cm lange Bronzenadel mit flachem 
spiralförmig auslaufendem Kopfende, ein kleines Bronzemesser von 
Rasiermesserform, sowie Bruchstücke eines anderen, mehrere Bruch- 
stücke von Bronzepfriemen und einige kleine Reste stark vermoderten 
Holzes, welche von einem Gerät mit Holzstiel herrühren mögen. 

Hügelgrabfund. Anfang März 1902 wurde bei den Bahnbauten der 
Neubaustrecke Bassum-Sulingen östlich vom Dorfe Schwaförden in 
einem Hügelgrabe eine 22 cm lange, an der Radscheibe ca. 6 cm 
breite Radnadel von Bronze gefunden und von der Eisenbahnbau- 
Abteilung Sulingen dem Museum für Völkerkunde in Berlin über- 
wiesen. 1 

Hügelgrabfund. Auf der Wannaer Heide, etwa 2 hm westlich von 
Westerwanna, wurden Ende November 1903 in einem abgetragenen 
Hügelgrabe mehrere bronzezeitliche Funde gemacht. Unter Anderem 
wurde ein ausserordentlich langes, gut erhaltenes Bronzeschwert, 
Reste einer dazugehörigen Scheide mit Ortband und Lederteilen, sowie 
eine gut erhaltene Abastzaxt von Bronze gefunden. Die Länge des 
Schwertes beträgt 72 cm, die der Axt 13,5 cm. 

Ausgrabung von Hügelgräbern. Bei Gelegenheit von Separations- 
arbeiten in der Feldmark Rehburg wurden im November 1903 von 
Beamten der Königl. Generalkommission zu Hannover 5 Hügelgräber 
aufgedeckt. Dieselben lagen am nördlichen Runde des sog. Wilden 
Moores, etwa 4 km nordöstlich der Stadt Rehburg. 2 km östlich der 
nach Nienburg führenden Landstrasse. Die im Heidesande belegenen 
Hügel wurden bei der Untersuchung zerstört und dabei 8 Tongefässe 
mit Knocheninhalt sowie die Bruchstücke einer Bronzenadel (ver- 
mutlich Bronzezeit) gefunden. 

Urnen- und Skelettfunde. Auf dem etwa 2 km westlich von 
Hitzacker belegenen dünenartigen Höhenzug am linken Eibufer, dem 
sog. Osterberge, wurden im März 1904 von dem Unternehmer Ramhorst 
beim Kiesabfahren mehrere gut erhaltene, anscheinend bronzezeitliehe, 
Tongefässe. frei im Kies stehend aufgefunden und etwa 10 m von 
dieser Fundstelle entfernt ebenfalls f i ei im Kies ein vollständiges 
menschliches Skelett, nebst einem einzelnen Schädel. Im Dezember 1905 
wurden dann abermals in der Nähe zwei weitere Skelette gefunden, 
welche, wie die ersteren, vom Finder verworfen wurden. Von den 
vermutlich einer späteren Zeitperiode angehörenden Skeletten gelangten 
die beiden zuerst gefundenen Schädel in die Schädelsammlung des 
Prof. v. Laschan in Berlin. Von den Tongefässen wurde eine grössere 
bronzezeitliche bauchige Urne mit 2 kleinen Henkeln an das Museum 
für Völkerkunde in Berlin verkauft. An der Fundstelle wurden 
später von Wilhelm Keetz- Celle Grabungen veranstaltet, die jedoch 
zu keinem Resultat führten. 



Provinzial- 

Museum 
in Hannover. 



Museum 

für Völkerkunde 

in Berlin. 



Museum 

für Völkerkunde 

in Hamburg. 



Sammlung des 

Magistrats in 

Rehburg. 



Museum f. Völker- 
kunde in Berlin 
und 
Sammlung des 
Prof. v. Luschan 
in Berlin. 



1 Zeitschr. für Ethnologie 1904. S. 607, 



19 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



14. Schwaförden 

(Kreis Sulingenl 



15. Dunum 

(Kreis Wittmund) 



16. Asshausen 

(Kreis Winsen a. d.L. 



Ausgrabung von Hügelgräbern. Von den zahlreichen in der Gegend 
von Sulingen noch vorhandenen Hügelgräbern wurde eine etwa auf 
halbem Wege zwischen Schwaförden und Sulingen belegene, un- 
mittelbar östlich von Eisenbahn und Chaussee, zwischen den Kilometer- 
steinen 4,0 und 4,5 sich von Norden nach Süden hinziehende Gruppe 
von 5 Hügeln am 9. und 10 Mai 1904 seitens des Museums für 
Völkerkunde in Berlin durchforscht und dabei ein Hügel (der süd- 
westlichste) von etwa l'/ 8 « Höhe und 17,7 m Durchmesser systematisch 
ausgegraben. Die Grabungen, welche unter Leitung von Ür. Götze 
stattfanden, hatten folgendes Resultat ; Im südlichen Teile des Hügels 
in einer Tiefe von 1,20 m fand sich ein abgebrochenes Stück eines 
bronzenen Nadelschaftes, in der Hügelmitte in 0,35 m Tiefe ein 
geschmolzenes Bronzestück und in 1,20 m Tiefe eine Kohlen- und 
Aschenschicht von 2 m Durchmesser, welche noch völlig intakt an- 
getroffen wurde. Im nördlichen Teile dieser Schicht lag eine Bronze- 
nadel mit geschwollenem Hals, noch tiefer, etwa 2 m tief, ein ovales 
Nest von Holzkohle. Am 17. September 1904 wurden die Unter- 
suchungen fortgesetzt und ein zweiter Hügel dieser Gruppe aus- 
gegraben. Derselbe war wie die meisten übrigen in früheren Jahren 
bereits angegraben und so konnte bei der Untersuchung der ursprüng- 
liche Umfang nicht mehr festgestellt werden. Im südlichen Teile 
in 1,35 m Tiefe fand sich eine durch Asche grau gefärbte Sand- 
schicht vor und im südöstlichen Teile des Hügels eine Steinsetzung. 
In der vermutlichen Hügelmitte in etwa 1,50 m Tiefe befand sich 
eine graue Sandschicht mit einer einzelnen Scherbe. Weitere Funde 
wurden nicht gemacht. 

Untersuchung des Radbodberges. Der zwischen Nord- und Süd- 
dunum belegene Sagenreiche Rabbels- oder Radbodberg, ein Erdhügel 
von etwa 5 m Höhe und 25 m Durchmesser wurde im Juli und 
August 1905 auf Veranlassung des Landesdirektoriums zu Hannover 
eingehend untersucht. Die Grabungen, welche vom Museumsdirektor 
Dr. Reimers aus Hannover begonnen und vom Archivrat Wächter in 
Aurich fortgesetzt wurden, ergaben, dass der Hügel schon in alter 
Zeit zu Bestattungszwecken in seiner Gesamtheit künstlich aufgeführt 
worden ist und dass keine Nachbestattungen stattgefunden haben. 
Die Fundergebnisse bestanden in 5 Urnen der jüngeren Bronzezeit, 
Knochen resten, einigen Feuersteinspänen, sowie in einer Bronzenadel. 
Einige Jahre früher waren bereits durch den Lehrer Eilers in Reepsholt 
Grabungen an dem Hügel vorgenommen worden, die eine Urne und 
das Bruchstück eines Bronzedolches zu Tage förderten. 1 

Bronzezeitliche und eisenzeitliche Funde. Auf dem unmittelbar 
südlich vom Dorfe Asshausen, südlich vom Asshäuser Mühlbach am 
Wege nach Holturf belegenen, jetzt teilweise abgetragenen sandigen 
Hügel, dem' sog. Osterberg, wurde im September und Oktober 1904 
bei Gelegenheit von Kiesgewinnung von Arbeitern des Bauunternehmers 
Wilkens in Stelle ein grösserer bronzezeitlicher Urnenfund gemacht. 
Es wurden in einer Tiefe von etwa '/., bis 1 m 15 Stück meist 
wohlerhaltene 16 — 24 cm hohe bauchige Utnen von hellfarbigem 
gelbgrauem Ton gefuaden. Bei denselben wurden ein gut erhaltenes 
Bronzemesser von Rasiermesserform, eine Pinzette von Bronze, sowie 
eine zerbrochene mutmasslich zu einer grossen Spiralfibel gehörenden 
Bronzenadel mit Oehr gefunden. Unabhängig von diesen Fluiden 
wurden in der Nähe der Fundstelle beim Kiesgraben noch zwei stark 
verwitterte Bruchstücke eines Wendelringes und eines dünnen offenen 
Halsringes von Bronze, ein bronzener und sechs silberne offene ovale 
Armringe gefunden, letztere sehr dünnwandig ; ferner die Reste eines 
eisernen Schildbuekels, einer eisernen Speerspitze, mehrere Bruch- 
stücke von eisernen Schwertern, sowie eine grosse Anzahl farbiger 



Museum 

für Völkerkunde 

in Berlin. 



Museum für Kunst 

und Altertümer in 

Emden. 



Privatbesitz. 



1 Jahrb. der Gesellsch. f. bild. Kunst in Emden 1905. S. 493. 



3* 



20 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



17. Uelzen 

(Kreis Uelzen). 



18. Ricklingen 

(Landkr. Linden). 



Ton- und Glasperlen. Inwieweit die letzteren aus jüngeren Zeit- 
perioden herrührenden Funde, welche von den Arbeitern beim Kies- 
graben nach und nach gefunden wurden, zusammengehören, konnte, 
da auch verschiedene dazugehörige Gegenstände namentlich Gefäss- 
scherben verworfen sind, nicht mehr festgestellt werden. 

Untersuchung von Hügeln im Uelzener Stadtforst. Am 11. Juli 
1906 wurden die in der Forstabteil. 21, etwa 4 km westlich von 
der Stadt Uelzen am Wege nach Barnsen belegenen vier kreisrunden 
Erdhügel seitens des Provinzial-Museums zu Hannover einer eingehen- 
den Untersuchung unterzogen und eine umfassende Ausgrabung der- 
selben ins Werk gesetzt. Von den Hügeln liegen drei unmittelbar 
an der Fahrstrasse, während einer etwa 30 m weiter östlich im 
Forste gelegen ist. Die Ausgrabungen, welche von Dr. Fastenau- 
Hannover geleitet wurden, hatten folgende Resultate: Bei dem ersten 
an der Strasse gelegenen Hügel fand sich im Innern auf der ge- 
wachsenen Sohle eine kreisrunde Steinsetzung von roh zusammen- 
gepackten Steinen vor, welche durch zwei Scheidewände in drei Ab- 
teilungen zerlegt war. Ferner war die Peripherie des Hügels von 
einem bedeckten niedrigen Steinkranz umgeben. An Fundgegen- 
ständen kamen in diesem Hügel nur einige Reste verkohlten Holzes 
in der mittleren Steinsetzung, sowie einige Feuersteinsplitter im 
Hügelmantel zu Tage. Die Untersuchung der übrigen wenige Schritte 
davon entfernt liegenden Hügel wurde am 20. und 21. August 1906 
fortgesetzt und dabei die gleiche äussere kreisförmige Steinumwallung 
wie bei dem ersten Hügel nachgewiesen. Ein Hügel zeigte im Innern 
ebenfalls ein aus Steinpackungen gebildetes Rechteck mit Querwänden 
und wurde in diesem neben den Resten verkohlten Holzes eine tadellos 
erhaltene Dolchklinge von Bronze mit zwei Nieten nebst Bruch- 
stücken einer solchen und zwischen den Steinen einer der Quer- 
wände eine grosse Schmucknadel mit geschwollenem Hals und Kugel- 
kopf von Bronze gefunden. Bei dem dritten ebenfalls mit einem 
äusseren Steinkranz versehenen Hügel bot das Innere ein unregel- 
mässiges Bild von lose zusammengewürfelten niedrigen Feldstein- 
wällen. In diesem Hügel wurde eine sehr schön erhaltene Absatzaxt 
von Bronze, ein ovaler, offener, mit Strichverzierungen versehener 
Armring von Bronze sowie ebenfalls Reste von Holzkohlen gefunden. 
Während aus den beiden ersten Hügeln die Steine behufs ander- 
weitiger Verwertung entfernt wurden, blieb die Anlage der Stein- 
setzung des dritten Hügels unberührt und wird für deren Erhaltung 
von der Forstverwaltung Sorge getragen. Bei dem vierten ungefähr 
30 m abseits belegenen Hügel, welcher bereits in früherer Zeit zum 
Teil abgegraben war, konnte die ursprüngliche Anlage der Stein- 
setzung nicht mehr festgestellt werden. Die bei den Grabungen 
gewonnenen Funde gehören der älteren Bronzezeit an. 1 



4. La Tenc- und frührö mische Zeit. 

Urnenfriedhof. Beim Ausschachten der Bauplätze für die Häuser 
des Ricklinger Bauvereins am südöstlichen Abhang des Tönnies- 
berges, unmittelbar westlich von der Göttinger Landstrasse inmitten 
des Dorfes Ricklingen, wurden am 6. Mai 1901 von dem Maurer- 
meister Sandvoss mehrere gut erhaltene Urnen der La Tene-Zeit (?) 
gefunden. Die Urnen standen ca. */, m tief lose im Sande und 
enthielten ausser Resten verbrannter Knochen keinerlei Beigaben. 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Privatbesitz. 



Vgl. unsere Tafel VI und VII und die Beschreibung von Fastenau S. 37. 



21 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



19. Nienbüttel 

(Kreis Uelzen) 



Urnenfriedhof. Das etwa 300 m südlich vom Gutshause Nienbüttel 
am Fuss des Haarstorfer Heidberges gelegene sanft ansteigende 
Gelände, welches ehemals mit Heide bewachsen, jetzt der Ackerkultur 
dienstbar gemacht ist, wurde in den Jahren 1903 — 1906 seitens 
des Provinzial-Museums zu Hannover einer eingehenden Untersuchung 
unterzogen und dabei festgestellt, dass neben einem in früheren 
Jahren bereits mehrfach angegrabenen und dadurch meist zerstörten 
Urnenfelde der La Tene-Zeit ein bisher noch nicht berührtes umfang- 
reiches Gräberfeld der lömischen Zeit gelegen ist, auf welchem 
ausserordentlich viele eiserne Waffen und Ausrüstungsstücke von 
Kriegern gefunden wurden, so dass man wohl mit Recht auf Grab- 
stätten von Kriegern schliessen kann. Die darauf hin unternommenen 
Ausgrabungen führten zu reichen Fundergebnissen. Zunächst wurde 
im Juli und August 1903 eine grössere Grabung veranstaltet, bei 
der eine grosse Anzahl Urnen und Eisensachen gefunden wurden. 
Die Urnen standen etwa 75 cm tief im Sande, teilweise frei, teilweise 
von Steinpaekungen umgeben. Eine grosse Anzahl von Beigaben 
meist in Schildbuekeln, Messern, Scheren, Lanzenspitzen und Fibeln 
von Eisen bestehend, lag in den mit verbrannten Knochen gefüllten 
Urnen, teilweise auch n^ben denselben. Auch wurde ein bronzener 
Trinkhornbeschlag, ein Sporn und viele Beschlagteile kriegerischer 
Ausstattungsstücke von Bronze und Eisen gefunden. Von den Urnen 
überwogen die mit Mäanderornament des „Darzauer Typus", jedoch 
wurde auch eine Anzahl schlichter Gefässe von schwarzem glänzenden 
Ton gefunden, welche meist nur in Bruchstücken erhalten werden 
konnten. Ausser Tongefässen wurden noch Reste eines in der 
Form nicht mehr erkennbaren dünnwandigen Bronzegefässes, sowie 
ein stark zertrümmertes Bronzesieb gefunden. 

Im Juli 1904 wurden die im Vorjahre unterbrochenen Aus- 
grabungen in systematischer Weise fortgesetzt und dabei, unmittelbar 
an die frühere Grabung anstossend, ein llrnenfeld der La Tene-Zeit 
freigelegt. Dasselbe lag am oberen Abhang des Hügels oberhalb des 
römischen Gräberfeldes und lieferte ebenfalls an Fundgegenständen 
reiche Ausbeute. Gefunden wurden ausser einer Reihe gut erhaltener 
Tongefässe zwei tadellos erhaltene Bronzegefässe von leicht ge- 
schwungener Eimerform ' und ein grosses schalenförmiges flaches 
Bronzegefäss von 41 cm Durchmesser und 10 cm Höhe. An Bei- 
gaben wurde ein einschneidiges eisernes Schwert, mehrere eiserne 
Schildbuckel, Eisen- und Bronzemesser, Schildrandbeschläge von 
Bronze, sowie eine mit feinem geperlten Silberdraht ausgelegte 
Bronzefibel gefunden. Die Ausgrabungen mussten leider der un- 
günstigen Witterung halber unterbrochen werden. 

Vom 4. — 22. Juni 1905 wurden dieselben in gleicher Weise wie im 
Vorjahre fortgesetzt, wobei wiederum reiche La Tene-Funde gemacht 
werden konnten. Ausser einigen Tongefässen von „frührömischem Typus" 
wurden etwa 20 La Tene-Urnen freigelegt. An Beigaben überwogen 
wiederum Eisenwaffen und Ausrüstungsstücke von Kriegern, namentlich 
wurden sehr viele Schildbuckel und Lanzenspitzen von Eisen, meist aller- 
dings in stark verwittertem Zustande, zu Tage gefördert. Bronzebeigaben 
fehlten bei dieser Ausgrabung fast gänzlich. 

Auch diese Grabung musste des ungünstigen Wetters wegen 
abermals abgebrochen werden und es wurde dieselbe erst im Jahre 
1906 vom 12. Juli bis 18. August zu Ende geführt. Die in dieser 
letzten Grabung gefundenen Urnen standen meist frei in der Erde, 
nur in wenigen Fällen war der Fuss von Steinen umschlossen. An 
einer Stelle fand sich 1 m tief im Boden eine Steinsetzung von 
5 grossen Steinen von 60 — 90 cm Höhe, welche keine Grabstätte 
gewesen zu sein scheint, da weder Urnen noch Knochenreste in der- 
selben gefunden wurden. Der Inhalt der Urnen bestand durchweg 
nur aus Knochen und Asche. Die Beigaben lagen meist daneben 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



1 Vgl. unsere Tafel I, Abbild. 2 u. 3 und dazu die Beschreibung von Willers. 



22 



Fundort 



Fundnaehrichten 



Verbleib des Fundes 



20. Meckelfeld 

(Landkr. Harburg | 



21. Wittorf 

(Kreis Rotenburg! 



22. Hiddestorf 

(Landkr. Hannover) 



23. Grasdorf 

(Landkr. Hannover) 



und bestanden überwiegend aus eisernen Waffen, Lanzenspitzen, 
Schildbuckeln usw. , Bronzebeigaben waren selten. Doch wurden 
drei grössere eiinerförmige Bronzegefässe gefunden , ein tadellos er- 
haltenes Gefäss mit kurzem, sich verengendem Hals und stark her- 
vortretender Schulter , sowie ein stark zertrümmertes von derselben 
Form. 1 An dem ersteren war noch eine Henkelattache erhalt j n, 
welche die Gestalt von zwei einander zugewandten Delphinen mit 
aufwärts gerichteten Köpfen hatte. In diesem Gefäss lag auf 
verbrannten Knochen ein eiserner Schildbuckel mit der Spitze 
nach unten, während um den Fuss des Gefässes eine umgebogene 
eiserne Schwertklinge gelegt war. Ferner wurden die Reste 
einer flachen kreisrunden Bronzeschale von 10 cm Höhe und 38 cm 
Durchmesser gefunden. Neben groben topfförmigen Gefässen von 
rötlichem Ton traten auch solche aus glänzend schwarzem, fein 
geschlämmten Ton auf mit schmalem Fuss, sog. Fussurnen. Die 
Gefässornamente waren von ausserordentlicher Mannigfaltigkeit. Ein 
wohUrhaltenes Stück hatte um Hals und Schulter ein treppenförmiges 
Linienornament, ein anderes war mit einem über die ganze Aussen- 
seite der Urne gehenden netzartigen Ornament überzogen, während 
auch verschiedene mäanderartige Rädchen -Verzierungen vorkamen. 
Ein leider zertrümmertes Tongefäss war besonders dadurch interessant, 
dass der Boden 5 konzentrische erhabene Ringe zeigte, die offenbar 
der Bronzetechnik entlehnt sind. Unter den wenigen gefundenen 
Bronzesachen fand sich eine 6 cm lange Augentibel, eine 5 1 2 cm 
lange, zierlich gearbeitete Schnalle und ein 9 cm langes Schnallen- 
fragment vor. Nach der Anzahl der gefundenen Waffen zu urteilen 
handelt es sich bei diesen Ausgrabungen vorzugsweise um Männer- 
gräber. 

Die Funde stammen, wie in den Vorjahren, aus zwei Perioden, 
nämlich der späten La Tene- und der frühen römischen Zeit. 

Urnenfunde. Auf dem Acker des Hofbesitzers Adolf Wendt in 
Meckelfeld wurde Ende September 1904 in einer Steinpackung stehend 
ein auffallend grosses ca. 65 cm hohes weitbauchiges Tongefäss von 
sehr rauben) hellbraunem Ton aufgefunden. Die Urne war mit 
Knochen und Aschenresten angefüllt ohne Beigaben, daneben standen 
zwei kleinere Beigefässe, die beim Ausheben zertrümmert wurden 
(wohl La Tene-Zeit). 

Urnenfunde. Bei den Bahnbauten der Neubaustrecke Visselhövede- 
Rotenburg wurden im Juli 1905 unweit der Ortschaft Wittorf eine 
Anzahl Urnen der La Tene-Zeit aufgefunden, von denen der Rest 
einer grosseren und 6 kleine Beigefässe. sowie ein kleines zwei- 
henkliges muldenförmiges Tongefäss von der Eisenbahn-Bauabteilung 
Rotenburg dem Museum für Völkerkunde in Berlin überwiesen wurden. 

Urnenfunde. Auf den Grundstücken der Hofbesitzer Reinecke und 
Ernst in Hiddestorf wurden Anfang Mnrz 1906 beim Bestellen des 
Landes Urnenfunde gemacht. Von den Urnen, welche 30 cm tief in 
der Erde standen, konnten die meisten nur in Scherben gehoben 
werden. Zwei gut erhaltene zeigten keine charakteristische Formen, 
auch wurden Beigaben nicht gefunden (vermutlich La Tene-Zeit i. 

Urnenfriedhof. Auf dem unweit der Stadt Hannover vom Kronsberge 
nach der Leine flach abfallenden Gelände östlich von der Ortschaft 
Grasdorf wurde auf einem der dortigen Pfarre gehörenden Grundstück 
unmittelbar östlich des Eisenbahnüberganges bei km 8,7 der Strecke 
Hannover-Cassel ein anscheinend ausgedehntes Urnenfeld der La Tene- 
Zeit aufgedeckt. Die Auffindung geschah Anfang März 1906 bei 
Anlegung von Spargelbeeten und wurden von dem Unternehmer 



Museum 
in Harburg. 



Museum 

für Völkerkunde 

in Berlin. 



Privatbesitz. 



Privatbesitz. 



Vgl. Tafel I. Abbild. 1 u. 4. 



23 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



24. Franzburg 

(Landkr. Linden) 



25. Liebenau 

(Kreis Nienburg | 



26. Freden 

(Kreis Alfeld). 



Kleuker auf dein von demselben gepachteten Grundstück etwa 30 Urnen, 
die durchweg 30 — 50 cm tief lose im Sande standen , zu Tage 
gefördert. Da die Urnen in dem nassen Erdreich beim Ausgraben 
meist sofort zerfielen und ausser Knochen und kleinen Beigefässen 
Beigaben in denselben nicht gefunden wurden, so wurden von dem 
Besitzer keine weiteren Nachgrabungen vorgenommen und die wenigen 
heil gebliebenen Urnen verschenkt. Unter den zuletzt aufgefundenen 
Gefässti ümmern sollen sich ein geschweifter Steinhammer und 2 Spinn- 
wirtel befunden haben. 



5. Römische Zeit. 

Römischer Münzenfund. Ein ausserordentlich interessanter Münz- 
fund wurde Anfang Februar 1902 in der Feldmark des Rittergutes 
Franzburg bei Gehrden gemacht. Dort waren Arbeiter in einem 
kleinen südlich vom Gehrdener Berge isoliert gelegenen Fichten- 
Gehölz damit beschäftigt die in den letzten Herbststürmen geknickten 
und umgewehten Fichtenstämme auszuroden, um die durch den 
Windbruch gelichtete Landstelle in Kultur zu nehmen. Beim Rigolen 
stiess einer der Arbeiter, der Maurer Friedrich Biester aus Gehrden, 
mit dem Spaten auf einen kleinen Haufen römischer Silbermünzen. 
Die Stücke hatten etwa 30 bis 40 cm tief frei in der Erde gelegen. 
Irgendwelche Topfscherben oder andere Gegenstände wurden trotz 
nachheriger sorgfältiger Durchgrabung der Fundstelle nicht gefunden. 
Der Fund bestand aus meist wenig gut erhaltenen römischen Denaren, 
von denen 19 der Zeit vor Caesar und 5 der Regierungszeit des 
Augustus angehören. Nach dem wenig guten Erhaltungszustand der 
Münzen zu urteilen, müssen dieselben lange Zeit im Umlauf gewesen 
sein und es kann angenommen werden, dass dieselben nicht vor 
Ablauf des 1. Jahrhundert« vergraben worden sind. Der Fund, 
welcher numismatisch nichts Neues bietet, hat für die Wissenschaft 
wegen des seltenen Vorkommens derartiger Funde im nördlichen 
Germanien erhebliche Bedeutung .* 

Römischer Bronzeeimer. Etwa l 1 / 2 km südöstlich des Fleckens 
Liebenau wurde in einer flachen sandigen muldenartigen Vertiefung 
unweit der Weser ein gut erhaltener römischer Bronzeeimer (situla) 
vom Typus der Hemmoorer Gefässe, aber ohne Verzierungen gefunden. 
Derselbe lag etwa 2 m tief im Sande eingebettet und war mit 
Knochenresten und Asche gefüllt, ohne Beigaben. Daneben lagen 
2 kleine Scherben eines Tongefässes von schwarzgrauem feinge- 
schlämmten Ton. Der Fund wurde am 24. Juli 1902 von dem 
Landwirt H. Blanke in Liebenau beim Sandgraben gemacht. 2 

Römische Bronzeschale. Auf dem Grundstücke der Spiegelglas- 
Aktiengesellschaft in Freden wurde im November 1902 in einem 
sumpfigen Terrain in einer Tiefe, von 2 m eine ausgezeichnet 
erhaltene römische Bronzeschale mit verziertem Henkel gefunden. 
Das mit bräunlicher Wasserpatina behaftete Gefäss gehört der 
frühen römischen Kaiserzeit an (1. Jahrhundert) und zwar ist die 
Form der Schale, der Stil des mit Seepferden verzierten Henkels, 
sowie die Technik des Gusses charakteristisch für diese Zeit. Von 
den zwei zu der Schale gehörenden Henkeln , welche sich in der 
feuchten Erde von dem Gefäss abgelöst hatten, konnte nur einer 
aufgefunden werden, trotzdem die Fundstelle eifrig danach abgesucht 
worden ist. 3 



Sammlung des 

Barons v. Reden 

auf Franzburg. 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Vgl. Willers im Numismat. Anzeiger, 33. Jahrg., 1902. S. 25. 
Vgl. unsere Tafel III, Abbild. 3 und dazu die Beschreibung 
von Willers. 



3 Vgl. unsere Tafel III". Abbild. 4 und Jahrbuch 1904/5, Tafel IV. 



24 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



27. Ehestorf 

(Landkr. Harburg). 



28. Kalkriese 

(Kreis Bersenbrück). 



Frührömischer Urnenfriedhof. Auf dem nordwestlichen Abhang 
des sog. Kiekeberges, eines 128 m hohen sandigen vielfach mit Stein- 
geröll untermischten Hügels südlich der Ortschaft Ehestorf wurden 
Ende November 1902 auf dem Grundstück des Restaurateurs Schuster 
zu Petershöh Teile eines umfangreichen Urnenfriedhofes aus früh- 
römischer Zeit aufgedeckt. Das Urnenfeld, dessen Länge etwa 200 bis 
250 m und dessen Breite 50 m beträgt, liegt 200 m nordwestlich 
von dem höchsten Punkte der Anhöhe entfernt. Beim Urbarmachen 
von Heideland stiess der Besitzer, welcher bereits im Jahre 1892 
beim Bau des Wirtschaftsgebäudes daselbst einzelne Urnenfunde 
gemacht hatte, auf das bisher noch nicht bekannte Urnenfeld und 
förderte eine grosse Anzahl Urnen aus graubraunem, teilweise tief- 
schwarzem Ton mit vielen Bronzebeigalien zu Tage. Die Urnen 
standen etwa 50 — 60 cm tief in der Erde und zwar teilweise in 
Steinsetzungen, teilweise frei im Sande. Die meisten zerfielen sofort 
beim Ausheben, doch konnte eine grössere Anzahl Urnen nebst Bei- 
gaben unversehrt zu Tage gefördert werden. Die Urnen, welche 
durchweg gleichartig geformt sind, ähneln denen vom „Fuhlsbütteler 
Typus", schmaler Fuss, in der Mitte stark bauchig mit verengtem Hals 
und scharfem Halsrand ; dieselben sind etwa 30 cm hoch und ist für 
dieselben charakteristisch, dass sie vom Gefässrande bis zur Schulter 
meist mit zwei, oft auch mit drei kleinen Henkeln verziert sind. Die 
Urnen enthielten meist nur Knochen und Asche ; in einzelnen wurden 
auch Bronze- und Eisenbeigaben gefunden. Der bedeutendste Fund 
bestand in einem 28 cm hohen und an der breitesten Stelle 90 cm 
breiten, leider stark beschädigten flachen Bronzeke'-sel mit ausser- 
ordentlich dünnen, durch die Verwitterung spröde gewordenen 
Wandungen. Ferner wurden an Beigaben gefunden eine Bronzeschere 
von 18 cm Länge, zwei Armbrustfibeln von Bronze, Reste einer Fibel 
von Silber, ein Ring und mehrere Gürtelbeschläge von Bronze, eine 
eiserne Axt, eine Lanzenspitze und ein Schildbuckel von Eisen, sowie 
eine Anzahl bis zur Unkenntlichkeit verrosteter Eisensachen, der Form 
nach Lanzenspitzen oder Scheren. 

Anfang Juni des folgenden Jahres stiess der Besitzer beim Be- 
stellen von Gartenland wiederum auf Urnen und ergaben die sofort 
angestellten Nachgrabungen eine Reihe gut erhaltener Tongefässe 
von demselben Typus der früheren gefundenen. Nur in zweien der- 
selben fanden sich Beigaben. In der einen lagen Bruchstücke einer 
grossen Bronzefibel, in der andern ein eiserner Schildbuckel mit 
Randbeschlag aus Bronzeblech. sowie Bruchstücke einer eisernen 
Lanzenspitze. 

Nachdem in den folgenden Jahren an dieser Stelle noch mehr- 
fach Urnen gefunden waren, wurden im April 1906 seitens des 
Museumsvereins in Harburg weitere Nachgrabungen veranstaltet und 
das an die Grundstücke des Restaurateurs Schuster anstossende, im 
Besitze des Hofbesitzers Ehrhorn in Vahrendorf befindliche Gelände 
einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Dabei wurden etwa 25 
Urnen gefunden, welche nur zum Teil wegen ihrer ausserordentlichen 
Zerbrechlichkeit geborgen werden konnten. Dieselben standen, wie 
die früher gefundenen, in regelmässigen Reihen etwa 1 m von ein- 
ander entfernt in der Erde. Ausser Knochen und Asche fanden 
sich Beigaben in denselben nicht vor. Nach diesen Funden zu 
urteilen gehört der Friedhof zum grösseren Teil der frührömischen, 
zum Teil dem Ausgange der La Tene-Zeit an. 

Römische Goldmünze. Unweit des Dorfes Kalkriese, in der Nähe 
des sog. Varusschlachtfeldes bei Barenau, einer Gegend, in der schon 
häufig römische Münzen gefunden wurden, wurde im März 1904 von 
dem Hofbesitzer Schomnker beim Umpflügen seines Ackers eine vor- 
züglich erhaltene Goldmünze des Augustus gefunden. 



Museum 

in Harburg zum 

geringeren Teil, 

in Privatbesitz 

zum grösserenTeil. 



Museum 
in Osnabrück. 



25 



Fundort 



Fundn achrichten 



Verbleib des Fundes 



29. Bahrendorf 

(Kreis Dannenberg). 



Urnenfriedhof aus frührömischer Zeit. Südwestlich von Bahren- 
dorf, westlich von dem von der Chaussee Hitzacker-Neudarchau nach 
dem Dorfe führenden Wege am östlichen Abhänge des sog. Iischen- 
berges, einer von Osten nach Westen langgestreckten etwa 20 m 
hohen Anhöhe wurden auf dem Grundstücke des Hofbesitzers Sander 
Ende April 1904 beim Sandabfahren die Reste eines grösseren 
Urnenfriedhofes aus römischer Zeit aufgedeckt. Nachgrabungen an 
dieser Stelle wurden einige Tage später am 1. und 2. Mai von 
Wilhelm Keetz-Celle veranstaltet und dabei mehrere Tongefässe des 
„Darzauer Typus" sowie eine Reihe Beigaben von Eisen und Bronze 
zu Tage gefördert. Die erste und zugleich wichtigste der gefundenen 
Urnen wurde am Fusse des Hügels, woselbst mit der Sandabfuhr 
begonnen war, freigelegt. Die glänzend schwarze mit Mäander- 
ornament reich verzierte Urne fand sich frei im Sande ohne Stein- 
packung und stand mit dem Fusse auf einem mit der Spitze nach 
unten gekehrten gut erhaltenen eisernen Schildbuckel von 17 cm 
Durchmesser. Unter demselben lagen eine Schere von 20 cm Länge 
und eine eiserne Speerspitze von 18 cm Länge. Ausserdem lag in 
einiger Entfernung eine kleinere eiserne Speerspitze. Trotz grösster 
Sorgfalt konnte die mit Knochen gefüllte Urne, in welcher sich als 
Beigabe eine weitere Lanzenspitze fand, nur in Trümmern gehoben 
werden. Die Nachforschungen wurden dann auf der Höhe des Hügels 
fortgesetzt, woselbst noch 4 etwa 75 cm von einander entfernt 
stehende Urnen von bräunlichem Ton, die mit rohen Strichverzierungen 
versehen waren, gefunden wurden In diesen Gefässen fanden sich 
eine 25 cm lange eiserne Lanzenspitze von vorzüglicher Arbeit und 
wohl erhalten, ein im stumpfen Winkel gebogenes Eisenstück mit 
Bronzeniet, sowie die Reste einer Bronzefibel. Die aufgedeckten 
Funde gelangten in das Hamburger Museum für Völkerkunde. 

Weitere Nachforschungen an dieser Stelle wurden im August 
desselben Jahres im Auftrage des Provinzial-Museums in Hannover von 
Wilh. Keetz-Celle veranstaltet und ähnliche Fundgegenstände dabei zu 
Tage gefördert. Es wurden wie bei der früheren Grabung eine Reihe 
Urnen mit Beigaben, letztere meist in Lanzenspitzen und Messern 
von Eisen bestehend gefunden, welche jedoch nur zum Teil in unver- 
letztem Zustande gehoben werden konnten. Unter den aufgefundenen 
Urnen, welche meist in Gruppen von 5 — 6 Stück unregelmässig neben 
einander frei im Sande standen, zeichnete sich stets eine Urne durch 
Form, Grösse, Verzierung und Beigaben besonders aus, während die 
übrigen meist von einfacher Form waren und keine oder nur wenige 
Beigaben enthielten Neben verschiedenen mit Mäanderornament 
verzierten wurde eine besonders grosse aus fein geschlämmtem 
Ton gefertigte Urne aufgefunden, die mit einem glänzend schwarzen 
Überzüge versehen war. Rings um den Bauch derselben laufen feine 
mit dem Punktierrädchen hergestellte Verzierungen, die in vier 
Feldern je ein grosses Hakenkreuz zeigen. Unter dieser Urne lag 
ein eiserner Pfriemen, während Beigaben in derselben nicht gefunden 
wurden. In der südöstlichen Ecke des Friedhofes stand eine besonders 
interessante Gruppe von Urnen. Von diesen hatten drei eine fast 
kugelförmige Gestalt, deren obere Bauchfläche mit eigentümlichen 
bandartigen Verzierungen versehen war. Bei einer Urne von schwarzer 
glänzender Oberfläche ist die Bauchwandung in 6 Felder geteilt, von 
denen drei mit kreisrunden Eindrücken und Strichen verziert sind, 
während die drei andern erhaben gearbeitet sind und ein Korbgeflecht 
nachahmen. Ein ebenfalls erhaben gefertigtes Tauornament läuft 
um den Hals des Gefässes. Im Innern wurde als Beigabe eine 
eiserne Fibel gefunden. Während bei diesen Grabungen viele Lanzen- 
spitzen und Messer von Eisen gefunden wurden, fanden sich Schwerter 
garnicht und eiserne Schildbuckel nur in 2 Exemplaren vor. Da 
sich infolge des sehr trockenen Sommers der stark lehmhaltige 
Boden nur schwer bearbeiten liess und eine unbeschädigte Bergung 



Museum 

für Völkerkunde 

in Hamburg, 

Provinzial- 

Museum 

in Hannover 

und 

Museum 

in Lüneburg. 



26 



Fundort 



F u n d n a c h r i c h t e n 



Verbleib des Fundes 



30. Darzau 

(Kreis Dannenberg) 



der Fundgegenstände unmöglich machte, so mussten die Grabungen 
vorläufig eingestellt und auf das folgende Jahr verschoben werden. 
Im Frühjahre 1905 wurde die im Vorjahre unterbrochene Durch- 
forschung des Urnenfriedhofs von Wilhelm Keetz-Celle im Auftrage 
des Nordwestdeutschen Verbandes für Altertumsforschung fortgesetzt 
und dabei die letzten Teile des bei den früheren Grabungen noch 
nicht völlig durchforschten Urnenfeldes bloßgelegt. Die Grabungen 
waren äusserst erfolgreich und geben mit den früheren Funden ein 
abgeschlossenes Bild der alten Bestattungsanlage. Die gefundenen 
Urnen zeigten in der Form grosse Verschiedenheit und wechselten 
in den verschiedensten Abstufungen von der glänzend schwarzen mit 
Mäanderornament geschmückten Fussurne bis zum einfachen stark- 
wandigen rotbraunen Gefäss Doch entsprechen die Formen durchweg 
dem „Darzauer Typus". Meist standen die Urnen bis zur Hälfte mit 
zerkleinerten verbrannten Knochenstücken gefüllt frei im Sande. 
Kleinere Beigaben lagen zwischen den Knochen in den Urnen, grössere 
frei daneben. Die Beigaben bestanden aus Lanzenspitzen bis zu 
33 cm Länge, Dolchen, Messern, Bronzefibeln, Schnallen, Riemen- 
beschlägen von Eisen und Bronze, Hängeknäufen, Bronzeringen, Pincetten 
aus Eisen, Scheren und Pfriemen, einer Harpune mit zwei Widerhaken, 
dem Halsteil eines eisernen Topfes und drei Schildbuckeln, von 
denen einer noch mit 9 Nieten und der eigenartig geformten Griff- 
stange versehen war. Unter den aufgefundenen Bronzefibeln fällt 
eine 8 cm lange durch ihre besondere Form auf. Die Fibel besteht 
aus einem platten schön patinierten Bronzedraht, der in der Mitte 
in Form einer 8 iibereinandergelegt eine Schleife bildet, in deren 
einem Ende sich eine lange Nadel bewegt. Urnen wurden bei dieser 
Grabung im Ganzen 39 gefunden, von denen 20 zum grössten Teile 
unbeschädigt geborgen werden konnten. Nach den Formen der Fund- 
gegenstände zu schliessen gehört der Urnenfriedhof vermutlich der- 
selben Zeit an wie der von Darzau. Auffallend ist, dass die bei 
Darzau so häutig gefundenen kleinen Gegenstände des Schmuckes 
und der weiblichen Arbeit wie Spinnwirtel, Nähnadeln. Email und 
Glasperlen usw. gänzlich fehlen, während umgekehrt bei Darzau keine 
Waffen gefunden sind. Die Funde der letzten Grabung gelangten 
in das Museuni in Lüneburg. 1 

Neuere Funde auf dem Gelände des Urnenfriedhofs. Auf den 
Grundstücken des Hofbesitzers Soltau in Quarstedt bezw. Thiele in 
Ventschau wurden Anfang Mai 1904 von Wilhelm Keetz-Celle bisher 
noch nicht aufgedeckte Teile des Darzauer Urnenfriedhofs freigelegt 
und dabei hochinteressante neue Funde aus römischer Zeit gemacht. 
unter der grossen Zahl der aufgefundenen Urnen befanden sich 21 
mit mäanderartigem Punktornament, ferner an Beigaben als Haupt- 
stück ein goldenes Filigran-Anhängsel, ähnlich dem s. Z. von Host- 
marin gefundenen, auf Tat'. 8. 18 (Hostmann, Darzau) publizierten 
Schmuckstück , welches mit den meisten wertvolleren Fundstücken 
durch Kauf in das Museum für Völkerkunde in Hamburg gelangte. 2 
Uns 4.5 cm lange Stück ist auf dem oberen halbrunden Teile mit 
aufgelöteten Kügelchen, welche mit feinem Golddraht mit einander 
verbunden sind, in reizvoller Weise verziert. Ebenso schmückt den 
unteren trichterförmigen Teil ein feines bogenförmiges Filigranmuster. 
An weiteren Beigaben fanden sich ein silbernes Armband mit Tier- 
kopf, drei silberne Nadeln, zahlreiche Fibeln, darunter solche aus 
Silber und Silberfiligran, 4 Nähnadeln aus Bronze, Bruchstücke von 
Schlüsseln und Messern aus Eisen, Glasflüsse, Schnallen aus Bronze, 
Messer mit Ring, Hängeknäufe aus Bronze; ferner zwei silberne und 
ein bronzenes Kettenhäkchen, Bruchstücke eines Knochenkammes, 



Museum 

für Völkerkunde 

in Hamburg 

und 

Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Vgl. Eeetz i. d. Lüneb. Museumsblättern 1906. S. 29—39. 
Zeitschr. des Histor. Ver. f. Niedere. 1905. S. 212. 



Bericht des Museums für Völkerkunde in Hamburg für das 
Jahr 1904. S. 18. 



27 



Fundort 



Fundn achrichten 



Verbleib des Fundes 



31. Rebenstorf 

(Kreis Lüchow). 



32. Klein Gusborn 

(Kreis Dannenberg") 



33. Sievern 

(Kreis Lehe). 



Fragmente von Knochennadeln, ein silberner Fingerring, Spinnwirtel 
und ein grösseres Stück (ca. 50 g) Hacksilber. In Kinderurnen 
fanden sich bunte Steinchen (Spielzeug) und in einer solchen Urne 
ein kleines kugelförmiges Tongefäss. Waffen wurden, wie bei den 
früheren Grabungen, in keinem der Gräber gefunden. Urnen wie 
Beigaben zeigen durchaus den Typus der früheren Funde. 

Vorgeschichtliche Brandstätten. Unabhängig von den vor- 
stehenden Grabungen wurden gleichzeitig an anderer Stelle des Fried- 
hofes drei Biandgruben aufgedeckt, bei welchen sich verschiedene 
grobe rotgebrannte Scherben gehenkelter Tongefässe vorfanden, die 
von den übrigen Urnen des Friedhofes durchaus abzuweichen scheinen. 
Diese Brandstätten waren ungefähr 1,80 m lang und 1 m breit und 
lagen etwa 30 cm unter der Erdoberfläche. Sie bestanden aus einer 
Grube mit rot gebrannten Lehmwänden, in welcher eine Schicht grosser 
Feldsteine gelagert war. Die Untersuchung dieser Brandstätten 
wurde am 8. und 9. Mai 1906 von Professor Schuchhardt-Hannover 
in Gemeinschaft mit Willi. Keetz-Celle fortgesetzt und dabei ausser 
den bereits bekannten noch eine' vierte Feuerstelle vorgefunden. In 
derselben befanden sich neben Aschenresten und Stücken von ver- 
kohltem Holz Scherben von rotgebrannten Tongefässen und grosse 
Mengen von scharf gebrannten Lehmklötzen, welche durch das Ab- 
drücken von Rundhölzern eine dreieckige Form angenommen hatten. 
Nach Annahme Schuchhardts gehören dieselben zu den Resten der 
über Gruben angelegten Scheiterhaufen und sind dieselben vermutlich 
mit Rasen und Steinen umhegt gewesen. 1 Die Funde aus den Brand- 
gruben gelangten in das Provinzial-Museum zu Hannover. 



Neuere Funde auf dem Gelände des Urnenfriedhofs. Auf 

dem Gelände des bereits im Jahie 1873 von J. H. Müller zum grossen 
Teil ausgebeuteten Urnenfriedhofe bei Rebenstorf wurden Ende Juli 
1905 von Prof. Meyer-Lüneburg und Lehrer Mente-Rebenstorf erneut 
Ausgrabungen veranstaltet und eine Reihe Urnen von der Art der 
früher dort gefundenen nebst einigen wenigen Beigaben zu Tage 
gefördert. Unter den letzteren ist eine gut erhaltene silberne Arm- 
brustfibel bemerkenswert. 



Urnenfunde. Anfang Oktober 1905 wurden beim Bestellen des Landes 
auf dem Grundstücke des Hofbesitzers Böther in Klein Gusborn am 
Fusse des Windmühlenberges zwei gut erhaltene Tongefässe frei- 
liegend im Sande aufgefunden, ein grösseres vasenförmiges von schwarz- 
grauem Ton mit zwei henkelartigen Verzierungen am Rande und ein 
kleineres schalenförmiges Gefäss von rotbraunem Ton. Beide Gefässe 
waren nur mit Sand gefüllt und wurden Beigaben sowie Knochen- 
reste darin nicht gefunden (römische Zeit?). 



Römischer Bronzeeimer mit Fries. Auf dem Grapenberge etwa 
1 km östlich von Sievern in der Nähe des alten Postweges nach 
Bremen wurden Anfang Oktober 1906 die Bruchstücke eines römischen 
Bronzeeiniers mit reichem figürlichen Fries gefunden. Der Fries ist 
durchaus verwandt mit den Dai Stellungen der Eimer aus Haeven im 
Museum in Schwerin und Heddernheim im Museum in Wiesbaden, 
auf denen Delphine und andere Seetiere dargestellt sind. 2 Der Eimer 
fand sich an einer Stelle, an der bereits früher viele Urnenscherben 
gefunden wurden und ist anzunehmen, dass sich an dieser Stelle ein 
grösserer Urnenfriedhof befand. 



Museum 
in Lüneburg 



Privatbesitz. 



Museum 
in Geestemünde. 



Zeitschr. d. Histor. Ver. f. Niedersachs. 190ti. S. 151. 



Vgl. Willers , die römischen Bronzeeimer von Hemmoor. 
S. 54. 

4* 



28 



Fundort 



F u n d n a e h r i c h t e n 



Verbleib des Fundes 



34. Quelkhorn 

(Kreis Achim). 



35. Westerwanna 

(Kreis Hadeln). 



3<i. Brinkum 
(Kreis Syke). 



6. Spätrömische und sächsische Zeit. 

Neuere Funde auf dem Gelände des Urnenfriedhofes. Auf 

dem Gelände des bereits im Jahre 1878 von Hostmann für das 
Hannoversche Provinzial - Museum ausgebeuteten Urnenfriedhofes am 
westlichen Abhang des Loosberges, einer an der Grenze von Geest 
und Moor von Norden nach Süden sich weithin erstreckenden flachen 
dünenartigen Erhebung, auf deren Höhe das Dorf Quelkhorn gelegen 
ist. wurden Ende des Jahres 1900 sowie Anfang 1901 beim Restellen 
von Ackerland wiederum bedeutende Urnenfunde gemacht. Umfang- 
reiche Ausgrabungen wurden im Anschluss an das bereits in früheren 
Jahren durchforschte Gelände von dem Lehrer Schmidt in Quelkhorn 
veranstaltet und namentlich auf den Grundstücken des Hofbesitzers 
Bari eis und des Anbauers Warnken eine erhebliche Anzahl Urnen 
nebst Beigaben gefunden. Die Gefässe, welche sich in Form und 
Art der Ornamentik sowohl, wie auch der Art der Beigaben den von 
Hostmann beschriebenen früheren Funden ' vollkommen anschliessen, 
standen etwa 1 / ä m tief im Erdboden und waren meist mit Asche 
und verbrannten Knochenresten gefüllt. Kleinere nur mit Sand 
gefüllte Beigefässe standen daneben: die Urnen wurden meist in 
Gruppen von mehreren Gefässen zerstreut unter dem Ackerboden 
vorgefunden. An Beigaben kamen mehrere Bronzefibeln, Beschlag- 
teile von Bronze, einige Bronzepincetten und Ohrlöffel, sowie eine 
Anzahl Eisen- und Bronzefragmente zum Vorschein. Von den ge- 
fundenen Tongefässen, welche meist gleich nach dem Ausheben in 
Trümmer zerfielen, gelangte eine grössere Anzahl, nebst einigen 
Beigaben in den Besitz der oben vermerkten Museen und Sammlungen. 

Urnenfriedhof auf dem Grafenberge. Auf dem bereits in früheren 
Jahren mehrfach angegrabenen umfangreichen Urnenfriedhofe auf dem 
Grafenberge, einem etwa 20 m hohen nördlich der Ortschaft Wester- 
wanna belegenen Heidhügel wurden in den Jahren 1901 — 1904 weitere 
umfangreiche Ausgrabungen veranstaltet und konnten etwa 400 vor- 
läufig noch nicht untersuchte Urnen mit Inhalt, welche aber nach 
dem Gesamteindruck und den vorgefundenen Fibelformen zu urteilen 
in das 3. — 4. Jahrhundert zu setzen sind, für das Hamburger Museum 
gehoben werden. Unter diesen Urnen befand sich auch eine, auf 
deren Hals neben den Henkeln zwei unförmige rostfarbene Erdklumpen 
lagen , von denen angenommen wird , dass es zwei eiserne früh- 
geschichtliche Kuhglocken gewesen sind. 2 

Urnenfriedhof. Auf dem dünenartig inmitten weiter Marschländereien 
vorspringenden Rande der Geest bei dem Kirchdorfe Brinkum, etwa 
120 m westlich von der Gabelung der Chausseen Brinkum-Syke und 
Brinkum-Harpstedt wurden im Mai 1901 auf den Grundstücken der 
Besitzer Johann Ristedt und Fritz Oerke fast gleichzeitig beim Um- 
graben des hinter ihren Wohnhäusern belegenen Gartenlandes die 
Reste eines umfangreichen Urnenfriedhofes aus sächsischer Zeit blos- 
gelegt. Einzelne Urnen waren bereits in früheren Jahren an dieser 
Stelle, sowie auf den anliegenden Feldern zu Tage getreten, davon 2 
im Provinzial-Museum in Hannover befindliche, bei denen eine eiserne 
Axt und ein sichelförmiges eisernes Messer lagen. Die neueren Funde 
stammen meist aus dem Oerkeschen Grundstücke; sie lagen etwa 
75 cm bis 1 m tief unter der jetzigen Oberfläche und wurden beim 
Planieren des hinter den Wohnhäusern liegenden, höher gelegenen 
und nach den Wohnhäusern zu abfallenden Geländes nach und nach 
gefunden. Die meisten der vorgefundenen Urnen zerfielen sofort beim 
Ausheben und wurden verworfen, doch konnten etwa 12 mit sparren- 



Museum für 

Natur-, Völker- 

und Handelskunde 

in Bremen. 

Museum 

in Geestemünde. 

Museum 
für Völkerkunde 

in Hamburg. 

Die älteren Funde 

im Prov.- Museum 

in Hannover. 



Museum 

für Völkerkunde 

in Hamburg. 



Museum für 

Natur-, Völker- 

und Handelskunde 

in Bremen. 



' Zeitschr. des Hist. Ver. f. Niedere. 1878. 
Müller-Reimers Altertümer. S. -17. 



S. Kit. 



- Korrespondenz!)!, für Anthropologie 19U5 (36). S. 134. 



29 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



37. Ochtersum 

(Kreis Wittmund). 



38. Emern 

(Kreis Uelzen). 



artigen Strichornamenten (chevrons) und Stempeln verzierte Gefässe 
des charakteristischen sächsischen Typus für die Wissenschaft ge- 
borgen werden. Die Urnen enthielten angeblich nur Asche, auch 
wurden Beigaben von den Findern nicht vorgefunden. 

Unmittelbar anschliessend an diese Fundstelle wurde im Jahre 
1904 auf dem Grundstück des Schuhmachers Wilh. Uandwehr wiederum 
ein erheblicher Teil des sich über die ganze dünenartige Erbebung 
beim Dorfe Brinkum erstreckenden Urnenfriedhofes freigelegt. Das 
etwa 1 Morgen grosse Landwehrsche Grundstück wurde bei dieser 
Gelegenheit durch tiefes Umgraben gänzlich ausgebeutet, während 
das hinter demselben liegende, anderen Besitzern gehörende, höhere 
Gelände vorläufig noch unerforscht ist. Es wurden im Laufe des 
Winters 1904/5 im Ganzen etwa 40 Urnen mit Beigaben gehoben, 
von denen ein grösserer Teil gleich beim Auffinden zerbrach, die 
übrigen aber, etwa 22 Stück, mit einigen Beigaben in das Bremer 
Museum gelangten. Die dort befindlichen, ziemlich wohl erhaltenen 
Urnen bestehen zum Teil aus geglättetem, zum Teil aus rauhem 
graubraunen Ton, einzelne sind mit feinen Stempeln verziert, die 
meisten bauchig mit stark hervortretenden buckelartigen Verzierungen, 
Buckelurnen, unter den letzteren ein 18 cm hohes eigentümlich ge- 
formtes Gefäss von hellgelbem rauhen Ton mit 6 auffallend tief 
eingedrückten vertikalen, kanelurenartigen Verzierungen. Fast sämt- 
liche Urnen enthielten Knochenreste, doch wurden auch grosse Haufen 
verbrannter Knochen ohne Urnen frei in der Erde gefunden. Nach 
den Aussagen der Finder soll eine vollständige Leichenverbrennungs- 
stelle (ustrina) vorgefunden sein mit den Resten vom Brande ge- 
härteter Lehmstücke. Bedauerlicherweise wurde dieselbe sofort nach 
dem Auffinden wieder eingeebnet, sodass über die Konstruktion der- 
selben Näheres nicht in Erfahrung gebracht werden konnte. An 
Beigaben wurden die stark verwitterten Reste von verzierten Bronze- 
platten, Bronzefibeln, Nadeln und Scheren gefunden, sowie eine grosse 
Anzahl Bruchstücke der mit dem charakteristischen konzentrischen 
Kreisornament verzierten Knochenkämme. Anscheinend unabhängig 
von diesen Funden wurde auf demselben Grundstück ein 14 cm langes 
roh geschliffenes Steinbeil von hellgrauem Granit gefunden. 

Urnenfriedhof. Auf dem etwa in der Mitte zwischen Ost- und West- 
Üchtersum unmittelbar südlich der Chaussee nach Aurich gelegenen 
Ackergrundstück des Landwirts Sontgen in Ochtersum wurden im 
Dezember 1905 beim Bestellen des Landes in einer Tiefe von etwa 
1 / 2 m unter der Erdoberfläche Teile eines frühsächsisehen Urnen- 
friedhofs freigelegt. Es wurden dabei eine Reihe Tongefässe der 
Völkerwanderungszeit von schwarzgrauem Ton, meist ohne Verzierung 
mit Knochen gefüllt, aufgefunden. Von den Gefässen, welche meist 
gleich nach dem Ausheben zerfielen, konnten 6 unverletzt gehoben 
werden, unter diesen eine vorzüglich erhaltene, mit Strichverzierungen 
und vier perlenartigen erhabenen Halsringen reich verzierte bauchige 
Urne mit engem Hals. Die Urnen standen reihenweise etwa 1 ' ., in 
auseinander im Erdboden. An Beigaben wurden gefunden eine kleine 
2 1 / g cm lange gut erhaltene Bronzepincette, sowie ein 6 cm langes 
weniger gut erhaltenes Bruchstück einer solchen, stark verwitterte 
Bruchstücke von Bronzefibeln und Beschlagteilen von Bronze, ferner 
eine 6 1 j i cm lange stark verrostete Schere von Eisen, sowie eine 
Anzahl kleiner verwitterter Tonperlen. 

Urnenfriedhof. Auf dem Grundstück des Hofbesitzers Hamborg in- 
mitten des Dorfes Emern wurde Anfang Juni 1906 beim Planieren 
des Hofes unter den Fundamenten einer Scheune die Reste eines 
Urnenfriedhofes anscheinend aus sächsischer Zeit blossgelegt. Von 
den zahlreichen Urnenfunden, die an dieser Stelle gemacht wurden, 
konnte nur ein mit Knochen und Aschenresten gefülltes 18 cm hohes 



Museum für Kunst 

und Altertümer 

in Emden. 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



30 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib lies Fundes 



39. Lüneburg 

(Stadtkr. Lüneburg). 



40. Brinkum 

(Kreis Leer). 



41. Grone 

(Landkr. Göttingen) 



bauchiges Gefäss von glattem unverzierten Ton heil zu Tage gefördert 
werden, in welchem sich als einzige Beigabe eine zerbrochene Bronze- 
Pincette vorfand. Die übrigen in »Scherben zerfallenen Gefässe 
wurden von den Findern verworfen. Die geborgenen Fundgegenstände, 
Urne und Pincette, sind durchaus uncharakteristisch. 

Vorgeschichtliche Brandstätten. Auf dem Gelände der Provinzial- 
Heil- und I'flegeanstalt in Lüneburg wurden im Juni 1906 die Reste 
vorgeschichtlicher Verbrennungsstätten mit zahlreichen von Rauch 
geschwärzten Steinen aufgefunden, deren angebahnte wissenschaftliche 
Untersuchung leider durch unsachgemässe Grabungen unberufener 
Privatpersonen vereitelt wurde. Die dabei gefundenen Topfscherben 
deuten auf einen spätsächsischen Urnenfriedhof. 

Spätsächsischer Urnenfriedhof. Auf dem Grundstück des Kolonisten 
Deddo Mansholt im sog. Kirchengehölz am Nordende des Dorfes 
Brinkum, etwa 300 m von der Haltestelle Brinkum der Kleinbahn 
Leer-Aurich entfernt, wurden am 22. Oktober 1906 beim Urbarmachen 
eines mit Kiefern bestandenen flachen Hügels Teile eines spätsächsischen 
Urnenfriedhofs aufgedeckt. Es wurden in einer Tiefe von 50 — 60 cm 
im ganzen etwa 20 Urnen ausgegraben, von denen der grösste Teil 
von den in dem Hügel befindlichen Baumwurzeln bereits derartig 
zerstört war, dass die meisten nur in Trümmern gehoben werden 
konnten. Die Scherben wurden von dem Finder achtlos bei Seite 
geworfen, später konnten noch 6 Urnen, zum Teil stark beschädigt, 
mit Beigaben ausgegraben und für die Wissenschaft geborgen werden. 
Von diesen ist eine 29 cm breite und 30 cm hohe bauchige Urne 
mit weiter Halsöffnung wegen des aussergewöhnlich rot und hart- 
gebrannten Tons bemerkenswert. Dieselbe ist an der Schulter mit 
2 wellenförmigen, scharf eingeritzten Linien verziert. Das Innere 
enthielt ausser verbrannten Knochen an Beigaben eine 10 1 /., cm lange 
und 2 cm breite, feine, gut erhaltene Bronzeschere und einen 5 cm 
langen, mittelalterlichen Bronzeschlüssel. Ob der letztere in oder 
neben der Urne gelegen hat, konnte nicht festgestellt werden, da 
beim Ausheben ein Teil des Urneninhalts verschüttet wurde. Beide 
Gegenstände lagen unter Knochenresten verdeckt. Eine zweite, nur 
im untern Teil erhaltene, 17 cm breite kugelförmige Urne von schwarz- 
grauem Ton zeigt an der Bauch wandung eigenartige dreieckige 
Stempelverzierungen, während zwei andere fast unbeschädigte Gefässe 
von 24 und 16 cm Höhe keine Verzierungen aufweisen. Die letzteren, 
fast kugelförmig von graubraunem hartgebrannten Ton von mittel- 
alterlichem Typus enthielten keine Beigaben, jedoch lag neben den- 
selben eine 40 cm lange und 4 cm breite, stark verwitterte Lanzen- 
spitze von Eisen, welche beim Ausheben in 2 Stücke zerbrach und 
später von unberufenen Händen in einem Schmiedefeuer angeschmiedet 
und verbogen wurde. Einige Wochen später wurden bei weiteren 
Nachforschungen an derselben Stelle noch eine kleinere, roh geformte 
Urne aus grauem rauhen Ton, welche mit einem Deckel versehen 
war, ausgegraben. Dieselbe enthielt an Beigaben eine eiserne Schere, 
einen leich verzierten Kamm von Knochen sowie einige pechartige 
Erdstücke, auf welchen Abdrücke von rauhem Leinen noch deutlich 
sichtbar waren. 



7. Reihengräber. 

Reihengräber. Bei Gelegenheit von Ausschachtungsarbeiten zu einem 
Neubau des Zimmermeisters August Willich in Grone Anfang Februar 
1904 wurde beim Abfahren von Sand ein grösseres frühgtschiclitliehes 
Reihengiäberfeld aufgefunden und von Professor Verworn-Göttingen 
eingehend untersucht. Es wurden dabei etwa 20 Gräber mit ins- 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Privatbesitz. 



31 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



42. Kuhlenkamp 
(Kreis Hoya). 



43. Grundoldendorf 
(Kreis Stade). 



44. Kreepen 

i Kreis Verden). 



gesamt 23 wohlerhaltenen menschlichen Skeletten freigelegt, darunter 
ein Grab mit einem Pferdeskelett Jedes Grab war etwa 1 m breit, 
die einzelnen Reihen lagen etwa 2 m von einander entfernt. Sämtliche 
Skelette lagen reihenweise in rechteckigen Gruben ca. 0,80 bis 1,50 m 
unter der Erdoberfläche gerade ausgestreckt auf dem Rücken, mit 
dem Kopfende nach Westen orientiert. Beigaben fanden sich nur 
sehr spärlich und in einem ausserordentlich schwer erkenntlichen und 
verwitterten Zustande. Ausser einem bereits vorher bei der Aus- 
schachtung von Sand gefundenen eisernen Messer und einem Topf- 
scherben mit Kammstrichverzierung wurden nur in dem Grabe mit 
dem Pferdeskelett Beigaben gefunden, z. B. eisernes Messer und 
Riemenschnallen nebst Spuren des Ledergürtels, welche schliessen 
lassen, dass der Tote in voller Gewandung mit seinem Pferde bei- 
gesetzt worden war. Die Fundgegenstände geben keinen sicheren 
Anhalt zur näheren Datierung. Nach Ansicht Verworns gehören die 
Gräber dem 5. bis 8. Jahrhundert an. 1 



8. Frühmittelalterliche Funde. 

Mittelalterliches Bronzegefäss. Am Westrande der Ortschaft 
Kuhlenkamp, etwa 1 ' '., km östlich der von Asendorf nach Sulingen 
führenden Landstrasse wurde am 15. März 1904 von dem Pächter 
Brinkmann in einem Erdwalle eine Anzahl Scherben frühmittelalter- 
licher Tongefässe, sowie ein gut erhaltener dem späteren Mittelalter 
angehöriger Bronzekessel mit 3 Füssen, sog. Grapen. gefunden. 

Funde aus Hügelgräbern. Die etwa 1 km südlich der Ortschaft 
Grundoldendorf auf dem sog. Dorn am Wege nach Apensen belegenen 
Reste von 4 Hügelgräbern wurden am 2. Oktober 1905 von Prof. 
Schuchhardt-Hannover untersucht und dabei eine Menge verbrannter 
menschlicher Knochen, Holzkohle, sowie ein eisernes Niet gefunden. 
Da aus diesen Hügeln die in den Museen in Stade und Buxtehude 
befindlichen prächtigen eisernen Schwerter mit Goldtauschierung und 
Inschriften aus dem 9. Jahrhundert herrühren, so ist anzunehmen, 
dass das gefundene Niet zu den obigen Schwertern gehört, sowie 
dass diese Hügel normannischen Ursprungs sind. 2 



9. Moorleichenfund. 

Moorleiche. Im Hin^stmoor bei dem Dorfe Kreepen, etwa 1 hm 
südöstlich von Brammer, wurde am 9 Juni 1903 auf dem Grund- 
stücke des Anbauers Lattmann in einer Tiefe von etwa 80 cm im 
Moore die gut erhaltene, vollkommen mumifizierte Leiche einer 30 
bis 40jährigen männlichen Person gefunden. Dieselbe lag in knieender 
Stellung mit übereinandergeschlagenen Füssen, die rechte Hand über 
den Nacken gelegt, mit dem Gesicht nach unten in der Moorschicht. 
Der Kopf war nach Nordwesten gerichtet. Um Hals und Arme war 
ein aus Eichen- und Birkenzweigen gedrehtes Seil gebunden : auch 
schienen die Beine über den Füssen geknebelt gewesen zu sein, da 
sich an dieser Stelle zwei kleine eichene, knebelartige. Holzstücke 
vorfanden. Ausser drei etwa 20 bis 25 Pfund schweren Feldsteinen 
und den zusammengedrehten Ruten konnte an Beigaben bei der Leiche 
nichts entdeckt werden, insbesondere wurden Reste von Kleidungs- 
stücken trotz eifrigen Nachsuchens nicht gefunden. Angeblich soll 
beim ersten Auffinden ein eiserner Ring vorhanden gewesen sein, der 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Städtische Alter- 
tumssammlung 
in Buxtehude. 



Museum 

für Völkerkunde 

in Berlin. 



1 Deutsche Literaturzeit. 1904. S. 485 und 796. 
Korrespondenzbl. für Anthropol. 1904 (35). S. 48 und 61. 



Abbild, der Schwerter Lindenschmit, Altertum. IV. Taf. 60. 



32 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



45. Peine 

(Kreis Peine). 



46. lichte 

(Kreis Stolzenau) 



47. Soltau 

(Kreis Soltaub 



48. Celle 

(Stadtkreis Celle). 



49. Gross Schwülper 

(Kreis Gifhorni. 



aber später nicht mehr aufzufinden war. Die Leiche, deren Länge 
1,45 in und deren Breite 0,35 m beträgt, war beim Auffinden gut 
erhalten, hat aber später beim Transport ausserordentlich gelitten. 
Die sehr langen Haare sind von der Kopfhaut abgelöst und sind 
auch die anfangs besonders gut erhaltenen Füsse später zerfallen, 
sodass die Leiche leider nicht den ursprünglichen Zustand beim 
Auffinden veranschaulicht. 



10. Bohlwege und Pfahlroste. 

Bohlweg-Reste. Bei den Ausschachtungsarbeiten für die Kanalisation 
auf der Gröpernstrasse in Peine wurden im Juli 1902 die Reste eines 
anseheinend mittelalterlichen Bohlweges in einer Länge von 60 — 70 m 
und in einer Breite von etwa 2 m aufgedeckt. Der Bohlweg lag in 
einer Tiefe von l 1 /., m unter dem Strassenpflaster und wurden zahl- 
reiche tierische Knochenreste sowie eine Anzahl Scheiben frühmittel- 
alterlicher hartgebrannter Tongefässe dabei aufgefunden. 

Mittelalterlicher Bohlweg. Bei der Ausschachtung eines Bauplatzes 
an der Ecke der Mühlen- und Kirchstrasse in Lichte wurde Anfang 
Juli 1903 von dem Maurermeister Könemann in einer Tiefe von 
reichlich 2 m unter dem Strassenniveau ein Bohlweg aus recht- 
eckig behauenen Eichenstämmen, sowie die Reste eines Pfahlrostes 
blossgelegt. Der Bohlweg hatte die Richtung von Südost nach 
Nordwest und führte auf den mit ihm zusammenhängenden Pfahl- 
rost zu. 



Mittelalterlicher Bohlweg. Gelegentlich der Kanalisation der Post- 
strasse in Soltau im Mai 1904 wurden an der Stelle, wo von dieser 
die Kirchstrasse abzweigt, die Reste eines aus Bohlen und Birken- 
stämmen gefertigten angeblich mittelalterlichen Bohlweges bezw. 
Knüppeldammes in einer Länge von etwa 20 m freigelegt. Weitere 
Funde wurden dabei nicht gemacht. 



Reste von Pfahlanlagen. Bei Wrgrösserung des Hafens der Aller- 
schleppschiffahrtsgesellsehaft in Celle wurden am 17. und 18. Juni 
1906 an der Südseite des Hafens in einer Tiefe von 2 m Reste eines 
gut erhaltenen eichenen Pfahlrostes aufgefunden. Der Pfahlbau 
bestand aus 15 ganzen 2 — 3 m langen Eichenstämmen, welche in 
regelmässigen Abständen in einer Fläche von etwa 10 m Länge und 
9 m Breite in den Boden eingerammt waren. Zwischen und bei 
diesen Pfählen fand man neben neuzeitlichen Topfscherben und einer 
eisernen Kugel auch verschiedene von Menschenhand bearbeitete 
vorgeschichtliche Gegenstände z. B. eine mit einem kreisrunden 
Schaftloch versehene 16 cm lange Hirschhornaxt, ferner zwei Feuer- 
steinartefakte, sowie einzelne unbestimmte Urnenscherben. 

Anhaltspunkte für das Alter der Pfahlanlage haben sich dabei 
nicht ergeben. 

Reste von Pfahlanlagen. In dem im Jahre 1873 umgegrabenen 
Okerbett bei Gross-Schwülper wurden am 6 September 1906 unter- 
halb der Ükerbrücken unter dem Wasserspiegel zahlreiche 20- 50 cm 
starke Eichenpfähle aufgefunden. Anhaltspunkte für das Alter der- 
selben haben sich dabei nicht ergeben. 



Privatbesitz. 



in situ. 



in situ. 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



in situ. 



33 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



50. Verden 

(Kreis Verden) 



51. Latferde 

(Kreis Hameln). 



52. Oldau 

(Landkr. Celle) 



53. Farge 

(Kreis Blumenthal). 



54. Vietze 

(Kreis Lüchow). 



55. Celle 

(Stadtkr. Celle) 



56. Königshof 

(Kreis Ilfeld). 



11. Einbäume. 

Einbaum. Bei Gelegenheit von Baggerarbeiten an der Mündung der 
alten Aller etwa 2 km unterhalb Verden wurde am 21. Mai 1901 
ein ausserordentlich langer Einbaum von Eichenholz aus dem Fluss- 
bett der Aller zu Tage gefördert. Der Boden desselben, der hintere 
Sitz und eine Längsseite, sind ganz erhalten, während die übrigen 
Seiten grösstenteils zerstört sind. Die Länge des vorhandenen Restes 
beträgt 6,20 m, die Breite 0,57 m. Ein besonderes Interesse erregt 
die eigenartige Bearbeitung der Innenflächen, welche noch deutlich 
die Führung der Axthiebe erkennen lässt. 

Einbaum. Auf einer Wiese des Oekonomen Strüver in Latferde wurde 
bei Hochwasser im Februar 1902 aus der Weser ein 4,60 m langer 
und 50 cm breiter Einbaum aus verwittertem Eichenholz angeschwemmt. 
Derselbe ist, obwohl stark defekt, in der Form noch gut erhalten 
und zeigt in der Mitte der Höhlung eine in Holz ausgesparte Scheide- 
wand, welche den Rudersitz getragen zu haben scheint. 

Einbaum. Bei den Uferbefestigungsarbeiten an der Aller unterhalb 
der Ortschaft Oldau wurde Ende August 1902 aus dem Flussbett 
der Aller ein etwa 3 m langer und 1 j 2 m breiter gut erhaltener 
Einbaum von Eichenholz zu Tage gefördert. 

Einbaum. Bei Gelegenheit von Baggerarbeiten in der Unterweser 
unweit der Porzellanfabrik Farge im Sommer 1903 wurde aus dem 
Bett der Weser ein ziemlich gut erhaltener Einbaum von tiefschwarzem 
verwitterten Eichenholz ausgebaggert. Obgleich das eine Ende stark 
defekt und vermorscht zu Tage gefördert wurde, ist die Form des 
Ganzen noch gut erkennbar und lassen sich drei durch zwei Scheide- 
wände getrennte Abteilungen im Innern des Fahrzeuges deutlich 
unterscheiden. Die Länge des Einbaums beträgt 5,50 m, die mittlere 
Breite etwa 50 cm. 

Einbaum. Etwa 300 m unterhalb der Ortschaft Vietze wurde von 
dem Unternehmer Jahnke in Hitzacker im November 1903 aus dem 
Strombette der Elbe ein ca. 8 m langer und 1 m breiter unvollendeter 
Einbaum von Eichenholz ausgebaggert. Derselbe ist besonders des- 
halb bemerkenswert, weil er sich in unfertigem Zustand befindet, 
wodurch die Art der Herstellung deutlich ersichtlich ist. Das Innere 
eines mächtigen Eichenstammes ist erst zum Teil ausgehöhlt und 
sind die Axthiebe noch deutlich sichtbar. Da die Form dieses Fahr- 
zeugs von den übrigen bekannten vorgeschichtlichen erheblich ab- 
weicht, auch der Eichenstamm, aus dem es gefertigt, zum grossen 
Teil noch frische Eichenholzfarbe zeigt, so ist anzunehmen, dass das 
Alter dieses Einbaumes nicht über das Mittelalter hinausreicht. 

Einbäume. An der Nordwestseite des Allerhafens in der Stadt Celle 
wurden im Sommer 1905 im Sande die Reste von zwei verwitterten 
Einbäumen aus Eichenholz gefunden. 



12. Frühmittelalterliche Befestigungen. 

Ausgrabungen auf der Ruine Königsburg. Die bereits in den 
Vorjahren auf Veranlassung des Harzvereins für Altertumskunde be- 
gonnenen Ausgrabungsarbeiten auf der Ruine Königsburg zum Zwecke 
der Erforschung der Burg wurden im Jahre 1901 vom 5. — 28. September 
fortgesetzt und dabei eine genaue Untersuchung sowohl der Burgruine 
selbst als auch der dieselben umgebenden Befestigungsanlagen vor- 
genommen. Bei den Grabungen, welche unter Leitung von Professor 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Museum 
in Hameln. 



Vaterl. Museum 
in Celle. 



Museum für 

Natur-, Völker- 

und Handelskunde 

in Bremen. 



Museum 
in Lüneburg. 



Privatbesitz. 



Fürst Otto- 
Museum 
in Wernigerode. 



34 



Fundort 



Fundnach richten 



Verbleib des Fuudes 



57. Rehburg 

(Kreis Stolzenau) 



58. Holzerode 

(Landkr. Göttingen) 



59. Aselage 

(Kreis Bersenbrück). 



60. Sievern 

(Kreis Lehe). 



Höfer in Wernigerode stattfanden, wurde eine Reihe von Fundgegen- 
ständen des Mittelalters, meist Eisensachen, zu Tage gefördert; unter 
Anderem Messer, Nägel, Pfeilspitzen, Hufeisen, Schlüssel und zahl- 
reiche Topfscherben. Die ältesten dieser Funde gehen bis in das 
10. Jahrhundert zurück. 1 

Untersuchung der Düsselburg. Die sog. Düsselburg, ein früh- 
mittelalterlicher Ringwall, 3 km nordwestlich der Stadt Rehburg, 
wurde vom 18. — 26. Juli 1904 von Professor Schuchhardt-Hannover 
untersucht und dabei eine grosse Menge (ca. 30 hg) Scherben von 
Tongefässen meist ohne jegliche. Verzierung, sowie einige Eisen- und 
Feuersteingeräte gefunden. Die Funde, welche dem sächsischen Typus 
ähneln, werden von Schuchhardt in das 5. — 8. Jahrhundert gesetzt. 2 

Untersuchung frühmittelalterlicher Wallanlagen auf dem Hünen- 
stollen. Die im Göttinger Walde 2 km südwestlich vom Dorfe 
Holzerode auf dem sog. Hünenstollen belegenen Reste mittelalterlicher 
Befestigungsanlagen wurden im Juli 1905 von Prof. Schuchhardt- 
Hannover einer eingehenden Untersuchung unterzogen und dabei 
einzelne Teile von Hausgerät, wie Topfscherben, Spinnwirtel und eine 
eiserne Schere usw. aus dem 5. — 8. Jahrhundert gefunden. Obgleich 
die Hauptmasse der gefundenen Scherben der Völkerwanderungszeit 
angehört, sind daneben doch auch einige Metallstücke gefunden, 
welche der La Tene-Periode angehören. 

Neuere Funde auf der Aseburg. Auf dem mit dichtem Baum- 
wuchs bestandenen Gelände der zur Hauptburg gehörenden Vorburg, 
einer frühmittelalterlichen Wallanlage, wurden im Februar 1906 beim 
Rigolen von Gartenland von dem Besitzer Busch daselbst eine grosse 
Anzahl Gefässscherben , Spinnwirtel und Eisengeräte des frühen 
Mittelalters gefunden. Die Funde sind von genau derselben Art wie 
die im Jahre 1891 aufgefundenen im Museum in Osnabrück befind- 
lichen Eisenfunde und sind mit diesen in das 9. Jahrhundert zu setzen. 

Untersuchung frühmittelalterlicher Befestigungsanlagen. Die 

etwa 2 km nordöstlich vom Dorfe Sievern am westlichen Rande des 
dem Lande Wursten vorgelagerten Geestrückens belegenen frühmittel- 
alterlichen Ringwälle, die Pipinsburg, die Heidenstadt und 
die Heiden schanze, welche bereits in früheren Jahren von 
unberufener Hand vielfach angegraben sind, wurden im Juli 1906 
von Prof. Schuchhardt-Hannover einer erneuten Untersuchung unter- 
zogen und dabei festgestellt, dass innerhalb des Walles der Pipinsburg 
eine Anzahl Wohnhäuser gestanden hat , deren Grundrisse zum 
grössten Teil durch diese Forschung nachgewiesen wurde. Auch 
wurde als Umwallung der Burg ein mit steiler Holzwand verkleidetes 
Bollwerk festgestellt, dessen Dicke an der Basis heute mehr als 
20 m und dessen Höhe 7 — 8 m beträgt. Endlich wurde eine aus- 
gedehnte Toranlage nachgewiesen. Die Grabungen, welche im Oktober 
1906 von Oberlehrer Agahd - Hannover fortgesetzt wurden, ergaben 
eine grosse Anzahl sächsischer und fränkischer Gefässscherben, eine 
eiserne Lanzenspitze, sowie ein gut erhaltenes unbestimmbares Huf- 
eisen von besonderer Kleinheit. Die Untersuchung der Heide n- 
schanze ergab, dass der jetzt noch 2 m hohe Hauptwall aus Sand 
aufgebaut und ebenso wie die Pipinsburg mit Holz verkleidet gewesen 
ist. Auch hier wurden die Spuren von Wohnanlagen und das Ein- 
gangstor nachgewiesen. Die Grabungen förderten zahlreiche Urnen- 
scherben zu Tage, und zwar vornehmlich dünnwandige, beiderseitig 
geglättete graue und schwarze Ware, die den Funden aus anderen 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



Städtische Alter- 
tumssammlung 
in Göttingen. 



Privatbesitz 



Museum 
in Geestemünde. 



Zeitschr. des Harzver. f. Gesch. u. Altertumsk. XXXV. S. 183. 



Zeitschr. des Histor. Ver. f. Nieders. 1904. S. 411. 



35 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



61. 



Midlum 

(Kreis Lehe). 



62. Burg 

(Landkr. Celle) 



63. Osnabrück 

(Stadtkr. Osnabrück) 



64. Sarstedt 

(Landkr. Hildesheini) 



sächsischen Urnenfriedhöfen, wie Altenwalde, genau entspricht. Die 
Grabungen auf der Heide nstadt, der ausgedehntesten Befestigungs- 
anlage dieser Gruppe, führten zu ähnlichen Ergebnissen. Die 
gefundenen Scherben entsprachen genau denjenigen der Heidenschanze ; 
auch wurde hier das Bruchstück einer Millefiori-Perle von 13:20 mm 
Grösse gefunden, welche dem bei Perlberg gefundenen, bei Müller- 
Reimers Altertum. Tafel XXII. 216 abgebildetem Stücke fast genau 
entspricht. Nach Ansicht Schuchhardts ist die Erbauung der Pipins- 
burg in das 8., die der benachbarten Heidenstadt und Heidenschanze 
in das 4. — 6. Jahrhundert zu setzen. 1 

Untersuchung der Kransburg. Die etwa 2 km südlich von Midlum 
am Rande der Geest belegene frühmittelalterliche Befestigungsanlage 
der Kransburg, ein Ringwall von ca. 40 m Durchmesser, wurde im 
Sommer 1906 von Prof. Schuchhardt-Hannover näher durchforscht. 
Nach den dort gefundenen Scherben zu urteilen stammt die Befestigung 
aus dem 4. — 6. Jahrhundert. 

Untersuchung eines Ringwalles. Der unweit des Dorfes Burg bei 

Celle gelegene wohlerhaltene Ringwall wurde vom 5. — 8. September 
1906 von Prof. Schuchhardt-Hannover und Dr. Uhl-Münden wissen- 
schaftlich durchforscht. Irgend welche Mauer- oder Fundamentreste 
wurden dabei nicht gefunden, wohl aber eine kleine Anzahl von 
Gefässseherben des 8. Jahrhunderts sowie einige Stücke Eisenschlacke. 
Nach dem Aufbau der Anlage zu schliessen, gehörte die Befestigung 
dem 6.-8. Jahrhundert an. 



13. Münzi'unde aus dem Mittelalter und Neuzeit. 

Goldmünzenfund. Ein bedeutender Münzfund wurde Ende Juni 1905 
in der Stadt Osnabrück gemacht. Dort wurden beim Abbruch des 
katholischen Pfarrhauses der St. Johanniskirche in der Pfaffenstrasse 
von dem Maurermeister Heinr. Middelberg 149 Stück ausgezeichnet 
erhaltene rheinische Goldgulden des 14. Jahrhunderts aufgefunden, 
meist Stücke der Kurfürsten von Cöln, Trier, Mainz und der Pfalz, 
einzelne Stücke der Herzöge von Berg und Geldern, sowie auch eine 
venetianische Zechine des Dogen Andrea Dandolo. Der Schatz war 
in einer der inneren Hauswände im Giebel eingemauert gewesen und 
kam beim Niederlegen der betreffenden Wand zum Vorschein. 2 

Mittelalterlicher Münzenfund. Ein höchst bedeutender Münzenfund 
wurde am 1. Juli 1905 auf dem Grundstücke des Mühlenbesitzers 
Ernst Malzfeldt in Sarstedt gehoben. Dort kam beim Ausschachten 
eines Bauplatzes neben dem Mühlengrundstück hart am Ufer der 
Innerste ca. 1 m tief in der Erde ein mittelalterlicher irdener Topf 
mit 5472 Stück Silbermünzen des 14. und 15. Jahrhunderts zum 
Vorschein. Der Fund ergab im wesentlichen nur 6 verschiedene 
Typen von Denaren Hildesheimer Gepräges, darunter einzelne, welche 
bislang noch nicht bekannt waren. Er ist in münzgeschichtlicher 
Beziehung besonders dadurch weitvoll, dass sich neben den Münzen 
auch noch 2 Silberbarren vorfanden, mit Stempeln des vierfeldigen 
Hildesheimer Stadtwappens. Leider konnten an der Fundstelle keine 
weiteren Nachforschungen angestellt werden, weil dieselbe nach dem 
Auffinden der Münzen sofort übermauert wurde. 3 



Museum 
in Geestemünde. 



Privatbesitz. 



Privatbesitz. 



Provinzial- 

Museum 

in Hannover. 



1 Zeitschr. des Histor. Ver. f. Niedersachsen 1907. S. 117. 

2 Mitteil. d. Histor. Vereins zu Osnabrück 1905. S. 193. 



Vgl. die ausführl. Beschreibung von Menadier S. 77. 



36 



Fundort 



Fundnachrichten 



Verbleib des Fundes 



65. Rodewald 

(Kreis Neustadt). 



66. Peine 

(Kreis Peine) 



Münzenfund. Auf dem Grundstücke des Brinksitzers Heinr. Mesen- 
brink im Kiebitzmoor bei Rodewald wurde am 5. November 1905 
in einer wallartigen Erhöhung beim Umgraben des Erdreiches ein 
irdener Topf mit 180 gut erhaltenen Silbermiinzen des 16. Jahr- 
hunderts gefunden. Die Münzen lagen in mehreren leinenen Beuteln 
in dem Topfe verpackt und bestehen meist aus böhmischen, Branden- 
burger und Mansfelder Stücken aus den Jahren 1526 — 47. Der 
Fund steht zweifellos in Beziehung zur Schlacht bei Drakenburg 1547, 
zu welcher Zeit im Rodewalder Bruche mannigfache Truppen gelagert 
haben. In der Nähe der Fundstelle wurden bereits im Jahre 1886 
eine Anzahl Hildesheimer Mariengroschen aus den Jahren 1532 — 46 
gefunden, welche in den Besitz des Provinzial-Museums in Hannover 
gelangten. 

Münzenfund. Bei den Ausschachtungsarbeiten zum Umbau der Neustadt- 
mühle in Peine wurde am 2. Juni 1906 unter den Fundamentbalken 
von Arbeitern ein irdener Krug mit etwa 250 Silbermiinzen des 16. 
und 17. Jahrhunderts gefunden. Die Münzen, die allem Anschein 
nach in der letzten Zeit des dreissigjährigen Krieges dort vergraben 
sind, wurden von den Findern widerrechtlich an sich genommen und 
zum grössten Teil nach auswärts verkauft. Doch gelang es der 
Polizei, insgesamt 69 Münzen wieder zusammen zu bringen. Die 
Münzen, durchweg Silberstücke aus den Jahren 1540 — 1638, sind 
zum grossen Teil sehr gut erhalten; hauptsächlich finden sich darunter 
braunschweigische Herzogstaler, ferner solche der Bistümer Minden, 
Ratzeburg und Halberstadt, Sachsen Albertinische Linie und Nieder- 
ländische Gulden, Stadtmünzen von Lübeck, Hamburg, Braunschweig, 
Magdeburg und Hildesheim. 



Privatbesitz. 



Privatbesitz. 



Aufgrabung von Hügeln im Uelzener Stadtforst. 

Von J. Fastenau. 

Hierzu Tafel VI und VII. 

In den Monaten Juli und August des Jahres 1906 wurde die Aufgrabung von drei im 
Uelzener Stadtforst unmittelbar nördlich vom Fahrwege Uelzen-Barnsen gelegenen Hügeln im 
Auftrage des Provinzial-Museums vom Verfasser vorgenommen. Ein etwa 40 m nordöstlich 
liegender Hügel (Hügel 1) war bereits früher, um Steine für Wegebauten zu gewinnen, zerwühlt 
worden, sodass man sich hier von der ursprünglichen Anlage kein Bild mehr machen konnte. 
Die drei erstgenannten Hügel (2, 3, 4) waren dagegen noch unberührt. Sie lagen nahe bei 
einander, der Zwischenraum zwischen den Hügeln 2 und 3 betrug nur 5 m, zwischen den Hügeln 
3 und 4 12 tri (vergl. Taf. VI, Fig. 1). 

Durch das Entgegenkommen der Stadtverwaltung von Uelzen, welche die nötigen Arbeits- 
kräfte unentgeltlich stellte, und die rege persönliche Anteilnahme des Herrn Stadtförsters Maass 
wurden die Untersuchungen wesentlich gefördert. 

Zuerst erfolgte die Aufgrabung des Hügels 2 (Taf. VI, Fig. 2). Sein Durchmesser 
betrug von Osten nach Westen 15 m, seine Höhe ca. 1\' 2 m über dem umliegenden Terrain. 
Bei der Durchlegung von 1 m breiten Gräben von Ost nach West und Süd nach Nord wurden 
durchweg faust- bis kopfgrosse Steine blossgelegt, die sich scheinbar in zwei Ringen, einem 
inneren und einem äusseren, um den Mittelpunkt des Hügels legten. Der innere Ring (a b c d) 
war vom Mittelpunkt entfernt Ma = 4 m, Mc=2,80 m, Mb =4,50 m, Md = 4 m. Der 
äussere Ring war vom Mittelpunkt entfernt Me = 6 m, Mg = 5,50 m, M h = 6 m, M f = 6,50 m. 
Der äussere Steinring war also fast kreisförmig. Bei der weiteren Grabung erwies sich das, 
was anfangs ein innerer Steinring zu sein schien, als ein Steinwall von annähernd ovalem 
Grundriss. Der von ihm eingeschlossene Raum war durch zwei Zwischenwände in drei Teile 
geteilt. Die Wände hatten eine Stärke von 50 — 80 cm. Sie reichten nicht an allen Stellen 
bis auf die Sohle des Hügels herab, sondern zeigten zum Teil nur eine obere Steinlage, so 
z. B. bei 1 und m. Die Steine, regellos aufgeschichtet, lagen etwa 20 cm unter der Erd- 
aufschüttung des Hügels. Zwischen den Wänden 1 und m, an der Wand 1, lag 50 cm tiefer 
als die Oberkante dieser Wand eine Steinpackung von drei Schichten (n). Beim Abtragen 
derselben fand sich ein etwa faustdickes Stück verkohltes Holz, ein winziges Stückchen verwitterter 
Bronze und an anderer Stelle kleine Teilchen von verkohltem Holz, auch kamen einige kleine 
rohe Tongefässscherben, stark mit Gesteinsgrus durchsetzt, auf der Innenseite massig geglättet, 
aussen zum Teil massig gerauht, zu Tage. Ein scharf profiliertes Randstück zeigt den in Fig. 1 
wiedergegebenen Querschnitt. Ein besonders grosser Stein der Packung n 
zeigte an einer Stelle eine leichte, offenbar künstlich geglättete Mulde wie 
ein grosser Schleifstein. Der Hügel war aus gelbem Sande aufgeschüttet, 
der gewachsene Boden mit Kieseln durchsetzt. Im Hügel zerstreut fanden 
sich Feuersteinsplitter, von denen einige künstlich geschlagen waren. 

Der Durchmesser des Hügels 3 (Taf. VI, Fig. 3) betrug 14 m. Er 
zeigte, ebenso wie Hügel 2, einen ungefähr kreisförmigen Steinring (A B;, 
innerhalb desselben drei Steinwälle. Auf der Südseite war der Hügel nicht mehr vollständig. 
Bei der Anlage des Weges Uelzen-Barnsen wurde hier nämlich ein Stück abgeschnitten und 
dabei auch ein Teil des Steinkranzes zerstört. Von den inneren Steinwänden (a b c) waren a 
und b 30 cm stark und etwa 50 cm hoch aufgeschichtet. Ein Teil der Wand a verlief nord- 
wärts und schloss sich an den äusseren Steinkranz. Der Wall c stellte sich sehr unregelmässig 
dar, er war 70 — 80 cm hoch aufgeführt und an der breitesten Stelle etwa 1,20 m stark. Die 
Steinpackungen reichten teils bis auf die Sohle des Hügels herab, teils lagen sie höher. Die 
Entfernung zwischen dem Steinring und der Wand a betrug 1,60 m, zwischen a und b 2,60 m, 
zwischen b und c ebenfalls 2,60 m. Zwischen b und c, zum Teil unter b, lag eine oblonge, 




38 

durch eine Zwischenwand in zwei Abteilungen zerlegte Steinpackung. Sie reichte bis auf den 
gewachsenen Boden herab und war etwa 40 cm hoch aufgeführt. Ihre Länge betrug 3 m, ihre 
Breite 1,60 m. Auf der Zwischenwand fanden sich vier anscheinend von einer Messer- oder 
Dolchklinge herrührende Bruchstücke von verwitterter Bronze (Taf. VII, Fig. 1). An einem 
derselben befindet sich noch eine Niete. Zwischen den Wällen a und b lagen Teilchen von 
verkohltem Holz. Beim Abtragen des Walles c kam im Sande zwischen den Steinen eine lii cm 
lange Bronzenadel mit kugelförmigem Kopf und geschwelltem, spiralig gerieftem Halse zu Tage 
(Taf. VII, Fig. 3). Der Kopf ist unten mit vertikalen Strichelchen, der Hals ober- und unterhalb 
der Riefelung mit in Zickzack gestellten Strichen verziert. Ein kleines Stück des unteren 
Endes fiel leider einem Spatenstich zum Opfer. An derselben Stelle lag noch eine kleine Bronze- 
niete, bestehend aus einem Rundstab mit geklopften Enden. An Grösse und Form gleicht sie 
den Nieten an dem oben genannten Bruchstück und dem Dolch desselben Hügels (s. unten). 
Der Zusammenhang mit irgend einem Fundstück konnte nicht nachgewiesen werden. An der 
Seite des Walles c fand sich, im Sande am Wege Uelzen-Barnsen liegend, eine bronzene Dolch- 
klinge von 12 cm Länge (Taf. VII, Fig. 2), die wahrscheinlich durch die Anlage dieses Weges 
aus ihrer ursprünglichen Lage gebracht worden ist. Die Klinge zeigt am oberen Ende, wo sie 
ursprünglich an einem wohl aus Holz hergestellten Griff befestigt war, zwei Nieten. In der 
Nähe derselben haften der Klinge Reste von parallel faseriger Substanz (Holz) an. Auf beiden 
Seiten der Klinge befindet sich ein flacher Mittelgrat. 

Der Hügel 4 (Taf. VI, Fig. 4) zeigte, ebenso wie die Hügel 2 und 3, einen ringförmigen 
Steinwall. Dieser lag überall etwa 2 m von der Peripherie des Hügels entfernt und erreichte 
eine Stärke bis zu 1 m. Im übrigen war diese sehr verschieden. Der Durchmesser des Stein- 
ringes betrug von Ost nach West 11 m, von Nord nach Süd 10 x / s m. Die Steinpackungen 
innerhalb des Steinkranzes zeigten einen sehr unregelmässigen Grundriss. Während sie auf der 
Ost- und Nordseite sich weit vom äusseren Steinring entfernten, traten sie auf der Südseite 
ganz nahe an ihn heran und bildeten hier eine Art Einfriedigung von unregelmässig viereckiger 
Form. An diese schloss sich nördlich ein starker Steinwall, östlich eine Steinpackung von 
unklarer Gestalt. Die Höhe der inneren Steinwände und des Steinkranzes war im wesentlichen 
dieselbe wie bei Hügel 3, ihre Stärke an den einzelnen Stellen sehr verschieden. Der Stein- 
kranz basierte auf dem gewachsenen Boden, die inneren Steinpackungen lagen dagegen etwa 
20 — 40 cm über demselben. Beim Ausheben des Bodens fand sich bei a eine 16 1 / g cm lange 
bronzene Absatzaxt (Taf. VII, Fig. 4 und 4 a), ferner an derselben Stelle ein bronzener Armring 
von 8 cm Durchmesser (Taf. VII, Fig. 5) und ein 5 cm langes Bruchstück von einer bronzenen 
Klinge (Taf. VII, Fig. (i). Der Armring besteht aus einem in der Mitte leicht geschwellten, an 
den Enden zusammengebogenen Rundstab. Das eingeritzte Ornament gibt die Fig. 2 wieder. 




Fig. 2. 

(Die das Ornament beiderseits begrenzenden Längslinien stellen nur die Begrenzung des optischen 
Durchschnitts dar, sind also in Wirklichkeit nicht vorhanden.) Das erhaltene Stück der 
Klinge ist oben 23 mm, unten 17 mm breit und weist beiderseits je einen Mittelgrat 
und zwei Seitengrate auf. Die Grate der einen Seite stehen denen der anderen Seite 
nicht symmetrisch gegenüber (vergl. Fig. 3). 

Im Einverständnis mit der städtischen Forstverwaltung sind auf mehrfach 
geäusserte Wünsche seitens der Uelzener Bürgerschaft die Steinsetzungen dieses Hügels, 

Fig. 3. nachdem sie völlig freigelegt waren, nicht abgetragen, sondern erhalten worden. 

Die Funde, welche insgesamt keine Feuereinwirkung zeigen, gehören einem älteren 

Abschnitt der Bronzezeit an. Die Absatzaxt entspricht einem Typus der Periode II nach 

Montelius. 



Campanisches Bronzegeschirr der La Tenezeit aus dem 
Kreise Uelzen und der Nordhandel Aquileias. 

Von H. Willers. 
Hierzu Tafel I— V. 

Als ich vor einigen Jahren in dem durch die Prachtstücke vom Hemmoorer Urnen- 
friedhofe angeregten Buche eine Uebersicht über die römischen Funde aus unserer Provinz 
gab, kam das Stromgebiet der Ilmenau und besonders jene Hügellandschaft, deren Quellbäche 
im Uelzener Becken in die Ilmenau fallen, nicht so zur Geltung, wie wir sonst gewohnt sind, 
wenn von vorgeschichtlichen Altertümern die Rede ist. Es wäre verfrüht Erwägungen darüber 
anzustellen, wie es gekommen sein mag, dass die der mittleren und späteren römischen Kaiser- 
zeit angehörenden Funde aus dem Uelzener Bezirke weit an Bedeutung hinter dem hier zum 
Vorschein gekommenen archäologischen Material aus älterer Zeit zurückstehen. Die Forschung 
wandte sich also mehr den vielfach durch Schönheit und Seltenheit fesselnden älteren Stücken 
zu. Während sonst die Pflege vorgeschichtlicher Studien in unserer Provinz zur Wichtigkeit 
des vorhandenen Materials in keinem Verhältnis steht, wurden die Funde aus der Uelzener 
Gegend bereits im J. 1772 durch des Propstes Zimmermann Nachricht von einigen bei Uelzen 
aufgegrabenen Urnen in die Literatur eingeführt. Die späteren Entdeckungen haben dafür 
gesorgt, dass die Aufmerksamkeit sich niemals von jener Heidelandschaft abzuwenden ver- 
mochte. In letzter Zeit hat besonders die Umgegend von Kloster Medingen und Bevensen 
Beachtung gefunden. Bei diesem Flecken wurden in einem Hügel mit Steinsetzung drei Männer- 
gräber noch aus guter Bronzezeit aufgedeckt. Von den Beigaben erwarb das Museum in 
Hamburg ein schönes Bronzeschwert mit doppelter Blutrinne, zwei Dolche und einen Schaftcelt 
aus demselben Metall. ' In der Feldmark des einige Kilometer nach Westen liegenden 
Haarstorf untersuchte der Gutsbesitzer Meyer einen stattlichen, ebenfalls noch der Bronzezeit 
angehörenden Grabhügel mit besonderer Sorgfalt. Unter den Funden verdient eine zweigliedrige 
Bronzefibel mit Spiralscheiben und ein reich mit geometrischen Motiven verziertes Armband 
hervorgehoben zu werden. ä Ein Kilometer südlich von dieser Fundstelle liegt ein aus 
35 Hügeln bestehendes Gräberfeld, das, wie die sorgfältige Durchsuchung ergab, der älteren 
Eisenzeit angehört. Während die auch sonst für diese Zeit charakteristischen ärmlichen 
Beigaben kein besonderes Interesse haben, verdient das durch ungewöhnlich gute Erhaltung 
ausgezeichnete Tongeschirr mit seinen wechselreichen Formen besondere Beachtung. 3 Der 
Zeit um 500 v. Chr. gehört schliesslich ein Urnenfriedhof in der Feldmark von Jastorf, süd- 
östlich von Bevensen an, der ebenfalls vortrefflich untersucht und veröffentlicht worden ist. 4 
Die zahlreichen Beigaben an Toiletten- und Schmuckgerät bekunden neben den eingeführten 
Stücken eine ungemein vielseitige einheimische Industrie, über die wir bisher leider recht 
wenig wissen. Alle diese Funde übertrifft an Stückzahl und wissenschaftlichem Werte bei 
weitem die Ausbeute aus dem Urnenfriedhofe von Nienbüttel, den das hannoversche Provinzial- 
museum hat ausgraben lassen. Die hier mit zum Vorschein gekommenen Bronzeeimer geben 
mir Gelegenheit auf einen Abschnitt in dem Buche über Hemmoor zurückzukommen, ihn zu 
berichtigen und auf ganz neuer Grundlage auszubauen. 

1 Erwähnt im Jahrbuch der Hamburgischen wissen- 3 H. Meyer a. a. 0. S. 17—32. 

schaftlichen Anstalten 20 (1902) S. 145. 4 Von G. Schwantes im Jahrbuch des Provinzial- 

2 Nachrichten über deutsche Alterthumsfunde 8 (1897) museums zu Hannover umfassend die Zeit 1. April 
S. 81—88. 1901—1904 S. 13—26 ; Taf. 1—5. 



40 

7 km westlich von Bevensen liegt zwischen den Feldmarken von Golste, Haarstorf und 
Oldendorf II die Ortschaft Natendorf, mit der der nach Haarstorf zu zwischen stattlichen 
Baumgruppen versteckte Wohnplatz Nienbüttel eine Gemeindeeinheit bildet. 1 'Ungefähr 300 m 
südlich von Nienbüttel liegt am Fusse des Haarstorfer Heidbergs eine sanfte Bodenerhebung. 
Auf dieser befindet sich ein Friedhof, der von Süden nach Norden etwa 135 Schritt lang und 
von Osten nach Westen etwa 100 Schritt breit ist. Jetzt ist er Ackerland. Früher war er 
mit Heide und Gras bewachsen und von einem Graben umgeben. An verschiedenen Stellen 
standen auf dem Friedhofe mächtige Felsblöcke, die aber im Laufe der Jahre zu Häuser- und 
Strassenbau verwandt wurden. Die Urnen standen auf dem Friedhofe fast an der Oberfläche 
der Erde etwa 1 — 2 m voneinander entfernt, besassen keinen Deckel und waren mit ver- 
brannten Menschenknochen gefüllt. Viele dieser Urnen sind schon von wissenschaftlicher Seite 
ausgegraben, aber in keinem in der Nähe liegenden Museum zu finden. Der Rest ist vom 
Pfluge zerstört.' So berichtete der um die Vorgeschichte seiner engeren Heimat recht verdiente 
Gutsbesitzer Meyer aus dem benachbarten Haarstorf vor zehn Jahren und veröffentlichte 
zugleich aus dem Friedhofe einige Beschläge, Fibeln, Gürtelschnallen und besonders eine 
Kasserolle aus Bronze, auf die später zurückzukommen ist. 2 Die Angabe über eine voll- 
ständige Zerstörung des Friedhofes beruht auf ungenauer Beobachtung. Vielmehr hat die 
Verwaltung des Provinzial- Museums jüngst in vier Campagnen eine grosse Anzahl von Urnen 
mit ungewöhnlich reichen Beigaben ausgraben lassen und so ein Beobachtungsmaterial für die 
späte La Tenezeit, also die Epoche um den Beginn unserer Zeitrechnung, gewonnen, wie man 
es in solcher Fülle nicht leicht wiederfindet. Die Veröffentlichung dieser ganzen Fundmasse 
muss einer andern Gelegenheit vorbehalten bleiben. Für meine Zwecke kommt es mir hier 
zunächst auf die vier Bronzeeimer an, die in der üblichen Weise als Urnen verwendet waren 
und den Ausgangspunkt für die nachfolgende Behandlung dieser Eimerklasse bilden sollen. 

Nienbüttel. 

Eimer 1 (Taf. 1, 2. Inv.-Nr. 16 843). Schlanker Eimer mit kräftig ausladender, oben 
abgeflachter Schulter, nach oben sanft ausladendem Hals und kräftig profilierter Lippe. Höhe 
bis zum Rande 225 mm, Durchmesser der Mündung 162, grösster Durchmesser 200, Durch- 
messer der Standfläche 11!) mm. Von den Henkelattachen nur eine erhalten: 108 mm hoch, 
das Loch für den jetzt fehlenden Henkel stark ausgewetzt; von der delphinförmigen Gabelung 
das untere rechte Ende abgebrochen. Die Delphine waren ursprünglich durch Zinnlot mit 
der Wandung verbunden, später aber auch noch durch drei Niete, die jetzt allein die Attache 
festhalten. An der Stelle der fehlenden Attache gewahrt man jetzt Zinnlot und drei Nietlöcher. 
Der Boden ist eingelassen und zeigt in der Mitte ein Zapfenloch; Spuren der Abdrehung sind 
auch am Halse zu erkennen. Auf einer Seite und besonders unten ist die Wandung mit 
dickem Eisenrost bedeckt, sonst mit dunkelgrüner, leuchtender Patina. Die Schulter zeigt 
einen halb umlaufenden Bruch; hier die Wandung 0.42 mm dick. 

Eimer 2 (Taf. 1, 4. Inv.-Nr. 16 233). Form wie bei Eimer 1, aber die Schulter 
nicht so kräftig vorspringend. Höhe bis zum Rande 235 mm, Dm. der Mündung 174, grösster 
Dm. 205, Dm. der Standfläche 116. Henkel und Attachen fehlen. An der Schulter an zwei 
entsprechenden Stellen Zinnlot in Herzform, wie die Abbildung ausweist. Unter dem Boden 
sind am Rande drei entsprechende rechteckige Stellen ebenfalls mit Zinnlot bedeckt. In der 
Mitte drei Zapfenlöcher nebeneinander; am Halse sind die Spuren der Abdrehung besonders 
deutlich zu erkennen. Glänzende dunkelgrüne Patina. Erhaltung sonst vortrefflich. Noch zur 
Hälfte mit Knochensplittern gefüllt. 

Eimer 3 (Taf. 1, 3. Inv.-Nr. 16236). Grundform wie bei Eimer 1 und 2, aber 
kleiner und nicht so schlank; die Wandung zeigt oberhalb des Bodens eine leichte Ein- 
schnürung. Höhe bis zum Rande 218 mm, Durchmesser der Mündung 177, grösster Durch- 
messer 203, Dm. der Standfläche 140 mm. Als Henkelattachen dienen dicke, rechteckige 
Bronzeplättchen, aus denen sich ein Ring erhebt; sie sind 66 mm breit, 52 hoch. Der Henkel 
fehlt, aus dem einen Ringe ist oben ein Stückchen ausgebrochen. Unterhalb der Attachen 
kein Zinnlot; es handelt sich also nicht um Ersatzbeschläge. Die Attachen sind mit je zwei 
derben Nieten am Eimerhals befestigt. Der leicht gewölbte Boden zeigt keine Spuren von 

1 Es sei verwiesen auf das Messtischblatt 1461 (Ebstorf). 2 Nachrichten 8 (1897) S. 76— 80. 



41 

Zinnlot, aber in der Mitte ein kleines Zapfenloch; am Halse bemerkt man kleine eingedrehte 
Linien. Der Eimer ist ganz mit körnigem Oxyd bedeckt und noch zur Hälfte mit Knochen- 
splittern gefüllt. 

Eimer 4 (Inv.-Nr. 16 844). Von diesem haben sich nur Hals nebst Schulteransatz 
und grössere Stücke aus der Wandung erhalten. Er glich in Grösse und Form ganz dem 
Eimer 1. Der Durchmesser der Mündung beträgt 160 mm. Die Lippe ist 1.20 mm, die 
Wandung 0.64 mm dick. 

Ich verzeichne nun weiter sämtliche andere Bronzeeimer aus unserer Provinz, die nach 
Form und Entstehungszeit auf das engste mit denen aus Nienbüttel zusammengehören. 

Oldendorf II. 

Aus dieser im Westen an den nördlichen Teil der heute gut angebauten Aecker von 
Natendorf- Nienbüttel stossenden Feldmark besitzt das Provinzialmuseum ebenfalls drei Eimer, 
die wiederum aus reich ausgestatteten Brandgräbern herrühren. Indem ich wegen der Auf- 
findung auf S. 110 meines Buches verweise, hole ich hier Abbildung und genaue Be- 
schreibung nach. 

Eimer 5 (Taf. 2, 3. Inv.-Nr. 4712). Er entspricht in Form und Grösse ganz dem 
Eimer 1 aus Nienbüttel. Höhe bis zum Rande 240 mm, Dm. der Mündung 177, grösster Dm. 219, 
Dm. der Standfläche 114 mm. Henkel und Attachen fehlen. Am Halse bemerkt man an zwei 
entsprechenden Stellen kleine Nietlöcher, unter dem Boden ein flaches Zapfenloch. 

Eimer 6 (Taf. 2, 2. Inv.-Nr. 4711). Form wie bei 5, aber die Schulter etwas 
kräftiger entwickelt. Höhe bis zum Rande 238 mm, Dm. der Mündung 159, grösster Dm. 224, 
Dm. der Standfläche 120 mm. Während der Henkel fehlt und die eine Seite des Halses zwei 
Nietlöcher aufweist, gewahrt man an der andern Seite Reste einer festgenieteten eisernen 
Attache, die in der Form der am Eimer aus Bargfeld (Taf. 3, 1) entsprochen haben wird. 
Unter dem Boden ein kleines Zapfenloch auf einer knopfförmigen Verdickung. 

Eimer 7 (Taf. 2, 4. Inv.-Nr. 4713). Grundform wie bei Eimer 5 und 6, aber der 
Hals nicht so gefällig geschweift und die Schulter stark abfallend. Höhe bis zum Rande 
239 mm, Dm. der Mündung 180, grösster Dm. 233, Dm. der Standfläche 150. Henkel und 
Attachen fehlen. Am Halse beiderseits ein grosses Nietloch. Unter dem Boden flaches 
Zapfenloch. 

Gerdau (13 km südlich von Oldendorf II). 

Eimer 8 (Taf. 1, 1: Hals und Henkel modern in Kupfer ergänzt. Sammlung 
Blumenbach in Hannover). Dieser etwa im J. 1749 gefundene Eimer ist in meinem Buche 
S. 109 — 110 eingehend beschrieben. Höhe bis zum Rande 232 mm. Dm. der leicht verdrückten 
Mündung 150/160, grösster Dm. 200, Dm. der Standfläche 116/120, Höhe der Henkelattachen 
114 mm. Der Boden von moderner Hand festgelötet. Unter dem Boden Zapfenloch; Spuren 
der Abdrehung auch an der Wandung deutlich zu erkennen. 

Bargfeld. 

In der im Süden an das Gebiet von Gerdau stossenden Feldmark von Bargfeld, die 
noch heute zahlreiche Grabhügel aufweist, fand sich unter nicht näher bekannten Umständen der 

Eimer 9 (Taf. 3, 1. Inv.-Nr. 4714). Er weicht in der Form von den bisher be- 
handelten Stücken dadurch ab, .dass die Wandung mit gleichmässiger Neigung nach oben 
ausladet und mit scharf ausspringender Schulter absetzt. Der Hals steigt gerade empor, nur 
die Lippe ist etwas nach aussen geneigt. Höhe bis zum Rande 210, Dm. der Mündung 181, 
grösster Dm. 228, Dm. der Standfläche 144 mm. Die eine erhaltene Henkelattache besteht 
aus einer rechteckigen Eisenplatte, deren Mittelstück zu einer hoch aufgebogenen Oese aus- 
geschmiedet ist, und wird von vier eisernen Nieten am Eimerhalse festgehalten. Sie ist 60 mm 
hoch und 150 breit. Der Eimer zeigt Spuren von Abdrehung. Der Boden war eingelassen. 

Osterehlbeck (Landkreis Lüneburg). 

Auch im Gebiet der Luhe ist ein hierher gehörender Eimer in einem Grabhügel 
gefunden worden und zwar bei Osterehlbeck im Tal der Ehlbeck, 20 km westlich von Nienbüttel. 

Eimer 10 (Taf. 2, 1. Inv.-Nr. 4710). Er gleicht in der Form ganz den beiden 
schönen Eimern aus Nienbüttel Taf. 1, 2 und 4. Höhe bis zum Rande 250 mm, Dm. der 
Mündung 186, grösster Dm. 226, Dm. der Standfläche 135, Höhe der Henkelattachen 90 mm. 
Die Attachen bieten eine Parallelform zu denen mit Delphinen. Doch ist der Blattkelch, aus 

6 



42 

dem der Ring sich erhebt, niedriger gehalten. Die Verbindung mit der Eimerschulter wird 
nicht durch Delphine bewerkstelligt, sondern durch eine herzförmige Platte. Wie das Zinnlot 
ausweist, waren die Platten ursprünglich festgelötet, sind aber später durch je zwei Nieten 
befestigt worden. Da die Spitzen der Plättchen unten mit einem Bruche absetzen, so müssen 
sie ursprünglich länger gewesen sein. Wie die Verlängerung ausgesehen hat, wird uns ein 
Gegenstück aus Dänemark (15: Taf. 4, 2) lehren. Unter dem Boden ein grosses und ein 
kleines Zapfenloch nebeneinander. 
Lüneburger Gebiet. 

Zwei ebenfalls hierher gehörende Eimer besitzt das Museum für Völkerkunde in Berlin. 
Ueber die Auffindung dieser aus dem Kunsthandel erworbenen Stücke wurde nur mitgeteilt, 
sie seien beim Strassen- oder Eisenbahnbau im Lüneburgschen zum Vorschein gekommen. 

Eimer 11 (wie Taf. 1, 1. 2. Berlin, Inv.-Nr. II 424(3). Höhe 250, Dm. der Mündung 
157, des Bodens 122 mm. Unter dem Boden bemerkt man drei Lötstellen, an denen die jetzt 
fehlenden Füsschen befestigt waren. Auch Henkel und Attachen haben sich nicht erhalten; 
Lötspuren deuten aber darauf, dass die Attachen unten in Delphine ausliefen. 

Eimer 12 (wie 11. Berlin, Inv.-Nr. II 4247). Er ist stark beschädigt; es fehlt das 
ganze Oberteil von der Schulter an. Das erhaltene Unterteil zeigt genau die Form des andern 
Eimers. Unter dem 120 mm im Durchmesser haltenden Boden sind keine Spuren von Zinnlot 
vorhanden. 

Rhode (Kreis Gif hörn). 

So häufig die hier in Frage kommenden Eimer sich in der Landschaft zwischen der 
oberen Luhe und Ilmenau gefunden haben, umso spärlicher sind sie bisher in den anderen 
Teilen der Provinz aufgetaucht. Ich kenne nur noch einen solchen Eimer aus dem südöstlichen 
Zipfel der Provinz, dem sogenannten Hasenwinkel, und einen andern von stark abweichender 
Form aus dem hohen Norden, dem Lande Hadeln. 

Eimer 13 (Abb. 1. 2; in Braunschweig im Privatbesitz). Er gleicht in der Form 
ganz dem aus Osterehlbeck (Taf. 2, 1). 'Höhe bis zum Rande 236 mm, Dm. der Stand- 
fläche 155, grösster Dm. 235, Dm. 
der Mündung 185 mm. Auf eine 
ganz eigenartige Weise ist der Henkel 
befestigt. An der inneren Seite des 
Halses sind an zwei sich gegenüber- 
liegenden Stellen je zwei eiserne 
Ringe von 34 mm Durchmesser be- 
festigt. Sie werden je durch eine 
kurze, röhrenförmige Oehse gehalten, 
die aussen mittels einer eisernen 
Scheibe von 22 mm Durchmesser be- 
festigt ist. Die beiden inneren Ringe 
sind untereinander durch einen auf- 
rechtstehenden, eisernen Bügel ver- 
bunden, der etwa 34 mm über den 
Rand hervorragt ; in die beiden Bügel 
fassen nun die Endhaken des eisernen Henkels (Abb. 2). Dieser ist 120 mm hoch, ungefähr 
8 mm dick und misst von Haken zu Haken 142 mm, während die Entfernung von Spitze zu 
Spitze 198 mm beträgt. Es hat den Anschein, als sei diese Art der Befestigung nur ein 
Notbehelf gewesen, eingerichtet, als die Henkelbeschläge abgefallen waren. Hr. C. Saul hat 
jetzt mit den zum teil erneuten Gliedern die Einrichtung nach der ursprünglichen Weise 
wiederhergestellt.' 1 

Westerwanna (Kreis Hadeln). 

Eimer 14 (Taf. 3, 2. Prov.-Mus. Inv.-Nr. 5460). Wie das Stück aus Bargfeld von 
abweichender Form; er hat keine Schulter, aber in halber Höhe eine kräftige Ausbauchung. 
Oben setzt die Wandung mit einem scharf ausspringenden Halse ab, der dann durch einen 











Abb. 1. Rhode. V- 



Abb. 2. Eiserner Henkelbeschlag. % 



Th. Voges in den Nachrichten 13 (1902) S. 17. Er berichtigt dort seinen früheren, von mir Hemmoor S. 111 
verwerteten Bericht. Abb. 1 und 2 nach den Nachrichten a. a. O. S. 18. 



43 



Knick in den steil gestellten Mündungsrand übergeht. Höhe bis zum Rande 250 mm, Dm. der 
Mündung 211, des Bodens 150 mm. Der stark verrostete eiserne, in eisernen, 80 mm breiten 
und 45 mm hohen Attachen hängende Henkel ist 115 mm hoch. Der Eimer trägt deutliche 
Spuren der Abdrehung. Der Boden haftet jetzt unter dem Eimer durch acht im Laufe der 
Zeit angebrachte Flicken aus Bronzeblech, die mit Bronzenieten befestigt sind. 

Während die vierzehn bisher in der Provinz Hannover zum Vorschein gekommenen 
Eimer uns über die während der ausgehenden La Tenezeit für diese Gefässgattung 
charakteristischen Formen vortrefflich unterrichten, lassen sie uns für gewisse Einzelheiten 
der ursprünglichen Ausstattung im Stich. So vermissen wir an den schönen schlanken Eimern 
überall den Henkel und die Füsschen. Hier müssen uns die vereinzelten besser erhaltenen 
Exemplare, die ausserhalb der Provinz gefunden sind, aushelfen. Diese behandle ich in der 
Weise, dass ich alle, weitere Aufklärung bringenden Stücke genauer würdige und abbilde, alle 
übrigen mir bekannten in einer Fundstatistik übersichtlich zusammenstelle. 

Hoby auf Laaland. 

Eimer 15 (Taf. 4, 2. Mus. in Kopenhagen). Gegenstück zum Eimer aus Osterehlbeck 
(Taf. 2, 1), aber von gediegenerer Arbeit. Die schweren Henkelattachen legen sich ebenfalls 
mit einem herzförmigen Plättchen um die Schulter des Eimers und setzen sich nach unten in 
einem Doppelkreuz fort, das am genannten Eimer abgebrochen ist. Besonderen Wert gewinnt 
dieser Eimer durch den wohlerhaltenen und schön gearbeiteten Henkel, dessen aufgebogene 
Enden zu Schwanenköpfen gestaltet sind ; der Querschnitt des Bügels ähnelt etwa einem Huf- 
eisen. Höhe bis zum Rande 215 mm, Dm. der Mündung 150, der Standfläche 125. In der 
Mitte des leicht gewölbten Bodens Zapfenloch, umher ein- 
gedrehte Kreismuster. An drei entsprechenden Stellen am 
Rande Zinnlot, dem Füsschen von etwa 3 1 j 2 cm Breite ent- 
sprachen. Der Eimer ist stark beschädigt und war schon 
im Altertum verschiedentlich geflickt. 1 

Seeland. 

Eimer 16 (Abb. 3). Dieses auf Seeland in einem 
Moor gefundene und jetzt ebenfalls im Museum in Kopen- 
hagen aufbewahrte Stück hebe ich wegen seiner Grösse und 
der Form seiner Henkelattachen besonders hervor. Hier 
erhebt sich der Ring aus einem schmalen, gestreckten 
Bronzeplättchen, das oben gerade, an den Seiten und unten 
gefällig ausgekehlt und mit je zwei Nieten befestigt ist. 
Höhe bis zum Rande 323 mm, Dm. der Mündung 240, des 
Bodens 175 mm. Aus dem Eimer von Podmokl (35), an 
dem sich noch der Henkel vorfindet, ergibt sich, dass diese 
Beschläge gleich bei Herstellung der Eimer angesetzt waren. 

Rondsen (Kreis Graudenz, Westpreussen). 

Eimer 17 (Taf. 4, 1). Der reich ausgestattete Urnenfriedhof von Rondsen, dessen 
Beigaben fast alle in Nienbüttel Gegenstücke finden, hat ebenfalls einen sauber gearbeiteten 
Eimer geliefert. Leider ist die Schulter ringsum zerstört. Höhe 250 mm, Dm. der Mündung 
150, des Bodens 120, grösster Dm. 190 mm. Während der Eimer sonst in Form und Delphin- 
attachen dem aus Gerdau (Taf. 1, 1) gleicht, findet sich an ihm noch ein schöner Henkel aus 
Bronze von rundem Querschnitt. Die aufgebogenen Enden sind durch Wülste und Rillen 
gegliedert, so dass sie den knaufförmigen Enden gleichen, die sonst in besonders charak- 
teristischer Ausbildung an Trinkhörnern vorkommen. Die Lippe des Eimers zeigt ein aus 
kleinen Kreisen hergestelltes Ornament (Abb. unten rechts). Wie das schöne Ringmuster unter 
dem Boden (Abb. oben rechts) bekundet, wurde das Gefäss mit besonderer Sorgfalt abgedreht. 
Die Füsschen fehlen leider. 2 




Abb. 3. Eimer aus 



eland. 



1 Veröffentlicht von Sophus Müller in den Aarboeger 
for nordisk OldJcyndighed 15 (1900) S. 148- 153. 
Die Photographie für unsere Abbildung hat mir die 
Direktion des Kopenhagener Museums freundlichst 
iibersandt. 



2 Die Abbildung ist entnommen dem schönen Buche 
von S. Anger Das Gräberfeld zu Rondsen. Graudenz 
1890 (Abhandlungen zur Landeskunde der Prov. 
Westpreussen. H. 1) Taf. 23. 



6* 



44 



Dobrichov (in Böhmen, 10 hm östlich von Böhmisch-Brod). 

Eimer 18 (Abb. 4. 5). Das Urnenfeld von der Pichora bei Dobrichov ist denen von 
Nienbüttel und Rondsen im grossen und ganzen gleichaltrig, reicht aber mit einigen (Trabern 
in eine etwas jüngere Zeit hinein, so dass wir aus dieser zeitlichen Ausdehnung wertvolle 





Abb. i. Eimer aus Dobrichov. V4 



Abb. 6. Boden des Eimers bei Auffindung. 1/2 



Aufschlüsse gewinnen können. Von den vier hier aufgedeckten Bronzeeimern muss einer 
besonders hervorgehoben werden, weil die drei, 6 mm dicken Füsschen sich noch am Eimer 
festgelötet fanden (Abb. 5). 1 Die Füsschen sind kleine, derbe Bronzeplättchen, die aussen in 
der Form der Eimerrundung entsprechen und auf den drei andern Seiten eine leichte 
Auskehlung haben. Seiner Form und sonstigen Ausstattung nach gehört der Eimer zu der 
Gruppe mit Delphinattachen. Die Wandung hat über dem Boden eine leichte Einschnürung, 
die der Zeichner recht ungeschickt wiedergegeben hat. Wie die Ringmuster unter dem Boden 
ausweisen, ist das Stück gegossen und abgedreht. 



Fundstatistik der 3ron2eeimer aus der späten La Tene2eit. 

WESTPREUSSEN 

19. Münsterwalde (Kreis Marienwerder). Form und Attachen genau wie bei Eimer 16 
aus Seeland (Abb. 3). Höhe bis zum Rande 305 mm, Dm. der Mündung 231, des Bodens 169 mm. 2 

17. Rondsen (Kreis Grau- 
tl'^H denz). Oben abgebildet und genau 

beschrieben. 

POMMERN 

20. Neuhof iFeckermünde). 
Delphinattachen und Form wie beim 
Eimer aus Gerdau (Taf. 1, 1). Nur 

JS zum Teil erhalten. 3 

MECKLENBURG 

21. Körchow bei Wittenburg 
(28 km südwestlich von Schwerin. Wie 
Eimer 20, stark beschädigt. (Abb. 6.) 




Abb. 6. 



Eimer aus Körchow. 



Nach Pamatky archaeologicki 17 (1897) tab. 53, 3 ; 
beschrieben S. 482. Für die Zeichnung des Eimer- 
bodens bin ich Prof. Pic zu besonderem Danke 
verpflichtet. 

A. Lissauer Die prähist. Denkmäler der Prov. West- 
preussen (1887) S. 155. Abgebildet in Meyers 



Kerne. -Lexikon unter Metallzeit Taf. 3, 14. Museum 
f. Völkerk. in Berlin. 
3 Katalog der Ausstellung prähist. Funde Deutsch- 
lands (Berlin 1880) S. 325 n. 114. Photogr. Album 
3. Sektion Taf. 21. Museum in Stettin. 



45 

22. Aus demselben Urnenfriedhof (Abb. 7). Gegenstück zum Eimer aus Westerwanna 
(Taf. 3, 2). Henkel und Attachen fehlen. 1 

DANEMARK 

16. Seeland. Oben beschrieben und abgebildet. 

15. Hoby auf Laaland. Oben beschrieben und abgebildet. 

SCHLESIEN 

23. Markt Bohrau (Kreis Strehlen). Delphinattachen und Form wie beim Eimer aus 
Gerdau (Taf. 1, 1). Eine Attache nebst Hals und Schulter fehlt. a 

PROV. SACHSEN 

24. Meisdorf an der Selke im Harz. In einem Grabhügel von etwa 30 Schritt Durch- 
messer und 5 — 6 Schritt Höhe stand als Aschenbehälter ein Bronzeeimer mit einer erhaltenen 
Delphinattache: auch Henkel und Füsschen fehlen. Lötspuren unter dem Boden; abgedreht. 3 

25. In derselben Feldmark noch ein zweiter Eimer gefunden, ebenfalls mit nur einer 
Delphinattache. Technik wie bei 24. 

26. Ebendaher. Die Attachen fehlen; an ihrer Stelle undeutliche Lötspuren. Eben- 
solche unter dem Boden; abgedreht. 

27. Randstück von einem ähnlichen Eimer nebst grösserem Stücke vom Bauche. 

HANNOVER 

13. Rhode (Kreis Gifhorn). Oben beschrieben = Abb. 1. 
9. Bargfeld (Kreis Uelzen). Oben beschrieben, Taf. 3, 1. 
8. Gerdau (Kreis Uelzen). Oben beschrieben, Taf. 1, 1. 

5. Oldendorf II (Kreis Uelzen). Oben beschrieben, Taf. 2, 3. 

6. ebenda. Oben beschrieben, Taf. 2, 2. 

7. ebenda. Oben beschrieben, Taf. 2, 4. 

1. Nienbüttel (Kreis Uelzen). Oben beschrieben, Taf. 1, 2. 

2. ebenda. Oben beschrieben, Taf. 1, 4. 

3. ebenda. Oben beschrieben, Taf. 1, 3. 

4. ebenda. Oben beschrieben. 

10. Osterehlbeck (Landkreis Lüneburg). Oben beschrieben. Taf. 2, 1. 

11. Lüneburger Gebiet. Oben beschrieben. 

12. ebenda. Oben beschrieben. 

14. Westerwanna (Kreis Hadeln). Oben beschrieben, Taf. 3, 2. 

RHEINLAND 

28. Mehrum bei Vörde, 9 km südlich von Wesel (Kreis Ruhrort). Neben den drei in 
meinem Buche S. 120 — 121 beschriebenen und hier Taf. 5 abgebildeten Bronzeeimern, den 
schönsten capuanischen Stücken, die bisher ausserhalb Pompeis gefunden sind, stand noch ein 
vierter (Abb. S), der in der Form genau dem aus Westerwanna entspricht, aber etwas grösser 
ist. Höhe 293 mm, Dm. der Mündung 257, grösster Dm. 234 mm. Unten fast ringsum stark 
beschädigt, so dass der Eimer jetzt durch ein Drahtgestell aufrecht gehalten werden muss. 
Der Boden fehlt. Die Lippe 2.30 mm dick, die Wandung unten an der Bruchrläche 0.55 mm. 
Im Halse stecken an zwei entsprechenden Stellen je zwei Eisenniete ziemlich dicht bei 
einander. Von den eisernen Henkelattachen sind nur verrostete, formlose Reste erhalten, 
vom sanft gerundeten Henkel drei Bruchstücke, durch Rost ganz verquollen. (Für die 

1 Beide abgebildet bei K. Beltz Vorgeschichte von s Fundbericht und Abbildung in den Neuen Mit- 
Mecklenburg (1899) S. 111. Eine kurze Beschreibung theilungen aus dem Gebiet hist.-antiq. Forschungen 
des Urnenfriedhofs in den Jahrbüchern des Vereins Bd. 3. H. 1 (1837) S. 171; danach die Abb. wieder- 
/'. meeklerib. Geschichte 71 (1906) S. 65 — 67. Die holt in der Jahresschrift f. dieVorgesch.. der säehsiseh- 
Stöcke für Abb. 6. 7. 9 und 10 verdanke ich der thüring. Länder Bd. 1 (1902) Taf. 20. Eimer 24—27 
Freundlichkeit von Hrn. Prof. Beltz in Schwerin. jetzt im Mus. f. Völkerkunde in Berlin. Die Einzel- 

2 Abgebildet in Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift 7 heiten nach Mitteilungen von Dr. Götze. 
(1899) S. 436. 



46 




photographische Aufnahme habe ich die 
Henkelreste mit Hilfe von Plastilina wieder 
an ihre ursprüngliche Stelle gebracht.) 
Unterhalb des Halses ein Gewirr von feinen 
flachen Linien, die bei der Abdrehung ent- 
standen sind. Museum in Bonn. 

29. Mainz. Einen bei der Stadt 
aus dem Rhein gehobenen Eimer besitzt 
das Museum in Mainz. Er hat kräftiger 
ausladende Lippe und sanfter gerundete 
Schulter als der aus Bargfeld (Taf. 3, 1), 
dem er sonst in den Henkelbeschlägen 
gleicht. Der dicke Eisenhenkel hängt in 
ebensolchen Attachen wie die am Barg- 
felder Eimer, nur haben sie kleinere, läng- 
lichrunde Arme, in jenen nur immer ein 
Eisenniet steckt. Lötspuren haben sich 
unter dem Boden nicht erhalten. 1 

KANTON BERN 

30. Aare -Zihlkanal (Museum in 
Bern). Eimer, an dem Henkel und Attachen 
fehlen ; er gleicht in der Grösse und Form 
denen aus Seeland (16) und Münster- 
walde (19). a 

OBERBAYERN 

31. Karlstein bei Reichenhall. Das Museum in Reichenhall besitzt aus den Siedelungen 
der späteren La Tenezeit am Burgstein das Fragment einer Delphinattache. 

BÖHMEN 

32. Holubic (etw. 17 km unterhalb Prag, auf dem linken Ufer der Moldau). Reich 
ausgestattetes Brandgrab. Darin auch zwei Attachen, von denen die Delphine abgeschmolzen 
sind. Ferner haben sich die drei Füsschen erhalten, die aus zwei kräftigen in rechtem Winkel 
zusammenstossenden Bronzeplättchen bestehen. Das tragende, senkrecht gestellte Plättchen ist 
volutenförmig ausgekehlt (Abb. 16). 3 

33. Hradischt bei Stradonitz (34 km südwestlich von Prag). In der überaus reichen 
keltischen Kulturschicht lag auch das Oberteil einer Delphinattache. 

34. Ebenso eine Attache mit herzförmigem Ansatzblatt. 4 

35. Podmokl, an der Beraun, 18 km südlich von Rakonitz. Hier kam im J. 1771 
ein mit keltischen Goldmünzen gefüllter Eimer zu Tage, von dem nur Hals, Attachen und 
die Hälfte des Henkels erhalten sind. Nach den dicken Bronzeattachen zu urteilen, bildet der 
Eimer ein Gegenstück zu denen aus Seeland und Münsterwalde. Der Henkel hat runden Quer- 
schnitt und endet in Schwanenköpfen. 5 

18. Dobrichov. Oben beschrieben und abgebildet. 

36. ebenda. Bronzeeimer, der in Form, Attachen und Henkel genau dem aus Wester- 
wanna entspricht. 

37. ebenda. Genau wie 36, aber Attachen nebst Henkel fehlen." 



Abb. 8- Eimer aus Mehrum. 1/5 



1 Nach freundlicher Mitteilung von Dr. Reinecke in 
Mainz, dem ich auch die Hinweise auf die Stücke 
aus Karlstein und Pest verdanke. 

2 Der in meinem Buche 8. 112 nach Gross La Tene 
pl. 13. 4 erwähnte Eimer aus demselben Kanal ge- 
hört nicht zu der hier in Frage kommenden Gruppe, 
sondern wohl einer späteren Zeit an. 

s Mitth. der k. k. Centralkommission. TS. F. 10 (1884) 
S. LXXXVI1I Abb. 7 und 6. 

4 Beide abgebildet bei .1. L. Pic Lc Hradischt de 
Stradonitz (Leipzig 1906! pl. 21, 10. 17. Die 5 
ebenda n. 1. 2. 5. 7. 8 abgebildeten Füsschen haben 



auch wohl zu solchen Eimern gehört, während das 
Füsschen 6 von einer Kanne herrührt. 
Abbildung bei Pic a. «. 0. S. 23. Der Eimer ent- 
hielt nach Fialas Berechnung (Numism. Zeitschrift 34 
(1902) S. 155)' rund 5000 Goldmünzen im Gewicht 
von 30'/2 kg, die heute bei Feinheit des Goldes 
einen Metallwert von 84000 Mark hätten. 
Beide abgebildet in den Pamdtky archaeologieke 17 
(1897) tab. 54. 8 und 55, 9. Vielleicht haben die 
eisernen Attachen nebst Henkel, die tab. 66, 19 ab- 
gebildet sind, zu einem dritten Eimer gehört. 



47 

KOMITAT PEST 

38. Das Museum in Hermannstadt besitzt zwei Delphinattachen, die aus diesem Komitat 
herrühren. 

SISCIA (Sissek) 

39 — 42. Auf der Stätte dieser alten pannonischen Stadt, deren Bedeutung für den Nord- 
handel Aquileias Strabo hervorhebt, sind neben einer Anzahl von capuanischen Kasserollen auch 
vier Bronzeeimer gefunden, die alle Gegenstücke zu dem aus Westerwanna darstellen und bis 
auf einen vortrefflich erhalten sind. 1 

GROBNIK (bei Fiume) 

43. Auch hier kam neben einigen capuanischen Kasserollen ein ebensolcher Bronzeeimer 
zum Vorschein, der im Altertum einen neuen Boden erhalten hat. 2 

KRONLAND GÖRZ 

44. Jdria bei Baca unweit von Tolmein. Das am reichsten ausgestattete Brandgrab 
der hier mit grosser Sorgfalt aufgedeckten Nekropole enthält auch einen Bronzeeimer genau 
von der Form des bei Westerwanna gefundenen. Höhe 184 mm, grösster Durchmesser 198 mm. 
Der Henkel ist nicht erhalten. Von den vier Nieten, mit denen die Attachen befestigt waren, 
bestanden drei aus Eisen, eines aus Bronze. Die Attachen sind jetzt neubefestigt. 3 

KANTON TESSIN 

45. Giubiasco bei Bellinzona. Das Schweizerische Landesmuseum besitzt die Ausbeute 
aus dem hier untersuchten Grabfelde, das für die spätere La Tenezeit von ungemeiner Wichtig- 
keit ist. Der Eimer Taf. 4, 3 fällt durch ungewöhnlich gute Erhaltung auf; nur die Füsschen 
fehlen unter dem stark gewölbten Boden. Der Eimer ähnelt in seiner Form dem aus Olden- 
dorf II, doch nähert er sich in der Bildung des Halses mehr dem aus Westerwanna (Taf. 3, 2), 
mit dem auch Henkel und Attachen die grösste Aehnlichkeit zeigen. Höhe des Henkels 100 mm, 
des Eimers 230, Dm. der Mündung 180, des Bodens 140. 

46. Der Eimer Taf. 4, 4 rührt nach seiner schönen Erhaltung und nach den vom Ver- 
käufer gemachten Angaben ebenfalls aus Giubiasco her. Die Direktion des Landesmuseums 
bemerkt indes, die Provenienz dieses Stückes sei nicht unbedingt beglaubigt. Mir scheint ein 
solcher Zweifel übertrieben. Jedenfalls gehört der Eimer in diesen Zusammenhang; er weicht 
von dem aus Bargfeld nur durch seine etwas steilere Schulter ab. Die Henkelbeschläge gleichen 
sich völlig. Sehr erwünscht muss uns die Erhaltnng des kräftigen eisernen Henkels sein. Höhe 
des Henkels 100 mm, des Eimers 240, Dm. der Mündung 200, Dm. der Standfläche 155 mm. 4, 

PROVINZ N0VARA 

47. Ornavasso im Val d'Ossola an der Simplonstrasse. Die beiden hier in den Jahren 
1890 und 1891 von Enrico Bianchetti ausgegrabenen Skelettgräberfelder sind für unsere Er- 
kenntnis der italischen Kleinkünste während der beiden letzten Jahrhunderte vor Chr. von 
epochemachender Bedeutung, nicht so sehr der einzelnen Fundstücke wegen, sondern weil die 
reich ausgestatteten Gräber durchweg vortrefflich erhalten waren, fast alle genau inventarisiert 



1 Alle abgebildet im Vjesnik hrvatskoga arheoloskoga 
drustva 7 (1903/4) S. 100. Museum iu Agram. 

2 Museum in Agram. Abgebildet a, a. O. S. 99, 3. 

3 Abgebildet in den Mittheihmgen der prähist. Com- 
mission der kais. Akademie der Wissenschaften. 
Bd. 1. H. 5 (1901) S. 327, 132. Die drei anderen 
ebendort gefundenen und S. 307. 315. 337 abgebil- 
deten zeigen eine gewisse Aehnlichkeit mit dem 
aus Bargfeld (Taf. 3, 1) und gleichen ganz drei 
Eimern aus Siscia im Museum in Agram, die im 
Vjesnik a. a. O. S. 102 abgebildet sind, ebenso 
einem vierten aus Semlin im Museum in Belgrad 
("Herne arcMol. 1 (1903) S. 32). Bei der bisherigen 
Isoliertheit dieser Stücke muss es einstweilen dahin- 
gestellt bleiben, ob sie aus demselben Fabrikations- 
centrum stammen wie die übrigen hier behandelten 



Eimer. — Aus dem Schlamme eines 40 m tiefen 
Brunnens auf dem Monte delle Pere bei Pola zog 
man im August 1904: 18 Bronzeeimer und zwei 
schöne Bronzekannen. Von den Eimern hat einer 
grosse Aehnlichkeit mit den drei eben erwähnten 
Stücken aus Idria; die übrigen gleichen zum Teil 
dem aus Westerwanna, zeigen aber sonst ein solches 
Schwanken in der Form, dass man sie ebenfalls 
lieber einer lokalen AVerkstätte zuschreiben möchte ; 
vgl. die Abbildungen in den Mitt. der k. k. Zentral- 
kommission 4 (1905) S. 170. 
* Die Abbildungen Taf. 4, 3. 4 verdanke ich der 
freundlichen Unterstützung der Direktion des 
Schweizerischen Landesmuseums, die mir auch alle 
Einzelheiten über die beiden wertvollen Eimer mit- 
geteilt hat. 



48 

werden konnten und besonders die zahlreichen mitgefundenen Münzen eine gesicherte Datierung 
ermöglichen. Ich komme gleich genauer darauf zurück. 1 Hier ist zunächst ein Bronzeeimer 
hervorzuheben, der ein genaues Gegenstück zu dem auf Taf. 4 unter Abb. 1 gegebenen Eimer aus 
Rondsen ausmacht. Der Eimer selbst (unten Abb. 12, Fig. 12) hat genau die Form und Grösse 
der übrigen Gegenstücke mit Delphinattachen. Dm. der Mündung 175, grösster Dm. 224 mm. 
Die Wandung unten und an der Schulter stark beschädigt. Der Boden fehlt. Die beiden 
Delphinattachen (unten Abb. 11, Fig. 4) sind vortrefflich erhalten. Der ebenda abgebildete 
Henkel hat genau die knaufartig profilierten Enden wie der Eimer aus Rondsen, aber oben auf 
der Rundung noch einen King zum Durchziehen eines Seiles. Die Füsschen sind wohl bei der 
Auffindung übersehen worden. 

POMPEI 

Als ich über die Hemmoorer Funde arbeitete, kannte ich die in Pompei aufgefundenen 
Bronzen nur soweit sie auf den im Handel befindlichen Photographien wiedergegeben waren. 
Obwohl ich inzwischen für numismatische Zwecke wiederholt das Nationalmuseum in Neapel 
besucht habe, konnte ich für eine genauere Durcharbeitung der Bronzegefässe aus Pompei keine 
Zeit erübrigen. Eine Durchmusterung der Bronzesäle führte aber sofort auf eine grosse Gruppe 
von Eimern, die in allen Einzelheiten der Form, der Henkel und der Henkelbeschläge genau 
dem Eimer aus Westerwanna (Taf. 3, 2) entsprechen. Diese Eimerklasse war also bei der Ver- 
schüttung Pompeis noch stark im Gebrauche. Hingegen sind mir in den Schränken Eimer mit 
Delphin- oder Herzblattattachen nicht aufgefallen. Es scheint aber keineswegs ausgeschlossen, 
dass bei genauer Durchsicht der Museumsmagazine sich wenigstens noch einzelne Attachen 
ausfindig machen lassen. 

Technik und Ausstattung der Eimer mit Delphin- und Herzblattattachen. 

Das reiche in der vorstehenden Fundstatistik zusammengestellte Beobachtungsmaterial 
zwingt mich, zunächst einige Behauptungen zurückzunehmen, die in dem Buche über Hemmoor 
zu lesen sind. Bei Erörterung der Frage über die Herkunft der Eimer bemerke ich dort (S. 113): 
'Für klassische Arbeit würden die schöne Linie der Wandungen und die Verzierungen an den 
Henkelattachen sprechen, dagegen die schwankende Technik der Eimer. Bald sind sie gegossen, 
bald getrieben, bald aus Bronzeblech zusammengebogen. Die Henkelattachen haben meist eine 
recht zierliche Form, wie sie klassischen Arbeiten eigen zu sein pflegt, oft sind sie aber auch 
flüchtig aus Eisen geschmiedet. Dasselbe gilt für die Henkel; Füsschen sind bei einigen vor- 
handen, bei anderen aus Lötspuren nachzuweisen; bei vielen haben sie aber auch ganz gefehlt. 
Bei Eimern klassischen Ursprunges, soweit sie fabrikmässig hergestellt und exportiert werden, 
kann man immer dieselbe Herstellungsweise beobachten; freilich sind auch solche Eimer je 
nach dem Preise bald sorgfältig gearbeitet, bald als Dutzendware behandelt.' Bei erneuerter 
sorgfältiger Prüfung der Herstellungsweise hat sich jetzt ergeben, dass die Eimer alle ohne 
Ausnahme gegossen sind. Bei den ungewöhnlich dünnen Wandungen macht es oft grosse 
Schwierigkeiten die Spuren der für den Guss entscheidenden Abdrehung festzustellen. Ist 
das Auge aber erst einmal nach dieser Richtung hin geschärft, so kann man fast überall die 
Abdrehung ausfindig machen. Besonders beweisend sind dafür die fast immer unter dem Boden 
der Eimer erkenntlichen Zapfenlöcher, die nur vom Reitnagel der Drehbank herrühren können. 
Mit dem Guss geht auch die Lötung Hand in Hand. Die für die aus etwas späterer Zeit 
stammenden Eimer, die nachweislich in Capua hergestellt sind, charakteristische Vereinigung 
von Guss und Lötung finden wir nun bereits bei dieser älteren Gruppe. Diese durchaus ein- 
heitliche Herstellung und Ausstattung lässt auf ein grosses Industriecentrum schliessen. Dass 
ich nicht schon früher zu dieser Erkenntnis gekommen war, daran trugen neben dem geringen 
mir damals zur Verfügung stehenden Beobachtungsmaterial in erster Linie die ungewöhnlich 
zahlreichen Reparaturen und Flickstücke bei, durch die fast alle Eimer dieser Gruppe entstellt 
sind. Es ist nicht zu bezweifeln, dass die dicken Bronzeattachen, die wir in gleicher Weise 
an Eimer 3 aus Nienbüttel, an Eimer 16 aus Seeland, an 19 aus Münsterwalde und an 35 aus 
Podmokl finden, bereits bei Herstellung angebracht worden sind, zumal das Podmokler Exemplar 



1 Die beiden Grabfelder sind vortrefflich veröffent- Vol. 6 (Turin 1895). Ich bedaure sehr, dass ich 

licht vom Entdecker in den Alti della societä ili dirse umfangreiche Publikation früher übersehen 

archeologia e lulle arti per la provincia di Torino. habe. 



49 

noch den schönen Henkel mit Schwanenköpfen hat, aber alle andern Nietungen und sonstigen 
Flickstücke rühren aus einer Zeit her, wo die Eimer bereits schadhaft geworden waren. Man 
gewinnt den Eindruck, als ob die Eimer schon bei der Ausfuhr nicht alle mehr neu gewesen 
sind, jedenfalls machten sie fast alle in kurzer Zeit Reparaturen nötig; die dann so ausgeführt 
sind wie es etwa wandernde Kesselflicker in unsern Tagen zu machen pflegen. Wenn die Eimer 
einem sogenannten 'Würgengel 1 in die Hände fielen, so leckten sie nach der Ausbesserung wohl 
ärger als vorher. Sorgfältige Reparaturen begegnen seltener. Besonders hervorzuheben ist der 
Ersatzhenkel am Eimer aus Rhode mit seinen sinnreichen Beschlägen (Abb. 2). Eiserne Henkel 
finden wir bei der Gruppe mit Delphin- und Blattattachen nur als Ersatzstücke. Auf die 
Attachen und Füsschen ist bei der Erörterung über die Heimat der Eimer zurückzukommen. 

Technik und Ausstattung der bauchigen Eimer mit Eisenhenkel. 

Meine frühere Behauptung, diese Eimer seien getrieben, kann ich ebenfalls nicht aufrecht- 
halten. Sowohl der Eimer aus Westerwanna (14) wie die aus Körchow (22), Mehrum (28), 
Dobrichov (36. 37), Jdria (44) und Giubiasco (45) rühren alle aus dem Gusse her und haben 
oder hatten alle Henkel und Henkelbeschläge von Eisen, wie auch überall die Füsschen fehlen. 
Es war dies also eine billige Eimersorte, bei der alle teureren Zutaten vermieden und die 
Henkelattaehen kurzerhand festgenietet wurden. Für die Heimat dieser Gruppe ist entscheidend 
ihr häufiges Auftreten in Fompei und weiter der Umstand, dass sie sich in Mehrum, Dobrichov 
und sonst mit späteren capuanischen Eimern zusammen fanden, also ganz wie in Pompei. Die 
nahe verwandten, aber seltener vorkommenden Eimer mit flacher Schulter wie die aus Bargfeld 
(9: Taf. 3, 1), Mainz (29) und Giubiasco (46) wird man kaum von der gleichmässig ausgebauchten 
Gruppe kennen können. Da auch die grossen Bronzekessel (Abb. 9. 10) mit breitem eisernen 








Abi). 



10. Kessel aus Körchow. >/i( 



Rande (Hemmoor S. 112. 113), die bald zwei eiserne Tragringe, bald einen grossen Bügelhenkel 
haben, sowohl in Körchow wie in Dobrichov mit der schönen und mit der gewöhnlichen Eimer- 
gruppe zusammen vorkommen, so sind sie ebenfalls aus dem Süden miteingeführt. Ob sie aus 
Italien oder dem Hinterlande von Aquileia stammen, bedarf noch genauerer Untersuchung. 

Die Zeit der Herstellung und die chronologischen Ergebnisse aus den Münzen der 
Skelettgräber von Ornavasso. 

Bei Verkennung der Heimat der hier in Rede stehenden Bronzeeimer konnten auch für 
die Ermittelung der Herstellungszeit die wirklich vorhandenen Hilfsmittel nicht mit der Sicher- 
heit verwertet werden, die doch zu erreichen gewesen wäre. Jetzt haben wir für die Datierung 
eine ganz andere Grundlage, auf die man kaum zu hoffen gewagt hatte. Die beiden Skelett- 
gräberfelder von Ornavasso, aus denen oben (47) ein Eimer mit Delphinattachen beschrieben 
worden ist, bargen eine ungemein grosse Anzahl von Münzen der römischen Republik, deren 
Wert für die Chronologie der späteren La Tenezeit nicht hoch genug angeschlagen werden kann. 
Während Bianchettis Ausgrabungsberichte und seine Beschreibung und Abbildung der Beigaben 
sehr sorgfältig und brauchbar sind, lässt seine Behandlung der mitgefundenen Münzen alles zu 
wünschen übrig. Die chronologische Uebersicht, die er S. 81 — 83 über die Münzen gibt, hat 
erstlich darum keinen rechten Wert, weil er die einzelnen Gräber nicht mitanführt, aus denen 
die Münzen herrühren, und die Münzen aus den beiden Grabfeldern nicht scheidet, dann aber 
die chronologischen Ansätze nach der Babelonschen Kompilation gibt, deren Datierungen meist 
auf Einfällen und Erfindungen beruhen, (Jlücklieherweise kennzeichnet er bei Beschreibung der 

7 



50 

einzelnen Gräber die Münzen so genau, dass eine numismatische Bestimmun» möglich ist. Nur 
die Victoriaten und die meisten von den mit Denaren zusammen gefundenen Assen beschreibt 
er nicht näher. Diese bedürfen, wie überhaupt alle Münzen aus Ornavasso, einer Nachprüfung. 
Bei der Wichtigkeit dieser Münzen scheint es mir unerlässlich hier eine chronologische Ueber- 
sicht zu geben, wobei ich der von Mommsen und Blacas auf Grund der grossen Schatzfunde 
gegebenen Datierung und Periodenteilung folge. 1 Meine Durcharbeitung der später zu Tage 
gekommenen Funde hat ergeben, dass jene Datierungen im wesentlichen richtig sind. Hier 
genügen sie jedenfalls. Die folgenden Nummern entsprechen denen bei Mommsen und Blacas. 

Die Münzen aus der Nekropole S. Bernardo. 

um 217 v. Chr. 
Asse mit Wappen : Zwillinge mit Wölfin : 1 : Grab 28. 

Taube iwohl Möve auf Steuer): 1: Grab 37. 
Pentagon (sicher verkannt): 1: Grab 18. 

30 As mit LAP in Monogramm: Grab 137. 

31 As mit MAT in Monogramm: Grab 138. 

32 Victoriat mit MP in Monogramm und Denar des M. Carbo (104): Grab 8. 

um 217 150. 
51 Denar des C. Junius C. f. und des /'. I'urlus (7!)): Grab 127/8. 
68 Denar des C. Maianius: Grab 130. 

68 As des C. Maianius und Denar des C. Plutius (105): Grab 165. 

69 As des L. Saufeius: Grab 117. 

72 As des M. Atüius und Denar des C. Cato (106): Grab 161. 

74 Denar des C. Antestius und des C. Renius (100): Grab 11. 

74 As des C. Antestius und Denar des ''«. Lucretius Trio (77): Grab 154. 

77 Denar des Cn. Lucretius Trio siehe 74: Grab 154. 

7'.i Denar des /'. Paetus s. 51 : Grab 127/8. 

82 As des A. Caecilius: Grab 164. 

84 As des Valerius und Denar des C. Plutius (105): Grab 13G. 

90 As des Turdus: Grab 140. 

um 150- 134. 

100 Denar des C. Hin in* s. 74: Grab 11. 

102 Denar des -1/. Baebius und des <J. Mm min* (107): Grab 6. 

102 „ ., .1/. Huri, ins und des Q. Fabius (147): Grab 7. 

104 Denar des .1/. Carbo s. 32: Grab 8. 

105 Denar des C. Plutius s. 68: Grab 165 und 84: Grab 136. 

106 Denar des C. Cato s. 72: Grab 161. 

107 Denar des Q. Minucius Rufus s. 102: Grab 6. 

110. Denar des Sex. I'<>. Fostlus und des /.. Aufist ins (129): Grab 3. 

um 134—114. 

127 Denar des /*. Maenius An/.: Grab 105. 

129 Denar des L. Antestius s. 110: Grab 3. 

131 Denar des Q. Metellus: Grab 10. 

132 Denar des M. Vargunteius: Grab 14. 

137 Denar des Tib. Min nein* und des T. Cloulius (18.3): Grab 1. 

147 Denar des Q. Fabitcs Labeo: Grab 4. 
147 „ „ Q. Fabius und des .1/. Baebius (102): Grab 7. 

150 Denar des C. Numitorius: Grab 34. 

um 114- 104. 

164 As des C. Fonteius, Denar des Q. Murr/u* (165): Grab 17. 

165 Denar des Q. Marcius s. 164: Grab 17. 

17oa Denar des .1/. Aurelius, Quinar des Q. Titius (214): Grab 31. 
170e Denar des L. Porcius: Grab 82. 

Histoire de la Monnaie romaine. T. 2 (1870) S. 211— 554. Dort bei den einzelnen Nummern Hinweise auf 
die noch nicht ersetzten Tafeln in Cohens Medaüles consulaires (1857). 



51 

um 104 — 84. 
183 Denar des T. Cloulius s. 137: Grab 1. 
203 Quinar des M. Cato: Grab 24. 
214 Quinar des Q. 'fit ins g. 170a: Grab 31. 

um 74. 

257 b Denar des M. Volteius: Grab <ü). 

Die Münzen aus der Nekropole Persona. 

SD — sl v. Chr. 
212 Quinar von L. Piso L. f. Frugi: Grab 59. 
227c Denar des L. Censor. und des Man. Fonteius (233), 1 gallische mitDIKOI: Grab 57. 

um 81. 
233 Denar des Man. Fonteius s. 227c: Grab 57. 
Gallische mit DIKOI s. 227 c: Grab 57. 
„ „ DIKOI: Grab 35. 

um 61. 
270 Denar des C. Piso L. f. Fn<</i und des Libo (280c): Grab 58. 

54. 

280 c Denar des Libo s. 270: Grab 58. 

41. 
Antonius: Quinar der Fulvia: Grab 33; ebenso und 2 Mittelbronzen von Augustus, 
geprägt nach 23: Grab 112. 

29— 26. 
Augustus: Quinar Coh. 14 und Grossbronze mit dem Kopfe Caesars und Octavians, 
um 43 geschlagen. 

Aus anderen Gräbern noch weitere Kupfermünzen von 

23 v. — 81 n. Chr. 
Augustus, zusammen 48, Tiberius 22, Claudius und Agrippa 8, Nero 1, Vespasian 6, 
Titus 2 und Domitianus 6. 

Für die Datierung der beiden Grabfelder gewähren diese Münzen eine sichere Grund- 
lage, zumal wenn man die sich aus andern Münzfunden ergebenden Schlüsse auf die Umlaufs- 
verhältnisse der einzelnen Stücke mit verwertet. Bedauern muss man indes, dass Bianchetti 
die Erhaltung der einzelnen Münzen nicht genau vermerkt hat, sondern nur angibt, ein Teil 
sei sehr schlecht erhalten. Die ältere Nekropole, die um die Kapelle des S. Bernardo angelegte, 
enthält 23 bisher sicher bestimmte Münzen aus der Zeit vor 150 v. Chr., von denen ein Teil 
bis etwa ins J. 217 hinaufgeht. Da diese Stücke sich noch oft in Funden aus sullanischer 
Zeit finden und die Exemplare aus Ornavasso durchweg stark abgegriffen sein werden, so glaube 
ich nicht, dass mit der Anlage des genannten Friedhofes vor 150 begonnen worden ist. Die 
ältesten Gräber werden also aus der Mitte des 2. Jahrhunderts herrühren. Von den jüngsten 
Münzen lässt sich sicher datieren der Quinar des Q. Titius (214), der in den Jahren von 89 
bis 81 geschlagen ist, während der Denar des M. Volteius (257 b) nach den Funden zu urteilen 
aus der Zeit um 74 herrühren muss. Die Münzen führen also zu dem Schlüsse, dass das 
(irabfeld von S. Bernardo in der Zeit von 150—50 v. Chr. zu Bestattungen verwendet worden 
ist. Die nach dem Flurnamen in Persona bezeichnete jüngere Nekropole wird nur durch die 
zum Simplon hinaufführende Landstrasse von der älteren getrennt und stellt sich archäologisch 
durchaus als ihre Fortsetzung dar. Die ältesten hier zum Vorschein gekommenen Münzen ge- 
hören in die Zeit von 89—81 v. Chr. Wie die jüngeren Münzen ausweisen, ist dieses Grabfeld 
dann bis etwa 100 n. Chr. benutzt worden. Ob die jüngsten Gräber von S. Bernardo mit den 
ältesten von Persona zeitlich zusammengehören oder ob in Persona mit dem Bestatten erst 
begonnen worden ist, nachdem der ältere Friedhof ganz besetzt war, lässt sich aus den Münzen 
nicht sicher entscheiden. Doch gehen die ältesten Gräber von Persona gewiss nicht über das 
Jahr 60 v. Chr. hinaus. — Für die Datierung der Beigaben darf man wohl von der nahe- 
liegenden Annahme ausgehen, dass sie im allgemeinen zur selben Zeit hergestellt sind wie die 
ihnen zugesellten Münzen. 

7* 




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■ar,— — - 



ABB. 11. BEIGABEN AUS ORNAVASSO (BIANCHETTIS TAFEL liii l/ 6 




ABB. 12. BEIGABEN AUS ORXAVASSO (BIAXCHETTIS TAFEL 17). 1,5 



54 

Beigaben aus Ornavasso verglichen mit Gegenstücken aus nordischen Funden. 

Bei der Wichtigkeit der mit grosser Sicherheit zu datierenden Beigaben aus Ornavasso 
schien mir angebracht hier in Abbildung 11 und 12 die besonders in Betracht kommenden Tafeln 16 
und 17 des Buches von Bianchetti zu reproduzieren, damit sie in Zukunft für Vergleiche leichter 
zugänglich sind. Gehen wir die einzelnen Stücke kurz durch und sehen wir, was die Münzen 
für ihre Datierung ergeben. ABB. 11; Fig. l. Henkel eines nicht erhaltenen Bronzeeimers mit 
den beiden weinhlattförmigen Attachen. Die Henkelenden wären nach Bianchetti ungenau wieder- 
gegeben, da sie aufgebogen und wie Schwanenköpfe gestaltet seien. Mit dem Schöpflöffel Fig. 7, 
dem Krug Abb. 12, li und der Kasserolle Abb. 12. 10 aus Grab 6: Denar des M. Baebius (102) 
und des Q. Minucius (107): 150 — 134 v. Chr. Fig. 2. 3: Seitenhenkel eines Bronzebeckens und 
dazu der schwere bronzene Untersatz Abb. 12, 1, daneben der Krug Abb. 12, Fig. 7: Grab 7: 
Denar des M. Baebius (102) und des Q. Fabius (147): 134 — 114 v. Chr. Fig. i und Abb. 12 
Fig. 12: Bronzeeimer mit Delphinattachen und Bronzehenkel. Aus einem bei Auffindung des 
Grabfeldes durchwühlten Grabe, das nach der Lage zu den ältesten gehörte. Dm. der Mündung 
175, grösster Dm. 224 mm. Fig. 5: Silberner Kumpen: Grab 130: Denar des C Maianius (68): 
217—150. Fig. (i: Ebenso: Grab 165: Denar des C. Plutius (105) : 150—134. Fig. 7: Schöpf- 
löffel mit senkrecht gestelltem Stiel, mit Fig. 1 aus Grab 6. Fig. 8. 9: Schöpf kesselchen mit 
umgelegten Stielenden; 8 aus Grab 59 von Persona: Quinar des Piso (212): 89 — 81 v. Chr.; 
9 aus einem durchwühlten Grabe von S. Bernardo. 1 Fig. 10: Silberner Kumpen aus einem 
durchwühlten Grabe von S. Bernardo. Fig. 11: Ebenso: aus Grab 161: As des M. Atilius (72) 
und Denar des C. Cato (106): 150—134. Fig. 12: Ebenso, mit dem Mässchen Abb. 12, Fig. 4: 
Grab 3: Denar des Sex. Po. Fostlus und des L. Antestius (129): 134 — 114. — ABB. 12; Fig. i 
s. Abb. 11, Fig. 2 u. 3. Fig. 2. 11. 13: Cylindrische Bronzekübel mit auswärts geneigtem 
Mündungsrande. Aus durchwühlten Gräbern von S. Bernardo. 2 Fig. 3: Hals eines grossen 
Bronzegefässes, stark eingeschnürt, mit kräftig ausladender Mündung und flachem Schulteransatz. 
Dm. der Mündung 213. kleinster Dm. 121 mm. Aus einem durchwühlten Grabe. 3 Fig. 4: 
•Mässchen' mit kleinem Henkel, der oben mit einer knopfförmigen Verdickung absetzt. Wie 
Abb. 11, Fig. 12 aus Grab 3. Fig. 5: Krug, jetzt ohne Henkel, 173 mm hoch. Aus einem 
durchwühlten Grabe. Fig. 6: Schlanker Krug mit schön geschweifter Wandung, 222 mm hoch. 
Die drei zum Kruge gehörenden Füsschen lagen lose bei. Wie der Henkel Abb. 11, Fig. 1 
aus Grab 6. Fig. 7: Krug wie der unter 5 abgebildete und ebenfalls 173 mm hoch. Von den 
lose beiliegenden Füsschen veranschaulicht eines die unten gegebene Abbildung 17. Wie die 
Henkel Abb. 11, Fig. 2. 3 aus Grab 7. Fig. 8: Holzkübelchen, aus wohlerhaltenen Dauben 
gebildet. Es war mit Bronzeblech umkleidet, das sich aber nicht erhalten hat. Höhe 120, 
Dm. 122 mm. Der Griff besteht aus drei durch kräftige Stege miteinander verbundenen Ringen. 
Aus Grab 1: Denar des Tib. Minucius (137) und des T. Cloulius (183): 104— S4. 4 Fig. » : 
Grosse flache Kasserolle mit ausgetieftem Griff. Gesamtlänge 510 mm, Dm. des fkchen 
Beckens 245, Höhe 71 mm. Der Griff ist 265 mm lang. Aus einem durchwühlten Grabe, 
ebenfalls von S. Bernardo. Fig. 10: Ebensolche Kasserolle, aber etwas kleiner. Gesamtlänge 
390 mm, Dm. des Beckens 170, Höhe 37; der Griff 220 mm lang. Wie der Henkel Abb. 11, 
Fig. 1, der Schöpflöffel Abb. 11, Fig. 7 und der Krug Abb. 12, Fig. 6 aus Grab 6. Fig. 11. 13 
siehe Abb. 12, Fig. 2. Fig. 12 siehe Abb. 11, Fig. 4. 

Eine ganze Anzahl dieser Beigaben aus Ornavasso erinnern den Kenner des nordischen 
Fundmaterials sofort an einige alte Bekannte. Ich wiederhole hier die Abbildung eines aus dem 
kleinen Urnenfriedhofe von Weddel bei Braunschweig herrührenden schönen Bronzebeckens, das 



Diese Schöpfkesselchen kommen noch in Pompei 
vor: Museo Borbonico Bd. 12 tav. 59. In einem 
Schranke in Neapel lagen 7 Exemplare, an denen 
der Stiel auch nicht immer erhalten war. 
Kleine Gegenstücke auch in Pompei (Hemmoor S. 116, 
11. 13), grosse in Rheinzabern (S. tili) und im Alters- 
bacher Tal (S. 65). 

Der Hals gehörte wohl nicht zu einem Eimer, sondern 
eher zu einem sogenannten Stamnos, wie ihn noch 
die Nekropole von Montefortino bietet (Monumenti 



antichi 9 H. 3 (1901) tav. 4, 8 = Montelius Civili- 
sation pl. 152, 10). Ein genau entsprechendes Gegen- 
stück finde ich indes nicht. 
4 Dieses Kübelchen ist keltischen Ursprunges. Bei 
dem grossen Kübel aus Aylesford (Archaeologia 52 
(1890) S. 358) waren die Griffe mit Email aus- 
gelegt, während ein anderes Gegenstück aus Elveden 
(ebenda S. 359) auf dem Blechmautel charak- 
teristische La Tene- Ornamente zeigt. 



55 



in dem Buche über Hemmoor S. 122 veröffentlicht ist 
ähnliches Becken, von dem aber nur die Henkel 
(Abb. 11, Fig. 2. 3) und, was uns nicht minder 
interessiert, auch der schwere Untersatz (Abb. 12, 
Fig. 1 ) erhalten sind. Aus den mitgefundenen 
Münzen ergibt sich, dass die Herstellung dieser 
Becken bereits in den Jahren i:-!4 — 114 begonnen 
hatte. Aus dem 8 km südöstlich von Weddel 
gelegenen Lucklumer Urnenfriedhofe besitzen wir 
die hier in Abb. 14 wiederholte Bronzekanne, die 
mit der Kanne Abb. 12, Fig. 6 eine grosse Aehn- 
lichkeit hat. Die mitgefundenen Münzen rühren 
aus den Jahren 150 — 134 her. Gleiche Kannen, 
durch schöne Erhaltung und saubere Arbeit in 
derselben Weise ausgezeichnet, sind in Aylesford 
und Dänemark zum Vorschein gekommen. 1 

Bronzekasserollen der La Tenezeit. 

Besonders erwünscht ist das Auftreten der 
Kasserollen in Ornavasso, die ich in meinem Buch 
S. 106 — 107 auf Grund eines ganz unzulänglichen 
Materials behandelt, allerdings richtig datiert, aber 
noch nicht der wahren Heimat zugewiesen hatte. 
Es fällt jetzt nicht mehr schwer, über diese nament- 
lich beim Fehlen des Schwanenkopfes am Griffende 
eigentümlich anmutende Gefässgattung richtig zu 
urteilen. Ich gebe zunächst eine Uebersicht über 
die mir jetzt bekannten Exemplare und scheide 
alle irrtümlich zu dieser Gruppe gerechneten 
Stücke aus. 

Ornavasso (Abb. 12, Fig. 9, 10). 



Grab 7 von S. Bernardo enthielt ein ganz 




Abb. 13. Broiizebecken aus Weddel. tyj 





Abb. 14. Bronzekanne :111s Lucidum. 1/5 







Durchmesser 
des Beckens 


Höhe 

des Beckens 


Lan^e 
des Griffes 


Gesamt- 
Lange 


Müuzen 


1. 


Grab 3: 




235 


63 


235 


475 


134—114 v. Chr 


2. 


Grab 6 (Fig. 10): 




170 


37 


220 


3! Hl 


150 — 134 „ 


3. 


Grab 105: 




250 


65 


270 


533 


150—134 „ 


4. 


j aus durch- i (Fig. 


9) 


245 


71 


265 


510 




5. 


wühlten 




225 


60 


abge 1 


Krochen 




6. 


Gräbern 1 




240 


61 


301 


540 





Mezzano (Prov. Mailand). 

Stark beschädigtes Exemplar; der Griff in der Mitte abgebrochen. Gesamtlänge jetzt 
etwa 360 mm. 2 

Italien (Museum in Karlsruhe). 

Leidlich erhaltenes Stück, aber Boden und Griffende geflickt. Länge 610 mm. 3 



Beide abgebildet in der Archaeologia a. ». 0. 
S. 376. 377. 

Bullettino di paletnologia italiana 12 (1886) S. 245: 
tav. 13, 65. Aus einem Brandgrabe. In der Kasserolle 
klebten zwei Füsschen (tav. 13, 70), die offenbar von 
einer Bronzekanne herrühren. Sonst ist noch ein 
total vernutzter Uncialas hervorzuheben. 
Erworben mit einer in Rom zusammengebrachten 
Sammlung: Die grossherzogl. badische Alterthümer- 
sammlung : Antike Bronzen (1885) Taf. 14. — Andere 
hierher gehörende Kasserollen aus Italien kenne ich 
nicht. Das in meinem Buche (S. 107) aus Povegliauo 
bei Verona erwähnte Stück, dessen 150 mm langer 
Griff in den Notizii degli seavi 1880 tav. 8, 8 ab- 



gebildet ist, weicht völlig von dem hier in Frage 
klimmenden Typus ab, wie auch die nach Evans bei 
Carrü gefundene Kasserolle hier auszuscheiden ist. 
Bei diesem in der Provinz Cuneo (nicht im Modene- 
sischen) liegenden Städtchen hat Fabretti etwa 
20 Brandgräber mit Münzen von Augustus bis 
Vespasian aufgedeckt, und darüber in den Atti della 
societä ili archeol. per In procineia di Torinoü (1878) 
S. 245—254, tav. 12— \'J berichtet. Die beiden mit- 
gefundenen Kasserollen, abgebildet tav. 13 und 
tav. 19, 9 halien weder in Form noch in Grösse 
das Geringste mit den hier in Frage kommenden 
gemein. Wenn Dechelette die in der Nekropole von 
Montefortino im Hinterlande von Sena Gallica ge- 



56 



Nienbüttel (Urnenfriedhof). 

Wie Abb. 15, aber der Griff an der Basis abgeschlagen. Das Becken ist 58 mm hoch 
und hat einen Durchmesser von 241 mm. 1 
Aylesford in Kent. 

Schöne Kasserolle von vortrefflicher Erhaltung, nur ist am Griffende der Schwanenkopf 
mit dem gefällig gebogenen Halse abgebrochen (Abb. 15). Durchmesser des Beckens 218 mm, 
Höhe 35, Gesamtlänge jetzt 444 mm. 2 

Die Gruppierung in der die Kasserollen mit Schwanenkopf in Ornavasso auftreten, 
machen ein ungemein sicheres Urteil über ihre ' Herstellungszeit und Heimat möglich. Drei 

sorgfältig untersuchte Gräber mit solchen Kasserollen 
führen Münzen aus der Zeit von etwa 150 — 114 v. Chr. 
Anderseits pflegen die Bronzeeimer mit Delphin- und 
Blattattachen nur selten von diesen Kasserollen begleitet 
zu sein. So ist der Teil des Friedhofes von Nienbüttel, 
der eine solche Kasserolle barg, gewiss älter als der mit 
Bronzeeimern. Die Herstellung der Kasserollen kann 
also nicht so lange gedauert haben, wie die der Eimer, 
wie auch ihre Seltenheit den Eimern gegenüber beweist. 
Auf solche Erwägungen hin wird man annehmen dürfen, 
dass dieser Kasserollentypus um 150 v. Chr. geschaffen 
und die Fabrikation dann bis gegen 100 v. Chr. fort- 
gesetzt worden ist. Was ihre Heimat angeht, so hatte 
ich unter Hinweis auf den oben ausgetieften Griff, den 
nach innen und aussen weit vorstehenden Rand des 
Beckens sowie die Ornamente auf dem Rande den 
etruskischen Ursprung in Abrede gestellt. Mag auch 
die im 2. Jahrh. vor sich gehende Umwandlung der 
alten etruskischen Kunstweise in die Formen und Typen 
der sogenannten Reichskunst allerlei Uebergangsformen 
gezeitigt haben, so können wir doch mit guten Gründen 
behaupten, dass die etruskische Bronzetechnik um 150 
v. Chr. nicht mehr die Kraft gehabt hat, einen solchen 
neuen Kasserollentypus zu schaffen. Nach dem Bekannt- 
werden der prächtigen Exemplare mit Schwanenkopf 
muss aber auch der von mir ausgesprochene Gedanke 
an eine Entstehung im keltischen Kulturkreis Ober- 
italiens aufgegeben werden. Ein Blick auf ähnliche 
und verwandte Tierköpfe an La Tene-Fibeln lehrt sofort, dass eine so einfache, einen ungewöhn- 
lichen Formensinn bekundende Wiedergabe des Schwanenkopfes der in wilder Phantastik 
schwelgenden keltischen Kunst unmöglich gewesen wäre. Da diese Erwägung auch für die 




Abb. 16. Kasserolle ans Aylesford. 1 j 



fundenen Kasserollen mit denen aus Ornavasso 
zusammenstellt (Rente arelieuloi/ique 40 (1902) S. 2ii2), 
so ist das lediglich ein Flüchtigkeitsfehler. Die 7 
in dem genannten keltischen Skelettgräberfelde, das 
stark mit etruskischem Import durchsetzt ist und dem 
3. Jahrh. v. Chr. angehört, gefundenen Kasserollen 
haben eine ganz abweichende Form. Das Becken 
ist kleiner und tiefer, der Griff ebenfalls ausgetieft, 
aber kurz und gedrungen, endigt alier niemals in 
einen Schwanenkopf, sondern setzt mit einer haken- 
artig umgebogenen Spitze ab. Brizio hat 5 Exemplare 
abgebildet (Mon. antichi 9 H. :i (1901) tav. 4— 11, 
danach eines bei Montelius pl. 151, 3) und weist 
dazu auf ein gleichartiges schönes Stück hin, das 
bei Cagli unweit Urbino, also im Grenzlande des 
alten Etruriens, zum Vorschein gekommen sei 
(Notüie degli seavi 1897 S. 7). Er hat zwei um 
1836 in der Nekropole von Vulci aufgefundene 



Gegenstücke übersehen, die im etruskischen Museum 
im Vatikan liegen und im Mitseitin Etruscum 
Gregorianum P. 1 (1842) tab. 1, 10. 12 abgebildet 
sind. Sonst hätte er diese Kasserollen wohl schon 
für etruskische Arbeiten aus dem 3. Jahrhundert 
erklärt. 

Abgebildet in den Nachrichten über deutsche Alter- 
thumtsfunde 8 1897) S. 77. Jetzt im Museum in 
Lüneburg. 

Abb. 15 nach Archaeologia 52 (1890) S. 378. Aus 
nordischen Funden kenne ich weiter keine Exemplare. 
Das in meinem Buche S. 107 aus Dühren im badischen 
Amte Sinsheim erwähnte Stück ist inzwischen in 
Lindenschmits Altertümern unserer heidnischen Vor- 
zeit Bd. 5. H. 3 (1904) Taf. 15, 283 abgebildet, er- 
weist sich aber nunmehr als armseliges Flickstück, 
von dem weder Becken noch Griff zu dem hier in 
Rede stehenden Kasserollentypus gehört. 



57 

Bronzeeimer der La Tenezeit gilt, so dürfen wir für die Kasserollen nicht länger einen 
besonderen Ursprung annehmen, sondern haben ihre Entstehung da zu suchen, wo auch das 
übrige Bronzegeschirr, besonders die Kannen und die Eimer, hergestellt sind. Dass die Aus- 
tiefung des Griffes nicht rein dekorativ war, sondern einem sehr praktischen Zwecke diente, 
haben' die vielen in der Anmerkung aus Montefortino erwähnten Kasserollen gezeigt, bei denen 
der allerdings weit kürzere Stiel ebenfalls eine tiefe Rinne zeigt. Neben fünf Kasserollen lagen 
Siebe, deren Griff so profiliert ist, dass er genau in die Vertiefung des Kasserollenstieles passt. 
Denselben Zweck sollte offenbar die Rinne im Griff unserer Kasserollen erfüllen. Die zu- 
gehörenden Siebe sind allerdings noch nachzuweisen. 

Für die Datierung der Bronzeeimer bietet Ornavasso leider nicht so sichere Anhalts- 
punkte. Das einzige Grab mit einem solchen, durch Erhaltung des ursprünglichen Henkels und 
der beiden Delphinattachen in gleicher Weise ausgezeichneten Eimer war gleich bei Auffindung 
der Nekropole zerstört worden, und so lassen sich die etwa mitgefundenen Münzen für die 
Datierung nicht mehr verwerten. Nur aus der Lage des Grabes darf man den Schluss ziehen, 
dass es zu den altern Gräbern des Friedhofes gehört hat, sein Inventar also kaum nach 100 
v. Chr. hergestellt sein kann. Für die Dauer der Herstellung gibt das Fehlen solcher Eimer 
in Pompei einen schätzbaren Fingerzeig. Da man im Altertum das Bronzegeschirr wegen seines 
nicht unbeträchtlichen Wertes im täglichen Gebrauch gewiss mit Vorsicht behandelt hat, so 
darf man wohl annehmen, dass eine Bronzegarnitur mindestens zwei Generationen ausgehalten 
hat. Danach wäre also die Herstellung dieser Eimergattung in der augusteischen Zeit ins 
Stocken geraten und ein anderer Eimertypus an ihre Stelle getreten. Wie weit diese Erscheinung 
mit der Neubelebung der Bronzeindustrie, die wir für die augusteische Epoche ebenfalls 
anzunehmen haben, im Zusammenhange steht, soll gleich erörtert werden. Wenn man für die 
Herstellung der genannten Bronzeeimer das Jahrhundert von 125 — 25 v. Chr. ansetzt, so ist 
das durch die bisher zur Verfügung stehenden Beweismittel durchaus gerechtfertigt. Die untere 
Zeitgrenze gilt aber nicht für die einfachen Eimer mit kräftiger Ausbauchung und eisernen 
Beschlägen wie die aus Westerwanna (14), Körchow (22), Mehrum (28) und andere, die nach den 
pompeianischen Funden zu urteilen noch im ersten Jahrh. n. Chr. weiterfabriziert wurden. 

Die Heimat der Bronzeeimer. 

Die sorgfältige Aufnahme des Bestandes an den hierher gehörenden Eimern hat trotz 
der schlechten Erhaltung der meisten Exemplare ein so grosses Beobachtungsmaterial in den 
Bereich der Untersuchung gebracht, dass Vermutungen über den Fabrikationsort der Eimer nicht 
mehr nötig sind, sondern eine genaue Prüfung der Ausstattung und eine sich auf das sonst 
bekannte Vergleichsmaterial stützende Beobachtung ohne weiteres zur Feststellung der Heimat 
führt. Nach Form und Ausstattung zerfallen sie in die folgenden Klassen: 
Reihe mit verzierten hohen Henkelattachen : 
Gruppe A mit Delphinattachen. 
Gruppe B mit Blattattachen. 
C. Reihe mit niedrigen, aber breiten und schweren Bronzeattachen. 
Reihe mit Henkel und Attachen von Eisen: 
Gruppe D mit Ausbauchung. 
Gruppe E mit Schulterabsatz. 
Die Henkel. 

Von allen bisher bekannt gewordenen Eimern besitzen nur noch vier den schönen 
Bronzehenkel, mit dem sie die Giesserei verlassen haben. Bei zweien sind die Enden mit 
Schwanenköpfen geschmückt, nämlich bei dem Eimer mit Blattattachen aus Hoby (Taf. 4, 2) 
und dem mit flachen Bronzeattachen aus Podmokl (35). 1 Diese Henkel sind in jeder Beziehung 
Gegenstücke, haben beide denselben hufeisenförmigen Querschnitt und an den Enden dieselben 
gedrungenen Schwanenköpfe, an denen das Gefieder mit besonderer Sorgfalt wiedergegeben ist. 
Sie können mit den jüngeren auf gleiche Weise verzierten Henkeln capuanischer Eimer durchaus 
den Vergleich aushalten (zum Beispiel Taf. 5, 3). Henkel mit knaufförmig profilierten Enden 
finden wir dagegen an den beiden Eimern mit Delphinattachen aus Rondsen (Taf. 4, 1) und 
aus Ornavasso (Abb. 11, Fig. 4). Sie weichen nur darin voneinander ab, dass der Eimer aus 
Ornavasso oben einen Ring trägt, wie bei dem jüngeren capuanischen Eimer Regel ist. Knauf- 

1 Abgebildet bei Pic Le Hradischt de Stradonits H. 23. 



58 

artig profilierte Enden treffen wir am pompeianischen Bronzegerät recht oft, so an den Stäben 
der zusammenschiebbaren Dreifüsse, an Kandelaberbekrönungen zum Aufhängen von Lampen, 
an den Griffen chirurgischer Instrumente. Ob auch die in den nordischen Funden dieser Zeit 
so häufigen Knäufe von Trinkhörnern hierher gehören, wage ich nicht zu entscheiden. 

Die Henkelattachen. 

Die Eimer mit Delphinattachen sind weit häufiger als die mit blattförmigen. Aus der 
oben gegebenen Statistik lassen sich mindestens vierzehn Exemplare mit Delphinattachen nach- 
weisen, während Blattattachen mit voller Sicherheit nur an den Eimern von Hoby (Tai. 4, 2), 
von Osterehlbeck (Taf. 2, 1) und vom Hradischt (33) festzustellen sind. Wenn die Attachen 
mit den beiden auseinanderschnellenden Delphinen dem an klassischen Arbeiten gebildeten Auge 
zunächst etwas fremdartig anmuten, so ist das bei Erwägung der Enstehungszeit dieser Beschläge 
nicht zu verwundern. Wir wissen bisher recht wenig von der italischen Bronzeindustrie des 
zweiten vorchristlichen Jahrhunderts und bei Durcharbeitung der pompeianischen Bronzen wird 
es einen besonderen Heiz gewähren, das Absterben älterer Motive zu verfolgen, festzustellen, 
wie der übermächtige hellenistische Einfluss aus dem Osten bald den lokalen Traditionen den 
Untergang bringt und wie die lokalen Kunstschulen sich anfangs der neuen Richtung zu erwehren 
suchen. In diese Uebergangszeit fällt die Schaffung unserer Delphinattachen. Später wird dann 
der Delphin am Bronzegerät tektonisch ziemlich oft verwertet. So werden die beiden Henkel 
einer Bronzekanne durch je einen Delphin gebildet, 1 während bei einem oft vervielfältigten 
Leuchter ein nach unten schnellender Delphin den Schaft bildet, indem er sich unten in einem 
auf einer liegenden Muschelschale ruhenden Tintenfisch festbeisst und auf der Schwanzspitze 
das Leuchterbecken trägt. Von den Attachen mit blattförmigem Ansatz sind nur die am Eimer 
aus Hoby (Taf. 4, 2) ganz erhalten. Diese Attachen sind auch weit sauberer und gediegener 
gearbeitet als die aus Osterehlbeck und vom Hradischt. Der mit Blumenkelch und daraus sich 
erhebendem Ring gekrönte Schaft setzt sich auf dem Blattansatz als kräftige Mittelrippe fort 
und verläuft unten in einen mit Ouerstegen versehenen Ansatz. Ganz ähnliche blattförmige 
Ansätze finden wir an der Kanne aus Aylesford und an einer anderen aus Dänemark; nur 
der ebenfalls kreuzförmige Verlauf zeigt kleine Verschiedenheiten. 2 Was die ursprüngliche 
Befestigungsweise der Delphin- und Blattattachen angeht, so waren sie von Haus aus stets 
angelötet, niemals festgenietet. Das ist also alte capuanische Tradition, an der bei den besser 
ausgestatteten Eimern stets festgehalten wurde. Auch die schweren Attachen an den Mehrumer 
Eimern (Taf. 5) waren nur durch Lötung befestigt. — Die oben als Reihe C aufgeführte 
Eimergruppe unterscheidet sich nicht nur durch die schweren liegenden Henkelattachen von 
denen mit Delphin- und Blattattachen. sondern auch durch ihre etwas abweichende Form. Diese 
Eimer sind etwas grösser, ihr Hals weiter und die Schulter etwas eckiger. Die vier bisher 
nachgewiesenen Stücke gleichen sich in jeder Beziehung; der Eimer aus Seeland ist oben in 
Abb. 3 wiedergegeben, während bei Erwähnung des Eimers aus Münsterwalde (19), l'odmokl (35) 
und aus dem Aare-Zihlkanal (30) auf anderweitige Abbildungen verwiesen werden musste. Die 
Attachen bestehen aus schmalen Bronzeleisten von gestreckter beiderseits spitz auslaufender 
Form und tragen in der Mitte einen schweren Bronzering. Obwohl sie festgenietet sind, weist 
doch ihre gleichmässige Form und ihr solider dicker Korper auf die Giesserei hin, aus der die 
Eimer hervorgegangen sind. Die fipchen Auskehlungen, durch die jene Attachen etwas ver- 
schönert werden, erinnern an die gleich zu besprechenden Eimerfüsschen. Mit diesen Eimern 
ist der eine aus Nienbüttel (Taf. 1, 3) zusammenzustellen, der ebenfalls schwere Bronzeattachen 
hat, aber solche von einfacher, rechteckiger Form. Die Gesellschaft, in der er auftritt, zeigt 
deutlich, dass diese Stücke mit schweren Attachen nicht von denen mit Delphin- und Blatt- 
attachen zu trennen sind. — Auf die eisernen Attachen und Henkel der ausgebauchten Gruppe D 
und der Gruppe E mit Schulterabsatz brauche ich weiter nicht einzugehen, sondern nur auf 
die Abbildungen (besonders Taf. 3, 1. 2 und Taf. 4, 3. 4) hinzuweisen. Es sind gewöhnliche 
Wirtschaftseimer, die auch in Pompei starke Verbreitung gefunden hatten und mit der besseren 
Ware ebenfalls exportiert wurden. Henkel und Attachen stellen gewöhnliche Schmiedearbeit dar, 
wie wir sie in Pompei auch an einer Reihe von Bronzekannen mit eisernen Henkeln beobachten. 
Sie haben die Gruppen mit Bronzehenkel beträchtlich überlebt. 

1 Museo Borbonico 1 tav. .'i'i. '- J . -' Beide abgebildet in der Archaeologia 52 (1890) 

S. 376. 377. 



59 




Abb 16. 

Füsschen vom Eimer ;»us Holubic. Vi 



In der Kultur- 
die mehr oder 




Die Füsschen. 

Wie sorgfältig die Eimer nach dem Gusse abgedreht zu werden pflegten, lehrt ein Blick 
auf den prächtig erhaltenen Boden des Rondsener Eimers (Taf. 4, 1 a) und den ganz intakt 
gebliebenen des oben unter 5 besonders abgebildeten aus Dobrichov. Hier sehen wir noch die 
je 6 mm dicken Füsschen an Ort und Stelle. Die guten Eimer mit Bronzehenkel scheinen 
ziemlich alle in der Giesserei Füsschen erhalten zu haben, doch hielt das Zinnlot nicht so lange 
aus wie die Gelasse selbst und so gingen die Füsschen fast alle verloren. Die Füsschen des 
Dobrichover Eimers sind massige Plättchen mit sauberen Auskehlungen und geben dem Eimer 
einen sicheren Stand. Ein anderer erwünschter Fund lehrt uns einen zweiten Fusstypus kennen, 
der für diese älteren Eimer ebenfalls schon verwendet worden ist. 
Von dem Exemplar aus Holubic (32) sind der Glut des Scheiter- 
haufens nur die schweren Teile der Delphinattachen und alle drei 
nicht minder schweren Füsschen entgangen. Fines von ihnen zeigt 
Abb. 16. Diese Füsschen bestehen aus zwei im rechten Winkel 
zusammenstossenden , aber in einem Guss hergestellten dicken 
Plättchen, von denen das liegende unter dem Boden festgelötet war 
und das stehende die Last des Eimers trug. Die dem Beschauer 
zugewandte Seite ist durch Wulst und volutenförmige Auskehlung 
ansprechend gegliedert. Füsschen von anderer Form lassen sich 
bei den hier in Frage kommenden Eimern noch nicht mit Sicherheit nachweisen. 
Schicht auf dem Hradischt bei Stradonitz haben sich fünf Füsschen gefunden 
weniger geschmackvoll profilierte Varianten zu den Füsschen aus 
Dobrichov darstellen und wohl ohne Bedenken ebenfalls zu solchen 
Eimern zu rechnen sind. 1 Um die Bestimmung von Gefässformen beim 
capuanischen Bronzegeschirr aus den Füsschen zu sichern und zu 
erleichtern, gebe ich hier in Abb. 17 und 18 zwei Füsschen aus 
Ornavasso. 2 Ein genau entsprechendes Gegenstück ist auch auf dem 
Hradischt aufgelesen. 3 Diese mit grosser Sorgfalt und feinem Geschmack 
profilierten Füsschen haben also zu Kannen gehört und nicht zu Eimern. 
Vergleichen wir die Füsschen unserer Eimer mit denen unter den 
Prachtstücken aus Mehrum (Taf. 5, 1 — 3), so leuchtet die Zusammen- 
gehörigkeit sofort ein. Der grosse Eimer 1 hat jetzt nur noch zwei 
Füsschen. Die Schauseite ist jedesmal mit zwei liegenden Sphinxen 
verziert, die also an Stelle der Volutenauskehlung vom Eimer aus Holubic getreten sind. An 
das Plättchen mit den Sphinxen stösst im rechten Winkel genau wie in Holubic das unter dem 
Eimer festgelötete Plättchen an. Die Füsschen von Eimer 2 und 3 sind plumpe massive Bronze- 
klötzchen, die mit Füsschen 18 Aehnlichkeit haben, aber weit grösser und schwerer sind. Statt 
der Zähnelung haben sie vor den Enden eine Auskehlung. Der Grösse der Eimer entsprechend 
mussten sie recht schwer gehalten werden. Die beiden erhaltenen Füsschen von Eimer 2 wiegen 
160 und 1H7.2 y, das eine erhaltene von Eimer 3 gar 230 </. 

Jüngere Eimerformen. 

Wenn es uns bisher auch noch nicht vergönnt ist alle jene Eimer, Oelkrüge, Wasser- 
kannen, Weinkrüge genau in ihrer Form nachzuweisen, die der alte Cato in Capua zu kaufen 
empfahl, 4 so sind wir doch namentlich mit den hier betrachteten Eimern und Kasserollen der 
Zeit Catos beträchtlich nahe gerückt und es steht zu hoffen, däss in absehbarer Zeit eine 
Gesamtgeschichte der capuanischen Bronzeindustrie geschrieben werden kann. Schon aus den 
hier betrachteten Arbeiten ergibt sich, dass sich bei dieser Industrie für das letzte Jahrhundert 
der Republik zwei Stilrichtungen unterscheiden lassen. Während nämlich aus den Eimern und 
Kasserollen dieser Zeit trotz gelegentlicher Entlehnungen aus dem traditionellen griechischen 
Typenvorrat eine gewisse italische Nüchternheit und Scheu vor Abweichung von der einmal 
gewählten Form spricht, ist das oben abgebildete Bronzebecken von Weddel, das nach dem 



Abb. 17. Füsschen der Kanne 
Abb. 12, Fig. 7. l/| 




Abb. 18. 
Füsschen einer Kanne. 1/2 



1 Alle abgebildet bei Pic a. a. <>. pl. 21, 1. 2. 5. 7. 8. 

2 Abb. 17 = Bianchetti tav. 15. 13; Abb. 18 = tav. lö. 11. 

Füsschen 18 stammt aus einem durchwühlten Grabe; 
die dazu gehörende Kanne ist nicht in Bianchettis 
Besitz gelangt, sondern entwendet worden. 



3 Pic n. a. 0. pl. 21, 6. 

4 l)e agri cuUura 135: Hamae, umae oleariae, urcei 
aquurii, urnae viriariae, alia rasa akenea ('njnm*. 



8* 



60 





Abb. 19. 20. GJriff uod Untersatz eiues Broazebeckeus aus Holubic. l h 



Gegenstück aus Ornavasso zu urteilen noch aus dem 2. Jahrhundert stammt, in Form und 
Ausstattung ganz im griechischen Geiste gehalten. Den feinen Sinn für Proportionen, mit dem 
Durchmesser und Tiefe des Beckens gewählt sind, den geschickt durch eine Hohlkehle ver- 
mittelten Uebergang zwischen dem breit ausladenden Mündungsrande und dem glatt verlaufenden 
Körper des Beckens und die ganz organisch anmutende Verbindung zwischen Henkeln und 
Becken würden wir bei den Eimern vergebens suchen. Und doch sind beide Gefässarten zur 
gleichen Zeit und an demselben Orte hergestellt worden. So lagen auch neben dem Bronze- 
eimer von Holubic, von dem 
Abb. 16 ein Füsschen zeigt, 
zwei schwere Henkel und ein 
Untersatz ebenfalls aus dickem 
Bronzeguss. (Abb. 19. 20.) ' 
Hier hat sich also wie in Orna- 
vasso (Abb. 11, Fig. 2. 3 und 
Abb. 12, Fig. 1) das Becken selbst nicht erhalten. Die Rundung des (Triff es besteht wiederum 
aus zwei schlanken Blumenkelchen, deren Verbindung aber nur durch eine mit Wülsten pro- 
filierte Verdickung vermittelt wird, aber an die Stelle der Weinblätter sind ein Paar geöffnete 
Hände getreten, die sich um die Wandung des Beckens legten. Der Untersatz weicht von dem 
aus Ornavasso in Form und Verzierung gänzlich ab, schliesst sich aber durch seinen gefälligen 
Blattablauf ganz an die Ornamentik der Henkel an. Die in reinerem griechischen Geiste 
arbeitenden Werkstätten, aus denen diese Becken hervorgegangen sind, scheinen in republikanischer 
Zeit, wenn auf das bisher verwertete Material Verlass ist, die der griechischen Tradition ur- 
sprünglich fremden Eimer nicht hergestellt zu haben. In der augusteischen Zeit ist nun aber 
ein bemerkenswerter Wandel eingetreten. Die Eimer mit Delphin- und Blattattachen hören auf 

und an ihre Stelle treten Eimer von zunächst nahe ver- 
wandter Form, deren Henkelbeschläge und sonstigen Ver- 
zierungen keiner lokalen Tradition mehr folgen, sondern 
ganz im griechischen Geiste gehalten sind. Unter Augustus 
hat also eine Verschmelzung der früher nebeneinander her- 
gehenden Stilrichtungen stattgefunden und der Hellenismus 
trägt nun in allen Giessereien Capuas den Sieg davon. 
Eine der ältesten Arbeiten dieser neuen Schule veranschaulicht 
Abbildung 21. Dieser Eimer rührt aus dem Urnenfriedhofe 
von Dobrichov her und stand in der Nähe des oben Abb. 4 
gegebenen Eimers mit Delphinattachen. 2 Der neue Eimer 
weicht in der Form nur wenig von dem älteren ab, nur ist 
er bedeutend grösser und der verdickte Mündungsrand hat 
einer weit ausladenden Lippe weichen müssen, die mit 
sauberem Flechtband geschmuckt ist. Die Henkelattachen 
mit ihrem Mänadenkopf vom ernsten Typus atmen natürlich 
durchaus griechischen Geist. Somit hätten wir den An- 
schhiss an jene lange Reihe von Bronzeeimern gewonnen, 
die ich schon früher als Fabrikate capuanischer Giessereien 
nachgewiesen hatte. Zu ihren schönsten Leistungen gehören 
die Taf. 5, 1 — 3 abgebildeten Eimer aus Mehrum, deren 
Entstehung wohl ebenfalls noch unter Augustus fällt. Wenn der Nachweis ihres capuanischen 
Ursprunges noch weiterer Stützen bedürfte, so würde das auf Taf. 5 unter 4 abgebildete kleine 
Marmorrelief gute Dienste tun, das ich früher noch nicht berücksichtigt hatte. Das leider stark 
bestossene Friesrelief gehörte zu dem Marmorbelage, mit dem das Amphitheater von Capua 
gleich bei seiner Erbauung unter Augustus ausgestattet worden war; es ist 34 cm lang und 
12 1 / a cm hoch. Innerhalb der kräftigen, leicht profilierten Umrahmung sehen wir Opfergerät: 
links einen Tisch mit zwei Opfermessern, daneben einen grossen Bronzeeimer, ferner Beil. 




Abb. 21. Brouzeeinier aus Dobrichov. ' ,, 



1 ALI,. 16. 19. 20 nach den Mittheilungen der k. Je. 
Central-Commission 10(1884) S. LXXXVIII. 



- Nach Pamätky archaeologicki 17 (1897) tab. 52, ö. 
Später halien sieh noch Reste von ähnlichen Eimern 
gefunden: A. a. 0. 21 (1905) tab. 41. 42. 



61 

Weihwedel, Priestermütze und den Kopf eines geopferten Widders. 1 Der Bronzeeimer gleicht 
völlig dem schönen Stück aus Mehrum (Taf. 5, 1). Der Künstler will natürlich keine vom 
Archäologen zu verlangende genaue Wiedergabe liefern, sondern sucht den Gesamteindruck in 
seinem Relief festzuhalten. Man darf also nicht darauf aufmerksam machen, dass auf dem 
Relief die Füsschen unter dem Eimer fehlen. In Capua wurden also diese schönen Eimer auch 
beim Kultus verwendet. Auf Bildwerken kommen diese Eimer ausserhalb Capuas meines 
Wissens nirgends vor. 

Ich schliesse mit einem Hinweis auf die stattliche Bronzeschale Taf. 3, 4, die im 
Dezember 1904 an der Stelle eines jetzt trocken gelegten Teiches bei Freden im Kreise Alfeld 
gefunden und dem Prov.-Museum geschenkt worden ist. Sie hat die rostbraune Wasserpatina 
und zeigt bis auf einen verloren gegangenen Henkel vortreffliche Erhaltung. Oberer Durch- 
messer 370 mm, Dm. des Fusses 121, Höhe bis zum Rande 150 mm. Der erhaltene Henkel hat 
Attachen in Form von Seedoggen, die etwas flüchtig modelliert, aber mit grosser Sorgfalt ciseliert 
sind. Gegenstücke kommen sonst im Norden gar nicht selten vor. Ich erinnere nur an das 
Becken aus Wichulla bei Oppeln in Oberschlesien, das in Gesellschaft von capuanischen Bronze- 
eimern und Kasserollen angetroffen wurde. 2 

Der Nordhandel Aquileias. 

Ein genaueres Eingehen auf die ganze archäologische Stufe, die durch die Urnenfried- 
höfe von Nienbüttel, Rondsen und Dobrichov in so glänzender Weise vertreten ist, liegt nicht 
in meiner Absicht. Ich habe nur die wichtigsten italischen Importstücke herausgegriffen und 
nach Heimat und Entstehungszeit mit aller durch die bisher zu Gebote stehenden Hilfsmittel 
erreichbaren Genauigkeit zu bestimmen gesucht. Es ist das ein bescheidener Anfang von den 
noch zu bewältigenden Arbeiten. Wenn für alle archäologischen Forschungen in erster Linie 
eine chronologische Grundlage geschaften werden muss, so können wir mit dem hier Erreichbaren 
wohl zufrieden sein. Lässt sich doch nachweisen, dass die ältesten Bronzeeimer und Kasserollen 
von den hier behandelten Typen schon um 100 v. Chr. nach dem deutschen Norden gelangt sind. 
Es muss nun aber auch in dem ganzen reichen Grabinventar überhaupt Import und einheimisches 
Fabrikat genauer geschieden werden. Von den wohlbekannten eisernen Schildbuckeln sind in 
Nienbüttel mindestens 32 angetroffen, in Rondsen 26 und in Dobrichov mindestens 8. Die fast 
absolute Gleichheit ihrer Form und Grösse zeigt, dass sie ebenfalls importiert sind. Dieselbe 
Frage drängt sich für die teils einschneidigen, teils zweischneidigen Schwerter auf, ebenso für 
die Lanzenspitzen, die Sporen, die Reste von Trensen, die besonders in Nienbüttel zahlreich 
vorhandenen Beschläge und Buckel von Riemenwerk, die Fibeln, Gürtelhaken. Messer, Scheeren 
und vielen kleinen Zierstücke. In vielen Fällen zeigen die Formen dieser Gegenstände und der 
Charakter ihrer Ornamente sofort, dass es sich um Arbeiten keltischer Werkstätten handelt, 
die trotz aller äusseren Einflüsse sich die alte Selbständigkeit nicht nehmen Hessen. Klarheit 
lässt sich nicht durch ästhetisches Raisonnement über die Anmut oder Geschmacklosigkeit der 
keltischen Ornamente gewinnen, noch weniger durch so unschuldige Einfälle, wie sie jüngst 
geäussert worden, die La Tenekultur habe sich von Massilia aus über West- und Mitteleuropa 
verbreitet, also etwa wie die Cholera. Weiter hilft uns nur eine Methode, die auf sorgfältiger 
Verarbeitung der einzelnen Gegenstände mit Abbildung der wichtigsten Stücke und einer genauen 
Fundstatistik beruht. 

Dass alle Grabbeigaben aus Nienbüttel und Rondsen, die wir als Import zu betrachten 
haben, aus Böhmen auf dem Eibwege nach dem deutschen Norden gelangt sind, lehrt die 
absolute Gleichartigkeit der Funde aus Böhmen. Boische Händler sind aber keineswegs die 
Träger dieses Warenaustausches gewesen, da wir sonst keltische Münzfunde aus dem deutschen 
Norden in nennenswerter Anzahl aufzuweisen hätten. Die Waren wurden vielmehr an der Grenze 
von den sich in gewissen Marktplätzen zusammenfindenden Händlern beider Völker ausgetauscht. 
Einen ähnlichen Grenzhandel regelt noch das Capitular Karls des Grossen vom J. 805, das aber 
Waffen ausdrücklich vom Handel ausschliesst. 3 Auch nach Böhmen gelangten römische Händler 

1 Das kleine Relief wird jetzt im Museum in Neapel 2 Alle abgebildet in Schlesiens Vorzeit 7 (1899) S. 420. 

aufbewahrt and ist veröffentlicht im Museo Sorbonico 3 Capitularia regum Francorum ed. A. Boretius. T. 1 

15 (1857) tav. 34, 5. Zwei schöne Photographien (1883) S. 123: De negotiatoribus ijm partibus 

verdanke ich meinem Freunde Gabrici vom Museum Sclavorum et Avarorum pergunt, quousque procedere 

in Neapel. cum suis negotiis debeant: id est pa/rtibus Saxoniae 



62 

erst, nachdem im J. 10 n. Chr. das römische Reich durch Einrichtung der Provinz Pannonien 
bis an die Donau vorgerückt war und besonders nachdem König Marbod mit Rom ein Bündnis 
geschlossen und sich dadurch auch zum Schutze des Handels verpflichtet hatte. 1 Wie lebhaft 
sich sofort die Handelsbeziehungen gestalteten, lehrt die keltisch-römische Kulturschicht auf dem 
Hradischt bei Stradonitz, die besonders eine grosse Anzahl von römischen Fingerringen mit 
geschnittenen Steinen bietet, wie sie sonst ausserhalb des römischen Reiches nirgends 
beobachtet worden ist. Mit dem Sturze Marbods verschwanden die römischen Händler 
natürlich aus dem Lande und die Marcomannen mussten die römischen Waren an der Donau in 
Empfang nehmen. 

Als Rom im J. 181 v. Chr. im Nordwinkel des Adriatischen Meeres die Kolonie Aquileia 
gründete, wollte es nach der Ueberlieferung eine sichere Grenzfestung schaffen, an der alle nor- 
dischen Einfälle abprallen sollten. Die Wahl des Platzes verrät aber auch das Hineinspielen 
der Handelspolitik. Ein Stapelplatz, gelegen an dem schmalen Steg, der hier Italien mit dem 
Norden verbindet, und ausgestattet mit einem Hafen, der von Italien wie vom Osten her gleich 
bequem zugänglich war, musste sich hier durch die Natur der Verhältnisse zu einem Verkehrs- 
zentrum ersten Ranges ausbilden. Von der Vorgängerin Aquileias, der venetischen Stadt Atria 
zwischen der Mündung von Po und Etsch, wissen wir noch wenig, desto besser ist uns die 
glänzende Geschichte ihrer Nachfolgerin, des jetzt kräftig wiederaufblühenden Venedig, bekannt, 
Hatte Aquileia sich bereits in republikanischer Zeit zu Beherrscherin des oberitalischen und 
nordischen Handels aufgeschwungen, so brachte ihr die Erweiterung des Reiches bis zur Donau 
und ein gewaltiges Netz von Chausseen, für die Aquileia der gegebene Knotenpunkt war, einen 
Reichtum und Glanz, von dem die Alten mit Bewunderung sprachen. Leider geben uns aber 
die antiken Nachrichten nicht viel mehr als Gemeinplätze. 2 Neben den archäologischen Funden 
wird besonders eine systematische Durchforschung der Inschriften von grossem Nutzen sein. 
Aus den Inschriften von Aquileia kennen wir zum Beispiel das Handelshaus der Barbier, dessen 
Mitglieder gelegentlich das Cognomen Mercator führen. Diese Firma hat auch ausserhalb Italiens 
eine ganze Anzahl Zweiggeschäfte gegründet, die von Freigelassenen geführt wurden. An der 
dalmatinischen Küste besitzt es Geschäfte in Aenona (Nona) und in Salonae. Im Hinterlande 
ist die Firma besonders stark vertreten in Virunum bei Klagenfurt, der Hauptstadt der eisen- 
reichen Provinz Noricum, ebenso im benachbarten Ivenna (Jaunstein). Im Stromgebiet der 
unteren Donau hat sie Niederlassungen beim heutigen Poznanovic an der Drina, südlich von 
Zvornik, und sogar in Viminacium in Moesien. An den nach dem Norden führenden Strassen 
finden wir Geschäfte in Emona (Laibach), beim heutigen Trifail, ebenso im benachbarten Celeia 
(Cilli), weiter in Savaria (Stein am Anger). Scarbantia (Oedenburg) und schliesslich in Carnuntum 
an der Donau, der Grenz- und Zollstation für den Norden. Eine andere Niederlassung bestand 
in der Grenzstadt Lauriacum (Lorch). 3 Ein anderes Exportgeschäft betrieben in Aquileia die 
Statier. Bei Bom ist ein Grabstein gefunden worden, gewidmet dem L. Statius Onesimus, 'seit 
vielen Jahren Grosshändler der Via Appia 1 . Er exportierte also von Campanien aus. Mit dieser 
Inschrift ist der bei Aquileia gefundene Grabstein zusammenzustellen mit der Widmung: 'Dem 
L. Atilius, des Lucius Freigelassenen, Saturninus, 40 Jahre alt, gebürtig aus Scarbantia (Oeden- 
burg), erschlagen von Bäubern im Gebiete der Rtusen sein Bruder Atilius und sein Freund 
Statius Onesimus.' 4 Dem Saturninus war es also nicht beschieden, auf dem Grabplatze bei 



usgue ad Bardaenowic, ubi praevideat Hredi (Kom- 
mandant der (ircnzwaehr), et ad Schezla (bei Celle), 
ubi Madalgaudus praevideat, ei ad Magadoburg . . . 
et ut ariim et bruinas non ducant ad cenundandum. 

1 Tacitus Anndien '2. -I."i ; Arminias . . . fugacem 
Maroboduum appellans . . . per dona et legationes 
petivisse foedus. 62 Veteren illic(ia der Stadt Marbods) 
Sueborum praedae et nostris e provineiis lixae ac 
negotiatores reperti, quos ins commercii, dem cupido 
augendi peeuniam . . . Iiostilem in agrum transtulerat. 

- Gesammelt von Karl Herfurth I>e Aquileiae com- 
mereio. Diss. Halle 1889. 

3 A. v. Domaszewski bei l\. v. Schneider Hie Erz- 
statue vom Helenenberge (1893) S. 21, 8 = Jahrbach 
d. kunsthist. Sammlungen des Allerh. Kaiserhauses 



15 (1894) S. 121, 9. Die Inschriften jetzt alle im 
CIL III: Aenona 2979. Salonae 2141. 8947. 9372. 
Virunum 4805. 4815. 4885. 11561—65. Ivenna 5073. 
Poznanovic 12743. Viminacium 12660. Emona 3846. 
Trifail 5144. Celeia 11697. Savaria 4156. Scarbantia 
14H6S. Carnuntum 4400. 4461. Lauriacum 5680. 

Statier in Aquileia oft. Ein L. Statins Onesimus, 
vielleicht ebenfalls mit unserem identisch CIL V 
827. Die Inschrift aus Rom CIL VI 9663 = 
Dessau 7nlH: L. Statins Onesimus, uiae Appiae 
multorum annorum negotians. Dessau 8507: L. Atilio 
L. I. Satumino annor. \I. domo Fl. Scarbantia 
interfec. a latronibus in Rtusis, Atilius Tertius 
frater et Stalins Onesimus amico. 



63 

Oedenburg, den er für sich und seine Angehörigen erworben hatte, bestattet zu werden. 1 Sein 
Vordringen in feindliches Land hatte er mit dem Leben bezahlen müssen. Erinnert sei noch 
an den aus Köln gebürtigen Händler Secundius, der ebenfalls in Aquileia lebte und nach Dacien 
exportierte. 2 

Die römischen Luxusartikel, Weinservice und sicher auch ein Teil der Waffen, die wir 
im deutschen Norden bis ins 2. Jahrhundert hinein antreffen, sind also meist durch Pannonien, 
seltener über den Brenner durch Noricum, an die Donau gelangt und dann durch Zwischen- 
händler weiter vertrieben worden. Dass auch die Langobarden, in deren Gebiet der Urnen- 
friedhof von Nienbüttel liegt, 3 sehr kaufkräftige Abnehmer gewesen sind und ihrerseits ihre 
Landesprodukte eifrig vertrieben haben, lehrt die Nienbütteler Ausbeute schlagend. Freilich 
fällt dieser Handelsverkehr bereits in das 2. und 1. Jahrhundert v. Chr.. wo Aquileia seine 
direkten Handelsbeziehungen noch nicht bis zur Donau ausgedehnt hatte, sondern noch weit 
stärker der keltischen Zwischenhändler bedurfte, um in den Besitz des nordischen Exports zu 
gelangen. Wie sehr Aquileia dann von etwa 100 n. Chr. an mit der vom Niederrhein aus- 
gehenden Konkurrenz auf dem nordischen Absatzgebiet zu kämpfen hatte, wird der folgende 
Abschnitt dartun. 



1 Die zwischen Oedenburg und Stein am Anger ge- 3 Dass der heutige Begierungsbezirk Lüneburg als 
fundene Inschrift CIL III 10936: L. Atilius Stammland der Langobarden anzusehen ist, hat 
Saturirinus et .Julia I. f. Domitia sibi . . . rührt besonders Freiherr von Hainnierstein in seinem 
offenbar von unserem Atilius her. schönen Buche über den Bardengau (1869) S. 48 — 75 

2 (IL V 1047 = Dessau 7526: d. m. M. Secundi durch vergleichende L'ntersuchung der Personen- 
Genialis domo Gl. Agrip., negotiat. Dacisco. und Ortsnamen genauer dargelegt. 



Die Heimat der Bronzeeimer vom Hemmoorer Typus. 

Von H. Willers. 

Im Laufe des 2. Jahrhunderts n. Chr. sind die cylindrischen. auf angelöteten Füsschen 
ruhenden Eimer der capuanischen Werkstätten im germanischen Norden nach und nach durch 
eine in Material und Form völlig abweichende Eimerklasse verdrängt worden. Diese gleicht in 
ihrer Grundform dem modernen Eierbecher, hat einfache, der Mündung fest aufgesetzte Henkel- 
attachen und ist aus Messing hergestellt, so dass sie eigentlich auf die Bezeichnung Bronzeeimer 
keinen Anspruch hat. In dem schon erwähnten Buche über die Funde von Hemmoor habe ich 
diese Gruppe in ihrer Herstellungsart und ihrer mannigfaltigen künstlerischen Ausschmückung 
eingehend gewürdigt, vermochte aber trotzdem keine bestimmte Antwort auf die Frage nach 
ihrer Herkunft zu geben, sondern musste mich auf den durch allerhand Analogien plausibel 
erscheinenden Schluss beschränken, dass diese Eimer wohl irgendwo in Gallien hergestellt seien. 
"Auf die weitere Frage, in welcher Gegend Galliens das Industriecentrum zu suchen ist, das wir 
auch für diese Eimer vorauszusetzen haben, eine Antwort zu geben, gestatten die gerade aus 
Frankreich bisher in so geringer Anzahl bekannt gewordenen Funde einstweilen nicht. Es fehlt 
eben ein gallisches Pompei und auch die literarische Ueberlieferung lässt uns hier völlig im 
Stich. Nur weitere Funde und eine statistische Aufarbeitung des ganzen gleichzeitigen, auf 
französischem Boden zum Vorschein gekommenen Fundmaterials können das Rätsel lösen.' 
Inzwischen bin ich eifrig bemüht gewesen weitere Eimer auf französischem Boden nachzuweisen 
und weiss jetzt auch wirklich um zwei andere dort gefundene Stücke. Dieses dürftige Ergebnis 
hat also meine auf Frankreich gesetzten Hoffnungen und die Annahme eines gallischen Ursprunges 
der Eimer nicht bestätigt, sondern nur das negative, aber darum nicht minder wertvolle Resultat 
gebracht, dass wir die Heimat der Eimer nicht länger in Gallien suchen dürfen. Um weiter- 
zukommen, wird es gut sein, zunächst jegliche Kombination beiseite zu lassen und eine 
genaue Fundstatistik aller mir bekannt gewordenen Eimer zu geben. Ich stelle zunächst 
die nach Erscheinen meines Buches gefundenen oder zu meiner Kenntnis gekommenen Stücke 
zusammen. 

HANNOVER 

Sievern, nördlich von Bremerhaven. Kreis Lehe. Hier ist im vorigen Herbst in einem 
Urnenfriedhof ein Eimer mit Bilderfries ans Licht gekommen, der den Nachrichten zufolge 
ein Gegenstück zu den Eimern von Häven in Mecklenburg und von Heddernheim [Hemmoor 
Taf. IM sein soll. Mit der Ausbeute aus dem genannten Urnenfriedhofe ist der Eimer in das 
neugegründete Museum von Geestemünde gelangt. 

Liebenau, 10 hm nördlich von Stolzenau, Kreis Nienburg. Hier kam im Juli 1902 
der Taf. 3. 3 abgebildete Eimer zum Vorschein. Er wurde etwa 1 ' ., hm südöstlich vom Flecken 
in einer flachen, sandigen, muldenartigen Vertiefung unweit der Weser gefunden, lag etwa 2 m 
tief im Sande eingebettet und war mit Leichenbrand gefüllt. Der Eimer hatte oberhalb des 
Fusses fast ringsum starke Beschädigungen, die dann mit Gips verstrichen wurden; sonst zeigt 
er dunkelgrüne Patina. Höhe bis zum Rande 260 mm, grösster Dm. 271. Dm. der Mündung 265, 
des Fusses 115. der Einschnürung über dem Fusse 92, Höhe des Henkels 120, der Attachen 32. 
Abdrehung: unter dem Fusse um das Zapfenloch und an der Peripherie je eine Doppellinie, 
über dem Fussringe eine Doppellinie, unter dem Mündungsrunde drei Doppellinien und darunter 
eine einfache Linie. Provinzialmuseum. 



65 



RHEINLANDE 

Münstermaifeld, 6 km westlich von Hatzenport a. d. Mosel, Kreis Mayen. Leider hatte 
ich den hier im April 1873 ausgegrabenen Eimer übersehen. Er ist wohlerhalten und ebenfalls 
ohne Fries, aber unterhalb der Mündung mit zwei erhabenen Kreislinien verziert. Er enthielt 
Knochensplitter. 1 

FRANKREICH 

NTmes. Das dortige Museum besitzt ein Stück ohne Fries, das in der Stadt selbst 
oder in deren nächster Umgebung ans Licht gekommen ist. 2 

Paris. Im Museum des Hotel de Cluny, dessen spärliche römischen Gegenstände aus 
Paris stammen, liegen die Bruchstücke von einem solchen Eimer mit Tierfries in vertiefter 
Konturenzeichnung. Das eine Fragment hat Attachen für Doppelhenkel und vom Fries grosse 
Maske, Tympanon und Eber mit Gurt, das zweite Altar und laufenden Löwen, das dritte nur 
das obere Ornament, flüchtig behandelten Eierstab. Es handelt sich offenbar um die Reste 
eines in Paris gefundenen Stückes. 3 

ENGLAND 

Ramsgate, 24 km nördlich von Dover. Ein hier im Jahre 1901 geöffnetes Grab enthielt 
einen Eimer, der unterhalb der Mündung mit Kreislinien geschmückt ist. 4 

Fundstatistik der Eimer vom Hemmoorer Typus. 

mit Fries ohne Fries 

FRANKREICH 1 3 = 4 

Nlmes 1 

Paris 1 

Pouan (Dep. Aube: Hemmoor S. 177) 2 

ENGLAND 1 =1 

Ramsgate, nördlich von Dover 1 

RHEINLANDE 3 9 =12 

Nimwegen (S. 70) 1 

Rheindorf (Kreis Solingen: S. 70) 1 

Köln (S. 69) 1 

Niederbieber bei Neuwied (S. 69) 1 

Münstermaifeld a. d. Mosel 1 

Dienstweiler bei Birkenfeld a. d. Nahe (S. 69) ... 1 

Heddernheim (S. 68) 2 

Mainz (S. 66) 1 

Rheinhausen (Kreis Karlsruhe: S. 66) 1 

Rheinzabern (S. 65) 1 

Altersbacher Tal (Kreis Freiburg i. Br. : S. 65) 1 

OLDENBURG 1 =1 

Ganderkesee (Amt Delmenhorst: S. 40) 1 

HANNOVER 8 27 =35 

Leer (S. 48) 1 

Barnstorf (Kreis Diepholz: S. 41-43) 1 4 

Hemmoor (S. 18—28) 4 14 

Sievern (Kreis Lehe) 1 

Garlstedt (Kreis Osterholz: S. 40) 1 

Grethem (Kreis Fallingbostel : S. 38) 1 

Liebenau (Kreis Nienburg) 1 

Stolzenau (S. 36—38) 1 2 

Rehburg (Kreis Stolzenau : S. 33) 1 

Mellendorf (Kreis Burgdorf: S. 33) 1 

Börry (Kreis Hamelu : S. 30) 1 

Nordhannover (Mus. in Hildesheim: S. 50) .... 1 

1 Besehrieben in den Bonner Jahrbüchern 55 (1875) temps, un exemplaire ou plutöt lex debris ä'un 

S. 225. Vereins-Sammlung in Müustermaifeld. exemplaire (frise d'animaux) <tu Musie de Cluny ä 

- J. Dechelette in der Revue archeologique 41 (1902) Paris. Je n'ai pu en aroir la provenanee, mais je 

S. 289: Je signalerai, par exemple, un exemplaire compte qu'on me la fera connaitre. 

inedit du musee de Nimes, tont ä fait semblable a * Dechelette a. a. 0. S. 289. Jetzt im Britischen 

eeux höh histories de Hemmoor. Museum. Genauere Mitteilungen über den ganzen 

3 Nach freundlicher Mitteilung von Herrn Dechelette, Fund waren von dem Kustos der britischen und mittel- 

der mir schreibt: Jen ai rencontre, il y a peu de alterlichen Altertümer des Museums nicht zu erlangen. 

9 




ABB. 22. VERBREITUNGSGEBIET DER BRONZEEIMER VOM HEMMÜORER TYPUS. • Fundorte. 



67 

mit Fries ohne Fries 

MECKLENBURG 2 4 = 6 

Grabow (S. 51) 1 

Häveu (S. 53) 1 4 

SCHLESWIG 1 =1 

Forballum (Kreis Tendern: S. 57) 1 

DÄNEMARK 1 14 =15 

Jütland: Oxvang (Amt Ribe : S. 57) 1 

Hobro (Amt Randers: S. 57) 1 

Fünen : Sauderumgaard (Amt Odense: S. 57). . . 1 

Aarslev (Amt Odense : S. 57) 1 

Brahetrolleborg (Amt Svendborg: S. 58) . 2 

Eskilstrup (Amt Svendborg: S. 58) ... 1 

Seeland: Sösum (Amt Frederiksborg: S. 58) ... 1 

Bennebo (Amt Holbaek: S. 59) ... . 1 

Alstedt Mülle (Amt Sorö: S. 59) ... . 1 

Nordrup (Amt Sorö: S. 59—60) .... 2 

Aasö (Amt Praestö : S. 60) 1 

Varpelev (Amt Praestö: S. HO— 62) ... 1 
Himlingöie (Amt Praestö : S. 62) .... 1 

NORWEGEN 7 =7 

Anda (Amt Stavanger) 1 

Sonst aus Norwegen 6 

PROV, SACHSEN 3 = 3 

Weissenfeis a. d. Saale (S. 20<i) 1 

Voigtstedt (Kreis Sangerhausen : S. 200) 2 

BRANDENBURG 1 =1 

Buckowien (Kreis Luckau: S. 200) 1 

15 71 = 86 

Da diese Statistik im Verein mit der beigegebenen Fundkarte ein bis in die Einzel- 
heiten genaues Bild von der Verbreitung der hier in Frage kommenden Eimerklasse gibt und 
weitere Nachweise aus Frankreich in nennenswerter Zahl nicht zu erwarten sind, so können wir 
aus der so gewonnenen Kenntnis vom Besitzverhältnis der einzelnen Länder mit einer Sicherheit 
Schlüsse ziehen, auf die ich früher nicht zu hoffen gewagt hatte. Die Statistik erweist nicht 
nur die Unhaltbarkeit meiner auf gangbare Voraussetzungen gestützten Annahme vom gallischen 
Ursprünge der Eimer, sondern zwingt uns auch zu einer Revision unserer Anschauungen von 
der Leistungsfähigkeit der Kunstproduktion in den römischen Rheinlanden. Denn da sich aus 
Frankreich bisher nur vier Eimer dieses Typus nachweisen lassen, aus dem Rheinlande aber 
zwölf, so haben wir die Giessereien, aus denen diese Eimer hervorgegangen sind, in keiner 
andern römischen Provinz als in Germanien zu suchen. Bei Versuchen das in Frage kommende 
Industriecentrum genauer zu ermitteln, lässt uns nun die literarische l'eberlieferung, wenn wir 
von einer nicht ohne weiteres zwingenden Gelegenheitsnotiz zunächst absehen, ganz im Stich, 
andererseits sind die massgebenden Funde mit einer solchen Gleichmässigkeit über das ganze 
römische Germanien verteilt, dass sie uns auf keine bestimmte ( )ertlichkeit führen können. 
Um weiterzukommen, müssen wir also den Voraussetzungen nachgehen, die für die Entwicklung 
einer Bronze- und Messingindustrie an einem bestimmten Platze entscheidend gewesen sind. 
Von der um 150 n. Chr. aufblühenden Terra sigillata- Industrie des römischen Rheinzabern 
wissen wir, dass sie ihre Entstehung einem vortrefflich geeigneten, in unmittelbarer Nähe an- 
stehenden Tonlager verdankt hat. 1 Aehnlich günstige Umstände haben um dieselbe Zeit in Köln 
zur Gründung von Glashütten geführt, deren formvollendete Erzeugnisse bisher längst nicht 
nach Gebühr gewürdigt sind. Mit sicherem Blick für diese günstigen Bedingungen haben 
venezianische Glasbläser in neueren Zeiten in Köln die alte Industrie wieder aufgenommen und 
so den Grund zu der angesehenen Stellung der heutigen Glaskunstindustrie Kölns gelegt. 
Sehen wir, ob die Geschichte des neueren Kunsthandwerkes nun auch Anhaltspunkte für die im 
römischen Germanien vorauszusetzende Messingindustrie bietet. 

1 W. Harster in den Mitteilungen des historischen schon von den Römern ausgebeuteten Tonlager am 

Vereines der Pfalz 20 (1896) S. 11. 'Falzziegel- Otterbache eine Fabrik, deren Absatzgebiet bereits 

fabrikant W. Ludowici errichtete zwischen Rhein- weit über die Grenzen des deutschen Reiches sich 

zabern und Jockgrim in unmittelbarer Nähe der erstreckt.' 

9* 



68 

Die Dinanderien und die Stoiberger Messingwerke. 

Dem Besucher belgischer Kirchen fallen unter den beim Kultus verwendeten Geräten 
und Gefässen fast überall Messingarbeiten auf, die vielfach durch groteske Motive, besonders 
aber durch ihre einen ausgezeichneten Formsinn bekundende Tektonik fesseln : Aquamanilien, 
grosse Osterleuchter. Adlerpulte, Taufbecken, Weihwasserkessel und Tabernakelgitter. Während 
die aus Tierfiguren gebildeten Aquamanilien ihren Ursprung aus der romanischen Formwelt auch 
in ihren jüngsten Exemplaren nicht zu verhehlen vermögen, zeigen die jüngeren Adlerpulte 
meist einen gotischen Unterbau von so feinen bis in die geringsten Einzelheiten durchgearbeiteten 
Formen, wie sie sich wohl nur in dem harten, aber für Guss und Ciselierung gleich ergiebigen 
Messing erreichen lassen. In diesen meist eifersüchtig gehüteten Kultgeräten haben wir die 
besten Arbeiten einer ungemein rührigen Messingindustrie zu sehen, die im 11. Jahrhundert in 
dem an Zinkerzen so reichen Maastale entstand und besonders in dem Städtchen Dinant zu 
solcher Blüte gedieh, dass dies Centrum zu grossem Reichtum gelangte und in ganz Nordeuropa 
berühmt wurde. Der lebhafte Ausfuhrhandel lässt sich ui kundlich bis in die Einzelheiten nach- 
weisen. In Frankreich waren besonders Calais, Metz, Rouen, Orleans eifrige Abnehmer; London 
besass in der Dinanter Halle eine besondere Niederlage. Auch die grossen Märkte von Frank- 
furt, Leipzig, Kopenhagen und Nowgorod wurden regelmässig beschickt. 1 Dass die auch heute 
noch im Maastal in zahlreichen Fabriken verhütteten Zinkerze den Anstoss zu der Messing- 
industrie gegeben haben, bedarf keiner weiteren Begründung. Sehr zustatten gekommen sind 
dieser Industrie die Tonlager von Mozet, westlich von Namur, die die sogenannte Der/e lieferten, 
ein für die Herstellung von Gussformen ungemein geeignetes Material, dessen Monopolisierung 
sogar zu Kriegen geführt hat. Das Kupfer musste man freilich von auswärts kaufen ; aber das 
war ja doch nur Rohmaterial. Die Urkunden lassen auf einen lebhaften Handel mit Köln 
schliessen und liefern den Beweis, dass dort wohl auch ein grosser Teil des Kupfers eingekauft 
worden ist. 2 

Als Karl der Kühne von Burgund im Jahre 1466 Dinant erobert und gänzlich aus- 
geplündert hatte, verliess ein Teil der Messinggiesser die Stadt und ging in die Fremde. Auch 
die Plünderung vom Jahre 1554 brachte grosses Elend über die Stadt, so dass die Messing- 
industrie mehr und mehr zurückging und schliesslich zu einem Handwerk von rein lokaler 
Bedeutung herabsank. Dass durch diesen Niedergang die Aachener Messingindustrie gefördert 
worden ist, steht ausser Zweifel. Im Aachener Bezirk scheint vorwiegend Gerät zum täglichen 
Gebrauch hergestellt und von künstlerisch wertvollen Arbeiten überhaupt Abstand genommen 
zu sein. Der Aachener Jurist Johann Nopp gibt in seiner 1632 erschienenen Chronik eine kurze 
Notiz über die Entwicklung der Messingindustrie in Aachen und damit auch für unsere Zwecke 
wertvolle Anhaltspunkte. Ich lasse daher seine Bemerkungen im Wortlaut folgen: 'Zu dem 
Kupfferhandel gibt Ursach der Kelmiss Berg, so bey der Statt gelegen und zu Wachsung auch 
Färbung dess Kupffers nohtwendig muss gebraucht werden; 3 item die Vielfältigkeit der umb- 
ligenden Buschen [Wälder] und Holtzge wachs und dann die Gelegenheit der Müllen, darauff das 
Kupffer getrieben und geschlagen wird. Dieser ist ein sehr stattlicher Handel, darvon Aach 
biss ans End der Welt sehr berühmbt wird; dann das Kupffer hiedannen durch alle Provintz 



1 Was die Urkunden für die Messingindustrie des 
Maastales ergeben, bat besonders A. Pinchart zu- 
sammengestellt: Histoire de la dinanterie et de la 
sculpture de metal en Beigigue, im Bulletin des 
commissions royales d'art et d'areheulogie 13 (1874) 
S. 308—365. 482—534. 14 (1875) S. 97—114 = im 
Auszug mit Abbildungen in Meroeilles de l'ari 
ancien en Beigigue (1890) S. 71 — 102. Eine Skizze 
gibt J. J. Marquet de Yasselot: L'exposition de 
Dinant in der Gazette des Beaux-Arts 30 (1903) 
S. 474 — 486. Die Dinanderien verdienen dringend 
eine von künstlerischen Gesichtspunkten ausgehende 
Würdigung. 

8 In dem Schutzbriefe, den der Kölner Bischof den 
Kaufleuten aus Dinant am 13. Februar 1203 aus- 
gestellt hat, heisst es unter anderem: Si vero de 
Goslaria vel undecumque traiis Rhenum Coloniam 
venirent, si cuprum rel quicquid aliud afferant antra 



ana vendentes vel ibidem deponeates, nihil dabunt 
(Bulletin a. a. 0. 13 S. 316, 1). Von Goslar aus 
wurde offenbar das Kupfer der Mansfelder Gruben 
vertrieben. 

Nopp unterscheidet nicht zwischen Kupfer und 
Messing. Kelmisberg nennt er den früher wegen 
seiner Galmeigrnben berühmten Altenberg im 
neutralen Gebiet Moresnet; so auch S. 142: 'Nach 
der Seiten von Braband hat man den Kelmiss Berg, 
welcher zum Kupffer Handel dienlieh ist und das 
Kupffer in einem Offen bey jedweder Schmeltzung 
lti. Pfund wachsen thut ... zu geschweigen, dass 
das Kupffer, so vorhin roht, vom Kelmiss gelb und 
goltfärbig werde.' Die in der Aachener Gegend 
heute noch übliche Bezeichnung Kelmis oder Kahms 
für den Galmei geht wohl erst durch das romanische 
calamine auf das lateinische cadmia zurück. 



69 

und Landen verschickt wird. Keiner von den Kupfferschlägeren muss mehr als zween Oeffen 
haben, damit gleiche Nahrung sey, und die jenige, so zweyen Oeffen wollen gnug thun, müssen 
auch täglich darzu haben so wol an Waar als Gelt über 100. Reichs Thaler, 2. Müllen und 
17. Knecht. Sie müssen aber alle wegen Fewrs Gefahr ausserhal der mitlen Statt wohnen . . . 
Der erst Urheber alhie zu Aach an diesem Handel ist gewesen Daniel von der Chamen, 
so . . . 1450 den 4. Octobris vom Raht seine Freyheit desswegen erhalten . . . Und dieweil 
jetz gesagte beyde Urhebere Chamen und Amia auss Franckreich hurtig, derowegen haben schier 
alle Instrumenta, so zum Handwerck gebraucht werden, Welsche Nahmen . . . Sie verhandtieren 
schier alle ihre Waaren ausswendig und sonderlich den Kupffernen Drat nach Franckreich ; 
ein eintziger Kupfferschläger würde sonsten mit zween Oeffen mehr schmeltzen als die gantze 
Statt bedürffte. Dieses Handels wegen kann man hiedannen biss zu Constantinopel Wechsel 
haben und gibt Ursach. dass eine Bursch [Börse], Makeler, und Aach bei jetzigen beschwärlichen 
Zeiten gleichwol die jenige noch seye, deren sich ihre Nachtbauren nicht dörffen zu schämen.' 1 
Ob die Messingwaren. die zur Zeit Nopps von Aachen aus vertrieben wurden, auch noch 
alle in Aachen hergestellt waren, darf man wohl bezweifeln; denn seit etwa 1600 entstand der 
auf ihre Verbindungen so stolzen Stadt in unmittelbarer Nähe eine Konkurrenz, die die Aachener 
Messingindustrie nach und nach erdrückt und der Stadt heutzutage zur Erinnerung an die alte 
Blütezeit nur noch die Nadelfabrikation gelassen hat. Im J. 1575 kam der erste Messing- 
fabrikant, Leonhard Schleicher, mit vier Söhnen nach Stolberg und Hess sich dort unter dem 
Schutze der Burg nieder, nachdem er bei den Protestantenverfolgungen aus Aachen vertrieben 
worden war. 2 Stolberg hatte damals nur 16 aus Lehm und Fachwerk gebaute Häuser und 
drei unbedeutende Erzmühlen. Trotzdem erwies sich die Wahl des Ortes als vortrefflich. Den 
Galmei konnte man von allen Seiten aus nächster Nähe beziehen. Gleich im Osten auf dem 
nach Gressenich ansteigenden Gelände lag die grosse Grube. Diepenlinchen, während nach Aachen 
zu die kleineren Gruben von Büsbach. Breinig. Kornelimünster und Brand im Abbau waren. 
Die meilenweiten Waldungen im Süden und die Steinkohlenflöze von Eschweiler boten ein un- 
erschöpfliches Feuerungsmaterial, während der im raschen Lauf den Ort durchströmende Vicht- 
bach die Erzmühlen und Hammerwerke trieb. Für die Richtung des ganzen industriellen Be- 
triebes waren rein merkantile Gesichtspunkte massgebend und von der Pflege des Kunstgusses 
konnte keine Rede sein. Das Messing wurde teils in Rohbarren, dem sogenannten Arko, dar- 
gestellt, teils sorgfältiger beschickt und in Plattenform gebracht. Die Messingplatten verarbeitete 
man in grossen Mengen auch zu Gebrauchsgeschirr aller Art, wie Becken. Kannen, Kessel, 
Leuchter, Lampen, Dosen und zu Beschlägen für die verschiedensten Zwecke. Aus dem Jahre 
1773/4 liegt ein Bericht über die Stoiberger Industrie vor, aus dem ich in Ermangelung älterer 
Nachrichten einige Angaben mitteile. 3 'An rothem Kupfer zu 400 Tafeln 7:200 Pfd. und zu den 
Mengen 0600 Pfd., welches auf 100 Oefen durcheinander genommen jährlich ausmacht eine 
Quantität von 1680000 Pfd. Man zieht dieses rothe Kupfer des niedrigen Preises wegen 
grösstenteils aus Drontheim in Norwegen . . . und kommen obige 1680000 Pfd. zu stehen auf 
537 600 Rthlr. 1 ' Der Transport dieses Kupfers geschieht von Amsterdam bis Nimwegen zu 
Wasser, von Nimwegen bis hiehin per Axe. Diese letztere Fracht wird durch inländische Fuhr- 
leute verdient.' 'An Calmey zur Vermengung mit dem rothen Kupfer, um das Arco zu erhalten, 
wird auf die 240 Mengen ohngefähr 14400 Pfd. erfordert, mithin für 100 Oefen jährlich 
1440 000 Pfd., welche von den verschiedenen Jurisdiktionen, nämlich aus dem Burchholz | zwischen 
Stolberg und Diepenlinchen], aus dem Corneli-Münsterischen und dem Gebiete der Stadt Aachen 
gewonnen werden.' 'Nach der Verfertigung werden hiesige Messing-Waaren nach den nächst- 
gelegenen deutschen Ortschaften, ferner nach Brabant, sodann nach Frankreich, Spanien und 
Portugal versandt. Frankreich beziehet ohngefähr 1000000 Pfd. Davon gehen zwei Drittel 
über Sedan, ein Drittel über Amsterdam. Alle Messing-Waaren, welche Spanien und Portugal, 
imgleichen Amsterdam bezieht, pflegt man auf eben die Weise dahin zu befördern, wie die nach 
Frankreich bestimmten Güter. Die dahin gehende Quantität ist ohngefähr 1200000 Pfd.' 
Infolge der französischen Revolution und der scharfen englischen Konkurrenz geriet die Stol- 

1 Johann Nopp Aacher Ckronick (Köln 1632) S. 111 — die ich Herrn Rentner Walther Schleicher in Bonn 
112. verdanke, einem alten Stoiberger Messingfabrikanten. 

2 Hier und weiterhin ohne Belege gegebene Notizen 3 Abgedruckt bei H. Koch Geschichte der Stadt Esch- 
über die Stoiberger Industrie beruhen auf Angaben, weiler Bd. 2. Th. 4 (18s5i S. 109—112. 



70 

berger Industrie gegen Ende des Jahrhunderts stark in Verfall, 1 erholte sich aber nach den 
Freiheitskriegen bald und nahm dann gegen Ende des vorigen Jahrhunderts einen solchen Auf- 
schwung, dass sie sich auch heute wieder auf dem Weltmarkt des alten Ansehens erfreut. 
Auf die lokale Ausbeute an Erzen ist sie allerdings längst nicht mehr angewiesen; nur die 
einheimische Kohle bleibt für sie Lebensbedingung. 

Das römische Gressenich. 

Aus diesen Darlegungen ergibt sich ohne weiteres, dass die Messingindustrie sowohl in 
Dinant wie in Aachen und Stolberg in jedem Falle auf den örtlichen Galmeilagern fusst, die 
in günstigen Zeitpunkten fremde Handwerker zur Ansiedlung und so alsbald eine lebhafte 
Fabrikation veranlasst haben. Für die Messingindustrie der römischen Zeit gelten natürlich 
dieselben Voraussetzungen und so ist zunächst der Nachweis zu erbringen, dass damals in 
Germanien wirklich ein auf Galmei gerichteter Bergbau existiert hat. Hier kommt uns in 
erwünschter Weise die literarische Ueberlieferung zu Hilfe, auf die sonst bei Beschäftigung mit 
der Kunst der römischen Provinzen nur zu rechnen ist, wenn das Schicksal einmal besonders 
gute Laune zeigt. Der ältere Plinius spricht in dem die Nutzmetalle behandelnden Buche seiner 
Naturgeschichte auch über die Gewinnung und Darstellung der zur Bronze nötigen Erze und 
bemerkt: 'Die Erzader wird in der angegebenen Weise abgebaut und durch Feuer aufbereitet. 
Man verwendet auch einen erzhaltigen Stein, den sie cadmea nennen, oft vorkommend in über- 
seeischen Ländern und früher auch in Campanien, jetzt noch im Gebiet von Bergomum, an der 
äussersten Grenze von Italien; es heisst, neulich sei er auch in der Provinz Germanien gefunden 
worden.' 2 Dass der Galmei zur Legierung des Kupfers verwendet wurde, sagt der unter Augustus 
und Tiberius schreibende Verrius Flaccus ausdrücklich: 'Galmei: eine Erdart, die in das ge- 
schmolzene Kupfer geworfen wird, damit Messing entsteht.' 3 

So wertvoll die Nachricht des Plinius für unsere Zwecke ist, die genaue Ermittelung 
der von ihm gemeinten Galmeigruben ermöglicht sie doch ohne weiteres nicht. Wir müssen 
also den für die Galmeigewinnung in römischer Zeit an einzelnen Oertlichkeiten noch zeugenden 
Spuren nachgehen, um so weitere Anhaltspunkte zu gewinnen. Natürlich wird sich der Blick 
sofort auf das Maastal richten, wo die Messingindustrie ja im Mittelalter eine so rege künst- 
lerische Tätigkeit ins Leben gerufen hat. Ich habe die Museen von Maastricht, Tongern, Lüttich, 
Namur und Charleroi auf Arbeiten der hier in Rede stehenden römischen Industrie durchgesehen, 
aber sie besitzen bei all ihrem sonstigen Reichtum keinen einzigen Eimer, auch nicht in Bruch- 
stücken ; auch nach Becken und Schalen habe ich vergebens Umschau gehalten. Die Kenner 
der dortigen Fundverhältnisse versicherten, dass im Maastal Spuren von römischem Bergbau 
bisher nicht nachgewiesen seien und für eine Messingindustrie sich bisher keine Anhaltspunkte 
hätten gewinnen lassen. So wird sich auch die überaus starke Einfuhr von campanischem 
Geschirr noch während des 2. Jahrhunderts, die mir in den genannten Museen, besonders in 
Tongern aufgefallen ist, am einfachsten erklären lassen. Ganz hat es aber doch an einer ein- 
heimischen Industrie im römischen Belgien nicht gefehlt. Um 18G0 wurde beim Dorfe Anthee, 
12 km westlich von Dinant, ein zu einem grossen Gute gehörender Gebäudekomplex aus römischer 
Zeit aufgedeckt, in dem sich namentlich unverkennbare Spuren einer Bronzeindustrie nachweisen 
Hessen. Man fand Schmelzherde, Tiegel mit geschmolzener Bronze und andere von kleineren 
Dimensionen mit Glasfluss von verschiedenartiger Färbung. Da nun in dem Gebiet zwischen 
Sambre und Maas römische Fibeln, darunter auch solche mit Emailverzierung, in ungewöhn- 
lichen Mengen aus den Gräbern ans Licht gebracht wurden, so hat man mit gutem Grunde 
gefolgert, dass namentlich die emaillierten Scheibeniibeln grösstenteils in Anthee hergestellt sind. 4 



Eingehend erörtert in Ad. Schleichers Denkschrift 
für dir Messingfabriken :» Stollberg bei Achen: 
"Niederrheinische Blätter f. Belehrung und Unter- 
haltung 3 1,1803) S. 370-392. 
Plinius Nat. Ilist. 34, 2: Vena quo dictum est modo 
foditur ignigue perficitur, fit et e lapide aeroso, '/mm 
vocant cadmean, celebri Irans maria ei quondam 
in Campania, /<»»<■ et in Bergomatium agro extrema 
parte Italiae; ferunt nuper etiam in Germania 
provincia repertum. Von einer Galmeigewinnung 
in Gallien weiss Plinius nichts ; dies Mineral wird 
auch sonst unter den im römischen Gallien ab- 



gebauten Erzen nicht genannt (E. Ardaillon in 
Darembergs Dictionnaire 3 S. 1847). 
Von der längeren Auseinandersetzung des Verrius 
ist im Auszuge des Paulus nur die Bemerkung er- 
halten: Cadmea: terra, quae in aes coicitur, ut fiat 
orichaleum (S. 47. 9 der Müllerschen Ausgabe). 
Genaueres bei A. Bequet La bijouterie chez les B< Iges 
in den Annales de In Soc. archiol. de Namur 24 
(1900) S. 237—276; pl. 1. 2. Für die Werkstätten- 
funde fehlt leider ein sorgfältiger Ausgrabungs- 
bericht. Bequets Annahme beruht auf den Mit- 
teilungen in den Annales 15 (1881) S. 11. 19. 



71 

Da somit an eine Lokalisierung der uns beschäftigenden römischen Messingindustrie im 
Maastal nicht gedacht werden kann, so haben wir uns nach anderen Ocrtlichkeiten in der 
Provinz Germanien umzusehen. Abgesehen von der Stoiberger Gegend könnten hier nur noch 
die Galmeigruben beim badischen Städtchen Wiesloch, 12 km südlich von Heidelberg, einen 
Anhaltspunkt bieten. Hier hat man tatsächlich in verlassenen Stollen römische Münzen gefunden, 
nachweislich einen Denar von Yespasian. je eine Grossbronze von Hadrian und Marc Aurel, 
einen Denar von Severus Alexander und zwei Antoniniane vom dritten Gordian (238 — 244). ' In 
früheren Zeiten waren in der Nähe noch grosse alte Schlackenhalden zu sehen. Diese enthalten 
aber keinerlei Spuren von Blei und Zink, dagegen eine so starke Beimischung von Eisen, dass sie 
nur von einer Verhüttung des Eisensteins herrühren können, der sich in der Gegend von Wiesloch 
noch jetzt häufig findet. 2 Da die Metallurgen versichern, dass Galmei bei Wiesloch erst seit dem 
15. Jahrh. gewonnen sei, so geht ein Teil der genannten Schlacken gewiss in die römische Zeit 
zurück, wo auch sonst in diesen Gegenden nach Ausweis der erhaltenen Luppen Eisen gewonnen 
wurde, während für eine Messingindustrie nicht der geringste weitere Beweis zu erbringen ist. 3 

In Ermangelung weiterer Anhaltspunkte für irgendwelche in römischer Zeit in Germanien 
sonst ausgebeuteten Galmeigruben müssen wir uns nunmehr wieder der Gegend von Aachen 
und Stolberg zuwenden. Was den Aachener Bezirk im engsten Sinne angeht, so genügt die 
Bemerkung, dass weder der Altenberg noch andere in unmittelbarer Nähe vorhandene Galmei- 
lager von den Römern ausgebeutet worden sind. 4 Das Fehlen aller dahin deutender Funde und 
die Tatsache, dass Aachen selbst in römischer Zeit ein stilles Badeplätzchen geblieben ist wie 
heute etwa Tönnisstein im Brohltal, liefern den vollen Beweis dafür. Ganz anders stand es aber 
um die Stoiberger Gegend. 

Ehe wir auf die zahlreichen hier ans Licht gekommenen römischen Altertümer eingehen, 
wird es gut sein noch einen Augenblick bei der Nachricht des Plinius über den Galmei zu 
verweilen, um zu sehen, ob sich auch die Zeit ermitteln lässt, in welcher das Galmeilager 
entdeckt worden ist. Die zahlreichen von Plinius über ihn interessierende Merkwürdigkeiten 
vom Niederrhein und von der Nordsee mitgeteilten Nachrichten werden durchweg mit einer 
solchen Bestimmtheit angeführt, dass man beim Verfasser eine durch Anschauung gewonnene 
Kenntnis von Land und Leuten voraussetzen muss. Wir wissen ja auch, dass er im J. 47 
beim niedergermanischen Heere stand und die Expedition des Corbulo gegen die Chatten mit- 
machte. Das Britische Museum hat im J. 1854 einige versilberte Bronzemedaillons mit Relief- 
büste erworben, die bei Xanten gefunden waren. Die neben einer Büste zu lesende Beischrift 
PLINIO PRAEFECfo kann sich offenbar nur auf unseren Plinius beziehen und beweist, dass er 
zur genannten Zeit in Vetera Praefekt einer Reiterschwadron gewesen ist. 5 Hätte er damals 
bereits von dem neu erschlossenen Galmeilager gehört, so würde er in seinem Werke, das ja 
erst 77 abgeschlossen wurde, die Notiz gewiss nicht mit einem nuper noch auch mit einem 
ferunt begleitet haben. Im Gefolge des Titus stand Plinius nochmal im J. 57 in Nieder- 
germanien ; c auch damals war offenbar von dem Galmeilager noch nicht die Rede. Nach 
Niedergermanien scheint er später nicht mehr gekommen zu sein, wohl aber fungierte er im 
J. 74 als Procurator in der Belgica. Auf diesen Aufenthalt bezieht sich eine Angabe im land- 
wirtschaftlichen Teile seines Werkes, wo vom Unterpflügen der jungen Saat die Rede ist. Er 
sagt dort: 'Auch einen andern Fall aus jüngster Zeit wollen wir nicht übergehen, von dem 
man vor drei Jahren im Gebiete der Trevirer Kenntnis nehmen konnte. Da die Saaten durch 



1 K. Bissinger Funde röm. Münzen im Grossh. Baden 
(1889) S. 26, der auch die Münzen bestimmt hat. 

2 A. Schmidt Die Zinkerz-Lagerstätten von Wiesloch 
(1881) S. 103. 

3 A. Schmidt a. a. 0. S. 108. L. Beck Geschichte des 
Eisens Bd. 1. 2. Aufl. (1890) S. 533—536. 

4 Auf den Altenberg bezieht die Notiz des Plinius 
allerdings Henri Delloye Eecherches swr In calamine, 
le zinc et leurs dirers emplois (Lüttich 1810) S. 2. 26: 
aVier diese Kombination wird durch keinerlei Funde 
aus römischer Zeit unterstützt. Ueberhaupt ist das 
Grenzgebiet zwischen der Belgica und Nieder- 
germanien ungewöhnlich arm an römischen Funden. 
Ausserhalb des Maastals fehlen die Inschriften ganz. 
Umso auffallender erscheint die Tatsache, dass im 



Gebiete der Gemeinde Theux bei Spa, zu der auch 
der Herreusitz Juslenville gehört, sechs römische 
Inschriften zu Tage getreten sind (CIL XIII 
3609 — 14), von sonstigen römischen Funden ganz 
abgesehen. Da aus Spa bisher keine einzige In- 
schrift vorliegt, auf Juslenville aber ebenfalls eine 
Thermalquelle fliesst, so ist die vielcitierte Stelle 
bei Plinius (n. h. 31, 12 Tungri, civitas Galliae, 
fontem /mint insignem plurimis bullis stülante/m . . . 
zweifellos auf den Brunnen von Juslenville zu be- 
ziehen. 

5 Die Medaillons werden im CIL XIII 3 S. 684, 22 
erwähnt und müssten endlich eiumal veröffentlicht 
werden. 

F. Münzer in den Bonner Jahrbüchern 104 (1899) S. 82. 



72 

einen sehr strengen Winter gelitten hatten, bestellte man im März die Felder von neuem und 
erhielt so eine überaus reiche Ernte.' J In dieser Zeit hat Plinius nun offenbar auch von dem 
in Niedergermanien entdeckten Galmeilager Nachricht erhalten. So erklären sich die Wendungen 
ferunt und nuper ungezwungen, wie auch alle Anhaltspunkte für die ältere römische Besiedelung 
des Jülicher Landes aufs beste mit diesem Zeitpunkte übereinstimmen. 

5 km östlich von Stolberg und dem Vichtbachtal liegt auf einem in die Jülicher Ebene 
abfallenden Ausläufer des Hohen Venns das stattliche Dorf Gressenich, das in der ganzen Gegend 
durch die zahlreichen in seiner Feldmark ans Licht gekommenen römischen Funde längst bekannt 
ist. 2 Diese Funde zerfallen in zwei Gruppen, von denen die eine aus dem Bergwerksbezirk, 
die andere aus Gräbern herrührt. .Mittewegs zwischen Oressenich und Mausbach, an der ins 
Vichtbachtal führenden Chaussee, lag ein Gräberfeld aus römischer Zeit, das durch Ausdehnung 
und Zahl der Gräber sämtliche bekannt gewordene Fundplätze des an römischen Altertümern 
gewiss nicht armen Jülicher Landes bei weitem übertroffen hat. Hier ist seit etwa 1800 mehr 
oder weniger heimlich nach Altertümern gegraben worden und offenbar das Allermeiste von 
dem ans Licht gebracht, was an römischen Altertümern aus Gressenich den Weg in die Fremde 
genommen hat. Allgemein aufmerksam wurde man auf diesen Fundplatz, als er in den Jahren 
185!) und 1860 beim Ausbau der Chaussee von Gressenich nach Mausbach einen tiefen Ein- 
schnitt erhielt und wiederum eine Reihe von Funden lieferte. Später hat ein Dürener Fabrikant 
durch zwei Arbeiter dort graben lassen und trotz aller voraufgegangenen Zerstörungen noch 
eine ganz ansehnliche Ausbeute gewonnen. Eine genaue Behandlung dieses jetzt im Museum 
in Düren aufbewahrten Grabinventars hat für unsere Zwecke kein Interesse, da der Inhalt der 
einzelnen Gräber nicht getrennt geblieben und wohl auch das eine oder andere fremde Stück 
beigegeben ist. 3 Es handelt sich um das übliche Gerät wie es die Brandgräber des 2. und 
3. Jahrhunderts zu liefern pflegen. Einige schlanke (ilashumpen, drei Teller aus Terra sigillata, 
darunter einer mit dem Stempel SECCOF, eine Anzahl Silber- und Kupfermünzen aus der 
genannten Zeit fallen besonders auf. Skelettgräber hatte man früher bereits angetroffen, aber 
bei diesen Ausgrabungen fanden sich nur zwei, ein Frauengrab mit zwei silbernen Ohrringen 
und ein Männergrab mit einer Kleinbronze der Söhne Konstantins. Ein betagter Bergmann, 
der an dieser Grabung teilgenommen hatte und mir die Fundstelle zeigte, versicherte, diese 
Gräber hätten mit vereinzelten Ausnahmen einen ziemlich ärmlichen Eindruck gemacht. Vielfach 
war der Leichenbrand nebst Beigaben im nackten Erdreich eingegraben. Ob in früherer Zeit 
reicher ausgestattete Gräber zerstört worden sind, wird sich kaum noch feststellen lassen. 
Jedenfalls machen die Reste von Mauerwerk, die früher in der Gegend des Grabfeldes vorhanden 
gewesen sein sollen, nicht den Eindruck, als ob sie aus römischer Zeit stammen. Obwohl der 
Grabplatz uns nur aus dürftigen Resten bekannt ist, weist er doch auf eine römische Ansiedlung 
von beträchtlichem Umfange hin, deren Isoliertheit in dieser bergigen Gegend mit waldbedecktem 
Hinterlande eine von den üblichen Siedelungsverhältnissen absehende Erklärung verlangt. 

Diese Erklärung geben die in den letzten Jahrzehnten leider mehr und mehr beseitigten 
Spuren vom römischen Bergbau bei Gressenich. Im Jahre 1821 berichtet der Pfarrer Simon 
van Alpen aus Stolberg: 'Vorzüglich sind die um Gressenich herum sich befindenden Schlacken- 
hügel von den Hüttenwerken der Römer. Sie hatten eine eigene Art, Eisen und Blei zu bereiten. 
Sie benutzten hlos das Eisen- und Bleierz, den Galmei, den sie nicht kannten, warfen sie weg, 
oder sie bauten oder bepflasterten damit ihre Häuser. Ganze Haufen von dem besten Galmei 
findet man unter den Schlacken. Ein Arbeiter fand in einem Gewölbe, wo auch ein Herkules 
auf einem hohen Gestell stand, 60 Centner von dem besten Galmei . . . Ueber hundert der- 
gleichen Schlackenhügel und Ueberreste von röm. Hüttenwerken sieht man in der Gegend von 
Gressenich.' 4 Noch wertvoller sind die 60 Jahre später niedergeschriebenen Mitteilungen des 
Gressenicher Bürgermeisters Friedrich von Werner 5 : 'Gleichwie im Commerner Bleiberg die im 



X H. 18, 183: Nee reeens subtrahemus exemplum 
in Treverico mim tertio ante hunc annum compertutn. 
muH rinn hieme praegelida captae segetes essent, 
reseverunt etiam campos tnense Martio uberrimasque 
messes hdbuerunt. 

Ueber die archäologischen Funde dieses Bezirkes 
berichtet im allgemeinen Fr. Crarner in den 
Beiträgen :nr Geschichte Eschweilers und seines 
höheren Schulwesens. Programm von Eschweiler 1905. 



S. 34 — 51 nebst Fundkarte. Für topographische 
Einzelheiten ist das Messtischblatt 3030 (Stolberg) 
zu vergleichen : dazu die Karten hinter der Be- 
schreibung des Bergreviers Düren (1902). 

3 Kurz aufgezählt werden die Fundstücke in der 
Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 3 (1881) 
S. 141—142. 

4 In Erschs und Grubers Encyclopädie 6 (1821) S. 2(>ö. 

5 Aachener /eil sehr. a. a. 0. S. 146. 



73 

dortigen Haldenterrain aufgefundenen Münzen und Vasen sowie eine auf Haldenterrain erbaute 
Wasserleitung Ausschluss darüber geben, dass dort die Römer Bergbau betrieben haben, so 
steht dies in gleicher Weise auch bezüglich der bei Gressenich belegenen erzreichen Distrikte 
fest. Es sprechen hierfür insbesondere die ausgedehnten Schlackenhalden zwischen den Bleierz- 
gruben Uiepenlinchen und Römerfeld, wo sich im Felde bis 5 m tief unter der Dammerde von 
Aufbereitungsbetrieben herrührende Bleischlämme und Bleierzgraupen neben ächten Bleischlacken, 
und zwischen diesen Münzen und sonstige Gegenstände römischen Ursprungs vorfinden . . . 
Ein interessanter Fund wurde bei Gelegenheit dieser Schlackenausgrabungen, die im Lauf der 
vier letzten Decennien stattgefunden haben, auch von dem Bergmann Johann Rösseler in 
Gressenich vor etwa 10 Jahren gemacht, bestehend ausser einigen römischen Münzen, in einem 
kleinen, 4 Zoll hohen, oben 2 1 , 2 . unten 2 Zoll breiten runden eisernen Schmelztiegel mit 2 
zugehörigen Schmelzpfännchen, welcher sich jetzt in meiner Sammlung befindet . . . Die Römer 
haben zur Zeit ihrer Anwesenheit in der hiesigen galmeireichen Gegend von diesem Erz zum 
Zwecke der Metallgewinnung noch keinen Gebrauch gemacht — Zinkhütten wurden erst in 
diesem Jahrhundert in Belgien, 1840 und 1848 in Stolberg errichtet — ; dadurch wird zugleich 
der oben erwähnte Umstand erklärt, dass die Römerstrasse bei Gressenich mit Galmei gebaut 
worden ist, dessen Gewinnung noch wenig Schwierigkeiten bot, weil dasselbe sich überall nahe 
der Oberfläche vorfand.' 

Wie man sieht, herrscht in der Gegend von Gressenich die Ansicht vor, die Römer 
hätten dort den Galmei nicht verhüttet, sondern ihn als nutzlos über die Halde gestürzt und 
nur die Bleierze verwertet. Da der Bleiglanz namentlich in den oberen, in römischer Zeit 
ausgebeuteten Schichten in engster Verbindung mit dem Galmei vorkam, so müssten die 
römischen Halden natürlich weit mehr Galmei als Bleischlacken aufweisen. Das ist aber durch- 
aus nicht der Fall und der über die Halde gestürzte Galmei steht zu der Menge der Blei- 
schlacken in gar keinem Verhältnis. In der vom Bonner Oberbergamt herausgegebenen 
Beschreibung des Bergreviers Düren heisst es (S. 208): 'Die alten Bleiwerke haben ihre Spuren 
in Gestalt von Bleischlacken hinterlassen, deren Ursprung nach den dabei gefundenen Münzen 
und Geräthen auf die Römerzeit zurückgeführt wird. Vorwiegend vorhanden sind sie in der 
Gegend von Diepenlinchen, in der Mausbacher Heide bei Gressenich und am Breinigerberg, 
und es lässt sich nach dem Auftreten von Bleierzen annehmen, dass auch nur hier die Betriebe 
von grösserem Umfange sich zusammengedrängt haben.' Von mitgefundenen Galmeimassen ist 
hier gar keine Rede und doch waren gerade die genannten Plätze die ergiebigsten Fundstellen 
für Galmei. Wenn behauptet wird, der Galmei sei in römischer Zeit als Bau- und Chaussierungs- 
material verwendet worden, so schliesst das — die Zuverlässigkeit der sich offenbar auf mittel- 
alterliche Anlagen beziehenden Nachricht vorausgesetzt — eine Verhüttung des Galmeis noch 
keineswegs aus; denn die Alten pflegten beim Bergbau sehr aus dem vollen zu wirtschaften 
und die Erze erst beim Schwinden der Vorräte ganz auszunützen. 1 

In Wahrheit hatten es die Römer bei ihrem Bergbau in der Gegend von Gressenich 
auf den Galmei abgesehen. Dass daneben auch der Eisenstein und Bleiglanz mit verhüttet 
worden ist, will ich keineswegs bestreiten. Aber die Haupttätigkeit hat sich auf den Galmei 
gerichtet. Die Notiz bei Plinius über den in der Provinz Germanien gefundenen Galmei lässt 
sich bei sorgfältiger Abwägung aller in Frage kommenden Anhaltspunkte nur auf die Galmei- 
lager von Gressenich und Umgegend beziehen, so dass also die Ausbeutung um 75 n. Chr. 
begonnen hat. Dass sich an diese Galmeiförderung alsbald eine Messingindustrie angeschlossen 
hat, entspricht durchaus der Regel. Derselbe Vorgang hat sich ja um 1G00 in Stolberg 
wiederholt, wie wir gesehen haben. Etwas früher noch entwickelte sich in dem benachbarten 
Raeren eine bald zu europäischem Rufe gelangende Kunsttöpferei, deren Entstehung ebenfalls 
auf Tonlager von ausgezeichneter Feinheit zurückzuführen ist. Eine wesentliche Stütze erhält 
die Lokalisierung der hier in Frage kommenden Messingindustrie durch die in unserer Abbildung 22 
in Kartenform vorgelegte Fundstatistik. Die Verbreitung des Messinggeschirrs im ganzen Rheintal 
bis hinauf nach Freiburg, ferner im Stromgebiet von Ems, Weser und Elbe und an dem die 

1 So berichtet der unter Tiberius schreibende Geo- noch reines Silber ; denn die Alten waren ungeschickt 

graph Strabo vom laurischen Silberbergbau (S. 399): im Raffinieren.' Die letzte Behauptung (rmv ägxaitov 

'Als der Bergbau geringeren Ertrag zu liefern be- cmtigcog x<t[tivtvövT6}v) ist ein Einfall des Strabo. der 

gann, schmolzen die Bergleute den alten Ausschuss im Hinblick auf die fast absolute Feinheit auch der 

und die alten Schlacken von neuem und gewannen so ältesten attischen Münzen keine "Widerlegung verdient. 

10 



74 

jütische Küste entlang führenden Seewege, der zu den ebenfalls sehr kaufkräftigen dänischen Inseln 
führte, weiter die ausserordentliche Seltenheit des Geschirrs im Innern Galliens steht im besten 
Einklänge mit der Herkunft aus Niedergermanien. Auf (Tressenich im besonderen weist noch ein 
22 km östlich beim Dorfe Vettweis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zum Vorschein ge- 
kommenes Bildwerk hin, auf das ich früher bereits aufmerksam geworden war. Es fand sich 
dort auf der Heide ein grosses fränkisches Steinkistengrab, zu dem auch vier Matronensteine ver- 
wendet waren. Einer dieser jetzt im Bonner Provinzialmuseum verwahrten Steine trägt auf der 
sonst nur oben mit einer Zierleiste geschmückten Vorderseite die Inschrift Matronis Vesuniahenis 
M. Antonius Pacatus I. m. Die rechte Schmalseite des Steines hat als Verzierung ein grosses 

Füllhorn, das mit Früchten verschiedener Art gefüllt ist, die linke, 
hier in Abbildung 23 wiedergegebene, unten die Darstellung eines 
Messingeimers und darüber eine dicke Guirlande, auf der ein Pfau 
sitzt. 1 Diese Schmalseite hat eine Höhe von 'J7 und eine Breite 
von 23 cm ; der Eimer hat bis zum Rande eine Höhe von 205 und 
einen oberen Durchmesser von 195 mm. Dass es sich hier um die 

Darstellung eines Bronzeeimers 
handelt, macht ein Vergleich 
mit dem hier unter 24 abge- 
bildeten, allerdings mit Bilder- 
fries geschmückten Eimer aus 
Himlingöie auf Seeland ohne 
weiteres evident. Dem natürlich 
nicht mit archäologischer Exakt- 
heit arbeitenden Steinmetz ist 
der Fuss etwas zu hoch und zu 
schmal ausgefallen; die aufge- 
bogenen Henkelenden musste er 
wohl aus Raummangel weglassen. 
Die Wandung des Eimers zeigt 
keinerlei Verzierung; nur unter 
dem Mündungsrande bemerkt 
man eine Doppellinie. Nach- 
dem jetzt eine abschliessende 
Fundstatistik vorliegt, dürfen 
wir das Relief aus Vettweis 
mit derselben Sicherheit für 
die Bestimmung der Heimat 
der Eimer verwerten, wie wir oben das Taf. 5, 4 abgebildete Relief aus Capua mit einem 
einheimischen Bronzeeimer für die Bestätigung des capuanischen Ursprunges der betreffenden 
Eimergruppe verwertet haben. Da auch das Relief aus Vettweis unter den zahlreichen rheinischen 
und gallischen Skulpturen kein Gegenstück hat, so ist eben ein Eimer dargestellt worden, der 
in der Gegend heimisch und ebendort hergestellt war. 

Alle diese Anhaltspunkte liefern nunmehr den vollen Beweis, dass eben das römische 
Gressenich jenes Industriecentrum gewesen ist, von dem aus jenes in technischer wie in 
künstlerischer Beziehung gleich vollendete Messinggeschirr in die Lande wanderte. Bei der 
Dürftigkeit der literarischen Ueberlieferung wissen wir sonst so gut wie nichts von diesem 
Platze. Nicht einmal den römischen Namen kennen wir; allerdings versichern die Sprach- 
forscher, er könne nur Gratiniacum gelautet haben.- Dass von den Giessereien heute alle 
Spuren fehlen, kann bei einer stark besiedelten und fortwährenden Umkehrungen des Erdreichs 
ausgesetzten Gegend nicht wundernehmen und findet sein Gegenstück in Capua. Erwähnung 
verdient noch eine im J. 1755 bei Gressenich gefundene datierte Inschrift, die in dem 
Unglücksjahre 238 n. Chr. für die Wohlfahrt des Reiches dem Juppiter und dem lokalen 





Abb. 28. 
Schmalseite eines Matronensteines. 



Abb. 2*. 
Brcinzeeimer von Himlingöie. 



Der Stein ist mit den andern veröffentlicht von 
Freudenberg in den Bonner Jahrbüchern 20 (1853) 
S. st. 88. Taf. 2. Die Inschrift auch CIL XDI 
7851. 



- So zum Beispiel Holder Alteelt ischer Sprachschatz 1 
(18961 S. 2039 und Fr. Cramer iu der Zeitschrift 
des Aachener Geschichtsvereins 26 (1904) S. 341. 



Schutzgütte gewidmet wurde und uns mit den Namen einiger Bewohner vom römischen 
Gressenich bekannt macht. 1 Dieser Bergwerks- und Hüttenbezirk stellte natürlich in römischer 
Zeit keine selbständige Gemeinde dar, sondern musste zum Gebiet einer grösseren Stadt 
gehören. Es bedarf keines weiteren Beweises, dass diese Stadt nur Jülich gewesen sein kann. 
Aus dem Reste eines bei Pumpe (zwischen Eschweiler und Stolberg) gefundenen Meilensteins 
ergibt sich sogar, dass Jülich und Gressenich unter Marc Aurel mit einer offenbar auf Kosten 
von Jülich gebauten Chaussee miteinander verbunden wurden. 2 Auch dieser Umstand spricht 
für die Bedeutung des römischen Gressenich. Die Chaussee führte offenbar durch die oben 
behandelte Nekropole zwischen Gressenich und Mausbach ins Yichtbachtal und dann entweder 
in gerader Linie oder auch das Indetal abwärts nach Jülich, dem alten Mittelpunkte der Land- 
schaft zwischen Erft und Maas. Nach den Inschriften und sonstigen römischen Altertümern 
zu urteilen, hat die Stadt in römischer Zeit eine lebhafte Tätigkeit entwickelt, zumal nachdem 
sie durch eine Reichschaussee mit den für den grossen Verkehr so wichtigen Städten Köln 
und Tongern verbunden war. 3 Skulpturen aus römischer Zeit sind früher wiederholt gefunden 
worden, aber der Zerstörung anheimgefallen, wie es bei den im Mittelalter aufgefundenen 
Stücken Regel gewesen ist. Besonders arg scheint man unter den Grabdenkmälern vor der 
Stadt gehaust zu haben. Den so entstandenen Verlust mag ein versprengtes Skulpturenstück 
veranschaulichen, das endlich einmal wieder in den richtigen Zusammenhang gerückt werden 
muss. Ich gebe hier unter 25 die Abbildung eines schönen Sandsteinblockes, der giebelförmig 




Abb. 



Giebelrelief von eiuem Grabdenkmal aus der Nähe Ton Jülich. 



profiliert und mit einem Hochrelief geschmückt ist. Man fand ihn 1811 zusammen mit andern 
leider nicht geborgenen Architekturfragmenten im Bette der oberhalb Jülich in die Roer fallenden 
Inde beim Dorfe Lamersdorf, 8 km südlich von Jülich. Der Block besteht aus dem weissen, 
feinkörnigen Sandstein der dortigen Gegend, ist unten 1.530 m lang, 775 mm hoch und 34 cm 
dick. Er war durchgebrochen und hat an den unteren Ecken stark gelitten; auch das Relief 
zeigt mancherlei Bestossungen und ist in den Vertiefungen stellenweise mit Sinter bedeckt. 
Die beiden Heroen haben sich auf Anweisung einer 'frommen' Nonne noch besondere Ver- 
stümmelungen gefallen lassen müssen. Spuren von Bemalung habe ich nicht mehr feststellen 
können. 4 Wie man sieht, ist in dem Relief die Flucht der von Orestes und Pylades geschützten 



CIL XIII 7844. •/. o. in.] et genio loci pro salute 
imperi Masius Januari et Titiamis Januari v. s. 1. m. 
Sub cura Masi s(upraj s(cripti) et Maeeri Accepti : 
Pio et Proclo [cos. 

Nach der erhaltenen Titulatur gehört der Stein in die 
Jahre 169—180: CIL XIII 9159 und zur Fundstelle 
besonders Gramer in den genannten Beiträgen S. 41. 



Ueber die römischen Reste: Die Kunstdenkmäler 
der Bheinprovim Bd. 8. H. 1 (1902) S. 102. 103. 
CIL XIII 7869—77. 

Das Relief steht jetzt unter den Skulpturen des 
Bonner Prov.-Museums, dessen Direktor Lehner mir 
die Abbildung freundlichst zur Verfügung gestellt 
hat. Es wurde zuerst kurz behandelt von W. Dorow 

10* 



76 

Iphigenie aus dem taurischen Tempel dargestellt, ein sonst auf Sarkophagreliefs beliebtes Motiv. 
Zu der wohlgelungenen Komposition steht die der Feinheiten ermangelnde Ausführung in einigem 
Gegensatz. Die Schuld liegt aber weniger am Bildhauer als an dem für solche Arbeiten so gut 
wie unbrauchbaren Material. Die jetzt vorhandenen Härten waren offenbar durch Bemalung 
ausgeglichen worden. Der Fundplatz im Bette der Inde deutet darauf hin, dass das Relief und 
die mitgefundenen Stücke zu Wasser verschleppt worden und dabei durch einen Zufall auf den 
Boden des Flusses geraten sind. Wie die Neumagener Grabskulpturen von den Chausseen vor 
den Toren Triers, so ist also unser Relief aus der Reihe jener Grabdenkmäler weggeschleppt, die 
die Strassen bei Jülich geziert haben. Allen Kriterien zufolge wird es ins 2. Jahrhundert gehören. 
Nachdem die Ausbeute der Gressenicher Galmeilager um 75 n. Chr. begonnen und der 
lialmei wohl zunächst auf dem Wege des Handels verwertet worden war, hat sich dann in den 
ersten Jahrzehnten des folgenden Jahrhunderts eine Messingindustrie ausgebildet, die nach 
Ausweis der mit den Eimern zusammen gefundenen Münzen um 150 dann bereits in lebhafter 
Tätigkeit war. Dass zunächst auswärtige Giesser und Modellformer herangezogen worden sind, 
entspricht den oben mitgeteilten Analogien und wird durch die sich ganz im Rahmen der 
damaligen Reichskunst bewegenden Bilderfriese der Bronzeeimer dargetan. Der über einigen 
Friesen schwebende leicht barbarische Hauch zeigt uns aber, dass diese Arbeiten in einem 
Grenzdistrikt des weiten Reiches hergestellt wurden, der keinerlei künstlerische Tradition 
besass. Dechelette hat diese Bilderfriese mit denen von Terra- sigillata -Kumpen verglichen 
und eine auffallende Aehnlichkeit in den Motiven erkannt. 1 Er vergisst aber zu betonen, dass 
die Former, aus deren Händen die Wachsmodelle der Eimerfriese hervorgegangen sind, den 
mit der Herstellung der Formschüsseln für die Sigillata betrauten Töpfern sowohl was 
Begabung für Komposition als auch was Gestaltungskraft im einzelnen angeht, bedeutend 
überlegen waren. Mag auch die Schuld mit im Material des Töpfers liegen, so lässt sich doch 
ein ganz beträchtlicher Abstand nicht verkennen. Von einer Einwirkung der Sigillata auf die 
Messingindustrie kann also durchaus keine Rede sein. Auch in technischer Hinsicht erregt 
das römische Messinggeschirr das Staunen moderner Fachleute. Die Wandungen kamen in 
vielen Fällen mit einer Stärke von 1 mm aus der Form und doch sind die Gefässe noch auf 
der Drehbank bearbeitet worden. Unsere modernen Dreher würden hier vollständig versagen. 
Es ist schade, dass die Stoiberger Messingwerke der Gegenwart Gefässe wie Becken, Schalen 
und Kessel, um eine billige Massenfabrikation zu erreichen, durch Schlagen und Drücken 
herstellen und den Kunstguss überhaupt nicht mehr in Anwendung bringen. Man könnte sie 
sonst einmal den Versuch machen lassen, die alten Gressenicher Eimer nachzumachen; ich 
glaube aber nicht, dass der Versuch gelingen würde. Auch in metallurgischer Hinsicht weisen 
die Gressenicher Giessereien ausgezeichnete Leistungen auf. Eine Analyse des Bronzeeimers 
von Börry ergab 77.7 °/ Kupfer, 17.9 Zink, 3.7 Zinn, 0.4 Blei und 0.3 Eisen (Hemmoor S. 32, 1), 
der Eimer ohne Bilderfries aus Garlstedt 77.4 °/ Kupfer. 17 Zink, 4.7 Zinn, 0.5 Blei und 
0.4 Eisen (S. 40, 3). Die Beschickung ist also mit ungewöhnlicher Regelmässigkeit und Geschicklich- 
keit ausgeführt worden; Verunreinigungen durch Blei und Eisen würde auch der moderne Kunst- 
guss ohne ganz besondere Vorkehrungen kaum in dem Masse einschränken wie die Gressenicher 
Giesser das vermochten. Der Zinnzusatz deutet darauf hin. dass grosse Mengen von aus- 
rangierten und aufgekauften Bronzesachen mit in die Tiegel gewandert sind. So verminderte 
sich das Quantum des Kupfers, das man natürlich von auswärts beziehen musste. — Wie lange 
die Gressenicher Giessereien tätig gewesen sind, lässt sich bei dem konservativen Zug, der 
auch durch ihre Produkte geht, einstweilen nicht mit Sicherheit sagen. Dass um 250 noch 
gearbeitet wurde, beweisen ebenfalls die Münzen. Gewisse Anhaltspunkte, die an der Hand 
der niederrheinischen Fundverhältnisse überhaupt verfolgt werden müssen, sprechen dafür, dass 
die Fabrikation in der Zeit Diocletians oder Constantins aufgehört hat. Da diese Frage sich 
auf ein die gesamte spätere römische Kleinkunst betreffendes Problem richtet und aus dem 
Messinggeschirr allein nicht beantwortet werden kann, so muss ihre Erörterung einer andern 
Untersuchung vorbehalten bleiben. 

in Schorns Kunstblatt 3 (1822) S. 12, dann abgebildet ' Revue archiologique 41 (1902) S. 290. Les vases 

in den Bonner Jahrb. 1 (1842) Taf. 3 und bei cdramiques onus de la (rinde romaine 1 (1904) 

H. Lehner Das Prov.-M. in Bonn. H. 1 (1905) S. 227. 
Taf. 33, 2. 



Der Sarstedter Fund Hildesheimer Marienpfennige. 

Von J. Menadier. 

Hierzu Tafel XL 

Im Juli 1905 ist auf der Feldmark von Sarstedt, in der Mitte zwischen Hannover und 
Hildesheim im ehemaligen Gebiete des Bistums gelegen, ein interessanter Münzschatz gehoben 
worden. Bietet er auch für die Sammlerkreise keine grosse Ausbeute, da er von selten zu 
beobachtender Einheitlichkeit und Geschlossenheit ist, seine nahezu 5500 Stück sich im 
wesentlichen auf 6 Gepräge verteilen, die Beiläufer dagegen nur etwa ein hundertstel der 
ganzen Masse ausmachen und zumeist zerbrochen sind: so enthält er doch in den beiden 
Barren besondere Kleinode aus der Hinterlassenschaft unseres mittelalterlichen Geldwesens und 
gewährt er der Forschung einen neuen Anhalt für die zeitliche Bestimmung der bischöflich 
Hildesheimer Marienpfennige, welche seinen wesentlichen Bestand bilden, sowie die Möglichkeit, 
ihr Gewicht und ihren Feingehalt zu bestimmen, was die bisherige Seltenheit nur in höchst 
unzulänglicher Weise zugelassen hat. 

Die Zusammensetzung des Schatzes ist die folgende: 

Hildesheimer Marienpfennise : 

1. Brustbild der Maria zwischen zwei Kreuzen 1 St. 

Kopf des Bischofs unter einem mit drei Kreuzen besetztem Giebel. 

0,65 g. 
Menadier, Die Hildesheimer Marienpfennige des 14. Jahrh. — Berl. Münzbl. Sp. 1403 Nr. 2. 

2. Brustbild der Maria zwischen zwei sechsstrahligen Sternen 1 St. 

Ein sechsstrahliger Stern mit einer Kugel im Mittelpunkt und sieben Kugeln 
zwischen den Spitzen der Strahlen. 

Ausgebrochen. 

Cappe, Münzen des Stifts Quedlinburg S. 64 Nr. 170, Taf. 2 Nr. 25. 

Berl. Münzbl. Sp. 1403 Nr. 17. 

3. Brustbild der Maria zwischen zwei Lilien 123 St. 

Eine Lilie. 

Die Zeichnung der Lilie bietet Stempelverschiedenheiten. 

60 = 25,7 g (Durchschnittsgew. : 0,42 g). Feingehalt (nach der Schmelz- 
probe des Herrn Münzwardein Dr. Hammerich): 880/1000. 
Babrfeldt, Der Münzfund von Aschersleben Nr. 1890 Berl. Münzbl. Sp. 981. 
Berl. Münzbl. Sp. 1403 Nr. 26. 

4. Brustbild der Maria umgeben von der Umschrift: 0R0O0S0A . . . . 381 St. 
Zwei Krummstäbe, mit der Krümme auswärts gerichtet senkrecht nebeneinander 
stehend, umgeben von der Umschrift: o A V E o 

Der verschiedene Abstand der Krummstäbe, die verschiedene Stärke der 
Krümme, die Anordnung einer oder zweier Kugeln zwischen den Krumm- 
stäben und das Fehlen solcher, die geringere oder grössere Zierlichkeit der 
Buchstaben und die verschiedenartige Begleitung derselben durch Punkte 
lassen gegen 20 Stempel erkennen. 

240 = 127,5 g (Durchschnittsgew.: 0,52 g). Feingehalt: «61/1000. 
Berl. Münzbl. Sp. 1403 Nr. 7. 

5. Brustbild der Maria zwischen zwei A 486 St. 

Eine Kugel umschlossen von der Umschrift : f-A-V-E-M-AR^I-A- 

Die abweichende Stellung der Buchstaben neben dem Brustbild sowie die 
der Buchstaben der kehrseitigen Umschrift und ihre Begleitung von einem 
oder mehreren Punkten lassen verschiedene Stempel unterscheiden. 
240 = 123,7 g (Durchschnittsgew.: 0,507 g). Feingehalt: 891/ K 



78 

6. Brustbild der Maria zwischen M(ater) D(ei) 1512 St. 

Der hochgeteilte Hildesheimer Stiftschild innerhalb eines Dreipasses, dessen 
Aussenwinkel durch Kugeln und dessen Innenwinkel durch Kreuze gefüllt sind. 

240 = 134,9 g, 136,2 g (Durchschnittsgew.: 0,564 g). Feingehalt: 871/1000. 

7. Brustbild der Maria zwischen zwei Ankern 2280 St. 

Ein Anker, von zwei Kugeln begleitet. 

Die mehr oder minder rohe Gestaltung des kehrseitigen Ankers und die 
verschiedenartige Stellung der kleinen Anker neben dem Brustbild ergeben 
eine Anzahl von Stempelverschiedenheiten. 

240 = 129,5 g. 131 g, 131.5 g, 131,7 g (Durchschnittsgew.: 0,545 g). 
Feingehalt: 861/1000. 

8. Gekröntes Brustbild der Maria zwischen zwei oben und unten von Kugeln be- 
gleiteten Kreuzen 636 St. 

Ein umschriftteilendes Zwillingfadenkreuz mit je drei Kugeln in den Winkeln und 

der Umschrift :oCo oRo oVo oXo 

240 = 132,7 g (Durchschnittsgew.: 0,55 g). Feingehalt: 893/1000. 

Hildesheimer Marienhälbliuge : 

9. Hälbling zu Nr. 5 mit der ks. Umschrift :tAVEMARIA- . . . . lSt. 

Ausgebrochen. 

10. Hälbling zu Nr. 6 mit dem Schild auf der Kehrseite 4 St. 

0,24 g. 

11. Hälbling zu Nr. 7 mit dem Anker auf der Kehrseite 7 St. 

0.22 g, 0,22 </. 0.25 g. 

12. Hälbling zu Nr. 8 mit der ks. Umschrift: C- R- -V- -X- 3 St. 

0,27 g. 0,28 g. 

Hohlpfenniije der Nachbarschaft: 

Braunschweig: 

13. Der Löwe von der rechten Seite (ausgebrochen) 1 St. 

Menadier, Der Fund von Hehlingen. D. M. III S. 111 Nr. 2. 

14. Gekrönter leopardierter Löwe von der linken Seite mit einem Stern oberhalb . . 2 Br. 

Die Kenntnis der inzwischen abgebrochenen Beizeichen verdanke ich Herrn 
Archivar Dr. Kretzschmar, der die Fundstücke für eine von ihm beabsichtigte 
Behandlung hat zeichnen lassen. 

15. Gekrönter leopardierter Löwe von der linken Seite mit drei Kugeln oder einem 
Kleeblatt unterhalb (ausgebrochen) 1 St. 

16. Leopardierter Löwe von der linken Seite mit drei Kugeln oder einem Kleeblatt 
unterhalb (zumeist ausgebrochen) 10 St. 

0.58 g. 

17. Leopardierter Löwe von der linken Seite mit einer nach unten geöffneten Mond- 
sichel unterhalb (Hebungen Nr. 11) 2 Br. 

18. Leopardierter Löwe von der linken Seite mit einer Pilgermuschel unterhalb . . 3 Br. 

19. Leopardierter Löwe von der linken Seite mit einem zweifelhaften Beizeichen 
(kleiner Vogelkopf an einem dicken Halse) unterhalb 10 Br. 

20. Leopardierter Löwe von der linken Seite mit einem unkenntlichen Beizeichen unterhalb 1 Br. 

Bremen: 

21. Bischofskopf (ausgebrochen) 1 Br. 

Vergl. Jungk, Die bremischen Münzen Nr. 36. 

Fremdländische Denare: 

Otto IV. und Konrad, Markgrafen von Brandenburg 1281 — 1291: 

22. Die beiden Markgrafen einen zwischen ihnen stehenden langen Lilienstab haltend 1 St. 

Einseitiger Abschlag der Hauptseite der Denare Bahrfeldt, Das Münzwesen der 
Mark Brandenburg I Nr. 217 und 218. 



79 

Medebach: Erzbischof Siegfried von Köln 1275 — 1297: 

23. f S I SCO 2 Br. 

Brustbild des Erzbischofs von vorn mit einem Buch in der rechten Hand. 

MEDEB 

Eine Lilie unter einem mit drei Türmen besetzten Bogen. 

Korbach: Graf Otto von Waldeck 1270—1305: 

24. f OT VEC 1 Br. 

Gekrönter Kopf (des sitzenden Grafen). 

Lilie und Stern (abwechselnd einen Kranz um eine Rosette bildend). 
Vergl. Schonemann, Der Münzfund bei Bevern: Z. v. Mk. S. 72 Nr. 41 Taf. 8 Nr. 11. 
Grote, Die Waldeck'schen Münzen. Münzstudien V S. 109 Taf. 4 Nr. 17. 

Heinrich III., König von England 1216 — 1272: 

25. Ein in den Umschriften grösstenteils verriebener Londoner Sterling mit dem 
Königskopf auf der Haupt- und dem Zwillingsfadenkreuz auf der Kehrseite . . 1 St. 

26. Bruchstück eines Sterling mit dem sceptertragenden Königskopf auf der Haupt- 

und dem Zwillingsfadenkreuz auf der Kehrseite 1 Br. 

Unbestimmtes Gepräge: 

27. Beiderseits: Das Hinterteil eines Löwen unter einer mit drei Türmen besetzten Alauer 1 Br. 

Hildesheimer Silberbarren: 

28. Gusskönig mit zwei eingedrückten und hochgebogenen Seiten, auf der Innenfläche 
gestempelt mit dem vierfeldigen Hildesheimer Stadtwappen, einem fünfstrahligen 
Stern, dem Zeichen des Münzmeisters, über demselben und dem Hannoverschen 
Kleeblatt, durch dessen spätere Aufprägung die ursprünglichen Stempel zum Teil 
vernichtet sind 1 St. 

226 g (64 : 43 mm). 

29. Gusskönig mit zwei eingedrückten und hochgebogenen Seiten, auf der Innenfläche 
gestempelt mit dem vierfeldigen Hildesheimer Stadtwappen und über demselben 

sehr schwach mit einem sechsstrahligen Sterne 1 St. 

368 <? (85:47 mm). Feingehalt beider Barren nach der Strichprobe etwa 750/1000. (?) 

Wie von den altbekannten so trägt auch von den hier neu hinzutretenden Marien- 
pfennigen und -hälblingen nicht ein einziger den Namen seiner Münzstätte. Gleichwohl kann 
nach wie vor kein Zweifel darüber entstehen, dass Grotes Zuweisung derselben nach Hildesheim 
zu Recht besteht. Auch liefert nicht nur die Oertlichkeit des Fundes von neuem eine Be- 
stätigung für diese, sondern auch das Auftreten des hochgeteilten Hildesheimer Stiftschildes 
auf der am zahlreichsten vertretenen Gattung, den minder kenntlich auch das in dem Funde 
nicht vertretene Stück mit dem J auf der Kehrseite zeigt. Eine selbständige Zeitbestimmung 
bieten lediglich die wenigen fremdländischen Denare, welche den heimischen Marienpfennigen 
beigemengt sind und mit Ausnahme der vom König Heinrich III. von England herrührenden 
beiden Sterlinge übereinstimmend dem letzten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts entstammen, 
aber weil sie eben fremden Ursprungs und noch dazu fast alle verrieben und verstümmelt sind, 
nur geeignet sind, einen Terminus post quem die Hildesheimer Marienpfennige entstanden sein 
müssen abzugeben. Einen Terminus ante quem diese Prägung ihren Anfang genommen haben 
muss, hat uns vor einigen Jahren der Fund von Hirschfelde geliefert, der im Gegensatz zu dem 
vorliegenden Funde einen vereinzelten Hildesheimer Marienpfennig mit dem Bilde des sitzenden 
Bischofs auf der Kehrseite tausenden von brandenburgischen Denaren beigemengt enthalten hat, 
ohne dass auch nur ein einziger Pfennig des 1305 zur Regierung gelangenden Markgrafen 
Waldemar sich unter ihnen befunden hätte. Ist nun auch freilich dies Hirschfelder Fundstück 
in unserm Funde nicht enthalten und darf es auch wegen des höhern Gewichtes wahrscheinlich 
als etwas älter als die grosse Masse des Sarstedter Fundes gelten, so haben wir doch bei der 
Ergänzung, welche die beiden Funde einander gewähren, nicht nur den Beginn der Prägung 
des Hildesheimer Mariengeldes mit einiger Sicherheit an die Wende vom dreizehnten zum 
vierzehnten Jahrhundert zu verlegen, sondern dürfen wir auch die Sarstedter Fundstücke als 
nicht wesentlich jünger bezeichnen und im unmittelbaren Anschluss an die durch ihr grösseres 
Gewicht als die Erstlinge gekennzeichneten Emissionen geprägt annehmen. 



80 

Ferner ergeben die Wägungen, dass Grote und in seinem Gefolge ich selbst zu Unrecht 
angenommen haben, dass uns in den ihrem Gewicht nach so stark von einander abweichenden 
Einzelstücken wie Pfennige und Hälblinge so auch Vierlinge vorliegen. Wir haben es vielmehr 
nur mit den beiden ersten Gattungen zu tun, und wie schon die Hälblinge neben den ganzen 
Pfennigen nahezu verschwinden, so dürften Viertelstücke überhaupt nicht geprägt sein. Ver- 
anlassung zu dem Irrtum hat die auch bei diesem Funde zu beobachtende ungleiche Stückelung 
geboten und die weitgehende Beschneidung der einzelnen Stücke und Aussaigerung der gehalt- 
volleren unter ihnen. Mag daher auch durch die Feststellung des Gewichtes von je einem Pfund 
d. h. 240 Pfennigen ein gewisser Ausgleich eintreten, der die Zufälligkeiten der Einzelstücke 
ausgleicht, so sind doch auch diese Gesamt- und Durchschnittsgewichte nur unter mannigfachen 
Beschränkungen zu verwenden, und entsprechen Fundgewichte überhaupt nur bei besonders 
günstigen Bedingungen den der Prägung zu Grunde liegenden Vorschriften. Handelt es sich 
wie hier um zahlreiche Stempelverschiedenheiten bei den einzelnen Typen, welche sich wahr- 
scheinlich auf verschiedene Emissionen der betreffenden Rechnungsjahre verteilen, so ist auch 
schon für diese Vorschriften selbst solch ein Wechsel der Bestimmungen vorauszusetzen, dass 
wir ihm mit der Wage nicht nachzukommen vermögen. Für unsern Fund schliesst zudem die 
Zersetzung des Silbers an der Oberfläche dergleichen von vornherein aus. 

Und so gering auch die Beimischungen fremden Ursprungs sind, so genügen sie immer- 
hin, um meine Charakterisierung der Hildesheimer Marienpfennige als eines Mittelgliedes und 
einer Verbindung zwischen den westfälischen Kuttenpfennigen einerseits und den brandenburgischen 
Denaren anderseits quer durch das Gebiet der niedersächsischen und hessisch -thüringischen 
Hohlpfennige hindurch zu bestätigen. Doch behaupten sie zwischen beiden Gruppen ihre eigene 
Selbständigkeit, wie Typus, Fabrik und Gewicht übereinstimmend dartun. Daneben aber bietet 
der Fundinhalt auch einen Beleg für Grotes Lehre von der Unvereinbarkeit von Hohl- und Dicht- 
münzen am gleichen Orte zur gleichen Zeit; denn obgleich unfern der Grenze der herzoglich braun- 
schweig-lüneburgischen Lande gehoben enthält der Fund von deren hohlgeprägten Löwenpfennigen 
gleichwohl nur 30 Stücke und diese bis auf drei durchweg als geringfügige Bruchstücke, so dass 
sie überhaupt nicht mehr als Pfennige, sondern lediglich als Pfennigsilber in Betracht kommen. 

Bedeutsamer nicht nur als diese trümmerhaften ausländischen Beimischungen, sondern 
den Hauptwert des ganzen Fundes umschliessend sind endlich die beiden Silberbarren, obgleich 
auch sie keine völlig neue Erscheinung sind, sondern in dem von mir in meiner numismatischen 
Erstlingsschrift behandelten Wetteborner Fundstück bereits einen Vorgänger besitzen. Mit den 
Marienpfennigen die Heimat teilend sind sie gleichwohl andern Ursprungs, denn während jene 
im Auftrage der Bischöfe von Hildesheim geprägt sind, sind diese durch den Rat der Stadt 
Hildesheim legalisiert. Das lehrt nicht nur der Unterschied zwischen dem vierfeldigen Stadt- 
wappen, welches diesen Gusskönigen aufgeprägt ist, und dem hochgeteilten Stiftschild, welcher 
das kehrseitige Prägebild der ihrer Masse nach an zweiter Stelle im Funde stehenden Pfennig- 
gattung, sowie das Abzeichen eines seit langem bekannten Einzelstückes bildet; es wird bestätigt 
durch die nachträgliche Stempelung des kleineren Stückes durch die Stadt Hannover, ein Vor- 
gang, den wir auch an dem kleinen Barren des herzoglichen Museums zu Braunschweig mit dem 
Forellenschilde und an zahllosen gestempelten Groschen des 14. Jahrh. sehen; es würde aber 
auch ohnedies aus der durch die Urkunden festgelegten Natur dieser Oeldbarren zu folgern sein. 
Handelt es sich in ihnen doch um Zahlmittel, welche im Gegensatz zu den fürstlichen Pfennig- 
prägungen zur Vermeidung der bei jenen durch die beständig sich wiederholenden Verrufungen 
eintretenden Wechselverluste von den Handelskreisen und bürgerlichen Gewalten gestützt und 
durch Städtebündnisse in dem Umlauf auch ausserhalb der heimischen Mauern gesichert wurden. 
Durch Kaufurkunden in der Verwendung namentlich des Immobilienverkehrs für weite Gebiete 
des deutschen Reiches bezeugt sind diese Barren, die vordem nur aus niedersächsischen Funden 
bekannt waren, zur Zeit auch in Holstein, Brandenburg, Meissen, Bayern, Steyermark ans Licht 
getreten; unter ihnen allen aber stehen diese beiden Hildesheimer Barren zusammen mit den 
Fundstücken von Lässig und Hirschfelde im Alter vorn an. Umgelaufen sind diese Barren 
sowohl ungestempelt als gestempelt, aber auch bei den von einer Stadt oder von ihr und einem 
Goldschmied zugleich gestempelten Stücken ist nicht ein bestimmtes Gewicht gewährleistet, das 
vielmehr in jedem Einzelfall mit der Wage festzustellen war, sondern nur die Wahrhaftigkeit 
des Metalles als argentum usuale, denn in all diesen Barren handelt es sich nicht um feines, 
sondern um Pfennigsilber. 



1. Nachtrag zum Katalog der Säugetiersammlung 
des Provinzial- Museums zu Hannover. 

Die Vermehrung des zur Aufstellung gelangten Teiles der Säugetiersammlung während 
des Amtsjahres 1906 veranschaulicht folgende Tabelle: 





Ganze 
Tiere 


Skelette 


Schädel 


Skelettteile, 

Gehörne, 

Zähne 

usw. 


Frassstücke 
und Nester 


Gips- 
abgüsse 


Zu- 
sammen 


Aus alten Be- 
Beständen . . 


2 


1 


1 


— 


— 


— 


4 


Ankäufe. . . . 


22 


1 


11 


4 


— 


2 


40 


Geschenke. . . 


19 


1 


25 


10 


1 


— 


56 


Zusammen . 


43 


3 


37 


14 


1 


2 


100 



Von diesen 100 neu aufgestellten Stücken dienten 3 zum Ersatz minderwertiger 
Exemplare : 

52a. (70.) Crossopus fodiens (PaU.) wurde ersetzt durch 52c. (781.); 
128 a. (324.) Sciurus bicolor Sparrm. durch 128 b. (715.) und 
280 a. (558.) Myrmecophaya jubata L. durch 280 b. (779.) 

Demnach weist die Säugetiersammlung des Provinzial -Museums, soweit sie zur Auf- 
stellung gekommen ist, gegenwärtig folgende Zusammensetzung auf: 

Ganze Tiere 450 1 

Skelette 27 

Schädel 207 

Skelettteile, Gehörne, Zähne usw 111 

Frassstücke und Nester 6 

Gipsabgüsse 2 

Zusammen . . 803 

Die Zahl der vertretenen Arten, Unterarten und Varietäten beträgt 332. 

A. Fritze. 



In der dem Hauptkatalog vorangestellten Tabelle (vergl. pag. 43 des Jahrbuchs 1905/06) ist für ganze Tiere 
die Zahl 310 in 410 umzuändern. 



11 



82 



I. 0. Bimana. Zweihänder. 

309. Homo primigenius Kramberger. 

a. (772.) Schädeldecke. Neandertal bei Düsseldorf. (Gipsabguss; Original in Bonn a Rh.) 
Gek. 1906. 

IL 0. Primates. Affen. 

F. Simiidae. 

310. Pithecanthropus erectus Ihtl>. 

a. (773.) Schädeldecke. Java. (Gipsabguss; Original in Amsterdam.) (iek. 1906. 
Zu 3. Anthropopithecus troglodytes (L.). Schimpans*. 

b. (719.) d juv. Kongostaat. <iek. 1906. 

c. (770.) juv. Schädel. Kamerun. <!.: Kaufmann Herrmann, Hannover, 1906. 

311. Gorilla gorilla (Wymann). Gorilla. 

a. (724.) , Kongostaat. Gek. 1906. 

b. (720.) y juv. Kongostaat. Gek. 1906. 

e. (771.) g Schädel. Südkamerun. Gek. 1906. 

F. Cercopithecidae. 

312. Papio [Choeropitlwcus] olivaceus J. Geoffr. Anubis-Pavian. 

a. |802.i <f Tropisches Westafrika. Gek. 1906. 

F. Hapaliriae. 

Zu 4<». Hapale jacchus (L.). Saguin. 

c. (784.) Skelett. G. : Kaufmann Gewecke, Hannover. 1906. 

III. 0. Prosiiniae. Halbaffen. 

F. Lemuridae. 

313. Lemur variiis J. Geoffr. Vari. 

a. (747.) <f Madagaskar. Gek. 1906 

b. (752.) ' Schädel. Madagaskar. 

314. Lemur catta L. Katta. 

a. (749.) ~" Madagaskar. Gek. 1906 

V. 0. Insectivora. Insektenfresser. 

F. Soricidae. 

Zu 52. Crossopus fodiens (Pall.). Wasser Spitzmaus. 

c. (781.) £ Bründeln bei Clanen. 2. 11. 1906. G. : Landwirt Grote, Bründeln, 1906. 

F. Talpidae. 

Zu 55. Talpa europaea L. Gemeiner Maulwurf. 

e. (729.1 5 Albino. Badenstedt. 4. 5. 1906. (i.: Steuerinspektor a D Harling, 
Hannover. 1906. 

VI. 0. Carnivora. Raubtiere. 
F. Ursidae. 

315. Ursus [Ursus] arctös /.. Brauner Bär. 

a. (769 Schädel. Komitat Fogaras, Ungarn. Gek. 1906. 

316. Ursus [Helarclos] malayanus Raffl. Malayenbär. 

a (740.) • Südostasien. Oek. 1905 

317. Ailurus fulgens F. Cuv. Panda. 

a. (748.) Himalaya. Gek. 1906. 



83 

F. Mustelidae. 

Zu 77. Putorius [Putorius] putorins (L.). Iltis. 

e. (739.) d Moringen i. S. 18. 9. 1906. G. : Lokomotivführer Hampe, Linden, 1906. 

f. (764.) d Döhren. 28. 10. 1906. G. : Bierverleger Kohlmeier, Döhren, 1906. 

g. (780.) d Albino. Burgwedel. 17.1.1907. G. : Pelzwarenhändler Scherer, Hannover, 1906. 
h. (765.) d Schädel. Döhren. 

i. (783.) d „ Burgwedel. 

Zu 80. Putorius [Ictis] ermineus (L.). Hermelin. 

h. (741.) d S. K. Packungen. 13. 7. 1906. 

i. (778.) d" Ü. K. Lemförde (Kreis Diepholz). 26. 11. 1906. G. : Lehrer Harling, 

Lemförde, 1906. 
k. (762.) 9 Ü. K. Arnum. 23. 11. 1906. Gek. 1906. 

1. (777.) d W. K. Bründeln b. Clauen. 22.12.1906. G. : Landwirt Grote, Bründeln, 1906. 
m. (766.) d Schädel. Lemförde (Kreis Diepholz), 
n. (774.) d ,, Bründeln bei Clauen. 

o. (768.) 9 „ Arnum. 



F. Oanidae. 



Zu 85. Canis [Canis] lupus L. W o 1 f. 

c. (731.) Schädel. Ungarn. 

d. (732.) „ Polen. 

e. (733.) ,, Finnland. 

F. Viverridae. 

318. Herpestes galera (Er.rl.l. Kurzschwanz-Ichneumon. 

a. (793.) d Schädel. Daressalaam. G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 

b. (794.) 9 

c. (795 I juv. „ „ „ „ ,, ,, 

F. Felidae. 

Zu 103. Cynaüurus jubatus guttatus (Herrn.). Afrikanischer Gepard. 

c. (798.) Schädel. Deutsch-Ostafrika. G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 

319. Felis [Leopardiis] pardus L. var. nimr Hempr. & Ehrbg. Steppenleopard. 

a. (799.) Schädel. Deutsch-Ostafrika. G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 
Zu 110. Felis [Zibethailurus] serval Schreb. Serval. 

b. (803.) 9 juv. Afrika. Gek. 1906. 

c. (797.) Schädel. Deutsch-Ostafrika, G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 

d. (792.) 9 juv. Schädel. Afrika. 
Zu 114. Felis [Felis] catus L. Wildkatze. 

h. (760.) 9 Waake im Göttinger Wald. 18.11.1905. G. : Rentier Köthe, Göttingen, 1905. 
i. (716.) 9 Altenau a. Harz. 3. 2. 1906. Gek. 1906. 

320. Felis [Lynchus] caracal Güldenst. Wüstenluchs. 

a. (717.) 9 Südwestasien. Gek. 1902. 

VII. 0. Pinnipeclia. Flossenfiisser. 

F. Tricheeidae. 

Zu 121. Trichechus rosmarus L. Walross. 

c. (721.) d Nord-Spitzbergen. Gek. 1905. 

d. (745.) Schädel. Nördliches Eismeer. 

VIII. 0. Rodentia. Nagetiere. 

I. Unterordn. Sciuromorpha. 
F. Sciuridae. 

Zu 124. Pteromys petaurista (Pall.). Taguan. 

b. (761.) Hinterindien. Gek. 1906. 

Zu 128. Sciurus [EosciurusJ bicolor Sparrm. Zweifarbiges Eichhörnchen, 
b. (715.) 9 Südasien. Gek. 1906. 

11 



84 

2. Unterordn. Myomorpha. 

F. Myoxidae. 

Zu 144. Myoxus glis (L.). Siebenschläfer. 

g. (730.) f Egestorf a. Deister. 15.7.1906. G. : Revierförster Schmidt, Egestorf a, D., 1906. 

h. (750.) Wennigsena. Deister. 14. (i. 1906. G. : Forstmeister Zimmer, Wennigsen a. D , 1906. 
Zu 147. Eliomys [Eliomys] quercinus iL.). Gemeiner Gartenschläfer. 

d. (751.) g Altenau a. Harz. 13. 9. 1906. G. : Lehrer Ehlers, Altenau, 1906. 

F. Muridae. 

Zu 149. Mus [Epimys] decumanus Pall. Wanderratte. 

h. (782.) . Schwärzliche Abänderung. Langeloh bei Tostedt. 3.9.1905. G. : Oberförster 
Kamlah, Langeloh, 1905 
Zu 163. Evotomys glareolus (Schreb.). Gemeine Waldwühlmaus. 

b. (713.) d Hannover, Eilenriede. 8 2. 1905. G. : Schriftsteller Löns, Hannover, 1904. 
Zu 167. Microtus [Arvicola] terrestris (L.). Scheermaus. 

d. (708.) ' Hannover. 29. 6. 1905. (i.: Stadtgartendirektor Trip, Hannover, 1905. 

e. (709 ) d „ 28. 7. 1905. .. 

f. (707.) „ 8. 6. 1905. ., 

g. (708.) Angefressenes Edelobststämmchen. Hannover. 19. 3. 1906. G. : Gärtner Jatho, 

Hannover, 1905. 

3. Unterordn. Hystrichomorpha. 
F. Lagostomidae. 

Zu 17ii. Viscacia maxima (Blainv.). Viscacha. 

c. (714.) ~* Argentinien. Gek. 1905. 

F. Dasyproctidae. 

Zu 178. Coelogenys paea (L.). Paka. 

c. (776 | / Brasilien. Gek. 1906. 

4. Unterordn. Lagomorpha. 

F. Leporidae. 

Zu 183. Lepus [Lepus] europaens Pall. Gemeiner Hase. 

n. ,788 Silbergraue Abänderung mit rotbraunem Kopf und Pfoten. Amelgatzen 

bei Welsede. 6. 1. 1907. G. : Schmiedemeister Budde, Amelgatzen, 1906. 
321. Lepus [Lepus] capensis ochropus Wagn. Ockerfüssiger Hase. 

a 801.) ' Deutsch -Ostafrika, 1906. G. : G. Cohrs, Daressalaam. 1906 

b. (791. f Schädel. Deutsch -Ostafrika. 



IX. 0. Ungulata. Huftiere. 

2. Unterordn. Proboscidea. 

F. Elephantidae. 

Zu 188. Elephas africanus Blumenb. Afrikanischer Elefant. 

e. (789.) Backzahn. Deutsch -Ostafrika. G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 

I. (lifU.J ,, ,. ,| ,, ,, „ 

- 796 | 
Zu 189. Elephas indicus L. Indischer Elefant. 

7 4 »>. , Oberschädel. Siam. G.: Geh. Baurat a. D. Gehrts, Hannover, 1906. 

3. Unterordn. Perissodactyla. 

F. Tapiridae. 

:!•_'•_'. Tapirus indicus G. Cur. Schabrackentapir. 

a. ,725 { Oestliches Südasien Gek. 1906. 

b. (742 ) o" Skelett. Oestliches Südasien. Gek. 1906. 



85 

4. Unterordn. Artiodactyla. 

F. Suidae. 

323. Phacochoerus aethiopicus (L.). Aethiopisches Warzenschwein. 

a. (775.) d" juv. Westküste Afrikas. Gek. 1906. 

b. (806.) Schädel, d juv. Westküste Afrikas. 

F. Cervidae. 

324. Moschus moschiferus L. Moschustier. 

a. (743.) $ Schädel. Nepal. G. : Tierhändler Ruhe, Alfeld a. d. L., 1906. 
Zu 204. Cervicitis muntjac (Zimm.). Muntjac. 

b. (756.) d Oberschädel. Siam. G. : Geh. Baurat a. D. Gehrts, Hannover, 1906. 

c. (757.) d Geweih. 
d- (758.) d „ 

325. Cervus [RusaJ aristotelis Cur. Sara bar. 

a. (755.) d Oberschädel. Siam. G. : Geh. Baurat a. D. Gehrts, Hannover, 1906. 

326. Cervus [BucercusJ eldii (Guthrie). Leierhirsch. 

a. (754.) d Oberschädel. Siam. G. : Geh. Baurat a. D. Gehrts, Hannover, 1906. 
Zu 210. Cervus [Cervus] elaphus L. Edelhirsch. 

g. (763.) d Skelett. Hannover. 
Zu 214. Alces machlis Ogilby. Kl eh. 

d. (710.) d Geweih. Mandschurei. Gek. 1906. 
Zu 215. Rangif er tarandus (L.). Ren. 

e. (759.) Oberschädel. Tromsö. G. : Kapitän a. D. Hinseh, Bremerhaven, 1905. 
Zu 216. Capreolus caprea Gray. Reh. 

u. (767.) Schädel eines geweihlosen d- Fuhrberg (Kreis Burgwedel). 2. 11. 1906. G. : 
Wildhändler Ernst, Hannover, 1906. 

v. (712.) $ Schädel mit Rosenstöcken. Alfeld a. d. L. 11. 1905. G. : Wildhändler 
Ernst, Hannover, 1905. 

w. (736.) d Oberschädel. Komitat Kronstadt, Siebenbürgen. Gek. 1906. 

x. (737.) d" Geweih. 

y. (738.) d" „ ,, ,, „ ,, „ 

z. (726.) d Geweih. Sievershausen i. S. 10. 5. 1884. G. : Präparator Schwerdtfeger, 
Hannover, 1906. 
aa. (728.) d Geweih. Klein Heidorn (Kreis Neustadt a. Rbg.). 5. 7. 1899. G. : Schrift- 
steller Löns, Hannover, 1906. 
bb. (727.) d Geweih. Wolthausen b. Celle. 4.8.1904. G. : Schriftsteller Löns, Hannover, 1906. 

F. Bovidae. 

327. Cephalophus spec. 

a. (800.) d Schädel. Daressalaam. G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 

328. Oryx heisa Rüpp. Beisa. 

a. (711.) Gehörn. Afrika. Gek. 1906. 
Zu 257. Capra [Ihex] ibex L. Alpensteinbock. 

b. (804.) 9 Piemont. Winter 1906. Gek. 1906. 

c. (805.) d juv. Piemont. Winter 1906. Gek. 1906. 

329. Buffelus caffer Sparrm. Kaf f erbüt f el. 

a. (786.) d Oberschädel. Mahenge, Deutsch- Ostafrika. G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 

b. (787.) 9 ,, ,, „ „ ,, „ ,, 

330. Bibos gaurus (H. Smith). Gaur. 

a. (753.) d Oberschädel. G. : Geh. Baurat a. D. Gehrts, Hannover, 1906. 



X. 0. Sirenia. Seekühe. 

F. Halicoridae. 

331. Halicore dugung (Er.rL). Du gong. 

a. (744.) juv. Schädel. G. : G. Cohrs, Daressalaam, 1906. 



80 

XL 0. Cetacea. Waltiere. 

F. Balaeuidae. 

332 Balaenoptera spec. Furchenwal. 

a. (734) Barte. Nördliches Eismeer. G. : Fabrikbesitzer Salzsieder, Hannover, 1906. 

D. (lOO.J , , , , , , ,, ,, , , ,. , , 

XII. 0. Edentata. Zahnarme. 

Unterordn. Xenarthra. 
F. Myrmecophagidae. 

Zu 280. Myrmecophaga jubata L. Grosser Ameisenbär 

b. (779.) d Brasilien. Gek. 1906. 

c. (785.) d Schädel Brasilien. Gek 1906. 



XIII. 0. Marsupialia. Beuteltiere. 

Unterordn. Polyprotodontia. 
F. Dasyuridae. 

Zu 300. Dasyurus viverrinus Shaio. Tüpfelbeutelmarder. 

(1. (722.) d Australien. 

XIV. 0. Monotremata. Kloakentiere. 

F. Omithorhynchidae. 

Zu 308. Ornithorhynchus anatinus (Shaw.). Schnabeltier, 
e. (723.) d Australien. 



Ueber zwei grosse Gerfalken (Falco gyrfalco islandus (Brunn.)) 

aus der Provinz Hannover. 

Von A. Fritze. 

Hierzu Tafel VIII. Figur 1 und 2. 

1. Junges Weibchen im Besitz des Provinzial- Museums zu Hannover. Der Vogel 
wurde am 12. 10. 1905 vom Hofbesitzer H. Heins in Hollinde bei Hollenstedt (Kreis Harburg) 
auf dessen Hofe erlegt, kam dann in den Besitz des Herrn J. Bostelmann in Tostedt, von 
welchem ihn das Provinzial -Museum im Tausch gegen ein völlig gleichgefärbtes, aus Grönland 
stammendes junges Weibchen der gleichen Art erhielt. 

Masse genommen am aufgeweichten Balg nach den Angaben von Reichenow in Neu- 
mayer, „Wissenschaftliche Beobachtungen auf Reisen." pag. 555. 1 

1 Länge von der Schnabelspitze über Kopf und Rücken bis zur Schwanzspitze, am ausgestopften Vogel ge- 
messen, 65 i in. 



s7 

Flügellänge: 40 cm. 

Schwanzlänge : 24,5 cm. 

Lauflänge: li cm. 

Länge der Mittelzehe bis zur Krallenspitze: 6,5 cm. 

Länge der Mittelkralle: 2,2 cm. 

Schnabellänge: 3,1 cm. 

Schnabellänge vom Rande der Wachshaut ab: 2,5 cm. 

Färbung: Oberkopf und Hinterhals graubraun, einzelne Federn weisslich mit braunem 
Schaftstrich; Oberseite graubraun, die einzelnen Federn schmal hell gesäumt; Handschwingen 
graubraun, der verdeckte Teil gelbweiss gebändert; Schwanz graubraun mit gelblichen Quer- 
binden, diese am schwächsten auf den beiden mittelsten Steuerfedern; Kinn weisslich; Federn 
der Unterseite weisslich mit breitem, braunem Schaftstrich, ebenso diejenigen der Hosen, doch 
zeigen hier einzelne Federn an der Aussenseite ausserdem weissliche < Verbinden; Unterschwanz- 
decken weisslich mit braunen Schaftstrichen; Füsse blaugrau; Schnabel an der Spitze schwarz- 
blau, nach hinten heller werdend, Wachshaut schwärzlich. (Taf. VIII, 1 und 2.) 

2. Altes Männchen im Besitz des Herrn Grafen K. v. Alten -Linsingen in Linden 
bei Hannover. Nach Leege, „Die Vögel der friesischen Inseln." S. 89 wurde dieses Exemplar 
am 7. 3. 1890 in den Ostdünen von Juist erlegt, wo es sich, von Osten kommend, auf einem 
höheren Dünenkopf niederliess. Leege hält den Vogel für den norwegischen Jagdfalken, 
während ich ihn der Grösse und der Farbe des Gefieders nach für den grossen Gerfalken 
halte. Ich stütze mich dabei auf Hennicke, der in seinem Buch „Die Raubvögel Mitteleuropas." 
S. 61 sagt: „Die letztere Farbe" (dunkelgrau), „der des Wanderfalken sehr ähnlich, kommt 
besonders bei der kleineren Form vor, bei der die weissen Vögel nicht gefunden werden." 

Masse, genommen am ausgestopften Vogel: 
Länge von der Schnabelspitze über Kopf und Rücken bis zur Schwanzspitze: 62 cm. 
Flügellänge: 40,7 cm. 
Schwanzlänge : 25 cm. 
Lauf länge: 6,6 cm. 

Länge der Mittelzehe bis zur Krallenspitze: 9 cm. 
Länge der Mittelkralle: 2,8 cm. 
Schnabel länge: 3 cm. 
Schnabellänge vom Rande der Wachshaut ab: 2,55 cm. 

Färbung: Kopf weiss, einzelne Federn mit schmalem schwarzen Schaftstrich, Oberseite 
weiss mit grauen Querbinden; Handschwingen mit schwarzbraunen, schmal weiss gesäumten 
Spitzen; die äussersten Steuerfedern besitzen helle Schäfte und sind leicht schwarz gebändert, 
die dann folgenden (jederseits 4) sind weiss mit schwärzlich bespritztem Aussensaum, die 
beiden mittleren besitzen schwarze Querbinden ; Unterseite weiss ; Hosen weiss, ganz vereinzelt 
braun gestrichelt; Füsse gelb; Schnabel horngelb; Wachshaut gelb. — 

Es ist mir eine angenehme Pflicht, dem Herrn Grafen v. Alten -Linsingen für seine 
Erlaubnis, den Falken besichtigen und beschreiben zu dürfen, an dieser Stelle meinen Dank 



Beiträge zur Landesfauna. 

Von Hermann Löns. 

4. Hannovers Süsswasser fische. 

Die Süsswasserfische der Provinz sind bis auf einige wirtschaftlich und sportlich 
belanglose kleine Arten gut erforscht. 

Die Faunistik hat sich verhältnismässig wenig mit unseren Fischen beschäftigt; die 
Erforschung der einheimischen Fischwelt stellt sich bis auf wenige Arbeiten als eine Begleit- 
erscheinung amtlicher oder privater Bestrebungen zur Hebung der Fischerei und Fischzucht 
dar. Die Berufs- und Sportfischer unterscheiden die schwierigen Arten, vor allem die Weiss- 
fische, kaum, und um die wirtschaftlich und sportlich wertlosen Arten kümmern sie sich 
garnicht, wie sich denn auch die Aquarienbesitzer mit der Erforschung der einheimischen 
Fische so gut wie garnicht abgeben und sich noch nicht einmal bemühten, unseren lebens- 
geschichtlich interessantesten Kleinfisch, den Bitterling, bei uns zu suchen; sie begnügten sich 
mit von auswärts eingeführten Stücken. 

Die Literatur über unsere Fische ist recht umfangreich, bezieht sich aber in der 
Hauptsache auf Fischerei und Fischzucht, und in ihr nimmt der Lachs die erste Stelle ein. 
Ich kann hier nur ein ganz mangelhaftes Literaturverzeichnis geben, da mir bisher die Zeit 
fehlte, die Zeitschriften und die Fischereiberichte durchzuarbeiten. In dem Literaturverzeichnisse 
sind die Arbeiten, die sich lediglich auf Fischerei und Fischzucht beziehen, unberücksichtigt 
geblieben. 

Wenn ich es trotzdem unternehme, hier einen groben Abriss unserer Süsswasserfisch- 
fauna zu geben, so darf ich das, weil (ieheimer Regierungsrat Prof. Dr. A. Metzger die 
Liebenswürdigkeit hatte, meine aus Sammelwerken, faunistischen Schriften und aus den 
Angaben meiner dreihundert Mitarbeiter, die mir bei meinem Werke über die einheimische 
Wirbeltierfauna halfen, zusammengestellten Angaben zweimal durchzuarbeiten, zu ergänzen und 
zu verbessern. Auch der Wanderlehrer des Ausschusses für Fischerei der Landwirtschafts- 
kammer der Provinz Hannover, F. Giesecke, war so liebenswürdig, meine Zusammenstellungen 
durchzusehen und zu ergänzen. 

Ich hoffe, dass diese kleine Arbeit die Berufs- und Sportfischer und die Aquarien- 
liebhaber anregt, denjenigen unserer Fische, über deren Verbreitung wir noch wenig wissen, 
mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden. An Angaben sind mir besonders erwünscht: 

Nr. 4. Die Groppe. Jedes Vorkommen aus der Ebene unter Uebersendung eines 
Belegstückes. 

Nr. 14. Der Bitterling. Jede Angabe ist wichtig, doch ohne Belegstück von ge- 
ringem Wert. 

Nr. 24. Das Moderlieschen. Desgleichen. 

Nr. 26. Die Alandblecke. Desgleichen. 

Nr. 37. Die Aesche. Jeder neue Fundort ist von Wert, doch sind Belege bei diesem 
leicht kenntlichen Fische nicht unbedingt erforderlich. 

Die Angaben erbitte ich nach meiner Wohnung, Hannover, Am Bokemahle 10 A. Die 
Belegsendungen erfolgen am besten als Muster ohne Wert unter Angabe von Ort, Gewässer 
und Absender. Die Fische legt man einige Tage in Brennspiritus oder in eine schwache 
Formallösung, nimmt sie dann heraus, lässt sie abdunsten und wickelt sie in Seiden-, Schreib- 
oder Pergamentpapier. 

Zum Bestimmen unserer Fische kann ich als billigste und bequemste Schrift die von 
Hinrich Nitsche, Literaturverzeichnis Nr. 52, empfehlen, deren Sonderausgabe, in der jeder 
Fisch im Umriss wiedergegeben ist, nur 1 Mark kostet. 



89 



Die Literatur. 

Die von mir gelesenen Werke und Abhandlungen sind mit einem * bezeichnet. Unbedingt 
notwendig für den, der sich mit den einheimischen Süsswasserfischen beschäftigen will, sind die Ar- 
beiten von Metzger und Häpke. 

1. Allmers, H. Das Marschenbuch. 1857.* 

2. Anonym. Der Fischfang auf der Weser und auf der Kalle. Vaterland. Blätter, 1844, Nr. 5. 

3. — üeber die Heringsfischerei in Ostfriesland. Hannoversches Magazin, 1819, Stück 12, 

13, 14, 15.* 

4. Bade, E. Die mitteleuropäischen Süsswasserfische. Berlin, Herrn. Walther, 1901. (Chondro- 

stoma nasus fälschlich für Hannover angegeben.) * 

5. Bloch, M. E. Oekonomische Naturgeschichte der Fische Deutschlands. Berlin 1782 — 84.* 

6. Bennecke, Berthold. Fische, Fischerei und Fischzucht. Königsberg, Härtung, 1881. 

Siehe auch M. v. d. Borne. 

7. Borcherding, Fr. Beiträge zur Molluskenfauna der nordwestdeutschen Tiefebene usw. Jahres- 

hefte d. naturwiss. Ver. Lüneburg, 1885/87, S. 42 ff. (Angabe der Fische des Beder- 
kesaer Sees und anderer Wässer nach Fischeraussagen.) * 

8. 3. Nachtrag dazu. Jahresb. naturw. Ver. Bremen, 1889, S. 335 ff. (Desgleichen über 
den Dümmer.) * 

9. — Die Tierwelt der nordwestdeutschen Tiefebene. In : Die freie Hansestadt Bremen und 

ihre Umgebungen. Bremen, 1890. * 

10. Borne, M. v. d. Die Fischereiverhältnisse des Deutschen Reiches. Zirk. Deutsch. Fisch. -Ver., 

1880—82.* 

11. Dallmer. Siehe M. v. d. Borne. 

12. Duncker, G. Der Eibbutt, eine Varietät der Flunder. Sehr, naturw. Ver. Schlesw. -Holstein, 

1892, S. 275 ff.* 

13. — Variation und Verwandtschaft von Pleuronectes flesus L. Wiss. Meeresuntersuchungen, 

1896, S. 47 ff. 

14. — Desgleichen. Zool. Anzeiger, 1895, S. 53.* 

15. Ehrenbaum, E. Beiträge zur Naturgeschichte einiger Eibfische. Wissensch. Meeresunter- 

suchungen, 1894, S. 335 ff. 

16. Fritsch, A. Untersuchungen über die Biologie und Anatomie des Elbelachses. Mitteil. d. osterr. 

Fisch.-Ver., 1885/87, Nr. 17, 19 und 23. 

17. Goeze, J. A. E. Europäische Fauna. Leipzig, 1794.* 

18. Greve, E. Siehe Wiepken. 

19. Guthe, H. Die Lande Braunschweig und Hannover usw. Hannover, Klindworth, 1867.* 

20. — 2. Aufl., bearb. von A. Renner. Ebenda 1888.* 

21. Häpke, L. Die volkstümlichen Tiernamen im nordwestlichen Deutschland. Abh. Naturw. Ver. 

Bremen, 1870, S. 275—319.* 

22. — Ichtyologische Beiträge. Ebenda, 1876, S. 157 ff., S. 165 ff.* 

23. — Systematische Uebersicht der Fische des Wesergebietes. Zirk. d. Deutsch. Fisch.-Ver., 

1876, Nr. 3.* 

24. — Petromyzon planeri und Cobitis taenia aus Bassum. Abhandl. Naturw. Ver. Bremen, 

1877, S. 18.* 

25. — Fische und Fischerei im Wesergebiete. Ebenda, 1880, S. 577 ff. * 

2(i. Heckel, Jac. und R. Kner. Die Süsswasserfische der österreichischen Monarchie usw. Leipzig, 
Engelmann, 1858. (Der Harz wird genannt.)* 

27. Heincke, Fr. Naturgeschichte der Fische. Leipzig, Brockhaus, 1882. 

28. Heineken. Die freie Hansestadt Bremen usw. Bremen, 1836 u. 1837.* 

29. Helms, F. Die Fische im Jetzelflusse. Hannov. Magazin, 1838, Stück 49 u. 50.* 

30. K. (G. J. C. Koch?) Historische Notizen über Hannover. Hannov. Magazin, 1870, Stück 70. 

(Der Störfang bei Hannover.) * 

31. Kner, R. Siehe Jac. Heckel. 

32. Kohlrausch, F. und H. Steinvorth. Beiträge zur Fauna des Fürstentums Lüneburg. Lüneburg, 

1861. (Enthält wichtige Angaben, ist aber ganz unzuverlässig.)* 

33. Kreye, H. Das Vorkommen der Schmerle in den Gräben der Eilenriede bei Hannover. Jahresb. 

Naturhist. Ges. Hannover, 1899/1904, S. 89.* 

34. Landois, H. Westhoff und Rade. Westfalens Tierleben in Wort und Bild. Paderborn, 

Ferd. Schöningh, 18K3. (Wichtige, aber auch falsche Angaben über Weser und Hase.)* 

35. Leunis, Joh. Synopsis der Naturgeschichte des Tierreiches. Hannover, Hahn, 1860.* 

36. Lichtenstein, Heinr. Ueber Schmerlen und Forellen des Harzes und eine Lernaeakrankheit usw. 

Bericht naturwiss. Ver. d. Harzes, 1841/42, 2. Aufl., Wernigerode, 1856, S. 18.* 

12 



90 

37. Linstow, 0. v. Ueber bei Hameln vorkommende Tiere. Jahresb. Westf. Prov.-Ver., 1881/82, S. 12. 

38. — Iehtyologische Notizen. Archiv f. Naturg., 1878, S. 246. 

39. Löns, Herrn. Bitte, die Wirbeltiere Hannovers betreffend. Jahresb. naturhist. Ges. Hannover, 

1899/1904, S. 247 ff. (Frageheft. Ohondrostoma nasus ist fälschlich angegeben, 
Abramis vimba ist nicht aufgeführt.)* 

40. Lohmeyer, Carl. Verzeichnis der Fische, welche in den ostfriesischen Gewässern vorkommen. 

58. Jahresb. Naturf. Ges. Emden, 1877, S. 9. (Vorläufiges, nicht zum Druck bestimmtes, 
durch ein Missverständnis gedrucktes Verzeichnis. * 

41. — Uebersicht der Fische der ostfriesischen Halbinsel und des unteren Emsgebietrs 

Emden, 1906.* 

42. — Uebersicht der Fische des unteren Ems-, Weser- und Elbegebietes. Abhandl. Nat. Ver. 

Bremen, 1907, Bd. 19, Heft 1, S. 149 — 180* 

43. Lori, F. A. Fauna der Süsswasserfische Mitteleuropas. Passau, 1878. 

44. Merrem, Blasius. Verzeichnis der rotblütigen Tiere in den Gegenden von Göttingen und 

Duisburg. Schrift. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1798, S. 187—196.* 

45. Metzger, A. Uebersicht der im Regierungsbezirke Kassel im Flussgebiet der Werra, Fulda und 

oberen Weser einheimischen Fische. Landw. Zeitschrift f. d. Reg. -Bez. Kassel, 1878, 
S. 164 ff. (Auch für Hannover wichtig.)* 

46. — Beiträge zur Statistik und Kunde der Binnenfischerei des preussischen Staates. 

Berlin, 1880.* 

47. — Fischerei und Fischzucht. In: Festschrift zur 50 jähr. Jubelf. d. Prov. -Landw. Ver. 

Bremervörde. Stade, A. Plockwitz, 1885. * 

48. — Bericht über die Fischereiverhältnisse an der Weser. Zirk. Deutsch. Fisch. -Ver., 1860, 

S. 15—19. 

49. — Ueber Irrtümer, Missverständnisse usw. 40. Bericht des Ver. f. Naturk. Kassel, 1895. 

(Chondrostoma nasus fehlt in Nordwestdeutschland, Abramis vimba ist kein Wanderfisch.) 

50. — Fischerei und Fischzucht in den Binnengewässern. Lorey"s Handbuch der Forstwissen- 

schaft, 2. Aufl., 1903. 
öl. Möllmann, Gustav. Zusammenstellung der Säugetiere usw., welche bis jetzt im Artlande usw. 
beobachtet wurden. Jahresb. naturwiss. Ver. Osnabrück, 1893.* 

52. Nitsche, Hinrich. Die Süsswasserfische Deutschlands. Zeitschr. f. Fischerei u. deren Hülfs- 

wissenschaften, 1898, Heft 2 u. 3.* 

53. Poppe, S. A. Notizen zur Fauna der Süsswasserbecken des nordwestlichen Deutschlands usw. 

Abhandl. Naturw. Ver. Bremen, 1889, S. 517 ff. (Ueber das Grosse Meer bei Emden.)* 

54. Preuss, W. G. Fische und Fischerei in der Unterweser. Zirk. Deutsch. Fisch. -Ver., 1874, 

S. 75 ff. 

55. Schonevelde, St. v Ichtyologia usw. Hamburg, 1624. 

56. Schulze, E. Lieber die geographische Verbreitung der Süsswasserfische von Mitteleuropa. 

Stuttgart. J. Engelhorn, 1890.* 

57. — Fauna piscium Germaniae. Jahrb. Naturw. Ver. Magdeburg, 1890. Sonderabdruck 

Potsdam, Döring, 1890. 2. Aufl. Königsberg, Härtung, 1892* 

58. Seetzen, U. J. Versuch eines Verzeichnisses der Jeverschen, Oldenb. und Ostfr. Fische. Neue 

Schriften d. Ges. naturf. Fr. Berlin, 1795.* 

59. Siebold, C. Th E. v. Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.* 

60. St., E. Die Verbreitung des Sichlings. Aus der Natur, 1. Jahrg., 1905/6, Heft 24, S. 768. 

(Wiedergabe einer Mitteilung von A. Nehring in d. Schrift, d. Gesellsch. naturf. Freunde 
zu Berlin, dass der Sichling in der Landdrostei Lüneburg nicht vorkommt.) * 

61. Steinvorth, H. Zur Kenntnis der Lüneburgischen Fische. Jahresh. Naturw. Ver. Lüneburg, 

1868/69, S. 135 ff.* 

62. — Siehe auch Kohlrausch. 

63. Taube, Joh. Beiträge zur Naturkunde des Herzogtums Lüneburg. Celle, 1766 und 1769. 

(Der Lachsfang bei Wolthausen bei Celle und Angaben über die Fische der Oertze.) * 

64. Weber, J. Die Fische Deutschlands und der Schweiz. München, 1870. 

65 Wiepken, C. F. und E Greve. Systematisches Verzeichnis der Wirbeltiere im Herzogtum 
Oldenburg. Oldenburg, Schulze, 1876. (Die Provinz Hannover wird mit berücksichtigt.)* 

66. Wittmack, L. Beiträge zur Fischereistatistik des Deutschen Reiches. Zirk. Deutsch. Fisch. - 
Ver., 1875. Auch Sonderabdruck. * 



91 



Artenverzeichnis. 

Alle sicher festgestellten Arten führe ich mit fortlaufenden Ziffern, die übrigen unbeziffert 
an. Die volkstümlichen Namen bedürfen noch einer genaueren Erforschung, da sie von Gau zu Gau 
sehr wechseln. Alle Mitteilungen darüber unter Angabe der Orte sind mir erwünscht. Unter der 
Bezeichnung: „Alle drei Stromgebiete" sind Ems, Weser und Elbe mit ihren Nebenflüssen und allen 
in derem Bereiche liegenden Gewässern zu verstehen. 

1. Der Flussbarsch. Perca fluviatilis L. (Altwendisch: Börsch. Hasebergland: Bas. 
Sonst Bars, Baas, Bors.) Standfisch aller drei Stromgebiete in Flüssen, Bächen und Teichen, sogar 
in den Teichen des Oberharzes. 

2. Der Zander. Lucioperca sandra (L.). (Zander, Sander, Sandart .) Ursprünglich nur 
im Elbegebiete, in der Weser künstlich eingebürgert und durch den Oste-Hainme-Kanal hinein gelangt. 
In der Ems ebenfalls eingebürgert, auch in der Geeste, Lesum, im Hadeler Kanal, in der Medem, 
Oste, im Balksee, Flögeiner, Bederkesaer, Sellstedter See, Leda, Fulda. 

3. Der Kaulbarsch. Acerina cernua (L.). (Kulbars, Swinebars; Münden: Stuerbars; 
Seeburg: Hungerbars, Hummerbars. Zeven : Kuttenklemmer.) Standfisch aller drei Stromgebiete in 
Flüssen, Bächen, Seen und Teichen in der Ebene und im Hügellande. 

Der Forellenbarsch. Micropterus salmoides Jord. Gutsbesitzer E. v. Schrader züchtete 
diesen Amerikaner in seinen Teichen in Sunder bei Celle, gab die Zucht auf und setzte die Fische 
in die Meisse, wo sie seit einigen Jahren nicht selten gefangen werden. In Bayern ist der Fisch 
gut eingebürgert, zeigt sich seit einigen Jahren auch im Rhein und Main. Ob er sich bei uns hält, 
bleibt abzuwarten. 

Der Schwarzbarsch. Micropterus dolomieui Laccp. Bei Veckenhagen bei Münden wurden 
1898 Einbürgerungsversuche mit diesem Amerikaner gemacht, die aber nicht glückten, denn es 
wurden im folgenden Jahre nur wenige Stücke bei Münden gefangen. 

Der Sonnenfisch. Eupomotis aureus Jord. Auch diesen Amerikaner züchtete E. v. Schrader 
und gab die Zucht auf, doch sind in den Teichen in Sünder noch genug vorhanden, die sich dort 
vermehren; auch zeigen sich in der Meisse nicht selten Stücke, die. durch Zufall dorthin geraten 
sind. Es scheint also, dass dieser Fisch bei uns eingebürgert ist. 

4. Die Groppe. Cottus gobio L. (Harz: Kulkop, Kaulheide; Münden: Kuleken ; Hils- 
mulde usw.: Dickkopp; Duderstadt: Kaulquappe.) Standfisch aller drei Strombebiete. Im Hügel- 
lande und im Gebirge weit verbreitet, in der Ebene auch wohl in allen schnellen, klaren Bächen. 
In der Ebene ist sie festgestellt für die Oertze, Böhme, Hemeringer Bach, Alvernscher Bach bei 
Alvern, Verden, Rotenburg, Lesum, Winsen an der Aller. Sie soll auch schon in der Leine bei 
Hannover gefangen sein. Alle Mitteilungen über ihr Vorkommen in der Ebene sind von Wert. - 
Die Groppe ist mit keinem unserer Fische zu verwechseln. Sie wird 10 bis 15 cm lang. Der Kopf 
ist breit, platt, vorne abgerundet. Der Rumpf ist drehrund, hinten seitlich zusammengedrückt, das 
Maul gross. Die Haut ist nackt. Die Brustflossen sind gross. Sie ist oben graubräunlich mit 
dunkleren Flecken, unten beim Weibchen einfarbig grauweiss, beim Männchen bräunlich gefleckt. 
Sie lebt in klaren schnellfliessenden Bächen mit felsigem und steinigem Grunde und steckt meist 
unter Steinen, kriecht aber bei schönem Wetter auch an flachen Stellen auf den Steinen umher. Die 
rötlichgelben Eier werden von dem Männchen in einer eigens dazu gewühlten Grube bewacht. 

5. Der dreistachlige Stichling. Gasterosteus aculeatus L. (Stickling, Steckling, Stecker- 
ling, Steckeling, Steekeling, Steckerbock, Steehling, Rotkehlken; Nienburg: Stäkerstange; Uslar: 
Stäkerbock; Winsen a. d. L. : Steckelbold; Hadeln: Stöker ; Ostfriesland: Stickelstange ; Wittlage: 
Stiäkelstange.) Standfisch aller drei Stromgebiete in fliessenden und stehenden klaren Gewässern 
der Ebene und des Hügellandes. Im Oberharze fehlt, er. Im Brakwasser des Wattenmeeres ist 
er häufig. 

6. Der zehnstachelige Stichling. Gasterosteus pungitius L. (Volksnamen wie voriger, 
doch nicht: Rotkehlken.) Verbreitung wie die des vorigen, doch schon im Hügellande sehr ver- 
einzelt. Das Gebirge meidet er ganz. Er liebt mehr trübe stehende Gewässer. Er lebt auch im 
Wattenmeere und auf den Inseln. 

7. Die Quappe. Lota Iota (L.). (Quabbe, Quabaal, Quappaal; Ostfriesland: Trüsche.) 
Standfisch der unteren und mittleren Gebiete aller drei Stromgebiete in Flüssen, Bächen und Teichen, 
auch im Brakwasser. Dem Gebirge fehlend. 

8. Die Flunder. Pleuronectes flesus (L.). (An der Aller und in Ostfriesland: Butt; 
von Harburg an: Eibbutt; im Einsgebiete auch Sandbutt, Strussbutt.) In den Unterläufen aller drei 
Ströme das ganze Jahr über, auch in den Nebenflüssen, so in der Aller, Leine, Vechte, Oertze, im 
grossen Meer bei Emden. 

9. Der Karpfen. Cyprinus carpio L. (Karpe.) Standfisch aller drei Stromgebiete, 
sowohl in freiem Zustande als in mehreren Spielarten gezüchtet, so auch in den Clausthaler Teichen. 

10. Die Karausche. Carassius carassius (L.). (Krusche, Krüsken, Krutschen; Ostfries- 
land : Krüüsken, Krüüsling.) Standfisch aller drei Stromgebiete in der Ebene und im Hügellande. 

12* 



92 

11. Die Barbe. Barbus barbus (L.) (Barben; Schnabelhecht; Unterelbe: Judenhecht; 
Lingen : Sonne.) Standfisch aller drei Stromgebiete. Liebt schnelles Wasser, meidet das Gebirge. 
Geht zur Laichzeit die kleinen Bäche hinauf. 

12. Der Gründling, (robio gobio (L.). (Grümpen, Grümbke, Grimpe; altwendisch: Gröd- 
ling; Celle, Emsgebiet: Grumpen.) Standfisch des Ems-, Weser- und Elbegebietes sowohl in der 
Ebene wie im Hügellande. 

13. Die Schleihe. Tinea tinca (L.). (Slei, Slie; Wittlage: Schligget.) Standfisch aller 
drei Stromgebiete in der Ebene; im Hügellande seltener, aber viel gezüchtet. 

14. Der Bitterling. Rhodeus amarus (Bl.). (Volksnamen fehlen; bei Hameln soll er nach 
..Westfalens Tierleben'' Marienblecke heissen, doch entbehrt diese Angabe der Bestätigung. Die 
Hamelner Fischer kennen das Fischchen nicht.) Wegen seiner Winzigkeit und seiner wirtschaft- 
lichen und sportlichen Wertlosigkeit ist der Fisch sehr wenig festgestellt. J. Helms, der ihn Röth- 
ling, Cyprinus sanguineus ii. sp. nennt und 1838 ausgezeichnet beschreibt, aber die Stücke im 
Hochzeitskleid für eine andere Art hält, als den von ihm auch angegebenen Bitterling, fand ihn in 
der Jetzel bei Lüchow. Metzger stellte ihn für die Weser, Elbe und Fulda fest. „Westfalens 
Tierleben'' führt ihn für Hameln an. Da er in der Aa bei Münster in Westfalen und bei Oldenburg 
gefangen wurde, so ist anzunehmen, dass er an passenden Stellen überall bei uns verbreitet ist. 
Präparator H. Kreye teilt mir mit, dass er in den jetzt nicht mehr vorhandenen Stadtgräben auf 
dein Prinzenberge in der Stadt Hannover vorgekommen sei. Jede Mitteilung über sein Vorkommen 
ist für mich von Wichtigkeit. 

1"). Die Plötze. Leuciscus rutilus (L.). (Bleier, Rottfedder, Rodooge.) Standtisch aller 
drei Stromgebiete. 

16. Die Rotfeder. Scardinius crythophthalmus (L.). (Volksnamen wie voriger.) Ver- 
breitung wie der vorige. 

17. Die Ellritze. Phoxinus phoxinus (L.). (Ellrütze; Harz: Ellerling.) Standfisch aller 
drei Stromgebiete, sowohl im Berg- und Hügellande, wie in klaren Bächen der Ebenen. Auch im 
Oberharze. Sie soll in Ostfriesland fehlen. 

18. Der Aland. Idus i<ln* (L.). (Alander; Emsgebiet: Wünne, Mohne, Münning ; auch 
Wittfisch, wie alle Weissfische.) Standfisch aller grösseren Flüsse und der Seen in der Ebene; fehlt 
in der oberen Weser, in der Werra und Fulda. Die Goldorfe, seine rote Spielart, viel in Teichen. 

19. Der Döbel. Squalius cephalus (L.). (Emsgebiet: Mönne, Mohne; Allergebiet : Münne; 
Winsen a. L. und sonst auch: Döbeler; Artland: Wünne.) Standtisch aller drei Stromgebiete in der 
Ebene und im Hügellande. 

20. Der Hasel. Squalius leuciscus (L.). (Häsling, Wittfisch; Artland: Bleier.) Stand- 
fisch aller drei Stromgebiete. Von Metzger für die Weser, Fulda und Werra, den Dümmer, von 
„Westfalens Tierleben" für Ems und Weser, von Möllmann für die Hase, von Direktor Grashoff für 
die Grafschaft Bentheim, von Lohmeyer für das Grosse Meer 1905 festgestellt. Im ganzen noch 
wenig beobachtet. 

| Die Nase. < 'hondrostoma nasus (L.). Der Fisch wird, weil die Fischer die Zährte, 
Abrami* vimba L., Neese oder Neesen nennen, von vielen Faunisten für Hannover angegeben, fehlt 
aber, wie Metzger nachwies, der Provinz und auch Oldenburg völlig und kommt in Westfalen und 
Kurhessen nur in den dem Rheingebiete angehörenden Gewässern vor. | 

|Der Sichling. Pelecus eultratus L. Die in der Literatur sich findende Angabe, dieser 
östliche Fisch lebe im Lüneburgischen, berichtigte A. Nehring.] 

21. Die Güster. Blicca björkna (L.). (Plieke, Plikke; am Steinhuder Meere: Dünnge.) 
Ein wenig beobachteter Fisch, den Metzger für die Ems, Weser, Aller, Elbe, Fulda, Werra und alle 
grösseren Seen der Provinz feststellte; Möllmann führt ihn für die Hase an, Kohlrausch und Stein- 
vorth, deren Angaben wenig zu trauen ist, nennen ihn für das Lüneburgische. Nach Lohmeyer ist 
er in Nordhannover überall häutig. 

22. Der Blei. Abramis brama (L.). (Brassen, Breetfisch, Breesen, Breschen.) Standfisch 
aller ruhigen Gewässer der drei Stromgebiete in der Ebene und im Hügellande. 

23. Die Zährte. Abramis vimba (L.). (Nase, Neesen, Maifisch; bei Meppen und Lingen: 
Hengst, Pigge; Ostfriesland: Wörmke; Unterweser: Schnäpel; Dollart: Nösken; Wittlage: Bleggütt : 
Aurich: Witttisch und Bleier.) Dieser Fisch ist lange bei uns übersehen und obgleich Metzger 1880 
ihn schon als gemeinen Standtisch aller drei Stromgebiete nachwies, führten ihn die meisten Fau- 
nisten. ja auch amtliche Fischereiberichte, als Nase an, nur Borcherding erkannte ihn. Sie geht in 
den Bergen bis in das untere Forellengebiet. 

24. Die Zoppe. Abramis ballerus (L.). (Schwöpe, Schwope.) Ein wenig beachteter 
Fisch; Metzger erhielt ihn aus der Elbe bei Lenzen, aus dem Flögeiner und Dahlemer See. Ob 
Heinecken, der ihn für die Weser bei Bremen angibt, und Kohlrausch und Steinvorth, die ihn für 
das Lüneburgische nennen, ihn richtig ansprachen, ist fraglich. 



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j. Der Rapfen. Aspius aspius (L.). (Volksname nicht zu finden.) Nach Metzger 
kommt er nur in der Elbe vor. Siebold nennt ihn zwar nach Heinecken für die Weser, Borcherding 
nach Fischeraussagen für die nordhannoverschen Seen; hier liegen wohl sicher Irrtümer vor. 



93 

26. Das Moderlieschen. Leucaspius delineatus Heck. Dieses winzige hübsche Fischchen 
wird, wenn regelrecht darauf gefahndet wird, im ebenen Lande bei uns wohl vielfach gefunden 
werden, da Dr. H. Angener es bei Hamburg, Wiepken bei Oldenburg, v. Siebold es bei Braunschweig 
fand. Metzger stellte es im Wesergebiete für einige Teiche bei Rotenburg fest und Blasius nach 
Angabe v. Siebold's für Torfgräben bei Gifhorn. Nach Püning soll es, wie in „Westfalens Tierleben" 
angegeben wird, bei Hameln vorkommen. Diese Angabe erscheint sehr zweifelhaft. Lohmeyer erhielt 
es von E. v. Schrader aus Sunder bei Celle. — Das Fischchen ist nur 6 — 10 cm lang, hat einen 
gestreckten, zusammengedrückten Leib, der Bauch ist zwischen Bauchflossen und After gekielt. Die 
Mundspalte ist steil aufwärts gerichtet, das Kinn etwas verdickt, in eine Vertiefung des Zwischen- 
kiefers eingreifend. Die Seitenlinie ist nur auf die ersten 8 bis 12 Schuppen hinter dem Kopfe 
beschränkt. Die Schuppen fallen sehr leicht ab. Hinter dem After steht eine aus drei Wülsten 
bestehende Geschlechtswarze. Der Rücken ist grünlichgelb ; die Seiten sind silberglänzend mit einem 
stahlblauen Längsstreifen, die Flossen farblos und durchscheinend. Es lebt in Seen, Teichen, Gräben, 
Flussbuchten und langsamen Bächen. 

27. Der Ukelei. Albumus albumus (L.). (Snieder, Bleeke, Wittfisch.) Standfisch aller 
drei Stromgebiete und in langsamen Flüssen und Bächen, in Seen und Teichen der Ebene und des 
Hügellandes gemein. 

28. Die Alandblecke. Albumus bipunctatus (El.). Nach Metzger kommt sie in der 
Ems, Weser, Elbe, Werra und in der Fulda bis zur Eder vor; Borcherding gibt sie nach Fischer- 
aussagen für den Bederkesaer See an. Da der Fisch wirtschaftlich wertlos ist, ist wenig auf ihn 
geachtet. — Die Alandblecke ist, wie der Ukelei, 10 bis 12 cm lang, aber etwas breiter. Der 
Mund ist endständig, etwas schief, das Kinn wenig verdickt. Die Afterflosse steht hinter der 
Rückenflosse, während sie beim Ukelei vor dem Ende der Rückenflosse beginnt. Der Rücken ist 
bräunlichgrün oder blau, die Seiten sind hellgrünlich. Die Seitenlinie ist oben und unten von einem 
schmalen schwarzen Streifen eingefasst. Oberhalb der Seitenlinie, manchmal auch unterhalb, tragen 
je drei Schuppenreihen schwarze dreieckige Flecke auf jeder Schuppe. Zu beiden Seiten des Rückens 
verläuft eine schwarzblaue Binde vom Kiemendeckel bis zum Schwänze. Rücken-, Brust- und Schwanz- 
flosse sind grau, Bauch- und Afterflosse gelblich oder rotlich, zur Laichzeit orange. Der Fisch lebt 
in klaren Teichen, Seen, Bächen und Flüssen am Grunde, während der Ukelei an der Oberfläche lebt. 
Der Ukelei ist oben bläulichgrün, Seiten und Bauch sind silberglänzend. Die blauen und schwarzen 
Abzeichen fehlen ihm. 

29. Der Schlammbeisser. Misgurnus fossilis (L.). (Putaal, Pute, Puten; Fallersleben : 
Pietsche; Hasebergland: Slammpietsger ; Fürstenberg: Piepaal; Duderstadt: Schlammbieter; Wend- 
land: Kulpietsch; mittlere Leine: Bimm, Bibben, Bippen, Bimmen.) Standfisch aller drei Strom- 
gebiete von der Küste bis nach Clausthal hin. 

30. Die Schmerle. Nemachilus barbatulus (L.). (Smerl, Smerle; Winsen a. L : Smarl; 
Uelzen: Steenaal.) Im Berg- und Hügellande und in fast allen raschen Gewässern der drei Strom- 
gebiete verbreitet. In Ostfriesland ist sie nur für das grosse Meer bei Emden festgestellt. 

31. Der Steinbeisser. Cobilis taenia L. (Volksname fehlt.) In allen drei Stromgebieten 
verbreitet. Nach Pastor Dr. Rössig auch im Stadtweger Teiche bei Zellerfeld. 

32. Der Wels. Silurus glanis L. (Volksname: ?) Nur im Elbegebiete. Greve gibt 
allerdings bei Wiepken an, er habe ein in der Weser gefangenes Stück gesehen. Vielleicht war es 
aber die folgende Art. Nach Metzger kommt er im Amte Bleckede im Bauernsee und im 
Equordshaken vor. 

Der Zwergwels. Amiurus nebulosus Rafin. E. v. Schrader züchtete diesen Amerikaner 
in Sunder bei Celle. In den letzten Jahren sind bei Celle mehrfach fusslange Stücke in freiem 
Wasser gefangen, auch sollen in der Leine bei Hannover einzelne Stücke geangelt sein. Es ist ab- 
zuwarten, ob der Fisch sich bei uns einbürgert. 

Der Hering. Clupea harengus L. Im Mündungsgebiete der Ems, Weser und Elbe, auch 
im Grossen Meere bei Emden seit einigen Jahren. 

Die Sprotte. Clupea sprattus L. Desgleichen, doch nicht im Grossen Meere. 

33. Der Maifisch. Alosa vulgaris C. V. (Maifisch, Maibaje, Baje.) 

34. Die Finte. Alosa finta (Cuv.). (Dieselben Namen.) Beide besuchen zur Laichzeit 
die Unterläufe der Ems, Weser und Elbe. 

| Der Shad. Aloaa praestabilis Dekaij. Diesen Amerikaner versuchte man ohne Erfolg in 
der Weser einzubürgern.] 

35. Der Hecht. Eso.r lucius L. (Heekt, Häk; an der westfälischen und holländischen 
Grenze: Snook; altwendisch: Stjaucko.) Standtisch aller drei Stromgebiete; im Harze geht er bis 
zum Aeschengebiete, doch findet er sich, aber wohl ausgesetzt, in den Clausthaler Teichen. 

36. Der Lachs. Trutta salar (L.). (Lass.) Der Lachs besucht, zur Laichzeit alle drei 
Stromgebiete. 

37. Die Meerforelle. Trutta trutta (L.). (Lachsforelle.) Sie besucht zur Laichzeit alle 
drei Stromgebiete, ist aber viel seltener als der Lachs. 



94 

37. Die Bachforelle. Salmo fario L. (Frelle, Buntforelle.) Standfisch aller drei Strom- 
gebiete, sowohl im Berg- und Hügellande, wie in der Ebene, vorausgesetzt, dass raschfliessende, 
klare Flüsse und Bäche vorhanden sind. 

Die Regenbogenforelle. ScUmo irideus W. Gibb. Sie wird als Teichfisch viel gezüchtet ; 
die Versuche, sie in Bächen anzusiedeln, schlugen bei dieser amerikanischen Art fehl. 

Der Bachsaibling. Epitomynis fontinalis Mitsh. Diese amerikanische Art ist in der 
Luhe, Lopau, Seeve eingebürgert; ob die Einbürgerung von dauerndem Erfolge is.t, bleibt abzuwarten. 
Als Teichfisch ist die Art gut eingeführt. 

[Der Saibling. Salmo salvelinus L. Die Einbürgerungsversuche mit dieser alpinen Art 
waren bei uns erfolglos.] 

38. Der Stint. Osmerus eperlanus (L.). (Stint; Ostfriesland: Spierling.) Er besucht 
zur Laichzeit die Unterläufe der Ems, Weser und Elbe. Aus der Geeste ist er in den Sellstedter 
See und durch die Aue, Madem und den Hadelner Kanal in die übrigen Seen des Regierungsbezirkes 
Stade gelangt, wo er sich dem Süsswasser völlig anpasste, und, wie auch im Grossen Meere bei 
Emden, jahrein jahraus vorkommt. 

39. Die Aesche. Thymallus thymallus (L.). (In der Heide: Ascher; Hotelname: Silber- 
forelle.) Sie fehlt der Ems und ihren Zuflüssen. Sie findet sich vereinzelt in der Elbe, Weser, 
Werra und Fulda, häufiger in der Oder bei Scharzfeld, in der Ruhme bei Ruhmspringe, in der Eder, 
Diemel, Emme, in der Nethe bei Hilwartshausen ; sie kommt in der Aller nicht selten vor, auch in 
der Oertze, Böhme, Ilmenau, Luhe und Seeve. 

40. Der Schnäpel. Coregonus oxyrhynchus (L.). (Schnepel; Unterweser: Tiedemann, 
Tiedelmann, Tielemann.) Er besucht zur Laichzeit die Unterläufe der Ems, Weser und Elbe. 

Der Ostseeschnäpel. Coregonus lavaretus (L.). Wird in Bienenbüttel gezüchtet und 
in die Elbe und Weser ausgesetzt. 

41. Der Aal. Anguilla anguüla (L.). (Aal, Aol ; Wittlage: Aeuler; altwendisch: Wundjirr, 
Wundjör.) Der Aal bewohnt sämtliche ihm zugänglichen Gewässer der drei Stromgebiete, der Küste 
und des Hügellandes. Im Gebirge geht er bis in das Forellengebiet; im Oberharze fehlt er, doch 
wurde nach Angabe des Kgl. Hegemeisters 0. Lüttich einmal ein Aal von Daumendicke im Oder- 
teiche gefangen. 

42. Der Stör. Adpenser sturio L. (Steer.) Er besucht zur Laichzeit die Ems, Weser 
und Elbe und ihre grösseren Zuflüsse. 

43. Das Bachneunauge. Petromyzon planeri Bl. (Neegenooge, Prieken, Kliewen, 
Klieben; die Jugendform: Bachkliewen.) Es ist noch wenig beachtet, weil es keinen wirtschaftlichen 
Wert hat. Festgestellt wird es von Taube schon 1766 für die Oertze, Leunis nennt es für die 
Beuster bei Hildesheim, Kohlrausch und Steinvorth nennen es für die Elbe und Ilmenau, Fleischer 
für die Urne im Solling, Angener für die Rase bei Göttingen, es ist ferner für das Eichsfeld, für 
Goslar, für die Warne bei Alfeld, für Bassum, Zeven, die Rhume, die Oder, die Remte bei Hameln, 
die Oertze und Böhme und für den Schiffgraben und die Wietze bei Hannover, für Bäche bei Isen- 
büttel, für die Hache bei Syke, die Ochtum und die Oker bekannt. 

44. Das Meerneunauge. Petromyzon marinus L. (Neegenoogenkönig.) Zur Laichzeit 
besucht es alljährlich, doch stets einzeln, alle drei Stromgebiete, geht aber nicht so tief in das 
Land, wie die folgende Art. 

45. Das Flussneunauge. Petromyzon fluviatilis L. (Neegenooge, Pricke.) Es besucht 
zur Laichzeit alle drei Stromgebiete. 



Ueber das Vorkommen von Zamites Buchianus Ettinghausen 
im Wealden Nordwestdeutschlands. 

Von H. Salfeld. 

Hierzu Tafel X. 

Unter den Neuerwerbungen des Provinzial- Museums zu Hannover befindet sich eine 
Uycadee aus dem Wealden von Obernkirchen (bei Bückeburg), die ich für identisch mit 
Zamites Buchianus Ett. halte. Es ist hiermit also diese charakteristische Pflanze auch für 
den nordwestdeutschen Wealden nachzuweisen. Von Ettinghausen 1 zuerst aus den Wernsdorfer 
Schichten (Urgonien) von (irodischt in den Karpathen beschrieben, ist diese Art später von 
Fontaine '- in den Potomac - Schichten von Nordamerika, von Nathorst 3 und Yokoyama l in der 
unteren Kreide (Neocom?) von Japan, wie auch neuerdings von A. C. Seward'' in dem Wealden 
Englands nachgewiesen. 

Diese Art ist nicht, wie früher angenommen wurde, zu Pterophyllum oder Dioonites'' 
zu zählen, auch vermag ich mich nicht zur Beibehaltung des von Nathorst für diese Form 
geschaffenen Genus Zamiophyllum zu entschliessen. Ich halte es daher für angezeigter, dem 
Beispiel Sewards zu folgen, der vorliegende Art wegen der Verschmälerung der Fiederbasis 
und der spitzen, langen Fiederenden dem Genus Zamites zuzählt, ohne jedoch mit einiger 
Sicherheit ein verwandtschaftliches Verhältnis zu den übrigen Zamites-Arten behaupten zu wollen. 

Das vorliegende Fragment eines sehr grossen Wedels lässt deutlich die breite Rachis 
erkennen, auf deren Oberseite die sich nach der Basis verschmälernden Fiedern angeheftet 
sind. Die feinen und sehr zahlreichen Adern in den Fiedern verlaufen parallel, nach der 
Basis etwas zusammengezogen gemäss der Verschmälerung der Fiedern. Die spitzauslaufenden 
Fiederenden sind an dem vorliegenden Exemplar nicht erhalten, doch stimmen die an einem 
zweiten in Bückeburg befindlichen Exemplare sichtbaren mit den von Fontaine und Seward 
gegebenen Zeichnungen überein. 

Fontaine unterscheidet zwei Varietäten, var. obtusifolius und var. angustifolius. Die 
beiden Exemplare von Obernkirchen gehören zu ersterer Varietät. Seward glaubt indessen auf 
Grund des Materiales aus dem Wealden von Ecclesborne beide Varietäten nicht trennen zu 
können. Fontaine gibt als Synonyma seiner var. angustifolius Pterophyllum abietinum Göppert 
nach Dunker 7 resp. Dioonites abietinum Miquel nach Schenk 8 an, beide weichen aber erheblich 
von den Formen, die er abgebildet hat, ab; auch gehören sie zu Dioonites und nicht zu Zamites. 

Ob der von Hosius und von der Mark 11 abgebildete Dioonites abietinus (diese Art ist 
es ja sicher nicht) aus dem Neocom -Sandstein des Teutoburger Waldes hierher gehört, wie 
Seward annimmt, ist sehr zweifelhaft, wie weder aus der Zeichnung noch dem Text mit einiger 
Sicherheit auf eine zamiten - artige Ausbildung der Wedelsegmente geschlossen werden kann. 

Zeitlich reicht die Verbreitung von Zamites Buchianus vom Wealden bis Urgonien : 
leider sind wir ja bezüglich des Alters der Potomac -Formation noch recht im Unklaren, und 
mit dem Vorkommen in Japan, das Yokoyama für das ganze Neocom in Anspruch nehmen 
will, steht es nicht viel besser. 



1 Ettinghausen, Abh. k. k. geol. Reichsamt. Bd. I, 
Abth. III, Nr. 2 p. 21. Taf. I, Fig. 1. 1856. 
Schenk, Palaeontographica. Bd. XIX, p. 11. Taf. III, 
Fig. 6. 1871. 

2 Fontaine, The Potomac Flora, p. 182. Taf.LXIII— 
LXXIV. 1889. 

" Nathorst, Denkschr. d. k. Ak. Wiss. Wien. Bd. LVII, 
p. 46 u. 49. Taf. II, Fig. 1 u. 2. Taf. III. Taf. V. 
Fig. 2. 

4 Yokoyama, Journ. ('oll. Sei. Japan. Bd. VII. Teil III. 
Taf. XX, Fig. 1. Taf. XXII, Fig. 4. Taf. XXIII, 
Fig. 6. Taf. XXV. Fig. 5. Taf. XXVII, Fig. öa u. b. 
Taf. XXVIII, Fig. 1, 2, 8 u. 9. 1894. 



5 Seward, Foss. Plants of the Wealden. Catal. Br. Mus. 
1895. p.59. Taf. III, Fig. 1—5. Taf. IV. Taf. VIII A. 

6 Ueber die Umgrenzung des Genus Dioonites habe 
ich in dem diesjähr. Bd. d. Palaeontogr. (1907) 
„Ueber Rat-Jura-Flora Süd- West-Deutschlands" ein- 
gehende Untersuchungen angestellt. 

7 Dunker, Monogr. d. nordd. Wealdenbildungen. p. 15. 
Taf. VII, Fig. 2. 1846. 

s Schenk, Flora der nordwestd. Wcaldenform. Palae- 
ontogr. Bd. XIX, p. 232. Taf. XXXVII, Fig. 1. 1871. 

9 Hosius und von der Mark, Flora d. Westfäl. Kreide. 
Palaeontogr. Bd. XXVI. p. 213. Taf. XLIV. Fig. L99. 
1879-80. 



Tafel I. 







1: Gerdau. 2—4: Nienbüttel. 2 / B . 
Campanisches Bronzegeschirr der La Tenezeit. 



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Tafel IL 







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1 : Osterehlbeck. 2— i: Oldendorf II. »/•■ 
Campanisches Bronzegeschirr der La Tenezeit. 



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Tafel III. 






1: Bargfeld. 2: Westerwanna. 3: Liebenau. 4: Freden. »/*• 
Campanisches Bronzegeschirr der La Tenezeit. 

3. Eimer vom Hemmoorer Typus. 



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Tafel IV. 






1: Rondsen. »/•■ 2: Hoby. »/•• 3 u. 4: Giubiasco. «/•■ 
Campanisches Bronzegeschirr der La Tenezeit. 



flRAfH. 1UNSTANBTAIT SEOHS ALPE"6 JUM. HAHHOvE*. 



Tafel V 






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1 — 3: Mehrum. v 4: Capua. > 2 . 
Campanisches Bronzegeschirr aus der La Tenezeit. 



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Tafel VI. 



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Hügelgräber im Uelzener Stadtforst. 



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Tafel VIII. 






Seltene Vögel aus der Provinz Hannover. 



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Tafel IX. 




Termitenbau aus Brasilien. 



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Tafel XI. 












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Der Sarstedter Fund Hildesheimer Marienpfennige. 



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